They want me dead (Those who wish me dead, USA/Kanada 2021)
Regie: Taylor Sheridan
Drehbuch: Charles Leavitt, Taylor Sheridan
LV: Michael Koryta: Those who wish me dead, 2014 (Die mir den Tod wünschen)
Feuerspringerin Hannah Faber sitzt als Brandmelderin in Montana im Wald auf einem Wachturm. Während ihres Dienstes entdeckt sie den zwölfjährigen Connor. Der Junge wird von zwei Killern gejagt. Sie will Connor retten. Da zünden die beiden Killer den Wald an.
TV-Premiere (nachdem der Thriller während der Coronavirus-Pandemie seine deutsche Premiere bei Sky als VoD hatte). Die Kritik meint: gut inszenierter und gespielter Old-School-Thriller vor prächtiger Landschaft
mit Angelina Jolie, Finn Little, Nicholas Hoult, Jon Bernthal, Aidan Gillen, Medina Senghore, Jake Weber, Tyler Perry
Überraschend gelungen ist Duncan Jones‘ dritter Spielfilm „Warcraft: The Beginning“. Das sagt jetzt allerdings wenig über den Film an sich, sondern vor allem über den Referenzrahmen aus. „Warcraft: The Beginning“ (ab jetzt nur noch „Warcraft“, im Netz gibt es ja kein Zeilengeld) ist eine Spieleverfilmung und „gute Spieleverfilmung“ ist ein bekanntes Oxymoron. Die meisten Spieleverfilmungen sind als Film und als irgendwie geartete Adaption des Spiels gescheitert. Eine Qual für die Fans des Spiels, weil sie im Film nichts von der Großartigkeit des Spiels finden, und eine für das restliche Publikum, weil es einen grottenschlechten Film sieht, eine Geldverschwendung, bei der vollkommen unklar ist, warum irgendjemand, geschweige den Millionen, das Spiel gekauft haben.
„Warcraft“ ist außerdem ein Fantasy-Film und Fantasy-Filme irgendwo zwischen Rittern und eiserne Jungfrauen im Mittelalter und „Herr der Ringe“-Zaubereien interessieren mich herzlich wenig. Ich halte es da mit Alfred Hitchcock, de sich fragte, wie die Menschen in den Kostümen auf die Toilette gehen. Außerdem sind etliche Fantasy-Filme, trotz oder wegen ihres Budgets, schlechte Filme.
Kurz gesagt: in diesem Umfeld sind die Erwartungen notorisch gering.
Aber dann ist der Film von Duncan Jones und seine beiden Science-Fiction-Filme „Moon“ und „Source Code“ haben mir gut gefallen. Sie kosteten nicht viel Geld, hatten aber eine gute Geschichte und gute Schauspieler. Gute Schauspieler hat „Warcraft“ auch, wobei auf die wirklich großen Namen verzichtet wurde. Sie sollten nicht von der Geschichte ablenken.
Ihm könnte also eine gute Spieleverfilmung gelingen.
Oh, und Duncan Jones ist ein bekennender „World of Warcraft“-Spieler, was erst einmal nichts sagt, aber immerhin die Hoffnung weckt, dass er dem Geist des Spiels treu bleibt. Ob ihm das gelingt, kann ich nicht sagen. Computerspiele interessieren mich ungefähr so sehr wie Fantasy-Filme. Und das ist „Warcraft“.
Es geht um die aus einer fremden Welt in das Königreich von Azeroth kommenden Orcs. Die Orcs sehen aus wie eine muskelbepackte Version von Arnold Schwarzenegger. Sie leben für den Krieg und wollen die Welt der Menschen erobern. Die Menschen sind davon nicht begeistert. Ihre Truppen werden angeführt von dem tapferen Krieger Anduin Lothar (Travis Fimmel), dem jungen Zauberer Khadgar (Ben Schnetzer) und dem Wächter Medivh (Ben Foster), der mit seinen magischen Kräften über die Menschen wacht. Allerdings hat er sich in den letzten sechs Jahren in seine Burg zurückgezogen, widmete sich seinen Schriften und der Erschaffung eines Golems. Sekundiert werden sie von dem König Llane (Dominic Cooper) und seiner Gemahlin und Anduins Schwester Lady Taria (Ruth Negga).
