Neu im Kino/Filmkritk: Dave Bautista sucht in der Dystopie „Afterburn“ die Mona Lisa

August 21, 2025

Dieses Mal haben nicht die Menschen die Erde vernichtet, sondern eine Sonneneruption hinterließ in der östlichen Hemisphäre der Erde eine flächendeckende Zerstörung. Seitdem sieht das Gebiet wie die Kulisse für einen schlecht aussehenden „Mad Max“-Film aus. Mit der Vernichtung der Welt wurde gleichzeitig die Zivilisation auf den Zustand des Faustrechts zurückgeworfen. Ob auf der gesamten Welt oder nur in der östlichen Hemisphäre, ist unklar und für die zehn Jahre nach der Katastrophe spielende Filmgeschichte auch unwichtig.

In diesem Dystopia erhält der professionelle Schatzsucher Jake (Dave Bautista) von dem in England lebendem, selbsternannten König August (Samuel L. Jackson) einen neuen Auftrag. König August ist ein sich gebildet gebender Gangster mit Herrscherambitionen und einer ständig größer werdenden Kunstsammlung. Dieses Mal soll Jake in Frankreich die Mona Lisa finden. Bei der Suche soll ihm die Freiheitskämpferin Drea (Olga Kurylenko) helfen.

Gemeinsam suchen sie in Frankreich die an einem unbekannten Ort versteckte Mona Lisa. Dabei treffen sie auf allerlei finstere Gestalten zwischen rasenden Zombiekannibalen und einen alle umbringen lassenden Warlord, der sich in einem Zug durch die Landschaft bewegt.

Afterburn“ von J. J. Perry ist ein simpelst gestrickter dystopischer Actionthriller voller Logiklöcher und Weltkrieg-II-Filmzitaten. Die todernst präsentierte Story ist nicht mehr als eine einfachste Schnitzeljagd. Die Dialoge banalst. Warlord Volkov (Kristofer Hivju), der Bösewicht des Films, und seine rechte Hand Gorynych (Daniel Bernhardt) taugen kaum als Bedrohung des Helden. Da helfen auch Hivjus charismatischer Bart und sein grummeliger Blick nicht. Die brutale Action in für den „Lost Places“-Fan fotogenen Locations ist bestenfalls zweckdienlich.

Das verzichtbare Ergebnis ist 08/15-Actionfilmfutter, bei dem immerhin die Stuntmen in verlassenen Kiesgruben und Fabrikruinen ihren Spaß hatten.

Die in jeder Beziehung deutlich bessere Unterhaltung für den Actionfilmfan gibt es im benachbarten Kinosaal mit „Nobody 2“.

J. J. Perry inszenierte als Regisseur „Day Shift“ und „The Killer’s Game“. Davor war er in etliche Filme als Stuntman und Second-Unit-Regisseur, u. a. „Fast & Furious 8“, „Fast & Furious 9“ und „Blue Beetle“ involviert.

Afterburn (Afterburn, USA 2025)

Regie: J. J. Perry

Drehbuch: Nimród Antal, Matt Johnson

LV: Scott Chitwood/Paul Ens: Afterburn, 2008 (Comic)

mit Dave Bautista, Olga Kurylenko, Samuel L. Jackson, Kristofer Hivju, Daniel Bernhardt

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Afterburn“

Metacritic über „Afterburn“

Rotten Tomatoes über „Afterburn“

Wikipedia über „Afterburn“


Neu im Kino/Filmkritik: „Blackberry – Klick einer Generation“ und dann weggewischt

Dezember 10, 2023

Matt Johnson erzählt in seinem Produkt-Biopic „Blackberry – Klick einer Generation“ die Geschichte eines Mobiltelefons, mit dem man auf einer fest installierten Tastatur E-Mails schreiben konnte. Das war Ende der neunziger Jahre revolutionär. Schnell wurde das Gerät zum Statussymbol für Menschen, die sich für wichtig hielten. Keine zehn Jahre später, 2007, wurde das erste iPhone veröffentlicht. Und kurz darauf war das Blackberry Geschichte. Ein neues Statussymbol eroberte die Welt.

