Ross Thomas (19. Februar 1926 – 18. Dezember 1995)
Das ist der Trailer zur Verfilmung von „Das Mordpatent Procane“
Mehr Infos zu Ross Thomas.
Ross Thomas (19. Februar 1926 – 18. Dezember 1995)
Das ist der Trailer zur Verfilmung von „Das Mordpatent Procane“
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WDR, 23.15
Miami Blues (USA 1990, R.: George Armitage)
Drehbuch: George Armitage
LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)
Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.
Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Mit Fred Ward, Alec Baldwin, Jennifer Jason Leigh, Charles Napier
Hinweise
Wikipedia über Charles Willeford (deutsch, englisch)
Charles Willeford Paperback Covers
Meine Besprechung von Charles Willefords „Ketzerei in Orange“ (The burnt-orange heresy, 1971)
Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Fr/D/GB 2010)
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski
LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)
Ein finanziell klammer Autor (Gibt es andere?) soll die Biographie eines Politikers schreiben. Allerdings hat der Politiker Dreck am Stecken und der Autor will die Wahrheit aufschreiben.
Politthriller, der auf der Berlinale seine Premiere erlebte, weitgehend positiv aufgenommen wurde und jetzt im Kino startet.
mit Ewan McGregor, Piere Brosnan, Kim Cattrall, James Belushi, Olivia Williams, Timothy Hutton, Tom Wilkinson, Eli Wallach
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Der Ghostwriter“
Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)
Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)
RBB, 01.45
Berlinale 2010 – Pressekonferenzen vom Tage
Gut, die meisten Pressekonferenzen sind schon gelaufen, aber der Hauch von spontan improvisiertem absurden Theater ist immer wieder gut.
Schade, dass die Konferenzen nicht in der RBB-Mediathek oder auf der Berlinale-Seite (ohne Akkreditierung) zu sehen sind.
Artie Wu und Quincy Durant sind zurück. Inzwischen betreiben sie eine Detektei; oder in den Worten von Artie Wu: „Die Wudu, Ltd., ist eine straff geführte Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die für andere das tut, was sie selbst für sich nicht tun können.“
Jetzt sollen sie für 750.000 Dollar zwei verschwundene Hypnotiseure finden, die die Unschuld der Hollywood-Diva Ione Gamble beweisen können. Sie ist angeklagt, ihren milliardenschweren Ex am Neujahrsmorgen in seiner mondänen Malibu-Strandhütte erschossen zu haben. Wu und Durant nehmen den Auftrag an.
Und schon sind wir in einem weiteren labyrinthischen, mit schwarzem Humor gespickten Ross-Thomas-Plot. Dass Ross Thomas (19. Februar 1926 – 18. Dezember 1995) in seinem vorletzten Roman wieder das bereits aus „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978) und „Am Rand der Welt“ (Out on the Rim, 1986) bekannte Team Wu/Durant ins Rennen schickt, erhöht das Gefühl, sich in einem vertrauten Kosmos zu befinden.
Dabei ist „Voodoo, Ltd.“ an der Oberfläche schon fast ein traditioneller Whodunit. Immerhin beweisen Artie Wu und Quincy Durant die Unschuld der Schauspielerin und überführen den Täter, der für seine Tat ein wirklich überzeugendes Motiv hat. Davor stellen sie, zusammen mit ihren aus den vorherigen Wu/Durant-Romanen bekannten Freunden, Los Angeles auf den Kopf.
Eine höchst vergnügliche Reise in die frühen neunziger Jahre.
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Ross Thomas: Voodoo, Ltd.
(übersetzt von Walter Ahlers, überarbeitete Übersetzung)
Alexander Verlag, 2009
360 Seiten
14,90 Euro
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Deutsche Erstausgabe
Voodoo & Co.
Heyne, 1993
–
Originalausgabe
Voodoo, Ltd.
