Neu im Kino/Filmkritik: „Snake Eyes: G.I. Joe Origins“ erzählt eine Origin-Story

Das was Hasbro mit den „Transformers“-Filmen gelang, will der Spielwarenfirma mit ihren „G.I. Joe“-Figuren nicht gelingen: nämlich aus sich erfolgreich verkaufendem Spielzeug ein erfolgreiches Kinofranchise zu kreieren, das sie noch reicher macht. Bei „Transformers“ gelang das dank des exzessiven Bombasts von Regisseur Michael Bay, leinwandsprengender Action, knapp bekleideten Frauen mit „Playboy“-Idealmaßen und Autos, die sich regelmäßig in riesige Roboter transformieren und demolieren. Das war idiotisch, aber an der Kinokasse unglaublich erfolgreich.

All das hatten die vorherigen „G.I. Joe“-Filme nicht. Deshalb wird jetzt mit „Snake Eyes: G.I. Joe Origins“ ein Neustart versucht. In Einzelfilmen sollen einzelne „G.I. Joe“-Figuren vorgestellt werden. Später sollen die Filme zu einem „Hasbro Cinematic Universe“ verschmelzen.

Robert Schwentke, ein deutscher Regisseur, der in Hollywood sein Geld mit Filmen wie „R.E.D. – Älter, Härter, Besser“, „R.I.P.D.“, „Die Bestimmung – Insurgent“ und „Die Bestimmung – Allegiant“ verdient, soll den Neustart zum Erfolg führen. Mit Henry Golding wurde ein junger Schauspieler engagiert, der in „Crazy Rich“ (Crazy Rich Asians), „Nur ein kleiner Gefallen“ (A Simple Favor), „Last Christmas“ und „The Gentlemen“ überzeugte. Allgemein werden ihm glänzende Karriereperspektiven attestiert. Er spielt die Hauptrolle: ‚Snake Eyes‘. Und eine Origin-Story hat einen großen Vorteil: es wird sich nur auf eine Figur und ihre Entwicklung konzentriert. Der Rest der Serienmythologie kann getrost ignoriert werden.

Dummerweise haben wir in den letzten Jahren schon so viele Origin-Geschichten gesehen, dass wir die einzelnen Handlungsschritte genau kennen. Außerdem müssen wir nicht von jedem Helden wissen, wie er zum Helden wurde. Schließlich haben wir uns früher auch nicht für die Kindheit und Jugend von James Bond oder Ellen Ripley interessiert.

Snake Eyes hat als Kind beobachtet, wie sein Vater von einem Killerkommando ermordet wurde. Jetzt arbeitet der schweigsame Einzelgänger im Hafen von Los Angeles für den Yakuza-Boss Kenta. Kenta hat ihm versprochen, ihm bei der Suche nach den Mördern seiner Eltern zu helfen. Als er auf Kentas Befehl einen jungen Mann töten soll, rettet er ihn.

Gemeinsam fliehen sie nach Japan. In Tokio wird Snake Eyes von der Familie seines neuen Freundes ‚Storm Shadow‘ Tommy Arashikage empfangen. Seit sechshundert Jahren beschützt der Arashige-Clan Japan seinen Feinden. In ihrem Besitz befindet sich ein unglaublich wertvoller, alter und, in den falschen Händen, unglaublich gefährlicher Gegenstand. Bis jetzt bestand der Clan nur aus Japanern.

Aber die Zeiten ändern sich und Snake Eyes hat bereits gezeigt, dass er ein tapferer Kämpfer ist. Tommy, der designierte Thronfolger, bieten an, ihn als Ninja auszubilden und so zu einem vollwertigen Mitglied der Familie zu machen.

Während er die verschiedenen Stufen seiner selbstverständlich anstrengenden Ausbildung absolviert, ist er hin und her gerissen zwischen seiner Loyalität zu Kenta und zu Tommy. Denn der Arashikage-Clan sei, so sagt ihm Kenta, verantwortlich für den Tod seiner Eltern. Aber kann er ihm vertrauen?

Und der Arashikage-Clan fragt sich, ob sie dem undurchschaubarem Fremden vertrauen können.

Das ganze ist reichlich lustlos und, sowohl für „G.I. Joe“- Novizen als auch für „G.I. Joe“-Fans, die die „G.I. Joe“-Mythologie kennen, unnötig kompliziert erzählt. So schwankt Snake Eyes, gefühlt im Minutentakt, immer wieder zwischen seiner Loyalität zu Kenta und seiner Freundschaft zu Tommy hin und her, ohne dass die Geschichte an Tiefe gewinnt. Es sorgt nur für überflüssige Verwirrung in einer letztendlich einfachen Kinderwelt, in der Gut und Böse sauber getrennt sind. Ein Interesse an den Figuren und ihren Motiven kommt in diesem Wust von Verrat und Gegenverrat, in dem „Cobra“ mal zu den Guten, mal zu den Bösen gehören soll, nicht aufkommen. Und zwar sowohl bei denen, die die „G.I. Joe“-Welt kennen (und daher wissen, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört), als auch bei den Novizen, die zunächst ratlos, später desinteressiert verfolgen, wie Loyalitäten ständig wechseln und willkürlich auftauchende, für spätere Filme möglicherweise wichtig werdende Figuren, die sich mal mehr, mal weniger skrupellos zwischen den verfeindeten Seiten bewegen. Das soll Tiefe und Komplexität vortäuschen. Es ist aber nur eine hoffnungslos verwirrend erzählte Geschichte, bei der die Macher selbst den Überblick verloren haben.

Die Action, die davon ablenken könnte, ist meistens verwirrend, hektisch geschnitten und spielt im Dunkeln. So kann geschummelt werden, wenn es um die kämpferischen Fähigkeiten der einzelnen, schwarz gekleideten Schauspieler geht.

Snake Eyes“ ist sicher besser als die vorherigen „G.I. Joe“-Filme. Trotzdem ist der kindgerecht-unblutige Actionfilm kein glorioser Auftakt für eine neue Kinoserie, wie es „Iron Man“ für das Marvel Cinematic Universe war, sondern die aktuelle Version von „Die Mumie“, dem vergurkten Auftakt des Dark Universe; einer geplanten Reihe von Neuverfilmungen von Universal-Horrorfilmklassikern, die nie über den ersten Film hinausgekommen ist.

Snake Eye: G.I. Joe Origins (Snake Eyes: G.I. Joe Origins, USA 2021)

Regie: Robert Schwentke

Drehbuch: Evan Spiliotopoulos, Joe Shrapnel, Anna Waterhouse (nach einer Geschichte von Evan Spiliotopoulos)

mit Henry Golding, Andrew Koji, Úrsula Corberó, Samara Weaving, Samuel Finzi, Haruka Abe, Takehiro Hira, Peter Mensah, Iko Uwais, Eri Ishida

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Snake Eyes“

Metacritic über „Snake Eyes“

Rotten Tomatoes über „Snake Eyes“

Wikipedia über „Snake Eyes“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jon M. Chus „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (G.I. Joe: Retaliation, USA/Kanada 2013)

Meine Besprechung von Robert Schwentkes „Die Bestimmung – Insurgent“ (The Divergent Series: Insurgent, USA 2015)

Meine Besprechung von Robert Schwentkes „Die Bestimmung – Allegiant“ (The Divergent Series: Allegiant, USA 2016)

Meine Besprechung von Robert Schwentkes „Der Hauptmann“ (Deutschland/Frankreich/Polen 2017 – der ist, im Vergleich zu seinen Hollywood-Werken und trotzt aller Probleme, wirklich sehenswert)

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