Neu im Kino/Filmkritik: „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ und in der Vergangenheit

November 25, 2021

Wie alles endet, haben wir 2017 in „Resident Evil: The final Chapter“ erfahren.

Jetzt gibt es mit „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ einen Neustart der an der Kinokasse erfolgreichen Reihe. Schließlich spielten die sechs „Resident Evil“-Filme mit Milla Jovovich in der Hauptrolle weltweit über 1,2 Milliarden Dollar ein.

Für diesen Neustart wird in der Chronologie zurückgesprungen in das Jahr 1998 und damit bevor Alice (Milla Jovovich) in einer zunehmend dystopischen Welt reihenweise Menschen tötet, die durch das von der Umbrella Corporation erfundene T-Virus zu Zombies wurden. 1998 hoffte die Umbrella Corporation noch, die katastrophalen Folgen ihrer Versuche in Raccoon City einzuhegen.

Mehr oder weniger im Mittelpunkt der Geschichte des neuen Films steht Claire Redfield. Sie verbrachte in Raccoon City ihre Kindheit mit ihrem Bruder Chris in dem von der Umbrella Corporation betriebenem Kinderheim. Dieses sieht wie eines dieser fürchterlichen Fünfziger-Jahre-Kinderheime oder eine Dependance des Arkham Asylum aus. Chris arbeitet inzwischen als Polizist in Raccoon City. Sie verschwand schon vor vielen Jahren aus der Stadt.

Jetzt kehrt sie in einer regnerischen Nacht zurück nach Raccoon City. Inwzischen ist aus der Bergarbeiterstadt eine vom Pharmakonzern Umbrella Corporation aufgegebene Geisterstadt geworden. In der Geisterstadt leben nur noch einige Menschen, die kein Geld zum Umzug hatten, Sicherheitsleute und Polizisten.

Kurz nachdem Claire in der Stadt ist, häufen sich die meist tödlichen Angriffe von seltsamen Wesen auf die Menschen. Denn Experimente der Umbrella Corporation sind schiefgegangen, Menschen verwandeln sich in Zombies und das fröhliche Morden beginnt. Dabei spielt die Hauptaction im und vor dem Polizeirevier und in und unter der zur Umbrella Corporation gehörenden, abgelegen im Wald liegenden Spencer Villa.

Welcome to Raccoon City“ beginnt überraschend gelungen mit Bildern der nächtlichen Stadt, Gesprächen in einem schön abgeranztem Diner und den ersten Begegnungen mit den Zombies. Diese Bilder und die spätere Belagerung des Polizeireviers, bei der die Zombies sich gegen das Gitter am Eingang pressen, erinnern an John Carpenters frühe Filme (vor allem „Assault – Anschlag bei Nacht“, auch etwas „Die Fürsten der Dunkelheit“) und George A. Romeros Zombiefilme.

Danach fügt Johannes Roberts („47 Meters Down“, „The Strangers: Opfernacht“) nur noch, ohne Sinn und Verstand, Szenen aneinander. Raccoon City ist dann nur noch eine Ansammlung von unverbunden nebeneinander stehenden Sets, in denen die Figuren eine Aufgabe bewältigen müssen: nicht von Zombies gebissen zu werden. Die Motive und Ziele der einzelnen Figuren werden nicht mehr erklärt. Es wird einfach nur behauptet und geballert. Die Dialoge sind oft atemberaubend schlecht. Ich erwarte bei einem B-Picture keine Shakespeare-Dialoge, aber sie sollten und können besser als eine allererste „Ich schreibe das mal auf, damit da etwas steht“-Fassung sein. Die Action spielt sich weitgehend in dunklen Räumen, die manchmal mit einer Taschenlampe spartanisch erleuchtet werden, ab.

Das alles macht „Welcome to Raccoon City“ zu einem Science-Fiction-Zombiefilm, den man getrost ignorieren kann. Trotzdem wird er sein Geld einspielen und uns den nächsten „Resident Evil“-Film bescheren.