Warner Books, 1992
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Hinweise
Wikipedia über Ross Thomas (deutsch, englisch)
Alligatorpapiere: Gerd Schäfer über Ross Thomas (Reprint “Merkur”, November 2007)
Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Gottes vergessene Stadt” (The Fourth Durango, 1989)
Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978)
Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Teufels Küche“ (Missionary Stew, 1983)
Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Am Rand der Welt“ (Out on the Rim, 1986)
3sat, 22.25
Spur der Bären (D 2010, R.: Hans-Christoph Blumenberg)
Drehbuch: Alfred Holighaus, Hans-Christoph Blumenberg
Spielfilmlange Doku mit vielen Interviews und seltenem Archivmaterial über die Berlinale von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Mit Tilda Swinton, Angl Lee, Rosa von Praunheim, Arthur Brauner, Ulrich Gregor, Moritz de Hadeln, Dieter Kosslick, Reinhard Hauff, Wieland Speck, Tom Tykwer, Wolfgang Kohlhaase, Michael Winterbottom
Wiederholung: ZDF, Mittwoch, 24. Februar, 00.55 Uhr (Taggenau!)
Hinweis
Erinnern Sie sich an den Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehen?
Nun, heute kommen die Programmplaner diesem Auftrag wieder gewohnt publikumsfreundlich nach und zeigen einen Film, der für die deutsche Filmgeschichte begeistern soll. Doch vor der Bildung sind die Mühen der Ebene: Um Himmels Willen, In aller Freundschaft, Plusminus, Menschen bei Maischberger, ttt-extra und dann, weit nach Mitternacht, präsentiert das Deutsche Fernsehen mit überschwänglichem Stolz und kaum zu bremsender Begeisterung für die Schlaflosen, Spätaufsteher und Cinephilen in deutscher Erstausstrahlung
ARD, 00.40
Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte (D 2008, R.: Michael Althen, Hans Helmut Prinzler)
Konzept: Hans Helmut Prinzler, Michael Althen
Michael Ballhaus, Andreas Dresen, Doris Dörrie, Dominik Graf, Wolfgang Kohlhaase, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer, Wim Wenders und Hanns Zischler stellen ihre deutschen Lieblingsfilme vor. So entsteht ein kleiner, subjektiver Spaziergang durch die deutsche Filmgeschichte von „Nosferatu“ über „Menschen am Sonntag“, „M“, „Unter den Brücken“, „Alice in den Städten“ und „Die Ehe der Maria Braun“ bis zu „Heimat 1“.
Wiederholungen: –
Hinweise
R. i. P. Dick Francis (31. Oktober 1920 – 14. Februar 2010)
Am Sonntag starb Dick Francis in seinem Haus auf Grand Cayman. In den frühen sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sattelte der erfolgreiche Jockey vom Reiten auf das Schreiben um. Aber dem Reitsport blieb er treu. Denn seine über vierzig Krimis spielen im Reitmilieu. Die letzten schrieb er zusammen mit seinem Sohn Felix Francis.
Er erhielt drei Edgars, einen CWA Gold Dagger, den Cartier Diamond Dagger und den Malice Domestic Award für sein Lebenswerk und er ist Grandmaster der Mystery Writers of America,
Nachrufe gibt es in der New York Times, Guardian, Telegraph, Independent, Die Welt (dpa-Meldung), Neue Zürcher Zeitung (ddp-Meldung), The Rap Sheet und bei Confessions of an idiosyncratic mind (Dort gibt es auch eine umfangreiche Sammlung der Nachrufe).
Weitere Infos über Dick Francis bei Wikipedia (deutsch, englisch), Krimi-Couch und Fantastic Fiction.
Arte, 22.35
Aufbruch der Filmemacher (D 2008. R.: Dominik Wessely, Laurens Straub [Ko-Regie])
Drehbuch: Rainer Kölmel, Laurens Straub, Dominik Wessely
Zweistündige sehr sehenswerte Doku über den Filmverlag der Autoren. Zu den Gründungsmitgliedern am 18. April 1971 gehörten Hark Bohm, Peter Lilienthal, Hans Noever, Pete Ariel, Uwe Brandner, Veith von Fürstenberg, Wim Wenders, Hans W. Geissendörfer und Volker Vogeler. Später kam auch Rainer Werner Fassbinder dazu. Die Idee des Filmverlags der Autoren war, die eigenen Filme kollektiv zu produzieren und zu verleihen. In den folgenden Jahren war der Filmverlag die kreative Brutstätte des Neuen Deutschen Films.
