Martin Cruz Smith, Arkadi Renko und „Tatjana“

Februar 12, 2014

Dass eine Leiche verschwindet, ist in Moskau nichts Ungewöhnliches. Dass es sich dieses Mal um die Leiche der Enthüllungsjournalistin Tatjana Petrowna handelt, die aus dem sechsten Stock stürzte, ist auch nicht besonders ungewöhnlich. So etwas passiert halt schon einmal in einer chaotischen Millionenstadt in den zahlreichen Leichenschauhäusern. Außerdem ist der Fall sowieso schon abgeschlossen. Es war Suizid. Und sowieso wollte niemand die Leiche für eine Beerdigung haben.

Aber Arkadi Renko, der unbestechliche Polizist, der seinen ersten Auftritt 1981 in „Gorki Park“ hatte und seitdem immer wieder in Konflikt mit seinen Vorgesetzten und den Machthabern geriet, ist neugierig. Auch weil in der gleichen Woche ein milliardenschwerer Verbrecher erschossen wurde. Er schnüffeln etwas herum, entdeckt mehrere Spuren nach Kaliningrad, dem Heimathafen der Baltischen Flotte, und Verbindungen zwischen der Journalistin und dem Verbrecher.

Mit „Tatjana“, dem achten Arkadi-Renko-Roman, setzt Martin Cruz Smith seine Chronologie des Wandels in der Sowjetunion fort, die sich wie ein Blick in die aktuellen Schlagzeilen liest: ein dysfunktionaler Staat, der von Oligarchen und zu Demokraten gewandelten Apparatschiks beherrscht wird, bittere Armut von vielen und obszöner Reichtum von wenigen Menschen, mit dem Leben bedrohte Journalisten, schmutzige Geschäfte zwischen Staat, Verbrechern und Militärs und eine Missachtung von Menschenleben.

Hinter diesem eindrücklichem Porträt einer korrupten Gesellschaft, in der das Recht des Stärkeren und die Macht der Korrupten herrscht, verschwindet die Krimihandlung. Denn wer auch nur einige Polit-Thriller gelesen hat, wird in „Tatjana“ das Komplott ziemlich schnell durchschauen. Aber auch in den vorherigen Renko-Romanen war die Krimihandlung nicht gerade der wirklich starke Teil der Geschichte, die man nicht mit der russischen Wirklichkeit verwechseln sollte. Auch wenn es schwer fällt. Denn „Tatjana“ ist kein Tatsachenbericht, aber so nah an der Wirklichkeit, dass man das gerne vergisst.

Ein lesenswerter Thriller, in dem wir auch Renkos aus den vorherigen Romanen bekannten Freunden wieder begegnen, ist es sowieso.

Smith - Tatjana - 2

Martin Cruz Smith: Tatjana

(übersetzt von Susanne Aeckerle)

C. Bertelsmann, 2013

320 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Tatjana

Simon and Schuster, New York, 2013

Hinweise

Homepage von Martin Cruz Smith

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Die goldene Meile“ (Three Stations, 2010)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Gorki Park“ (Gorky Park, 1981)

Und hier ein schöner Ausschnitt aus einem aktuellen Gespräch zwischen Martin Cruz Smith und Michael Connelly

Das ganze Gespräch

Das erinnert mich daran, dass der neue Connelly, wieder mit Harry Bosch, bei mir rumliegt und er auch – ungelesen – ein absoluter Lesetipp ist

Connelly - Der Widersacher - 2

Michael Connelly: Der Widersacher

(übersetzt von Sepp Leeb)

Knaur, 2014

464 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

The Drop

Little, Brown and Company, 2011


„Roter Herbst“ – Eine Reise in die Vergangenheit

Februar 5, 2014

 

Mader - Roter Herbst - 2

Wenn ich ein Buch in der Hand habe, das eine „Begegnung mit den Schatten, die die BRD in den 70er Jahren heimgesucht haben“ verspricht, dessen Prolog im Herbst 1977 spielt und das „Roter Herbst“ heißt, dann erwarte ich einen Polit-Thriller, der sich mit der RAF, dem Linksterrorismus und dem Agieren des Staates im Deutschen Herbst beschäftigt und entweder 1977 oder kurz davor spielt. Jedenfalls sollte die Erklärung der in der Gegenwart spielenden Ereignisse (hier: Frühjahr 2011) mit der Vergangenheit verknüpft sein. Gerne auch mit einem ordentlichem Schuss paranoider Verschwörungstheorie.

Nun, „Roter Herbst“ von Raimund A. Mader ist das nicht. In seinem dritten Roman mit Kommissar Adolf Bichlmaier, dienstuntauglich seit über einem Jahr, schickt er ihn von Regensburg nach Norddeutschland. Bichlmaiers Reise endet in der kleinen Stadt M. (yep, sehr geheimnisvoll). In der dortigen Kaserne war er 1971 als Soldat stationiert.

Als er durch das Moor wandelt, trifft er auf Martin Berger, einen ungefähr vierzigjährigen Mann mit Down-Syndrom, der wenige Meter weiter eine Leiche entdeckte, die – wie es sich heutzutage für einen Krimi gehört – dekorativ einige Meter über dem Erdboden in dem Stamm eines Baums befestigt ist und dessen Hände entfernt wurden. Bichlmaier kommt das Gesicht des verstümmelten Mannes bekannt vor und er beginnt mit der einheimischen Kommissarin Amanda Wouters zu ermitteln. Sie hat, wie öfters gesagt wird, eine beeindruckende Oberweite und dürfte damit als Fünfzigjährige Pamela Anderson ohne Schönheits-OPs durchgehen.

Aber anstatt die beiden Kommissare zielgerichtet ermitteln zu lassen, erfahren wir viel, vor allem viel überflüssiges über die verschiedenen Charaktere und ihr Leben, es gibt eine durchgehend melancholische Grundstimmung in der alle irgendwie ihrer Vergangenheit hinterhertrauern und Bichlmaier ist überzeugt, dass der heutige Mord an dem unbekannten Mann irgendwie mit seiner Bundeswehrzeit vor vierzig Jahren zusammenhängt.

Roter Herbst“ ist letztendlich eine ziemlich enttäuschende Angelegenheit. Denn anstatt den Krimiplot und die Verschwörungstheorie energisch voranzutreiben, wird dies eher pflichtschuldig mitgeschleift. Wirklich wichtig wird die banale Verschwörungstheorie auch erst am Ende und da wirkt sie wie hastig angeklebt. Denn eigentlich steht eine verkorkste Familiengeschichte, die allerdings auch meistens im Ungefähren bleibt, im Mittelpunkt des Romans.

