Bouchercon 2007: Anthony verliehen

September 30, 2007

Sodele, jetzt sind die Anthonys verliehen. Mit der Meldung war Sarah Weinman schneller als The Rap Sheet. Dafür ist The Rap Sheet ausführlicher und Ken Bruen hat keinen Anthony gewonnen, weil er nicht nominiert war.

Die Gewinner sind:

Bester Roman: Laura Lippman: No good Deeds (William Morrow)

Bestes Debüt: Louise Penny: Still Life (St. Martin’s Minotaur)

Bestes Taschenbuch: Dana Cameron: Ashes and Bones (Avon)

Beste Kurzgeschichte: Simon Wood: My Father’s Secret (Crimespree Magazine, B’con Special Issue 2006)

Bestes Sachbuch: Jim Huang & Austin Lugar (Herausgeber): Mystery Muses: 100 Classics That Inspire Today’s Mystery Writers (Crum Creek Press)

Besondere Verdienste: Jim Huang, Crum Creek Press and The Mystery Company


Bouchercon 2007: Shamus verliehen

September 29, 2007

Die Private Eye Writers of America (PWA) haben auf der Bouchercon ihren Preis, den Shamus verliehen. Wie der Namen schon sagt, ist die Hauptfigur ein Privatdetektiv. Die Gewinner sind:

Bester Roman: „The Dramatist” von Ken Bruen (St. Martin’s Minotaur)

Bestes Taschenbuch: „An Unquiet Grave” von P.J. Parrish (Pinnacle)

Bestes Debüt: „The Wrong Kind of Blood” von Declan Hughes (Morrow)

Beste Kurzgeschichte: “The Heart Has Reasons” von O’Neil De Noux (Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine [AHMM], September 2006)

Der Preis “The Eye” für lebenslange Verdienste ging an Stuart M. Kaminsky (geb. 29. September 1934 – Herzlichen Glückwunsch!). Er erfand – ich beschränke mich jetzt auf seine Privatdetektive – den in Hollywood in den Vierzigern ermittelnden Privatdetektiv Toby Peters (etliche Romane aus dieser Serie wurden übersetzt), den im heutigen Sarasota, Florida, ermittelnden Privatdetektiv Lew Fonesca (tolle, bis jetzt nicht ins Deutsche übersetzte PI-Romane) und schrieb zwei Detektiv-Rockford-Romane (Hey, denn kennen jetzt aber alle.).

Als neuen Preis verleiht die PWA „The Hammer“. Er ging an Shell Scott; den von Richard S. Prather erfundenen Privatdetektiv. Etliche Shell-Scott-Abenteuer wurden auch ins Deutsche übersetzt und sie müssten leicht in verschiedenen Antiquariaten zu finden sein.

Keith Gilman gewann den von St. Martin’s Press und PWA ausgelobten Preis für das beste Manuskript. Gilman, ein Polizist, ist also ein Name, den wir uns merken müssen.

Ken Bruen hat jetzt noch einen Preis für einen Jack-Taylor-Roman gewonnen. „The Dramatist“ ist das vierte Abenteuer des PI. „Priest“ das fünfte. Die ersten drei waren „The Guards“ (Shamus-Gewinner), „The Killing of the Tinkers“ (Macavity-Gewinner) und „The Magdalen Martyrs“. Der sechste Band “Cross” ist vor wenigen Monaten erschienen. Obwohl jeder Roman für sich alleine steht, liest man die kurzen Bücher besser chronologisch. Außerdem dürfte „The Guards“ das zugänglichste sein.

(Dank an The Rap Sheet für die Liste der Gewinner.)


Bouchercon 2007: Barry und Macavity verliehen

September 28, 2007

Während des Krimitreffens “Bouchercon“ werden auch zahlreiche Preise verliehen. Inzwischen rollen die Listen der Preisträger (dank Sarah Weinman) ein.

Barry 2007

Bester Roman: “The Night Gardener” von George Pelecanos

Bestes Debüt: „Still Life“ von Louise Penny

Bester britischer Kriminalroman: „Priest“ von Ken Bruen

Bester Thriller: „The Messenger“ von Daniel Silva

Bestes Taschenbuch: “The Cleanup” von Sean Doolittle

Beste Kurzgeschichte: „The Right Call“ von Brendan DuBois

(„The Night Gardener“ von George Pelecanos und „Priest“ von Ken Bruen habe ich bereits gelesen und sie sind verdammt gut. Wobei Bruen mit seiner radikalen Absage an die klassische Detektivgeschichte nicht jedermanns Sache ist.)

Macavity 2007

Bester Roman: “The Virgin of small plains” von Nancy Pickard (Ballantine)

Bestes Debüt: “Mr. Clarinet” von Nick Stone (Penguin/Michael Joseph)

Bestes Sachbuch: “Mystery Muses: 100 Classics That Inspire Today’s Mystery Writers”, herausgegeben von Jim Huang and Austin Lugar (Crum Creek)

Beste Kurzgeschichte: „Til Death Do Us Part“ von Tim Maleeny (MWA Presents Death Do Us Part: New Stories about Love, Lust, and Murder, herausgegeben von Harlan Coben; Little, Brown)

Sue Feder Historical Mystery: “Oh Danny Boy” von Rhys Bowen (Minotaur)

Ah, ich muss endlich “Mr. Clarinet“ lesen. Der Schinken räumt ja alle möglichen Preise ab. Von einer deutschen Übersetzung weiß ich noch nichts.


