Das Haus der Lady Alquist (USA 1944, R.: George Cukor)
Drehbuch: John Van Druten, Walter Reisch, John L. Balderston
LV: Patrick Hamilton: Gaslight, 1938 (Theaterstück)
Nach dem Umzug leidet Paula Alquist an Wahnvorstellungen. Oder will sie jemand in den Wahnsinn treiben?
Über den bekannt-beliebten Romantikthriller schreibt das Lexikon des internationalen Films zutreffend: „Ein ungebrochen spannender Psychokrimi, angesiedelt im viktorianischen Zeitalter, hervorragend inszeniert und gespielt. Reizvoll vor allem durch die außergewöhnliche Kameraführung.“
Ingrid Bergman erhielt für ihre Leistung den Oscar und den Golden Globe. Für die Ausstattung gab es einen weiteren Oscar. Außerdem war „Das Haus der Lady Alquist“ in allen wichtigen Oscar-Kategorien nominiert: Bester Film, Drehbuch, Kamera, Haupt- und Nebenrolle. Der große Abräumer war in diesem Jahr aber das Musical „Going my way“ (Der Weg zum Glück, R.: Leo McCarey). Erinnert sich noch jemand an diesen Film?
Hamilton schrieb auch die Vorlage zum Hitchcock-Film “Rope – Cocktail für eine Leiche”.
Mit Charles Boyer, Ingrid Bergman, Joseph Cotton, Angela Lansbury (Debüt), Barbara Everest
Auch Vögel können töten (USA 1970, R.: Robert Altman)
Drehbuch: Doran William Cannon, Brian McKay (ungenannt)
Brewster McCloud (so auch der Originaltitel) bastelt seit Ewigkeiten in den Katakomben des Houstoner Sportstadions Astrodome an einem Flugapparat. Denn er hält sich für einen Vogel. Da wird er in einen Reihe von Morden verwickelt und er verliebt sich.
Direkt nach „M. A. S. H.“ drehte Robert Altman diese liebenswerte Spinnerkomödie mit satirischen Anklängen und einem betonten Desinteresse an filmischen Konventionen. In Deutschland wurde der Film erst 1992 von Tele 5 als „Nur fliegen ist schöner“ gezeigt.
„Bewusst verwirrende, surrealistische Satire, formal eher den Cartoons und der französischen ‚Nouvelle Vague‘ als gängigen Filmkonventionen verpflichtet. (…) Frühe, bizarre Regiearbeit von Robert Altman.“ (Lexikon des internationalen Films)
„‚Brewster McCloud‘ ist der Gegenfilm, der die meisten Gegnerschaften in sich vereint, ein Chaos von einem Film, und von vorneherein anarchisch in der Erzählstruktur. (…) Selten hat dieser Filmemacher mehr Ideen und Einfälle gehabt, selten hat er so unbekümmert Erzählhaltungen variiert, von der satirischen Groteske zur fast feierlich vorgetragenen Allegorie, von Metaphern zu konkreten Details. (…) Ein Grundproblem für das Verständnis des Films ergibt sich aus dem Verzicht, die Figuren als Charaktere zu entwickeln; sie werden unmittelbar vom Wechsel der Erzählhaltungen betroffen und erscheinen, ständig in einer Art Metamorphose begriffen, mitunter als Symbol, dann als Allegorie, dann wieder nur als simple Prototypen ihrer Gesellschaft und letztlich als Protagonisten der amorphen Imagination des Regisseurs.“ (Hans Günther Pflaum in Robert Altman, Hanser Reihe Film Band 25, 1981)
mit Bud Cort, Sally Kellerman, William Windom, Shelly Duvall, René Auberjonois, Stacy Keach
In fünf Worten ist „Hustle“ die britische Version von „Ocean’s Eleven“. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Mickey Stone und seine Gang sind auch leidenschaftliche Trickbetrüger und in jeder Folge der BBC-Serie legen sie – mit wechselndem Erfolg – einen arroganten Geldsack herein. Die Serie ist auch sehr stylish. Die Macher spielten bereits vor über sechs Jahren souverän auf der gesamten Klaviatur des Films von überraschenden Plottwists (gerne gekoppelt an Rückblenden) über gelungenen Anspielungen auf andere Filme und einer sehr stilisiert-poppigen Filmsprache hin zu Experimenten, wie eingefrorenen Bildern, in denen die Verbrecher den Betrug erklären. Das unterscheidet sich dann kaum von einem Kinofilm.
Aber „Ocean’s Eleven“ war letztendlich, vor allem im zweiten und dritten Teil, nur noch mäßig amüsantes Starkino der Marke „George Clooney und seine Freund haben Spaß“.