Vor dem Finale, natürlich mit Schießerei und einem Toten, gibt es viel erzählerischen Leerlauf. So wird die Identität des Toten erst kurz vor Schluss enthüllt. Davor stochert die Polizei im Nebel und – grundlos – in der Vergangenheit herum. Die Charaktere bleiben erstaunlich blass. Sie blicken ständig melancholisch auf ihr Leben, das episch vor uns ausgebreitet wird, zurück. Dabei gibt es für sie keine Konflikte, aber viele Erinnerungen an ihre Jugend. Vieles wird auch nur angedeutet. So als habe man die Ereignisse vor und nach der Tat, aber nicht die Tat selbst, beobachtet. Einiges wird dann später aufgeklärt. Vieles nicht. Nein, spannend ist das nicht. Und interessant als Studie über Erinnerungen, Entscheidungen, die ein Leben beeinflussen, und Vergangenheitsbewältigung ist es auch nicht.

Raimund A. Mader: Roter Herbst

Gmeiner, 2013

320 Seiten

11,99 Euro

Hinweis

Homepage von Raimund A. Mader

 

 


Ein Blick auf einige neuere Werke von Alan Moore

Januar 22, 2014

 

Moore - Fashion Beast 1Moore - Die Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen 2009

Moore - Die Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen Das schwarze DossierMoore - Neonomicon

Für seine Jünger ist Alan Moore, der mit „Watchmen“, „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ und „From Hell“ ja einige veritable Klassiker schrieb, ein Heiliger.

Für eher profane Geister ist er ein guter Comic-Autor mit einem durchwachsenem Oeuvre, wie auch ein Blick auf seine zuletzt in Deutschland erschienenen Werke zeigt.

Fashion Beast“ ist seine neueste Kreation; – wobei das nicht so genau stimmt. Denn der Ursprung der Geschichte ist ein Filmtreatment von Alan Moore und Malcolm McLaren aus den Achtzigern, das jetzt von Antony Johnston zu einem Comic verarbeitet wurde.

In der in einer dystopischen Welt spielenden Geschichte träumt der Transvestit Doll, während die meisten Menschen um ihre nackte Existenz kämpfen, von einem Leben auf dem Laufsteg. Als sie ihre Arbeit als Garderobiere in einem Nobel-Disco verliert, spricht sie bei dem legendären Modeschöpfer Celestine vor – und wird, wider Erwarten, als Modell genommen.

Wahrscheinlich weil „Fashion Beast“ bereits 1985 geschrieben wurde, wirkt die Geschichte anachronistisch. Das zeigt sich vor allem daran, wie die Modewelt gezeichnet wird und dass das damalige Zeitgefühl, in dem man sich täglich vor der Apokalypse in Form eines Dritten Weltkriegs, den Grenzen des Wachstums, Umweltkatastrophen und damit dem Ende des westlichen Lebensmodells fürchtete und dem Ende mit einer nihilistischen Punk-Attitüde begegnete. Immerhin war der Modemacher Malcolm McLaren auch Manager der „Sex Pistols“.

Dazu gesellen sich storytechnische Probleme. Denn „Gefeuert“ erzählt die erste Hälfte der Geschichte von Doll. Allerdings erfolgte bislang nur ein Set-Up, bei dem weitgehend unklar ist, in welche Richtung die Geschichte sich bewegen soll.

2009“ erzählt eine weitere, ziemlich kurze Geschichte aus der Welt der „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“. Sie ist der abschließende Teil der Jahrhundert-Trilogie (aka Century-Trilogie), spielt 2009, wechselt ziemlich flüssig zwischen den verschiedenen Welten und verliert irgendwo dazwischen eine nachvollziehbare Geschichte. Immerhin erklärt ein Alan-Moore-Lookalike die Mission: „Dieses Reich hat sich darauf verlassen, dass du für uns den Propheten Antichrist findest, sodass wir die Apokalypse verhindern können.“

Wahrscheinlich aufgrund der Kürze fühlt sich die Geschichte wie eine Skizze an, die sich, auch aufgrund ihrer nur angerissenen Hintergrundgeschichten über die Hauptcharaktere, vor allem an Menschen richtet, die mit dem „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“-Kosmos vertraut sind.

Deutlich besser ist, ebenfalls mit der „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, „Das schwarze Dossier“, das auch einen Blick in die Geschichte der Liga wirft, weil Wilhelmina ‚Mina‘ Murray und Allan Quatermain 1958 das titelgebende „Schwarze Dossier“ in einem England, das etwas anders ist, als das England, das wir aus den Geschichtsbüchern kennen, stehlen und es auf ihrer Flucht lesen. Das Dossier ist eine Sammlung von verschiedenen Dokumenten, die etwas mit der Geschichte der Liga zu tun haben, wie „Die Abstammung der Götter“ von Okkultfachmann Oliver Haddo, einer Faksimilie-Ausgabe des Trump-Heftes „Das Leben von Orlando“ (eine bebilderte Biographie), „Feenlands Schicksalsfügung“ von William Shakespeare, „Die neuen Abenteuer der Fanny Hill“ von John Cleland, ein Prospekt von London, wie es 1901 zur Zeit der ersten Murray-Gruppe aussah, „Die irrsinnig weite Ewigkeit“ von Sal Paradyse, eine „Zusammenfassung des des Direktors“ von M und einige Postkarten.

Das ist einerseits witzig zu lesen, wenn Autor Alan Moore und Zeichner Kevin O’Neill mit jedem Dokument radikal den Stil wechseln, sich Zeichengeschichten mit Texten abwechseln. Allerdings ist es auch ungefähr so spannend, wie die Lektüre einer Akte oder, positiv gesagt, einer Zeitschrift.

Dazwischen gibt es eine Verfolgungsjagd mit einem leichten „Die 39 Stufen“-Touch: Bulldog Drummond, Emma Night (aka Emma Peel) und eine James-Bond-Pastiche verfolgen Murray und Quatermain quer durch die englische Landschaft.

Das gelungenste Werk im neuen Output von Alan Moore ist „Neonomicon“. In dem Sammelband sind die sehr locker miteinander verbundenen Geschichten „The Courtyard“ (2003) und „Neonomicon“ (2010/2011) enthalten, die auf Lovecrafts Cthulhu-Mythos basieren und einige ungeahnte Hintergründe über die Entstehung der Cthulhu-Geschichten enthüllen.

In der ersten Geschichte „The Courtyard“ untersucht FBI-Agent Aldo Sax eine Serie von Ritualmorden und stößt auf eine vom Cthulhu-Mythos inspirierte Subkultur.

In der vierteiligen Geschichte „Neonomicon“ sitzt Sax in einem Hochsicherheitstrakt. Die FBI-Agenten Gordon Lamper und Merril Brears untersuchen eine ähnliche Mordserie in Connecticut. Sie vermuten, dass ein seit Jahrzehnten agierender Kult dahinter steckt. Undercover versuchen sie ihn zu infiltrieren, was keine so gute Idee ist.

