Ehe wir dazu kommen, was Dylan Southern und Will Lovelaces „Oasis: Don’t look back in anger“ ist, verrate ich, was der 128-minütige Film nicht ist. Es ist kein Spielfilm, obwohl er irgendwie auf einem Drehbuch von Steven Knight basiert. Steven Knight, der auch einer der Produzenten des Films ist, schrieb die Bücher zu „Tödliche Versprechen – Eastern Promises“, „Bauernopfer – Spiel der Könige“ und der von ihm erfundenen TV-Serie „Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“. Im Moment schreibt er das Buch für den neuen James-Bond-Film. Bei Dokumentarfilmen gibt es eigentlich keinen Drehbuchautor. Wenn doch ein Drehbuchautor genannt wird, ist es normalerweise der Regisseur. Schließlich schreibt die Realität und kein Autor die Geschichte.
„Oasis: Don’t look back in anger“ ist auch keine Dokumentation eines Konzertes. Es gibt Ausschnitte aus verschiedenen Konzerten. Viele Ausschnitte wurden auf der letzten Tour der Band, der von weit über zwei Millionen Fans besuchten, 41 Konzerte umfassenden „Oasis Live ’25“-Tour, aufgenommen und wild zusammengeschnitten mit Schnipseln von früheren Auftritten. Munter und erkennbar wird durchgehend, auch in den Songs, zwischen verschiedenen Auftritten hin und her geschnitten.
„Oasis: Don’t look back in anger“ ist auch keine Dokumentation der Tour. Es beginnt konventionell und gelungen mit einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der Band, den Proben vor der Welttour, der damit verbundenen ersten Begegnung seit Jahren zwischen den beiden Brüdern Noel und Liam Gallagher und dem ersten Konzert. Danach vermischt sich alles zu einem Oasis-Best-of, munter collagiert aus den Auftritten der „Oasis Live ’25“-Tour und einigen Schnipseln älterer Auftritte. Eine Chronologie ist nicht mehr vorhanden.
„Oasis: Don’t look back in anger“ ist auch kein Film über die Fans. Zugegeben: Sie haben viel Leinwandzeit. Einige dürfen sogar etwas sagen. Ihre Namen erfahren wir nicht. Letztendlich haben sie, auch wenn ihre Köpfe bei mehreren Songs auftauchen, nicht mehr Individualität als das Publikum bei einem „Rockpalast“-Konzert.
Und es ist auch kein Film über die Versöhnung der Gallagher-Brüder. Dafür wird diesem Aspekt zu wenig Zeit gewidmet. Am Anfang, bei den Proben, fragt Noel sich, ob Liam auftaucht und singen wird. Er kommt, singt und geht. Später laufen sie öfter gemeinsam auf die Bühne. Es gibt einige, kurze Ausschnitte aus einem für den Film gemachtem Interview. Man sieht sie immer nur auf und hinter der Bühne; also bei der Arbeit. Das Privatleben bleibt privat. Die anderen Bandmitglieder bleiben Nebenfiguren.
„Oasis: Don’t look back in anger“ ist von allem etwas und als Fanvideo-Erinnerung an die letzte Tour der Band, auch stimmig, in sich geschlossen – und vollkommen uninteressant. Jedenfalls wenn sich für mehr als einen bunten Bilderbogen aus Konzertschnipseln, Proben- und Backstage-Aufnahmen, anderen Aufnahmen, deren Zusammenhang mit der 41 Konzerte umfassenden „Oasis Live ’25“-Tour bestenfalls rudimentär erahnbar ist, interessiert. Das Regieduo Southern/Lovelace präsentiert viele Statements, die sie über die Bilder legen und die nicht klar bestimmten Personen zugeordnet werden können. Sowieso verzichten die Macher weitgehend auf Texteinblendungen und vollständig auf Namenseinblendungen. Wer die gezeigten Personen nicht kennt, sitzt halt im falschen Film. Und die Brüder Liam und Noel Gallagher geben ein gemeinsames, äußerst entspanntes Interview. Es ist das erste gemeinsame Interview nach über zwanzig Jahren. Das muss genügen. Dazu montieren die Regisseure Dylan Southern und Will Lovelace wild Bilder, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind. Teils auf Konzerten, teils bei anderen Gelegenheiten. Und so besteht im Film ein Songs aus mehreren Auftritten und vielen Bildern von Fans, die euphorisch der Band zujubeln, und wild über die bekannten Songs verteilt wurden.
„Oasis: Don’t look back in anger“ ist ein Film für die Fans der Band, die eine Erinnerung an die Tour wollen, sich darüber freuen, dass die Fans viel öfter als in anderen Konzertfilmen im Bild sind und die Songs – es wird sich, wenig überraschend, auf die zweite „Oasis“-CD „(What’s the Story) Morning Glory?“ konzentriert – auch im Tiefschlaf mitgröhlen können. Für sie wurde der Film gemacht. Sie haben schon vor langem Karten gekauft für eine der wenigen Kinovorstellungen der Tourerinnerung.
Offiziell läuft der Film bis zum 13. September im Kino. Danach ist er noch ohne festes Datum, aber noch in diesem Jahr, auf Disney+ zu finden.

Oasis: Don’t look back in anger (Oasis: Don’t look back in anger, Großbritannien 2026)
Regie: Dylan Southern, Will Lovelace
Drehbuch: Steven Knight
mit Liam Gallagher, Noel Gallagher, Nebenfiguren
Länge: 128 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „Oasis: Don’t look back in anger“
Metacritic über „Oasis: Don’t look back in anger“
Rotten Tomatoes über „Oasis: Don’t look back in anger“
Wikipedia über „Oasis: Don’t look back in anger“ und über Oasis (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Mat Whitecross‘ „Oasis: Supersonic“ (Oasis: Supersonic, Großbritannien 2016)