TV-Tipp für den 24. Mai: Kagemusha – Der Schatten des Kriegers

Arte, 20.15

Kagemusha – Der Schatten des Kriegers (Kagemusha, Japan 1980)

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa, Masato Ide

Japan, 1572: Der erfolgreiche und gefürchtete Kriegsherr Fürst Shingen Takeda (Tatsuya Nakadai) wird in einer Schlacht durch einen Schuss tödlich verletzt. Vor seinem Tod verfügt er, dass ein namenloser Dieb (ebenfalls Tatsuya Nakadai) für die nächsten drei Jahre seinen Platz einnehmen soll. Der Dieb übernimmt die Rolle als ‚Kagemusha‘ (Schattenkrieger). Er muss, unterstützt von einigen Vertrauten des Fürsten, Freund und Feind täuschen.

Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigtes Quasi-Spätwerk von Akira Kurosawa. Bis zu seinem Tod am 6. September 1998 drehte der am 23. März 1910 geborene Kurosawa noch vier hochgelobte Filme. Aber als „Kagemusha“ Film in Cannes gezeigt wurde und dort die Goldene Palme erhielt, war es Kurosawas erster Film nach einer fünfjährigen Pause, seine bekanntesten Werke (wie „Rashomon“, „Die sieben Samurai“ und „Yojimbo“) lagen schon Jahre zurück und niemand dachte ernsthaft, dass Kurosawa noch mehrere Filme inszenieren würde.

Kagemusha“ ist ein künstlerischer Erfolg, der beim Ansehen auch immer wieder eine dröge Angelegenheit ist. Es gibt keine Identifikationsfiguren. Die Geschichte ist immer wieder rätselhaft. Viele, lange Szenen werden, wie Bühnenbilder, ungeschnitten und ohne eine einzige Kamerabewegung präsentiert, was das erzählerische Gewicht auf die Dialoge legt und zeigt, wie starr, unbeweglich und überholt die Herrschaft des Hauses Takeda ist. Die Schlachten und ihre Folgen sind in optisch überwältigenden Bildern inszeniert. Es sind wunderschön alptraumhafte Gemälde. Die aus „Die sieben Samurai“ bekannte Dynamik und klare Struktur der Kämpfe fehlt. In „Kagemusha“ wird der Verlauf der Schlacht, also wer gegen wen mit welcher Strategie kämpft und welche Soldaten zu welcher Truppe gehören, nie klar. Die japanischen Zwischentitel, die über das Kampfgeschehen aufklären könnten, wurden aus unerfindlichen Gründen nicht ins Deutsche übersetzt. So sind die Schlachten nur noch ebenso farbenprächtige wie sinnlose Massaker. Und natürlich bleiben dem westlichen Betrachter die historischen und kulturellen Hintergründe verborgen. Denn „Kagemusha“ basiert, mehr oder weniger, auf wahren Ereignissen.

Insofern ist „Kagemusha“ nicht so mitreisend wie „Die sieben Samurai“ und „Rashomon“. Sehenswert ist das Drama trotzdem.

Eine zeitgenössische Einschätzung: „mit Sicherheit einer der außergewöhnlichsten und besten Filme des Jahres 1980“ (Fischer Film Almanach 1981)

mit Tatsuya Nakadai, Kenichi Hagiwara, Kota Yui, Hideji Otaki, Hideo Murata, Takayuki Shiho

Wiederholung: Donnerstag, 27. Mai, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Kagemusha“

Wikipedia über „Kagemusha“ (deutsch, englisch)

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