Alan Moore (Manuskript, Original-Drehbuch)/Malcolm McLaren (Original-Drehbuch)/Antony Johnston (Comic-Skript)/Facundo Percio (Zeichnungen): Fashion Beast: Gefeuert (Band 1)

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2013

132 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Fashion Beast # 1 – 5

August 2012 – Januar 2013

Alan Moore/Kevin O’Neill: Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: 2009

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2013

84 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The League of Extraordinary Gentlemen #3: 2009

2011

Alan Moore/Kevin O’Neill: Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: Das schwarze Dossier

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2013

212 Seiten

29,99 Euro

Originalausgabe

The League of Extraordinary Gentlemen: Black Dossier

2007

Alan Moore/Jacen Burrows: Neonomicon

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2011

160 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe/enthält

The Courtyard (Januar/Februar 2003)

Neonomicon #1 – 4 (Juli 2010/August 2010/Oktober 2010/Februar 2011)

Hinweise

Comic Book Database über Alan Moore

Alan-Moore-Fanseite (etwas veraltet)

Wikipedia über Alan Moore (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alan Moore/Dave Gibbons’ „Watchmen“ (Watchmen, 1986/1987)

Meine Besprechung von Alan Moore/Eddie Campbells „From Hell“ (From Hell, 1999)

 

 


Das Syndikat und sein „Secret Sercive – Jahrbuch 2014“

Januar 20, 2014

Syndikat - Secret Service Jahrbuch 2014

Das neue Jahrbuch „Secret Service“ der deutschsprachigen Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ ist erschienen und, wie in den vergangenen Jahren ist es ein echtes Mixed Bag. Es gibt Thomas Przybilkas Bibliographie von wichtiger Sekundärliteratur, Befragungen der Glauser-Preisträger, Kurzgeschichten, Hintergrundinformationen und Berichte. Was ja auf den ersten Blick nicht schlecht aussieht, aber entscheidend ist die Ausführung.

Also, die Befragungen der Glauser-Preisträger sind wie immer interessant. Dieses Mal wird bei einigen Preisträgern – nachdem ich es bei früheren Ausgaben monierte – sogar erwähnt, für welche Werke sie vom „Syndikat“ ausgezeichnet wurden. Inzwischen habe ich den Verdacht, dass das „Syndikat“ den Preis vergibt, aber die Werke für so unwichtig oder schlecht hält, dass es keine weitere Werbung dafür machen will. Jedenfalls gibt es hier in der Kriminalakte, wie in den vergangenen Jahren, wieder einmal die Liste der Preisträger und ihrer ausgezeichneten Werke:

Bester Roman: Kriegsgebiete, von Roland Spranger

Bestes Debüt: Tödliche Fortsetzung, von Marc-Oliver Bischoff

Bester Kurzkrimi: Hackfleisch, von Regina Schleheck (in „Mordsgerichte“)

Hansjörg-Martin-Preis (Kinder- und Jugendkrimipreis): Elefanten sieht man nicht, von Susan Kreller

Ehrenpreis (für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur): Gunter Gerlach

Ebenfalls sehr interessant ist eine kleine Autorenbefragung, an der sich Jürgen Kehrer, Michael Kibbler, Gisa Klönne, Paul Lascaux, Iny Lorentz, Nele Neuhaus, Ingrid Noll, Thomas Raab, Eva Rossmann und Klaus-Peter Wolf beteiligten. Sie durften aus einem Fragenkatalog vier Fragen auswählen und beantworten.

Witzig sind dieses Mal die Kurzgeschichten geraten, die nur wenige Zeilen, meist eine Drittel Seite, lang sind und durchgehend gelungen sind. Tödliche Krimiwitze eben.

Ziemlich uninteressant sind dagegen die Texte, die sich mit „Information“ und „Weiterbildung“ (Vorwort der Herausgeberin) beschäftigten.

Wie schon im letzten Jahr schreibt ein Rechtsmediziner über „Rechtsmedizin – Geschichte und Zukunft“. Gibt es bei der Polizei nicht auch andere Arbeitsbereiche? Spurensuche? Profiling? Cybercrime? Bestimmte Arbeitsbereiche der Polizei, zum Beispiel: wie läuft eine Mordermittlung ab? Was darf ein Polizist?

In „Recherche Reloaded. Das Internet als Arbeitshilfe für Krimiautorinnen und Krimiautoren“ erklärt Viktor Iro den Aufbau eines Textes, den nur „Syndikat“-Mitglieder bekommen.

Ebenso enttäuschend ist „Gut gemacht, Daniel“, in dem ein Interview mit Daniel Holbe, der die Romanserien des überraschend verstorbenen Andreas Franz weiterschreibt, angekündigt wird. Von dem Interview schafften es ungefähr zwei Sätze in den fünfseitigen Text.

In „Die Liga der außergewöhnlichen Ermittlerfiguren“ werden eine Reihe ungewöhnlicher Ermittlerfiguren aufgelistet, was ungefähr den Reiz eines Lexikonartikels verströmt. Denn ohne Wertung stehen Laien, Antihelden und ein Magier-Detektiv nebeneinander und erst in der Bibliographie, die es zum Glück gibt, erfährt man, wann und wo deren Abenteuer veröffentlicht wurden. Wobei einige schon lange nicht mehr erhältlich sind. Naja, so einen Artikel kann ich auch schreiben, wenn ich mich einige Minuten vor mein Bücherregal stelle.

Und wenn ich dann die Bücher herausziehe, kann ich den Artikel über Romananfänge schreiben. Denn Jürgen Ehlers listet einfach, ohne Wertung, Romananfänge auf. Am Ende der sechzehn Seiten bleibt die Erkenntnis, dass man eine Geschichte verschieden beginnen kann. Wer hätte das erwartet?

Besser wäre es gewesen, wenn er erklärt hätte, welche Romananfänge besser, welche schlechter sind und warum das so ist.

Mein Fazit ist, wie in den letzten Jahren: In der Bibliothek besorgen.

Syndikat (Herausgeber): Secret Service – Jahrbuch 2014

Gmeiner 2014

288 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage vom Syndikat

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2009“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2011“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2012“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2013“


Verfilmte Bücher: „Erbarmen“ ist „Erbarmen“

Januar 15, 2014

Adler-Olsen - Erbarmen - Movie-Tie-In

Die am 23. Januar startende Verfilmung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ veranlasste mich jetzt dazu, endlich den Bestseller zu lesen. Dass ich meine Probleme mit skandinavischen Kriminalromanen habe und mir viele, wie Stieg Larsson und Lars Kepler, nicht gefallen, dürfte hinlänglich bekannt sein. Deshalb stehen Skandinavier mit ihren Wälzern nicht unbedingt ganz oben auf meiner Leseliste.

Trotzdem. Ich könnte mich ja irren und einige Skandinavier (Sjöwall/Wahlöö, Matti Rönkä, Jon Ewo [Warum hat der Unionsverlag nicht mehr den dritten Torpedo-Roman übersetzt?]) haben mir ja gefallen.