Matt Johnson erzählt diese Geschichte flott, äußerst kurzweilig und mit sarkastischem Witz im Stil von „The Big Short“, „Vice“ (ja, da geht es um Politik) und, dieses Jahr, „Air – Der große Wurf“ und „Dumb Money“. Das ist ein süffiger Spaß mit sehr nerdigen Computernerds und sehr machohaften, ständig brüllend Anweisungen gebenden Vorgesetztentyrannen, die es so (hoffentlich) nur im Film gibt.

Mit der Realität und den realen Vorbildern hat Johnsons Komödie wenig bis nichts zu tun. Am Vergnügen beim Ansehen des satirischen Dramas ändert das nichts.

Blackberry – Klick einer Generation (BlackBerry, Kanada 2023)

Regie: Matt Johnson

Drehbuch: Matt Johnson, Matthew Miller

LV: Jacquie McNish/Sean Silcoff: Losing the Signal: The Untold Story Behind the Extraordinary Rise and Spectacular Fall of BlackBerry, 2015

mit Jay Baruchel, Glenn Howerton, Matt Johnson, Cary Elwes, Saul Rubinek, Michael Ironside, Rich Sommer, Sungwon Cho, Martin Donovan

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Blackberry“

Metacritic über „Blackberry“

Rotten Tomatoes über „Blackberry“

Wikipedia über „Blackberry“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über den Film (der viel Fiktion enthält)

Meine Besprechung von Matt Johnshons „Operation Avalanche“ (Operation Avalnche, USA/Kanada 2016)


DVD-Kritik: Was ist „Operation Avalanche“?

Januar 25, 2017

Dass Stanley Kubrick die Mondladung inszenierte, ist natürlich Quatsch. Immerhin lebte der Regisseur von „2001“ schon damals in England und wenn er sich überhaupt daran beteiligt hätte, dann hätte er die Mondladung für Großbritannien inszeniert.

Außerdem war es in Wirklichkeit ganz anders. Wie die jetzt aufgetauchten Bilder von „Operation Avalanche“ zeigen, wurde die Mondlandung von zwei jungen CIA-Agenten inszeniert. Sie wurden als Dokumentarfilmer zur NASA geschickt, um einen russischen Geheimagenten zu finden. Dabei erfahren sie, dass die NASA frühestens in den siebziger Jahren Menschen vom Mond wieder zurück bringen kann. In diesem Jahrzehnt könnten sie die Astronauten nur zum Mond bringen. Aber Präsident John F. Kennedy hat den Amerikanern versprochen, dass noch in den Sechzigern ein Amerikaner den Mond betreten wird.

Matt Johnson, der Kopf der beiden CIA-Agenten und fanatischer Filmfan, verfällt auf eine wahnwitzige Idee: sie werden die Mondlandung inszenieren und der gesamten Welt eine Charade vorspielen. Es gibt nur zwei, drei Probleme: Er muss seine Vorgesetzten überzeugen (und die die NASA). Und er muss die Mondlandung und alle Ereignisse auf dem Mond inszenieren. Und zwar so, dass niemandem der Schwindel auffällt.

Und natürlich – ich verrate euch jetzt ein Geheimnis! – war es auch nicht so, wie „Operation Avalanche“ behauptet. Denn der Film von Matt Johnson ist eine Mockumentary, in der er selbst die Hauptrolle übernahm. So wurde das Team bei den Dreharbeiten kleiner und sie konnten in den NASA-Gebäuden und an anderen Orten unerkannt drehen. Schließlich waren sie, so die Legende, die ihnen Türen öffnete, nur einige Filmstudenten, die einen Dokumentarfilm drehten.

Operation Avalanche“ ist vor allem ein großer, im Sechziger-Jahre-Zeitgefühl badender Spaß für Filmfreaks und vernünftige Fans von Verschwörungstheorien (also den Menschen, die Fakten und Fiktion trennen können). Daran ändert auch das etwas schwächelnde Ende nichts. Das folgt nämlich, nachdem während des gesamten Films die Konventionen des Verschwörungsthriller ignoriert wurden, zu sehr diesen allseits bekannten Konventionen.

