Neu im Kino/Filmkritik: „Is this thing on?“ Darf ich aus meinem Leben erzählen?

März 21, 2026

Nach einem gemeinsamen Abend bei Freunden trennen sich auf dem Heimweg die Wege von Alex Novak (Will Arnett) und Tess (Laura Dern). Tess fährt zu ihren Kindern. Alex driftet durch das nächtliche New York und landet, weil er kein Geld dabei hat, um den Eintritt zu bezahlen, er aber noch nicht nach Hause gehen will, auf der Open-Mic-Bühne des Olive Tree Cafes. Vor dem Publikum erzählt er spontan aus seinem Leben. Witzig ist das nicht. Noch nicht einmal wirklich tragikomisch. Aber irgendwie sind das Publikum und vor allem die anderen Open-Mic-Performer berührt. Sie ermuntern ihn zu einem weiteren Auftritt. Und Alex hat auf der Bühne etwas verspürt, was ihn zum weitermachen antreibt.

Fortan erzählt er auf der Bühne, mehr wahrhaftig als komisch, aus seinem Leben und von seinen Gefühlen.

Dazwischen zeigt Bradley Cooper in seinem dritten Spielfilm dieses Leben. Nach über sechsundzwanzig Jahren, zwanzig davon verheiratet, haben Alex und Tess sich getrennt. Warum wird in Coopers „Is this thing on?“ nicht wirklich deutlich. Sie leben jetzt zwar in getrennten Wohnungen, aber sie verstehen sich immer noch ausgezeichnet und die Kindererziehung teilen sie sich problemlos. Sie sind immer füreinander da. Sogar glückliche Familien wären über so viel Harmonie und selbstlosen Zusammenhalt begeistert.

Gleichzeitig beginnen sie darüber nachzudenken, wie sie ihr weiteres Leben gestalten sollen. Tess knüpft an ihr früheres Leben als Spitzensportlerin an. Alex scheint auf der Comedy-Bühne als Stand-up-Komiker seinen Leben einen neuen Sinn zu geben. Er findet neue Freunde und kann auf der Bühne eine Bestätigung finden, die er vorher anscheinend nicht hatte. Denn obwohl Alex die Hauptfigur der warmherzigen Komödie ist, erfahren wir wenig über ihn.

Zwei Stunden erzählt Bradley Cooper, keiner strikten Dramaturgie gehorchend, feinfühlig, wahrhaftig und mit spürbarer Sympathie für seine durchgehend sympathischen Figuren aus dem Leben einiger stinknormaler Menschen, die keinerlei finanzielle Probleme haben und die offensichtlich glücklich und zufrieden sind.

Das mag vor allem Menschen in einer ähnlichen Situation wie Alex und Tess ansprechen.

Is this thing on? (Is this thing on?, USA 2025)

Regie: Bradley Cooper

Drehbuch: Bradley Cooper, Will Arnett, Mark Chappell (nach einer Geschichte von Will Arnett, Mark Chappell und John Bishop)

mit Will Arnett, Laura Dern, Andra Day, Bradley Cooper, Amy Sedaris, Sean Hayes, Christine Ebersole, Ciarán Hinds, Scott Icenogle

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Is this thing on?“

Metacritic über „Is this thing on?“

Rotten Tomatoes über „Is this thing on?“

Wikipedia über „Is this thing on?“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bradley Coopers „A Star is born“ (A Star is born, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Viele Stars machen noch keine „The Big Wedding“

Mai 30, 2013

 

Die Zeiten, in denen man gespannt auf den neuen Film mit Robert de Niro wartete, sind schon lange vorbei. Als er sich für Rollen den Kopf kahl schor („Taxi Driver“), Pfunde anfrass („Raging Bull“), mit Method Acting in „New York, New York“ (inclusive Saxophonspiel) „Der Pate 2“, „Die durch die Hölle gehen“, „Es war einmal in Amerika“ hinter seinen Rollen verschwand und er anscheinend einen Klassiker nach dem nächsten drehte, sind vorbei. Die Zeit, als man wegen ihm in einen Film ging, endete ungefähr 1997 mit „Jackie Brown“. Danach war zwar nicht alles schlecht. „The Score“ ist ein unterhaltsames Caper-Movie, bei dem das Trio Edward Norton, Robert De Niro und Marlon Brando gefiel. Aber der Rest: Cameo-hafte Auftritte, Ensemblestücke und Komödien.