In „Erbarmen“, dem ersten Fall von Carl Mørck wird, nachdem ein Einsatz grandios schiefging, ein Polizist starb und der andere vom Kopf abwärts gelähmt ist (Remember Lincoln Rhyme?), Mørck zum Leiter des neugegründeten Dezernat Q ernannt, was eine direkte Beförderung auf das Abstellgleis ist. Denn das Dezernat Q soll alte Fälle wieder aufrollen. Aber die vom Parlament bewilligte gute Ausstattung geht, dank der liebevollen Planung von Mørcks Chef, vollständig in die normale Kriminalpolizei, während Mørck einen Platz im Keller (ganz am Ende des Ganges und dann noch einige Meter weiter) erhält. Erst nach Protesten bekommt er einen Mitarbeiter für Putz- und Hilfsarbeiten. Dieser, Hafez el-Assad, ein syrischer Immigrant mit unklarer Vergangenheit, erweist sich bald als große Hilfe, die auch oft die treibende und vernünftigere Kraft bei den Ermittlungen ist.

Als ersten Fall wählen sie das bis jetzt ungeklärte Verschwinden der Abgeordneten Merete Lynggaard aus. Sie verschwand vor einigen Jahren spurlos von einer Fähre. Offiziell wurde der Fall als Suizid abgeschlossen. Ihr geistig behinderter Bruder Uffe kam in eine noble Psychiatrie. Mørck und Assad entdecken schnell Ungereimtheiten.

In diesem Moment wissen wir, dass Merete in einem luftdicht abgeschlossenem Raum von mehreren Personen gefangen gehalten wird und, weil ein Ereignis aus Meretes Kindheit, ein Autounfall mit mehreren Toten, öfter angesprochen wird, können wir uns denken, dass es einen Zusammenhang zwischen ihrer Geiselnahme und dem Unfall gibt; – was ja kein Problem für eine ordentliche Thriller-Spannung wäre.

Aber furchtbar spannend ist „Erbarmen“ nicht. Dafür ist er viel zu unlogisch. Denn Mørck führt seine Ermittlungen ausgesprochen unprofessionell. So beginnt er die ersten Gespräche mit Zeugen, ohne die Akten gelesen zu haben. Eigentlich stolpert er die gesamte Zeit durch seine Ermittlungen. Er stochert überall herum, in der Hoffnung, dass er irgendetwas findet.

Der Bösewicht hat zwar ein gutes Motiv. Denn Rache geht immer. Aber er sperrt sein Opfer nur jahrelang ein und fragt sie ab und an, warum er sie eingesperrt habe. Bei einer falschen Antwort wird der Luftdruck in der Kammer erhöht. Das ist eine besonders unglückliche „Oldboy“-Variante (und war schon da vor allem ein Konstrukt). Denn woher soll Merete wissen, warum sie eingesperrt wird? Warum unternimmt der Geiselnehmer nichts, sondern pflegt sie jahrelang? Eine auch nur halbwegs befriedigende Antwort darauf gibt Jussi Adler-Olsen nicht.

Die Verfilmung ist ein typischer skandinavischer Thriller mit etlichen Szenen, die offenkundig die Saat für Ereignisse legen, die in den weiteren Mørck-Verfilmungen wichtig werden. Sie ist gelungener als der Roman. Vor allem weil sie deutlich weniger Lebenszeit stiehlt und die Ermittlungen logischer sind.

Inzwischen verfilmt das gleiche Team „Schändung“, den zweiten Carl-Mørck-Roman.

Adler-Olsen - Erbarmen

Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

(übersetzt von Hannes Thiess)

dtv premium 2009

420 Seiten

14,90 Euro (dtv premium)

9,95 Euro (Taschenbuch)

Zum Filmstart erschien ein Movie-Tie-In.

Originalausgabe

Kvinden i buret

Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen, 2008

Verfilmung

Erbarmen - Plakat - 4

Erbarmen (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)

Regie: Mikkel Nørgaard

Drehbuch: Nikolaj Arcel

mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Sonja Richter

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Kinostart: 23. Januar 2014

Hinweise

Dänische Homepage von Jussi Adler-Olsen

Deutsche Homepage von Jussi Adler-Olsen

Krimi-Couch über Jussi Adler-Olsen

Wikipedia über Jussi Adler-Olsen

Homepage zum Film


Orson Scott Cards „Ender’s Game“: der Comic und der Roman

Januar 6, 2014

Inzwischen liegt der zweite und abschließende Band der Comicversion von Orson Scott Cards mit dem Hugo- und Nebula-Preis ausgezeichnetem Science-Fiction-Klassiker „Ender’s Game“ vor, die Verfilmung ist auch schon angelaufen – und ich kann jetzt, immerhin ist der Roman bei uns wesentlich unbekannter als in den USA, unbefangener das Ende der Geschichte von Ender Wiggin diskutieren, ohne dass über Spoiler rumgemault wird.

Wir erinnern uns: Nach einer Invasion der Krabbler (aka Formics), die verhindert werden konnte, rüstet die Menschheit seit Jahrzehnten gegen einen neuen Angriff der Krabbler auf. In einer Kampfschule werden Kinder zu Soldaten ausgebildet. Der beste Soldat ist der am Anfang der Geschichte sechsjährige Ender Wiggin, der durch sein strategisches Talent beeindruckt und in wenigen Jahren zum Anführer der Menschheit gegen die außerirdischen Invasoren werden soll.

Im ersten Teil des Comics „Ender’s Game – Das große Spiel“ wurde der Anfang von Enders Ausbildung gezeigt und auch angesprochen, dass sein Training manipuliert wird, um seine Fähigkeiten voll zu entfalten. Am Ende wurde ihm gesagt, dass er sich für die nächste Stufe seiner Ausbildung, die Kommandantenschule, qualifiziert habe.

Im zweiten Teil wird die weitere Ausbildung des nun neunjährigen Jungen gezeigt. Gegen Ende (genaugenommen am Ende des vierten von fünf Heften) übernimmt der legendäre Mazer Rackham, der im vorherigen Krieg die Krabbler besiegte, seine weitere Ausbildung und im titelgebenden „großen Spiel“, das der Abschluss von Enders Ausbildung sein wird, besiegt er als Kommandant eine riesige Flotte von Angreifern.

Danach erfährt er, dass dieses und die vorherigen Spiele keine Spiele waren, sondern er der Befehlshaber über die gesamte Truppen der Menschheit war und er in seinem letzten Spiel die gesamte Rasse der Krabbler vernichtete.

Im Comic, der sich auf die verschiedenen Übungskämpfe von Ender konzentriert, spielt dieses Dilemma, dass er eine ganze Spezies vernichtete, keine Rolle.