KrimiWelt-Bestenliste für den Oktober 2007

September 28, 2007

Neuer Monat, neue KrimiWelt-Bestenliste. Im Oktober wünschen die Kritiker diesen Büchern viele Leser:

1          (1)       Andrea Maria Schenkel: Kalteis

Edition Nautilus, 160 Seiten, 12,90 €

2          (2)       Heinrich Steinfest: Die feine Nase der Lilli Steinbeck

Piper, 348 Seiten, 12,00 €

3          (-)        James Sallis: Driver

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger

Liebeskind, 160 Seiten, 16,90 €

4          (5)       Deon Meyer: Der Atem des Jägers

Aus dem Englischen von Ulrich Hoffmann

Rütten&Loening, 432 Seiten, 19,95 €

5          (-)        Rick DeMarinis: Kaputt in El Paso

Aus dem Amerikanischen von Frank Nowatzki und Angelika Müller

Pulp Master, TB, 352 Seiten, 13,80 €

6          (6)       Juan Damonte: Ciao Papá

Aus dem argentinischen Spanisch von Peter Tremp

Lateinamerika Verlag, 192 Seiten, 14,80 €

7          (-)        Friedrich Ani: Hinter blinden Fenstern

Zsolnay, 320 Seiten, 19,90 €

8          (-)        Simon Beckett: Kalte Asche

Aus dem Englischen von Andree Hesse

Wunderlich, 432 Seiten, 19,90 €

8          (-)        Arne Dahl: Ungeschoren

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt

Piper, 416 Seiten, 19,90 €

8          (-)        John Hart: Der König der Lügen

Aus dem Englischen von Rainer Schmidt

C. Bertelsmann, 448 Seiten, 19,95 €

 

James Sallis! Rick DeMarinis! Zwei Autoren, die mich die letzten Tage verdammt gut unterhielten. Gute Krimis. Gute Literatur. Halt genau das, was ich (Ja, ich weiß, alle anderen sind begeistert. Aber -) bei Andrea Maria Schenkel vermisse. John Hart liegt ganz oben auf meinem Stapel und er bekommt für sein Debüt auf der Bouchercon vielleicht auch einen Preis.

Robert B. Parker (Der stille Schüler [School Days]) und Michael Connelly (Der Mandant [The Lincoln Lawyer]) sind wieder draußen. Trotzdem wünsche ich ihnen weiterhin viele Leser. Wenn Sie diese Bücher gelesen haben, können Sie gleich zur „Gangsterbraut“ von Elmore Leonard greifen.

P. S.: In der Klammer ist die Position des Vormonats.


Magnus Gäfgen, Eva Herman und Lee Goldbergs „Fast Track“

September 27, 2007

Erinnern Sie sich noch an den Fall Magnus Gäfgen? Der Jura-Student entführte ein Kind, brachte es um und gestand seine Tat. Allerdings drohte ihm die Polizei vorher mit unerträglichen Schmerzen, vulgo Folter. Jetzt beschäftigt sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit dem Fall und es könnte sein, dass der freikommt. Der Grund?

Die Richter sahen Anhaltspunkte, dass die deutschen Behörden gegen das Verbot der Folter und gegen das Grundsatz des fairen Verfahrens verstoßen haben. Diese Fragen wollen die Juristen nun genauer prüfen – ein Etappensieg für Gäfgens Anwalt Michael Heuchemer. (Spiegel Online)

Wenn Gäfgen deshalb freikäme, hätte ich nichts dagegen. Denn im Gegensatz zu den milden Urteilen für die Polizisten, die es okay fanden einen Verdächtigen zu foltern, würde ein solches Urteil eindeutig zeigen, dass Beweise, die mit den falschen Mitteln gefunden werden, vor Gericht nichtig sind. Wir Krimifans kennen diese Konstruktion der „Früchte vom verbotenen Baum“ aus zahlreichen US-amerikanischen Krimis. Sie ist in einem Rechtstaat sehr sinnvoll.

Eva Herman meint, dass sie vor einigen Wochen falsch verstanden wurde und daher auch zu Unrecht ihren Job beim Fernsehen verlor. Deshalb hat sie jetzt das Originalzitat auf ihre Homepage gestellt. – (Kurze Lesepause.) – Wenn ich aus diesem Gebrabbel von Halbsätzen einen vollständigen und sinnvollen Satz machen sollte, käme bei mir genau das heraus, was bereits vor Wochen in den Medien gemeldet wurde. Nur das 68er-Bashing fehlt.

Aber es ist doch immer wieder ämusant, wenn Promis sich falsch verstanden fühlen, dann über die bösen Medien herziehen und ihre Version publizieren, die zeigt, dass die Medien sie genau richtig verstanden haben. Erinnern Sie sich noch an diesen Radfahrer?

Schon seit einigen Tagen ist der Trailer für „Fast Track“ zu sehen. Es ist eine Produktion von action concept (Genau, „Alarm für Cobra 11“) und sieht wie eine Kopie von „The Fast and the Furios“ aus. Aber Lee Goldberg schrieb das Drehbuch und er ist der verantwortliche Produzent/Creator. Seine Monk-Romane (mehr ist von ihm bis jetzt nicht auf Deutsch erschienen) sind jedenfalls sehr gelungen. Deshalb erwarte ich von „Fast Track“ auch viel mehr als der Trailer zeigt.