Mit Rudolf Augstein, Heinz Badewitz, Hark Bohm, Uwe Brandner, Rainer Werner Fassbinder, Michael Fengler, Peter Fleischmann, Hans W. Geissendörfer, Peter Handke, Irm Hermann, Werner Herzog, Alexander Kluge, Peter Lilienthal, Tom Luddy, Margaret Ménégoz, Lynda Myles, Hans Noever, Thomas Schamoni, Peter Sickert, Laurens Straub, Dan Talbot, Veith von Fürstenberg, Luggi Waldleitner, Wim Wenders
Auch bekannt als „Gegenschuss – Aufbruch der Filmemacher“
Wiederholung: Montag, 22. Februar, 10.20 Uhr
Hinweise
Der Titel „Die Lebenslüge der Juristen – Warum Recht nicht gerecht ist“ ist purer Etikettenschwindel. Denn der frühere Spiegel-Reporter Rolf Lamprecht enttarnt keine Lebenslüge der Juristen. Auch dem borniertesten Juristen muss aufgefallen sein, dass es zu einem Rechtsfall die Position der Anklage und der Verteidigung und sich widersprechende Urteile gibt und das Bonmot „Zwei Juristen, drei Meinungen“ ist schon lange nicht mehr witzig. Dass Lamprecht dennoch auf den ersten Seiten sagt, die Lebenslüge der Juristen sei, an ein Recht zu glauben, das nur eine Auslegung erlaube, kann nur mit dem Wunsch nach einer knalligen Eröffnung erklärt werden.
Danach, und das macht „Die Lebenslüge der Juristen“ durchaus lesenswert, zeichnet Lamprecht skizzenhaft die Geschichte der Bundesrepublik im Lichte von ausgewählten höchstrichterlichen Entscheidungen nach. Lamprecht berichtete von 1968 bis 1998 für den „Spiegel“ aus Karlsruhe. Entsprechend oft bespricht er in seinem Buch Urteile, mit denen er es damals zu tun hatte. Einige Urteile schrieben Rechtsgeschichte. Dazu gehören der Schutz der Wohnung, die Verwendung von persönlichen Aufzeichnungen in Verhandlungen und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Einige Fragen, wie das Recht auf den selbstbestimmten Tod, sind seit Jahrzehnten aktuell und wurden, als der Bundestag in den vergangenen Jahren über die Patientenverfügung debattierte, wieder in der Öffentlichkeit diskutiert. Auch über das Folterverbot wurde nach 9/11 wieder diskutiert und es fanden sich etliche Fürsprecher für eine Aufweichung des Folterverbots. Lamprecht zeichnet in diesen Kapiteln die Argumentationen der verschiedenen Seiten anhand konkreter Fälle nach und steht dabei prinzipiell auf der Seite des Bürgers. Er meint, in der rechtsliberalen Tradition stehend, dass die Eingriffe des Staates möglichst gering sein sollten.
In den späteren Kapiteln wird Lamprechts Argumentation allerdings fahriger, weil er beginnt, in einem Kapitel mehrere Fälle, die nur wenig miteinander zu tun haben, miteinander zu verknüpfen.
Wer sich also etwas ausführlich mit einigen moralischen Fragen und wie diese von deutschen Juristen behandelt wurden, beschäftigen will, findet in „Die Lebenslüge der Juristen“ eine durchaus inspirierende Lektüre.
Wer das Buch allerdings wegen des Titels kauft, wird nicht viel Freude an Lamprechts Werk haben.