Im Film wird es deutlicher angesprochen. Denn Ender kann nur, wie mehrmals betont wird, seinen Gegner vernichten, wenn er ihn vollkommen versteht – und dann auch liebt. Weil die Krabbler mit ihm über ein Computerspiel bereits – ohne dass er es wusste – Kontakt aufgenommen haben, findet er aber noch das befruchtete Ei einer Krabblerkönigin, mit dem er, wenn er einen neuen Planeten für es findet, seine Schuld etwas ausgleichen kann.

Im Buch, das der Auftakt zu weiteren Geschichten mit Ender ist, wird es noch deutlicher.

Denn Orson Scott Card zeigt in seinem Debütroman „Enders Spiel“ und der Jahre später entstandenen Parallelgeschichte „Enders Schatten“, in dem er Enders Ausbildung und die große Schlacht aus der Sicht von Bean, einem außergewöhnlich intelligentem Untergebenen von Ender, erzählt, viel deutlicher die menschenverachtende Ausbildung von Ender, die nur möglich wird, weil das Militär die Macht übernehmen konnte und die Angst vor einem unbekannten Feind herrscht. „Enders Spiel“ ist hier nur verständlich vor der Folie des Kalten Krieges, der als nie direkt angesprochener Subtext den gesamten Roman durchzieht. In dem 1999 entstandenem „Enders Schatten“ fehlt dieser Subtext, was zu interessanten Verschiebungen führt. Immerhin wurde damals in der internationalen Politik von einer immer stärkeren Verflechtung der Staaten, der zunehmenden Rolle von friedensstiftenden internationalen Kooperationen (im Fachjargon „Regime“) und sogar einem Ende von Kriegen gesprochen.

In beiden Romanen durchzieht die Darstellung der Manipulation der gesamten Ausbildung der Soldaten durch ihre Vorgesetzten die gesamte Geschichte. Es ist immer deutlich, dass die Auszubildenden nur Bauern in einem Spiel sind, was durch die Idee, dass hier Kinder für die Zwecke des Militärs benutzt werden, noch menschenverachtender wird.

In einem Subplot, der im Film und im Comic fehlt, spricht Orson Scott Card die Politik und die Rolle der Medien an. Denn in „Enders Spiel“ beginnen die beiden etwas älteren Geschwister von Ender eine Karriere als politische Kommentatoren – und er beschreibt in diesem Erzählstrang erstaunlich präzise, wie das heutige Internet funktioniert. Die beiden Geschwister schreiben ihre Kommentare unter zwei Tarnidentitäten (die eine ist kriegstreibend, die andere friedliebend) zuerst in politischen Diskussionsforen und, nachdem sie genügend Follower haben, auch in den Leitmedien. Dabei ahnt niemand, dass sogar die politische Elite auf Kinder hört.

Aber der größte Clou von „Enders Spiel“ ist das Ende. Denn nachdem Orson Scott Card vorher die Ausbildung in der Kampfschule so genau beschrieb, dass sogar das US-Militär den Roman auf seine Leseliste für Offiziersanwärter gesetzt hat, gibt es jetzt eine Wendung. Nach dem vorherigem Angriff, bei dem die Krabbler vernichtend geschlagen wurden, haben sie sich auf ihre Welt zurückgezogen und alle Invasionspläne fallen gelassen. Ender hat also einen Gegner besiegt, der überhaupt nicht mehr kämpfen wollte.

Gleichzeitig erkennen wir, dass die gesamte Kriegsparanoia nur funktionierte, weil die Militärs (und die Politik) niemals auf Verständigung, sondern immer nur mit Angst und Aggression operierte. In dem Moment wird der Roman, der sich vorher teilweise wie eine konservative Kampfschrift las (und Orson Scott Card ist vor solchen Anwandlungen nicht gefeit), zu einem Aufruf zur Verständigung. Zum Dialog.

Card - Ender s Game - 2

Orson Scott Card (Projektleitung)/Christopher Yost (Skript)/Pasqual Ferry (Zeichnungen): Ender’s Game – Das große Spiel (Band 2)

(übersetzt von Bluna Williams)

Panini, 2013

132 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Ender’s Game: Command School 1 – 5

Marvel 2010

Die Vorlage

Card - Enders Spiel - 2Card - Enders Schatten - 2

Orson Scott Card: Enders Spiel

(übersetzt von Karl-Ulrich Burgdorf)

Heyne, 2012

464 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Ender’s Game

Tor, 1985

(1991 erschien eine vom Autor leicht überarbeitete Ausgabe)

Frühere deutsche Ausgaben als „Das große Spiel“ und, als Doppelband mit dem zweiten Ender-Roman, als „Ender“.

Orson Scott Card: Enders Schatten

(übersetzt von Regina Winter)

Heyne, 2013

592 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Ender’s Shadow

Tor, 1999

Die Verfilmung

Ender s Game - Plakat

Ender’s Game – Das große Spiel (Ender’s Game, USA 2013)

Regie: Gavin Hood

Drehbuch: Gavin Hood

LV: Orson Scott Card: Ender’s Game

mit Asa Butterfield, Harrison Ford, Ben Kingsley, Abigail Breslin, Hailee Steinfeld, Moises Arias, Viola Davis, Nonso Anozie, Aramis Knight, Jessica Harthcock

Länge: 114 Minuten

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Moviepilot über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Metacritic über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Rotten Tomatoes über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Wikipedia über „Ender’s Game – Das große Spiel“ (deutsch, englisch)

Homepage von Orson Scott Card

Phantastik-Couch über Orson Scott Card

Wikipedia über Orson Scott Card (deutsch, englisch)

Epilog: Interview mit Orson Scott Card (2004)

Meine Besprechung von Orson Scott Card (Projektleitung)/Christopher Yost (Skript)/Pasqual Ferrys (Zeichnungen) „Ender’s Game – Das große Spiel (Band 1)“ (Ender’s Game: Battle School 1 – 5, 2009)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Ender’s Game – Das große Spiel“ (Ender’s Game, USA 2013)


Richard Castle lässt Derrick Storm in die „Storm Front – Sturmfront“ ziehen

Januar 3, 2014

Nachdem Bestsellerautor Richard Castle in den vergangenen Jahren sich auf seine Serie mit der NYPD-Polizistin Nicki Heat als Heldin (inspiriert von der NYPD-Polizistin Kate Beckett, die er bei der Arbeit beobachtete und mit der er inzwischen zusammen lebt), konzentrierte, kehrte er mit „Storm Front – Sturmfront“ zu seinem vorherigen Seriencharakter Derrick Storm zurück. Storm ist ein Privatdetektiv, der auch und vor allem als Geheimagent für eine supergeheime CIA-Unterabteilung arbeitet und er ist salopp gesagt eine gelungene Mischung aus James Bond und McGyver.