Zwei Buchhinweise: Louis ist Swierczynski, „Geheime Melodie“ als Taschenbuch

September 25, 2007

Duane Swierczynskis Roman „The Blonde“ (2006) ist jetzt auf Deutsch erschienen. Allerdings, Swierczynski hat es bereits vor längerem in seinem Blog gesagt, nicht unter seinem richtigen Namen. Der Heyne Verlag meinte, Swierczynski könne sich kein Deutscher merken (in anderen Ländern erscheinen Swierczynskis Romane unter seinem richtigen Namen Swierczynski) und schlug Duane Louis vor. Swierczynski fand’s seltsam, war aber letztendlich einverstanden und jetzt liegt „Blondes Gift“ als Werbeschwerpunkt des Heyne Verlages in den Buchläden ihres Vertrauens. (Eine Besprechung gibt’s demnächst.)

Also greifen sie bei Duane Louis zu. Sie erhalten Duane Swierczynski.

John le Carrés neuester Roman „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006) liegt inzwischen bei List als Taschenbuch vor. Ich fand ihn nicht so toll.


R. i. P. Schulze-Rohr, Behm – und das „The Black Dahlia“-Drehbuch

September 24, 2007

R. i. P.: Peter Schulze-Rohr, 25. Mai 1926 – 22. September 2007

Mehr über ihn gibt es hier oder hier.  Genau wie Jürgen Roland prägte er den deutschen TV-Krimis.

R. i. P.: Marc Behm, 12. Januar 1925 – 12. Juli 2007

Im Rap Sheet findet sich ein Nachruf über den Autor des Krimis „Das Auge“. Neben weiteren Krimis (einige erschienen vor Jahren bei Piper) schrieb er auch Drehbücher. Seine bekanntesten Arbeiten für den Film dürften „Charade“ und „Hi-Hi-Hilfe!“ sein.

Ich muss mal in den Tiefen meiner Festplatte wühlen. Denn vor Ewigkeiten habe ich die Romane von Behm abgejubelt.  Wenn Sie sie also in einem Antiquariat finden, greifen Sie zu.

Bei Daily Sript gibt es eine frühe Drehbuchfassung von „The Black Dahlia“ von Josh Friedman. Diese James-Ellroy-Verfilmung von Brian De Palma gehörte für mich zu den großen Enttäuschen des letzten Kinojahres.


Billingham über „Columbo“, Furst über seine Lektüre

September 15, 2007

Mark Billingham hat für die BBC eine halbstündige Radio-Sendung über „Columbo“ gemacht. Die hörenswerte Sendung mit Peter Falk, Steven Bochco, Jonathan Demme und anderen kann kann hier gehört werden.

In dem interessanten Blog „Writers Read“ verrät Alan Furst, was er gerade liest. Vor einigen Tagen tat’s Thomas Perry.

Nachtrag: Peter Falk feiert am morgigen Sonntag, den 16. September, seinen achtzigsten Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

Woher ich das weiß? Nun, in der Berliner Zeitung steht ein schöner Artikel von Daniela Pagade über den Mann, den die ganze Welt als Columbo kennt, der Berlin als Engel besuchte (Erinnert Ihr euch an den Wim-Wenders-Film?) und immer wieder mit John Cassavetes drehte.  Im Mittelpunkt des Artikels steht allerdings seine Rolle als Columbo und vieles kannte ich bereits von dem bereits erwähnten, von Mark Billingham gemachten, Columbo-Porträt.


Joe Zawinul gestorben

September 11, 2007

Er war einer der ganz großen Jazzmusiker. Hier der offizielle Nachruf von Managerin Risa Zincke und seiner Plattenfirma Birdjam:

Joe Zawinul  * 7. Juli 1932  † 11. September 2007

 

 

Joe Zawinul, Österreichs berühmtester Jazzmusiker, ist in den frühen Morgenstunden des 11. September in Wien an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Ende Juni hatte er in Wien mit seiner Band Zawinul Syndicate seine letzte Europatournee angetreten, am 7. Juli feierte er seinen 75. Geburtstag. Nach dem Abschlusskonzert der Tournee am 3. August in Güssing musste er sich, bereits von der Krankheit gezeichnet, in Wien in Spitalsbehandlung begeben.

 

Joe Zawinul, geboren am 7. Juli 1932 in Wien, galt schon in jungen Jahren als Höchstbegabung am Klavier. Anders als sein um zwei Jahre älterer Freund Friedrich Gulda schlug er aber nicht den Weg zur Klassik, sondern jenen zu einer Jazz-Laufbahn ein.

 

1959 übersiedelte er mit einem Stipendium des Berklee College of Music in die USA, wo er eine steile Karriere antrat, die ihn rasch zum Weltstar machen sollte. Zawinul wurde Pianist bei der Vokalistin Dinah Washington und trat 1962 in die Band des  Saxophonisten Julian Cannonball Adderley ein, für den er Evergreens wie den Hit „Mercy, Mercy, Mercy“ schrieb. Ende der Sechziger Jahre arbeitete er mit dem Trompeter Miles Davis, der eines seiner Alben, „In A Silent Way“, nach einer Zawinul-komposition benannte. 1970 gründete er gemeinsam mit dem Saxophonisten Wayne Shorter die legendäre Band Weather Report, die mehr als 15 Jahre lang die führende Formation des Fusion-Stils werden sollte, der Jazz mit starken Rockelementen verband. Aus dieser Ära stammen Zawinul-Welterfolge wie „Birdland“ oder „Black Market“.

 

Nach dem Abschied von Weather Report gründete Zawinul 1987 sein Ensemble Zawinul Syndicate, das heuer sein 20-Jahre-Jubiläum feierte. In den letzten Jahren wandte sich der Musiker, der im kalifornischen Malibu lebte, wieder verstärkt Europa und seiner österreichischen Heimat zu. 2004 gründete er in Wien seinen Jazzclub, das Birdland.

