Heute geht’s, wir ahnen es bei den Fragen „Nackt, aber sicher? Wie viel Sicherheit verträgt die Demokratie?“, um den mit dem islamistischen Terrorismus begründeten Abbau von Freiheitsrechten. Ranga Yogeshwar überprüft Sicherheitstechnik, Psychologe Thomas Kliche erklärt wie Angst Handeln bestimmt und der Stadtsoziologe Andreij Holm erzählt, wie er vom Verfassungsschutz zum linksextremistischen Terroristen erklärten wurde.
Japan 1586: Weil Banditen immer wieder ihre Ernte stehlen, beschließen die Bauern eine Gruppe von Samurai zu bezahlen. Die Samurai sollen sie und ihre Ernte vor den Banditen beschützen.
Heute läuft die TV-Premiere der 2006 restaurierten Langfassung von Kurosawas Klassiker. Kurosawa erstellte für den japanischen Markt eine 203-minütige Fassung (das dürfte auch die heute Abend gezeigte Version sein) und für den internationalen Markt eine 160-minütige Version.
Diese internationale Version sah ich vor ungefähr fünfzehn Jahren im Kino und ich war sprachlos. Denn obwohl ich lange Filme nicht mag, verging die Zeit wie im Flug. Nichts wirkte veraltet. Die Kämpfe sind immer noch atemberaubend und unglaublich direkt inszeniert (Er nahm sie mit mehreren Kameras auf.). Die Betrachtungen über das Leben der armen Bauern, der Samurai und ihrem Ethos sind als prägnante Zeichnung unterschiedlicher Kulturen zeitlos. Das Ende ist bitter-ironisch. Die Kameraarbeit erstaunlich zeitgemäß. Immerhin reden wir hier von einem Film, der als ich ihn sah bereits vor über vierzig Jahren entstand.
„Die sieben Samurai“ ist ein Klassiker, der kein Patina angesetzt hat und kraftvolles Kino.
„‚Shichinin No Samurai‘ ist episches Kino in Vollendung, das heißt: es ist vor allem Erzählung.“ (Karsten Visarius in Akira Kurosawa, Hanser Reihe Film Band 41, 1988)
„Doch wie kunstvoll Kurosawa die verschiedenen Bedeutungsebenen verknüpft, wie kongenial er im Vordergrund eine packende, mal tragische, mal komische Geschichte und dazu einen bitteren historisch-geschaftlichen Subtext entwickelt – das macht ‚Shichinin No Samurai‘ zu einem zeitlosen Meisterwerk.“ (Heinz-Jürgen Köhler in Bodo Traber/Hans J. Wulf, Hrsg.: Filmgenres – Abenteuerfilm, 2004)
Es wurden mehrere Remakes und Quasi-Remakes gedreht. Das bekannteste ist „Die glorreichen Sieben“ (The magnificent seven, USA 1960) von John Sturges.
Mit Takashi Shimura, Toshiro Mifune, Yoshio Inaba, Seiji Miyaguchi, Minoru Chiaki, Daisuke Kato, Ko Kimura
Sandra Bullock tat’s gestern für „Verrückt nach Steve“ (All about Steve). Sie nahm den Razzie als schlechteste Schauspielerin des Jahres persönlich in Empfang. Zusammen mit ihrem Filmpartner Bradley Cooper erhielt sie einen weiteren Razzie als „Schlechtestes Filmpaar“.
Hier der erste Teil ihrer Dankesrede in okayer Qualität:
Hier ihre gesamte Dankesrede in, hmpf, dokumentarischer Qualität:
Den Razzie als schlechtester Film des Jahres erhielt „Transformers: Die Rache“ (Transformers: Revenge of the Fallen); Michael Bay erhielt für seine Regie bei diesem Katastrophenfilm einen Razzie und die Drehbuchautoren Ehren Kruger, Roberto Orci und Alex Kurtzman erhielten ebenfalls für dieses Werk diese nicht so sehr begehrte Trophäe. Der schlechteste Schauspieler sind die Jonas Brothers für ihre Spiel in „Jonas Brothers: The 3D Concert Experience“. Schlechteste Nebendarstellerin ist Sienna Miller (G. I. Joe). Schlechtester Nebendarsteller Billy Ray Cyrus (Hannah Montana). Und das schlechteste Prequel/Remake/Rip-Off/Sequel ist „Die fast vergessene Welt“ (Land of the Lost).
