Neu im Kino/Filmkritik: „Father Mother Sister Brother“ Jim Jarmusch

Februar 27, 2026

Seien wir ehrlich; – auch wenn es offensichtlich ist: Jim Jarmusch hat letztes Jahr bei den Fimfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen für seinen neuen Film „Father Brother Sister Brother“ nicht für den Film, sondern für sein Lebenswerk erhalten. Wahrscheinlich mit einer leichten Torschusspanik bei dem Festival, dass sie bislang Jarmusch noch nicht ausgezeichnet haben. Dabei ist Jim Jarmusch einer der großen zeitgenössischen Indie-Regisseure, er ist schon über siebzig Jahre alt und er war in den vergangenen Jahren sehr unproduktiv. Jedenfalls in punkto Spielfilme.

Sein neuester Film „Father Mother Sister Brother“ besteht aus drei Kurzfilmen, die an verschiedenen Orten in den USA und Europa spielen und mit verschiedenen Schauspielern gedreht wurden. Immer geht es um Kinder und ihre Eltern. Immer tauchen durch das Bild fahrende Skater auf und immer ist irgendwann eine nicht immer echte Rolex im Bild. Wichtig für die Geschichte sind die Skater und die Rolex nicht. Es sind eher Dinge, die auftauchen müssen, weil der Geldgeber es so wollte.

In dem ersten, in einer abgelegenen Hütte in New Jersey spielenden Film, besuchen die Geschwister Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) ihren allein lebenden Vater (Tom Waits). Sie wollen wissen, ob er Hilfe benötigt. Die zweite Episode spielt in Dublin. Die beiden Schwestern Timothea (Cate Blanchett) und Lilith (Vicky Krieps) absolvieren den alljährlichen Pflichtbesuch bei ihrer furchteinflößenden Mutter (Charlotte Rampling) in ihrer noblen Wohnung. In der dritten und längsten Episode des Films geht es nach Paris zu den Zwillingen Skye (Indya Moore) und Billy (Luka Sabbat). Sie wollen die Wohnung ihrer tödlich verunglückten Eltern auflösen.

Bis auf die erste Geschichte ist keiner dieser Kurzfilme irgendwie auf eine Pointe hin erzählt. Und auch die Pointe in der ersten Geschichte ist schon von der ersten Minute an, wenn Tom Waits seine Wohnung für den Besuch seiner Kinder in einen schlechteren Zustand aufräumt, absehbar. Es sind drei Betrachtungen von Familienkonstellationen, in denen nichts Aufregendes passiert. Es sind Skizzen, in denen einfach einige Beobachtungen und eine Situation geschildert werden. Es sind auch typische Jarmusch-Geschichten. Dieses Mal in der kurzen und auf eine Situation konzentrierten Form, die er bereits in früheren Filmen pflegte. „Night on Earth“ und „Coffee and Cigarettes“ sind hier zu nennen. Diese Episodenfilme und Kurzfilme sind Nebenwerke.

Auch „Father Mother Sister Brother“ ist ein hochkarätig besetztes Nebenwerk, das vor allem für Jarmusch-Fans, sieben Jahre nach seinem letzten Spielfilm „The Dead don’t die“, ein willkommenes Lebenszeichen ist und das die Wartezeit auf seinen nächsten Spielfilm verkürzt.

Father Mother Sister Brother (Father Mother Sister Brother, USA/Deutschland/Italien/Irland/Frankreich 2025)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

mit Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat, Françoise Lebrun

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Father Mother Sister Brother“

Moviepilot über „Father Mother Sister Brother“

Metacritic über „Father Mother Sister Brother“

Rotten Tomatoes über „Father Mother Sister Brother“

Wikipedia über „Father Mother Sister Brother“ (deutsch, englisch) und über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „The Dead don’t die“ (The Dead don’t die, USA 2019)


DVD-Kritik: „As they made us“, unsere schrecklich lieben Eltern

Oktober 31, 2023

In ihrem Spielfilmdebüt porträtiert Mayim Bialik (bekannt aus „The Big Bang Theory“ als Amy Farrah Fowler) eine leicht dysfunktionale Familie. Eugene (Dustin Hoffman) wird älter und immer hilfsbedüftiger. Seine Frau Barbara (Candice Bergen) will das nicht einsehen. Sie ist eine herrische Trinkerin, die für ihre Kinder immer wieder, aber nicht immer, die Hölle auf Erden ist. Auch Eugene ist ein durchaus zwiespältiger Charakter: ein Witzbold, der seine Kinder auch mal schlägt. Ihre geschiedene Tochter Abigail (Dianna Agron) kümmert sich ihre beiden Kinder und ihre Eltern. Abigails Bruder Nathan (Simon Helberg, aka Howard Wolowitz in „The Big Bang Theory“) hat schon vor Jahrzehnten mit Eugene und Barbara gebrochen. Er will sie nicht mehr sehen.

Trotzdem kontaktiert Abigail ihn.

Bialik erzählt die Geschichte dieser Familie und ihrer Beziehung zueinander mit vielen Rückblenden. Dabei ist sie vor allem an einem Stimmungsbild und einer Beschreibung des Verhältnisses der vier Familienmitglieder inszeniert. Die Hauptrolle hat die aus der TV-Serie „Glee“ als Quinn Fabray bekannte Dianna Agron. Dustin Hoffman kann in einer Nebenrolle als zunehmend hilfsbedüftiges Familienoberhaupt wieder einmal sein Können beweisen.

Angenehm ist Bialiks Mut, diese Familie als ein komplexes Gebilde zu zeigen, in dem die einzelnen Familienmitglieder erstaunlich viele unsympathische Seiten haben. So vermittelt Bialiks Drama eine Ahnung von der Komplexität familiärer Beziehungen. Allerdings kratzt sie nur an der Oberfläche. Das ist ordentlich gemacht, unterhaltsam beim Ansehen, aber nach dem Abspann bleibt nichts länger im Gedächtnis.

As they made us (As they made us, USA 2022)

Regie: Mayim Bialik

Drehbuch: Mayim Bialik, Jonathan Cohen

mit Dianna Agron, Dustin Hoffman, Candice Bergen, Simon Helberg, Justin Chu Cary, Charlie Weber, Julian Gant

DVD

EuroVideo

Bild: 1,66:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Auch auf Blu-ray und bei den bekannten Streamingdiensten erhältlich.

Hinweise

Moviepilot über „As they made us“

Metacritic über „As they made us“

Rotten Tomatoes über „As they made us“

Wikipedia über „As they made us“