Dagegen wird „Hustle“ von Folge zu Folge besser und die Serie ist realistischer als „Ocean’s Eleven“. Denn die Charaktere der von Kudos produzierten Serie (unter anderem „Life on Mars“ und „Spooks – Im Visier des MI5“) sind keine Cartoon-Figuren. Die Opfer sind reich, aber keine milliardenschweren Casinobesitzer.
Und natürlich, das wichtigste Elemente bei einer Serie, Trickbetrüger Mickey Stone und seine Gang sind ein Ensemble dem man gerne zusieht.
Im „Making of“ erzählt Autor Tony Jordan, dass er die Verbrecherbande wie eine Familie mit Großvater, Vater, Sohn, Onkel und Mutter (die hier auch gleichzeitig die Geliebte ist) aufgebaut habe.
Mickey Stone ist der charismatische Anführer. Jordan erzählt, dass die Rolle zuerst für einen anderen Schauspielertyp vorgesehen war, aber als Adrian Lester den Raum betrat, wussten sie, dass sie ihren Mickey Stone gefunden hatten. Er hat die Lässigkeit eines Mannes, dem die Welt gehört – auch wenn alles nur Schein ist. Er flößt Vertrauen ein – auch wenn er gerade einen Betrug durchzieht. Und, als guter Familienvater, schützt er seine Familie. Er nimmt auch, leicht widerwillig, die Rolle als Lehrer für den Neuzugang Danny Blue an.
Albert Stroller ist die Legende, die Stone alles beibrachte und auch im Rentenalter nicht vom verbrecherischen Leben lassen kann. Er ist der Großvater. Dass Stroller von Robert Vaughn gespielt wird, ist eine der glücklichen Fügungen, die gerade wegen Vaughns Filmographie (Ich sage nur „Solo für O. N. K. E. L.“, „Bullit“ und „Die glorreichen Sieben“.) grandios passt. Er ist nicht nur im Film für die Jüngeren ein Vorbild. Er beherrscht alle Tricks und hat schon mit allen Größen im Geschäft zusammengearbeitet hat. In der Serie natürlich Verbrechergrößen; im Filmgeschäft Stars wie Paul Newmann, Steve McQueen, Jacqueline Bisset, Faye Dunaway, Robert Duvall, Walter Matthau, Peter Falk, Charles Bronson, James Coburn, Yul Brynner, Eli Wallach und Boris Karloff.
Danny Blue ist der Jungspund, der zum Meisterverbrecher werden will, aber noch viele jugendliche Flausen im Kopf hat. Für ihn ist das Verbrecherleben, auch wenn er gerade nach einem missglückten Betrug verprügelt wurde, ein einziger großer Spaß und die Gelegenheit, jeden Tag ein neues Abenteuer zu erleben.
Ash Morgan ist der gute Onkel, der Butler und der Handwerker. Er kann anscheinend auf die altmodische Art jedes System hereinlegen und die richtigen Geräte basteln. Er ist immer da, zuverlässig, gesegnet mit dem Humor und dem Duft des Arbeiters. In der ersten Staffel (von inzwischen insgesamt sechs) ist er der unauffälligste Charakter im Team.
Und Stacie Monroe ist die Mutter der Kompanie. Allerdings ist sie sehr sexy und Danny Blue möchte gerne mit ihr ins Bett steigen. Dummerweise ist sie auch klug und als Danny sie einmal zu einer Partie Strip-Poker überredet, hat sie wundersamerweise immer das bessere Blatt in der Hand.
In der ersten Staffel von „Hustle – Unehrlich währt am längsten“ zeigen sie in sechs kurzweiligen Episoden ihr Können. In der ersten Folge ist ihr Opfer der gierige Geschäftsmann Peter Williams, der regelmäßig auf der Liste der 500 reichsten Engländer steht. Mickey Stone erzählt ihm, getarnt als vertrauenswürdiger Banker, dass sein Unternehmen mit einem Computerprogramm gigantische Gewinne machen könne. Demnächst gebe es wieder die Möglichkeit und gegen eine stattliche Geldsumme könne er mitmachen. Williams ist einverstanden. Dass sie bei dem Coup von der Polizei beobachtet werden, stachelt Stone nur noch mehr an.
In „Der Hollywood-Schwindler“ ködern sie einem brutalen Hotel- und Kasinobesitzer, der ein Fan von klassischen Hollywood-SW-Filmen ist, mit einer Investition an einen sich an eben diesen Filmen orientierendem Filmprojekt.
