DVD-Kritik: Daniel Radcliffe macht „Guns Akimbo“

Miles ist Spieleentwickler in einem dieser trendigen Start-Ups, in denen alle Mitarbeiter in einem lichtdurchfluteten Großraumbüro sitzen, und er ist der Fußabtretter für jeden, dem er begegnet. Daniel Ratcliffe, der als Harry Potter bekannt wurde und danach unter anderem in „Swiss Army Man“ eine furzende Leiche spielte, spielt diesen netten, sanften, körperliche Gewalt ablehnenden Miles, der während des Films von jedem körperlich bedrängt, geschlagen oder auf irgendeine andere Art körperlich malträtiert wird.

Als er eines Abends in seiner studentisch versifften Bude im Darknet auf das Spiel „Skizm“ stößt, äußert er sich in seinen Kommentaren despektierlich über das brutale Menschenjagdspiel. Das nächste, was er weiß, ist, dass eine Gruppe Männer, die auch in einem „Mad Max“-Film nicht negativ auffallen würden, sein Apartment stürmt, ihn zusammenschlägt und betäubt. Als er wieder wach wird, sind an seine Hände zwei Pistolen getackert. In jeder Pistole steckt ein Magazin mit fünfzig Schuss. Und er ist jetzt ein unfreiwilliger Teilnehmer an „Skizm“. Seine Gegnerin in dem Kampf ohne Regeln auf Leben und Tod ist Nix. Sie ist jung, gutaussehend, absolut gewaltgeil und bislang unbesiegt.

Kaum hat Miles das alles verarbeitet, stürmt Nix auch schon, wild um sich schießend, in sein Apartment. Durch reines Idiotenglück kann Miles entkommen. Jedenfalls vorläufig.

Guns Akimbo“ ist wahrlich kein Film für Arthaus-Fans und sanfte Gemüter, sondern eine dumm-blutige Gewaltorgie, die perfekt für das jährliche Fantasy Film Fest oder Mitternachtsvorstellungen vor einem jungen Publikum ist. Die Geschichte ist vollkommen abstrus und scheitert schon vor dem ersten Plausibilitätstest grandios. Die Brutalität ist vor allem sinnfrei. Der ab und an aufspritzende Humor grob. Eine gesellschaftliche Botschaft oder Aussage über die Welt wird noch nicht einmal im Ansatz versucht. Dafür müsste der Actionfilm eine Haltung und einen Bezug zur Gegenwart entwickeln. Beides interessiert die Macher nicht. Insofern ist „Guns Akimbo“ keine Satire, sondern nur ein gut aussehender Gewaltporno mit Zitaten und einigen Witzen, die vor allem aus der absurden Situation, in die Miles gegen seinen Willen hineingestoßen wurde, entstehen. Und Gewalt, um nicht zu sagen überbordende und exzessive Gewalt ist hier das gewählte Stilmittel.

Regisseur Jason Lei Howden („Deathgasm“) schnitt „Guns Akimbo“ im hektischen Stil von „Crank“ und, ebenfalls von Mark Neveldine und Brian Taylor, „Gamer“. In dem Actionfilm geht es, wie schon in vielen, ungleich gelungeneren Vorgängern, ebenfalls um eine tödliche Menschenjagd, die vor einem sensations- und gewaltlüsternem Millionenpublikum stattfindet.

Die sich nicht sonderlich ernst nehmende, unbeschwerst sinnfreie Gewaltorgie „Guns Akimbo“ ist in erster Linie der Film für den nächsten biergetränkten gemeinsamen Jungs-Filmabend. Gerne in dem kleinen Kino um die Ecke, das „Crank“ nicht mehr zeigen will.

Das Bonusmaterial besteht aus einem elfminütigem Featurette, in dem Radcliffe in einer Drehpause über seine Motive für die Zusage zum Film (die absurde Geschichte), die Dreharbeiten, den Regisseur und seine Schauspielkollegen (natürlich alle super in einem Superfilm eines visuell visionären und unglaublich netten Regisseurs) redet. Dazu gibt es einige Ausschnitte aus dem Film und Behind-the-Scenes-Aufnahmen.

Guns Akimbo (Guns Akimbo, USA/Deutschland/Neuseeland 2019)

Regie: Jason Lei Howden

Drehbuch: Jason Lei Howden

mit Daniel Radcliffe, Samara Weaving, Natasha Lu Bordizzo, Ned Dennehy

DVD

Leonine

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Featurette, Trailer

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Guns Akimbo“

Moviepilot über „Guns Akimbo“

Metacritic über „Guns Akimbo“

Rotten Tomatoes über „Guns Akimbo“

Wikipedia über „Guns Akimbo“ (deutsch, englisch)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: