Neu im Kino/Filmkritik: Über den Pixar-Film „Hoppers“

März 5, 2026

Irgendwann im zweiten Akt, wahrscheinlich nach der Mitte des Films, fragte ich mich, wie die Macher von „Hoppers“ aus der Falle, die sie sich am Filmanfang stellten, elegant herauskommen wollen und wie sie eine aufbauende Botschaft senden können.

Das können sie nicht.

Doch der Reihe nach. Die Heldin des neuen Pixar-Films ist Mabel Tanaka, eine fanatische, vor Energie und Optimismus sprühende Kämpferin für die Freiheit von eingesperrten Tieren und eine ebenso überzeugte Liebhaberin der unberührten Natur, vor allem von einem Teich, an dem sie viel Zeit mit ihrer unlängst verstorbenen Großmutter verbrachte. Seit kurzem studiert sie an der örtlichen Universität. Ihr Feind ist Jerry Generazzo. Der skrupellose Bürgermeister der Stadt Beaverton will eine Umgehungsstraße bauen. Es fehlt nur noch das Stück, das den Teich zerstören würde.

Als Mabel entdeckt, dass alle Tiere aus dem Teich verschwunden sind und die Bagger anrollen können, will sie das verhindern. Das könnte ihr gelingen, wenn es an dem Teich wieder Biber gibt. Denn wenn ein Biber da ist, kommen kurz darauf auch die anderen Tiere. Der Bau der Umgehungsstraße wäre gestoppt.

In der Nähe des Teichs entdeckt sie einen Biber. Dieser ist allerdings kein echter Biber sondern ein wie ein Biber aussehender Roboter. Er ist Teil eines streng geheimen Forschungsprojekts von Professorin Dr. Sam. In dem Projekt von Mabels Biologie-Professorin wird das Gehirn eines Menschen in den Körper eines Roboter-Biber gehüpft. Mit Hilfe dieser Hoppers-Technologie kann das Leben der Tiere ohne störende Einflüsse beobachtet werden. Die Forscher können sogar verstehen, was die Tiere sagen.

Kurzentschlossen schlüpft Mabel (also genaugenommen nur ihr Bewusstsein) in den Roboter-Biber. Im Wald trifft sie die anderen Tiere, entdeckt eine vollkommen fremde, in ihren innersten Strukturen darwinistische Welt und den diese Welt regierenden herzensguten König George. Die Tiere verraten ihr auch, dass sie den Teich verlassen haben, weil es dort ein schreckliches Geräusch gebe. Mabel will den Grund für das Geräusch herausfinden.

Gleichzeitig stachelt sie die Tiere zum Kampf gegen die Menschen, die ihnen immer mehr von ihrem Lebensraum wegnehmen, an.

Nie verschwendet sie dabei einen Gedanken an die Folgen, die ihre Taten haben könnten. Dafür ist Mabel viel zu impulsiv und auf ihr Ziel fokussiert.

Hoppers“, inszeniert von Daniel Chong, nach einem Drehbuch von Jesse Andrews, erzählt vor allem eine spannende Geschichte über den Kampf zwischen einer radikalen Umweltschützerin und einem skrupellosem Bürgermeister. Chong zeichnet den Gegensatz zwischen Gut und Böse sehr klar und deutlich. Der Kampf zwischen Mabel und Bürgermeister Generazzo entwickelt sich innerhalb der Drei-Akt-Struktur. Die Figuren müssen etwas lernen. Sie müssen am Ende der Geschichte eine andere Person als am Anfang der Geschichte sein. Danach muss Mabel sich verändern. Aber welche Änderung könnte in einem Kinderfilm für eine grundsympathische, vor Energie und Optimismus sprühenden Umwelt- und Tierschützerin wünschenswert sein? Soll sie am Ende weniger Umwelt- und Tierschutz fordern? Soll sie für die Umgehungsstraße und für die Zerstörung der Umwelt sein?

Die von den Machern gewählte Lösung in und nach dem finalen Kampf zwischen Mabel und Generazzo fällt dann auch, nachdem sie sich in eine Catch-22-Situation hineinmanövrierten, wenig befriedigend aus.

Bis dahin entwickelt sich die Geschichte, trotz des komplizierten Set-ups mit der Hüpf-Technologie, den vielen individuell gezeichneten Figuren und überraschenden Wendungen letztendlich gradlinig, flott und auch kurzweilig auf ihr Ende hin.

