Neu im Kino/Filmkritik: Vin Diesel ist „The Last Witch Hunter“

Oktober 22, 2015

Beginnen wir mit dem Positiven bei dem Fantasy-Film „The Last Witch Hunter“: Die Kamera ist angenehm ruhig, es wird auch eher selten geschnitten und, nachdem einige Blockbuster ja aussahen, als habe man einfach Szenen aus verschiedenen, vollkommen inkompatiblen Drehbüchern zusammengepappt, bis die Länge stimmte, ist die Geschichte hier nachvollziehbar. Es gibt den guten Hexenjäger, der eine sehr böse Hexe und ihre ebenso bösen Helfer jagt. Das sind Gut und Böse klar getrennt und wir wissen, dass alles in einem Schlusskampf endet. Eigentlich wissen wir auch, wer gewinnt. Aber das hält uns ja auch nicht davon ab, jeden James-Bond-Film und Western zu sehen.
Dummerweise ist das das Beste, was über die Geschichte gesagt werden kann. Denn anstatt jetzt den Konflikt zwischen Gut und Böse, was ja immer ein Konflikt über verschiedene Wertvorstellungen ist, klar zu konturieren, haben wir ein einziges Chaos, das im Film nur fotogen bebildert wird. Es gibt den edlen Hexenjäger Kaulder, der von Vin Diesel stoisch verkörpert wird. Kaulder ist, nach einem Kampf mit einer Hexe, seit Jahrhunderten unsterblich. Die Hexe war danach, so glauben alle, tot. Er lebt im heutigen New York in einem mondänem Apartment, fährt einen Sportflitzer und verführt reihenweise Stewardessen. Er ist eine Mischung aus James Bond und ‚Highlander‘ Connor MacLeod, der trotz seines unkatholischen Lebensstils von einem Priester des Ordens von Axt und Kreuz betreut und beaufsichtigt wird. Derzeit ist es Dolan, der 36. (Michael Caine). Nummer 37 (Elijah Wood) wird schon in sein Amt eingeführt.
Auf der Seite der Bösen gibt es die Hexenkönigin (Julie Engelbrecht) und ihre mehr oder weniger bösen Handlanger. Besonders tödlich ist Belial (Ólafur Darri Ólafsson). Nur was sie genau verkörpern, was sie wollen (ja, schon klar, die Macht. Aber wozu?) und was sie den heutigen Menschen anbieten, bleibt im Dunkel. Vor allem die Hexenkönigin ist eine mit verstellter Stimme in Zungen sprechender, aus dem Computer stammender, brennender Körper.
Im Presseheft wird die bestenfalls krude Mythologie des Films genauer erklärt. Danach waren die Hexen schon vor der Menschheit auf der Erde und sie sehen sich als die Beschützer der Natur. Sie wollen die Natur gegen die Menschen, die sie ausbeutet und zerstört, bewahren; was, wenn wir es sauber durchklinieren in diesem Fall bedeutet, dass die Guten die Umweltzerstörer sind und das die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen okay ist. Hm, gut, dass diese Mythologie im Film nicht weiter thematisiert wird.
Das nächste Problem des Films sind die Effekte. In älteren Filmen wurden die Hexen und Monster in Handarbeit hergestellt; es wurde mit Masken und Make-Up gearbeitet. Heute agieren die Schauspieler in einer Halle vor einem Green Screen und den Rest erledigt der Kollege Computer. Da wird jeder Kampf zu einer in dunklen Räumen stattfindenden, letztendlich langweiligen CGI-Schlacht in der ein in diesem Fall unsterblicher Mensch gegen einen Haufen anonymer Pixel kämpft.
Letztendlich gibt es keinen Grund sich den seelenlosen und in jeder Beziehung humorfreien „The Last Witch Hunter“ im Kino anzusehen.

The Last Witch Hunter - Plakat

The Last Witch Hunter (The Last Witch Hunter, USA 2015)
Regie: Breck Eisner
Drehbuch: Cory Goodman, Matt Sazama, Burk Sharpless
mit Vin Diesel, Elijah Wood, Rose Leslie, Ólafur Darri Ólafsson, Julie Engelbrecht, Michael Caine, Joe Gilgun, Isaach de Bankolé
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Last Witch Hunter“
Moviepilot über „The Last Witch Hunter“
Metacritic über „The Last Witch Hunter“
Rotten Tomatoes über „The Last Witch Hunter“
Wikipedia über „The Last Witch Hunter“