Sie versuchen einer fanatischen Kunstsammlerin einen gefälschten Mondrian zu verkaufen. Dabei haben sie ihren Plan ohne den Fälscher (Köstlich!) und eine ehrgeizige Journalistin gemacht.
Sie werden von einem kurz vor der Pensionierung stehendem Polizisten, der bis jetzt jeden Trickdieb schnappte (wie Albert Stroller aus eigener leidvoller Erfahrung weiß), zur Mitarbeit erpresst. Denn der Polizist will einen Bankräuber, der bis jetzt bei keinem seiner verwegenen Einbrüche geschnappt wurde, verhaften. Mickey Stone versucht den Polizisten hereinzulegen. Aber wird ihm das gelingen? Und: Kann er, vor den Augen der Polizei, die Bank ausrauben?
Sie wollen von einem Scheidungskrieg profitieren, indem sie die hasserfüllte Ehefrau und ihren Gatten mit einem falschen Bauprojekt hereinlegen.
Und, in der letzten Episode der ersten Staffel, „Die letzte Wette“ spielen sie ihre Version von „Der Clou“ (The Sting) durch, indem sie ihrem Opfer erzählen, dass sie wissen, welches Pferd bei einem Pferderennen gewinnt. Dabei müssen Mickey Stone und seine Gang auch damit kämpfen, dass heute Informationen in Echtzeit verfügbar sind.
Als Bonusmaterial gibt es ein zweiteiliges „Making of“. Im ersten, sehr interessanten Teil erzählen die Macher, wie die Serie entstand und die Schauspieler ausgewählt wurden. Im zweiten Teil gibt es dann die üblichen Lobhuddeleien der Schauspieler.
Die grandiose Serie läuft freitags ungefähr um 22.00 Uhr (halt nach dem Spielfilm) auf ZDFneo. Gezeigt werden, wie auch auf der DVD, die vom BBC erstellte kürzere internationale Fassung.
Hustle – Unehrlich währt am längsten (GB 2004)
Erfinder: Tony Jordan (nach einer Idee von Bharat Nalluri)
mit Adrian Lester (Mickey Stone), Marc Warren (Danny Blue), Robert Glenister (Ash Morgan), Jaime Murray (Stacie Monroe), Robert Vaughn (Albert Stroller)
Die Thomas Crown Affäre (USA 1999, R.: John McTiernan)
Drehbuch: Leslie Dixon, Kurt Wimmer (nach dem Drehbuch von Alan R. Trustman)
Millionär Thomas Crown hat auf den ersten Blick alles. Aber weil ihn sein Leben als reicher Müßiggänger langweilt, organisiert er komplizierte Diebstähle. Die Versicherungsagentin Catherine Banning will ihn überführen. Crown nimmt die Herausforderung an und plant, während er mit ihr tändelt, seinen nächsten Coup.
Das Remake des gleichnamigen Semi-Klassikers mit Steve McQueen und Faye Dunaway ist locker-flockiges, eskapistisches Starkino.
„John McTiernans Version des Steve-McQueen-Klassikers ist der seltene Glücksfall eines Remakes, welches das Original mit kraftvolleren, präziseren Strichen übermalt.“ (Gerhard Midding, tip 19/99)
mit Pierce Brosnan, Rene Russo, Denis Leary, Faye Dunaway, Ben Gazzara, Fritz Weaver
Zack Andersen hasst sein Leben als Bürogehilfe im Rathaus in irgendeinem sich in der amerikanischen Provinz befindendem Kaff. Der Höhepunkt seines Lebens ist ein Quickie mit Amanda von der Buchhaltung während der Weihnachtsfeier. Allerdings ist er als Weihnachtsmann verkleidet und sie hält ihn für jemand anderes.
Zack ist auch jemand anderes. Bevor er ins Zeugenschutzprogramm gesteckt wurde, war er Zack Overkill und er machte seinem Namen alle Ehre. Zusammen mit seinem Bruder hinterließen sie mit ihren Verbrechen und den Kollateralschäden eine Spur der Verwüstung. Jetzt ist Zack mit Drogen ruhiggestellt und er lebt ein Leben, das er früher verachtete.
Als Zack die Pillen absetzt, erwachen seine früheren Kräfte wieder und er setzt sie auf seinen nächtlichen Streifzügen ein. Aber nicht, um Verbrechen zu begehen, sondern um Verbrecher zu bestrafen. Zack wundert sich zwar etwas, dass er jetzt die Arbeit der Polizei übernimmt, aber das verkloppen von Räubern gefällt ihm.