Sein neuester Film „The Big Wedding“ ist ein Ensemblestück, eine Komödie und ein Remake eines bei uns ziemlich unbekannten französischen Films, der wahrscheinlich gelungener ist. Denn „The Big Wedding“ ist eine zwar unterhaltsame, aber vernachlässigbare Familienkomödie mit vorhersehbaren Witzen und einer hoffnungslos unterforderten Besetzung, die den Film besser aussehen lässt, als er ist und gleichzeitig mehr als eine belanglose Rom-Com verspricht. Denn neben De Niro, der hier gerne den Dude geben würde, aber niemals auch nur ansatzweise die Grandezza von Jeff Bridges in „The Big Lebowski“ oder „The Door in the Floor“/“Die Tür der Versuchung“ erreicht, spielen Diane Keaton, Susan Sarandon, Robin Williams, Katherine Heigl, Topher Grace, Ben Barnes, Amanda Seyfried und „Sledge Hammer“ David Rasche mit.

Die Story: der Adoptivsohn von Ellen und Don Griffin, Alejandro, heiratet Missy. Die Griffins richten die Hochzeitsfeier aus, zu der natürlich auch ihre beiden Kinder Lyla (hat Beziehungsprobleme) und Jared (hat keine Beziehung) kommen und Missys Mutter Madonna Soto kommt aus Südamerika. Sie spricht kein Englisch, ist tiefgläubig und katholischer als der Papst. Und sie hat eine wunderschöne, des Englischen mächtige Tochter, die in den USA endlich alles tun will, was sie in ihrer Heimat nicht tun darf.

Madonnas Glaube wäre kein großes Problem, wenn Don und Ellen nicht geschieden wären. Der Bildhauer lebt inzwischen mit Bebe, Ellens bester Freundin (jedenfalls bis Don mit ihr ins Bett hüpfte), zusammen und er ist so ziemlich das Gegenteil eines guten Katholiken.

Damit ist dann genug Konflikt- und Versöhnungspotential für neunzig vorhersehbare Minuten vorhanden, in denen Schlüpfrigkeit permanent mit Erotik verwechselt wird. Denn natürlich drehen sich fast alle Problemchen und Witze um Sex und das auf eine so biedere Art, dass man die französische Leichtigkeit schmerzhaft vermisst.

Letztendlich ist „The Big Wedding“ nur eine hübsch verpackte Verschwendung von Talent; wobei Diane Keaton und Susan Sarandon sich noch am achtbarsten aus der Affäre ziehen. Fans von Robert De Niro, solange sie nicht zu den Komplettisten gehören, können den Film ignorieren.

The Big Wedding - Plakat

The Big Wedding (Big Wedding, USA 2013)

Regie: Justin Zackham

Drehbuch: Justin Zackham (basierend auf dem Film „Mon frère se marie“ [Wie eine richtige Familie] von Jean-Stéphane Bron)

mit Diane Keaton, Robert De Niro, Susan Sarandon, Robin Williams, Katherine Heigl, Topher Grace, Ben Barnes, Amanda Seyfried, Christine Ebersole, David Rasche, Patricia Rae, Ana Ayora

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Big Wedding“

Metacritic über „The Big Wedding“

Rotten Tomatoes über „The Big Wedding“

Wikipedia über „The Big Wedding“

Arte über „Wie eine richtige Familie“ (das Original)