Außerdem wurden die Dekaden-Razzies für die schlechteste Leistung des vergangenen Jahrzehnts an Battlefield Earth (schlechtester Film des Jahrzehnts), Eddie Murphy (schlechtester Schauspieler des Jahrzehnts) und Paris Hilton (schlechteste Schauspielerin des Jahrzehnts) vergeben.
Die grandiose James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist – Mord in Louisiana“ (von Bertrand Tavernier, mit Tommy Lee Jones) erscheint am 28. Mai bei Koch-Media als DVD und Blu-Ray.
Die Vorlage ist der sechste Dave-Robicheaux-Krimi „Im Schatten der Mangroven“ (In the electric mist with confederate dead, 1993).
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Ende Mai erscheint bei Koch-Media auch die zweite Staffel von „Simon & Simon“.
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Bei Fora.tv gibt es einen einstündigen Mitschnitt von einem Auftritt von Regisseur William Friedkin (The French Connection, Der Exorzist, Leben und Sterben in L. A., Die Stunde des Jägers) an der Hudson Union Society.
Eine freudige Überraschung erlebte ich, als ich kürzlich, nach sehr langer Zeit die Seite vom „Rockpalast“ anklickte. Denn dort gibt es inzwischen eine erkleckliche Zahl guter Konzerte:
Joan Armatrading (6. Rockpalast-Nacht, 1980 – da dürften demnächst noch einige Schätze gehoben werden)
Blutrot (USA 2008, R.: Lucky McKee, Trgve Allister Diesen)
Drehbuch: Stephen Susco
LV: Jack Ketchum: Red, 1995 (Blutrot)
Drei Jugendliche bringen den Hund von Avery Ludlow um. Ludlow will, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen. Dafür legt er sich mit dem neureichen Daddy von zwei der Jugendlichen.
Grandioses Drama, das hemmungslos Western-Topoi plündert, und ernsthaft Fragen über Verantwortung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit behandelt.
Oder: der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood.
Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams
Für „Nazi Paradise“ braucht man nicht mehr Zeit, als für einen sonntäglichen „Tatort“. Aber während nicht nur ich mich inzwischen über die meisten „Tatorte“ ärgere, ist „Nazi Paradise“ verdammt witzig.
Jedenfalls für die Freunde des schwarzen Humors.
In seinem Deutschlanddebüt (in seiner italienischen Heimat hat er bereits mehrere Bücher veröffentlicht) lässt Angelo Petralla einen namenlosen Naziskin, der die Geschichte auch hübsch rotzig erzählt, mächtig in die Scheiße latschen. Denn wenn der Erzähler nicht gerade mit einigen Freunden das Fußballstadion besucht und sich auch dort mit Hooligans, Negern und Wichsern, die ihm gerade in die Faust laufen, schlägt oder sich besäuft, crackt er sich in fremde Computer und räumt Bankkonten leer. Selbstverständlich hält er sich für ein Genie und alle Anderen für Trottel.
Als er trotzdem mal wieder von der Polizei erwischt wird (soviel zu seiner Genialität) und er sich fragt, wegen welchem seiner Verbrechen ihn die Polizei dieses Mal einbuchten will, machen ihm zwei korrupte Polizisten ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: entweder crackt er für sie während einer Promi-Party einen Computer oder er wandert für lange Zeit ins Gefängnis. Er nimmt das Angebot, in der vollkommen irrwitzigen Annahme, die Polizisten reinlegen zu können, an.
Und dann geht’s, immerhin sind wir noch auf den ersten Seiten von „Nazi Paradise“, in bester B-Movie- und Pulp-Manier, gewürzt mit einer kräftigen Portion Néo-Polar, los. Er chattet am Computer mit einer ihm unbekannten Femme Fatale, sein Kontaktmann bei der Party sieht verdammt gut aus, das Ziel ist der Heilige Gral für Cracker und, viel zu spät, begreift der Erzähler, dass er nicht so schlau ist, wie er dachte.