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Rolf Lamprecht: Die Lebenslüge der Juristen – Warum Recht nicht gerecht ist
Goldmann (Spiegel Buchverlag), 2009
272 Seiten
8,95 Euro
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Erstausgabe
Deutsche Verlags-Anstalt, 2008
3sat, 22.00 (VPS 21.50)
Stammheim (D 1985, R.: Reinhard Hauff)
Drehbuch: Stefan Aust
LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985
Eigentlich ist “Stammheim” ein abgefilmtes Theaterstück: Aust und Hauff konzentrierten sich auf die Verhandlung gegen die Baader-Meinhof-Gruppe und nahmen die Gerichtsprotokolle als Grundlage für die Dialoge.
Damals irritierte die Kritiker, dass Schauspieler anders aussehende Personen spielten, die im öffentlichen Bewusstsein noch sehr präsent waren.
Heute ist “Stammheim” ein Stück Zeitgeschichte und ein Blick in eine für uns inzwischen sehr fremde Zeit.
“Es ist ein Film über die Unfähigkeit der Politik und der Justiz, die Verhältnisse zu reflektieren, in denen Gewalt entsteht. Ein Film über die Ungeduld und Unduldsamkeit derjenigen, die erklärten, das Volk befreien zu wollen und am Ende mehr Zwänge und staatliche Repression erreichen.
Wie in einem Mikrokosmos findet der Kampf zwischen dem Staat und seinen radikalsten Gegner in einem Gerichtssaal statt. Keine Seite geht daraus unbeschädigt hervor. Die einen bekämpfen das Recht und die Ordnung des bürgerlichen Staates und berufen sich gleichzeitig auf seine Gesetze. Die anderen vertreten die Gesetze und verletzen dennoch das Recht (…)
Hauff und Aust haben den mutigsten Film über unsere politische Gegenwart gemacht.“ (Fischer Film Almanach 1987)
„Stammheim“ erhielt 1986 auf der Berlinale den Goldenen Bären. Während der Preisverleihung sagte Jurypräsidentin Gina Lollobrigida – ein grober Verstoß gegen die Etikette -, dass sie gegen den Film gestimmt habe.
mit Ulrich Pleitgen, Ulrich Tukur, Therese Affolter, Sabine Wegner, Hans Kremer, Dominique Horwitz
Wiederholung: Montag, 15. Februar, 02.15 Uhr (VPS 02.05 – Taggenau!)
Hinweise
Wolfram Schütte in der Frankfurter Rundschau vom 30. Januar 1986 über „Stammheim“
3sat, 22.20
Kulturzeit extra: Berlinale Journal
Heute und an den kommenden Tagen berichtet Tina Mendelsohn vom Festival und besucht legendäre Berliner Kinos. Heute ist sie im „Toni & Tonino“.
Hinweise
Bei den Alligatorpapieren sind meine, wie immer von Alligator-Alfred wunderschön bebilderten, neuen TV-Krimi-Buch-Tipps online. Highlights der kommenden 14 Tage sind:
Wahrscheinlich wegen der tollen Tage ist das TV-Programm nicht so toll. Dennoch gibt es einige sehenswerte Krimiverfilmungen. Es beginnt mit David Mackenzies Peter-Jinks-Verfilmung „Hallam Foe“. Es geht weiter mit Reinhard Hauffs Stefan-Aust-Verfilmung „Stammheim“ (dafür gab’s einen Goldenen Bären), Aisling Walshs Lynda-La-Plante-Verfilmung „Der Preis des Verbrechens: Herr der Fliegen“, George Armitages Charles-Willeford-Verfilmung „Miami Blues“, Michael Hodges‘ Ted-Lewis-Verfilmung „Get Carter“ (mal wieder deutlich nach Mitternacht), Roman Polanskis „Chinatown“ (nach einem Drehbuch von Robert Towne), Lee Tamahoris „Nach eigenen Regeln“ (nach einem Drehbuch von Pete Dexter) und, als leichtgewichtigen Ausklang, gibt es die „Mordrezepte der Barbouzes“.
Oh, und James Bond hat alle Hände voll zu tun.
David Peace unterhält sich mit James Ellroy.
