TV-Tipp für den 25. November: Ray & Liz

November 24, 2021

WDR, 23.30

Ray & Liz (Ray & Liz, Großbritannien 2018)

Regie: Richard Billingham

Drehbuch: Richard Billingham

TV-Premiere. Fotograf Richard Billingham erzählt in seinem präzise fotografiertem Filmdebüt die Geschichte seiner Eltern Ray und Liz, die in Birmingham zur unteren Arbeiterklasse gehören. Es sind deprimierende Bilder aus deinem deprimierendem Leben. Danach möchte man, um sich besser zu fühlen, mindestens ein Feelbad-Movie sehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ella Smith, Justin Salinger, Patrick Romer, Deirdre Kelly, Tony Way, Sam Gittins, Joshua Millard-Lloyd

Hinweise

Moviepilot über „Ray & Liz“

Metacritic über „Ray & Liz“

Rotten Tomatoes über „Ray & Liz“

Wikipedia über „Ray & Liz“

Meine Besprechung von Richard Billinghams „Ray & Liz“ (Ray & Liz, Großbritannien 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ray & Liz“, ein wundervolles Paar

Mai 13, 2019

Es gibt Feelgood-Filme.

Es gibt Feelbad-Filme.

Und dann gibt es noch „Ray & Liz“, ein Film, der ungefähr so vergnüglich wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung ist.

Richard Billingham, der bereits als Fotograf Preise erhielt und für den Turner-Preis nominiert war, erzählt in seinem Spielfilmdebüt die Geschichte seiner Kindheit und die seiner Eltern. Sie waren auch die Motive seiner ersten hochgelobten Bilder und Doku-Videos.

Dabei ist „Ray & Liz“ nicht offensichtlich platt autobiographisch, wie man es von anderen Erstlingswerken kennt, in denen die Debütanten ihre Geschichte und ihre Probleme mit sich, der Welt und ihren Eltern aufschreiben und sich als den Mittelpunkt der Welt sehen.

Im Gegenteil. Wenn man nicht wüsste, dass Billingham Szenen aus dem Leben seiner Eltern in den späten siebziger und achtziger Jahren, als er ein Kind war, und der Gegenwart nachinszeniert, würde man sie für dystopische Visionen aus einem anderen England halten. Ein England, das vollkommen aus der Zeit gefallen ist und aussieht, als habe man noch nicht den Schutt vom letzten Krieg weggeräumt. Nicht den vom II., sondern den vom I. Weltkrieg.

Es sind quälend langer Szenen aus einem deprimierendem Milieu. Es ist die untere Arbeiterklasse, die den Konsum von Alkohol für Bildung hält. Ray, Richard Billinghams Vater, hat eine Abfindung erhalten, die er in Alkohol umsetzt. Seine Frau Liz sitzt vor allem am Tisch, wo sie puzzelt und näht. Ob sie jemals etwas davon fertigstellt, wissen wir nicht. Sie raucht, schweigt und ist der fleischgewordene Inbegriff schlechter Laune. Ihre mütterliche Fürsorge besteht darin, ihre Kinder meistens nicht zu beachten. Den Alkoholvorrat bewacht sie dagegen mit Argusaugen.

In einer Rahmenhandlung begegnen wir einem älteren Ray, der immer noch billigen Schnaps in rauen Mengen trinkt und niemals sein Zimmer verlässt. Schließlich ist erhält er problemlos seine tägliche Dosis Fusel.

Billingham gestaltet diese Szenen wie detailgenaue Fotografien. Er beobachtet. Er erklärt nichts. Er verurteilt sie nicht. Er entschuldigt auch nichts. Er bemüht sich auch nicht, seine Figuren sympathisch zu gestalten. Und gerade das macht „Ray & Liz“ so großartig als absolut unsentimentaler Blick in das Leben in Armut, die hier keinen Glamour hat. Die Armen sind auch keine besseren Menschen. Sie sind Trinker. In jungen Jahren funktionierende Trinker. Später nur noch Trinker.

Ray & Liz“ ist ein wichtiger und sehenswerter Film. Als Filmkunst. Es ist auch ein Film, der nur wenige Zuschauer finden wird.

Daran ändern die Preise, die das Drama bis jetzt erhielt, nichts. „Ray & Liz“ erhielt unter anderem in Locarno den Spezialpreis der Jury und bei den British Independent Film Awards 2018 den Douglas Hickox Award (Best Debut Director).

