Über Kevin Barrys „Das Herz im Winter“

Nach dem Sabbatjahr und den Vorbereitungen für das neue Programm ist Liebeskind jetzt zurück mit einem fulminantem Herbstprogramm. Dazu gehört Kevin Barrys Noir-Western „Das Herz im Winter“.

1891 treffen sich in dem Kaff Butte in Montana. Die Kupfermine sorgt für Arbeit. Die irischen Arbeiter für Umsatz in den Lokalen. Tom Rourke frequentiert diese Lasterhöhlen regelmäßig und ist überall verschuldet. Mit Liebesbriefen, die er für die Arbeiter schreibt, verdient er Geld.

Eines Tages taucht Polly Gillespie auf. Sie ist nach Butte gekommen, um den strenggläubigen fünfundvierzigjährigen Minenaufseher Anthony Harrington zu heiraten. Bis zur Hochzeit kannten sie sich nur aus Liebesbriefen, in denen sie ein geschöntes Bild von sich verbreiteten. Sie ist älter als die behaupteten 27 Jahre und schon lange keine Jungfrau mehr. Trotzdem ist die Prostituierte schockiert von dem Leben, das in Butte vor ihr liegt.

Einzig in Tom Rourke findet sie eine ähnlich gebildete Seele. Sie verbringen Zeit miteinander, verlieben sich und beschließen, gemeinsam die Stadt mit gestohlenen sechshundert Dollar auf einem gestohlenem Pferd Richtung San Franciso zu verlassen.

Während sie noch planlos durch die Wildnis irren, nimmt ein von Harrington für fünftausend Dollar angestiftetes Kopfgeldjägertrio die Verfolgung durch das verschneite Montana auf.

Für einen traditionellen Western, in dem die Geschichte zwischen Verfolgern und Verfolgten pendelt und alles auf die finale Begegnung hinausläuft, interessiert Kevin Barry sich in seinem schnörkellos und knapp erzähltem Western nicht. Er fragt sich eher, wie sehr er diesen bekannten Plot aushöhlen kann. Er lässt seine denkbar unsympathischen Figuren durch eine menschenleere Landschaft irren. Tom und Polly wissen nicht, dass sie verfolgt werden. Sie könnten es ahnen. Aber es kümmert sie nicht. Recht und Gesetz sind ihnen auf ihrem Weg Richtung Westen ebenfalls denkbar egal. Die Kopfgeldjäger sind brutale Gesellen, die für Geld alles tun würden.

Kevin Barry wurde 1969 in Limerick geboren. Der Ire veröffentlichte bislang vier Romane und drei Erzählbände. Für seine Werke erhielt er den International Dublin Literary Award und den Goldsmith Prize und war für den Booker Prize nominiert.

„Das Herz im Winter“ erhielt den HWA Gold Crown Award, war für den Libby Award for Best Historical Fiction nominiert und stand auf der Shortlist für den Walter Scott Prize for Best Historical Novel.

–

Kevin Barry: Das Herz im Winter

(übersetzt von Thomas Überhoff)

Liebeskind, 2026

216 Seiten

22 Euro

–

Originalausgabe

The Heart in Winter

Canongate Books, Edinburgh 2024

–

Lesetour

Montag, 26. Oktober: Staatstheater Mainz

Dienstag, 27. Oktober: Literaturhaus Hamburg

Mittwoch, 28. Oktober: Literaturhaus Köln

Donnerstag, 29. Oktober: Buchhandlung Lehmkuhl, München

Freitag, 30. Oktober: an einem schönen Ort in Berlin

–

Hinweise

Perlentaucher über das Buch

Liebeskind über Kevin Barry

Wikipedia über Kevin Barry (deutsch, englisch)

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..