Nervig bei der Mockumentary ist der Pseudo-Doku-Stil mit exzessiver Wackelkamera und Unschärfen, die aus dem „The Blair Witch Project“ ein Meisterwerk konventioneller Kameraführung werden lässt. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Sehr informativ ist das knapp fünfzehnminütige exklusive Interview mit Matt Johnson während des Zurich Film Festivals, in dem er auf die Inspirationen für den Film, die Dreharbeiten, die Wahrscheinlichkeit einer Verschwörung eingeht und erklärt, warum die Mondlandung nicht gefälscht wurde und auch nicht gefälscht werden konnte.

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Operation Avalanche (Operation Avalnche, USA/Kanada 2016)

Regie: Matt Johnson

Drehbuch: Josh Boles, Matt Johnson

mit Matt Johnson, Owen Williams, Josh Boles, Andrew Appelle, Jared Raab

DVD

Ascot Elite

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interview mit Matt Johnson, Trailer, Wendecover

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Operation Avalanche“

Metacritic über „Operation Avalanche“

Rotten Tomatoes über „Operation Avalanche“

Wikipedia über „Operation Avalanche“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Tracers“ – viel Parkour bei mediokrer Geschichte

Mai 28, 2015

Wie sieht das Leben nach einer Hauptrolle in einer erfolgreichen Serie aus? Schwierig. Sehr schwierig, wie auch „Tracers“ mit Taylor Lautner zeigt. Lautner, für alle die um Young-Adult-Hits einen großen Bogen mache, spielte in den „Twilight“-Filmen mit und jetzt versucht er sich wohl als Action-Star zu etablieren. Dabei ist das Drehbuch von Matt Johnson („Into the Blue“) so dünn ist, dass man nichts über seine schauspielererischen Qualitäten sagen kann. Seine Star-Qualitäten, die uns dazu bringen, den Film nur wegen ihm anzusehen und zu mögen, sind jedenfalls deutlich geringer als die seiner „Twilight“-Co-Stars.
Taylor Lautner spielt in „Tracers“ Cam, einen netten, bei den falschen Leuten hoch verschuldeten, New Yorker Fahrradkurier. Bei einer seiner Touren stößt er mit Nikki zusammen. Von seiner Seite ist es Liebe auf den ersten Blick. Außerdem ist er von ihren sportlichen Fähigkeiten fasziniert. Sie hüpft scheinbar schwerelos durch die Stadt.
Nach längerem Suchen findet er sie und sie verschafft ihm Zugang zu ihrer Clique: eine Gruppe junger Menschen, die Parkour, also das sportliche Laufen und Springen durch die Stadt ohne auf Hindernisse zu achten, praktizieren. Ihr Anführer ist Miller. Er plant die Überfälle, in denen sie ihre Parkour-Fähigkeiten als Verbrecher ausnutzen.
Cam will mitmachen. Wegen der Liebe. Wegen dem Sport. Wegen des Geldes. Denn der Geldeintreiber der chinesischen Mafia will unbedingt sein Geld zurückhaben. Mit dem üblichen unverschämten Zinsaufschlag.
Die Story ist die übliche Ansammlung von Klischees, die noch nicht einmal eine halbe Gehirnzelle Aufmerksamkeit beansprucht.
Dafür ist die Action äußerst überzeugend geraten. Für den Dreh wurden auch echte Parkourläufer verpflichtet. Bei den Stunts wird selten geschnitten und oft wird das Geschehen – wenn sie scheinbar schwerelos über ihr Trainingsgelände (ein Schiffswrack) oder über Häuserdächer springen – in der Totale gezeigt, die die große Leinwand rechtfertigt.
Der Film als Ganzes ist nur Direct-to-DVD-Standardware.

Tracers - Plakat

Tracers – It’s not a crime if they can’t catch you (Tracers, USA 2015)
Regie: Daniel Benmayor
Drehbuch: Matt Johnson
mit Taylor Lautner, Marie Avgeropoulos, Adam Rayner, Rafi Gavron, Josh Yadon, Luciano Acuna jr.
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Tracers“
Moviepilot über „Tracers“
Metacritic über „Tracers“
Rotten Tomatoes über „Tracers“
Wikipedia über „Tracers“ (deutsch, englisch)