Neu im Kino/Filmkritik: „Die reichste Frau der Welt“ und der Fotograf

April 23, 2026

Marianne Farrère (Isabelle Huppert) ist unglaublich reich, nach dem Filmtitel sogar „Die reichste Frau der Welt“, und angemessen angeödet von ihren Aufgaben als Firmenchefin. Auch das Fotoshooting lässt sie über sich ergehen, bis sie von der charmant-frechen Art des Fotografen Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) herausgefordert wird. Er tanzt nicht nach ihrer Pfeife, sondern gestaltet den Raum nach seiner Vision. Nach dem Shooting beginnt er sich bei ihr einzuschleimen und sie finanziell auszunehmen. Das ruft irgendwann die ebenso gierige Verwandtschaft von Marianne Farrère auf den Plan.

Und spätestens in diesem Moment fragt sich der Cineast, was Claude Chabrol aus der Geschichte, die lose auf der Bettencourt-Affäre basiert, gemacht hätte. Wahrscheinlich eine bitterböse, schreiend komische Abrechnung mit der Bourgeoisie. Vielleicht eine Neuauflage von „Der Halunke“/“Doktor Popaul“ (Docteur Popaul, 1972, mit Jean-Paul Belmondo). Er hätte jede Figur dem Gespött des Publikums preisgegeben.

Thierry Klifa macht daraus, mit genussvoll aufspielenden Schauspielern, eine anfangs satirische Gesellschaftskomödie. Später wird sie zu einem konfusem Streit zwischen den Erben, vor allem der Tochter, und dem Fotografen. Das ist dann mehr verwirrend als amüsant.

Die reichste Frau der Welt (La Femme la plus riche du monde, Frankreich/Belgien 2025)

Regie: Thierry Klifa

Drehbuch: Thierry Klifa, Cédric Anger, Jacques Fieschi

mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Marina Foïs, Raphaël Personnaz, André Marcon, Mathieu Demy, Joseph Olivennes

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Die reichste Frau der Welt“

Moviepilot büer „Die reichste Frau der Welt“

Rotten Tomatoes über „Die reichste Frau der Welt“

Wikipedia über „Die reichste Frau der Welt“ (englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Willkommen im „Club Zero“

März 30, 2024

Frau Novak (Mia Wasikowska) ist die neue Lehrerin an einem Nobelinternat. Sie soll einen Kurs in gesunder Ernährung geben. Die Schüler spekulieren zunächst auf einen einfachen Kurs, der sich mit minimalem Aufwand positiv auf ihren künftigen Bildungsweg auswirken wird.Schnell geraten sie in den Bannkreis dieser unscheinbaren Frau. Der Kurs wird ihr Lebensinhalt. Und das bedeutet: zuerst bewusster essen, dann immer weniger essen, bis man überhaupt nichts mehr isst.

Während jeder vernünftige Mensch weiß, dass das in dieser Radikalität ungesund ist, schauen die Eltern nur passiv zu. Sicher, sie finden es etwas schwierig, wenn ihre Kinder beim Familienessen nichts mehr essen, aber sie haken es als Phase ab. Nur eine Mutter, die auch gleichzeitig die einzige Mutter ist, die kein Geld hat, versucht etwas dagegen zu unternehmen.

Jessica Hausners neuer Film „Club Zero“ fasziniert am Anfang mit seinen streng komponierten Bildern, den Kostümen und seiner Ausstattung. Das ist eine künstliche, irgendwie europäische Retro-Welt, die an die siebziger Jahre erinnert. Die betont langsame Inszenierung und das betont zurückgenommen-künstliche Spiel der Schauspieler und einige gut platzierte Pointen tragen zu der leicht irrealen Stimmung bei. Allerdings ist unklar, was genau karikiert wird. Gleichzeitig verlässt die Satire, je länger und intensiver die Kinder hungern, immer mehr den Boden der Realität.

Am Ende ist Hausner Arthaus-Horrorfilm eine unfokussierte, teils enervierend langsam erzählte Satire, die einen ratlos und deprimiert zurücklässt. Damit teilt das Publikum, aus anderen Gründen, die Rat- und Sprachlosigkeit der Eltern der Kinder, die in den Bannkreis von Frau Novak geraten.

Club Zero (Österreich/Großbritannien/Deutschland/Frankreich/Dänemark/Katar 2023)

Regie: Jessica Hausner

Drehbuch: Jessica Hausner, Geraldine Bajard

mit Mia Wasikowska, Sidse Babett Knudsen, Amir El-Masry, Elsa Zylberstein, Mathieu Demy, Ksenia Devriendt, Luke Barker, Florence Baker, Samuel D Anderson, Gwen Currant

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Club Zero“

Moviepilot über „Club Zero“

Metacritic über „Club Zero“

Rotten Tomatoes über „Club Zero“

Wikipedia über „Club Zero“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jessica Hausners „Little Joe – Glück ist ein Geschäft“ (Deutschland/Österreich 2019)