Beginnen wir mit der offiziellen Kurzsynopsis von „Dreams – Gefährliches Verlangen“:
„Jennifer ist ebenso reich wie attraktiv und genießt ein glamouröses Leben als Philanthropin in der amerikanischen High Society. Niemand ahnt, dass sie während ihrer regelmäßigen Aufenthalte in Mexiko eine leidenschaftliche Beziehung mit dem jungen Balletttänzer Fernando führt – einem vielversprechenden Talent ihrer Kulturstiftung. Verliebt und voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft in den USA wagt Fernando eines Tages den gefährlichen Weg über die Grenze. Als er plötzlich in Jennifers luxuriösem Apartment in San Francisco auftaucht, gerät ihre sorgfältig kontrollierte Welt aus den Fugen.“–
Michel Franco beginnt seinen neuen Film mit dem illegalen Grenzübertritt von Fernando, der damit endet, dass ihr Schleuser sie irgendwo in der Wüste ohne Wasser zurücklässt. Fernando schlägt sich auf eigene Faust nach San Francisco durch. Immerhin weiß er, wo Jennifers Wohnung ist und wo sie ihren Wohnungsschlüssel versteckt. So kann er sie am Abend in ihrem Bett überraschen.
In Rückblenden erzählt Franco dann die aus der Synopsis bekannte Vorgeschichte. Er tut das eher zäh als in das Geschehen involvierend und mit vielen offenen Fragen, die im Film nicht gestellt werden, weil dann das gesamte Erzählkonstrukt schwuppdiwupp zusammenbräche. Zum Beispiel, wird nicht gefragt, warum Jennifer McCarthy (Jessica Chastain) ihrem Liebhaber Fernando Rodríguez (gespielt von Ballettstar Isaac Hernández in seinem Schauspieldebüt) kein Visum besorgte. Wirklich geheim hielt sie ihre Beziehung nie und bei ihrem riesigen Familienvermögen und den guten Beziehungen der Familie McCarthy sollte das problemlos bewilligt werden. Auch Fernando bemühte sich um kein Visum, obwohl er als überaus talentierter Künstler wenigstens für einen kurzen Arbeitsaufenthalt auch im heutigen Trump-Amerika sicher eines bekommen hätte. Stattdessen überquert er mit Dutzenden weiterer illegaler Einwanderer die Grenze zu den USA auf dem denkbar gefährlichsten Weg. Das sind nur zwei Fragen, die die Glaubwürdigkeit der Liebesgeschichte unnötig strapazieren. Eine Beantwortung hätte allerdings die zunehmend unglaubwürdige, im Finale komplett aus dem Ruder laufende Geschichte zerstört.
„Dreams“ ist eine unterkühlte Studie in Abhängigkeit, die kein Drama und, vor allem, auch wenn die Synopse und die Seherfahrung danach klingen, kein Erotik-Thriller sein will. Das ganze wirkt mit seinen überlangen Sexszenen und seiner rückblendenreichen Erzählstruktur vor allem wie ein todernst durchgezogene Übung in Klischee-Didaktik mit einigen wenigen Ballettszenen.

Dreams – Gefährliches Verlangen (Dreams, USA/Mexico 2025)
Regie: Michel Franco
Drehbuch: Michel Franco
mit Jessica Chastain, Isaac Hernández, Rupert Friend, Marshall Bell
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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