TV-Tipp für den 13. August: Womit haben wir das verdient?

August 12, 2021

Arte, 20.15

Womit haben wir das verdient? (Österreich 2018)

Regie: Eva Spreitzhofer

Drehbuch: Eva Spreitzhofer

Womit kann man seine Eltern provozieren? Die Tochter einer überzeugten Atheistin und Feministin probiert es mit einem hundertfünfzigprozentigem Übertritt zum Islam.

TV-Premiere. Hochgelobte Komödie mit viel schwarzem Humor und Situationskomik, die ich damals im Kino leider verpasste.

mit Caroline Peters, Chantal Zitzenbacher, Simon Schwarz, Emily Cox, Kida Khodr Ramadan

Hinweis

Wikipedia über „Womit haben wir das verdient?“


Neu im Kino/Filmkritik: „Nur ein Augenblick“, Karim will seinen Bruder aus dem Kriegsgebiet retten

August 15, 2020

Mit „Nur ein Augenblick“ startet, neben dem Geiselthriller „Der letzte Mieter“ (aka ‚Häuserkampf, Berlin Style‘), ein weiterer deutscher Thriller in unseren Kinos und wie „Der letzte Mieter“ ist „Nur ein Augenblick“ ein ziemlich gelungener Genrefilm.

Im Mittelpunkt von Randa Chahouds Spielfilmdebüt – sie inszenierte vorher mehrere Fernsehfilme und Episoden für TV-Serien, wie den Münsteraner Tatort „Lakritz“, „Deutschland 89“ und „Ijon Tichy: Raumpilot“ – steht Karim Reza. Als er erfährt, dass sein Bruder in Syrien gefangen gehalten wird, bricht er auf, um herauszufinden, was geschehen ist. Dafür muss er zurück in seine alte Heimat, die er fünf Jahre früher, während der letzten Tage des Arabischen Frühlings, verließ. Genaugenommen schickten seine Eltern und sein Bruder ihn damals nach Hamburg. Dort soll es ihm besser gehen.

Fünf Jahre später ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Er wird demnächst sein Studium erfolgreich beenden. Er hat eine Freundin. Und sie erwarten ein Kind.

Da ist der Weg zurück schwierig. Aber es soll ja nur ein kurzer Ausflug sein, bei dem er frühere Freunde trifft und ihnen einige Fragen stellt. Über die Türkei geht es in das Kriegsgebiet, wo er schnell in die Kämpfe verwickelt wird.

Anfangs folgt Randa Chahoud ziemlich genau den etablierten und bewährten Drehbuchregeln, was dem Film zum Vorteil gereicht. Die Figuren und der zentrale Konflikt werden schnell eingeführt. Karims Weg vom Studenten zum Kämpfer wider Willen ist ebenso nachvollziehbar.

Später schwächelt die Dramaturgie. Einerseits konzentriert sich die Filmgeschichte, sicher auch budgetbedingt, auf Karims Freundin Lilly und ihre Probleme mit einem gemeinsamen Studienfreund, Karims Eltern (die aus Syrien flüchteten und von Lilly aufgenommen werden), ihre Schwangerschaft und ihr Baby. Keiner dieser Konflikte bringt Karims Geschichte voran. Keine dieser Geschichten ist wahnsinnig interessant. Einige Schnitte zwischen Karims und Lillys Erlebnissen sind hochproblematisch.

Hier, also in Lillys Geschichte, gibt es dann auch einige arg hölzerne Dialoge. Wobei junge Erwachsene im Zweifel eher in schlechten Drehbuchsätzen als in formvollendeten, literarisch ausgefeilten Sätzen zu reden.

Das Problem bei dieser Konzentration auf Lillys Leben ist, dass in diesen Momenten Karims Schicksal in den Hintergrund gerät. Dabei hätte man gerne mehr über seine Erlebnisse in Syrien, wo er sich notgedrungen und widerwillig Rebellen anschließt und inhaftiert wird, erfahren. Auch wie er am Ende des zweiten Akts (wenn wir der Syd Fieldschen Drehbuchstruktur folgen) nach Deutschland zurückkehrt, hätte mehr Raum als zwei Sätze und eine Umarmung verdient.

Trotzdem ist „Nur ein Augenblick“ eine erstaunlich souveräne Aneignung und Adaption bekannter Genremotive auf die deutsche Gesellschaft und ein aktuelles Thema. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber es setzt sich wohltuend von früheren krampfhaften und glücklicherweise längst vergessenen Genreversuchen ab, die in unseren Kinos liefen.

Nur ein Augenblick (Deutschland/Großbritannien 2019)

Regie: Randa Chahoud

Drehbuch: Randa Chahoud

mit Mehdi Maskar, Emily Cox, Jonas Nay, Amira Ghazalla, Husam Chadat, Marwan Moussa, Tariq Al-Saies

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Nur ein Augenblick“

Moviepilot über „Nur ein Augenblick“


TV-Tipp für den 13. Juni: Dutschke

Juni 13, 2013

 

3sat, 22.25

Dutschke (D 2010, R.: Stefan Krohmer)

Drehbuch: Daniel Nocke

LV: Gretchen Dutschke: Wir hatten ein barbarisch, schönes Leben, 1996

Hochgelobtes Biopic über Rudi Dutschke und die wilden Jahre in Westberlin um 1968.

Ein ernsthafter, respektabler, in seinen Details nachdenklich stimmender Film auf der Höhe der Möglichkeiten des Genres.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Christoph Bach, Emily Cox, Pasquale Aleardi, Matthias Koeberlin

Hinweise

Filmportal über „Dutschke“

Wikipedia über „Dutsche“ und Rudi Dutschke


%d Bloggern gefällt das: