Neu im Kino/Filmkritik: „Alpha“ – ein Cro-Magnon-Mann, ein Wolf, eine Freundschaft

September 7, 2018

Es ist die erste Jagd, an der Keda (Kodi Smit-McPhee) teilnimmt. Obwohl er nicht fit für die Jagd ist und er der Akademiker in der Familie ist. Wenn es damals, vor 20.000 Jahren in Europa, schon Universitäten gegeben hätte. So ist er nur der Mann, der von den älteren Kriegern und Gleichaltrigen abschätzig betrachtet wird. Denn Kodi ist auch der Sohn des Häuptlings und der beschließt, dass sein Sohn fit für die Jagd ist.

Als sie eine Herde Bisons in die Enge treiben wollen, reagiert Keda panisch. Er stürzt über die Klippe. Seine Stammesbrüder und sein Vater halten ihn für tot und lassen ihn zurück.

Aber Keda hat den Sturz überlebt. Er macht sich, mehr tot als lebendig, auf den Heimweg. Es gelingt ihm einen Angriff von Wölfen abzuwehren. Anschließend kümmert er sich um den von ihm verletzten Wolf und, nun, der Rest ist sozusagen Geschichte.

Denn Albert Hughes schildert in seinem Solo-Debüt als Regisseur, wie der Wolf zum Hund und damit zum allseits geliebten Haustier des Menschen wird. Seine vorherigen Filme „Menace II Society“, „Dead Presidents“, „From Hell“ und „The Book of Eli“ inszenierte er mit seinem Bruder Allen als The Hughes Brothers. Sie waren, bei allen Unterschieden, immer spannendes Kino. Das kann über „Alpha“ nicht gesagt werden. Die vorhersehbare Geschichte schleppt sich mühsam zu ihrem Ende. Das hat mehrere Gründe.

Keda-Darsteller Kodi Smit-McPhee ist bekannt als ‚Nightcrawler‘ Kurt Wagner im vorherigen und dem nächsten „X-Men“-Film und der Junge in der Dystopie „The Road“. In „Alpha“ blickt er immer reichlich ausdruckslos in die Kamera. Man nimmt ihm, wenn er sich nach dem Sturz schwer verletzt durch die Landschaft schleppt, seine Leiden und Schmerzen nicht ab. Es wirkt immer wie ein Club-Med-Ausflug.

Auch die Kleider von Keda und seinen Stammesbrüdern und -schwestern sehen immer wie gerade erst gekaufte Designerkleider aus. Glaubwürdig – auch wenn ich die Cro-Magnon-Kleidung nicht kenne – wirkt das nicht.

Die Bilder sind schön auf der eindimensionalen Ebene einer Wandtapete. Sie sehen auch immer sehr künstlich aus. Als habe man jedes Bild im Computer kräftig nachbearbeitet. Die Tiere, denen Keda auf seiner Reise begegnet, sehen auch immer wie CGI-Kreaturen aus. So wirkt es, als ob Kodi Smit-McPhee im Studio vor einem Greenscreen seine Szenen spielte und der Rest nachher eingefügt wurde. Dabei wurde in Kanada in Vancouver und Alberta, der Mojave-Wüste und Island gedreht.

Bei der Geschichte von „Alpha“ fallen einem spontan zwei Filme ein, die erst kürzlich im Kino liefen und die gelungener sind. In „Der Mann aus dem Eis“ werden die letzten Tage des vor 5300 Jahren gestorbenen Ötzi geschildert. In „The Revenant“ schleppt sich im Wilden Westen ein Jäger, der von seinen Kameraden zum Sterben im Wald zurückgelassen wurde, zum nächsten Fort.

Verglichen mit „The Revenant“ ist „Alpha“ höchstens ein laues Lüftchen.

P. S.: In der Originalfassung des Films sprechen alle Menschen Cro-Magonon 101, eine mit wissenschaftlicher Begleitung extra für den Film für den Cro-Magnon-Menschen erfundene Sprache, die untertitelt wurde. Für die deutsche Fassung wurde Cro-Magon 101 dann anscheinend komplett synchronisiert.

Alpha (Alpha, USA 2018)

Regie: Albert Hughes

Drehbuch: Daniele Sebastian Wiedenhaupt (nach einer Geschichte von Albert Hughes)

mit Kodi Smit-McPhee, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Natassia Malthe, Leonor Varela, Mercedes de la Zerda, Jens Hultén, Priya Rajaratnam, Marcin Kowalczyk, Morgan Freeman (Erzähler, im Original)

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Alpha“

Metacritic über „Alpha“

Rotten Tomatoes über „Alpha“

Wikipedia über „Alpha“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ und im Kino auftaucht

März 22, 2014

Bestsellerverfilmungen, nächste Runde. „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist die schwarzhumorige Verfilmung von Jonas Jonassons Bestseller mit einem deutlichen Hang zum Klamauk, die mir überhaupt nicht gefallen hat, weil es letztendlich „Forrest Gump“ trifft doofe Gangster ist und der Zufall wirklich jedes Problem und jeden Konflikt ohne Zutun des Hundertjährigen erledigt.

Bevor Allan Karlsson aus dem Fenster stieg, hat er ein langes, ereignisreiches Leben gelebt. Als kleiner Junge wollte er nur Dinge in die Luft jagen. Nach dem zweiten Weltkrieg langweilte ihn das, er wurde Geheimagent und stolperte weiter durch die Weltgeschichte. Dabei erkennt er in seiner bodenlosen Naivität keinen Unterschied zwischen Franco-Faschismus und Kommunismus. Er kämpft mal auf der einen, mal auf der anderen Seite und bekommt eigentlich nichts von der Welt mit, aber der Film will uns glauben machen, dass dieser Trottel ständig den Lauf der Geschichte veränderte, dass er die treibende Kraft des zwanzigsten Jahrhunderts war.

Auch jetzt, als er nach seiner Flucht aus dem Altersheim auf einem Bahnhof auf einen Koffer aufpassen soll, mit dem Koffer zu einem noch einsameren Bahnhof fährt und dort entdeckt, dass der Koffer randvoll mit Geld gefüllt ist, stolpert er einfach in eine weitere unglaubliche Geschichte hinein. Denn der Besitzer des Koffers, ein doofer Gangster, der ihn für einen grenzdebilen Gangster befördert, der ihn wiederum einem ebenso geistig minderbemitteltem Verbrecher geben will, verfolgt ihn zum stillgelegten Bahnhof und stirbt zufällig in der Gefrierkammer. Die Leiche muss entsorgt werden und Karlsson und der Bahnhofswärter machen sich reichlich ziellos auf den Weg, nehmen dabei immer mehr seltsame Leute mit und hinterlassen nebenbei eine Spur von Leichen.

Allerdings ist der Protagonist, auch als Hans im Glück, einfach zu dumm und der Zufall übernimmt zu viel Arbeit, um sich länger für diesen Hundertjährigen und seine Zufallsbekanntschaften zu interessieren.

Der Hundertjährige der - Plakat

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann, Schweden 2013)

Regie: Felix Herngren

Drehbuch: Felix Herngren, Hans Ingemansson

LV: Jonas Jonasson: Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann, 2009 (Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand)

mit Robert Gustafsson, Iwar Wiklander, David Wiberg, Mia Skäringer, Jens Hultén, Alan Ford, Ralph Carlsson

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“

Moviepilot über „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“

Rotten Tomatoes über „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“

Wikipedia über den Roman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“

Homepage von Jonas Jonasson