Jérôme Leroy schreibt über „Die kleine Faschistin“

Frankreich in naher Zukunft: der Präsident hat sich im Élysée-Palast vollkommen von der Welt isoliert. Er wird nur noch „der Verrückte“ genannt. Seine einzige Amtshandlung sind regelmäßige Auflösungen der Nationalversammlung. Es sind, wie der Erzähler der Geschichte auf der ersten Seite von „Die kleine Faschistin“ sagt, die letzten Tage vor dem Sturz der Republik. Die Bonneval-Affäre hatte daran einen entscheidenden Anteil. Welchen will der Erzähler uns auf den folgenden 140 Seiten erzählen.

Patrick Bonneval ist ein in Nordfrankreich in der Nähe der Grenze zu Belgien lebender sechzigjähriger Mitte-Links-Politiker, der jetzt wieder für die Nationalversammlung kandidieren will. Laut der Prognose der Tarantel, einer legendären Strippenzieherin, wird er in wenigen Monaten der Premierminister sein. Er sei der Letzte, der die Republik noch retten könne.

Sein aussichtsreichster Gegner in seinem Wahlkreis ist ein Trottel vom Patriotischen Block. Diese Ultra-Rechts-Partei wird in ganz Frankreich immer stärker. Sie könnte eine der nächsten Regierungen stellen.

Und dann gibt es noch die titelgebende „kleine Faschistin“. Die zwanzigjährige Francesca Crommelynck, die aussieht wie ein „nationalsozialistisches Postergirl“, wuchs in einer rechtsradikalen Familie auf. Ihre Kindheitsliebe war der Sohn eines kabylischen Kommunisten. „War“ weil er als Vierzehnjähriger ermordet wurde. Der Täter wurde nie gefunden. Der andere wichtige Mann in ihrem Leben ist ihr großer Bruder Nils, der ebenfalls tot ist. Sie könnte im Patriotischen Block eine wichtige Rolle übernehmen.

Und viel mehr soll nicht verraten werden über die Geschichte von Jérôme Leroys neuestem Roman „Die kleine Faschistin“. Äußerst flott, angenehm verdichtet und etwas schnoddrig erzählt Leroy auf wenigen Seiten eine äußerst verwickelte und schwarzhumorige Geschichte, die von der ersten bis zur letzten Seite in Politik getränkt ist. „Die kleine Faschistin“ reiht sich nahtlos in Leroys bisheriges Werk ein mit seiner nüchternen Analyse der französischen Gesellschaft und des dortigen Rechtsextremismus.

Empfehlenswert!

Jérôme Leroy: Die kleine Faschistin

(übersetzt von Cornelia Wend)

Edition Nautilus, 2026

152 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La petite fasciste

La Manufacture de livres, Paris, 2025

Hinweise

Edition Nautilus über Jérôme Leroy

Perlentaucher über Jérôme Leroy

Wikipedia über Jérôme Leroy (deutsch, englisch, französisch)

Blog von Jérôme Leroy

Meine Besprechung von Lucas Belvaux‘ „Das ist unser Land!“ (Chez nous, Frankreich/Belgien 2017) und der DVD (Leroy ist Co-Drehbuchautor)

Meine Besprechung von Jérôme Leroys „Der Block“ (Le bloc, 2011)

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