
Der Banküberfall und die Flucht vor der Polizei gelingen ziemlich nach Plan. Die Beute ist auch größer als erwartet. Aber danach geht alles schief. Irgendwie hat die Polizei fast sofort erfahren, wer für den Überfall verantwortlich ist. Wenige Stunden nach dem Überfall sind ihre Gesichter in allen Hamburger Zeitungen abgedruckt. Und vor Marlons Tür stehen zwielichtige Typen. Er machte bei dem Überfall als Fluchtwagenfahrer nur mit, um seine Schulden abzubezahlen. Jetzt weiß er, dass etwas furchtbar schief ging und er hereingelegt werden soll.
Der unpolitische, hoch verschuldete 25-jährige Marlon-Brandon-Fan, – genaugenommen Fan des von Brando in „Der Wilde“ (The Wild One, USA 1953) gespielten Johnny Strabler, Chef des Black Rebel Motorcycle Club -, muss untertauchen. Auf seiner Irrfahrt durch Deutschland trifft er Revolutionäre, Sympathisanten und Terroristen. Denn Jürgen Heimbachs neuer Kriminalroman „Straßenköter“ spielt 1975 zur Hochzeit des RAF- und Linksterrorismus in der Bundesrepublik.
Auf wenigen Seiten entwirft Heimbach ein dichtes Porträt des damaligen Deutschland, während Marlon durch die Geschichte stolpert. Alle paar Seiten präsentiert er eine neue Überraschung für den von der Polizei schnell als hochgefährlichen Linksterroristen verfolgten Taugenichts. Denn Marlon befand sich, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und nicht ganz freiwillig, im Wendland in einem Haus, in dem Terroristen die Befreiung ihrer in Stammheim inhaftierten Genossen planten.
„Straßenköter“ ist eine sich eher an ein jugendliches Publikum richtende Abenteuergeschichte mit viel stimmigem Zeit- und Lokalkolorit. Wenn Heimbach die Wahl zwischen neuem Ärger für Marlon und einer Geschichtsstunde hat, entscheidet er sich zuverlässig für das Erste. Das macht den spannenden, äußerst wendungsreichen und erstaunlich kurzen Thriller zur perfekten Sommerlektüre.
–
Jürgen Heimbach: Straßenköter
Ars Vivendi, 2026
272 Seiten
18 Euro
–
Hinweise
Wikipedia über Jürgen Heimbach
Meine Besprechung von Jürgen Heimbachs „Die Rote Hand“ (2019)