Leipziger Buchmesse 2025: viele nette Menschen und noch mehr Bücher

März 31, 2025

296.000 Besuchern kamen dieses Jahr zur Leipziger Buchmesse. Das waren 13.000 Besucher mehr als 2024. Entsprechend begeistert sind die Veranstalter. 2040 Aussteller aus 45 Ländern und das diesjährige Gastland Norwegen präsentierten Bücher und manchmal auch andere Dinge. Vom Donnerstag, den 27. März, bis zum Sonntag, den 30. März, gab es mit 2800 Lesungen und Diskussionen an 330 Leseorten ein ziemlich volles Programm auf dem Messegelände und in Leipzig.

Schon Tage vorher wurde der Vorverkauf von Eintrittskarten für den Samstag eingeschränkt.

Auch am Freitag, meinem Messetag, ist es gut voll. Vor allem in der Comic- und Mangahalle ist zwischen den Cosplayern (viele, sehr viele, wirklich sehr viele) und den nicht verkleideten Manga-Fans kein Durchkommen. In den anderen Hallen geht es dagegen deutlich ruhiger zu und in all dem Gedränge bleibt Zeit für Gespräche mit alten und neuen Bekannten, die ich hoffentlich alle spätestens nächstes Jahr wieder sehen werde.

Sebastian Fitzek signiert laut Ankündigung (ich habe nicht neben ihm gestanden und die Zeit gestoppt) mehrere Stunden Bücher.

Bei den anderen Autoren sind die Signierstunden laut Ankündigung kürzer. Mein Eindruck ist allerdings, dass sie auch außerhalb der Signierstunde gerne Bücher signieren oder spontan Bilder hineinmalen.

Und es werden überall wie verrückt Bücher gekauft. Die Verleger freuts, weil sie die Heimfahrt mit deutlich weniger Gepäck antreten können.

Das Wetter ist tagsüber fantastisch. Nachdem ich schon eine verschneite Messe erlebte und es letztes Jahr so kalt nieselte, dass schon ein kurzes Luftschnappen eine Zitterpartie war, ist es dieses Jahr so warm und sonnig, dass ein guter Teil des Messetrubels nach Außen verlagert wird.

Nachdem meine letzte Bücher-Jahresbestenliste rein männlich war, will ich dieses Mal wieder mehr Romane von Frauen drin haben. Die druckfrischen Debüts von Anna Mai und Malin Thunberg Schunke – die ich beide zufällig traf – sind dabei heiße Anwärterinnen für einen solchen Platz.

Anna Mai mit ihrem Roman „Broilerkomplott“ (Ariadne/Argument Verlag) und ihrer Verlegerin Else Laudan (in diesem Fall von rechts nach links)

Malin Thunberg Schunke mit ihrem Roman „Ein höheres Ziel“ (Polar Verlag), ausgezeichnet als bestes Debüt von der Schwedischen Krimi Akademie

Mit dem Feierabend-Gongschlag geht es dann in Richtung Sonnenuntergang:


Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2023

April 28, 2023

Sie ist wieder da: die Leipziger Buchmesse.

Wie andere Großveranstaltungen legte sie wegen der Coronavirus-Pandemie eine Zwangspause ein. Letztes Jahr fand sie nur als spontane Ad-hoc-Messe statt.

Dieses Jahr findet sie, bis Sonntag, am gewohnten Ort im gewohnten Rahmen statt.

Für die erste Post-Pandemie-Ausgabe wurde das Hallenkonzept geändert. Comics und Mangas, die immer populärer werden, sind jetzt in zwei von fünf Hallen präsent. Und wer wollte, konnte, schon vor dem Cosplay-Wettbewerb am 29. April, viele Cosplayer fotografieren.

In den restlichen drei Hallen sind Belletristik- und Sachbuchverlage. Dieses Jahr fielen mir, neben den vielen altbekannte, vertrauten und beliebten Verlagen, mehrere Musikbuchverlage auf. Und es gibt einen von mir ignorierten „Fokus Bildung“. Gefühlt gab es mehr Essensstände. Und es gab selbstverständlich viele Buchvorstellungen und Gesprächsrunden.

Ben Aaronovitch, der Erfinder von Peter Grant und der „Flüsse von London“-Krimifantasyserie, und „Panini“ Steffen Volkmer beim Signieren. Also, natürlich nur Ben Aaronovitch. Die deutschen Ausgaben seiner Werke erschienen bei dtv und Panini.

Else Laudan vom Argument Verlag vor ihrem Ariadne-Krimiprogramm und ihrer aktuellen Top-Empfehlung für alle, die einen guten Krimi lesen wollen: der neue Roman von Mary Paulson-Ellis „Das Erbe von Solomon Farthing“.

