TV-Tipp für den 4. April: Die Frau in Gold

April 3, 2021

Arte, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Dienstag, 6. April, 13.50 Uhr

Hinweise
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 28. Dezember: Werk ohne Autor

Dezember 27, 2020

ARD, 20.15

Werk ohne Autor (Deutschland 2018)

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck

TV-Premiere. Dreistündiges Biopic über den Künstler Kurt Barnert von seiner Kindheit 1937 bis zu seinem Durchbruch 1966 in Wuppertal.

Das ist nicht wirklich schlecht, trotz der Länge unterhaltsam und auch kurzweilig, aber letztendlich nur bildungsbürgerliches Erbauungskino, das brav den Nationalsozialismus, die DDR und die frühen Jahre der BRD an der Biographie des Künstlers Kurt Barnert abhandelt.

Das reale Vorbild für Barnert war Gerhard Richter. Der war von dem Film, nachdem er den Trailer (!) gesehen hatte, nicht begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Hanno Koffler, Cai Cohrs, Jörg Schüttauf, Jeanette Hain, Ina Weise, Lars Eidinger, Jonas Dassler, Ben Becker, Hinnerk Schönemann

Wiederholung: Mittwoch, 30. Dezember, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Das Buch zum Film

Florian Henckel von Donnersmarck: Werk ohne Autor

Suhrkamp, 2018

200 Seiten

18 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Werk ohne Autor“

Moviepilot über „Werk ohne Autor“

Rotten Tomatoes über „Werk ohne Autor“

Wikipedia über „Werk ohne Autor“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 3. Oktober: Der Baader Meinhof Komplex

Oktober 3, 2020

Tele 5, 20.15

Der Baader Meinhof Komplex (Deutschland 2008)

Regie: Uli Edel

Drehbuch: Bernd Eichinger

LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985 (danach mehrere überarbeitete Neuausgaben)

Buch zum Film: Katja Eichinger: Der Baader Meinhof Komplex – Das Buch zum Film, 2008

Von der Länge her epische, vom Tempo her hektische Verfilmung der Geschichte der RAF von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende. Da stimmt die Ausstattung, aber für die Vertiefung der einzelnen Charaktere bleibt wenig Zeit.

Mit Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Simon Licht, Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Heino Ferch, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Niels-Bruno Schmidt, Stipe Erceg, Daniel Lommatzsch, Volker Bruch, Bernd Stegemann, Tom Schilling, Katharina Wackernagel, Anna Thalbach, Jasmin Tabatabai, Hans Werner Meyer

Hinweise

Film-Zeit über „Der Baader Meinhof Komplex“

Rotten Tomatoes über „Der Baader Meinhof Komplex“

Wikipedia über „Der Baader Meinhof Komplex“ (deutsch, englisch)

Hollywood Interview: mit Uli Edel üer den Film


Neu im Kino/Filmkritik: Oh Boy! Corinna Harfouch ist „Lara“

November 7, 2019

Endlich hat Corinna Harfouch wieder eine Hauptrolle übernommen. „Giulias Verschwinden“, „Blond: Eva Blond!“ und „Vera Brühne“ liegen ja schon einige Jahre zurück.

Endlich hat Jan-Ole Gerster wieder Regie geführt. Sein Debüt „Oh Boy“ war ein Überraschungserfolg und ist einer der allseits beliebten Berlin-Filme. Seitdem sind sieben Jahre vergangen.

Mit seinem zweiten Spielfilm „Lara“ hat er auf den ersten Blick noch einmal „Oh Boy“ inszeniert. Nur dass dieses Mal nicht Tom Schilling, sondern Corinna Harfouch einen Tag lang ziellos durch Berlin streift.

Auf den zweiten Blick ist „Lara“ erzählerisch dann mindestens ein großer Schritt nach vorne in erzählerisch anspruchsvollere Gefilde. In „Oh Boy“ stolpert der Endzwanziger Niko ziellos durch die Stadt, hat einige erfreuliche, einige weniger erfreuliche Begegnungen und er sucht dabei nur eine gute Tasse Kaffee. Die bekommt er am Ende des Films. „Oh Boy“ ist ein wunderschöner SW-Nouvelle-Vague-Film, der genauso ziellos wie sein Protagonist ist. Gerster könnte da mühelos Episoden austauschen oder weglassen und nichts würde sich verändern.

Lara“ ist dagegen ein deutlich komplexerer Film, der Gegenwart und Vergangenheit zu einem Psychogramm einer sehr problematischen Frau verwebt. Lara ist, pünktlich zu ihrem sechzigsten Geburtstag, in Rente geschickt worden. Die Beamtin war eine strenge, fordernde und vollkommen humor- und empathielose Abteilungsleiterin. Freunde hat sie keine. Sie ist auch nicht zum Konzert ihres Sohnes eingeladen.

Viktor ist ein gefeierter klassischer Pianist, der heute Abend ein von ihm komponiertes Stück aufführen will. In der Vergangenheit litt er immer wieder unter ihren Ansprüchen. Sie spornte ihn gleichzeitig zu Höchstleistungen an und sagte ihm, dass er nicht gut genug sei. Und Viktor gelang es nie, sich von ihrem prägenden Einfluss zu lösen. Weil sie durch ihre Anwesenheit Viktors großen Abend sabotieren könnte, will ihr Ex-Mann verhindern, dass Lara ihn vor dem Konzert trifft.

Lara, die an ihrem runden Geburtstag nichts vor hat, streift ziellos durch das alte Westberlin. Sie trifft immer wieder Menschen, die sie zwingen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Lara wollte früher selbst Pianistin werden. Sie stellte höchste Ansprüche an sich selbst. Sie war auf dem besten Weg, eine Konzertpianistin zu werden, wenn nicht ein von ihr bewunderter Musiker an ihrem Talent gezweifelt hätte. Danach wurde sie die keine Fehler verzeihende, unverschämt hohe Ansprüche stellende Klavierlehrerin ihres Sohnes, der als erwachsener Mann immer noch versucht sich von ihr zu lösen und gleichzeitig, wie ein kleines Kind, von ihrem Urteil abhängig ist.

Schon in den ersten Minuten liefert Gerster die wichtigsten Informationen über Lara. In den nächsten gut hundert Minuten fügt er diesem Bild so viele neue Facetten bei, dass es immer spannend bleibt. Und in den letzten Minuten mit deprimierender Klarheit deutlich wird, wie sehr Lara unwissentlich Erfahrungen weitergab, die sie, ebenfalls unwissentlich, übernahm. Es ist ein Teufelskreislauf, aus dem sie sich nie befreite, weil sie nicht wusste, dass sie in diesem Kreislauf steckte. Falls sie es überhaupt wissen wollte.