 

Joe Zawinul hinterlässt drei Söhne, Erich, Ivan und Anthony. Er überlebte seine Ehefrau Maxine, die am 26. Juli starb, nur um wenige Wochen.

Und noch einige Links:

Homepage von Joe Zawinul

Nachruf von Thomas Miessgang (Die Zeit)

Nachruf von Tobias Rapp (taz) 


Lesungen in Berlin und dem Rest der deutschsprachigen Welt

September 10, 2007

Einerseits taumeln in Berlin literaturbegeisterte Menschen die Tage euphorisiert von den vielen bekannten Namen über das Literaturfestival. Andererseits ist für den richtigen Genrefan die Ausbeute an bekannten Namen auf dem Literaturfestival karg. Chuck Palahniuk las. Aber ist er ein Krimi-Autor? Eben.

In den kommenden Tagen wird’s allerdings besser. Es lesen, in der Reihenfolge ihres Auftretens:

Jörg Juretzka liest am Donnerstag, den 13. September, um 20.00 Uhr in der Gaststätte „Matto“ (Chamissoplatz 4, Nähe U-Bahn Platz an der Luftbrücke) aus seinem neuen Kriminalroman „Bis zum Hals“.

Juretzka erhielt für seine Kryszinsky-Krimis bereits zweimal den Deutschen Krimipreis. In seinem neuesten Roman wirft die Polizei Privatdetektiv Kristof Kryszinski vor, den Russen Dimitrij Jalnikow getötet zu haben. Die Suche nach dem wahren Mörder führt ihn in die übelsten Ecken des Ruhrpotts. Und dann klopft die wunderschöne Witwe des Toten an seine Tür.

(Weitere Informationen)

Michael Morley unternimmt mit seinem Debütroman „Spider“ eine ganze Lesereise. Die deutschen Teile liest Ralph Herforth. Kriminalhauptkommissar und Sachbuchautor Stephan Harbort diskutiert anschließend mit Morley über das Phänomen Serienkiller.

Die Termine:

München: Dienstag, 18. September, um 19.00 Uhr im Sektionshörsaal des Pathologischen Instituts der LMU (Frauenlobstraße 7)

Berlin: Mittwoch, 19. September, um 20.00 Uhr im Berliner Medizinhistorischem Museum der Charité (ehemaliger Virchow-Hörsaal, Charitéplatz 1)

Wien: Donnerstag, 20. September, um 19.00 Uhr im Wiener Kriminalmuseum (Große Sperlgasse 24)

Bremen: Freitag, 21. September, um 20.00 Uhr in der Buchhandlung Geist (Am Wall 161)

Bremen: Samstag, 22. September, um 19.30 Uhr, in der Großen Kriminacht in der Bremer Shakespeare Company (Leibnizplatz)

FBI-Profiler Jack King zog sich mit seiner Frau und seinen Sohn nach einem Zusammenbruch in die Toskana als Hotelier zurück. Er wird von Alpträumen an „Spider“, den einzigen Serienkiller, den er niemals fassen konnte, geplagt. Da meldet sich „Spider“ zum zwanzigsten Jahrestag seines ersten Mordes zurück. In den USA gräbt er sein erstes Opfer aus und schickt den Kopf an das „FBI, zu Händen Jack King“. In Italien bringt er eine junge Frau um. Jack King muss sich der Herausforderung stellen.

(Weitere Informationen)

Marcel Feige liest aus seinem Thriller „Wut“ am Donnerstag, den 27. September, um 20.30 Uhr in den Räumen der Berliner Unterwelten (Brunnenstraße 108a). Vor der Lesung gibt es eine Führung durch die historische Luftschutzanlage im U-Bahnhof Gesundbrunnen. Der Treffpunkt ist die südliche Vorhalle des U-Bahnhofs Gesundbrunnen (Ausgang Humboldthain/Brunnenstraße).

Ein Serienkiller legt seine Opfer im Berliner Untergrund ab. Kommissar Paul Kalkbrenner hat schnell einen Verdächtigen: den Studenten Leif Nehring, der wegen eines Drogendeliktes Sozialstunden in einem Obdachlosenprojekt leistet. Leif versucht seine Unschuld zu beweisen. Als kurz vor einem Internationalen  Umweltgipfel eine Angestellte der amerikanischen Botschaft das nächste Opfer des Killers wird, müssen Paul und Leif zusammenarbeiten.

(Weitere Informationen)


Webwatch ohne Schäuble

September 10, 2007

Bei der Krimi-Couch sind die September-Besprechungen online. Ken Bruen wird abgefeiert. Muss ich auch mal tun. Denn seine mit dem Shamus ausgezeichnete, noch (?) nicht übersetzte Serie um den Privatdetektiv Jack Taylor ist wirklich verdammt gut. Stuart M. Kaminsky, James Crumley und Sean Rowe werden ebenfalls gelobt und Scott Smith gibt den Blindgänger des Monats ab. Auch hier muss ich zustimmen.

Bei Things I’d rather be doing beantwortet Allan Guthrie einige Fragen.  Auch er hat immer noch keinen deutschen Verleger.

In der New York Times wird die Leonard-Verfilmung „3:10 to Yuma“ durchaus wohlwollend besprochen. Der deutsche Kinostart ist noch unklar.

In unseren Kinos startet am Donnerstag die schon erwähnte Garfield-Verfilmung „Death Sentence – Todesurteil“ von  James ‚Saw‘ Wan mit Kevin Bacon in der Hauptrolle.