Schnell erfahren seine früheren Freunde von seinen nächtlichen Streifzügen und sie schicken einige Männer los, die den Verräter finden und bestrafen sollen.
Zack Andersen/Overkill ist die neueste Schöpfung des genialen Autors Ed Brubakers und seines ihn kongenial ergänzenden Zeichner Sean Phillips. In ihrer ersten Zusammenarbeit „Sleeper“ ließen sie einen guten Menschen Böses tun, indem sie ihn als Undercover-Agent in ein weltumspannendes Gangsterimperium einschleusten und mit der Zeit gefiel Holden Carver das Leben als Verbrecher immer besser.
„Incognito“ liest sich in weiten Teilen wie die Umkehrung von „Sleeper“. Wieder wird ein Mann gezwungen ein Leben zu führen, das er nicht führen will. Wieder spielt sich dieser Kampf des Helden um seine Unabhängigkeit vor dem Kampf verschiedener Verbrecher- und Regierungsorganisationen ab, die in ihrem Handeln über dem Gesetz stehen. Und wieder hat der Held und einige weitere wichtige Charaktere Superkräfte. Oh, und wieder ist die Geschichte als eine sich abgeschlossene Reihe von Comicheften entworfen.
Aber es gibt in „Incognito“ auch den Blick des kleinen Mannes, der in anderen Superhelden-Comics (wozu auch „Sleeper“ gehört) höchstens als Staffage manchmal das Bild füllt. Es gibt Szenen aus dem Berufsleben, dem Strafvollzug und Gespräche mit Arbeitskollegen über Verschwörungstheorien, die für Zack keine Theorien, sondern Teil seines alten Lebens sind.
In „Incognito“ erzählt Ed Brubaker wieder von einem Mann, der sein Leben leben will. Eine feine Lektüre.
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Ed Brubaker/Sean Phillips: Incognito 1 – Stunde der Wahrheit
(übersetzt von Claudia Fliege)
Panini Comics 2009
164 Seiten
19,95 Euro
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Originalausgabe/enthält
Incognito, Heft 1 – 6
Icon Comics/Marvel Comics, Dezember 2008 – September 2009
Dexter: Verflucht/Einfach loslassen (USA 2007, R.: Tony Goldwyn, Marcos Siega)
Drehbuch: Daniel Cerone, Clyde Phillips
Erfinder: James Manos Jr.
LV: Jeff Lindsay: Darkly Dreaming Dexter, 2004 (Des Todes dunkler Bruder; – für die zweite Staffel dann eher Charakter von Dexter)
Ehrlich gesagt, damit habe ich schon nicht mehr gerechnet: nachdem die erste „Dexter“-Staffel quotenmäßig ein Flop war, hätte ich keine fünf Cent auf weitere „Dexter“-Episoden im frei empfangbaren deutschen TV gewettet. Aber die Jungs von RTL II wagen einen zweiten Versuch, zu einer Uhrzeit die stark nach Resterampe aussieht. Denn die zwölf Episoden der zweiten Staffel werden nach dem Spielfilm versendet und das kann dann schon etwas später werden. Nächsten Sonntag mordet Dexter von 22.55 Uhr bis 01.00 Uhr.
In der zweiten Staffel muss Dexter Morgan (Forensiker bei der Polizei von Miami und Serienkiller mit okayer Opferauswahl) herausfinden, warum an den Stränden von Miami Leichensäcke mit seinen Opfern liegen.
Inspiriert wurde die in den USA sehr erfolgreiche Serie von Jeff Lindays schwarzhumorigen Romanen. „Des Todes dunkler Bruder“ (Darkly Dreaming Dexter, 2004), „Dunkler Dämon“ (Dearly Devoted Dexter, 2005) und „Komm zurück, mein dunkler Bruder“ (Dexter in the Dark, 2007) erschienen bei Knaur und sind natürlich lesenswert. „Dexter by Design“ (2008) ist noch nicht übersetzt.
Mit Michael C. Hall (Dexter Morgan), Julie Benz (Rita Bennett), Jennifer Carpenter (Debra Morgan), David Zayas (Angelo Batista), Lauren Vélez (Lt. Maria LaGuerta), James Remar (Harry Morgan), Erik King (Sgt. James Doakes), C. S. Lee (Vince Masuka), Jaime Murray (Lila Tourney)
Drehbuch: Larry Marcus, Billy Wilder, Harry Kurnitz
LV: Agatha Christie: The Witness for the Prosecution, 1933 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in „The Hound Of Death And Other Stories”, Zeugin der Anklage)
Hat Leonard Vole eine reiche Witwe erschlagen? Für Staranwalt Sir Wilfried hängt alles von der Aussage von Voles Frau Christine ab.
