Nachdem in den USA „Toy Story 5“ bereits am 19. Juni 2026 höchst erfolgreich startete, nimmt der neueste Pixar-Film jetzt Kurs auf die deutschen Kinos. In einigen Wochen dürfte er, unter anderem mit dem deutschen Einspiel, der erfolgreichste Film des Franchise sein.
Andrew Stanton, der in alle vorherigen „Toy Story“-Filme als Teil des Pixar-Teams und Autor involviert war, erzählt eine weitere Geschichte der bekannt-beliebten Spielzeuge Jessie, Woody und Buzz Lightyear, die am Filmanfang über die halbe Stadt verstreut sind,
Im Zentrum der Geschichte steht die achtjährige Bonnie, die am Ende von „Toy Story 3“ die Spielsachen erhielt. Sie hat keinen Computer, sondern spielt immer noch mit Puppen in einer von ihr erschaffenen Fantasiewelt. Denn nichts geht über eine von ihr erfundene Märchenhochzeit. Trotzdem hätte sie auch gerne echte Freundinnen. Aber die Nachbarskinder und ihre Klassenkameradinnen starren nur noch auf Computerbildschirme. Wenn sie es nicht tun, mobben sie Bonnie, weil sie immer noch mit Puppen spielt.
Das ändert sich, als Bonnie von ihren Eltern das Tablet Lilypad geschenkt bekommt. Plötzlich ist auch bei ihr der Computerbildschirm wichtiger als ihr altes Spielzeug. Sie kann sich mit Lilypads Hilfe mit den anderen Kindern verbinden.
Höchste Eisenbahn für die aus den vorherigen „Toy Story“-Filmen bekannten Figuren Woody, Buzz Lightyear, Jessie und ihre Spielzeugfreunde, sich um Bonnie zu kümmern. Aber wie kann es ihnen gelingen, Bonnies Aufmerksamkeit wieder zu ihnen zu lenken und wie können sie mindestens eine Freundin für Bonnie finden?
Als 1995 (bzw. 1996 in Deutschland) der erste „Toy Story“-Film anlief, spielte der Pixar-Film in einer vollkommen anderen Welt. Und für uns war es eine Überraschung, dass Puppen ein Eigenleben haben. Der Film war ein Erfolg. Fortsetzungen und das Spin-off „Lightyear“ folgten. Immer versuchen die Macher, eine neue Geschichte mit dem nicht alterndem Spielzeug zu erzählen. Dieses Mal geht es, sehr aktuell, um die Bedrohung der Kindheit durch Computer. Sie befürchten, dass sie nicht mehr zum nächsten Kind, das mit ihnen spielen will, weitergereicht werden, sondern auf dem Müllplatz landen, weil niemand mehr mit ihnen spielen will.
Das ist ein aktuelles Thema und Bonnie ist eine sehr liebenswerte Protagonistin. Dummerweise ist sie, ähnlich wie kürzlich Mabel Tanaka in dem Pixar-Film „Hoppers“, eine Protagonistin, die nur begrüßenswerte Eigenschaften hat. Sie ist eigentlich perfekt. Mabel will unbedingt und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Umwelt schützen. Wer kann etwas dagegen haben? Wer möchte nicht, dass bei Kindern das Bewusstsein für die Wichtigkeit und den Schutz der Umwelt geweckt werden? Bonnie ist ein herzensgutes, fröhliches, vielseitig interessiertes Kind, das eine blühende Fantasie hat und gerne mit Puppen spielt. Wer kann etwas dagegen haben, dass ein Kind sich Dinge ausdenkt und auf die Kraft der Fantasie vertraut? Vor allem wenn die Alternative ein zombiehaftes Starren auf einen Bildschirm ist, der fantasietötende Programme zeigt.
Und damit stellt sich die Frage, was Bonnie in dem Film lernen soll. Also, was die Botschaft sein soll. Mehr Zeit vor dem Computer verbringen kann nicht wirklich die intendierte Botschaft sein. Dass Computer auch für sinnvolle Dinge benutzt werden können – Lilypad unterstützt sie bei ihren Abenteuern – ist wahr, aber für einen Kinderfilm vielleicht eine etwas zu komplexe und auch die eher falsche Botschaft. In diesem Fall ist, ähnlich wie bei „Hoppers“, die absolut erwartbare Botschaft, dass es auch für Bonnie okay ist, Zeit vor einem Tablet zu verbringen und dort vor allem einfach zu konsumieren. Eltern werden diese Botschaft lieben, wenn sie demnächst mit ihren Söhnen und Töchtern über die Zeit vor dem Bildschirm diskutieren.
Die um diese Botschaft einer Koexistenz alter und neuer Spielzeuge herum erfundene Filmgeschichte ist ein ziemliches Chaos mit fünfzig Exemplaren der Hi-Tech-Edition von Buzz Lightyear, die auf einer Insel stranden, Actionszenen auf einer Autobahn und einer Farm und etlichen seltsamen Storyentscheidungen, wozu neben der Reise der Hi-Tech-Buzz-Lightyears auch eine neue Freundin von Bonnie gehört. Vor diesem Hintergrund können die Spielzeuge nur einen begrenzten Reiz entfalten.
Das gesagt, muss ich auch sagen, dass die in der von mir besuchten Vorstellung anwesenden Kinder ziemlich begeistert von dem Animationsfilm waren.

Toy Story 5 (Toy Story 5, USA 2026)
Regie: Andrew Stanton, Kenna Harris (Ko-Regie)
Drehbuch: Andrew Stanton , Kenna Harris (nach einer Geschichte von Andrew Stanton)
mit (in der Originalfassung) Tom Hanks, Tim Allen, Joan Cusack, Conan O’Brien, Scarlett Spears, Shelby Rabara, Mykal-Michelle Harris, Craig Robinson, Lori Alan, Jay Hernandez, Bonnie Hunt, Benito Antonio Martínez Ocasio (aka Bad Bunny), Keanu Reeves
(in der deutschen Fassung) Michael Bully Herbig, Rick Kavanian, Gery Seidl, Zeki Bulgurcu
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
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Hinweise
Rotten Tomatoes über „Toy Story 5“
Wikipedia über „Toy Story 5“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Andrew Stantons „John Carter: Zwischen zwei Welten“ (John Carter, USA 2012)
Meine Besprechung von Andrew Stanton/Angus MacLanes „Findet Dorie“ (Finding Dory, USA 2016)