Und der Alligator beißt wieder zu.


Pulp Master kündigt drei Neuerscheinungen an

September 6, 2007

Pulp Master hat jetzt ganz offiziell sein Herbst-/Winterprogramm vorgelegt. Noir-Freunde dürfen sich auf drei Neuerscheinungen von bekannten Pulp Master-Autoren freuen. Wie üblich garantiert der kleine Verlag nur das Erscheinen der Werke. Aber dafür hat sich das Warten, auch in den vergangenen Jahren, immer gelohnt.

Diese Perlen gibt es in demnächst:

Paul Freeman: Laster und Tugend (Sein Debüt „Die Legenden von Ophir“ hat mir gut gefallen. Jetzt legt Pulp Master mit der Serie um den Journalisten Peter Maddox vom Arabian Chronicle nach. In Al Khobar explodiert eine Autobombe. Neben der Leiche werden Reste von einer großen Lieferung Schnaps gefunden. Maddox findet heraus, dass das Opfer illegale Pubs in den östlichen Provinzen betrieb. Musste er deshalb sterben? – Angekündigt für September/Oktober)

Garry Disher: Niederschlag (Der langerwartete Abschluss der Wyatt-Serie schließt unmittelbar an „Port Vila Blues“ an. Dieses Mal will er eine Kunstammlung stehlen und einen untergegangenen Goldschatz bergen. Das wäre einfach, wenn es nicht die bösen Mitmenschen gäbe. – Angekündigt für November)

Gerald Kersh: Ouvertüre um Mitternacht (Zu seinen Lebzeiten war Gerald Kersh ein geachteter und sich gut verkaufender Autor. Heute ist er vor allem für seinen zweimal verfilmten Roman „Nachts in der Stadt“ bekannt. „Ouvertüre um Mitternacht“ spielt in London in den späten Dreißigern des vergangenen Jahrhunderts. Ein zehnjähriges jüdisches Mädchen wird ermordet. Während DI Dick Turpin Dienst nach Vorschrift schiebt, beschließt die exzentrische Sozialreformerin Asta Thundersley den Mörder auf eigene Faust zu suchen. – Angekündigt für Januar 2008)


Fundsachen von „Black Snake Moan“ über SF zu Krimis

September 4, 2007

Das Drehbuch von Craig Brewer zu seinem Film „Black Snake Moan“ (Genau, der Südstaatenheuler mit dem herrlich pulpigen Plakaten, in dem Samuel L. Jackson einen Bluesmusiker spielt, der die Dorfhure Christina Ricci an eine Heizung fesselt und von ihren Dämonen befreien will. Eine schwüle Angelegenheit.) kann bei The Weekly Script nachgelesen werden.

„Auferstanden von den Toten“ von Martha Grimes steht auf dem elften Platz der Spiegel-Taschenbuchbestsellerliste. Deshalb verliert Helge Rehbein bei Spiegel Online einige Worte über diesen Inspector-Jury-Roman.

Bei Kaliber .38 denkt Thomas Wörtche über die Nachbarschaft von Science Fiction und Kriminalliteratur nach. „Desaster as usual“ heißt das Teil.

In der September-Ausgabe der Literaturkritik bespricht Walter Delabar den neuen Horst Eckert „Königsallee“ (er gefällt ihm nicht so); Georg Patzer den neuen Pablo de Santis „Die sechste Laterne“ (er gefällt ihm). Beim Blick über den Tellerrand entdecken wir außerdem  einige wohlwollende Worte über Jasper Fjordes „Es ist was faul“ (von Martin Andreas Spieß), von Frank Müller ebenso wohlwollendes über Thomas Brandlmeiers „Fantomas – Beiträge zur Panik des 20. Jahrhunderts“ und noch etliche weitere Bücher im Schwerpunkt „Film“.

Frank Rumpel empfiehlt im Titel-Forum Roland Voggenauers Debüt „Blut und Wasser“ für einen Nachmittag am Chiemsee.

Und dann gibt es noch das.


Ned-Kelly-Preise vergeben

September 1, 2007

Während des Melbourne Writers Festival verlieh die Crime Writers Association of Australia die diesjährigen Ned Kelly Preise. Die meisten Preisträger dürften in Deutschland ziemlich unbekannt sein. Schließlich sind ihre Bücher sogar im englischen Sprachraum kaum erhältlich. Garry Disher, dessen vierter Hal-Challis-Roman als bester Kriminalroman des Jahres 2007 ausgezeichnet wurde, ist in Deutschland allerdings ein guter Bekannter und „Chain of Evidence“ sollte sich 2008 im Programm des Unionsverlages finden lassen.

Hier die Liste der Preisträger und die Shortlist. Die Longlist kann hier gelesen werden.

 

Bester Kriminalroman

Chain of Evidence von Garry Disher (Text)

Nominiert

The Night Ferry von Michael Robotham (Little, Brown)

The Unknown Terrorist von Richard Flanagan (Macmillan)

The Cleaner von Paul Cleave (Random House)

Undertow von Peter Corris (Allen & Unwin)

Spider Trap von Barry Maitland (Allen & Unwin)

 

Bestes Debüt

Diamond Dove von Adrian Hyland (Text)

Nominiert

The Betrayal of Bindi Mackenzie von Jaclyn Moriaty (Macmillan)

Better Dead Than Never von Laurent Boulanger (C&C International Media Group)

Behind the Night Bazaar von Angela Savage (Text)

 

Bestes Sachbuch

Written on the Skin von Liz Porter (Macmillan)

Killing for Pleasure: The Definitive Story of the Snowtown Murders von Debi Marshall (Random House)

Nominiert

Justice for the Dead von Malcolm Dodd and Beverly Knight (Hachette Livre)

Overboard: The Stories Cruise Ships Don’t Want Told von Gywn Topham (Random House)

Intractable von Bernie Matthews (Macmillan)

Silent Death von Karen Kissane (Hachette Livre)

Australian Outlaw von Derek Pedley (Sly Ink)

The Dodger von Duncan McNab (Macmillan)

Things a Killer Would Know von Paula Doneman (Allen & Unwin)


Kleinkram von Bunker über Connelly bis Lippman

August 28, 2007

Wer heute die Zeitung aufschlägt, weiß es bereits: Hansjörg Felmy ist tot. Er starb am 24. August. Hier die erste Meldung über seinen Tod. Und hier gibt es weitere Informationen über ihn und seine bekannteste Rolle als langjähriger Tatort-Kommissar Heinz Haferkamp.

NPR präsentiert vier Schriftsteller und ihre Städte:

Donna Leon und Venedig

John Burdett und Bangkok

Laura Lippman und Baltimore

Michael Connelly und Los Angeles

Anfang September erscheint „Stark“ (No Exit Press); ein neuer Roman von Edward Bunker. Es ist ein bislang unveröffentlichtes Manuskript aus den frühen Sechzigern.  Der vor zwei Jahren verstorbene Edward Bunker begann im Gefängnis zu schreiben. Seinen ersten Erfolg hatte er mit dem später verfilmten Roman „No beast so fierce“ (später „Straight Time“, 1973, deutsch als „Wilder als ein Tier“). Er spielte Mr. Blue in Quentin Tarantinos Debüt „Reservoir Dogs“. Hier die Presseinformation.

(Danke an The Rap Sheet für den Hinweis.)


Spiegel und taz über Kriminalromane

August 26, 2007

Der Spiegel glaubt, jetzt habe „Die Stunde des Krimis“ geschlagen. Nicht irgendeines, sondern des deutschen Krimis. Sie glauben es nicht, dann müssen Sie den Artikel lesen.

Die taz berichtet dagegen über einen auflagensteigernden Krieg unter skandinavischen Krimischreibern.


Bestenliste, Schenkel, Garfield, Leonard

August 25, 2007

Frage: Welchen Krimis wünschen die Macher der KrimiweltBestenliste im September viele Leser?

Antwort:

1          (3)       Andrea Maria Schenkel: Kalteis

Edition Nautilus, TB, 160 S., 12,90 €

2          (-)        Heinrich Steinfest: Die feine Nase der Lilli Steinbeck

Piper, TB, 348 S., 12,00 €

3          (10)     Walter Mosley: Little Scarlet

Aus dem Amerikanischen von Uda Strätling

Fischer, TB, 304 S., 9,95 €

4          (2)       Astrid Paprotta: Feuertod

Piper, TB, 320 S., 12,00 €

5          (-)        Deon Meyer: Der Atem des Jägers

Aus dem Englischen von Ulrich Hoffmann

Rütten&Loening, geb., 428 S., 19,95 €

6          (4)       Juan Damonte: Ciao Papá

Aus dem argentinischen Spanisch von Peter Tremp

Lateinamerika Verlag, TB, 190 S., 14,80 €

7          (5)       Robert B. Parker: Der stille Schüler

Aus dem Amerikanischen von Frank Böhmert

Pendragon, TB, 214 S., 9,90 €

8          8          (8)       Jan Costin Wagner: Das Schweigen

Eichborn Berlin, geb., 288 S., 19,95 €

9          9          (-)        Sergej Kusnezow: Die Hülle des Schmetterlings

Aus dem Russischen von David Drevs

Heyne, TB, 430 S., 8,95 €

10       10       (-)        Michael Connelly: Der Mandant

Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb

Heyne, geb., 526 S., 19,95 €

 

Mit Michael Connelly und Robert B. Parker bin ich natürlich sehr einverstanden. Bei Walter Mosley hatten mich seine Easy Rawlins-Romane irgendwann gelangweilt. Aber vielleicht sollte ich ihm mal wieder eine Chance geben. Und bei Andrea Maria Schenkel habe ich eine ganz andere Meinung.

 

Bleiben wir noch einen Moment bei Andrea Maria Schenkel. Inzwischen steht der Gerichtstermin in der Plagiatsklage fest. Am 20. Februar 2008 soll ein Richter am Landgericht München I entscheiden, ob Andrea Maria Schenkel aus den beiden Sachbüchern (?) von Peter Leuschner abgeschrieben hat. Leuschner sagt, Schenkel habe die von ihm erfundenen Teile abgeschrieben (mehr Infos und Textbeispiele hier). Das wirft, wie bereits gesagt, ein seltsames Licht auf seinen journalistischen Ethos. Denn ein Journalist erfindet nichts!

Dass ein Journalist trotzdem fetzig und pointiert über die Wirklichkeit schreiben kann, zeigen unter anderem Tom Wolfe, Hunter S. Thompson (Gut, der war eine ganz spezielle Nummer.), Nick Tosches und P. J. O’Rourke. Von P. J. O’Rourke erschien vor kurzem „Reisen in die Hölle und andere Urlaubsgeschichten“ (Eichborn); von Nick Tosches „Muddy Waters isst selten Fisch“ (Liebeskind). Wer’s gerne auf Englisch hat, sollte sich mal eine Ausgabe des von Otto Penzler und Thomas H. Cook jährlich herausgegebenen „The Best American Crime Writing“ schnappen.