Die helle Macht hinter den immer lesenswerten Noirs des „Polar“-Verlages: Jürgen Ruckh, Britta Kuhlmann und Wolfgang Franßen (von links nach rechts)

Demnächst: mein auf der Leipziger Buchmesse geführtes ausführliches und, wie ich finde, sehr informatives Gespräch mit Kim Sherwood („James Bond: Doppelt oder Nichts“) und Christopher Golden (zuletzt „Road of Bones – Straße des Todes“).


Vier Montage im Herbst mit und über politische Krimis – in der Hansestadt Hamburg

August 14, 2013

 

Das ist jetzt etwas für die Hamburger und alle, die nach einer Entschuldigung für einen Hamburg-Besuch suchen:

Denn der Ariadne Verlag veranstaltet mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg und dem Buchladen Osterstraße (Osterstraße 171, 20255 Hamburg) an vier Montagen (26. August, 23. September, 28. Oktober und 25. November) ab 20.00 Uhr spannende Diskussionen mit Dominique Manotti („Zügellos“), Robert Brack („Blutsonntag“, „Unter dem Schatten des Todes“), Merle Kröger („Grenzfall“), Christine Lehmann („Die Affen von Cannstatt“), Clementine Skorpil („Gefallene Blüten“), Charlotte Otter („Balthasars Vermächtnis“), Lektorin Iris Konopik und Ariadne-Verlegerin Else Laudan (hier ein aktuelles Interview mit ihr).

Die Namen verraten, dass hier „politischer Kriminalroman“ nicht als biederer Regio-Krimi mit kleiner Polit-Beigabe oder als weltumspannender Agententhriller, gerne mit einer kräftigen Portion Verschwörungstheorie, sondern als aufklärerisches Projekt verstanden wird, dass in einem Kriminalroman (vulgo einer spannenden Geschichte) die Wirklichkeit seziert wird, über Probleme aufgeklärt und Partei ergriffen wird, ohne in den biederen „Tatort“-Duktus zu verfallen.

 

Geplant sind, in den Worten der Macher:

Montag, 26. August, 20.00 Uhr

 

Krimis als Fenster zur Welt

Kriminalliteratur kann Gesellschaftsbarometer und Brücke zu fremden Kulturen sein: das Beispiel Südafrika

 

Mit Charlotte Otter und Verlegerin Else Laudan

 

Else Laudan referiert einführend zur Entwicklung und Lage des Genres, zu Erfahrungen aus dem Ariadne-Programm, zur Idee einer Politik des Kulturellen (Gramsci) mit Krimis, zum kriminalliterarischen Blick über den Tellerrand (Stichworte Welthaltigkeit, Extremistan).

Das Beispiel Südafrika: Deon Meyer, Mike Nichols und Roger Smith haben dem deutschsprachigen Publikum das Post-Apartheids-Südafrika der harten Jungs nahegebracht – vielschichtig und intelligent, aber doch irgendwie immer als Macho-Abenteuer. Der Deutsche Bernhard Naumann wagt sich an eine namibische schwarze Ermittlerin. Malla Nunn mit ihren Detectives Emmanuel Cooper und Shabalala liefert eindringlich die historische Dimension der Rassentrennungsgesellschaft.

Bei Ariadne erschien im Juli 2013 Charlotte Otters Krimi-Debüt Balthasars Vermächtnis, das in der bisher bekannten Südafrikakrimi-Palette weitere Leerstellen füllt.

Charlotte Otter liest aus Balthasars Vermächtnis (geschrieben auf Englisch, aber die Autorin lebt seit vielen Jahren in Deutschland und kennt beide Kulturen genau).

In einer offenen Diskussion könnte es um diverse Themen gehen: die südafrikanische Gesellschaft, Leser/innen-Erwartungen an politische Krimis, warum Hardboiled und Noir gerade jetzt so beliebt sind, geografische und politische Horizonterweiterung als Aufgabe von Unterhaltungsliteratur, Gender und soziale Themen u. v. m.

Montag, 23. September, 20.00 Uhr

 

Geschichte als Verbrechen

Historische Ereignisse im politischen Spannungsroman

 

Mit Clementine Skorpil und Robert Brack

 

Die österreichische Sinologin Clementine Skorpil hat einen historischen Shanghai-Krimi geschrieben, der Leben und Sterben im präkommunistischen China zeigt: „Gefallene Blüten“ spielt 1926, Protagonisten sind eine alte Frau vom Lande, die ihre verschollene Enkelin sucht, und ein junger Städter, der in Paris studiert hat und seitdem auf eine kommunistische Revolution hofft, um China aus dem Würgegriff von Kolonialisten und Triaden zu befreien. Der Krimi beleuchtet die Situation der Kurtisanen, Politik- und Geschlechterverhältnisse im Shanghai der Zwanziger, wo Kulturen aufeinanderprallen, wo die industrielle Revolution tobt, während ›fremde Teufel‹ und heimische Gangster absahnen.

