„Fürchte die Schatten“, Cyrus Haven, denn Michael Robotham schickt dich in ein neues Abenteuer

Cyrus Haven, Psychologe und polizeilicher Berater, will herausfinden, vor wem Evie Cormac sich versteckt. Die Minderjährige lebt inzwischen in Langford Hall, einem sicheren Kinderheim, was eine Umschreibung für Geschlossene Anstalt für Kinder und Jugendliche ist. Vor sieben Jahren wurde sie von der Polizistin Sacha Hopewell in London in einem Haus in einer Geheimkammer entdeckt. Sieben Jahre später ist ihr richtiger Namen immer noch ist unbekannt. Auch über ihre Herkunft weiß man nichts. Man weiß noch nicht einmal, ob sie eine Engländerin oder eine Ausländerin ist. Niemand vermisst sie. Und sie schweigt eisern über ihre Vergangenheit.

Als ein pensionierter Polizist ermordet aufgefunden wird, hat Cyrus einen ersten handfesten Ermittlungsansatz. Denn der tote Polizist hatte einen seiner alten Fälle, in dem es um einen geständigen, inzwischen im Gefängnis getöteten Pädophilen und mehrfachen Kindermörder geht, wieder aufgerollt. Dabei entdeckte er eine bislang unbekannte Verbindung zwischen dem Kindermörder, der möglicherweise die Taten, die er gestanden hat, nicht begangen hat, und Evie Cormac. Es könnte also sein, dass der wahre Täter noch frei ist und von einflussreichen Menschen geschützt wird.

Das ist die Prämisse von Michael Robothams zweitem Cyrus-Haven-Roman. Sein erster Cyrus-Haven-Roman „Schweige still“ (Good Girl, Bad Girl) wurde im November mit dem Gold Dagger ausgezeichnet.

Fürchte die Schatten“ schließt an den ersten Band an. Und, auch wenn der gestandene Krimileser schnell einen großen Teil, um nicht zu sagen die gesamte Handlung vorhersagen kann, könnte „Fürchte die Schatten“ ein vergnüglicher Thriller sein, in dem ein Psychologe und seine Freunde gegen einen scheinbar übermächtigen Pädo-Ring, der über Leichen geht, kämpfen.

Dazwischen könnte Robotham einige Informationen über wahre Fälle, die ihm sicher als Inspiration dienten, einstreuen und so die Geschichte realistischer wirken lassen. In Großbritannien gab es einige Vorfälle mit bekannten Persönlichkeiten, wie dem BBC-Moderator Jimmy Savile, über die vor allem die dortigen Medien ausführlich berichteten. Robotham könnte auch den Fall Jeffrey Epstein, der für weltweites Aufsehen sorgte, erwähnen.

Aber der Psychothriller ist, auch sprachlich, eine ziemlich dröge Angelegenheit. Robotham bedient sich beim Erzählen der Geschichte zweier Ich-Erzähler, Cyrus Haven und Evie Cormac, die von ihrer Sprache nicht zu unterscheiden sind. Er erzählt parallel von Havens Ermittlungen und seinem Leben (Wollen wir das wirklich wissen? Muss heute jeder Held eine ach so interessante Biographie und seltsame Schrullen haben? So hat der 31-jährige Single Haven kein Smartphone, sondern benutzt einen Pager und Telefonzellen, die in Großbritannien anscheinend immer noch an jeder Ecke stehen.) und von Evies Leben und, nachdem in Langford Hall ein Mordanschlag auf sie verübt wird, ihrer Flucht quer durch England. In Rückblenden erzählt Evie auch von ihrer Kindheit und ihrem damaligem Beschützer.

Am Ende des Thrillers gibt es genügend lose Enden für einen weiteren Roman mit Cyrus Haven, Evie Cormac (die jede Lüge sofort erkennt) und ihren Freunden, wozu dann auch Havens Freundin Sacha Hopewell, die ihm ein Mobiltelefon schenkt, gehört.

Wahrscheinlich werden sie dieses Abenteuer ohne mich erleben.

Michael Robotham: Fürchte die Schatten

(übersetzt von Kristian Lutze)

Goldmann, 2020

480 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

When she was good

Sphere (Little, Brown Book Group, London), 2020

Hinweise

Homepage von Michael Robotham

Deutsche Homepage von Michael Robotham

Wikipedia über Michael Robotham (deutsch, englisch)

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