 

Nachdem Brian Garfield in den letzten Jahren aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwand, ist er jetzt wieder zurück. Im neuen Blog „Saddlebums Western Reviews“ wird er interviewt. Für das Alfred Hitchcock Mystery Magazine unterhielt Steve Hockensmith sich mit dem Autor von „Ein Mann sieht rot“. Der Grund für diese beiden Texte ist ganz einfach: Am 13. September startet in den deutschen Kinos, zwei Wochen nach der USA-Premiere, die Garfield-Verfilmung „Death Sentence – Todesurteil“. Regie führte James Wan (Saw), das Drehbuch schrieb Ian Jeffers und Kevin Bacon spielt die Hauptrolle. Der Trailer sieht vielversprechend aus.

 

Ebenfalls gut sieht der Trailer für das Remake „3:10 to Yuma“ aus. Regie führte James Mangold, das Drehbuch schrieben Halsted Welles, Michael Brandt und Derek Haas, Russell Crowe, Christian Bale, Peter Fonda und Gretchen Mol übernahmen wichtige Rollen. Die Westernkurzgeschichte ist von Elmore Leonard und sie wurde bereits vor einem halben Jahrhundert erfolgreich verfilmt. Ein deutscher Kinostart für diesen Western, der nach dem Trailer eher lose auf der Kurzgeschichte basiert (oder sie ausgebaut hat) gibt es noch nicht.

 

 


Eine Tote, einige Drehbücher

August 22, 2007

Magdalen Nabb starb am 18. August 2007 in Florenz im Alter von sechzig Jahren. Im Krimiblog gibt’s weitere Informationen; bei Spiegel Online die DPA-Meldung.

Erinnern Sie sich noch an die Walter Mosley-Verfilmung „Teufel in Blau“? Jetzt kann bei Daily Script eine frühe Fassung des von Regisseur Carl Franklin geschriebenen Drehbuchs „Devil in a blue dress“ gelesen werden.

Dort gibt es auch das von Iris Yamashita geschriebene Drehbuch zum von Clint Eastwood inszenierten Kriegesfilm „Letters from Iwo Jima„.

Bei Horrorlair gibt es von Mark L. Smith das Drehbuch zu „Vacancy„; der deutsche Titel des Hororthrillers mit Kate Beckinsale und Luke Wilson ist „Motel“ und die Kritiken waren ganz gut.

Oh, und Ian Rankin hat Unsinn erzählt.  Der wichtige Satz ist: J. K. Rowlings schreibt keinen Kriminalroman.  Vor allem nicht in irgendwelchen Cafés.


TV-Krimi-Buch-Tipps online, Schlauch über Schorlau

August 17, 2007

Die neuen TV-Krimi-Buch-Tipps sind online. Seht euch die schönen alten Covers und Plakate an!

Als Appetitanreger die ersten Zeilen:

„Jetzt schlägt das Sommerloch unerbittlich zu. In den kommenden Wochen präsentieren die Sender Wiederholungen bis zum Abwinken. Einen zweiten Blick lohnen Peter Yates Robert Pike-Verfilmung „Bullitt“ (hat den Klassikerbonus), Don Siegels Glendon Swarthout-Verfilmung „Der letzte Scharfschütze“ (ist natürlich John Wayne), Alfred Hitchcocks Bolieu-Narcejac-Verfilmung „Vertigo“, Bertrand Taverniers Jim Thompson-Verfilmung „Der Saustall“, Joseph H. Lewis Noir-Juwel „Geheimring 99“ (keine Buchvorlage, aber gut), James B. Harris James Ellroy-Verfilmung „Der Cop“, Claude Chabrols Georges Simenon-Verfilmung „Die Fantome des Hutmachers“, Richard Brooks Evan Hunter-Verfilmung „Die Saat der Gewalt“ (Ach Gottchen, wie brav waren damals die renitenten Schüler.) und Henri Verneuils Auguste Le Breton-Verfilmung „Der Clan der Sizilianer“ (oder Ein Abend mit Jean Gabin, Lino Ventura und Alain Delon). Ernest R. Dickersons Donald Goines-Verfilmung „Never Die Alone“ erlebt seine TV-Premiere.
Für Trash-Freunde und ganz hartgesottene Bond-Fans gibt es „Casino Royale“. Der Titel ist von Ian Fleming. Sonst nichts.“
Rezzo Schlauch schreibt in der taz über Wolfgang Schorlaus Roman „Fremde Wasser“ und wie realistisch dieser ist.  Hier einige Ausschnitte:

„So spannend hat man Globalisierungskritik noch selten bekommen – und das in einem „Stuttgart-Krimi“. Keine Spur vom Provinzmief, der so viele Regionalkrimis durchzieht, statt dessen ein brisantes politisches Thema, Milieus aus allen Etagen der Gesellschaft, faktenreich und spannend erzählt. (…)

Schorlaus politischer Blick auf das Wassergeschäft ist dabei eindeutig und einseitig: die Privatisierung dient ausschließlich den Gewinninteressen der Konzerne, ihre Durchsetzung ist ein schmutziges Geschäft, alle Argumente dafür sind und waren Scheinargumente. (…)

Verdammt nah an der Realität? Nach meinen langjährigen Erfahrungen im Bundestag und nun im Beirat eines großen Energiekonzerns muss ich sagen: Milieubeschreibung eher klischeehaft und ressentiment-getrieben, Charakterzeichnung grobkörnig.“

Und hundertausende weitere Hinweise auf krimirelevante Texte gibt es bei den Alligatorpapieren.