Lara“ ist eine glänzend gespielte, präzise inszenierte und gespielte Charakterstudie, die bei aller Tristesse unglaublich unterhaltsam ist. Und ein Berlin-Film.

Jetzt ist nur zu hoffen, dass nicht wieder sieben Jahre bis zu Gersters nächstem Film vergehen.

Lara (Deutschland 2019)

Regie: Jan-Ole Gerster

Drehbuch: Blaž Kutin

mit Corinna Harfouch, Tom Schilling, Volkmar Kleinert, André Jung, Gudrun Ritter, Rainer Bock, Mala Emde, Steffen Jürgens, Alexander Khuon, Birge Schade, Johann von Bülow

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Lara“

Moviepilot über „Lara“

Rotten Tomatoes über „Lara“

Wikipedia über „Lara“

Gespräch mit Jan-Ole Gerster und Produzent Marcos Kantis nach der Premiere auf dem Filmfest München


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Florian Henckel von Donnersmarck schafft ein „Werk ohne Autor“

Oktober 4, 2018

Unabhängig von dem, was ich gleich über Florian Henckel von Donnersmarcks neuen Film „Werk ohne Autor“ schreiben werde, muss ich eins klarstellen: die über drei Stunden, die der Film dauert, vergingen schnell. Ich musste nicht gegen den Schlaf kämpfen, rutschte nicht unruhig im Kinosessel herum und biss nicht die vordere Sesselreihe durch. Das gelingt nicht jedem Film. Vor allem nicht über eine so epische Laufzeit hinweg.

Aber die Entscheidung von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ in das Rennen um den Auslandsoscar zu schicken, verstehe ich nicht. Zur Auswahl standen auch „Transit“, „Mackie Messer – Der Dreigroschenfilm“, „Das schweigende Klassenzimmer“ und „Der Hauptmann“. Alles interessante Filme, die nicht so hemmungslos auf einen Oscar schielen wie „Werk ohne Autor“. Und gegen unseren letztjährigen Oscarbewerber, Fatih Akins „Aus dem Nichts“, ist „Werk ohne Autor“ langweiliges, bildungsbürgerliches Erbauungskino, das brav den Nationalsozialismus, die DDR und die frühen Jahre der BRD an der Biographie des Künstlers Kurt Barnert abhandelt.

Das Vorbild für Kurt Barnert ist Gerhard Richter

Bevor von Donnersmarck das Drehbuch schrieb, konnte er sich einen Monat mit Richter unterhalten und ihn begleiten. Er hätte also genug Material für ein Biopic gehabt. Aber er entschloss sich zur fiktionalisierten Version, in der Kenner des Lebens und Werks von Richter ihn immer erkennen. Aber im Detail ist unklar, ob die Szene erfunden oder wahr ist. Auch andere Charaktere, die auf wahren Personen basieren, haben im Film andere Namen. So heißt Joseph Beuys im Film Antonius van Verten und Oliver Masucci zeigt wieder einmal sein Talent. Auch die anderen Schauspieler überzeugen.

Wer sich mit der deutschen Kunstgeschichte nicht so auskennt, kann die Informationen im Film wie ein Schwamm aufsaugen und sie dann irgendwann kleinteilig mit der Wirklichkeit vergleichen.

Das erste Mal begegnen wir Kurt Barnert als er 1937 mit seiner Tante Elisabeth in Dresden die Ausstellung „Entartete Kunst“ besucht und, wie in einem Brennglas, alle wichtigen Themen des Films angesprochen werden.

In den folgenden drei Stunden erzählt von Donnersmarck dann Barnerts Leben bis zu seiner ersten großen Ausstellung 1966 in der Kunsthalle Wuppertal, wo Barnert Probleme hat, sein Werk zu erklären. Das tut dann ein Journalist, vor dem Portrait von Tante Elisabeth stehend, für eine TV-Reportage: „Zufällig gewählte Illustriertenbilder, Passfotos vom Automaten, beliebige Schnappschüsse aus Familienalben – alles unscharf abgemalt. Mit solchen Bildern, die aus unerklärlichen Gründen eine echte Kraft besitzen, scheint sich Kurt Barnert zum führenden Künstler seiner Generation zu entwickeln – und das mit der totgewähnten Malerei! Aber wie viele in seiner Generation hat er nichts zu erzählen, nichts zu sagen, löst sich von jeder Tradition, verabschiedet sich vom biographischen Ansatz in der Kunst und schafft so zum ersten Mal in der Kunstgeschichte…ein Werk ohne Autor.“

Der Film verästelt sich, nimmt sich Zeit für Abschweifungen und zeigt einiges ausführlicher als nötig, während Barnert eher passiv ist. Er ist nicht der Künstler, der bereits seine Sprache gefunden hat und der fanatisch ein Projekt verfolgt. In der DDR malt er akribisch ein Wandfresko. In Düsseldorf experimentiert er. Wie die anderen Studenten. Dabei wirkt Barnerts Experimentieren nicht wie die Suche nach einer eigenen Sprache, sondern wie das Erfüllen des Pflichtprogramms.

Neben Barnerts Geschichte erzählt von Donnersmarck auch die Geschichte von Tante Elisabeth, die psychisch gestört ist und von ihrem Arzt, Professor Carl Seeband, in den Tod geschickt wird. Er erzählt auch Seebands Geschichte, dem es immer gelingt, zur herrschenden Klasse der verschiedenen Systeme zu gehören und der sich immer wieder in das Leben seiner Tochter einmischt. Denn für ihn ist ein Künstler kein Mann für seine Tochter.

Und immer wieder gelingen von Donnersmarck einprägsame Szenen. Teils, wenn die Busfahrer auf dem Busbahnhof auf Bitten von Tante Elisabeth hupen und sie „hebt die Arme wie in Ekstase, lässt die Erschütterung des tiefen Hornklangs durch sich wogen. Musikerlebnis der extremen Art.“ (Drehbuch), als Überwältigungskino. Teils dank der Schauspieler und dem Inhalt der Szene.

