Dieses Mal gibt es keine „Nachtschicht“ von Lars Becker, sondern einige Fälle der Anwältin Annabelle Martinelli, die sich auf das Sexualstrafrecht spezialisiert hat. Zum Beispiel den einer Politikergattin, die sich gegen die Schläge ihres Mannes wehrt, und den einer Polizistengattin. Seine Kollegen helfen ihm und lassen Beweise verschwinden.
Bereits 2019 in „Wahrheit oder Lüge“ spielte Natalie Wörner die Anwältin Annabelle Martinelli.
Das Lexikon des internationalen Films ist nicht begeistert: „Ambivalenzen fehlen ihr ebenso wie den anderen Charakteren, was den auch dramaturgisch öden Film vorhersehbar und zäh macht.“
mit Natalie Wörner, Nurit Hirschfeld, Fritz Karl, David Schütter, Sabrina Amali
Nach seinem grandiosen Spielfim-Making-of über Bertolt Brechts von Brecht geplanten Dreigroschenfilm, inszeniert Joachim A. Lang jetzt des Making-of des Dritten Reichs, das sich auf die sieben letzten Jahre konzentriert. Von dem Anschluss Österreichs im März 1938 bis zum Kriegsende im Mai 1945 wirft Lang einen Blick hinter die Kulissen der Macht. Er beobachtet Propagandaminister Joseph Goebbels, Reichskanzler Adolf Hitler, deren Familien und Vertraute, wie sie leben und ihre Macht inszenieren.
Dabei verknüpft Lang, ähnlich wie bei seinem vorheigen Film „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“, nachgespielte Szenen, bei denen die Dialoge auf verbürgten Aussagen und Niederschriften basieren, mit selten gezeigten Archivaufnahmen und aktuellen Zeitzeugengesprächen. Strukturell und von seinem Aufbau ähnelt der so entstandene Spielfilm „Führer und Verführer“ einem Making-of, das Teil des Bonusmaterials einer DVD/Blu-ray ist. Durch diesen multiperspektivischen Zugang sind auch neue Erkenntnisse und überraschende Perspektiven möglich. Nach seinem „Dreigroschenfilm“ schien Lang der richtige Mann für die Aufgabe zu sein.
Das Ergebnis enttäuscht dann. Durchgehend wirkt „Führer und Verführer“ wie der kleine Bruder von Oliver Hirschbiegels „Der Untergang“, dem Kinohit über die letzten Tage des Dritten Reichs und Adolf Hitlers. Sicher, die Perspektive ist in Langs Film etwas anders, aber die handelnden Personen und die Ereignisse sind bekannt und dass sie im Privatleben vielleicht ganz nette, tier- und kinderliebende Menschen oder Zyniker, Karrieristen und Opportunisten oder tierliebende Opportunisten waren, ist jetzt kein großer Erkenntnisgewinn. Es ändert nichts am Bild, das wir von ihnen und ihren Taten haben. Es ist auch egal. Die Dialoge sind durchgehend papiernen und hölzern. Es sind Sätze, die jemand so in sein Tagebuch, einen Bericht oder eine Aussage schreibt, aber so niemals gesagt hätte. Die Figuren bleiben blass. Wir erfahren wenig über sie. Das liegt an der von Lang gewählten Methode, sie nur verbürgte Sätze sagen zu lassen. Aber einiges, vor allem bei Privatgesprächen, wird nie aufgeschrieben. Gleiches gilt für bestimmte Arbeitsgespräche; – also genau die Gespräche, die ein Drehbuchautor für einen Spielfilm erfindet und die etwas Wahres über die Figur enthüllen.
Langs Herangehensweise an den Stoff, die in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ für einen angenehmen Verfremdungseffekt und viel Vergnügen sorgt (allein schon die Vorstellung, dass Brecht und seine Freunde sich nur in druckreifen Sentenzen unterhalten, ist ein Brüller), funktioniert in „Führer und Verführer“ nicht. Das Ergebnis ist dann nicht der von Lang angestrebte „ungeschminkte Blick ins Innere des Machtapparats“, sondern eine verunglücke Mischung aus einem Spielfilm mit schlechten Dialogen und unbeholfenem Reenactment.
Dazwischen scheitert die erhoffte Aufklärung über Propaganda. Lang zeigt, wie Goebbels sich und Hitler inszeniert. Er zeigt, wie Propaganda gemacht wird, auch wie sie funktioniert, um ein bestimmtes Bild der Ereignisse zu erzeugen, aber er zeigt nicht, warum sie beim Publikum funktioniert. Also warum Goebbels Propaganda bei den Deutschen so erfolgreich war.
Dazu kommt, dass die Bilder durchgehend eine billige, farbentsättigt-kränkliche Video-Ästhetik haben.
Führer und Verführer (Deutschland 2024)
Regie: Joachim A. Lang
Drehbuch: Joachim A. Lang
mit (den Schauspielern) Robert Stadlober, Fritz Karl, Franziska Weisz, Dominik Maringer, Moritz Führmann
(und den Zeitzeugen) Margot Friedländer, Elly Gotz, Ernst Grube, Charlotte Knobloch, Eva Szepesi, Eva Umlauf, Leon Weintraub
Ein am 24. Juni 2024 in Berlin mit wechselnden Podiumsgästen auf Deutsch (Teil 1) und Englisch (Teil 2 und 3) geführtes Gespräch zum Film in drei Teilen
Dieses Mal gibt es keine „Nachtschicht“ von Lars Becker, sondern einige Fälle der Anwältin Annabelle Martinelli, die sich auf das Sexualstrafrecht spezialisiert hat. Zum Beispiel den einer Politikergattin, die sich gegen die Schläge ihres Mannes wehrt, und den einer Polizistengattin. Seine Kollegen helfen ihm und lassen Beweise verschwinden.