Einmal Schenkel, einmal Schawinski

August 16, 2007

Diese Meldung der Edition Nautilus kommt nicht wirklich überraschend:

Wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass „Kalteis“, der neue

Roman von Andrea Maria Schenkel, am kommenden Montag auf Platz 4 der

SpiegelBestsellerliste stehen wird.

Nur zwei Wochen nach Erscheinen gesellt sich der neue Roman also zu seinem

Vorgänger „Tannöd“, der nachwievor Platz 3 behaupten kann.

Eine solche Doppelbelegung ist wahrlich ungewöhnlich – für Autorin und

Verlag ist es eine wunderbare Angelegenheit!“

Ebenfalls nicht sehr überraschend ist, dass vor einigen Tagen Hans Nüsslein, der Anwalt des Journalisten Peter Leuschner, erneut eine Plagiatsklage gegen Andrea Maria Schenkels Debüt „Tannöd“ ankündigte. Leuschner sagt, Schenkel habe ganze Passagen aus seinen Sachbüchern über den sechsfachen Mord auf dem Einöd-Hof Hinterkaifeck 1922 abgeschrieben. Das Pikante bei diesem Vorwurf ist, dass Leuschner sagt, Schenkel habe aus seinen Büchern nicht die bekannten und allgemein zugänglichen Fakten, sondern die von ihm erfundenen Stellen, abgeschrieben. Das wirft jetzt natürlich auf Leuschner als Sachbuchautor ein, nun sagen wir mal, eigenwilliges Licht.

Roger Schawinski war von 2003 bis 2006 Sat.1-Chef. In diese Zeit fällt eine vom Publikum nicht akzeptierte Qualitätsoffensive. Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben. „Die TV-Falle – Vom Sendungsbewusstsein zum Fernsehgeschäft“ (Kain & Aber Verlag) erschien vor einigen Tagen. Im aktuellen Magazin der Wochenzeitung „Die Zeit“ ist ein Auszug abgedruckt. In ihm schildert er, wie sie große Hoffnungen in den Mehrteiler „Blackout“ (ursprünglicher Titel „Eight Days“) setzten, welchen Knatsch es hinter den Kulissen gab und welche Lehren er aus dem Quotendesaster zog. Das ist ein interessanter, aber für uns Autoren nicht besonders ermutigender Artikel. Sein Fazit: „Wir hatten gehofft, dass der Köder diesmal dem Fisch und dem Angler zugleich schmecken würde, aber wir Macher hatten den Schmaus vorwiegend mit unserem eigenen Gaumen abgeschmeckt. Das war eine Falle.“

Die von Schawinski aufgeführten Schlüsse aus der Sat.1-Zentrale reflektieren letztendlich das mit guten Quoten gesegnete Elend des deutschen Fernsehens:

„Fernsehproduktionen funktionieren bei einem breiten Publikum nur dann, wenn die Helden moralisch klar zugeordnet werden können. (…) Serien mit komplexen, verschachtelten Erzählstrukturen schrecken ab. Die Zuschauer lieben es, wenn sie sich schnell in der Handlung zurechtfinden. (…) Auch ein dramatischer Inhalt darf nicht allein als düster erlebt werden. (…) Dazu gehören zum einen die Ansprüche an die Farbgebung, zum anderen verlangt der Zuschauer jedes mal eine spannende Liebesgeschichte und dabei vorzugsweise den ewig gleichen Klassiker: die Dreiecksbeziehung. (…) Bei Mehrteilern sollten existenzielle Konfliktsituationen von epochaler Bedeutung gezeigt werden, wie Kriege oder Katastrophen, in denen die Kraft der Liebe alle Hindernisse überwinden hilft. (…) Da Bildungsbürger in ihren Verhaltensmustern besonders konservativ sind – am Sonntag schaut man immer den Tatort, und das seit Jahrzehnten -, sind sie für neue Angebote nur sehr schwer zu gewinnen, wie die verheerende Quote der Abiturienten und Hochschulabsolventen bei Blackout zeigt.“

Schawinskis Fazit ist natürlich aus der Sicht eines privaten TV-Senders, der von seinen Werbeeinnahmen lebt. Serien mit folgenübergreifenden Handlungen sind in Deutschland inzwischen eine Garantie für schlechte Quoten. „Die Sopranos“, „The Shield“, „24“, „Prison Break“ und die Miniserie „Rom“ sind alle keine Quotenknüller. Aber dafür verkaufen sich die DVD-Boxen ausgezeichnet. Einige Serien wie „Deadwood“ erleben ihre Premiere für ein breites Publikum als DVD-Box. Auch hier scheinen die Verkäufe ganz ordentlich zu sein. Immerhin sind diese Boxen im Preis immer noch nicht gefallen.

Insofern ist es schade, dass „Blackout“ immer noch nicht auf DVD erschienen ist.

Aber auch das kennen wir von deutschen TV-Filmen und TV-Serien. Sie werden teils nicht, teils nur in Teilen („Die besten Folgen von…“), teils – nein, eigentlich immer – sehr lieblos veröffentlicht. Oft gibt es kein Bonusmaterial. Keine Audiokommentare. Keine entfallenen Szenen. Keine informativen Berichte über verschiedene Aspekte der Produktion. Fast immer erinnert das Cover an eine schnell hingeschluderte Heimarbeit auf einem alten PC mit einem noch älteren Grafikprogramm.