Auf der Seite der Orcs haben die Macher weniger Sorgfalt verwandt, obwohl sie die Geschichte aus der Perspektive der Menschen und der Orcs erzählen wollen (was dann bei Friedensverhandlungen zu etwas putzigem Sprachwirrwarr auf der Tonspur sorgt). Einerseits sehen sie sich doch alle recht ähnlich, andererseits gibt es neben ihrem Anführer, dem Hörner tragendem Greis Gul’dan (Daniel Wu), dem tapferen Durotan (Toby Kebbell) und seiner ebenso kriegsbegabten, schwangerschaftsbedingt ausfallenden Frau Draka (Anna Galvin) kaum Charaktere, die einen größeren Wiedererkennungswert haben.
Zwischen beiden Welten steht Garona (Paula Patton), ein Halb-Mensch/Halb-Orc-Wesen, das Anduin gefangen genommen wird und, weil sie die Sprache der Menschen versteht, zur Übersetzerin und Vermittlerin zwischen ihnen wird. Kämpfen kann sie auch und es bleibt ein Rätsel, warum sie und der mit ihr gefangen genommene Orc nicht einfach ausbrechen.
Nachdem diese Fronten geklärt sind, fällt Durotan auf, dass Gul’dan alles zerstört, was in seinen Einflussbereich gerät. Er will sich daher mit den Menschen gegen den wahren Bösewicht verbünden.
Gut, die Story kennen wir wirklich vorwärts und rückwärts, mit allen möglichen Verwicklungen aus jedem zweiten Mittelalterfilm und Duncan Jones erzählt sie brav nach mit vorhersehbaren Wendungen, einem gemächlichen Erzähltempo, seit Ewigkeiten patentierten Dialogen und eindimensionalen Charakteren. Also mit all den Dingen, die wir in seinen vorherigen Filmen nicht vermissten. Daher ist „Warcraft“ vor allem ein Film für die Fantasy-Filmgemeinde, die gerade unter Hobbit-Entzug leidet, und für die Duncan-Jones-Komplettisten.
Denn die Bilder beeindrucken. Auch, was gar nicht so einfach ist, in 3D im IMAX. Wobei die Dimensionen und Proportionen zwischen riesigen Händen und Kleinkinderköpfen bei den Orcs immer wieder falsch wirken. Die Geschichte wird mit etwas Humor und dem augenzwinkernden Einverständnis erzählt, dass wir sie letztendlich schon kennen. Auch wenn die Namen ausgetauscht wurden.
Obwohl der Film „The Beginning“ heißt, erzählt er, bis auf einige Hinweise auf die weitere Geschichte und einigen überraschenden Todesfällen, eine in sich abgeschlossene Geschichte, für die man das Spiel nicht kennen muss.
Überraschend gelungen ist, um wieder auf meine erste Bewertung zurückzukommen, in diesem Fall ein okayer Fantasy-Film, der nichts neu erfindet, angenehm konservativ seine Geschichte erzählt und die bekannten Fallen früherer Spieleverfilmungen umschifft. Das ist im Umfeld von „Tomb Raider“, „Max Payne“, „Hitman – Jeder stirbt alleine“ und „Need for Speed“ schon sehr viel.
Warcraft: The Beginning (Warcraft: The Beginning, USA 2016)
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Charles Leavitt, Duncan Jones
mit Travis Fimmel, Paula Patton, Ben Foster, Dominic Cooper, Toby Kebbell, Ben Schnetzer, Robert Kazinsky, Clancy Brown, Daniel Wu, Ruth Negga
Wahrscheinlich dachten die Macher, sie seien furchtbar clever, als sie für „Im Herzen der See“ eine Rahmengeschichte erfanden, die ihren Film zum Making-of von „Moby Dick“ macht. Nicht dem Film von John Huston, sondern dem Roman von Herman Melville. 1850 trifft Herman Melville (Ben Whishaw) den Ex-Matrosen Tom Nickerson (Brendan Gleeson – und allein schon diese Besetzung verrät, dass er mehr als zwei Minuten Leinwandpräsenz am Anfang und Ende des Films bekommen wird), einen Kneipier und Trinker, der mit niemandem über seine Erlebnisse während der letzten Fahrt mit der Essex reden will. Aber seine taffe Frau und finanzielle Nöte lassen ihn dann doch seine Geschichte erzählen.