Der stille Amerikaner (USA 2002, R.: Phillip Noyce)
Drehbuch: Christopher Hampton, Robert Schenkkan
LV: Graham Greene: The quiet American, 1955 (Der stille Amerikaner)
Saigon, 1952: Der britische Reporter Thomas Fowler führt, zwischen gelegentlichen Reportagen, Opium rauchen und Sex, ein ruhiges Leben. Der stille, idealistische Amerikaner Alden Pyle will dagegen etwas bewegen. Schnell sind beide in politische Intrigen verwickelt, die sie nicht überblicken.
„Der stille Amerikaner“ ist eine gelungene Greene-Verfilmung und ein im besten Sinn angenehm altmodischer Film, der zwar 1952 spielt, aber auch die heutige Außenpolitik der Ersten Welt präzise beschreibt.
Mit Michael Caine, Brendan Fraser, Do Thi Hai Yen, Rade Sherbedgia
Defining noir isn’t easy to do—and it shouldn’t be. Part of what makes noir such an engaging and enduring art form is its fluidity and adaptability. Perhaps more than anything else, noir is an ethos—one that resists defining. Clues might include bleak settings, a violent tone, tough and cynical characters, eroticism, existentialism, nihilism and of course, darkness—after all, noir means „black“—but noir is so much more, and can be far less. It’s an art form of shadows and should always be partially left in them. Noir is a mind set, a sensibility, a sense of futility, desperation, and isolation.
Columbo: Tödliche Trennung (USA 1971, R.: Steven Spielberg)
Drehbuch: Steven Bochco
Erfinder: Richard Levinson , William Link
Ken Franklin und Jim Ferris sind ein erfolgreiches Krimiautorenduo. Als Ferris alleine schreiben will, bringt sein untalentierter Partner ihn um. Sein Alibi ist so gut, dass Lieutenant Columbo ermitteln muss.
Spielberg drehte nachher einige Filme, die sich fest in der Top-10 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten behaupten.
Bochco erfand einige bahnbrechende TV-Serien, wie „Polizeirevier Hill Street“, „L. A. Law“, „Murder One“ und „NYPD Blue“. Sein erstes Columbo-Drehbuch wurde für den Emmy und den Edgar nominiert.
Ihre Zusammenarbeit markiert den offiziellen Start der erfolgreichen Columbo-Reihe innerhalb der Reihe „NBC Mystery Movie“. „Tödliche Trennung“ ist ein guter TV-Krimi (Gut, das ist jetzt Understatement.) mit einigen ungewöhnlichen Kameraeinstellung und all den Elementen, die Columbo so erfolgreich beim Publikum macht(e).
Mit Peter Falk, Jack Cassidy, Rosemary Forsyth, Martin Milner, Barbara Colby
Das ungewöhnlichste an Banerjhee Rolf ist sein Name. Denn seine Eltern kamen 1945 aus Indien in die USA. Der Rest strahlt die stockbiedere Normalität eines Mannes aus dem Mittelschicht aus. Er ist verheiratet, hat ein Haus (belastet mit einer Hypothek), der Sohn studiert in Chicago und er selbst wässert als Frührentner unter der kalifornischen Sonne seine Blumen.
Früher war er als Leiter der Qualitätskontrolle in einer Biotech-Firma ein wichtiger Mann, aber da wollte er vor allem als Wissenschaftler arbeiten und bei einer Umstrukturierung wurde seine Abteilung aufgelöst. Jetzt quält er sich mit seinen Schulden herum und züchtet Blumen. Zur Entspannung unterhält er sich über den Gartenzaun immer wieder mit seinem Nachbar Toby Pride, der anscheinend von seiner Ostküstenverwandschaft das Angebot bekommen hat, dass er sich nicht um Geld kümmern müsse, solange er an der Westküste bleibe. Rolf glaubt auch, dass Pride mit Drogen handelt. Aber das geht ihn nichts an, bis er sich zuerst von Pride breitschlagen lässt, ein Los zu kaufen und, als seine Frau für zwei Wochen zu ihrem Sohn fährt, er die Freundin von Pride vor ihrem wütendem Freund schützt. Schnell ist Prides Wut verraucht und sie machen es sich zu dritt in Prides Wohnung mit Drogen vor dem Fernseher gemütlich. Pride zeigt ihm begeistert die Sendungen eines Piratensenders.
