TV-Tipp für den 14. Januar: Persischstunden

Januar 13, 2022

ZDF, 23.15

Persischstunden (Deutschland/Russland 2020)

Regie: Vadim Perelman

Drehbuch: Ilya Zofin

LV: Wolfgang Kohlhaase: Die Erfindung einer Sprache (Kurzgeschichte)

SS-Hauptsturmführer Koch will unbedingt persisch lernen. Gilles, einer seiner Gefangenen, der ein auf persisch geschriebenes Buch besitzt, soll es ihm beibringen. Weil er die Sprache ebenfalls nicht spricht, aber unbedingt den Krieg überleben will, erfindet er eine orientalisch klingende Fantasiesprache.

TV-Premiere zu einer unverdient ungünstigen Uhrzeit. Gut gemachtes, aber auch etwas dröges Drama.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Nahuel Pérez Biscayart, Lars Eidinger, Jonas Nay, Leonie Benesch, Alexander Beyer, David Schütter, Luisa-Céline Gaffron, Giuseppe Schillaci, Antonin Chalon, Mehdi Rahim-Silvioli

Hinweise

Filmportal über „Persischstunden“

Moviepilot über „Persischstunden“

Rotten Tomatoes über „Persischstunden“

Wikipedia über „Persischstunden“

Meine Besprechung von Vadim Perelmans „Persischstunden“ (Deutschland/Russland 2020)


Neu im Kino/Filmkritik: „Persischstunden“ für einen SS-Hauptsturmführer

Oktober 1, 2020

Als Gilles (Nahuel Pérez Biscayart) 1942 auf der Fahrt zu einem Durchgangslager ein halbes Baguette gegen ein in persisch geschriebenes Buch tauscht, sieht das nach einem schlechten Tauschgeschäft aus. Gilles kann kein Farsi und das, zugegeben teuer aussehende, Buch ist im Zweiten Weltkrieg nichts wert. Aber kurz darauf rettet es Gilles das Leben.

Die SS-Leute halten den Wagen an und erschießen auf einer Waldlichtung die Passagiere, die sie für Juden halten. Gilles hält das Buch hoch und behauptet, kein Jude, sondern ein Perser zu sein. Weil ihr Lagerkommandant, SS-Hauptsturmführer Klaus Koch, unbedingt Farsi lernen will, nehmen sie Gilles mit. Immerhin hat er zehn Dosen Fleisch als Belohnung ausgesetzt. Und den Juden können sie auch später umbringen.

Im Lager kann Gilles den herrischen Lagerkommandanten Koch (Lars Eidinger), der selbstverständlich überzeugt ist, Lügner sofort enttarnen zu können, mit einigen Worten überzeugen, dass er ein Perser ist. Koch zwingt ihn, ihm die fremde Sprache beizubringen. Nach dem Krieg will er in Teheran mit seinem dort lebendem Bruder ein Restaurant eröffnen.

Also bringt Gilles Koch Farsi bei. Weil Gilles kein Farsi spricht, muss er eine orientalisch klingende Sprache erfinden.

Im Lager ist seine Situation einerseits privilegiert, immerhin erhält er als Kochs Lehrer einige Vergünstigungen, und andererseits hochgradig gefährdet. Bei der ersten falschen Vokabel wird Koch ihn umbringen. Und Kochs Untergebene wollen den Betrüger Gilles enttarnen und so in der SS-Hierarchie aufsteigen.

Persischstunden“, der neue Film von Vadim Perelman („Haus aus Sand und Nebel“) basiert auf der Kurzgeschichte „Die Erfindung einer Sprache“ von Wolfgang Kohlhaase und erzählt eine schöne Köpenickiade oder Schwejkiade. Immerhin schlawinert Gilles sich bauernschlau durch das Lager, während die Filmgeschichte die Nazis und ihre Ränkespiele bloßstellt. Denn hier intrigieren die Nazis munter gegeneinander. In jeder Szene geht es auch um den Widerspruch von Schein und Sein und um sich stetig verändernde Machtverhältnisse. Perelman erzählt das ohne jeglichen satirischen Furor ziemlich brav und bieder als Drama mit differenziert gezeichneten Figuren und didaktischer Absicht.

Dagegen sind dann ein immer nett verhuscht in die Kamera blickender Nahuel Pérez Biscayart und ein grandios aufspielender Lars Eidinger machtlos. Eidingers Rolle lebt, zugegeben, von dem für uns offensichtlichen Widerspruch zwischen den tiefen Gefühlen, die Koch in seine auf Farsi gesprochenen Sätze legt, und unserem Wissen, dass es sich um vollkommen sinnloses Gebrabbel handelt. Dass er betrogen wird.

Persichstunden“ ist ein gut gemachter, aber auch etwas dröger Film.