Werk ohne Autor“ ist allerdings auch ein strikt chronologisch erzählter Film, der weder Fisch noch Fleisch ist. Er ist kein straffer Zwei-Stundenkinofilm, der einen Konflikt zuspitzt. Er ist auch keine vier- oder sechsstündige Mini-TV-Serie, in der verschiedene Plots nebeneinander her laufen können ohne sich jemals zu kreuzen. Wobei von Donnersmarck sich eher für die das bildungsbürgerliche Publikum ansprechende Mini-TV-Serie interessiert, die allerdings zu lang für einen Kinobesuch wäre.

Und so ist die Szene, die visualisiert, warum von Donnersmarck den Film drehte und die in einem Zwei-Stundenfilm die große Szene, auf die alles hinausläuft, wäre, komplett verschenkt.

Die Inspiration für „Werk ohne Autor“ war ein vor etwa zehn geführtes Interview, bei dem der Interviewer, „Tagesspiegel“-Reporter Jürgen Schreiber, von Donnersmarck erzählte, er habe gerade eine Biographie über Gerhard Richter geschrieben. Die Inspiration dazu war seine Tagesspiegel-Reportage über Richter, in der er enthüllte, dass Richters Tante Marianne Schönfelder (verewigt in dem Portrait „Tante Marianne“) von NS-Ärzten umgebracht wurde und dass Richters Schwiegervater, Prof. Dr. Heinrich Eufinger, als SS-Obersturmbannführer bei der Sterilisierung geistig Behinderter eine maßgebliche Rolle spielte. Richter hat das anscheinend erst durch Schreibers Reportage erfahren.

Für von Donnersmarck war diese Geschichte und die damit verbundenen Verstrickungen die Inspiration für „Werk ohne Autor“. Im Film sehen wir dann auch, wie Barnert ausgehend von Fotografien von seiner Tante Elisabeth, Passfotos von Seeband und der Verhaftung des Naziverbrechers Burghard Kroll diese Fotos nachzeichnet und ineinander übergehen lässt. In diesem Bild verbindet er das Schicksal seiner Tante mit dem eines Psychiaters, der das Euthansie-Programm initiierte, das Seeband willig ausführte. Das Bild fasst damit mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte zusammen. Und es wäre, wenn Barnert gewusst hätte, was er malt, eine Anklage gegen seinen Schwiegervater.

Als dieser das Bild bei einem Besuch in Barnerts Atelier sieht, reagiert er verstört. Es ist durch die Inszenierung offensichtlich, dass Seeband die volle Bedeutung des Bilds erfasst, dass er seine Vergangenheit sieht und er davon ausgeht, dass Barnert sie auch kennt.

Dieser Moment könnte die Rache des Künstlers an dem Mörder seiner Tante sein. Er ist es allerdings nicht. Denn Barnert kennt den Mörder seiner Tante nicht. Er hat auch keine Ahnung von Seebands Verstrickungen mit dem Nazi-Regime und wie sehr er sich immer wieder in Barnerts Leben einmischt.

Von Donnersmarck verschenkt genau den Moment, auf den implizit der gesamte Film hinausläuft.

Sein dritter Spielfilm ist auch ein Film über die moderne Kunst, auf die er allerdings immer wieder verächtlich herabblickt. Das zeigt sich vor allem an den in der Kunstakademie Düsseldorf spielenden Szenen. So führt Harry Preuser Barnert am ersten Tag durch die Akademie und äußerst sich sehr spöttisch über die Akademie und seine Mitstudenten. Die Projekte der Studenten scheinen vor allem eine von jeglicher Technik und Handwerk befreite Selbstverwirklichung zu sein. Und Professor van Verten ist ein enigmatischer Scharlatan, der sich nicht für die Werke seiner Studenten interessiert.

Im Gegensatz zum am 31. Oktober startendem „Queen“-Biopic „Bohemian Rhapsody“ zeigt „Werk ohne Autor“ die Phase des Suchens, der Irrwege und der missglückten Versuche im Leben eines Künstlers. Es ist ein Portrait der Kindheit, Jugend und der Lehrlingsphase eines Künstlers. Gleichzeitig zeichnet von Donnersmarck über drei Stunden betulich, im Stil eines TV-Mehrteilers ein Bild Deutschlands von 1937 bis 1966.

Werk ohne Autor (Deutschland 2018)

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck

mit Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Hanno Koffler, Cai Cohrs, Jörg Schüttauf, Jeanette Hain, Ina Weise, Lars Eidinger, Jonas Dassler, Ben Becker, Hinnerk Schönemann

Länge: 189 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Das Buch zum Film

Mit vielen Filmbildern, dem Drehbuch, einem Interview mit Florian Henckel von Donnersmarck und einem Gespräch zwischen dem Künstler Thomas Demand und dem Filmemacher Alexander Kluge über den Film. Beide Gespräche sind interessant.

Aber gerade wegen der Filmgeschichte hätte man gerne mehr über die Unterschiede zwischen Richters Biographie und dem Film erfahren. In einem eigenem Text oder einem Essay über Richters Wirken und die Kunst in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg.

Florian Henckel von Donnersmarck: Werk ohne Autor

Suhrkamp, 2018

200 Seiten

18 Euro

 

Die Kinotour

Donnerstag, 04.10.2018

Thalia (Rudolf-Breitscheid-Straße 50, 14482 Potsdam)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 18.00 Uhr

Freitag, 05.10.2018

Capitol (Wismarsche Str. 128, 19053 Schwerin)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 16.45 Uhr

Filmpalast (Fährsteg 1, 21337 Lüneburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.00 Uhr

Scala (Apothekenstr. 17, 21335 Lüneburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 20.00 Uhr

Samstag, 06.10.2018

Schauburg (Vor dem Steintor 114, 28203 Bremen)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 17.00 Uhr

Casablanca (Johannisstraße 17, 26121 Oldenburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.30 Uhr

Sonntag, 07.10.2018

Arthouse Osnabrück (Erich-Maria-Remarque-Ring 16, 49074 Osnabrück)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 11.30 Uhr

Cineplex Schloßtheater (Melchersstraße 81, 48149 Münster)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 17.00 Uhr

 

Donnerstag, 11.10.2018

Lichtburg (Elsässer Str. 26, 46045 Oberhausen)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 18.30 Uhr

Cinema (Schneider-Wibbel-Gasse 5, 40213 Düsseldorf)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 20.00 Uhr

Freitag, 12.10.2018

Kinocenter Gießen (Bahnhofstr. 34, 35390 Gießen)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Sebastian Koch