Plötzlich stürmen zwei Männer hinein und beginnen auf sie zu schießen. Bei dem Schusswechsel sterben sie. Pride und seine Freundin werden tödlich verletzt und Rolf hat seinen ersten Mord begangen. Als ehrlicher Bürger will er natürlich sofort die Polizei anrufen, aber Pride hält ihn ab. Denn die Eindringlinge waren Polizisten und das ist noch nicht das schlimmste Geheimnis, das Pride ihm verrät. Rolf muss untertauchen.
„Dunkler Gefährte“ ist bereits Jim Nisbets neunter Roman, sein zweites auf Deutsch erschienenes Werk und es wurde für den Hammett-Award, dem jährlichen Preis der nordamerikanischen Abteilung der International Association of Crime Writers, nominiert.
Es ist ein kleiner, feiner Noir über die Macht des Zufalls und wie ein, zwei kleine Ereignisse und eine Verkettung unglücklicher Umstände ein geregelt-langweiliges Leben vollkommen aus den geordneten Bahnen werfen können. Denn Banerjhee Rolf ist der falsche Mann zur falschen Zeit am falschen Ort.
Gleichzeitig porträtiert Jim Nisbet, wie in seinen früheren Romanen, nüchtern und ohne den polemischen Furor eines Michael Moore den US-amerikanischen Kapitalismus. In „Dunkler Gefährte“ rückt, vor allem in der ersten Hälfte, wenn Nisbet lakonisch von Rolfs Entlassung und seiner Suche nach einem neuen Job erzählt, der Umgang mit der Generation 50+ in den Vordergrund. Denn das Wissen von Rolf wird nicht gebraucht.
Vor zwanzig Jahren erschien in der ebenfalls von Frank Nowatzki herausgegebenen Black-Lizard-Reihe Nisbets zweiter Roman „Tödliche Injektion“ (Lethal Injection, 1987). In dieser Geschichte glaubt der alkoholabhängiger Gefängnisarzt Franklin Royce, dass der Afroamerikaner Bobby Mencken, dem er eben die Todesspritze verpasst hat, unschuldig war. Er will herausfinden, für wen Mencken in den Tod ging, und er besucht in den Slums von Dallas Menckens frühere Freunde.
Mit „Tödliche Injektion“ begibt Jim Nisbet sich sehr gelungen in einen alptraumhaften und hoffnungslosen Kosmos, der anscheinend von Cornell Woolrich ausgeborgt wurde. Woody Haut hält „Tödliche Injektion“ in seinem Buch „Neon Noir“ für „one of the best novels Jim Thompson never wrote“.
Für die anderen Nisbet-Romane sind dann Englischkenntnisse unerlässlich.
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Jim Nisbet: Dunkler Gefährte
(übersetzt von Frank Nowatzki und Angelika Müller)
Das Haus der Lady Alquist (USA 1944, R.: George Cukor)
Drehbuch: John Van Druten, Walter Reisch, John L. Balderston
LV: Patrick Hamilton: Gaslight, 1938 (Theaterstück)
Nach dem Umzug leidet Paula Alquist an Wahnvorstellungen. Oder will sie jemand in den Wahnsinn treiben?
Über den bekannt-beliebten Romantikthriller schreibt das Lexikon des internationalen Films zutreffend: „Ein ungebrochen spannender Psychokrimi, angesiedelt im viktorianischen Zeitalter, hervorragend inszeniert und gespielt. Reizvoll vor allem durch die außergewöhnliche Kameraführung.“
Ingrid Bergman erhielt für ihre Leistung den Oscar und den Golden Globe. Für die Ausstattung gab es einen weiteren Oscar. Außerdem war „Das Haus der Lady Alquist“ in allen wichtigen Oscar-Kategorien nominiert: Bester Film, Drehbuch, Kamera, Haupt- und Nebenrolle. Der große Abräumer war in diesem Jahr aber das Musical „Going my way“ (Der Weg zum Glück, R.: Leo McCarey). Erinnert sich noch jemand an diesen Film?
Hamilton schrieb auch die Vorlage zum Hitchcock-Film “Rope – Cocktail für eine Leiche”.
