Neu im Kino/Filmkritik: „The Uprising – Für die Freiheit“, gegen den König

Entlang an den in Großbritannien wahrscheinlich allgemein bekannten Tatsachen über den legendären Bauernaufstand von 1381 erzählt Paul Greengrass in seinem neuen Film „The Uprising – Für die Freiheit“ diese Geschichte. Sie wird auch Wat-Tyler-Rebellion oder Großer Aufstand genannt.

Damals regierte der von dem Amt nachvollziehbar hoffnungslos überforderte, von Alpträumen geplagte vierzehnjährige König Richard II (Woody Norman) das Land. Letztendlich ist er ein Kind, gepflegt und beraten von seinem Hofstaat.

Die Pest hat das Land verwüstet. Der Krieg gegen Frankreich ist teuer. Zur Finanzierung des Staates werden die Steuern erhöht. Diese müssen letztendlich die Bauern bezahlen, die kein Geld mehr haben. Sie lehnen sich dagegen auf und ziehen Richtung London. Angeführt werden sie von Wat Tyler (Cosmo Jarvis) und dem Prediger John Ball (Jamie Bell).

Einer der nach London marschierenden Bauern ist Ploughman (Andrew Garfield). Er lebt in Essex, wird eher zufällig ein Teil des Aufstands und er ist der fiktive Protagonist der Geschichte; man kann „The Uprising“ auch so zusammenfassen, dass Greengrass in seinem Film nicht nur die Geschichte des Bauernaufstandes, sondern auch die Origin-Geschichte eines legendären und ikonischen Kämpfers erzählt.

Durch Ploughmans Augen zeichnet Greengrass, mit klassenkämpferisch-marxistischem Unterton, ein düsteres Bild der damaligen Zeit und Ereignisse. Auf ihrem Weg nach London marschieren die Bauern durch eine matschige Landschaft. Am Ziel geraten sie, unterbrochen von Verhandlungen mit dem sich als skrupellos erweisendem Richard II, in mehrere Kämpfe, die wahre Gemetzel sind. Da wird geköpft und Arme und Beine abgeschlagen. Greengrass inszeniert dies in seinem ersten wirklich in der Vergangenheit spielendem Film gewohnt quasi-dokumentarisch. Seine anderen Filme, wie „Bloody Sunday“, „Captain Phillips“ und mehrere „Bourne“-Filme, spielen in der Gegenwart oder jüngeren Vergangenheit. Ploughmans Geschichte spielt zwar im 14. Jahrhundert, aber sie ist absolut gegenwärtig inszeniert. Gleiches gilt für die illusionslose Darstellung der zeitlosen Machtspiele und, jedenfalls kurzfristig, die deprimierenden Erfolgsaussichten einer Rebellion.

The Uprising – Für die Freiheit“ ist nicht Paul Greengrass‘ bester Film. Sehenswert ist er trotzdem. Und mitreisender als die kürzlich im Kino gezeigte, einige Jahre früher, ebenfalls in England spielende Heldendemontage „The Death of Robin Hood“.

The Uprising – Für die Freiheit (The Uprising, Großbritannien/Deutschland/USA 2026)

Regie: Paul Greengrass

Drehbuch: Paul Greengrass

mit Andrew Garfield, Jamie Bell, Cosmo Jarvis, Stephen Dillane, Tom Hollander, Thomasin McKenzie, Jonny Lee Miller, Woody Norman, Stanley Townsend, Katherine Waterston

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „The Uprising – Für die Freiheit“

Moviepilot über „The Uprising – Für die Freiheit“

Metacritic über „The Uprising – Für die Freiheit“

Rotten Tomatoes über „The Uprising“

Wikipedia über „The Uprising“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Greengrass’ “Captain Phillips” (Captain Phillips, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Greengrass‘ „Jason Bourne“ (Jason Bourne, USA 2016)

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