Deshalb muss er auch den Tod von mehreren hochrangigen Bankern, die auf verschiedenen Kontinenten bestialisch ermordet wurden, untersuchen. Sie wurden von Gregor Volkov ermordet, einem Folterknecht, den Storm vor Jahren – so hat er geglaubt – tötete. Volkov will von seinen Opfern ihren Code für den Computer MonEx 4000 haben, mit dem man unglaublich große Verkäufe an der Börse tätigen kann, haben.

Wie Storm mit der gutaussehenden chinesischen Agentin Ling Xi Bang herausfindet, besagt eine Theorie, dass man mit sechs rund um den Globus verteilten Großverkäufern den Wert der US-Währung ins Bodenlose fallen lassen kann.

Aber wer sind die letzten beiden Opfer von Volkov und wer ist Volkovs größenwahnsinniger Auftraggeber, der die Welt in ein ökonomisches Chaos stürzen will?

Storm Front – Sturmfront“ ist ein flotter Agententhriller, bei dem fast die gesamte zweite Hälfte ein einziges atemberaubendes Action-Finale ist, mit allem, was das Herz des Action-Fans begehrt. Gleichzeitig werden die vorher gelegten Spuren, Informationen und Charaktere (kleiner Hinweis: kein Charakter ist unwichtig) fein zusammengefügt. Da zeigt sich die gute alte Autorenschule, dass ein Gewehr, das am Anfang unter dem Bett versteckt wird, später wichtig wird. Und es gibt einige köstliche Szenen, zum Beispiel wenn Derrick Storm in New York an einem Tatort Nicki Heat und Jameson Rook trifft und Rook nach einem Blick auf Storm meint: „Er sieht zu gut aus für einen Verdächtigen.“.

Das ist gut gemachte, effiziente Flughafenlektüre oder Sommerlektüre, die einen auch im Winter zuverlässig eine Stunden aus der tristen Wirklichkeit entführt, ohne dass man sich im nachhinein dafür schämen muss. „Storm Front“ steht halt in der Stephen-J.Cannell-Schule, in der Entertainment mit ernsten Grundierungen und einer ordentlichen Portion Humor an erster Stelle steht; siehe unter anderem „Detektiv Rockford – Anruf genügt“, „Trio mit vier Fäusten“, „The A-Team“ und „Kampf gegen die Mafia“. Naja, der zu früh verstorbene Cannell war ja auch ein Pokerpartner von Richard Castle.

Und als Nachfolger von James Bond schlägt Derrick Storm sich ausgezeichnet, wie ein Blick auf die Bond-Checkliste zeigt: größenwahnsinniger Schurke (vorhanden), schöne Frauen (vorhanden), Opfertod (vorhanden), Jet-Set-Leben (vorhanden), Gadgets (vorhanden), Action (vorhanden).

Vielleicht sollten die Ian-Fleming-Nachlassverwalter mal Richard Castle fragen, ob er einige James-Bond-Romane schreiben will.

Castle - Storm Front

Richard Castle: Storm Front – Sturmfront

(übersetzt von Sabine Elbers)

Cross Cult, 2013

384 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

Storm Front

Hyperion, 2013

Hinweise

Homepage von Richard Castle

Wikipedia über Richad Castle

ABC-Seite über „Castle“

Kabel-1-Seite über “Castle”

Wikipedia über „Castle“ (deutsch, englisch)

The Futon Critic interviewt Andrew W. Marlowe (21. November 2009)

„Castle“-Fanseite

Richard Castle in der Kriminalakte (eins, zwei, drei , vier und beim Paley Fest)

Meine Besprechung von Richard Castles „Heat Wave – Hitzewelle“ (Heat Wave, 2009)


Wyatt ist zurück im „Dirty Old Town“

Januar 2, 2014

Disher - Dirty Old Town

Wyatt, der eiskalte Profi-Gangster ist zurück und in den gut fünfzehn Jahren seiner literarischen Abwesenheit veränderte er sich überhaupt nicht. Gleich auf den ersten Seiten von „Dirty Old Town“ begeht er einen Überfall, der schiefgeht. Er flüchtet indem er in der Menge untertaucht, dabei seine .32er entsorgt, seine Kleider wechselt und ein Auto klaut. Danach plant er den nächsten Coup.

Der Hehler Eddie Oberin nennt ihm einen Juwelier, der mit gestohlenen Waren aus Europa Geld verdient und jetzt wieder eine größere Lieferung bekommt. Oberin will dabei sein. Ebenso seine Ex-Frau Lydia Stark, von der der Tipp stammt.

Wyatt ist skeptisch. Denn als Profi arbeitet er lieber allein. Aber er braucht das Geld und ist einverstanden. Allerdings weiß er nicht, dass der aus Europa kommende Kurier Alain Le Page ein veritabler und skrupelloser Gegner ist, er keinen Schmuck, sondern Wertpapiere (die sehr wertvoll sind) schmuggelt und Oberin eine ziemlich durchgeknallte Freundin hat.

Oh, und dann ist da noch Tyler, der Neffe von Ma Gadd (einer Blumenhändlerin und Waffenverkäuferin), der Wyatt bewundert und eine Karriere als Verbrecher anstrebt.

Natürlich ist Wyatt die australische Ausgabe von Richard Starks Parker und Garry Disher will das auch überhaupt nicht verleugnen. Im Gegenteil. Wenn er auf den ersten Seiten von „Dirty Old Town“ Wyatt und sein Berufsethos vorstellt, könnte dort genausogut „Parker“ stehen. Und das ist gut so. Denn es gibt inzwischen einfach zu wenige geradlinige Gangsterkrimis.

„Dirty Old Town“ erhielt, verdient, den Ned-Kelly-Preis als bester Kriminalroman des Jahres.

Garry Disher: Dirty Old Town

(übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller)

Pulp Master, 2013

336 Seiten

13,80 Euro

Originalausgabe

Wyatt

2010

(Disher wollte den Roman, so meine Erinnerung, ursprünglich „Dirty Old Town“ nennen)

Wyatts frühere, sehr empfehlenswerte Raubzüge

1. Gier (Kickback, 1991)

2. Dreck (Paydirt, 1993)

3. Hinterhalt (Deathdeal, 1993)

4. Willkür (Crosskill, 1994)

5. Port Vila Blues/Vergeltung (Port Vila Blues, 1995)

6. Niederschlag (The Fallout, 1997)

7. Dirty Old Town (Dirty Old Town, Wyatt, 2010)

Hinweise

Homepage von Garry Disher

Wikipedia über Garry Disher (deutsch, englisch)

Garry Disher in der Kriminalakte


Wieder aufgelegt, oft sogar neu übersetzt und mit Ergänzungen

Dezember 31, 2013

Die Tage sind einige Klassiker wiederaufgelegt worden, mit neuem Umschlag, teils mit Nachworten, teils neu übersetzt; wobei Neuübersetzung es nicht so genau trifft, weil auch das Original in einer überarbeiteten oder neuen (d. h. ursprünglichen) Fassung erschien.