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Jerome Charyn war „Einmal beim Meister“ Martin Scorsese. Der Text erschien in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ und dürfte die Tage online gehen (Nachtrag 14. 2. 2010: online).
In der SZ beantwortet Leonardo DiCaprio einige Fragen zu seinem neuen Film „Shutter Island“ und wie die Zusammenarbeit mit Martin Scorsese ist.
Auch der Autor der Vorlage, Dennis Lehane, darf einige Fragen zum Buch und Film beantworten.
Und nun alle zusammen: Martin Scorsese, Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley und Dennis Lehane.
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Zwei Worte zu Helene Hegemann, „Axolotl Roadkill“ und ihren Verteidigern in den Feuilletons:
Würden Sie, liebe Literaturkritiker, auch dann Hegemann und ihren Roman verteidigen, wenn die Autorin Texte von ihnen, ohne um Erlaubnis zu fragen, abgeschrieben hätte und ohne auf die Originaltexte hinzuweisen? Würden Sie auch dann sagen, dass es okay ist, dass der Abschreiber Geld verdient, während der Urheber nichts (noch nicht einmal eine namentliche Nennung) erhält?
Wenn Sie auf diese Fragen bejahen, dann…
Aufgedeckt wurde die Abschreiberei der jungen Dame von dem Blogger Deef Pirmasens (Die Gefühlskonserve).
Da ich meine eigenen Texte natürlich besser kenne als Deef Pirmasens, der als erster über die Parallelen berichtet hat, sind mir schon sehr viel mehr Stellen aufgefallen. Ich habe heute gehört, dass diese Stellen in zukünftigen Ausgaben von „Axolotl Roadkill“ gekennzeichnet werden sollen.
Dort gibt es auch eine beeindruckend lange Liste von ähnlichen Textstellen.
Stellvertretend Helmut Krausser: Diebstahl ist Diebstahl, da bin ich sehr konservativ. Sich es mit dem Hinweis, heute werde überall geklaut, einfach zu machen, zeugt von wenig Reflexion und einer gewissen Wollust am Selbstbetrug. Bei über dreißig Büchern habe ich im Leben erst zwei Sätze anderer Autoren verwendet – und es war mir ein Herzensbedürfnis, dies kenntlich zu machen, ansonsten ich mich für die fremden Federn geschämt hätte.
Und für den Rest empfehle ich einen Besuch im Literaturcafé. Dort hat Wolfgang Tischer eine gute Zusammenfassung geschrieben: „Das Feuilleton findet Abschreiben ohne Quellenangabe voll OK“.
Nachtrag: Vor dem Hintergrund von Abmahnungen und der Forderung nach einer Kulturflatrate oder einem Leistungsschutzrechte für Verlage sind die von etlichen Literaturkritikern vertretenen Pro-Hegemann-Positionen — höchst interessant.
Nachtrag (18. Februar 2010): In der FAZ sind die Quellen aufgelistet, die der Ullstein-Verlag in der nächsten Ausgabe des Buches abdruckt. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
In der Zeit hat Josef Joffe einen klugen Kommentar geschrieben:
Ob ein Richter den Autodieb freisprechen würde, der ein Fanal gegen den »Eigentumsrechtsexzess« setzen wollte?
Arte, 20.40 (VPS 20.45)
Metropolis (D 1926, R.: Fritz Lang)
Drehbuch: Thea von Harbou
Buch zum Film: Thea von Harbou: Metropolis, 1926
Der SF-Klassiker – und wie es sich für einen Klassiker gehört: unglaublich teuer, lang, an der Kasse zunächst gefloppt, von Produzenten und Verleihern in verschiedenen gekürzten Versionen herausgebracht und, vor allem optisch, ein großer Einfluss auf eigentlich alle dystopischen SF-Filme (Was wäre “Blade Runner” ohne “Metropolis”?). Dass die Geschichte eher banal und die Botschaft ärgerlich ist – geschenkt.
