Neu im Kino/Filmkritik: „Der Medicus 2“ erzählt von Rob Coles Heilungen in London

Dezember 29, 2025

Im elften Jahrhundert reist Rob Cole von London in den Orient. Er will in der Schule des Universalgelehrten Ibn Sina erfahren, wie verletzte und kranke Menschen geheilt werden. Vor zwölf Jahren erzählte Philipp Stölzl diese Geschichte im Kino.

Jetzt kehrt Cole mit einigen Weggefährten, die ebenfalls ausgebildete Mediziner sind, zurück in ein England, das Krankheiten und Verletzungen mit einer Mischung aus Aberglaube, Zaubersprüchen und infektiösem Dreck behandelt. Cole will den Menschen helfen und muss sich dafür mit mächtigen Vertretern der weltlichen und der geistlichen Welt anlegen.

In „Der Medicus 2“ erzählt Philipp Stölzl die Geschichte von Rob Cole, wieder gespielt von Tom Payne, weiter. Der erste Film, der Weihnachten 2013 startete, war mit über 4,2 Millionen Kinobesucher im deutschsprachigen Raum, davon über 3,6 Millionen allein in Deutschland, ein Erfolg. „Der Medicus“ basierte auf dem gleichnamigen Bestseller von Noah Gordon. Gordon erzählte in zwei weiteren Romane die Geschichte der Familie Cole, aber nicht die von Rob Cole, weiter. Deshalb erfanden Stölzl und Jan Berger eine eigene Geschichte, die die Geschichte von „Der Medicus“ weiter erzählt und die auch als vollkommen eigenständige Geschichte mit neuen Figuren und Konflikten funktioniert. 

Entstanden ist ein zünftiger, unterhaltsamer und kurzweiliger Abenteuerfilm mit klar gezeichneten Figuren und Konflikten – und durchaus nachvollziehbaren, aber in dieser Häufung unglaubwürdigen Übertreibungen. Cole muss einen Patienten nur ansehen und schon weiß er, woran er erkrankt ist und wie er behandelt wird. Er ist auch ein Vorfahre von Sigmund Freud. Er kümmert sich um die Krankheiten der Seele und auch hier weiß er, wie er sie behandelt. Er ist ein wahrer Wunderheiler. Ebenso seine Weggefährten. Alle englischen Mediziner sind Scharlatane und Schlächter. Das ist dann doch etwas zu plakativ. Aber diese klare Zeichnung der Figuren und ihrer Interessen bildet eine gute Grundlage für die daraus entstehenden Konflikte und auch Wandlungen.

Der Medicus 2 (Deutschland 2025)

Regie: Philipp Stölzl

Drehbuch: Stewart Harcourt, Caroline Bruckner, Philipp Stölzl, Jan Berger, Marc O. Seng (nach einer Geschichte von Jan Berger und Philipp Stölzl)

mit Tom Payne, Emily Cox, Áine Rose Daly, Owen Teale, Emma Rigby, Malick Bauer, Jaouhar Ben Ayed, Harry Redding, Rosie Boore, Sara Kestelman, Evelyn Craven, Leonard Scheicher, Máté Haumann, Finty Williams, Francis Fulton-Smith, Anne Ratte-Polle, Liam Cunningham, Aidan Gillen

alternative Schreibweise: Der Medicus II

internationaler Titel: The Physician 2

Länge: 143 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Der Medicus 2“

Moviepilot über „Der Medicus 2“

Wikipedia über „Der Medicus 2“

Meine Besprechung von Philipp Stölzls „Der Medicus“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Philipp Stölzls „Ich war noch niemals in New York“ (Deutschland 2019)

Meine Besprechung von Philipp Stölzls „Schachnovelle“ (Deutschland 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Nach „Wunderschön“ wird es „Wunderschöner“

Februar 13, 2025

Das Leben geht weiter. Auch für die aus „Wunderschön“ bekannten Figuren. Die hatten 2022 ihren ersten Kinoauftritt. Mit fast 1,7 Millionen Besuchern war Karoline Herfurths Mainstream-Episodenfilm für Frauen ein Kassenerfolg. Ein solcher Erfolg weckt dann den Wunsch nach einem zweiten Teil, der jetzt als „Wunderschöner“ anläuft. Wieder erzählt Herfurth, wieder nach ihrem Drehbuch, Geschichten aus dem Leben von fünf miteinander verwandten und mehr oder weniger gut miteinander befreundeten Frauen, deren Leben mehr oder weniger eng miteinander verflochten ist.