Mit Charles Boyer, Ingrid Bergman, Joseph Cotton, Angela Lansbury (Debüt), Barbara Everest
Auch Vögel können töten (USA 1970, R.: Robert Altman)
Drehbuch: Doran William Cannon, Brian McKay (ungenannt)
Brewster McCloud (so auch der Originaltitel) bastelt seit Ewigkeiten in den Katakomben des Houstoner Sportstadions Astrodome an einem Flugapparat. Denn er hält sich für einen Vogel. Da wird er in einen Reihe von Morden verwickelt und er verliebt sich.
Direkt nach „M. A. S. H.“ drehte Robert Altman diese liebenswerte Spinnerkomödie mit satirischen Anklängen und einem betonten Desinteresse an filmischen Konventionen. In Deutschland wurde der Film erst 1992 von Tele 5 als „Nur fliegen ist schöner“ gezeigt.
„Bewusst verwirrende, surrealistische Satire, formal eher den Cartoons und der französischen ‚Nouvelle Vague‘ als gängigen Filmkonventionen verpflichtet. (…) Frühe, bizarre Regiearbeit von Robert Altman.“ (Lexikon des internationalen Films)
„‚Brewster McCloud‘ ist der Gegenfilm, der die meisten Gegnerschaften in sich vereint, ein Chaos von einem Film, und von vorneherein anarchisch in der Erzählstruktur. (…) Selten hat dieser Filmemacher mehr Ideen und Einfälle gehabt, selten hat er so unbekümmert Erzählhaltungen variiert, von der satirischen Groteske zur fast feierlich vorgetragenen Allegorie, von Metaphern zu konkreten Details. (…) Ein Grundproblem für das Verständnis des Films ergibt sich aus dem Verzicht, die Figuren als Charaktere zu entwickeln; sie werden unmittelbar vom Wechsel der Erzählhaltungen betroffen und erscheinen, ständig in einer Art Metamorphose begriffen, mitunter als Symbol, dann als Allegorie, dann wieder nur als simple Prototypen ihrer Gesellschaft und letztlich als Protagonisten der amorphen Imagination des Regisseurs.“ (Hans Günther Pflaum in Robert Altman, Hanser Reihe Film Band 25, 1981)
mit Bud Cort, Sally Kellerman, William Windom, Shelly Duvall, René Auberjonois, Stacy Keach
In fünf Worten ist „Hustle“ die britische Version von „Ocean’s Eleven“. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Mickey Stone und seine Gang sind auch leidenschaftliche Trickbetrüger und in jeder Folge der BBC-Serie legen sie – mit wechselndem Erfolg – einen arroganten Geldsack herein. Die Serie ist auch sehr stylish. Die Macher spielten bereits vor über sechs Jahren souverän auf der gesamten Klaviatur des Films von überraschenden Plottwists (gerne gekoppelt an Rückblenden) über gelungenen Anspielungen auf andere Filme und einer sehr stilisiert-poppigen Filmsprache hin zu Experimenten, wie eingefrorenen Bildern, in denen die Verbrecher den Betrug erklären. Das unterscheidet sich dann kaum von einem Kinofilm.
Aber „Ocean’s Eleven“ war letztendlich, vor allem im zweiten und dritten Teil, nur noch mäßig amüsantes Starkino der Marke „George Clooney und seine Freund haben Spaß“.
Dagegen wird „Hustle“ von Folge zu Folge besser und die Serie ist realistischer als „Ocean’s Eleven“. Denn die Charaktere der von Kudos produzierten Serie (unter anderem „Life on Mars“ und „Spooks – Im Visier des MI5“) sind keine Cartoon-Figuren. Die Opfer sind reich, aber keine milliardenschweren Casinobesitzer.
Und natürlich, das wichtigste Elemente bei einer Serie, Trickbetrüger Mickey Stone und seine Gang sind ein Ensemble dem man gerne zusieht.
Im „Making of“ erzählt Autor Tony Jordan, dass er die Verbrecherbande wie eine Familie mit Großvater, Vater, Sohn, Onkel und Mutter (die hier auch gleichzeitig die Geliebte ist) aufgebaut habe.
Mickey Stone ist der charismatische Anführer. Jordan erzählt, dass die Rolle zuerst für einen anderen Schauspielertyp vorgesehen war, aber als Adrian Lester den Raum betrat, wussten sie, dass sie ihren Mickey Stone gefunden hatten. Er hat die Lässigkeit eines Mannes, dem die Welt gehört – auch wenn alles nur Schein ist. Er flößt Vertrauen ein – auch wenn er gerade einen Betrug durchzieht. Und, als guter Familienvater, schützt er seine Familie. Er nimmt auch, leicht widerwillig, die Rolle als Lehrer für den Neuzugang Danny Blue an.