Vor über dreißig Jahren, im August 1819, heuerte er als 14-jähriger auf dem Walfangschiff Essex als Schiffsjunge an. Kapitän war der unerfahrene George Pollard (Benjamin Walker), der allerdings über das richtige Blut verfügte. Erster Offizier Owen Chase (Chris Hemsworth), ein waschechter und erfahrener Seeman, der eigentlich Kapitän werden sollte, aber den falschen Stammbaum hat. Er ist glücklich verheiratet mit einer hochschwangeren Frau. Die beiden Männer verbindet gleich eine tiefe Abneigung und ein gemeinsames Ziel: möglichst schnell mit möglichst viel Walöl zurückzukommen. Da hören sie von einer großen Herde Wale viele Seemeilen vor der südamerikanischen Küste. Unter diesen Walen soll sich auch ein besonders großer Wal, eben jener Moby Dick, befinden.
Melville ließ sich für seinen Roman „Moby Dick“, der zu seinen Lebzeiten kein Erfolg war, von der Katastrophe der Essex, anderen katastrophalen Begegnungen von Walfängern mit Walen und eigenen Erlebnissen inspirieren.
Die Fahrt der Essex ist daher nicht die Fahrt von Kapitän Ahab und seiner besessenen Jagd nach dem Riesenwal; was eines der Probleme des Films ist. Denn natürlich erwartet man durch die Rahmenhandlung eine Geschichte, die möglichst nah an der bekannten „Moby Dick“-Geschichte ist. Aber die wahre Geschichte der Essex verlief anders und sie hat mühelos das Potential für einen vollkommen eigenständigen Film. „Im Herzen der See“ ist nicht dieser Film. Es ist, auf der Story-Ebene, immer der Film, der gerne „Moby Dick“ wäre, es aber nicht ist.
Auch ohne diese unglückliche gewählte und vollkommen überflüssige Rahmenhandlung (die immer wieder die in der Vergangenheit spielende Haupthandlung unterbricht), hat „Im Herzen der See“ einige Probleme.
Das eine sind die kaum entwickelten Charaktere. Das fällt vor allem auf, nachdem der große Wal die Essex zu Kleinholz zerlegt hat. Die überlebenden Besatzungsmitglieder flüchten auf die Ruderboote und kämpfen auf hoher See viele Wochen und Monate um ihr Überleben. Bis dahin verbrachten wir zwar schon einige Zeit mit der Essex-Besatzung, aber letztendlich lernten wir bis dahin kein Besatzungsmitglied näher kennen. Deshalb berühren ihre Leiden und damit auch ihr Sterben oder Überleben uns nicht. Für kein Besatzungsmiglied empfinden wir irgendetwas, weil wir, bis auf Chase, nichts über sie wissen.
Der Konflikt zwischen Chase und Pollard ist so schlecht entwickelt, dass er immer nur behauptet bleibt, während wir mühelos die Lücken mit Szenen aus besseren Filmen ausfüllen. Immerhin haben wir schon genug Seefahrerfilme mit schwachen Kapitänen und entscheidungsstarken, klugen, erfahrenen, von der Mannschaft respektierten Ersten Offizieren gesehen. Auch wenn es auf der Essex keine Meuterei auf der Bounty gibt.
Das andere große Problem ist die Sucht nach vermeintlich spektakulären Bildern, die allerdings zunehmend langweilen, weil sie erkennbar aus dem Computer stammen. Während früher die Seefahrerfilme im Schwimmbassin gedreht wurden, werden sie jetzt vor dem Blue Screen gedreht und zu einem 3-D-Spektakel aufgeblasen, das von der ersten bis zur letzten Minute künstlich wirkt. Die vermeintlich beeindruckenden Szenen auf hoher See und bei der Waljagd (eine damals ziemlich gefährliche Angelegenheit für die Menschen in ihren kleinen Ruderbooten) wirken sogar noch künstlicher als die Studioaufnahmen aus älteren Filmen. Während man schon im Trailer zu John Hustons „Moby Dick“ das Salzwasser auf den Lippen spürt, entdeckt man bei „Im Herzen der See“ nur Pixel. Das gleiche gilt für die schönen Panorama-Aufnahmen von Nantucket im frühen 19. Jahrhundert. Früher wurde gezeichnet. Heute erledigt ein Programmierer das, ohne dass die Panorama-Aufnahmen auch nur einen Deut realistischer wirken.