Sonja (Karoline Herfurth) und ihr Mann Milan (Friedrich Mücke) leben inzwischen in getrennten Wohnungen. Die Besuche bei der Therapeutin sind die üblichen Scheidungsschlachten. Um die gemeinsamen Kinder wird sich irgendwie gekümmert. Als sie erfährt, dass er Kontakt zu einer anderen Frau hat, ist sie verärgert, schockiert, eifersüchtig und sie trifft sich anschließend mit einem anderen Mann.

Julie (Emilia Schüle) fängt als Aufnahmeleiterin in einer Boulevardsendung bei einem Mini-Hauptstadtsender (ah, ja, „Wunderschöner“ spielt in Berlin) an. Als der junge hippe, sich sanft und verständnisvoll gebende Redaktionsleiter sie gegen ihren Willen küsst, ist sie verstört und fragt sich, was sie tun soll.

Im Rahmen einer Projektwoche an der Schule versucht Sonjas Freundin Vicky (Nora Tschirner) bei ihren Schülerinnen ein Bewusstsein für die Benachteiligungen und Leistungen von Frauen zu wecken. Gleichzeitig fragt sie sich, wie sie mit Sabbatical unbekannter Dauer ihres Freundes umgehen soll. Sein einziges Lebenszeichen sind Fotos von Bergen.

Lilly (Emilia Packard), eine ihrer Schülerinnen muss sich im Rahmen einer Projektwoche mit Vickys Lieblingsthema beschäftigen. Dabei würde sie sich lieber mit ihrem Freund Enno beschäftigen.

Lilly Mutter, die Politikergattin Nadine (Anneke Kim Sarnau), erfährt, dass ihr Mann Phillipp (Godehard Giese), der Finanzsenator des Bundeslandes, sich mit einer Prostituierten vergnügte. Sie ist schockiert und trifft sich mit der Edel-Prostituierten Nadja (Bianca Radoslav). Als sie bemerkt, wie schlecht es Nadja geht, hilft sie ihr. Sie will sie aus der Prostitution retten.

Mit ihren doch eher banalen Geschichten, die man schnell vergisst, buchstabiert Karoline Herfurth in vielen Facetten die Liebe und damit zusammenhängende Liebesprobleme im Leben von gutsituierten Mittelschicht-Deutschen ohne erkennbaren Migrationshintergrund durch. Dabei unterscheidet „Wunderschöner“ sich kaum von „Wunderschön“. Alles, was mir an „Wunderschön“ gefiel, gefällt mir jetzt wieder und alles was mich an „Wunderschön“ störte, stört mich jetzt wieder.

Die sensible Inszenierung und das natürliche Spiel der Schauspieler gefallen. Es gibt etliche sehr gelungen Szenen, Beobachtungen und Momente, die im Gedächtnis bleiben. Der stete Wechsel zwischen den Geschichten lässt die Zeit schnell vergehen. Es gibt aber auch etliche Szenen, in denen die pädagogische Absicht überdeutlich ist. Das Drängen aller Figuren hin zu einer heteronormalen Beziehung, zum Traummann und einer lebenslangen Ehe, ist gerade im heutigen Berlin, dem Handlungsort des Films, vollkommen aus der Zeit gefallen. In einer filmisch weniger erschlossenen Provinzhauptstadt wie Mainz, Saarbrücken oder Stuttgart wäre das glaubwürdiger. Trotzdem ändert das nichts daran, dass „Wunderschöner“ in der Welt von „Derrick“ und dem Nachkriegsheimatfilm spielt. Diese heile Welt war schon damals eine Lüge.

Wunderschöner (Deutschland 2025)

Regie: Karoline Herfurth

Drehbuch: Karoline Herfurth

mit Karoline Herfurth, Anneke Kim Sarnau, Emilia Schüle, Nora Tschirner, Emilia Packard, Friedrich Mücke, Godehard Giese, Malick Bauer, Anja Kling, Samuel Schneider, Maximilian Brückner, Levy Rico Arcos, Albert Lichtenstern, Dilara Aylin Ziem, Jasmin Shakeri, Barbara Schnitzler, Bianca Radoslav, Rúrik Gíslason

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Wunderschöner“

Moviepilot über „Wunderschöner“

Meine Besprechung von Karoline Herfurths „Wunderschön“ (Deutschland 2022)