Filmstart: 18.30 Uhr

Cineplex (Biegenstraße 8, 35037 Marburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Sebastian Koch

Filmstart: 20.00 Uhr

Samstag, 13.10.2018

Buchmesse Frankfurt am Main (Suhrkamp-Stand Halle 4.1 F14/F17)

11.00 -11.30 Uhr Signierstunde Florian Henckel von Donnersmarck

Werk ohne Autor – Filmbuch“

Spiegel-Stand (Halle 3.0/D56 Hauptstand)

12.00 – 12.30 Uhr Spiegel-Gespräch mit Florian Henckel von Donnersmarck

Casino (Ohmbachgasse 1, 63739 Aschaffenburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Sebastian Koch

Filmstart: 14.45 Uhr

Cinema (Roßmarkt 7, 60311 Frankfurt am Main)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Sebastian Koch

Filmstart: 16.15 Uhr

Sonntag, 14.10.2018

Schauburg (Marienstraße 16, 76137 Karlsruhe)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Sebastian Koch

Filmstart: 13.00 Uhr

Forum (Hauptstraße 111, 77652 Offenburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 18.00 Uhr

Freidrichsbau Lichtspiele (Kaiser-Joseph-Straße 268-270, 79098 Freiburg i. B.)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 20.00 Uhr

 

Donnerstag, 18.10.2018

Museum Kino (Am Stadtgraben 2, 72070 Tübingen)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.00 Uhr

Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, 70176 Stuttgart)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.00 Uhr

Freitag, 19.10.2018

Regina (Holzgartenstraße 22, 93059 Regensburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch, Paula Beer

Filmstart: 19.00 Uhr

Cinecitta (Gewerbemuseumspl. 3, 90403 Nürnberg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.00 Uhr

Samstag, 20.10.2018

Passage (Hainstraße 19 a, 04109 Leipzig)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 17.00 Uhr

Programmkino Ost (Schandauer Str. 73, 01277 Dresden)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.45 Uhr

Puh, das ist ja anstrengender als die Dreharbeiten.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Werk ohne Autor“

Moviepilot über „Werk ohne Autor“

Rotten Tomatoes über „Werk ohne Autor“

Wikipedia über „Werk ohne Autor“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 26. Mai: Oh Boy

Mai 25, 2018

Arte, 00.40
Oh Boy (Deutschland 2012, Regie: Jan-Ole Gerster)
Drehbuch: Jan-Ole Gerster
Der Endzwanziger und gescheiterte Langzeitstudent Niko driftet durch Berlin. Er trifft seltsame Menschen und fragt sich nach dem Sinn des Lebens.
Wunderschöne Berlin-Komödie, die bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut ankam. Wir warten immer noch auf Jan-Ole Gerstes zweiten Spielfilm.
mit Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Justus von Dohnány, Ulrich Noethen, Katharina Schüttler, Frederick Lau, Michael Gwisdek
Hinweise
Filmportal über „Oh Boy“
Film-Zeit über „Oh Boy“
Moviepilot über „Oh Boy“
Rotten Tomatoes über „Oh Boy“
Wikipedia über „Oh Boy“


TV-Tipp für den 11. November: Tod den Hippies!! Es lebe der Punk

November 11, 2017

One, 22.00

Tod den Hippies – Es lebe der Punk! (Deutschland 2015)

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

Robert kommt in den frühen achtziger Jahren aus der Provinz nach Westberlin und lernt das punkige Nachtleben kennen.

Autobiographisch gefärbte Nummernrevue, die vor allem kurzweilig, mehr oder weniger gelungene Anekdoten und Stimmungsbilder aneinanderreiht und all die bekannten Berlin- und Subkulturklischees bestätigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Emilia Schüle, Frederick Lau, Hannelore Hoger, Samuel Finzi, Alexander Scheer, Rolf Zacher, Götz Otto, Oliver Korittke, Julian Weigend

alternative Schreibweise „ Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“

Wiederholung: Montag, 13. November, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Film-Zeit über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Moviepilot über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Rotten Tomatoes über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (noch keine Kritiken)
Wikipedia über Oskar Roehlerund den Film
RBB: Interview mit Oskar Roehler über den Film

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 27. September: Die Frau in Gold

September 26, 2017

RBB, 23.00

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 27. August: Der Baader Meinhof Komplex

August 27, 2017

ARD, 23.30

Der Baader Meinhof Komplex (Deutschland 2008, Regie: Uli Edel)

Drehbuch: Bernd Eichinger

LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985 (danach mehrere überarbeitete Neuausgaben)

Buch zum Film: Katja Eichinger: Der Baader Meinhof Komplex – Das Buch zum Film, 2008

Von der Länge her epische, vom Tempo her hektische Verfilmung der Geschichte der RAF von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende. Da stimmt die Ausstattung, aber für die Vertiefung der einzelnen Charaktere bleibt wenig Zeit.

Mit Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Simon Licht, Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Heino Ferch, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Niels-Bruno Schmidt, Stipe Erceg, Daniel Lommatzsch, Volker Bruch, Bernd Stegemann, Tom Schilling, Katharina Wackernagel, Anna Thalbach, Jasmin Tabatabai, Hans Werner Meyer

Wiederholungen

3sat, Montag, 28. August, 22.25 Uhr

3sat, Mittwoch, 30. August, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Filmportal über „Der Baader Meinhof Komplex“

Film-Zeit über „Der Baader Meinhof Komplex“

Wikipedia über „Der Baader Meinhof Komplex“ (deutsch, englisch)

Hollywood Interview: mit Uli Edel üer den Film


TV-Tipp für den 16. Juli: Die Frau in Gold

Juli 15, 2017

Wer den Film am Mitwoch verpasste

One, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Samstag, 22. Juli, 10.00 Uhr

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 12. Juli: Die Frau in Gold

Juli 11, 2017

ARD, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

TV-Premiere. Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Donnerstag, 13. Juli, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 30. Juni: Oh Boy

Juni 30, 2017

Arte, 00.40
Oh Boy (Deutschland 2012, Regie: Jan-Ole Gerster)
Drehbuch: Jan-Ole Gerster
Der Endzwanziger und gescheiterte Langzeitstudent Niko driftet durch Berlin. Er trifft seltsame Menschen und fragt sich nach dem Sinn des Lebens.
Wunderschöne Berlin-Komödie, die bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut ankam. Wir warten immer noch auf Jan-Ole Gerstes zweiten Spielfilm.
mit Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Justus von Dohnány, Ulrich Noethen, Katharina Schüttler, Frederick Lau, Michael Gwisdek
Wiederholung: BR, Samstag, 1. Juli, 23.30 Uhr
Hinweise
Filmportal über „Oh Boy“
Film-Zeit über „Oh Boy“
Moviepilot über „Oh Boy“
Rotten Tomatoes über „Oh Boy“
Wikipedia über „Oh Boy“


