DVD-Kritik: „Oeconomia“ oder Woher kommt das Geld?

Manche jammern, sie seien knietief im Dispo. Andere fragen sich, warum am Ende des Geldes noch soviel Monat übrig sei und Carmen Losmann („Work Hard – Play Hard“) fragt sich, woher das Geld kommt. Denn die Zeiten, in denen das Papiergeld durch Gold gedeckt ist, sind lange vorbei. In Diskussionen wird nicht mehr darauf hingewiesen, dass der Staat jederzeit in unbegrenzter Menge Geld drucken könne. Trotzdem steigt auf dem Papier die Geldmenge.

Auf der Suche nach einer Antwort, fragte Losmann die Menschen, die es eigentlich wissen müssten: Volkswirte, Vermögensverwalter, Finanzvorstände und Banker. Dabei hat ihre naive „Wo kommt das Geld her?“-Frage enthüllendes Potential. Sie klingt wie eine Frage aus der „Die Sendung mit der Maus“, die dort, selbstverständlich didaktisch fein aufbereitet, schlüssig beantwortet wird. Die vonLosmann befragten Männer sind allerdings keine Didaktiker, sondern studierte Betriebs- und Volkswirte, die wahrscheinlich zum ersten Mal nach den Grundlagen ihres Fachs gefragt werden und sich mit den naiven Nachfragen beschäftigen müssen. Dabei wird zuerst die Kluft zwischen Betriebs- und Volkswirten offensichtlich. Die Betriebswirte, die sich nur um die Geldflüsse in einem Unternehmen kümmern, verstehen die Frage offensichtlich nicht. Für sie ist Geld einfach da. Mit ihm werden die Produkte, die sie herstellen, bezahlt. Wenn ihre Bilanzsumme steigt, bieten sie offensichtlich ein Produkt an, das viele Menschen kaufen wollen. Auch wenn es ein Kauf auf Kredit ist.

Die Volkswirte können die Frage besser beantworten. Sie können die Geldschöpfung erklären. In ihrer einfachsten Form geht es so, dass eine Bank mir für mein Versprechen, ihr später mehr Geld (oder etwas vergleichbares) zu geben, einen Kredit gibt. Den schreibt sie in ihre Bücher und sie erzeugt damit Geld. „Die Bank braucht kein Geld, um einen Kredit zu vergeben. Sie produziert Geld dadurch, dass sie einen Kredit vergibt“, sagt der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer.

Die Experten können allerdings nicht erklären, warum diese Methode sinnvoll ist und welche Folgen sie hat. Sie können zwar manchmal erklären, welche ökonomischen Folgen das hat. Für die sozialen und politischen Folgen sind sie, wie der Dokumentarfilm „Oeconomia“, weitgehend blind.

Abgesehen von dem Spaß-Faktor, der zeigt, wie überheblich einige dieser Fachleute sind und wie leicht sie durch eine kindliche Frage aus dem Konzept gebracht werden können, ist das Erklären der Grundlagen unseres Wirtschaftssystems ausführlicher als nötig.

Hier hätten einige Wissenschaftler und Fachjournalisten analytisch mehr gebracht.

Ergänzt wird ihre Tour durch die Welt der Banken durch eine sechköpfige Gruppe, die in einer Fußgängerzone Monopoly mit geänderten Regeln spielt und über die Folgen der geänderten Regeln, die zeigen sollen, wie die Wirtschaft funktioniert, diskutieren. Dabei kommen sie zur Erkenntnis, dass das aktuelle System ein konstantes Wachstum und eine damit verbundene Verschuldung braucht. Das funktioniert allerdings nur solange, wie alle mitmachen.

Am Ende des Films sagt eine Spielerin (und eine der beiden Frauen des Films), es müsse über Alternativen nachgedacht werden. Das ist dann die Aufgabe eines anderen Films. In „Oeconomia“ geht es nur um die Analyse des Systems.

Oeconomia (Deutschland 2020)

Regie: Carmen Losmann

Drehbuch: Carmen Losmann

mit Samirah Kenawi, Jean-Marc Decressonnière, Thomas Mayer, Peter Praet, Armin Schlenk, Joachim Fels, Mathias Rusterholz, Nicolas Peter, Michael Heise, Andrew Bosomworth, Dag Schulze, Marc Sierszen, Lino Zeddies, Stefan Krause, Elsa Egerer

DVD

good!Movies

Bild: 1,85:1 in 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch/Englisch

Bonusmaterial: Audiodeskription, Untertitel für Hörgeschädigte, Trailer

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Auch als VoD erhältlich.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Oeconomia“

Moviepilot über „Oeconomia“

 

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