Der Hamburger Robert Brack hat sich kriminalliterarisch mit den Verhältnissen im kommunistischen Polen und dem postkommunistischen Osteuropa auseinandergesetzt, in seinen Romanen „Blutsonntag“ und „Und das Meer gab seine Toten wieder“ schickt er die unerschrockene Kommunistin Klara Schindler auf Spurensuche und verschränkt zeitgeschichtliche Fakten der 1930er mit einer fiktiven Handlung, um Hintergründe und Zusammenhänge zum Leben zu erwecken (sein aktuelles Buch „Unter dem Schatten des Todes“ befasst sich mit dem Reichstagsbrand).

Beide gehen engagiert in ihren Krimis der Frage nach, auf welche Realität die kommunistische Idee einst historisch zu antworten suchte und wie sie auf die Verhältnisse prallte. Ein Abend mit Lesung, Diskussion und bunten Überlegungen zum linken historischen Spannungsroman.

Montag, 28. Oktober, 20.00 Uhr

 

Gerechtigkeit? Für wen?

Das Kriminelle im Hier und Jetzt: Standort Deutschland im patriarchalen globalisierten Kapitalismus

 

Mit Merle Kröger und Christine Lehmann

 

Die Berliner Filmemacherin und Autorin Merle Kröger und die Stuttgarter Journalistin und Autorin Christine Lehmann verbindet einiges: Beide möchten das Publikum anregen und aufklären, ohne zu belehren, beide schreiben in hoher literarischer Qualität, mit feministischer Ethik, mit unbedingtem Realismusanspruch und präziser Milieukenntnis – und mit einer Vorliebe für Themen, die in vielen Köpfen klischee- und vorurteilsbeladen sind.

Merle Krögers „Grenzfall“ (Deutscher Krimi Preis 2013, Stuttgarter Krimipreis) nimmt ins Visier, wie unsere Gesellschaft in der Auseinandersetzung mit kulturell anderen versagt, und rückt die Grenzen der europäischen Rechtsauffassung ins Bild. Stichworte: Migranten, Roma, Rechtsextreme, Europa, soziale Gerechtigkeit.

Christine Lehmanns neuer Roman „Die Affen von Cannstatt“ erzählt aus der Perspektive einer in U-Haft sitzenden Frau, die nichts verbrochen hat, aber Tochter einer gesuchten Kindsmörderin ist. Der eher düstere Roman spielt großenteils im Knast, in U-Haft und im Zoo. Stichworte: Gefangenschaft, Verbrecherinnen, Matriarchat in der Tierwelt, weibliche Aggression, Kindstötung.

Beide Autorinnen lesen aus ihren Büchern und diskutieren miteinander und mit dem Publikum. Diskussionsthemen könnten z. B. sein: Identität in unserer Kultur, Determinanten von Identität wie Arbeit, Herkunft und Geschlecht, Lebensplan und Aufgehobenheit, fiktive bzw. Serienfiguren.

Montag, 25. November, 20.00 Uhr

 

Wie Schreiben?

Spannende, entlarvende Fiktion aus realen Verbrechen: Abschlussveranstaltung mit der Grande Dame des Noir

 

Mit Dominique Manotti und ihrer Lektorin Iris Konopik als Dolmetscherin

 

Lieber als aus ihren Werken vorzulesen sucht Manotti den Dialog mit dem Publikum, was gut für eine Abschlussveranstaltung passt. Eine tolle Gelegenheit, nicht nur über die sozialkritische Kompetenz des Noir zu sprechen, sondern auch über den Prozess des Schreibens über Verbrechen, über die literarische Form und ihre Wechselwirkung mit den politischen Inhalten.

»Ich schreibe über den Verlust und die Katastrophen. Nicht der gesamte roman noir ist links. Doch findet man im Genre viele 68er, die die Hoffnungen der Epoche nicht verraten haben, viel mehr als in anderen Berufsgruppen. (…) Ich habe eine schwarze (noir) Sicht auf die Dinge, weil ich glaube, dass meine Generation die sozialen Veränderungen, die ich wollte und von denen ich träumte, nicht mehr erleben wird. (…) In unseren Romanen gehen wir zur Geschichte zurück, zur Anekdote, zu den Subjekten. Das ist eigentlich ziemlich klassisch. Wir sind Geschichtenerzähler.« (Manotti im Interview 2004)

Im Dialog mit Dominique Manotti und Iris Konopik lassen sich abschließend nochmals geballt die interessantesten Themen der vorangegangenen Veranstaltungen aufgreifen: Reflexion über Aufgaben, Möglichkeiten und literarische Herausforderungen politischer Kriminalliteratur.