TV-Tipp für den 27. März (und DVD-Kritik): Der gleiche Himmel – Teil 1

März 26, 2017

ZDF, 20.15 (Nachtwiederholung um 02.30 Uhr)

Der gleiche Himmel – Teil 1 (Deutschland 2017)

Regie: Oliver Hirschbiegel

Drehbuch: Paula Milne

Berlin, 1974: Lars Weber (Tom Schilling) wird von der Stasi als Romeo-Agent nach West-Berlin geschickt. Er soll die vierzigjährige Alleinerziehende Lauren Faber (Sofia Helin, „Die Brücke“) verführen und wichtige Informationen über ihre Arbeit entlocken. Sie arbeitet als Analystin in der britisch-amerikanischen Abhörstation auf dem Teufelsberg.

Als sie in der Mitte der zweiten von drei Episoden einen tödlichen Schlaganfall hat, wird Webers Zielobjekt geändert. Jetzt soll er die ebenfalls auf dem Teufelsberg arbeitende US-Amerikanerin Sabine Cutter (Friederike Becht) verführen. Aber er und seine Auftraggeber ahnen nicht, wer Sabine Cutter ist.

Wir als Zuschauer haben dagegen schon ziemlich früh eine ziemlich genau Vorstellung davon und den entstehenden Konflikten, wenn Weber, Cutter und alle anderen das entdecken.

Der gleiche Himmel“ ist eine Mischung aus Event-Produktion und Miniserie, je nach Rechnung als Dreiteiler (3 x 90 Minuten, im TV und auf DVD) oder als Sechsteiler (6 x 45 Minuten auf dem internationalen Markt und bei Netflix), deren Geschichte nach viereinhalb Stunden mitten in der Geschichte abbricht. Als habe man bei einem Agatha-Christie-Krimi nach dem Auffinden der Leiche oder eine Seite vor der Versammlung der Verdächtigen in einem Zimmer aufgehört; – oder, nein, weil „Der gleiche Himmel“ seine Geschichte sehr offen erzählt, wie ein James-Bond-Film, der nach der ersten Begegnung von James Bond mit dem Bösewicht einfach aufhört mit dem Kommentar: „Ach, eigentlich könnt ihr euch den Rest denken.“

Dieses offene Ende ist eine bodenlose Frechheit.

Der Weg bis zum Ende ist dabei gar nicht so schlecht. Oliver Hirschbiegel erzählt betulich eine Agentengeschichte mit viel Zeitkolorit und, immerhin muss die Geschichte auf 270 Minuten gestreckt werden und es werden nur die Fundamente für kommende Konflikte gelegt, vielen, vielen Nebengeschichten, die mit dem Auftrag von Lars Weber nichts zu tun haben und dessen Geschichte immer wieder in den Hintergrund verdrängen. Dafür ist Webers ganze Ostfamilie in verschiedene Geschichten verwickelt, die ein Best-of-DDR sind: es geht um Homosexualität, um den Bau eines Fluchttunnels (am Ende gibt es die Idee für eine andere Möglichkeit der Republikflucht), um eine potentielle Teilnehmerin an der Schwimmolympiade und damit verbundenes Doping, um Spitzelgeschichten, Verhöre im Stasi-Knast Hohenschönhausen und regimekonformen Schulunterricht. Alles das ist nicht uninteressant, aber für den Hauptplot überflüssig. Auch weil bis zum Ende der ersten Staffel (das ist die nicht offen ausgesprochene Idee der Macher) kein sich konflikthaft befruchtendes Verhältnis zwischen den Geschichten vorhanden ist.

Die Schauspieler holen oft Facetten aus den Rollen heraus, die die reinen Dialoge so nicht hergeben. Das gilt, zum Beispiel, für Ben Becker als Führungsoffizier von Lars Weber, der leicht zu einem kettenrauchendem Hardboiled-Proll-Klischeedetektiv hätte werden können. Er bringt auch etwas Humor in den gleichen Himmel. Oder für Jörg Schüttauf, der sein Leben lang für den Sozialismus kämpfte und dafür sein Umfeld ausspäht und ausspähen lässt. Oder für Anja Kling als vom Ehrgeiz zerfressene Mutter einer potentiellen Olympia-Teilnehmerin, die alles tun würde, damit ihre Tochter ihren Traum erfüllt – und sie die größere Wohnung bekommt.

Das wird durchgehend grundsolide präsentiert, aber mit einem Ende, das als Ende einer Miniserie in keinster Weise akzeptabel ist. Dass in der ZDF-Fassung am Ende in Schrifteinblendungen, die in der DVD-Fassung fehlen, die Geschichte weitererzählt wird, macht es nur noch schlimmer.

Das ZDF zeigt den zweiten Teil am Mittwoch, den 29. März, um 20.15 Uhr (Nachtwiederholung um 01.30 Uhr) und den dritten Teil am Donnerstag, den 30. März, ebenfalls um 20.15 Uhr (Nachtwiederholung am Samstag, den 1. April, um 02.15 Uhr [Taggenau!]) .

Polyband veröffentlicht die DVD am Freitag, den 31. März. Als Bonusmaterial gibt es ein „Making of“ (9:11 Minuten), das Featurette „Die Musik zu ‚Der gleiche Himmel’“ (4:47 Minuten), „Interviews mit den Darstellern Tom Schilling, Friederike Becht und Sofia Helin“ (7:26 Minuten) und ein „Interview mit Autorin Paula Milne“ (9:52 Minuten). Sie sind fast auch online, z. B. auf der ZDF-Homepage, verfügbar und eher oberflächlich in dem erwartbaren Promo-Rahmen. Wobei das Interview mit Paula Milne etwas aus dem Rahmen fällt, weil Drehbuchautorinnen normalerweise nicht befragt werden. Mit Oliver Hirschbiegel wurde dagegen, obwohl er im „Making of“ und dem Musik-Featurette dabei ist, anscheinend kein längeres Interview geführt.

