Heute will die in Minnesota lebende Barb (Emma Thompson im Actionheldinnenmodus) den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes erfüllen. Sie fährt zu einem einsamen, im Norden des Landes gelegenem See. Beide verbinden mit Lake Hilda Erinnerungen an glückliche Stunden. Der Höhepunkt des Tagesausflugs wird das Verstreuen der Asche ihres Mannes sein. Ihre Trauerarbeit wird unterbrochen, als sie in der winterlichen Einsamkeit eine junge Frau entdeckt, die offensichtlich entführt wurde. Barb will sie retten – und nun beginnt ein Abenteuer, das als im Schnee spielender Thriller spannend unterhält. Bis man beginnt, über die Story nachzudenken und sich fragt, warum nicht wenigstens die gröbsten Logiklöcher behoben wurden.
So spielt die Geschichte im Schnee in einer menschenleeren Gegend. Aber es scheint überhaupt keinerlei verräterische Spuren im Schnee zu geben. Egal wie oft die vier Menschen durch den Schnee stampfen, sie hinterlassen keine Spuren.
Die ziemlich durchgeknallte Entführerin ist eine begnadete Scharfschützin. Wenn es passt.
Denn Barb kann im hellen Licht des Tages und ohne irgendeinen Schutz vor neugierigen Blicken eine auf dem vereisten See stehende Hütte zu einer Todesfalle umbauen. Auch der damit verbundene Lärm lockt die Bösewichter – ein Paar, das aus der schon erwähnen skrupellosen Scharfschützin und ihrem leicht depperten Mann besteht – nicht an. Weil Regisseur Brian Kirk („21 Bridges“, „Game of Thrones“) nicht zeigt, wie Barb die Falle errichtet, sorgt ihr Zuschnappen im Film für einen vollkommen unglaubwürdigen Überraschungsmoment.
Ein weiterer Schwachpunkt ist das Motiv der Entführer. Es wird erst am Filmende enthüllt. Es ist durchaus nachvollziehbar, aber die Entführer wählen die umständlichste und ungeschickteste Methode, um an ihr Ziel zu gelangen. Sogar die dusseligen Bösewichter der Coen-Brüder machen bessere Pläne.

Dead of Winter – Eisige Stille (Dead of Winter, USA/Deutschland/Kanada 2025)
Regie: Brian Kirk
Drehbuch: Nicholas Jacobson-Larson, Dalton Leeb
mit Emma Thompson, Gaia Wise, Judy Greer, Laurel Marsden, Marc Menchaca, Cúán Hosty-Blaney
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Filmportal über „Dead of Winter“
Moviepilot über „Dead of Winter“
Metacritic über „Dead of Winter“
Rotten Tomatoes über „Dead of Winter“
Wikipedia über „Dead of Winter“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Brian Kirks „21 Bridges“ (21 Bridges, USA 2019)
Veröffentlicht von AxelB