Neu im Kino/Filmkritik: „Der kleine Nick macht Ferien“ und wir dürfen ihn begleiten

Oktober 5, 2014

Wie transportiert man eine Geschichte aus den frühen sechziger Jahren, ein Kinderbuch, in die Gegenwart? Man kann sie natürlich in die Gegenwart verlegen oder man macht es wie Laurent Tirard bei seiner Verfilmung von „Der kleine Nick macht Ferien“. Er lässt die Geschichte in den späten Fünfzigern/frühen Sechzigern spielen. In den langen französischen Sommerferien, in denen die Städter in die Berge oder ans Meer fahren. Dieses Jahr fahren Nicks Eltern ans Meer. Oma ist auch dabei. Papa hätte das zwar gerne verhindert, aber das war Mamas Bedingung, um Papas Wunsch nach einem Strandurlaub zu erfüllen. Nick kommt dagegen gut mit Oma aus. Immerhin hat sie einen riesigen Vorrat an Bonbons, die es gegen Küsschen gibt.
Am Strand findet Nick schnell einige Freunde. Während die Rasselbande den Strand und das Hotel unsicher macht, auch einmal in einem Badezimmer die Rohre für Dusche und Toilette vertauscht, gibt es pointierte Beobachtungen zum Strandleben in einem Fünfziger-Jahre-Urlaubsort.
Gleichzeitig nehmen die Erwachsenen und ihre Probleme einen breiten Raum ein. Papa fragt sich, was er auf die Urlaubskarte für seinen Chef schreiben soll. Mama wird von einem exaltiertem italienischem Filmproduzenten, der anscheinend gerade aus einem Fellini-Film herausgefallen ist, als neuer Star entdeckt. Während Mama die Aufmerksamkeit genießt, verzweifelt Papa.
Nick hat ein ganz anderes Problem: Isabelle. Die Tochter eines alten Freundes von Papa, den sie zufällig im Hotel trafen. Während Isabelle ihn komisch anstarrt, halten ihre Eltern sie für ein schönes Paar. Nick der schon die Hochzeitsglocken mit diesem stummen Monster klingeln hört, will mit seinen Strandfreunden die Heiratspläne seiner Eltern für ihn sabotieren. Mit allen Mitteln, wozu auch die schon erwähnte „Psycho“-Dusche gehört. Denn Nick will eigentlich Marie-Hedwig, seine Freundin aus Paris, die mit ihren Eltern an einem anderen Ort urlaubt, heiraten.
Laurent Tirard, der bereits 2009 „Der kleine Nick“ (ebenfalls mit Kad Merad und Valérie Lemercier als Eltern) drehte, der damals in Frankreich der erfolgreichste Film des Jahres war, tobt sich in seinem neuen Film „Der kleine Nick macht Ferien“ in der Vergangenheit aus, als müsste er eine Farbversion von „Monsieur Hulot macht Ferien“ drehen. Das ist von der ersten bis zur letzten Minute wundervoll Retro.
Und wie in Jacques Tatis Komödienklassiker ist auch in „Der kleine Nick macht Ferien“ die Filmgeschichte in erster Linie eine Ansammlung von Anekdoten, die zu einigen eher vernachlässigbaren Geschichten verknüpft werden, bei denen ziemlich schnell die Eltern und ihre Probleme im Mittelpunkt stehen. Außerdem ist die warmherzige Retro-Komödie mit Anspielungen geplastert, die nur Erwachsene und Cineasten verstehen, was den Film dann zu einem Film für Kinder und jung gebliebene Erwachsene macht.

Der kleine Nick macht Ferien - Plakat

Der kleine Nick macht Ferien (Les Vacances du petit Nicolas, Frankreich 2014)
Regie: Laurent Tirard
Drehbuch: Laurent Tirard, Grégoire Vigneron
LV: René Goscinny, Jean-Jacques Sempé: Les Vacances du petit Nicolas, 1962 (Der kleine Nick und die Ferien; Der kleine Nick macht Ferien)
mit Mathéo Boisselier, Valérie Lemercier, Kad Merad, Dominique Lavanant, Erja Malatier, Francois-Xavier Demaison, Bouli Lanners, Luca Zingaretti, Julie Engelbrecht
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Der kleine Nick macht Ferien“
Moviepilot über „Der kleine Nick macht Ferien“
Rotten Tomatoes über „Der kleine Nick macht Ferien“
AlloCiné über „Der kleine Nick macht Ferien“
Wikipedia über „Der kleine Nick macht Ferien“