Obwohl: Nachdem 2008 in Buenos Aires eine Kopie der verschollen geglaubten Premierefassung entdeckt und aufwendig restauriert wurde, kann heute erstmals die um ein gutes Viertel längere und fast vollständige Version (einige Teile konnten nicht gerettet werden) von “Metropolis” endlich wieder gesehen werden.
Wetterunfühlige Menschen können am Brandenburger Tor eine Open Air Vorstellung erfrieren.
Im Anschluss zeigt Arte um 23.10 die gut einstündige Doku “Die Reise nach Metropolis”.
mit Alfred Abel, Gustav Fröhlich, Brigitte Helm, Rudolf Klein-Rogge, Fritz Rasp, Heinrich George
Hinweise
Wikipedia über „Metropolis“ (deutsch, englisch)
Süddeutsche Zeitung: Christian Mayer über „Metropolis“ (11. Februar 2010)
Frankfurter Rundschau: Daniel Kothenschulte über „Metropolis“ (12. Februar 2010)
Deutsche Kinemathek: Ausstellung „The Complete ‚Metropolis’“
Der Plot von „Skate or Die“ kann auf einem halben Bierdeckel notiert werden: zwei Skater filmen in einem Parkhaus einen Drogendeal, der schiefgeht. Sie werden entdeckt und flüchten zur Polizei. Dort entdecken sie, dass ihre Verfolger Polizisten sind und – den Rest können Sie sich wirklich denken.
Auf die andere Hälfte des Deckels passen die Dialoge.
Damit dürfte klar sein, dass „Skate or Die“ sich nicht an die Freunde dialoglastiger, vertrackter und intellektuell herausfordernder Filme wendet. Denn Regisseur Miguel Courtois und den Drehbuchautoren Clelhio Favretto und Chris Nahon (Buch und Regie bei „Das Imperium der Wölfe“ und Regie bei „Kiss the Dragon“) geht es um Action und das Lebensgefühl einer jugendlichen Subkultur; wobei sich das Lebensgefühl auf das Skaten durch Paris, das Herumhängen und den Konsum von Joints beschränken.
Genauso oberflächlich wie der Blick in die Skater-Szene sind auch die Charakterisierungen. Die Guten sind gut (auch wenn sie noch in der Slacker-Phase sind) und die Bösen sind sehr böse (auch wenn sie eine Polizeimarke haben).
Die gesamte Kreativität der Macher floss in die Actionszenen. Die beiden Hauptrollen wurden mit Skatern besetzt und auch die anderen Schauspieler durften sich, wie das „Making of“ zeigt, körperlich austoben. Dass bei dem Dreh niemand ernsthaft verletzt wurde ist, angesichts der zahlreichen im „Making of“ dokumentierten Stürze, ein Wunder. Denn Courtois setzte auf altmodische Handarbeit.
Diese auf den Straßen von Paris gedrehten Actionszenen sind atemberaubend nah gefilmt, rasant geschnitten und spektakulär, aber als Zuschauer ist man niemals emotional involviert. Man weiß, auch ohne das Drehbuch gelesen zu haben, dass alles gut ausgeht. Man weiß, dass die beiden jugendlichen Helden sich, wenn sie von Brücken springen, zwischen fahrenden Autos und Fußgängern durchrasen und von einem Gebäude zum nächsten springen, dass sie sich nicht verletzen. Denn dann wäre der Film aus. Gleichzeitig legt der meist Trip-Hop-Klängen bestehende, durchgehend pulsierende Soundtrack einen beruhigenden Laidback-Teppich aus.
„Skate or Die“ ist ein 90-minütiger Videoclip, der wahrscheinlich jeden über 25-jährigen langweilt.
Skate or Die (Skate or Die, F 2008)
Regie: Miguel Courtois
Drehbuch: Clelhio Favretto, Chris Nahon
Darsteller: Mickey Mahut, Idriss Diop, Elsa Pataky, Philippe Bas, Passi, Rachida Brakni
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Bild: 2,35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Französisch (5.1)
Untertitel: –
Extras: Making Of, Trailer
Laufzeit: 88 Min.
