Blöder Film. Denn vieles fügt sich erst am Ende mehr oder weniger zusammen. Einiges bleibt unklar. Und weil sich bis zum Ende keine richtige Geschichte entfaltet (wie bei einem Rätselkrimi, in dem der Detektiv die Puzzlesteine zusammenfügt oder wie bei „Die üblichen Verdächtigen“ und „The sixth Sense“, wo das Ende die vorherige Geschichte in einem vollkommen anderem Licht erscheinen lässt), kann auch kaum über Julia Ducournaus neuen Film gesprochen werden.
Vielleicht soviel: er spielt in Frankreich in den achtziger Jahren. Die dreizehnjährige Alpha lässt sich während einer drogengeschwängerten Party ein „A“ in ihren Arm tätowieren. Ihre allein erziehende Mutter, Ärztin im örtlichen Krankenhaus, reagiert panisch. Nicht wegen der Tätowierung, sondern wegen ihrer Entstehung und der Möglichkeit, dass die Nadel nicht desinfiziert war. Sie führt sofort einen AIDS-Test durch. Ddie Tätowierung heilt nicht richtig. Alpha verändert sich. Sie könnte sich mit infiziert haben; – es kann sich allerdings auch um normaler pubertäre Veränderungen handeln.
In ihr Zimmer zieht ihr drogensüchtiger Onkel ein. Sie verstehen sich. Alpha baut eine tiefere Verbindung zu dem immer wieder sehr lebenslustigem Mann auf. Dummerweise gehört er zu den Infizierten.
Diese Infizierten sind Menschen, deren Körper sich immer mehr verändert. Sie sehen immer mehr aus wie griechische oder römische Statuen. Sie werden immer mehr zu einer Art netter und harmloser Marmor-Zombies. Über den Ursprung der Seuche erfahren wir nichts. Aber sie scheint weitgehend harmlos zu sein.
Oft ist in dem Horrorfilm unklar, ob es sich um eine Fantasie, eine Vor- oder eine Rückschau handelt. Die eine Chronologie und Erklärung, die man hat, wird wenige Minuten später in dem Film widerlegt. „Alpha“ funktioniert vor allem als surrealistischer (Alp)Traum.
Trotzdem bleibt am Ende der Eindruck, dass „Titane“-Regisseurin Julia Ducournau sich hoffnungslos in ihren Ideen verirrte. Nur wenig fügt sich zusammen. Einiges spielt, wenn man eine Chronologie erstellen will, weder in der Gegenwart, noch in der Vergangenheit, sondern in einer Fantasiewelt jenseits von Gegenwart und Vergangenheit. Zu vieles bleibt nur eine schön aussehende Idee. So sehen die Infizierten gut aus. Womit sie infiziert wurden, ist unklar. Aber AIDS ist es nicht. Der in der zweiten Hälfte auftauchende rote Wind sorgt ebenfalls für schön dystopische Bilder. Was der Wind dann mit den Infizierten, Alpha, ihrem Onkel und ihrer Mutter zu tun hat, bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen.
Die spätestens in der zweiten Hälfte erahnbare Erklärung am Filmende sorgt dann für etwas Klarheit. Es ändert aber nichts daran, dass „Alpha“ ein ziemlich frustrierender Horrorfilm ist. Früher nannte man solche Filme ‚ambitioniert‘.

Alpha (Alpha, Frankreich/Belgien 2025)
Regie: Julia Ducournau
Drehbuch: Julia Ducournau
mit Mélissa Boros, Tahar Rahim, Golshifteh Farahani, Finnegan Oldfield, Emma Mackey
Länge: 128 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Homepage zum Film
Wikipedia über „Alpha“ (deutsch, englisch, französisch)
Meine Besprechung von Julia Ducournaus „Titane“ (Titane, Frankreich 2021)
Veröffentlicht von AxelB