„Im Herzen der See“ ist, nachdem Ron Howard zuletzt mit dem grandiosen Rennfahrerfilm „Rush – Alles für den Sieg“ (ebenfalls mit Chris Hemsworth) sogar Formel-1-Verächter begeistern konnte, eine ziemliche Enttäuschung, die mehr Malen nach Zahlen als saftiges Seefahrergarn ist.
Fans von Jeff Bridges und Julianne Moore können getrost auf „Seventh Son“ verzichten.
Auch die Fans von Joseph Delaneys Jugendbuch „Spook – Der Schüler des Geisterjägers“ dürften von „Seventh Son“ enttäuscht sein. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Delaneys Roman, der der Auftakt einer erfolgreichen Kinder-/Jugendbuch-Serie, die es inzwischen auf dreizehn Romane gebracht hat, so schlecht wie Sergei Bodrovs Verfilmung ist. Und, wenn wir gerade dabei sind, Sergei Bodrovs vorherige Filme, wie „Der Mongole“, dürften auch alle besser als dieses halbgare Fantasy-Abenteuer sein, das nie weiß, welche Geschichte es denn nun erzählen möchte, während die Programmierer sich im Pixelrausch austoben.
In der „Seventh Son“-Fantasy-Welt gibt es natürlich Hexen und sonstige nicht ganz menschliche Wesen. Als Kämpfer gegen sie und die Schwarze Magie gibt es sogenannte Spooks. Einer von ihnen ist John Gregory (Jeff Bridges im „True Grit“-Modus), dessen Schüler gerade von der Hexe Mutter Malkin (Julianne Moore in „Razzie“-Hoffnung) getötet wurde. Also sucht Gregory einen neuen Schüler, der der siebte Sohn eines siebten Sohns sein muss. Das sind nämlich ganz starke Jünglinge. Tom (Ben Barnes) ist der Auserwählte, der auch der Sohn einer Hexe ist; was für seine seherischen Qualitäten gut ist. Ach ja: es gibt drei Arten von Hexen: die Guten, die Bösen und die, die es noch nicht wissen. – – – Kein Kommentar zu diesem Hexenkonzept. Immerhin ist nicht jede Frau eine Hexe.
Jedenfalls bandelt der Jüngling auch mit einer Schönheit an, die sich als Hexe entpuppt. Sie sagt, dass sie keine böse Hexe sei und schon steht ihrer Liebe nichts mehr im Weg. Außerdem ist seine Mutter auch eine Hexe.
Weil es demnächst wieder einen Blutmond gibt und Mutter Malkin dann halt tun will, was böse Hexen so tun, muss Gregory Tom schnell ausbilden und mit dem Jüngling in die Schlacht ziehen.
Und irgendwann erfahren wir auch, dass Toms Lehrmeister und Mutter Malkin eine gemeinsame Vergangenheit haben.
Bodrov erzählt diese Geschichte nach einem Drehbuch von Charles Leavitt („The Mighty – Gemeinsam sind sie stark“, „K-PAX – Alles ist möglich“, „Blood Diamond“) und Steven Knight („Tödliche Versprechen – Eastern Promises“, „No turning back“, „Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“), die hier wohl ihr schlechtestes Werk ablieferten. Denn nie kann sich der Film entscheiden, ob er jetzt die Geschichte von John Gregory, dem Lehrer, der gegen seine frühere Geliebte kämpfen muss, und der einen großen Verschleiß an Auszubildenden hat, oder die von Tom, der von Jungen zum Mann wird, erzählen will. Also werden einfach einige Szenen nacheinander abgehandelt, die wohl so etwas wie die Origin Story von Tom ergeben sollen, die aber vor allem langweilen. Und – auch wenn das Drehbuch vielleicht viel besser war – ist der Film einfach nur eine lustlose Abfolge sattsam bekannter Szenen mit viel CGI und wenig Herz. Natürlich in 3D.
Da sieht man sich besser noch einmal Percy Jackson an.
P. S.: Gedreht wurde der Film bereits 2012. Danach gab es zwischen den Studios etwas Hin und Her.
Auf der Comic-Con. 2011. Vor dem Start der Dreharbeiten reden Sergei Bodrow, Jeff Bridges, Ben Barnes und Alicia Vikander über den Film
2013 waren sie wieder auf der Comic-Con. Sergei Bodrow, Jeff Bridges, Ben Barnes, Antje Traue und Kit Harrington reden über den Film (Bild- und Tonqualität sind nicht so gut)