„Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan“, die vierte Lieferung

Januar 14, 2026

Vor wenigen Tagen erschien die vierte Lieferung der Horrorkurzgeschichten von Juoku Kawakami. Wie in den vorherigen drei „Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan“ sind es kurze Mangas. In diesem Fall zwölf Comics auf unter zweihundert Seiten. Da ist keine Zeit für tiefgründige Charakterentwicklungen und erzählerische Umwege. Es sind eher Skizzen, die zuerst das Setting etablieren und dann direkt auf die überraschende, tiefschwarze Pointe zusteuern. Einige Male ist die Pointe etwas kryptisch. Ein schockierter Blick in einen verlorenen und später von einer nicht sichtbaren Person vor der Wohnungstür abgelegten Geldbeutel ist etwas unbefriedigend.

Aber insgesamt gefällt auch die vierte Lieferung. Die Geschichten spielen alle im heutigen Japan. Oft in Metropolen und anonymen Mehrfamilienhäusern. Moderne Kommunikationsmittel (Ja, Smartphones und andere Computer), dortige Sitten, das Leben und Verhalten von vor allem jüngeren Menschen und mehr oder weniger kollektive Ängste und Phobien stehen im Mittelpunkt der Geschichten. Diese Herangehensweise verleiht dann auch altbekannten Geschichten einen neuen Dreh.

So fühlt sich ein junger Mann, der eine Mutter mit Kinderwagen anschreit, plötzlich von dem Kinderwagen verfolgt. Ein umtriebiger „Reseller“ bekommt plötzlich Probleme beim für ihn hochprofitablem Weiterverkauf von einem limitierten Trading Card-Boxset im Internet. Plötzlich häufen sich die Beschwerden über ihn.

Die Angewohnheit Jugendlicher, Audiodateien schneller abzuspielen hat plötzlich selbstmörderische Folgen. Denn die Menschen, die sich diese Dateien anhören, hören plötzlich auch andere Geräusche. Ältere dürften sich bei dieser Geschichte an die Gerüchte über geheime und satanische Botschaften in Rocksongs erinnern, die nur hörbar sind, wenn die LP, je nach Gerücht, schneller, langsamer oder rückwärts abgespielt wird. Im Zweifelsfall probierte man alles aus.

In „Okkultes Streaming“ besuchen zwei Streamer in Tokio für ein Streaming ein Hochhaus, in dem drei Menschen unter ungeklärten Umständen starben. Als sich von ihnen nicht geplante seltsame Dinge ereignen, läuft das Streaming aus dem Ruder.

In „KI-Chat“, mit 25 Seiten die längste Geschichte des Buches, wird eindrucksvoll gezeigt, was passiert, wenn eine Studentin sich nur auf die Ratschläge einer Künstlichen Intelligenz verlässt.

Vom Prinz zum Frosch“ ist dagegen schon eine fast klassische Geschichte über eine junge verliebte Frau, die bei ihrem Traumprinz ein Geheimnis entdeckt, das, nun, sagen wir es einmal so, ihre Beziehung radikal verändert.

Und dann gibt es noch nervige Nachbarn, seltsame Begegnungen in der Sauna und tödliche Unfälle im Bahnhof.

Für den Horrorfan sind die Geschichten wieder eine kleine Packung gelungener Überraschungen.

Der fünfte Band, von insgesamt acht Bänden, ist für Mitte Februar angekündigt.

Juoku Kawakami: Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan (Band 4)

(übersetzt von Gregor Wakoung)

Panini Manga, 2025

200 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 4

Shogakukan, 2025

Hinweise

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 1“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 1, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 2“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 2, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 3″ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 3, 2025)


Juoko Kawakami verbreitet wieder „Furcht“ im heutigen Japan

Oktober 8, 2025

Es sind kurze Geschichten, die Juoko Kawakami in seiner Manga-Kurzgeschichtenreihe „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan“ erzählt und zeichnete. Vor wenigen Tagen erschien der dritte Band. Er enthält auf unter zweihundert Seiten zwölf Kurzgeschichten, die einige Gemeinsamkeiten haben und vollkommen unabhängig voneinander gelesen werden können. Es sind, wie der Titel verrät, kurze Horrorgeschichten, die im heutigen Japan spielen. Trotzdem spielen sie immer wieder, für uns wenig bis nicht erkennbar, auf japanische Traditionen an. Das Wissen über diese Traditionen steigert dann das Lesevergnügen, aber für das Verständnis der meisten Geschichten (ein, zweimal dachte ich, dass ich die Pointe nicht verstehe, weil ich die angesprochene Riten, Sitten und Erzählungen nicht kenne) ist es egal. Sie sind universell verständlich.

Im Mittelpunkt der Geschichten steht das Leben im heutigen Japan, meistens mit Protagonisten zwischen Schule und Studium und ihren Problemen. Computer, Handys, die Wirkung von Influencern und das Leben in einer anonymen Großstadt stehen immer wieder im Zentrum der mal mehr, mal weniger übernatürlichen Geschichten.

In der ersten Geschichte bemerkt ein schönheitsversessener Junge plötzlich einen Pickel an seinem Hals und Haare an den Beinen. Was für einen normalen Jugendlichen höchstens ärgerlich wäre, ist für ihn eine Katastrophe. Das Ende ist – überraschend.