Hoppers (Hoppers, USA 2026)

Regie: Daniel Chong

Drehbuch: Jesse Andrews (nach einer Geschichte von Daniel Chong und Jessie Andrews)

mit (im Original den Stimmen von) Piper Curda, Bobby Moynihan, Jon Hamm, Kathy Najimy, Dave Franco, Eduardo Franco, Aparna Nancherla, Tom Law, Sam Richardson, Melissa Villaseñor, Isiah Whitlock Jr., Steve Purcell, Ego Nwodim, Nichole Sakura, Meryl Streep, Karen Huie, Vanessa Bayer

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Hoppers“

Metacritic über „Hoppers“

Rotten Tomatoes über „Hoppers“

Wikipedia über „Hoppers“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Die „Sisters“ Tina Fey und Amy Poehler feiern eine Party

Februar 15, 2016

Die Ellis-Schwestern sind zurück in Florida. Weil ihre Eltern das Haus verkaufen, sollen Maura (Amy Poehler), die vernünftige Schwester, und Kate (Tina Fey), die unvernünftige Schwester, ihr Kinderzimmer ausräumen. Natürlich treffen sie alte Bekannte, schwelgen beim Aufräumen in Erinnerungen und, nachdem ihre Eltern (James Brolin und Dianne Wiest) ihnen verboten haben, eine Party zu feiern, beginnen sie eben diese Party zu planen. Sie soll noch besser werden als ihre inzwischen legendären Partys, die sie als Schülerinnen feierten. Und sie soll natürlich ihre Jugend wieder zurückbringen.
Diese Party, die im Zentrum des Films steht, ist der zweite Akt und er dauert ungefähr eine Stunde. Im dritten Akt, der ungefähr das letzte Viertel des Films einnimmt, werden dann die Scherben zusammengekehrt, inclusive Kater und pflichtschuldig mitgelieferter, aus der vorherigen Geschichte kaum erkennbarer Moral für die beiden Mittvierzigerinnen Kate und Maura.
Die Party selbst nimmt, und dabei ist das Geschlecht des Gastgebers egal, ihren vorhersehbaren Verlauf. Aus dem nobel-austauschbarem Vorstadtanwesen wird innerhalb weniger Stunden eine einsturzgefährdete Ruine. Es werden legale und illegale Drogen konsumiert, es werden sich Beleidigungen an den Kopf geworfen, es wird gekuschelt und alle versuchen sich, nach kurzen Anlaufschwierigkeiten, wieder wie hormon- und drogengetriebene Teenager zu benehmen. Selbstverständlich gibt es auch in „Sisters“ die Zeichnung eines männlichen Geschlechtsteiles an einem unpassendem Ort. Dieser zuverlässige Indikator für das klamaukige Witzniveau des Films verziert dieses mal eine Zimmerwand.
Das ganze könnte die weibliche Version von der ebenfalls diese Woche angelaufenen „Komödie“ „Dirty Grandpa“ sein, wenn es in „Sisters“ nicht auch ruhige Momente gäbe und nicht alle Witze bewegen sich auf vorpubertärem Niveau. In „Sisters“ ist auch eine leichte Verzweiflung über das Älterwerden und verpasste Chancen spürbar, die aber meistens in den zu lang geratenen improvisierten Szenen und der in ihrer Eskalation keiner wirklichen Dramaturgie gehorchenden Party untergeht.
Ein echter Pluspunkt von „Sisters“ sind die spielfreudigen Komikerinnen und ihr Mut zur Hässlichkeit und Gesichtsverrenkungen. Mit reduzierten Erwartungen (denn eigentlich geht es nur, mit langem Vor- und Nachspiel, um die hauszerstörende Party) ist Jason Moores Film ein annehmbares, aber auch verzichtbares und mit zwei Stunden zu lang geratenes Vergnügen, bei dem sich schon die Frage nach der Zielgruppe stellt. Wobei: Warum sollten nur Männer auf ewig pubertieren? Und warum sollte ein Geschlechterwechsel zu einer besseren Komödie führen? Aber schön wäre es schon.

Druck

Sisters (Sisters, USA 2015)
Regie: Jason Moore
Drehbuch: Paula Pell
mit Tina Fey, Amy Poehler, Maya Rudolph, Ike Barinholtz, James Brolin, Dianne Wiest, John Cena, John Leguizamo, Bobby Moynihan, Greta Lee
Länge: 118 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sisters“
Metacritic über „Sisters“

Rotten Tomatoes über „Sisters“
Wikipedia über „Sisters“