Prototyp aller Gerichtsfilme und immer noch weitaus spannender als die jüngeren Gerichtsthriller (obwohl die Pointe bekannt sein dürfte), mit – in glänzender Spiellaune – Marlene Dietrich, Charles Laughton, Tyrone Power.
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. „Die zwölf Geschworenen“ gewann ihn.
Bei den Alligatorpapieren sind die, wie immer von Alligator-Alfred wunderschön bebilderten, TV-Krimi-Buch-Tipps online. Ansehen!
Und was gibt’s die nächsten Tage im TV?
Also,
der Auftakt zwischen einem „Tod auf dem Nil“ und dem „Lawinenexpress“ lässt uns alle Wetterextreme von der heimischen Couch miterleben. Danach gibt’s Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“ (in einem wohltemperiertem Gerichtssaal), Jacques Derays Derek-Raymond-Verfilmung „Mörderischer Engel“, Jean Renoirs Emile-Zola-Verfilmung „Bestie Mensch“, Claude Pinoteaus Francis-Ryk-Verfilmung „Ich – Die Nummer eins“, Lynda La Plantes „Heißer Verdacht“ und „Der Preis des Verbrechens“, Jean-Luc Godards „Peter Cheney“-Verfilmung „Alphaville“ (in der ungekürzten Fassung), Phillip Noyces Graham-Greene-Verfilmung „Der stille Amerikaner“, Alfred Hitchcocks Francis-Iles-Verfilmung „Verdacht“ und seine Ethal-Lina-White-Verfilmung „Eine Dame verschwindet“ und, als TV-Premiere, die Jack-Ketchum-Verfilmung „Blutrot“.
(…) Bob Parker, was my father. He hated to be referred to as „my dad“. He was my father. „My dad“ always struck him (and me) as half-assed, slangy, casual–not befitting the grandeur of the office. He was very serious about being a father and believed it to be a great and marvelous undertaking. Oh, I called him „Dad“ when we were together but when I spoke of him it was always as „my father“.
We all know of his passion for social justice, civil rights and noblesse oblige, and because these traits are enshrined in his work, it’s easy to take them for granted. But we’ve only to remember how hard-won they were. In building his character, he had to reject the narrow-minded and bigoted conservatism of his parents and his parochial upbringing. A larger life beckoned him. He dared to eat the peach. He rode away from his mundane origins on a kind of daft confidence that allowed him to transform himself as needed but without losing his center. In contrast, I didn’t have to reject his values to build my character. I wanted to be like him. (…)
Lesenswert.
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Bei „The Hollywood Interview“ gibt es
– zwei Interviews mit William Friedkin (French Connection, Exorzist, Leben und Sterben in L. A.). Eines von 1997 anläßlich seines Remakes von „Die zwölf Geschworenen“; eines von 2007 anläßlich der DVD-Ausgabe von „Cruising“ (ein Polizeifilm mit Al Pacino)
– eines mit Anthony Hopkins (vor allem über Hannibal Lector und „Red Dragon“)
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Spiegel Online unterhält sich mit Ulli Lommel vor allem über seine Zeit mit Rainer Werner Fassbinder und Andy Warhol, aber kaum über die vielen von ihm gedrehten (Horror-)Filme, wie „Die Zärtlichkeit der Wölfe“, „The Boogeyman“ und die vielen Direct-to-Video(DVD?)-Filme der vergangenen zehn Jahre.
Manhattan Murder Mystery (USA 1992, R.: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman
Als eine Nachbarin in ihrem noblen New Yorker Mietshaus überraschend stirbt, glaubt Carol Lipton (Diane Keaton), dass sie ermordet wurde und sie beginnt, mit einem befreundeten Krimiautor, den Mörder zu suchen. Ihr Mann Larry (Woody Allen) ist davon überhaupt nicht begeistert.
Eine Krimikomödie von Woody Allen, bei der sich für die die Wortgefechte vom „Dünnen Mann“ inspirieren ließ und auch sonst lustvoll im Fundes des klassischen Hollywood-Krimis wühlte. Cineasten können also einiges entdecken.