Ray & Liz (Ray & Liz, Großbritannien 2018)

Regie: Richard Billingham

Drehbuch: Richard Billingham

mit Ella Smith, Justin Salinger, Patrick Romer, Deirdre Kelly, Tony Way, Sam Gittins, Joshua Millard-Lloyd

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ray & Liz“

Metacritic über „Ray & Liz“

Rotten Tomatoes über „Ray & Liz“

Wikipedia über „Ray & Liz“


DVD-Kritik: Höre nicht auf „The Voices“!

Oktober 7, 2015

Zum Filmstart schrieb ich über den neuen Film der „Persepolis“-Regisseurin:
Der Trailer verrät eines: „The Voices“ ist kein „kann man sich ansehen“-Film. Er kann nur grandios sein. Unklar ist nur, ob er grandios grandios oder nur grandios gescheitert ist.
Denn Marjane Satrapis Film ist eine äußerst schwarzhumorige Komödie, die uns direkt in den Kopf von Norman Bates hineinversetzt. Wobei Norman Bates hier Jerry heißt, in einer Kleinstadt in Michigan in einer Fabrik für Sanitärbedarf als kleiner Arbeiter arbeitet, immer freundlich ist, sich, während die pinkfarbenen Gabelstapler ein Ballett auführen, sein Leben in den buntesten Bonbonfarben ausmalt, und seiner Psychotherapeutin treuherzig versichert, dass er selbstverständlich die von ihr verschriebenen Pillen nimmt, von seiner Schizophrenie geheilt ist, schon erste Freundschaften bei der Arbeit geschlossen hat, das Betriebsfest mitorganisieren darf und niemand etwas von seiner Vergangenheit weiß.
Das klingt doch sehr beruhigend und ziemlich normal; wenn er sich in seiner billigen Junggesellenwohnung nicht mit Bosco und Mr. Whiskers unterhalten würde. Bosco ist ein gutmütiger, sensibler und vernünftiger Hund. Mr. Whiskers eine sarkastische, komplett amoralische Katze, die mit ihren zynischen Sprüchen Jerry unverblümt als kleinen, feigen Wurm abkanzelt.
Diese Gespräche gingen ja noch, wenn nicht Jerrys erstes Quasi-Date mit der Firmenbuchhalterin Fiona grotesk aus dem Ruder laufen würde. Am Ende ist sie, verursacht durch einige Missverständnisse und einen dummen Zufall, tot. Jerry lagert ihren Kopf, der sich mit ihm unterhält, im Kühlschrank zwischen und das ist nicht der letzte weibliche Kopf, der in seinem Kühlschrank landet. Denn Fionas Kolleginnen sind neugierig und Jerry ist ja, in seiner Selbstwahrnehmung, so sympathisch als Junggeselle in einer blitzeblanken Wohnung, der Fiona gerne ihren Wunsch nach etwas Gesellschaft erfüllt.
Marjane Satrapi (Persepolis, Huhn mit Pflaumen) inszenierte die schwarze Komödie über einen scheinbar harmlosen Serienmörder über große Strecken im Stil einer Fünfziger-Jahre-Hollywood-Komödie oder eines Disney-Films, bis dann irgendwann die Wirklichkeit einbricht und wir Jerrys Wohnung (und die Welt) nicht mehr aus seiner subjektiven, sondern aus der objektiven Perspektive sehen.
Und Ryan Reynolds (The Nines, Buried, Safe House, Green Lantern und irgendwann demnächst Deadpool) spielt diesen Mörder mit einem veritablen Sprung in der Schüssel als höflichen Jungen von nebenan. So wie Anthony Perkins Norman Bates als höflichen, von seiner Mutter unterdrückten Jungen spielte. Jerry wird dagegen von einem Kater drangsaliert. Was ist schlimmer?
„The Voices“ ist ein grandioser Film. Jedenfalls wenn euch der Trailer und die Idee von sprechenden Tieren und Köpfen gefällt.

