Es gibt sie noch: Liebesgeschichten, die zuverlässig auf die Tränendrüse drücken und zu einem erhöhten Taschentuchkonsum führen sollen. Jedenfalls für die Menschen, die für so einen Kitsch empfänglich ist.
Bis vor zehn Jahren befriedigten die Verfilmungen der Bestseller von Nicholas Sparks dieses Bedürfnis. Jetzt könnte Colleen Hoover, deren Liebesromane ebenfalls Bestseller sind, ihm folgen.
„Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ ist die neueste Verfilmung eines Hoover-Bestsellers. Sieben Jahre nach einem Unfall, bei dem ihre große Liebe Scotty starb und Kenna Rowan eine mehrjährige Haftstrafe erhielt (die genauen Hintergründe erfahren wir erst am Filmende; bis dahin ist es nur ein „Es geschah Schlimmes. Sie ist eine ganz schlimme Person.“-Raunen), kehrt die immer noch trauernde Kenna in ihr Heimatdorf Laramie, Wyoming, zurück. Sie will neu anfangen. Sie lernt Scottys besten Freund Ledger kennen und sie trifft wieder auf Scottys Eltern. Grace und Patrick haben das Sorgerecht für die im Gefängnis geborene Tochter von Kenna und ihrem Sohn Scotty. Sie halten Kenna für den Scottys Tod verantwortlich und hassen sie abgrundtief. Sie wollen nichts mit ihr zu tun haben.
Was dann folgt, bedient überraschungsfrei die Regeln einer kitschigen Liebesgeschichte mit vorhersehbarem Ende. Teils krachend unlogisch. So sollen wir glauben, dass Ledger noch nicht einmal ein Foto von Scottys großer Liebe, die er bald heiraten wollte, gesehen hat. So müssen wir akzeptieren, dass Kenna in ihrem Heimatdorf, außer Scottys Eltern, keinen einzigen Menschen von früher kennt, niemand sie erkennt und sie keine Familie hat.
Auch die zahlreichen Sparks-Verfilmungen waren vorhersehbare Schmonzetten. Aber die öfter renommierten Regisseure und die bekannten und guten Schauspieler machten die bei der Kritik zu Recht unbeliebten Filme genießbar. Hoover wildert in diesem Gebiet und es könnte passieren, dass wir in den kommenden Jahren jedes Jahr mit einer Hoover-Verfilmung beglückt werden. So ist „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ innerhalb von drei Jahren die dritte Hoover-Verfilmung für das Kino. In diesem Kitschfilm ist alles proletarischer als bei Sparks. Die Protagonistin kommt arm wie eine Kirchenmaus in Laramie an. Sie mietet sich in einem Billigst-Motel ein und sucht irgendeinen schlecht bezahlten Aushilfsjob. Viele Menschen, denen sie begegnet, sind tätowiert. Nur Scottys Eltern und Ledger besitzen ein kleines Haus mit Garten und damit anscheinend etwas Geld. Die Geschichte zwinkert immer wieder in Richtung White Trash und füllt die bekannten Formen aus.
Für Fans vorhersehbarer Liebesfilme ist „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ sicher einen Blick wert. Wer aber schon bei Sparks heftiges Unwohlsein verspürte und einen weiten Bogen um die allsonntäglichen ZDF-Herzkino-Rosamunde-Pilcher-Inga-Lindström-Filme macht, sollte einen ebenso großen Bogen um Colleen Hoover machen.
P. S.: Nach einer zehnjährigen Kinopause ist die nächste Sparks-Verfilmung für Februar 2027 angekündigt. Es soll ein Romantic Thriller mit übernatürlichen Elementen sein. M. Night Shyamalan inszeniert die von ihm und Sparks erfundene Geschichte, die Sparks bereits zu einem Roman verarbeitete. Jake Gyllenhaal übernahm die Hauptrolle. Das könnte ein sehenswerter Film werden.

Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him (Reminders of Him, USA 2026)
Regie: Vanessa Caswill
Drehbuch: Lauren Levine, Colleen Hoover
LV: Colleen Hoover: Reminders of Him, 2022 (Reminders of Him – Für immer ein Teil von Dir)
mit Maika Monroe, Tyriq Withers, Rudy Pankow, Lainey Wilson, Lauren Graham, Bradley Whitford, Zoe Kosovic
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“
Metacrtic über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“
Rotten Tomatoes über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“
Wikipedia über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ (deutsch, englisch)
Veröffentlicht von AxelB