mit Tom Schilling, Friederike Becht, Sofia Helin, Ben Becker, Claudia Michelsen, Anja Kling, Stephanie Amarell, Muriel Wimmer, Jörg Schüttauf, Godehard Giese, Jascha Rust, Hannes Wegener, Steffi Kühnert, Daniel Zillmann

DVD (erhältich ab dem 31. März)

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Making of, Die Musik zu „Der gleiche Himmel“, Interviews mit den Darstellern Tom Schilling, Friederike Becht und Sofia Helin, Interview mit Autorin Paula Milne

Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

ZDF über „Der gleiche Himmel“

Moviepilot über „Der gleiche Himmel“

Wikipedia über „Der gleiche Himmel“ (deutsch, englisch)

Variety unterhält sich mit Oliver Hirschbiegel über die Serie

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, GB 2009)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Diana“ (Diana, USA/GB 2013)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Elser“ (Deutschland 2015)  (mit Interviews mit Oliver Hirschbiegel über den Film) (und der DVD)


TV-Tipp für den 22. Februar: Tod den Hippies!! Es lebe der Punk

Februar 22, 2017

Arte, 23.15

Tod den Hippies – Es lebe der Punk! (Deutschland 2015)

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

Robert kommt in den frühen achtziger Jahren aus der Provinz nach Westberlin und lernt das punkige Nachtleben kennen.

Autobiographisch gefärbte Nummernrevue, die vor allem kurzweilig, mehr oder weniger gelungene Anekdoten und Stimmungsbilder aneinanderreiht und all die bekannten Berlin- und Subkulturklischees bestätigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Emilia Schüle, Frederick Lau, Hannelore Hoger, Samuel Finzi, Alexander Scheer, Rolf Zacher, Götz Otto, Oliver Korittke, Julian Weigend

alternative Schreibweise „ Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“

Wiederholung: Samstag, 4. März, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Film-Zeit über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Moviepilot über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Rotten Tomatoes über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (noch keine Kritiken)
Wikipedia über Oskar Roehlerund den Film
RBB: Interview mit Oskar Roehler über den Film

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 7. September: Der Baader Meinhof Komplex

September 6, 2016

RBB, 22.45

Der Baader Meinhof Komplex (Deutschland 2008, Regie: Uli Edel)

Drehbuch: Bernd Eichinger

LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985 (danach mehrere überarbeitete Neuausgaben)

Buch zum Film: Katja Eichinger: Der Baader Meinhof Komplex – Das Buch zum Film, 2008

Von der Länge her epische, vom Tempo her hektische Verfilmung der Geschichte der RAF von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende. Da stimmt die Ausstattung, aber für die Vertiefung der einzelnen Charaktere bleibt wenig Zeit.

Mit Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Simon Licht, Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Heino Ferch, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Niels-Bruno Schmidt, Stipe Erceg, Daniel Lommatzsch, Volker Bruch, Bernd Stegemann, Tom Schilling, Katharina Wackernagel, Anna Thalbach, Jasmin Tabatabai, Hans Werner Meyer

Hinweise

Filmportal über „Der Baader Meinhof Komplex“

Film-Zeit über „Der Baader Meinhof Komplex“

Wikipedia über „Der Baader Meinhof Komplex“ (deutsch, englisch)

Hollywood Interview: mit Uli Edel üer den Film

 


Neu im Kino/Filmkritik: Liebe und Krieg in der „Suite Française“

Januar 19, 2016

Vielleicht ist der Roman, ein unvollendetes Werk der 1942 in Auschwitz verstorbenen Irène Némirovsky, das erst Jahrzehnte Jahre nach ihrem Tod entdeckt und 2005 veröffentlicht wurde, wirklich besser und packender. Aber die gediegene Verfilmung „Suite Française – Melodie der Liebe“ hat das, was für einen Film wichtig ist, nicht: ein dramaturgisches Zentrum und eine packende Geschichte. Also eine Protagonistin und klar definierte Nebenfiguren. Dabei ist die Idee einer unerfüllten Liebe natürlich nicht schlecht und die Ausgangslage in „Suite Française“ auch voller dramatischem Potential. 1940, während der deutschen Besatzung in Frankreich, versucht Madame Angellier (Kristin Scott Thomas) den Anschein der Normalität aufrecht zu erhalten. Hartnäckig treibt die Gutsherrin das Geld bei ihren Pächtern ein, während sie zu möglichst allen Menschen, vor allem wenn sie von niederem Stand sind, eine ordentliche Distanz zu hält.
Lucile Angellier (Michelle Williams), die mit ihrem Sohn verheiratet ist, wohnt seit einigen Tagen bei ihr. Ihr Mann wird als Soldat von den Deutschen gefangen genommen. Ob er überlebt ist ungewiss. Und Lucile fragt sich auch, ob sie überhaupt will, dass ihr eher ungeliebter Mann den Krieg überlebt. Zur Ablenkung und auch als Vorbereitung auf ihr späteres Leben als Herrin über den Hof nimmt ihre Schwiegermutter sie mit zu den Pächtern. Zum Trost spielt sie Klavier.
Weil alle ihren Teil zum Krieg beitragen müssen, muss auch Madame Angellier einen Teil des Hauses für die deutschen Besatzer räumen. Bei ihr zieht der sehr höfliche und gebildete Offizier Bruno von Falk (Matthias Schoenaerts) ein. Vor dem Krieg war der zwar ungebetene, aber äußerst höfliche Hausgast Musiker und Komponist; was natürlich Lucile gefällt.
In einem Nicholas-Sparks-Film würde die Liebe von Lucile und Bruno zu einer dieser großen und kitschigen Liebesgeschichten werden. In „Suite Française“ ist es eher eine äußerst scheue Liebesgeschichte zwischen den beiden Musikern im Stand-By-Modus, während ein Subplot nach dem nächsten unsere Aufmerksamkeit fesseln soll, aber nur von der Hauptgeschichte ablenkt. Und das ist auch das Problem von „Suite Française“. Letztendlich zeigt es die Besatzungszeit mit vielen bekannten Schauspielern, aber ohne eine wirkliche Geschichte. Es gibt eher zufällige Episoden aus dem Leben der Dorfbevölkerung, die oft interessanter als die Liebesgeschichte sind. Denn nicht alle Deutschen sind so höflich wie Offizier von Falk und nicht alle Franzosen so friedfertig wie die Damen Angellier. Aber alles geschieht eher zufällig und ohne wirkliche dramatische Zuspitzungen.