Smith - Gorki Park - 2

Anlässlich der Veröffentlichung von Martin Cruz Smiths neuem Arkadi-Renko-Roman „Tatjana“ veröffentlichte der C.Bertelsmann-Verlag auch seinen ersten Arkadi-Renko-Roman „Gorki Park“, mit einem neuen, vierseitigem Nachwort von Tobias Gohlis wieder. In „Gorki Park“ will Chefinspektor Arkadi Renko herausfinden, wer drei Menschen im titelgebenden Gorki Park ermordete.

Der Roman, der damals ein Bestseller war, ist inzwischen ein Krimi-Klassiker, der einen Blick zurück in die Hochzeit des Kalten Krieges wirft.

Für alle, die ihn immer noch nicht gelesen haben: Lesebefehl.

Martin Cruz Smith Gorki Park

(mit einem Nachwort von Tobias Gohlis)

(übersetzt von Wulf Bergner)

C. Bertelsmann, 2013

416 Seiten

14,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Scherz Verlag, 1982

Originalausgabe

Gorky Park

Random House, 1981

Hinweise

Wikipedia über die Verfilmung “Gorky Park” (deutsch, englisch)

Homepage von Martin Cruz Smith

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Die goldene Meile“ (Three Stations, 2010)

Burgess - Clockwork Orange - Die Urfassung - 2

Gleich noch ein Klassiker: „Uhrwerk Orange“ von Anthony Burgess, das jetzt als „Clockwork Orange“ bei Klett-Cotta erschien.

Allerdings handelt es sich hier nicht um eine Neuauflage, sondern Ulrich Blumenbach übersetzte die Urfassung der Geschichte von Alex, dessen gesellschaftsschädlichen Triebe und gewalttätiges Verhalten ihm mit einer speziellen Therapie ausgetrieben werden sollen.

Ergänzend zum Roman gibt es umfangreiches Bonusmaterial, teils von Anthony Burgess, teils von Andrew Biswell und Ulrich Blumenbach.

Auch hier wieder: Lesebefehl.

Die Verfilmung von Stanley Kubrick kann man sich danach ansehen.

Anthony Burgess: Clockwork Orange – Die Urfassung

(übersetzt von Ulrich Blumenbach)

Klett-Cotta, 2013

352 Seiten

21,95 Euro

Originalausgabe

A Clockwork Orange – The Restored Edition

William Heinemann, 2012

Hinweise

Homepage der Anthony Burgess Foundation

Wikipedia über Anthony Burgess (deutsch, englisch)

Blatty - Der Exorzist - 2

Klassiker Nummer 3: „Der Exorzist“. Denn bevor die junge Regan (Linda Blair) im Film unchristliche Flüche ausstieß, Gegenstände bewegte, ihren Kopf verdrehte und spuckte und ein Pater einen Exorzismus durchführte, schrieb William Peter Blatty den 1971 erschienenen Bestseller „Der Exorzist“.

2011, zum vierzigjährigem Jubiläum des Romans, erschien eine von ihm überarbeitete Version des Romans, die anscheinend weitgehend in einem sprachlichen Feinschliff und einem neuen Charakter in einer neuen, alptraumhaften Szene besteht. Für Blatty ist diese Fassung die endgültige Fassung des Romans – und sie erschien jetzt auch auf Deutsch.

William Peter Blatty: Der Exorzist

(übersetzt von Barbara Först)

Bastei-Lübbe, 2013

432 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

The Exorzist

Harper Collins, 2011

Hinweise

„The Exorzist“-Fanseite

Kirjasto über William Peter Blatty

Wikipedia über William Peter Blatty (deutsch, englisch)

Thomas - Die Backup-Männer - 2Thomas - Dämmerung in Mac's Place - 2

Klassiker Nummer 4 und 5, beide, im Gegensatz zu den vorherigen Romanen, nicht verfilmt: Die letzten beiden Mc-Corkle-und-Padillo-Romane „Die Backup-Männer“ und „Dämmerung in Mac’s Place“ von Ross Thomas, die ich in einer großen Mc-Corkle-und-Padillo-Jubelarie abfeiern wollte. Wie üblich in der Ross-Thomas-Gesamtausgabe des Alexander-Verlages sind die Übersetzungen durchgesehen und bei „Die Backup-Männer“ sogar deutlich erweitert worden.

In „Die Backup-Männer“, das kurz nach den ersten beiden Mc-Corkle-und-Padillo-Geschichten „Kälter als der Kalte Krieg“ und „Gelbe Schatten“ erschien, sollen sie in den USA einen zukünftigen König eines erdölreichen Landes beschützen – und schon stapeln sich die Leichen in einem Krieg mit unklaren Fronten. Aber Mc Corkle und Padillo sind nie um einen lakonischen Spruch verlegen. Das ganze liest sich wie ein guter Siebziger-Jahre-Thriller.

Zwanzig Jahre später steht „Mac’s Place“ noch immer in Washington und wieder geraten die beiden Freunde in eine undurchsichtige Geheimdienstgeschichte. Denn CIA-Söldner Steadfast Haynes schrieb vor seinem Tod seine Memoiren „Zum Söldner berufen“ und weil er in unzählige schmutzige Aktionen involviert war, wollen viele verschiedene Parteien den brisanten Text aus teilweise durchaus verständlichen egoistischen Interessen haben.

Das wäre dann ein doppelter Lesebefehl.

Ross Thomas: Die Backup-Männer

(übersetzt von Wilm W. Elwenspoek, Heinz F. Kliem und Jochen Stremmel)

Alexander Verlag, 2012

248 Seien

14,90 Euro

Originalausgabe

The Backup Men

1971

Deutsche gekürzte Erstausgabe

Was ich nicht weiß, macht mich nicht kalt

Ullstein, 1972

Ross Thomas: Dämmerung in Mac’s Place

(übersetzt von Bernd Holzrichter)

Alexander Verlag, 2013

392 Seiten

14,90 Euro

Originalausgabe

Twilight at Mac’s Place

1990

Deutsche Erstausgabe

Letzte Runde in Mac’s Place

Ullstein, 1992

Hinweise

Wikipedia über Ross Thomas (deutsch, englisch)

Alligatorpapiere: Gerd Schäfer über Ross Thomas (Reprint “Merkur”, November 2007)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Gottes vergessene Stadt” (The Fourth Durango, 1989)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Kälter als der Kalte Krieg“ (Der Einweg-Mensch, The Cold War Swap, 1966)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Teufels Küche“ (Missionary Stew, 1983)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Am Rand der Welt“ (Out on the Rim, 1986)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Voodoo, Ltd.“ (Voodoo, Ltd., 1992)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ “Der Yellow-Dog-Kontrakt” (Yellow Dog Contract, 1976)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Gelbe Schatten“ (Cast a Yellow Shadow, 1967)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Der achte Zwerg“ (The Eight Dwarf, 1979)

Kleine Ross-Thomas-Covergalerie in der Kriminalakte


Angelesen und aufgeblättert

Dezember 31, 2013

Das Jahresende ist eine genauso gute Gelegenheit, wie jeder andere Tag, den Schreibtisch aufzuräumen und die ganzen Bücher, die ich in den vergangenen Monaten aus verschiedenen Gründen nicht abfeiern konnte, oder immer noch nicht vollständig gelesen habe (und ich abschätzen kann, dass ich sie die nächsten Tage nicht fertig lesen werde), wenigstens kurz zu besprechen. Immerhin ist mein bisheriger Eindruck von den angelesenen Werken gut.