Albert Stroller ist die Legende, die Stone alles beibrachte und auch im Rentenalter nicht vom verbrecherischen Leben lassen kann. Er ist der Großvater. Dass Stroller von Robert Vaughn gespielt wird, ist eine der glücklichen Fügungen, die gerade wegen Vaughns Filmographie (Ich sage nur „Solo für O. N. K. E. L.“, „Bullit“ und „Die glorreichen Sieben“.) grandios passt. Er ist nicht nur im Film für die Jüngeren ein Vorbild. Er beherrscht alle Tricks und hat schon mit allen Größen im Geschäft zusammengearbeitet hat. In der Serie natürlich Verbrechergrößen; im Filmgeschäft Stars wie Paul Newmann, Steve McQueen, Jacqueline Bisset, Faye Dunaway, Robert Duvall, Walter Matthau, Peter Falk, Charles Bronson, James Coburn, Yul Brynner, Eli Wallach und Boris Karloff.
Danny Blue ist der Jungspund, der zum Meisterverbrecher werden will, aber noch viele jugendliche Flausen im Kopf hat. Für ihn ist das Verbrecherleben, auch wenn er gerade nach einem missglückten Betrug verprügelt wurde, ein einziger großer Spaß und die Gelegenheit, jeden Tag ein neues Abenteuer zu erleben.
Ash Morgan ist der gute Onkel, der Butler und der Handwerker. Er kann anscheinend auf die altmodische Art jedes System hereinlegen und die richtigen Geräte basteln. Er ist immer da, zuverlässig, gesegnet mit dem Humor und dem Duft des Arbeiters. In der ersten Staffel (von inzwischen insgesamt sechs) ist er der unauffälligste Charakter im Team.
Und Stacie Monroe ist die Mutter der Kompanie. Allerdings ist sie sehr sexy und Danny Blue möchte gerne mit ihr ins Bett steigen. Dummerweise ist sie auch klug und als Danny sie einmal zu einer Partie Strip-Poker überredet, hat sie wundersamerweise immer das bessere Blatt in der Hand.
In der ersten Staffel von „Hustle – Unehrlich währt am längsten“ zeigen sie in sechs kurzweiligen Episoden ihr Können. In der ersten Folge ist ihr Opfer der gierige Geschäftsmann Peter Williams, der regelmäßig auf der Liste der 500 reichsten Engländer steht. Mickey Stone erzählt ihm, getarnt als vertrauenswürdiger Banker, dass sein Unternehmen mit einem Computerprogramm gigantische Gewinne machen könne. Demnächst gebe es wieder die Möglichkeit und gegen eine stattliche Geldsumme könne er mitmachen. Williams ist einverstanden. Dass sie bei dem Coup von der Polizei beobachtet werden, stachelt Stone nur noch mehr an.
In „Der Hollywood-Schwindler“ ködern sie einem brutalen Hotel- und Kasinobesitzer, der ein Fan von klassischen Hollywood-SW-Filmen ist, mit einer Investition an einen sich an eben diesen Filmen orientierendem Filmprojekt.
Sie versuchen einer fanatischen Kunstsammlerin einen gefälschten Mondrian zu verkaufen. Dabei haben sie ihren Plan ohne den Fälscher (Köstlich!) und eine ehrgeizige Journalistin gemacht.
Sie werden von einem kurz vor der Pensionierung stehendem Polizisten, der bis jetzt jeden Trickdieb schnappte (wie Albert Stroller aus eigener leidvoller Erfahrung weiß), zur Mitarbeit erpresst. Denn der Polizist will einen Bankräuber, der bis jetzt bei keinem seiner verwegenen Einbrüche geschnappt wurde, verhaften. Mickey Stone versucht den Polizisten hereinzulegen. Aber wird ihm das gelingen? Und: Kann er, vor den Augen der Polizei, die Bank ausrauben?
Sie wollen von einem Scheidungskrieg profitieren, indem sie die hasserfüllte Ehefrau und ihren Gatten mit einem falschen Bauprojekt hereinlegen.