„So unverhohlen publikumsfreundlich war Woody Allen lange nicht mehr.“ (Fischer Film Almanach 1995)
Sein nächster Film war „Bullets over Broadway“.
mit Woody Allen, Diane Keaton, Anjelica Huston, Alan Alda, Jerry Adler, Ron Rifkin, Zach Braff (sein erster Spielfilm), Frank Pellegrino (dito, später war er bei den „Sopranos“)
Bad Lieutenant (Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans, USA 2009)
Regie: Werner Herzog
Drehbuch: William Finkelstein (nach dem Drehbuch von Victor Argo, Paul Calderon, Zoë Lund und Abel Ferrara)
Werner Herzogs Comeback. Jedenfalls in Deutschland. Denn hier verschwand er nach seinen großen Erfolgen in den Siebzigern (Aguirre, der Zorn Gottes; Jeder für sich und Gott gegen alle; Herz aus Glas; Stroszek; Nosferatu; Woyzek) und frühen Achtzigern (Fitzcarraldo; Wo die grünen Ameisen träumen; Cobra Verde [sein Abschied vom Kino]) von der Bildfläche und man hörte nur noch, dass er jetzt vor allem Dokumentarfilme mache. Einige liefen auch auf den üblichen weltabgewandten Plätzen im TV.
Aber in den USA wurde er zu dem Mann. Einem der wenigen Deutschen, die auch in Hollywood anerkannt sind und er wurde sogar in die Parodie „If Filmmakers directed the Super Bowl“ aufgenommen. Neben den Dokus drehte er auch einige Spielfilme, die bei uns – falls überhaupt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen.
Doch jetzt, mit dem Remake eines Genrefilms und mit der Präsidentschaft der Berlinale-Jury (was auch zu vielen Interviews führte [es half sicher, dass die Interviews auf Deutsch geführt werden konnten und er auch seinen neuen Film irgendwie promotete]) kehrt er zurück in die deutschen Kinosäle.
Die Story, für alle die Abel Ferraras grandiosen „Bad Lieutenant“ (mit Harvey Keitel) nicht kennen: Nach dem Hurrikan Katrina muss ein drogensüchtiger Cop den Mord an einer schwarzen Familie aufklären.
Mit Nicholas Cage, Val Kilmer, Eva Mendes, Xzibit, Vondie Curtis Hall, Brad Dourif
LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)
Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?
Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.
Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas
Es hat einige Tage gedauert, aber weil ich zu den altmodischen Menschen gehöre, die ihre Jahrescharts nicht als Verkaufsempfehlung für das Weihnachtsgeschäft im Oktober/November erstellen, sondern erst nach dem Weihnachtstrubel und Alfred mal wieder einen verdammt guten Job bei der Suche nach den richtigen Bildern gemacht hat, sind meine „Tops und Flops 2009“ erst jetzt in der Spurensuche.
Dafür kann ich jetzt sagen, dass ich einige potentielle Preisträger dabei habe.
Die Liste taugt natürlich auch als Einkaufsliste für Ostern.
Noch bevor ich meine erste Frage stellen kann, erzählt Jonas T. Bengtsson mir in der Lobby des Grand Hotel Esplanade von der vor wenigen Stunden erfolgten Premiere von „Submarino“ auf der Berlinale im Wettbewerb.
Der Roman „Submarino“
In dem Noir „Submarino“ erzählt Bengtsson von zwei jungen Männern, die nach ihrer Adoption zu Brüdern erklärt wurden. Ihre Jugend verbrachten sie in Pflegeheimen und -familien. Jetzt ist der eine ein Junkie, der versucht seinem Sohn ein normales Leben zu geben. Dafür wird er zum Drogenhändler. Der andere verbringt seine Zeit, nach einer Haftstrafe, in einem Fitness-Studio, übernimmt Prügeljobs und begeht kleinere Verbrechen. Eines Tages fällt ihm ein Obdachloser auf, den er von früher als den Bruder seiner großen Liebe kennt. Er will ihm helfen.
Als Bengtsson mit dem Schreiben von „Submarino“ begann, wusste er nicht, wie die Geschichte endet. Er begann mit einigen Charakteren und Themen.
Doch schon schnell entwarf er die Struktur des Romans und damit auch das Ende. In der ersten Hälfte „Ivan“ steht Nick und sein Versuch dem Obdachlosen Ivan zu helfen, im Mittelpunkt. In der zweiten, längeren Hälfte, „Martin“, erzählt er die Geschichte von Nicks Bruder und seinem Sohn Martin.
„Ich wollte zwei nur lose miteinander verknüpfte Geschichten erzählen. Sie sollten sich aber beeinflussen“, erklärt Bengtsson. „Sie sind verbunden durch das schlimme Ereignis in ihrer Kindheit und die Themen Vaterschaft und Liebe. Ich erzähle eine griechische Trägodie im heutigen Kopenhagen.“
Für beide Brüder ist die Vergangenheit sehr lebendig und sie unterbricht immer wieder den Fluss der Erzählung, ohne dass „Submarino“ zu einem sich aus bedeutungslosen Splittern zusammensetzendem Werk wird. In ihrem Leben gibt es zwischen der Gegenwart und den Traumata der Vergangenheit keinen Bruch. Das liegt weniger daran, dass für sie die Vergangenheit noch lebendig ist, sondern mehr daran, dass sie kein Ziel habe. Ihr Leben ist statisch.