Suite Francaise - Plakat

Suite Française – Melodie der Liebe (Suite Française, Großbritannien/Frankreich 2014)
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Saul Dibb, Matt Charman
LV: Irène Némirovsky: Suite Française, 2004 (Suite Française)
mit Michelle Williams, Matthias Schoenaerts, Kristin Scott Thomas, Margot Robbie, Ruth Wilson, Clare Holman, Sam Riley, Tom Schilling, Heino Ferch, Lambert Wilson, Alexandra Maria Lara
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Moviepilot über „Suite Française“
Metacritic über „Suite Française“
Rotten Tomatoes über „Suite Française“
Wikipedia über „Suite Française“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 13. November: Oh Boy

November 13, 2015

Eins Festival, 21.05
Oh Boy (Deutschland 2012, Regie: Jan-Ole Gerster)
Drehbuch: Jan-Ole Gerster
Der Endzwanziger und gescheiterte Langzeitstudent Niko driftet durch Berlin. Er trifft seltsame Menschen und fragt sich nach dem Sinn des Lebens.
Wunderschöne Berlin-Komödie, die bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut ankam.
mit Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Justus von Dohnány, Ulrich Noethen, Katharina Schüttler, Frederick Lau, Michael Gwisdek
Wiederholung: Samstag, 14. November, 01.15 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Filmportal über „Oh Boy“
Film-Zeit über „Oh Boy“
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Rotten Tomatoes über „Oh Boy“
Wikipedia über „Oh Boy“


Neu im Kino/Filmkritik: Helen Mirren ist nicht „Die Frau in Gold“

Juni 4, 2015

Wem gehört das Bild „Adele Bloch-Bauer I“ (auch „Goldene Adele“) von Gustav Klimt? Viele Jahre war es in Wien in der Österreichischen Galerie Belvedere ausgestellt. 1998 behauptete eine alte, in Kalifornien lebende Dame, die rechtmäßige Besitzerin des Gemäldes zu sein. Die 1916 geborene Maria Altmann war während der Nazi-Diktatur mit ihrem Mann Fritz Altmann, einem Opernsänger, aus Wien in die USA geflüchtet.
Als ihre Schwester stirbt, findet sie in ihren Briefen Hinweise, dass ihr, neben weiteren Klimt-Werken, das Bild, ein Porträt ihrer über alles geliebten Tante Adele, gehört.
Zusammen mit dem jungen Anwalt Randy Schoenberg (ein Enkel von Arnold Schönberg) nimmt sie den Kampf auf. Dabei will er, weil er gerade am Anfang einer Karriere als Anwalt in einer großen Kanzlei steht, mit dieser alten und auf den ersten Blick hoffnungslosen Geschichte nichts zu tun haben. Dennoch verbeißt er sich zunehmend in den Fall; ohne zu ahnen, dass er über mehrere Jahre und durch alle Instanzen und mit allen juristischen Finessen um die Rückgabe der Kunstwerke an ihre rechtmäßige Besitzerin kämpfen muss. Denn der österreichische Staat spekuliert in einer perfiden Hinhaltetaktik auf den Tod der betagten Klägerin. Immerhin geht es für Österreich nicht nur um ein wichtiges Werk von Klimt, sondern auch um eine Ikone der österreichischen Identität und die gibt man nicht so einfach weg in die Hände einer im Ausland lebenden Privatperson.
Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ erzählt diese wahre Geschichte als David-gegen-Goliath-Kampf, in dem die Rollen entsprechend klar verteilt sind. Mit den elegant in die Erzählung eingefügten Rückblenden verleiht er der Geschichte eine zusätzliche emotionale Dimension. So erfahren wir, welche Erinnerungen Maria Altmann an dieses Bild hat, wie wohlhabend sie als Tochter einer kunstinteressierten Großbürgertumfamilie war und wie begeistert die Österreicher sich Hitler-Deutschland anschlossen und bei der Unterdrückung und Verfolgung der Juden mitmachten.
Vor diesem historischen Hintergrund wird die Politik Östereichs, die in der Öffentlichkeit vollmundig behauptete, Raubkunst ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, noch unmoralischer. Denn Österreich will aus rein egoistischen Motiven so ein wertvolles und identitätsstiftendes Gemälde keinesfalls ihrer Besitzerin zurückgeben, von der ein sehr altruistisches Bild gezeichnet wird.
Getragen wird der Film von den vielen guten, teilweise nur in kleinen Rollen auftretenden Schauspielern. Im Zentrum stehen dabei die beidne Hauptdarsteller: Ryan Reynolds als junger, pausbäckiger Anwalt und Helen Mirren als resolute alte Dame, die ihn zurecht weist und ihm auch schon einmal ungefragt die Brille putzt, wenn sie nach ihrer Ansicht schmutzig ist.
Das ist gutes, gefällig inszeniertes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen. Allerdings ist „Die Frau in Gold“ auch, in bester Hollywood-Tradition, immer einen Tick zu eindeutig und damit ist die Geschichte zu fein säuberlich in Gut und Böse getrennt.
P. S.: Ich empfehle die Originalfassung. In ihr wird deutsch (bei den in der Vergangenheit in Wien spielenden Teilen) und englisch (fast durchgängig bei den in der Gegenwart spielenden Teilen) gesprochen. Diese Zweisprachigkeit macht die Geschichte authentischer.
P. P. S.: Ja, es wurden einige Details geändert. „Die Frau in Gold“ ist ein Spielfilm, der von der BBC-Dokumentation „Stealing Klimt“ inspiriert ist.

Die Frau in Gold - Plakat

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)
Regie: Simon Curtis
Drehbuch: Alexi Kaye Campbell
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Die Doku „Art of the Heist: The Lady in Gold“ (2007) über die wahren Hintergründe

Ein Intervies mit Simon Curtis über den Film (bescheidener Ton)


Neu im Kino/Filmkritik: Film mit klarer Ansage: „Tod den Hippies -Es lebe der Punk!“