Bereits 2019 in „Wahrheit oder Lüge“ spielte Natalie Wörner die Anwältin Annabelle Martinelli.
Das Lexikon des internationalen Films ist nicht begeistert: „Ambivalenzen fehlen ihr ebenso wie den anderen Charakteren, was den auch dramaturgisch öden Film vorhersehbar und zäh macht.“
mit Natalie Wörner, Nurit Hirschfeld, Fritz Karl, David Schütter, Sabrina Amali
Geisterfahrer (Deutschland 2012, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Zwei Rettungssanitäter rasen in Hamburg von einem Notfall zum nächsten. Bis ihnen ein angeschossener Generalstaatsanwalt vor seinem Tod einen Schlüssel gibt, der sie auf die Abschussliste von Waffenhändlern und korrupten Beamten setzt.
Ein Film von Lars Becker („Nachtschicht“) ist immer ein Lichtblick und die Garantie für neunzig spannend-unterhaltsame Minuten, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Humor.
„Aberwitziger, teilweise komödiantischer (Fernseh-)Multikulti-Krimi als wüste, im guten Sinn ungeschliffene Geschichte um Waffenhandel, Mafiamorde und Bestechung hoher Staatsbeamter.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Tobias Moretti, Fahri Yardim, Uwe Ochsenknecht, Julia Dietze, Sophie von Kessel, Misel Maticevic, Fritz Karl, Martin Brambach, Armin Rohde
Geisterfahrer (Deutschland 2012, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Zwei Rettungssanitäter rasen in Hamburg von einem Notfall zum nächsten. Bis ihnen ein angeschossener Generalstaatsanwalt vor seinem Tod einen Schlüssel gibt, der sie auf die Abschussliste von Waffenhändlern und korrupten Beamten setzt.
Ein Film von Lars Becker („Nachtschicht“) ist immer ein Lichtblick und die Garantie für neunzig spannend-unterhaltsame Minuten, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Humor.
„Aberwitziger, teilweise komödiantischer (Fernseh-)Multikulti-Krimi als wüste, im guten Sinn ungeschliffene Geschichte um Waffenhandel, Mafiamorde und Bestechung hoher Staatsbeamter.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Tobias Moretti, Fahri Yardim, Uwe Ochsenknecht, Julia Dietze, Sophie von Kessel, Misel Maticevic, Fritz Karl, Martin Brambach, Armin Rohde
ZDF, 20.15 Inspektor Jury: Mord im Nebel (Deutschland/Irland 2015)
Regie: Florian Kern
Drehbuch: Günter Knarr
LV: Martha Grimes: Help the poor struggler, 1985 (Inspektor Jury lichtet den Nebel)
Inspektor Jury soll in einem typisch englischem Provinzkaff in der Grafschaft Dorset den Mord an einem Mädchen aufklären. Noch bevor er so richtig mit seinen Ermittlungen beginnen kann, wird ein Junge ermordet und der Scotland-Yard-Inspektor befürchtet, während er Motiv und Täter sucht, weitere Kindermorde.
Auch der zweite „Inspektor Jury“-Krimi ist eine hoffnungslos gescheiterte, unwitzige Krimikomödie die niemals den richtigen Ton findet und an die schlimmsten „Derrick“-Erinnerungen, abgeschmeckt mit schlechten Edgar-Wallace-Filmen und Heinz-Erhardt-Blödel-Tiefsinn. „Mord im Nebel“ ist sogar so absurd schlecht, dass man noch nicht einmal neugierig auf die für die Verfilmung veränderte Vorlage wird.
Eine Verschwendung von Geld, Talent und Zeit.
mit Fritz Karl, Götz Schubert, Arndt Schwering-Sohnrey, Katharina Thalbach, Cornelia Ivancan, Marc Ben Puch, Aaron Monaghan, Ayana Ledl Wiederholung: Donnerstag, 8. Oktober, 01.30 Uhr (Taggenau!)
Inspektor Jury: Der Tote im Pub (Deutschland/Österreich 2013)
Regie: Edzard Onneken
Drehbuch: Günter Knarr
LV: Martha Grimes: The Man With A Load Of Mischief, 1981 (Inspektor Jury schläft außer Haus)
In Long Piddleton wird im Keller des Pubs ein Ermordeter entdeckt. Inspektor Richard Jury, bester Mann von Scotland Yard, ermittelt mit seinem verschnupften Assistenten Sergeant Wiggins in dem Dorf. Wegen weiterer Morde nimmt die Zahl der Verdächtigen dann rapide ab – und Fans der „Inspektor Jury“-Romane haben auch schon etliche Verdächtige gestrichen, weil sie zum Stammpersonal der Jury-Romane gehören.
Die erste Verfilmung eines Inspektor-Jury-Romans, gleichzeitig des ersten Jury-Romans, gefällt der 1931 geborenen Jury-Erfinderin Martha Grimes, wie sie auf einer Vorabvorführung des Films (bei der ich war) sagte, gut.
Viel mehr Positives fällt mir zu dieser rundum missglückten, witzlosen Crime-Comedy, bei der die Darsteller hemmungslos chargieren und grenzdebile Dialoge aufsagen durften, nicht ein. Selten ist ein witzig gemeinter Rätselkrimi wohl erbärmlicher auf jeder Ebene gescheitert. „Der Tote im Pub“ ist ungefähr so amüsant wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung.
mit Fritz Karl, Götz Schubert, Arndt Schwering-Sohnrey, Julia Brendler, Julia Stemberger, Katharina Thalbach, Bernhard Schir, Christoph Tomanek, Peter Lerchbaumer, Anatole Taubman, Michael Schweighöfer, John Harding