In anderen Geschichten geht es um den nächtlichen Besuch in einem leer stehendem Haus, das möglicherweise doch nicht so leer steht. Oder um den Betreiber von einem Okkult-TV-Kanal, der eine Veranstaltung einer Netzwerk-Marketing-Firma besucht – und sich irgendwann denkt, er hätte wohl doch besser eine weitere Geistervilla erkundet. Es geht um den Besuch bei den seltsamen Eltern des künftigen Gatten. In einer anderen Geschichte geht es um eine Hochzeit und die Planungen vor der Hochzeit. Eine andere Geschichte beschäftigt sich mit den körperlichen Veränderungen eines schmächtigen Jungen bei dem Training in einem Fitnessstudio. Einmal geht es um die moderne urbane Legende Ushigisan, die gerade im Netz trendet; ein anderes Mal um eine KI-Cosplayerin und einmal um eine Telefonzelle, die als Müllabladeplatz benutzt wird.

Auch der dritte „Furcht“-Sammelband ist eine schön schwarzhumorige Lektüre.

Der vierte Band ist für November angekündigt. Das klingt doch nach einem Weihnachtsgeschenk für den Horrorfan.

Juoku Kawakami: Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 3

(übersetzt von Gregor Wakounig)

Panini Manga, 2025

200 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 3

Shogakukan, 2025

Hinweise

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 1“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 1, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 2“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 2, 2025)


„Furcht“ – Manga-Horror aus dem modernen Japan von Juoku Kawakami

Juni 11, 2025

Wer jetzt wegen dem Wort „Manga“ und der damit verbundenen Befürchtung, dass jetzt eines dieser sich auf viele Bände erstreckendes Epos vorgestellt wird, desinteressiert abwinken will, sollte unbedingt weiter lesen.

Denn Juoku Kawakami erzählt in „Furcht“, wie der Untertitel verrät, „Horrorgeschichten aus dem modernen Japan“. Es sind voneinander unabhängige, in sich abgeschlossene Kurzgeschichten, die meistens nur wenige Seiten umfassen. Die längste hat fast sechzig Seiten. Die kürzesten keine zehn Seiten. Normalerweise sind sie so um die zwanzig Seiten und sie leben von der dichten Verbindung zwischen Text und Bild.

Die Protagonisten sind junge Menschen. Die Geschichten spielen, wie die auf der Straße getragenen Masken zeigen, während der Corona-Pandemie. Und es wird viel Zeit in der eigenen Wohnung und vor verschiedenen Bildschirmen verbracht. Aus ihnen und via Apps schleicht sich dann das Grauen in die Wohnung und in das Leben der jungen Menschen.

Immer wieder entwickelt in Juoku Kawakamis fantastischen Geschichten die Technik ein bedrohliches Eigenleben. Geister und Monster sind sehr real.

In „Sugardaddy“, der längsten Geschichte und gleichzeitig die erste Geschichte des ersten „Furcht“-Bandes, lernt ein Mädchen via App einen Sugardaddy kennen, der ihr Geld gibt, um ihr seine Geschichte zu erzählen. Nicht einmal oder zweimal, sondern immer wieder und, wie ein Geist, wird sie ihn nicht los. Er kommt immer wieder.

In einer anderen Geschichte entdeckt eine Schülerin in einer App, die sie beim Tanzen aufnimmt, im Hintergrund einen seltsamen tanzenden Schatten. Dieser Schatten ist allerdings keine Fehlprogrammierung, sondern etwas viel bedrohlicheres.

Bei einer Online-Party für die neue Kollegin ist das Bild eines Teilnehmenden nicht erkennbar. Auf den ersten Blick handelt es sich um ein normales technisches Problem, aber Shinada-San ist nur auf dem Bildschirm der neuen Kollegin zu sehen und keiner ihren neuen Kollegen kennt ihn.

Ein anderes Mal fragen sich zwei Mädchen, woran sie einen Geist erkennen können: daran, dass er keine Maske trägt – oder an etwas anderem?

In „Retro“ entdeckt ein Geschwisterpaar im Haus ihres verstorbenen Großvaters eine alte Kamera, einen Film in der Kamera und, versteckt im Dachboden, eine menschenähnliche Puppe.

In mit einem KI-Bildgenerator erzeugten Bildern taucht immer wieder ein seltsam grinsender Mann auf. Einige Freunde wollen herausfinden, wie es dazu kommt.

In weiteren Horrorgeschichten geht es um eine Einschlaf-App mit furchtbaren Nebenwirkungen, eine Dating-App, die sich nicht löschen lässt und um einen wie eine deformierte Halloween-Maske aussehender Neujahrs-Sticker. Er sollte nicht gekauft werden. Die sich in verschiedenen Wohnungen aufhaltenden Freunde tun es in der Silvesternacht dennoch.

Und einmal entwickelt ein Staubsaugerroboter ein gruseliges Eigenleben.

Inzwischen sind die ersten beiden Bände des von Juoku Kawakami geschriebenen und gezeichneten Manga auf Deutsch erschienen. Der erste Band enthält sechs Geschichten. Der zweite Band letztendlich elf Geschichten, weil die als „Kurzgeschichte“ und „Reportage“ betitelten Comics zwei weitere, jeweils fünfseitige Horrorgeschichten sind.

Der dritte Band ist für August angekündigt.

Es sind zwar nur Horrorkurzgeschichten, aber am Ende könnte dann doch ein mangatypisches vielbändiges Werk im Regal stehen. Denn warum sollte Kawakami nach drei Bänden aufhören?

Juoku Kawakami: Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 1

(übersetzt von Gregor Wakounig)

Panini Manga, 2025

200 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 1

Shogakukan, 2025

Juoku Kawakami: Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 2

(übersetzt von Gregor Wakounig)

Panini Manga, 2025

192 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 2

Shogakukan, 2025