Neu im Kino/Filmkritik: Über Adrian Goigingers fünften Kinofilm „Vier minus drei“

Barbara, Heli, Fini und Thimo sind eine glückliche Familie.

Wenige Tage nach einem Autounfall muss Barbara ihren Mann Heli und ihre Kinder Fini und Thimo beerdigen und mit ihrer Trauer umgehen.

Adrian Goiginger verfilmte diese wahre Geschichte, die auf Barbara Pachl-Eberharts gleichnamiger Bestseller-Autobiographie von 2010 beruht, als zwischen Barbaras Versuchen, einen Weg aus ihrer Trauer zu finden und ihren Erinnerungen an Heli und ihre beiden Kinder. Goiginger erzählt, wie Barbara (Valerie Pachner) den Clown Heli (Robert Stadlober) auf der Straße kennen lernt, wie sie sich ineinander verlieben und, unter anderem in Krankenhäusern, als Clowns auftreten, auf dem Land ein geerbtes, heruntergekommenes Haus beziehen und renovieren und wie sie mit ihren beiden Kindern umgehen. Sie sind eine glückliche, auf einem Dorf in Österreich lebende Familie.

Nach dem Unglück muss Barbara einen Weg finden, mit dem Verlust umzugehen. Dabei lernt sie den als Landarzt bekannten Schauspieler Friedrich (von Hanno Koffler seltsam steif gespielt) kennen. Er interessiert sich für sie, aber es ist unklar, ob er sich für die trauernde Witwe aus irgendeinem Verantwortungsgefühl, aus Liebe oder weil er erfahren möchte, wie es ist, eine Beziehung zu einer Frau aufzubauen, die kürzlich ihren Mann und ihre Kinder verloren hat. Dieser TV-Seriendarsteller ist die merkwürdigste, unglaubwürdigste und am wenigsten sympathische Figur des gesamten Films. Dabei sollte er genau das nicht sein.

Ein weiteres Problem von „Vier minus drei“ ist das abrupte Ende. Über gut zwei Stunden erzählt Goiginger feinfühlig von Barbaras Leben nach dem tödlichen Unfall und ihren Erinnerungen an ein weitgehend glückliches Leben mit dem immer gut gelauntem Clown Heli. Es sind Episoden, aus denen sich keine richtig nacherzählbare Geschichte ergibt. Er folgt dabei – zum Glück! – nicht den bekannten Stufen der Trauer, die eine absolut vorhersehbare Geschichte ergäben. Das fließt etwas undramatisch, aber angenehm anzusehend und mit der aus Goigingers vorherigen Filmen bekannten Sympathie für seine Figuren und ihr nicht der bürgerlichen Norm entsprechendes Leben vor sich hin. Dann scheint Goiginger bemerkt zu haben, dass schon fast zwei Filmstunden um sind. Plötzlich steht Barbara auf der Bühne und ist geheilt, während man sich im Kinosaal fragt, ob man jetzt nicht gerade mindestens zwei Erzählschritte zwischen Barbaras Verlust ihrer Familie und ihrer Rückkehr ins Leben verpasst hat.

Vier minus drei (Österreich/Deutschland 2025)

Regie: Adrian Goiginger

Drehbuch: Senad Halilbašić

LV: Barbara Pachl-Eberhart: Vier minus drei – Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand, 2010

mit Valerie Pachner, Robert Stadlober, Stefanie Reinsperger, Hanno Koffler, Margarethe Tiesel, Paul Wolff-Plottegg, Michael Gampe, Petra Morzé, Michael Fuith, Wolfgang Lampl

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Vier minus drei“

Moviepilot über „Vier minus drei“

Wikipedia über „Vier minus drei“

Berlinale über „Vier minus drei“

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Die beste aller Welten“ (Österreich/Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Märzengrund“ (Österreich/Deutschland 2022)

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Der Fuchs“ (Deutschland/Österreich 2022)

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“ (Österreich/Deutschland 2023)

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..