Neu im Kino/Filmkritik: „Onslaught“, ein Film für den Grindhouse-Fan

Celeste (Adria Arjona) war beim Militär und genoss die Ausbildung, die dort Soldaten erhalten, die sich später in Action- und Horrorfilmen gegen skrupellose Bösewichter beweisen müssen. Jetzt lebt sie in der Wüste in einem abgeranztem Trailerpark, kuriert ihre Kriegstraumata aus und arbeitet dort als Mädchen für alles. Sie ist geschieden, aber weil ihr Ex-Mann gerade mit etwas wichtigerem beschäftigt ist, muss sie jetzt außerplanmäßig auf ihre Tochter aufpassen.

In dem Moment weiß sie noch nicht, dass die letzten friedlichen Stunden des Tages sind. In einem nahe gelegenem Militärlabor experiment Dr. Hans Kammler (Dan Stevens) mit Leichenteilen und der DNA von Soldaten herum. Eine Demonstration seiner unbesiegbaren Soldaten auf dem streng gesichtertem Gelände läuft aus dem Ruder. Am Ende sind die Gäste, denen er seine Erfindung vorführen wollte, tot, das geheime Labor zerstört und die drei Super-Soldaten machen sich auf den Weg in Richtung Trailerpark.

Auf dem Weg liegende Gebäude zerstören sie. Menschen töten sie – und wenn doch einmal ein Mensch die Begegnung mit den Super-Soldaten überlebt, ist ein durchgeknallter von der Regierung beauftragter Jäger vor Ort. Er verwischt alle Spuren. Auch wenn er dafür wahrscheinlich ultra-patriotische US-Amerikaner töten muss. Seinen ersten Auftritt im Film hat er als Kunde eines SM-Bordells. Für die Filmgeschichte ist es egal, aber Regisseur Adam Wingard kann in dem Moment etwas nackte Haut und Leder zeigen und so auf die siebziger Jahre mit Filmen wie „Der Nachtportier“ und unzählige schlechtere Folgefilme, anspielen.

Adam Wingard begann vor fast zwanzig Jahren als Teil der Mumblecore-Bewegung. Bekannt wurde er als Horrorfilmregisseur. Zuletzt inszenierte er die Blockbuster „Godzilla vs. Kong“ und „Godzilla x Kong: The New Empire“. Mit „Onslaught“ geht es wieder zurück zu einem deutlich günstigerem Film, der gar nicht das große Publikum ansprechen will und der in der Welt seiner früheren Filme „You’re next“ und „The Guest“ spielt. Der Verleih bewirbt „Onslaught“ als Horror-Actionslasher. Sie hätten ihn auch als Grindhouse-Hommage verkaufen können. Stilistisch und erzählerisch orientiert Wingard sich am Actionfilm der achtziger und auch siebziger Jahre. Da ist der Bösewicht ein durchgeknallter Forscher, der in der Originalfassung deutsch redet (ein Gag, der in der deutschen Fassung nicht funktioniert). Das US-Militär investiert skrupellos in Menschenexperimente und wenn die Supersoldaten sich dann durch das menschenleere Hinterland morden, erinnern sie an Roland Emmerichs „Universal Soldier“. Ein anderer Bezugspunkt ist das Frühwerk von John Carpenter; vor allem „Assault – Anschlag bei Nacht“ (Assault on Precinct 13).

Zwischen den Bildern gibt es, auch weil die Super-Soldaten anfangs an Abu-Ghraib-Gefangene erinnern und später, wenn sie bevorzugt im Gegenlicht, aber mit bedrohlich leuchtenden Augen, gezeigt werden, wie Invasoren aussehen, etwas Systemkritik. Eine auch nur irgendwie tiefergehende Analyse findet natürlich nicht statt. Das erwartet niemand ernsthaft und es würde von den liebevoll ausgestatteten blutigen Actionszenen dieses klischeetriefenden B-Movies ablenken.

Das klingt jetzt nach einem großen Spaß für den B-Movie-Fan. Aber Wingard klatscht Szenen, Motive und, zugegeben, gut aussehende Bilder einfach so hintereinander bis er neunzig Filmminuten zusammen hat. Das kann natürlich als Hommage an die 80er-Jahre-B-Actionfilme, die ihre Heimat irgendwo zwischen Autokino und Videothek fanden, verstanden werden. Besser macht es die aus der Zeit gefallene Liebeserklärung „Onslaught“ nicht.

Onslaught (Onslaught, USA 2026)

Regie: Adam Wingard

Drehbuch: Simon Barrett (nach einer Geschichte von Adam Wingard und Simon Barrett)

mit Adria Arjona, Dan Stevens, Alex Pereira, Drew Starkey, Rebecca Hall

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Onslaught“

Metacritic über „Onslaught“

Rotten Tomatoes über „Onslaught“

Wikipedia über „Onslaught“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Adam Wingards „Godzilla vs. Kong“ (Godzilla vs. Kong, USA 2021)

Meine Besprechung von Adam Wingards „Godzilla x Kong: The New Empire“ (Godzilla x Kong: The New Empire, USA 2024)

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