Sie haben vielleicht, wie Nick, viele Bekannte, aber keine Freunde. Bengtsson erzählt von Menschen, denen wir täglich in der Großstadt auf der Straße oder in der U-Bahn begegnen, die aber nicht am normalen gesellschaftlichen Leben teilnehmen wollen: „Es sind Menschen, die am Rand unseres Bewusstseins leben.“
Insofern könne „Submarino“, so Bengtsson, auch in einer anderen nordeuropäischen Großstadt spielen. Aber in Marokko würde die Geschichte der beiden Brüder nicht funktionieren, weil sie dann mit vollkommen anderen Problemen zu kämpfen hätten. Dort müssten sie um ihr überleben kämpfen, aber in Kopenhagen (wo „Submarino“ spielt) gäbe es ein soziales Netz mit Übergangswohnheimen und Familienbetreuern. Die beiden Brüder haben ihr Leben als Verbrecher und Süchtige selbst gewählt. Aber sie versuchen, aus dem Leben auszubrechen. Denn, so Bengtsson: „Niemand ist eine Insel.“
Allerdings haben sie in ihrer hoffnungslos verkorksten Erziehung kein Instrumentarium zum Bewältigen von Problemen erlernt. Daher enden all ihre Bemühungen unglücklich.
Sie versuchen das Beste zu tun. Aber es führt sie, auf verschiedenen Wegen, ins Gefängnis. Dabei haben sie durchaus edle Motive. Der eine will einem Freund helfen, der als Penner auf der Straße lebt. Der andere will seinem Sohn ein besseres Leben ermöglichen. Dafür wird der Junkie zum Drogenhändler.
In „Submarino“ zeichnet Bengtsson einen Zirkel von Gewalt und Hoffnungslosigkeit, der durch den Titel und die Erklärung des Titels noch verstärkt wird. „Submarino“ (U-Boot) ist eine in Chile während der Pinochet-Diktatur angewandte Foltermethode, bei der der Kopf einer Person bis zur Erstickungsgrenze unter Wasser gedrückt wird. In den vergangenen Jahren erlangte das sehr ähnliche „Waterboarding“ wieder traurige Berühmtheit.
Weil die Geschichten der Brüder schlecht ausgehen, zeigt Bengtsson in „Submarino“ einen fast schon deterministischen, sich von Generation zu Generation fortpflanzenden Zyklus von Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Diese fatalistische Lesart gefällt Bengtsson nicht.
Denn, so Bengtsson: „Ich wollte nicht generalisieren. Der Roman ist keine Aussage über die Welt. Ich war an den beiden Brüdern und ihrem individuellem Kampf interessiert. Denn in ‚Submarino‘ gibt niemand auf.“
Sie sind am Anfang isoliert und versuchen wieder ein Teil der Gesellschaft zu werden. So will Nick das Richtige tun, aber das Ergebnis ist fatal und sogar die von ihm gewünschte Buße wird ihm vom Staat verwehrt.
„Ich wollte, dass es etwas anonym und zeitlos ist“ erklärt Bengtsson die auf den ersten Blick vorhandene Austauschbarkeit der Orte. Denn Straßen, Fitnessstudios und MacDonalds gibt es in jeder größeren Stadt. „Dennoch sind die Orte für mich und meine Freunde gut erkennbar.“
Das Schreiben als alleinerziehender Vater
Am liebsten würde er nachts schreiben. Aber mit einem vierjährigem Sohn gehe das nicht, erklärt der alleinerziehende Vater. Nachdem er seinen Sohn ins Bett gebracht habe, müsse erst einmal ein, zwei Stunden ausspannen und wenn er danach mit dem Schreiben begönne, wäre er am nächsten Tag zu müde.
Deshalb schreibt er seinen dritten Roman vor allem tagsüber. Er ist strukturell an ein Märchen (vor allem aus dem slavischen und deutschen Sprachraum) angelehnt, wird umfangreicher als „Submarino“ sein und soll in Dänemark gegen Jahresende erscheinen.