Persischstunden (Deutschland/Russland 2020)

Regie: Vadim Perelman

Drehbuch: Ilya Zofin

LV: Wolfgang Kohlhaase: Die Erfindung einer Sprache (Kurzgeschichte)

mit Nahuel Pérez Biscayart, Lars Eidinger, Jonas Nay, Leonie Benesch, Alexander Beyer, David Schütter, Luisa-Céline Gaffron, Giuseppe Schillaci, Antonin Chalon, Mehdi Rahim-Silvioli

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Persischstunden“

Moviepilot über „Persischstunden“

Rotten Tomatoes über „Persischstunden“

Wikipedia über „Persischstunden“


Neu im Kino/Filmkritik: „So was von da“ in dieser Silvesterfeier

August 18, 2018

Für Oskar soll es eine unvergessliche Nacht werden. Immerhin ist diese Silvesternacht auch die letzte Nacht von seinem Club. Es soll in dem eh schon abbruchreifen Szene-Club, der sich anscheinend nie um irgendwelche Vorschriften kümmerte, eine Party gefeiert werden, die St. Pauli und Hamburg nie vergessen.

Love Steaks“-Regisseur Jakob Lass verfilmte Tino Hanekamps autobiographischen Roman „So was von da“ als „improvisierte Romanverfilmung“. Das heißt: es gab ein rudimentäres Drehbuch, die Schauspieler durften und mussten auf dieser Grundlage improvisieren und nachher, im Schnitt, wird dann alles mit Voice-Over und Musik zwischen Punk und Techno zusammengefügt. So entstand ein alkohol- und drogengeschwängerter Fiebertraum, der wie ein wilder Zusammenschnitt der Höhepunkte einer Nacht wirkt. Wie ein roter Faden ziehen sich dabei Oskars Probleme mit seinem Kredithai Kiez-Kalle, der jetzt sein Geld will, durch den Film. Er trifft wieder seine große Schulhofliebe. Er streitet und verbrüdert sich mit seinen Geschäftspartnern und Freuden; meistens sind sie beides gleichzeitig und selten kommen sie über kraft- und lustvoll ausgefüllte Klischees (Kiez-Kalle!) hinweg. Es gibt live und aus der Konserve einen ununterbrochenen Musikteppich. Der todkranke ‚falsche Elvis‘ (Bela B Felsenheimer) steht stumpf auf der Gitarre improvisierend auf der Bühne und will sie nicht mehr verlassen. Seine extrem zickigen Ehefrau, die gleichzeitig die amtierende, rechtsauslegende Innensenatorin (Corinna Harfouch) ist, besucht auf der Suche nach ihrem Mann den Club, den sie lieber gestern als heute schließen würde. Und dann steckt sie im Fahrstuhl fest. Ihr Sohn tritt mit seiner erfolgreiche Punkband im Club auf. Und wir sehen – Zum Glück gibt es kein Geruchskino! – Hamburgs schmutzigste Toilette.

In all dem hochenergetischen Chaos fehlt dann nur der normale Partyleerlauf. Wenn man stundenlang drogenumnebelt dumpf vor sich hin starrt oder sich tödlich langweilt, weil gerade nichts aufregendes passiert. Bei Lass stellt sich dagegen ein anderer Leerlauf ein: denn bei aller Hektik, passiert letztendlich nichts weltbewegendes in dieser Silvesternacht. Es ist dieser atemlose Stillstand, der aber in neunzig Filmminuten nicht langweilt, weil ja ständig etwas passiert und Oskar alle Hände voll zu tun hat, die alle Regeln ignorierende Party zu überleben.

So was von da“ ist herrlich pulsierendes Jugendkino, das nichts mit der Bräsigkeit der meisten deutschen Filme gemein hat.

So was von da (Deutschland 2018)

Regie: Jakob Lass

Drehbuch: Jakob Lass, Hannah Schopf

LV: Tino Hanekamp: So was von da, 2011

mit Niklas Bruhn, Martina Schöne-Radunski, David Schütter, Mathias Bloech, Tinka Fürst, Bela B Felsenheimer, Corinna Harfouch, Kalle Schwensen, Swiss

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „So was von da“

Moviepilot über „So was von da“

Wikipedia über „So was von da“


TV-Tipp für den 17. August: Wir sind jung. Wir sind stark.

August 17, 2017

ZDF, 22.15

Wir sind jung. Wir sind stark. (Deutschland 2014, Regie: Burhan Qurbani)

Drehbuch: Martin Behnke, Burhan Qurbani

Ostdeutsche Willkommenskultur. Burhan Qurbani rekonstruiert in seinem Spielfilm die fremdenfeindlichen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992, die Deutschland schockierten. Sehenswert und zu Diskussionen anregend.

Mit Jonas Nay, Joel Basman, Saskia Rosendahl, David Schütter, Trang Le Hong, Devid Striesow

Hinweise

Filmportal über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Moviepilot über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Wikipedia über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Die Premiere des Films in Rostock


TV-Tipp für den 8. April: Wir sind jung. Wir sind stark.

April 7, 2016

Arte, 20.15

Wir sind jung. Wir sind stark. (Deutschland 2014, Regie: Burhan Qurbani)

Drehbuch: Martin Behnke, Burhan Qurbani

Ostdeutsche Willkommenskultur. In seinem in jedem Fall sehenswertem und zu Diskussionen anregendem Spielfilm rekonstruiert Burhan Quarbani die fremdenfeindlichen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992, die Deutschland schockierten.

Mit Jonas Nay, Joel Basman, Saskia Rosendahl, David Schütter, Trang Le Hong, Devid Striesow

Hinweise

Filmportal über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Moviepilot über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Wikipedia über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Die Premiere des Films in Rostock


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