Das Bonusmaterial der DVD ist mit drei kurzen Featurettes, die es auch online gibt, erschreckend sparsam ausgefallen.
Immerhin gibt es, auch wenn es das inzwischen öfter gibt, eine Audiodeskription für Sehbehinderte.
Bosco würde sagen, wichtig sei schließlich der Film.
Mr. Wiskers…

The Voices - DVD-Cover

The Voices (The Voices, USA/Deutschland 2014)
Regie: Marjane Satrapi
Drehbuch: Michael R. Perry
mit Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick, Jacki Weaver, Ella Smith, Paul Chahidi, Stanley Townsend ,Adi Shankar, Sam Spruell

DVD
Ascot Elite
Bild: 2.39:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: 3 Featurettes, Originaltrailer, Deutscher Trailer, Teaser, Wendecover, Audiodeskription für Sehbehinderte
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Englische  Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Voices“
Moviepilot über „The Voices“
Metacritic über „The Voices“
Rotten Tomatoes über „The Voices“
Wikipedia über „The Voices“

Meine Besprechung von Marjane Satrapis „The Voices“ (The Voices, USA/Deutschland 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Ryan Reynolds hört „The Voices“

Mai 1, 2015

Der Trailer verrät eines: „The Voices“ ist kein „kann man sich ansehen“-Film. Er kann nur grandios sein. Unklar ist nur, ob er grandios grandios oder nur grandios gescheitert ist.
Denn Marjane Satrapis Film ist eine äußerst schwarzhumorige Komödie, die uns direkt in den Kopf von Norman Bates hineinversetzt. Wobei Norman Bates hier Jerry heißt, in einer Kleinstadt in Michigan in einer Fabrik für Sanitärbedarf als kleiner Arbeiter arbeitet, immer freundlich ist, sich, während die pinkfarbenen Gabelstapler ein Ballett auführen, sein Leben in den buntesten Bonbonfarben ausmalt, und seiner Psychotherapeutin treuherzig versichert, dass er selbstverständlich die von ihr verschriebenen Pillen nimmt, von seiner Schizophrenie geheilt ist, schon erste Freundschaften bei der Arbeit geschlossen hat, das Betriebsfest mitorganisieren darf und niemand etwas von seiner Vergangenheit weiß.
Das klingt doch sehr beruhigend und ziemlich normal; wenn er sich in seiner billigen Junggesellenwohnung nicht mit Bosco und Mr. Whiskers unterhalten würde. Bosco ist ein gutmütiger, sensibler und vernünftiger Hund. Mr. Whiskers eine sarkastische, komplett amoralische Katze, die mit ihren zynischen Sprüchen Jerry unverblümt als kleinen, feigen Wurm abkanzelt.
Diese Gespräche gingen ja noch, wenn nicht Jerrys erstes Quasi-Date mit der Firmenbuchhalterin Fiona grotesk aus dem Ruder laufen würde. Am Ende ist sie, verursacht durch einige Missverständnisse und einen dummen Zufall, tot. Jerry lagert ihren Kopf, der sich mit ihm unterhält, im Kühlschrank zwischen und das ist nicht der letzte weibliche Kopf, der in seinem Kühlschrank landet. Denn Fionas Kolleginnen sind neugierig und Jerry ist ja, in seiner Selbstwahrnehmung, so sympathisch als Junggeselle in einer blitzeblanken Wohnung, der Fiona gerne ihren Wunsch nach etwas Gesellschaft erfüllt.
Marjane Satrapi (Persepolis, Huhn mit Pflaumen) inszenierte die schwarze Komödie über einen scheinbar harmlosen Serienmörder über große Strecken im Stil einer Fünfziger-Jahre-Hollywood-Komödie oder eines Disney-Films, bis dann irgendwann die Wirklichkeit einbricht und wir Jerrys Wohnung (und die Welt) nicht mehr aus seiner subjektiven, sondern aus der objektiven Perspektive sehen.
Und Ryan Reynolds (The Nines, Buried, Safe House, Green Lantern und irgendwann demnächst Deadpool) spielt diesen Mörder mit einem veritablen Sprung in der Schüssel als höflichen Jungen von nebenan. So wie Anthony Perkins Norman Bates als höflichen, von seiner Mutter unterdrückten Jungen spielte. Jerry wird dagegen von einem Kater drangsaliert. Was ist schlimmer?
„The Voices“ ist ein grandioser Film. Jedenfalls wenn euch der Trailer und die Idee von sprechenden Tieren und Köpfen gefällt.

The Voices - Plakat

The Voices (The Voices, USA/Deutschland 2014)
Regie: Marjane Satrapi
Drehbuch: Michael R. Perry
mit Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick, Jacki Weaver, Ella Smith, Paul Chahidi, Stanley Townsend ,Adi Shankar, Sam Spruell
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Englische  Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Voices“
Moviepilot über „The Voices“
Metacritic über „The Voices“
Rotten Tomatoes über „The Voices“
Wikipedia über „The Voices“

Und noch etwas Kleinkram


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