Und, in der letzten Episode der ersten Staffel, „Die letzte Wette“ spielen sie ihre Version von „Der Clou“ (The Sting) durch, indem sie ihrem Opfer erzählen, dass sie wissen, welches Pferd bei einem Pferderennen gewinnt. Dabei müssen Mickey Stone und seine Gang auch damit kämpfen, dass heute Informationen in Echtzeit verfügbar sind.
Als Bonusmaterial gibt es ein zweiteiliges „Making of“. Im ersten, sehr interessanten Teil erzählen die Macher, wie die Serie entstand und die Schauspieler ausgewählt wurden. Im zweiten Teil gibt es dann die üblichen Lobhuddeleien der Schauspieler.
Die grandiose Serie läuft freitags ungefähr um 22.00 Uhr (halt nach dem Spielfilm) auf ZDFneo. Gezeigt werden, wie auch auf der DVD, die vom BBC erstellte kürzere internationale Fassung.
Hustle – Unehrlich währt am längsten (GB 2004)
Erfinder: Tony Jordan (nach einer Idee von Bharat Nalluri)
mit Adrian Lester (Mickey Stone), Marc Warren (Danny Blue), Robert Glenister (Ash Morgan), Jaime Murray (Stacie Monroe), Robert Vaughn (Albert Stroller)
Die Thomas Crown Affäre (USA 1999, R.: John McTiernan)
Drehbuch: Leslie Dixon, Kurt Wimmer (nach dem Drehbuch von Alan R. Trustman)
Millionär Thomas Crown hat auf den ersten Blick alles. Aber weil ihn sein Leben als reicher Müßiggänger langweilt, organisiert er komplizierte Diebstähle. Die Versicherungsagentin Catherine Banning will ihn überführen. Crown nimmt die Herausforderung an und plant, während er mit ihr tändelt, seinen nächsten Coup.
Das Remake des gleichnamigen Semi-Klassikers mit Steve McQueen und Faye Dunaway ist locker-flockiges, eskapistisches Starkino.
„John McTiernans Version des Steve-McQueen-Klassikers ist der seltene Glücksfall eines Remakes, welches das Original mit kraftvolleren, präziseren Strichen übermalt.“ (Gerhard Midding, tip 19/99)
mit Pierce Brosnan, Rene Russo, Denis Leary, Faye Dunaway, Ben Gazzara, Fritz Weaver
Zack Andersen hasst sein Leben als Bürogehilfe im Rathaus in irgendeinem sich in der amerikanischen Provinz befindendem Kaff. Der Höhepunkt seines Lebens ist ein Quickie mit Amanda von der Buchhaltung während der Weihnachtsfeier. Allerdings ist er als Weihnachtsmann verkleidet und sie hält ihn für jemand anderes.
Zack ist auch jemand anderes. Bevor er ins Zeugenschutzprogramm gesteckt wurde, war er Zack Overkill und er machte seinem Namen alle Ehre. Zusammen mit seinem Bruder hinterließen sie mit ihren Verbrechen und den Kollateralschäden eine Spur der Verwüstung. Jetzt ist Zack mit Drogen ruhiggestellt und er lebt ein Leben, das er früher verachtete.
Als Zack die Pillen absetzt, erwachen seine früheren Kräfte wieder und er setzt sie auf seinen nächtlichen Streifzügen ein. Aber nicht, um Verbrechen zu begehen, sondern um Verbrecher zu bestrafen. Zack wundert sich zwar etwas, dass er jetzt die Arbeit der Polizei übernimmt, aber das verkloppen von Räubern gefällt ihm.
Schnell erfahren seine früheren Freunde von seinen nächtlichen Streifzügen und sie schicken einige Männer los, die den Verräter finden und bestrafen sollen.
Zack Andersen/Overkill ist die neueste Schöpfung des genialen Autors Ed Brubakers und seines ihn kongenial ergänzenden Zeichner Sean Phillips. In ihrer ersten Zusammenarbeit „Sleeper“ ließen sie einen guten Menschen Böses tun, indem sie ihn als Undercover-Agent in ein weltumspannendes Gangsterimperium einschleusten und mit der Zeit gefiel Holden Carver das Leben als Verbrecher immer besser.