Resident Evil: Welcome to Raccoon City (Welcome to Raccoon City, USA/Deutschland/Großbritannien 2021)

Regie: Johannes Roberts

Drehbuch: Johannes Roberts

mit Kaya Scodelario, Hannah John-Kamen, Robbie Amell, Tom Hopper, Avan Jogia, Donal Logue, Neal McDonough

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Moviepilot über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Metacritic über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Rotten Tomatoes über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Wikipedia über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Resident Evil: The Final Chapter“ (Resident Evil: The Final Chapter, USA 2016)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „The other side of the door“ (The other side of the door, USA 2015)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „The Strangers: Opfernacht“ (The Strangers: Prey at Night, USA 2018)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „47 Meters down: Uncaged“ (47 Meters down: Uncaged, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Wuff! „Max“ ist ein toller Army-Hund

Oktober 2, 2015

Fans von Actionfilmen, die auch den Abspann lesen, werden bei „Max“ zwei interessante Namen finden: Boaz Yakin und Sheldon Lettich. Yakin hat „The Rookie“ und „Die Unfassbaren – Now you see me“ geschrieben und, nach seinem Drehbuch, „Safe – Todsicher“ inszeniert, Lettich hat „Bloodsport“ und „Rambo III“ geschrieben und, nach seinem Drehbuch, „Geballte Ladung“ inszeniert. Gut, das sind nicht die unumstrittenen Meisterwerke des Genres, aber sie machen schon neugierig auf „Max“. Yakin inszenierte den Film nach einem gemeinsam mit Lettich geschriebenem Drehbuch, das auf wahren Ereignissen basieren soll. Aber das wird inzwischen ja bei jedem zweiten Film gesagt. Die anderen sind von Marvel.
Jedenfalls ist der titelgebende „Max“ ein Malinois, ein belgischer Schäferhund, der als Militärhund in Afghanistan Sprengstoff suchte. Bei einem Kampfeinsatz stirbt sein Hundeführer Kyle Wincott und damit seine Bezugsperson. Zurück in den USA nimmt Kyles Vater Ray, selbst ein verwundeter Kriegsveteran, den kriegstraumatisierten Hund auf. Denn er sei ein Teil der Familie und die Wincotts würden auf ihre Familie aufpassen. Kyles pubertierender Bruder Justin, der von Max akzeptiert wird, soll sich um Max kümmern. Widerwillig übernimmt Justin die Aufgabe, die dank der schönen Carmen, die viel von Hunden versteht, plötzlich eine höchst attraktive Seite hat.
Als Tyler Harne, Kyles bester Freund und Kampfgefährte, bei den Wincotts auftaucht, wird er vom Familienoberhaupt sofort in die Familie aufgenommen. Nur Max reagiert agressiv. Und natürlich hat er, wie Justin schnell erfährt, den richtigen Riecher.
„Max“ ist ein Jugendfilm, der tief im Revier von „Lassie“ wildert, und ihn mit einer pathetisch konservativen Moral abschmeckt, in der Familie, Militär und Staat ungebrochen hochgehalten werden. Dieser hier auch christlich geprägte Konservatismus aus einer vergangenen Zeit war schon in „American Sniper“ befremdlich. In einem Jugendfilm, auch wenn er einen ethnisch bunt gemischten Cast hat und Ray Wincott kein Rassist ist, wirkt er noch befremdlicher. Er zeigt aber auch, wer heute zur US-Armee geht. Yakin vertieft allerdings die Frage, was dieser Konservatismus mit einer Post-9/11-Militärlaufbahn zu tun hat, nicht. Ebenso umschifft er alle anderen möglichen Tiefen seiner Geschichte zugunsten einer banalen Abenteuergeschichte, die auch gut in einem „Fünf Freunde“-Film aufgehoben wäre.
Wenn man darüber hinwegsehen kann, ist „Max“ ein vorherhsehbarer, aber gut gemeinter, durchaus unterhaltsamer und auch durchaus sympathischer Film für pubertierende Hundeliebhaber, die nicht schon wieder einen „Lassie“-Film sehen wollen.

Max - Plakat

Max (Max, USA 2015)
Regie: Boaz Yakin
Drehbuch: Boaz Yakin, Sheldon Lettich
mit Thomas Haden Church, Josh Wiggins, Luke Kleintank, Lauren Graham, Robbie Amell, Mia Xitlali, Dejon LaQuake, Jay Hernandez, Owen Harn
Länge: 111 Minuten
FSK: ?

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Max“
Moviepilot über „Max“
Metacritic über „Max“
Rotten Tomatoes über „Max“
Wikipedia über „Max“
Meine Besprechung von Boaz Yakins „Safe – Todsicher“ (Safe, USA 2012) (und der DVD)


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