März 26, 2015

Vor ein, zwei Jahren habe ich irgendwo gelesen, dass es keine Filme über die Musik und die Jugendkultur der achtziger Jahre gebe. Es sei ein aus dem kollektiven Gedächtnis gefallenes Jahrzehnt, während die sechziger und siebziger Jahre in der Popkultur immer noch lebendig seien.
Jetzt, mit Oskar Roehlers greller und sehr kurzweiliger Nummernrevue „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ und Mark Reeders „B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin“ (läuft am 21. Mai an und sollte unbedingt als Ergänzung zu Roehlers Film gesehen werden) scheint sich da etwas zu ändern. Beide Filme spielen im Westberlin der Achtziger. Beide porträtieren die damalige Kunst- und Subkulturszene. Beide Filme sind autobiographisch. Während der Engländer Reeder sich in „B-Movie“ ungeniert und sympathisch selbst inszeniert und der Dokumentarfilm aus einer erstaunlichen Menge damals gedrehter Filme schöpfen kann, verbirgt Oskar Roehler sich in seinem Spielfilm hinter dem Kunstcharakter Robert (Tom Schilling, grandios stoisch), der in Westdeutschland Anfang der achtziger Jahre auf einem von Hippies belagertem Internat ist. Sein einziger Freund ist der pickelige Nazi Gries (Frederick Lau), der, wie er später in Berlin erfährt, auch noch schwul und masochistisch ist. Für Robert ist angesichts der ganzen Kiffer in der Schule klar: „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Er schneidet sich seine eh schon kurzen Haare, randaliert ein wenig, fliegt unverzüglich von der Schule und macht sich auf den Weg nach Berlin, der Stadt, in der alles möglich ist und der Punk lebt. Im gelobten Land kommt er bei seinem Kumpel Schwarz (Wilson Gonzalez Ochsenknecht, ebenfalls stoisch) in einem besetztem Haus unter und er hat auch gleich einen Job. Während Schwarz in der Peepshow die Gäste empfängt und die Attraktionen anpreist, darf er als Mädchen für alles Scheiben putzen (Unangenehm!) und Essen für die Damen (Angenehm!) holen.
Aber viel wichtiger als dieser Brotjob, der auch seine Reize hat, ist für Robert die damalige Kulturszene. Gleich am ersten Abend trifft er Blixa Bargeld und Nick Cave. Sie gehen in das „Risiko“, wo Blixa Bargeld als Barkeeper arbeitet, im Hinterzimmer Konzerte stattfinden und viel zu viele, mehr oder weniger flüssige Drogen konsumiert werden.
Und so reiht sich eine Episode an die nächste. Schnell entsteht ein Bild des damaligen Berlins, das sich sehr locker an einer klassischen Bildungsgeschichte entlanghangelt, aber das vor allem mit durchaus groben Strichen die damalige Zeit verklärt und auch das heutige Bild des damaligen Berlins bedient als aus der Zeit gefallenes Dorf, in dem man gut Leben konnte und in dem sich alle Spinner und Künstler des Universums in dem „Schutzraum für Verrückte“ (Oskar Roehler) trafen und, im Angesicht des nahenden Weltuntergangs, kreativ waren. So will Robert Schriftsteller werden. Über Blixa Bargeld und Nick Cave, die beide vor allem sehr abwesend blicken, muss nichts gesagt werden. Gegen Ende hat auch Rainer Werner Fassbinder (uh, am 30. April startet die Doku „Fassbinder“) einen Auftritt, in dem er, in Lederjacke, sehr dem populären Bild von RWF entspricht.
Es geht auch um Roberts Beziehung zu seinen geschiedenen und ziemlich abgedrehten Eltern. Sie (Hannelore Hoger) will, um an Geld zu kommen, einen nichtsnutzigen Verwandten umbringen und erklärt nonchalant in einer Talkshow, dass sie ihr Kind nie wollte. Er (Samuel Finzi) verwahrt in seiner Wohnung RAF-Geld, das Robert und Schwarz während eines extrem dilletantisch ausgeführten Einbruchs klauen wollen. Und Robert verliebt sich in eine der Tänzerinnen aus der Peepshow, die natürlich höhere Ambitionen hat und eine bezaubernde Mischung aus Englisch und Deutsch spricht.
Roehlers Tonfall ist dabei immer anekdotisch und auf eine mal mehr, mal weniger gelungene Pointe, die mal mehr, mal weniger derb ist, getrimmt. Einige Anekdoten sind auch Stimmungsbilder. Und immer sind es Geschichten, die man sich nach dem dritten Bier erzählt oder erzählt bekommt. Dabei hat Roehler vor allem die Indie-Rock-Gemeinde im Visier, die etwas über Nick Cave, Blixa Bargeld, die Einstürzenden Neubauten und die damals wilden und zügellosen Jahre in der Ruinenstadt Berlin und ihrem pulsierendem Kulturleben gehört haben. Deshalb ist „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ im Studentenkino bestimmt ein großer Spaß.
Den Abgleich zwischen Roehlers Film und seinem Leben, das er hier, wieder einmal, kaum verschleiert be- und verarbeitet, kann man dann ja im Seminar machen.

Tod den Hippies Es lebe der Punk - Plakat

Tod den Hippies – Es lebe der Punk! (Deutschland 2015)
Regie: Oskar Roehler
Drehbuch: Oskar Roehler
mit Tom Schilling, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Emilia Schüle, Frederick Lau, Hannelore Hoger, Samuel Finzi, Alexander Scheer, Rolf Zacher, Götz Otto, Oliver Korittke, Julian Weigend
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
alternative Schreibweise „ Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Film-Zeit über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Moviepilot über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Rotten Tomatoes über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (noch keine Kritiken)
Wikipedia über Oskar Roehler
RBB: Interview mit Oskar Roehler über den Film

Ein schon etwas älteres Gespräch (2012) mit Oskar Roehler


TV-Tipp für den 27. November: Tatort: Am Ende des Tages

November 27, 2014

WDR, 20.15
Tatort: Am Ende des Tages (Deutschland 1010, Regie: Titus Selge)
Drehbuch: Titus Selge
Der Chef der Kommissare Dellwo und Sänger kommt nicht zu seiner Abschiedsfeier. Stattdessen soll er seine Geliebte mit seiner Dienstwaffe erschossen haben. Dellwo und Sänger suchen ihn, während er – und das ist kein Spoiler – den Mörder seiner Geliebten sucht.
Mit ihrem achtzehnten Fall verabschiedete sich das Frankfurter Team Dellwo/Sänger gewohnt stark von seinen Fans.
mit Jörg Schüttauf, Andrea Sawatzki, Peter Lerchbaumer, Richard Sammel, Thomas Balou Martin, Antonio Wannek, Jördis Triebel, Tom Schilling

Hinweise
Tatort-Fundus über das Team Dellwo/Sänger
Meine Besprechung des Tatort-Romans „Bevor es dunkel wird“ von Uli Aechtner mit Dellwo/Sänger

 


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