„Incognito“ liest sich in weiten Teilen wie die Umkehrung von „Sleeper“. Wieder wird ein Mann gezwungen ein Leben zu führen, das er nicht führen will. Wieder spielt sich dieser Kampf des Helden um seine Unabhängigkeit vor dem Kampf verschiedener Verbrecher- und Regierungsorganisationen ab, die in ihrem Handeln über dem Gesetz stehen. Und wieder hat der Held und einige weitere wichtige Charaktere Superkräfte. Oh, und wieder ist die Geschichte als eine sich abgeschlossene Reihe von Comicheften entworfen.
Aber es gibt in „Incognito“ auch den Blick des kleinen Mannes, der in anderen Superhelden-Comics (wozu auch „Sleeper“ gehört) höchstens als Staffage manchmal das Bild füllt. Es gibt Szenen aus dem Berufsleben, dem Strafvollzug und Gespräche mit Arbeitskollegen über Verschwörungstheorien, die für Zack keine Theorien, sondern Teil seines alten Lebens sind.
In „Incognito“ erzählt Ed Brubaker wieder von einem Mann, der sein Leben leben will. Eine feine Lektüre.
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Ed Brubaker/Sean Phillips: Incognito 1 – Stunde der Wahrheit
(übersetzt von Claudia Fliege)
Panini Comics 2009
164 Seiten
19,95 Euro
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Originalausgabe/enthält
Incognito, Heft 1 – 6
Icon Comics/Marvel Comics, Dezember 2008 – September 2009
Dexter: Verflucht/Einfach loslassen (USA 2007, R.: Tony Goldwyn, Marcos Siega)
Drehbuch: Daniel Cerone, Clyde Phillips
Erfinder: James Manos Jr.
LV: Jeff Lindsay: Darkly Dreaming Dexter, 2004 (Des Todes dunkler Bruder; – für die zweite Staffel dann eher Charakter von Dexter)
Ehrlich gesagt, damit habe ich schon nicht mehr gerechnet: nachdem die erste „Dexter“-Staffel quotenmäßig ein Flop war, hätte ich keine fünf Cent auf weitere „Dexter“-Episoden im frei empfangbaren deutschen TV gewettet. Aber die Jungs von RTL II wagen einen zweiten Versuch, zu einer Uhrzeit die stark nach Resterampe aussieht. Denn die zwölf Episoden der zweiten Staffel werden nach dem Spielfilm versendet und das kann dann schon etwas später werden. Nächsten Sonntag mordet Dexter von 22.55 Uhr bis 01.00 Uhr.
In der zweiten Staffel muss Dexter Morgan (Forensiker bei der Polizei von Miami und Serienkiller mit okayer Opferauswahl) herausfinden, warum an den Stränden von Miami Leichensäcke mit seinen Opfern liegen.
Inspiriert wurde die in den USA sehr erfolgreiche Serie von Jeff Lindays schwarzhumorigen Romanen. „Des Todes dunkler Bruder“ (Darkly Dreaming Dexter, 2004), „Dunkler Dämon“ (Dearly Devoted Dexter, 2005) und „Komm zurück, mein dunkler Bruder“ (Dexter in the Dark, 2007) erschienen bei Knaur und sind natürlich lesenswert. „Dexter by Design“ (2008) ist noch nicht übersetzt.
Mit Michael C. Hall (Dexter Morgan), Julie Benz (Rita Bennett), Jennifer Carpenter (Debra Morgan), David Zayas (Angelo Batista), Lauren Vélez (Lt. Maria LaGuerta), James Remar (Harry Morgan), Erik King (Sgt. James Doakes), C. S. Lee (Vince Masuka), Jaime Murray (Lila Tourney)
Drehbuch: Larry Marcus, Billy Wilder, Harry Kurnitz
LV: Agatha Christie: The Witness for the Prosecution, 1933 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in „The Hound Of Death And Other Stories”, Zeugin der Anklage)
Hat Leonard Vole eine reiche Witwe erschlagen? Für Staranwalt Sir Wilfried hängt alles von der Aussage von Voles Frau Christine ab.
Prototyp aller Gerichtsfilme und immer noch weitaus spannender als die jüngeren Gerichtsthriller (obwohl die Pointe bekannt sein dürfte), mit – in glänzender Spiellaune – Marlene Dietrich, Charles Laughton, Tyrone Power.
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. „Die zwölf Geschworenen“ gewann ihn.