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweis
SRTL, 22.15
Columbo: Schreib oder stirb (USA 1974, R.: Robert Butler)
Drehbuch: Peter S. Fischer
Verleger Riley Greenleaf ist stinkig. Sein Bestsellerautor Alan Mallory möchte den Verlag wechseln. Greenleaf denkt sich ‚nicht mit mir’ und der tapsige Lieutenant Columbo hat einen neuen Fall
Für Krimifans ist „Schreib oder Stirb“ ein Highlight. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf den Literaturbetrieb und Mickey Spillane (Ja, genau der!) spielt einen Bestsellerautor.
Mit Peter Falk, Jack Cassidy, Mickey Spillane
Hinweise
Wikipedia über „Columbo“ (deutsch, englisch)
The Museum of Broadcast Communications über “Columbo”
Noch eine deutsche “Columbo”-Fanseite
TV Time Machine: Audiointerview mit Peter Falk und Mark Dawidziak
Fanpage über Mickey Spillane (letzte Aktualisierung: 2001)
Thrilling Detective über Mickey Spillane
Thrilling Detective: Max Allan Collins über Mickey Spillane
January Magazine: Max Allan Collins zum Tod von Mickey Spillane
Evolver: Martin Compart zum Tod von Mickey Spillane
Mystery File: Steve Holland über Mickey Spillane
Crimetime: Interview mit Mickey Spillane
Combustible Celluloid: Interview mit Mickey Spillane
Kaliber .38 über Mickey Spillane
Krimi-Couch über Mickey Spillane
New York Times: Nachruf auf Mickey Spillane
Die International Association of Crime Writers (North Amercian Branch) hat die Nominierungen für den diesjährigen Hammett-Preis veröffentlicht:
Megan Abbott: Bury Me Deep
Ace Atkins: Devil’s Garden
Jedediah Berry: The Manual of Detection
Walter Mosley: The Long Fall
George Pelecanos: The Way Home
(Dank an Bill Crider für die Infos)
Arte, 23.10
Pasolinis tolldreiste Geschichten (I/F 1971, R.: Pier Paolo Pasolini)
Drehbuch: Pier Paolo Pasolini
LV: Geoffrey Chaucer: The Canterbury Tales (Kurzgeschichten)
Lange nicht mehr (falls überhaupt jemals im TV) gezeigter Episodenfilm: Im England des 14. Jahrhunderts erzählen sich einige Pilger auf dem weg nach Canterbury meist sehr unzüchtige Geschichten.
„Pasolinis tolldreiste Geschichten“ (klingt fast wie ein Ableger des „Schulmädchenreports“) ist der Mittelteil seiner Trilogie des Lebens. Vor „I Racconti di Canterbury“ (auch „Canterbury Tales“) verfilmte er einige Geschichten aus dem „Decameron“, danach einige Erotische Geschichten aus 1001 Nacht“. Für „Pasolinis tolldreiste Geschichten“ verfilmte er acht Geschichten der aus 22 Geschichten bestehenden „Canterbury Tales“ von Geoffrey Chaucer (1340 – 1400).
Der Film erhielt 1972 auf der Berlinale den Goldenen Bären. Dennoch: „Stilistisch noch uneinheitlicher, noch konfuser erzählt und primitiver montiert als ‚Il Decameron‘, zeigt ‚I Racconti di Canterbury‘ Pasolini auf einem künstlerischen Tiefpunkt. Nur drei Episoden dieses verunglückten Torsos, der unverständlicherweise den Hauptpreis der Berlinale 1972 bekam, sind bemerkenswert.“ (Wolfram Schütte in „Pier Paolo Pasolini“, Hanser Reihe Film 12)
Mit Pier Paolo Pasolini, Laura Betti, J. P. Van Dyne, Drek Deadman, Hugh Griffith, Josephine Chaplin
Wiederholungen
Samstag, 27. Februar, 03.00 Uhr (Taggenau!)
Mittwoch, 3. März, 01.00 Uhr (Taggenau!)
Hinweise