Viel Zeit verwende er wieder auf die Struktur. Die Geschichte als eine Abfolge von Plottwists, Wendepunkten, Set-ups und Pay-offs, interessiert ihn weniger. Das wirke auf ihn beim Lesen von Romanen oft zu mechanisch und zu sophisticated. Er versuche dagegen möglichst natürlich zu erzählen.
Für Bengtsson ist ein Kind der beste reality check den es gibt. Im Moment liebt sein Sohn Superhelden und Bengtsson bekennt freimütig: „Ich könnte wahrscheinlich mehr über Superhelden als über meine Bücher reden.“
Und wir unterhalten uns dann einige Minuten über Superman, Spiderman und Batman, der Bengtsson immer besser als die braveren Superhelden gefallen hat. Entsprechend gut gefällt ihm auch Frank Millers Reinterpretation von Batman und – Bengtsson ist ein großer Robert-Downey-jr.-Fan – Iron-Man.
„‚Der Pate“ und „25 Stunden‘ waren gute Romanverfilmungen“, sagt Bengtsson. David Benioffs gleichnamiger Roman habe ihm auch gefallen. Dessen zweiter Roman „Stadt der Diebe“ erinnerte ihn dann zu sehr an eine Vorlage für ein Hollywood-Drehbuch. Er ist ein Freund von kürzeren Romanen, gerne unter zweihundert Seiten, und der Kurzgeschichten von Heinrich Böll.
Die Verfilmung von „Submarino“
„Thomas Vinterberg war an den Charakteren und den Themen von ‚Submarino‘ interessiert. Ich hatte das starke Gefühl, dass er wirklich an dem Buch interessiert war“, sagt Bengtsson. Vinterberg ist bei uns als Mitbegründer der „Dogma“-Bewegung bekannt. Zusammen mit anderen Filmemachern, wie Lars von Trier, stellten sie Mitte der Neunziger ein Reinheitsgebot für Filme auf, gegen das sie dann mehr oder weniger bewusst verstießen. Vinterberg drehte den auch kommerziell erfolgreichen „Dogma“-Film „Das Fest“, „It’s all about Love“ und „Dear Wendy“.
Bengtssons erster positiver Eindruck bestätigte sich. Er war für den Autor einer Vorlage ungewöhnlich stark in die Produktion involviert. Er zeigte Vinterberg die Schauplätze von seinem Roman. Er las mehrere Drehbuchfassungen und er war auch öfters bei den Dreharbeiten.
„Wenn die Dreharbeiten nicht im Januar gewesen wären, wäre ich wahrscheinlich jeden Tag am Set gewesen“, bekennt er freimütig und auch der so entstandene Film gefällt ihm sehr gut.
Die Premiere von „Submarino“ war wenige Stunden vor unserem Gespräch auf der Berlinale im Wettbewerb läuft. „Die Leute waren während der Vorstellung ganz still.“ Danach wurde gefeiert.
Die ersten Kritiken für das düstere Drama fallen positiv aus. „Submarino“ wird frühestens im Herbst in den deutschen Kinos laufen. Ein Starttermin steht noch nicht fest.
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Jonas T. Bengtsson: Submarino
(übersetzt von Günther Frauenlob)
Tropen Verlag, 2009
384 Seiten
19,90 Euro
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Originalausgabe
Submarino
People’s Press, Kopenhagen 2007
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Verfilmung
Submarino (Dänemark 2010)
Regie: Thomas Vinterberg
Drehbuch: Tobias Lindholm, Thomas Vinterberg
mit Jakob Cedergren, Peter Plaugborg, Patricia Schumann, Marten Rose, Gustav Fischer Kjærulff
The Minus Man – Der nette Mörder von nebenan (USA 1999, R.: Hampton Fancher)
Drehbuch: Hampton Fancher
LV: Lew McCreary: The Minus Man, 1991 (Der Schrecken des letzten Lächelns; The Minus Man)
Der neue Nachbar Vann hat ein Geheimnis. Er ist ein Serienkiller. Als er sich in Ferrin verliebt, hat er die Chance auf ein neues Leben – oder sein nächstes Opfer.
Langsam erzähltes Regiedebüt von Blade-Runner-Drehbuchautor Hampton Fancher mit einem überraschendem Ende.
„Aus dem Widerspruch zwischen Kleinstadtidylle und dem leisen Grauen zieht der Film seine Spannung. Der Serienkiller ist nun auch im letzten heimeligen Ort angekommen.“ (Martin Schwarz, Zitty 20/2000)
Mit Owen Wilson, Brian Cox, Mercedes Ruehl, Janeane Garofalo, Dwight Yoakam, Dennis Haysbert, Sheryl Crow, Lew McCreary (Cameo als Mann Wendy’s Place Diner)