DVD-Kritik: „Priest of Evil – Satans dunkle Wege“ führen auch in das heimische Wohnzimmer und nirgends ist ein gottesfürchtiger Priester, der das schlimmste verhindert

Es hilft wirklich, vor dem „Genuss“ des Films die offizielle Inhaltsangabe zu lesen. Die verrät zwar fast den gesamten Thriller, aber so ist man beim Sehen von „Priest of Evil – Satans dunkle Wege“ nicht ganz so verloren in dem Chaos verschiedener Handlungsstränge, die sich erst langsam entwirren. Dabei verwechseln die Macher Komplexität und Rätsel einfach nur mit Schlamperei beim Konstruieren der Geschichte.

Denn diese ist letztendlich ziemlich einfach: da gibt es einmal einen durchgeknallten, religiösen Mörder. Als er eines seiner Opfer vor die U-Bahn schubst, beginnt Kommissar Timo Harjunpää zu ermitteln. Er ist – klar – ein Superbulle, der allerdings seit zwei Jahren kaum noch arbeitsfähig ist, weil ein Jugendlicher seine Tochter nach einem Discobesuch ermordete. Als der Täter jetzt entlassen wird, will Harjunpää irgendwie seine Tochter rächen. Der Handlungsstrang endet aber ziemlich schnell im Nirgendwo. Seine Frau hat einen eher milden religiösen Rappel und macht ihn immer noch für den Tod ihrer Tochter verantwortlich. Immerhin ist ihre zweite Tochter normal.

Und – Überraschung! – der U-Bahn-Mörder, der gleichzeitig ein Serienmörder mit einer Mission ist, nähert sich Harjunpääs Frau.

So weit, so konventionell. Aber Drehbuchautor Leo Viirret rückt diese Informationen nur bruchstückhaft heraus und überlässt uns so lange die Denkarbeit, bis wir uns nicht mehr darüber freuen, dass wir einige Sachen herausgefunden haben, ohne dass die Charaktere sie ausgesprochen haben oder sie uns gezeigt werden, sondern dass wir uns darüber ärgern, dass der Autor seine Arbeit, nämlich eine Geschichte zu schreiben, bei der wir mit den Charakteren, weil wir ihre Motive verstehen, mitfiebern, nicht getan hat. Die Charaktere sind uns nämlich alle herzlich egal.

Regisseur Olli Saarela inszenierte das dann zwar optisch ansprechend wie einen überlangen Videoclip, aber ohne Gespür für Dramaturgie an austauschbaren Orten. Sowieso könnte die Geschichte genausogut in irgendeiner anderen Großstadt spielen. Die Schauspieler, vor allem die Polizisten, sehen wie eine Abteilung der Hells Angels aus. Die halbe Zeit benehmen sie sich auch so.

Immerhin ist der vermurkste Film schnell vergessen.

Priest of Evil - DVD-Cover

Priest of Evil – Satans Dunkle Wege (Harjunpää ja pahan pappi, Finnland 2010)

Regie: Olli Saarela

Drehbuch: Leo Viirret

LV: Matti Yrjänä Joensuu: Harjunpää ja pahan pappi, 2003 (Das Taubenritual)

mit Peter Franzén, Irina Björklund, Sampo Sarkola, Rosa Salomaa, Tommi Korpela, Ville Virtanen, Jenni Banerjee, Maria Järvenhelmi

DVD

Ascot-Elite

Bild: 2,35:1 (16:) PAL)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Finnisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Priest of Evil“

Wikipedia über Matti Yrjänä Joensuu (englisch, finnisch) und über „Priest of Evil“

Krimi-Couch über Matti Yrjänä Joensuu

 

 

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