Droste - Sprichst du noch oder kommuniziert du schon - 2

Apropos „angelesen“. Das ist natürlich, wie Wiglaf Droste in seiner Kolumne „Angedacht“ sagt, die Faulheit etwas selbst zu beenden. Viel lieber überlässt man die Arbeit jemand anderem. In einem Betrieb natürlich den Untergebenen.

Inzwischen habe ich seine neueste Textsammlung „Sprichst du noch oder kommunizierst du schon?“ fast zu Ende gelesen und – natürlich – sind es herrlich pointierte Sprachglossen und treffende Alltagsbeobachtungen.

Sehr empfehlenswert, wobei man die meist zwei- bis dreiseitigen Texte, wohldosiert lesen sollte. Jeden Abend einen. Oder zwei. Oder drei. Ach, einer geht noch.

Wiglaf Droste: Sprichst du schon oder kommunizierst du schon?

Goldmann, 2013

224 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Verlag Klaus Bittermann, 2012

Hinweise

Tourmanagement von Wiglaf Droste

Homepage von „Häuptling Eigener Herd“

Homepage von MDR Figaro

Wikipedia über Wiglaf Droste

Meine Besprechung von Wiglaf Drostes „Im Sparadies der Friseure“(2009/2010)

Jacques - Das kleine Buch der Mafia-Weisheiten - 2

In kleinen Dosen sollte man auch „Das kleine Buch der Mafia-Weisheiten“ von Wesley Jacques lesen. In ihm sind, hübsch thematisch gebündelt, Weisheiten von echten und falschen Mafiosi (also den bekannt-beliebten Filmgangstern), weitgehend eben den üblichen Verdächtigen, enthalten.

Einige Kostproben:

Der Lauteste in einem Raum ist immer auch der Schwächste. (Frank Lucas)

Trag keine Waffe bei dir. Es ist schön, sie in der Nähe zu haben, aber trage sie nicht bei dir. Du könntest verhaftet werden. (John Gotti)

Du kannst kein Geld machen mit einer Waffe in der Hand. (Lucky Luciano – Bonano: A Godfather’s Story, 1999)

Kapitalismus ist die legitime Gaunerei der herrschenden Klasse. (Al Capone, von dem es auch weitere Gedanken zu dem Thema gibt)

Woher wollen Sie wissen, dass Sie kein Schmiergeld mögen, wenn Sie nie welches angenommen haben? Hier. (Fat Tony – Die Simpsons, 1997)

Eine falsche Entscheidung ist besser als keine Entscheidung. (Tony Soprano – Die Sopranos, 1999)

Mehr..

Wesley Jacques: Das kleine Buch der Mafia-Weisheiten

(übersetzt von Wolfdietrich Müller)

Lübbe, 2013

192 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

The little black Book of Mafia Wisdom

Skyhorse Publishing, 2012

Das Science Fiction Jahr 2013 - 2

Gewohnt umfangreich und informativ fällt „Das Science-Fiction-Jahr 2013“ aus: es gibt längere Nachrufe auf Boris Strugatzki, Harry Harrison und Jack Vance, mehrere Texte über das Verhältnis von Science-Fiction zur Realität, zur Wissenschaft und warum Science -Fiction so selten die Zukunft vorhersagen kann und vertiefende Texte über James Triptree jr., Ridley Scott, Frank Herberts „Der Wüstenplanet“ und die Versuche, es zu verfilmen, ein Interview mit Daniel Suarez, Cory Doctorow schreibt über „Digitale Übermütter“ und beschäftigen sich, topaktuell, mit Datensicherheit und dem Verhältnis von Computerbesitzern und -nutzern zueinander.

Es gibt, wie immer, Buch-, Comic-, Hörspiel-, Film- und Game-Kritiken, eine ausführliche Markübersicht, etliche Preisträgerlisten und mehrere kurze Nachrufe.

Gerade die Nachrufe und Autorenporträts haben die unangenehme Nebenwirkung, dass ich ins nächtsgelegene Antiquariat stürmen will. Denn die deutschen Übersetzungen der meisten Werke von Vance, Harrison („Solyent Green“ ist gerade wieder erschienen), und Triptree jr. (obwohl es da eine neue, noch nicht vollständig erschienene Werkausgabe gibt) sind nur noch dort erhältlich. In den USA sieht die Situation besser aus, aber nicht jeder kann und will die Werke im Original lesen.

Kleines Sonderlob: Am Ende der Texte gibt es erstmals kleine Autorenbiographien.

Kleiner Hinweis: Für den Frühling ist „Das Science-Fiction-Jahr 2014“ bereits angekündigt.

Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science-Fiction-Jahr 2013

Heyne, 2013

992 Seiten

36,99 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak, Sebastian Pirling, Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2012“

von Seldeneck - 111 Orte in Berlin die man gesehen haben muss - Band 2Kohl - 111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazi-Zeit

Den Antiquariatsbesuch kann ich natürlich mit einem kleinen Stadtbummel verbinden und mir einige mir noch unbekannte Ecken von Berlin ansehen, die ich in „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss – Band 2“ und „111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazi-Zeit“ entdeckte.

Während Lucia Jay von Seldencek, Carolin Huder und Verena Eidel bei „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss – Band 2“ nach dem ersten Band und „111 Orte in Berlin, die Geschichte erzählen“ langsam überlegen müssen, welche Plätze sie noch empfehlen, hatte Paul Kohl, mit Fotografien von Nadia Boegli, für „111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazi-Zeit“ das gegenteilige Problem: welche der vielen Nazi-Orte sollte er nicht hineinnehmen?

Aufgebaut sind die beiden Reiseführer gleich und damit auch wie die anderen Emons-Reiseführer: pro Doppelseite wird ein Ort vorgestellt. Links mit Worten. Rechts mit einem Bild, manchmal auch zwei: ein historisches und ein aktuelles, auf dem wir oft sehen, dass die Orte sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr änderten. Gebäude wurden umgebaut, zerstört, neu gebaut, Brachen verwilderten oder wurden bebaut.

Für mich als Neu-Berliner: feine Lektüre. Die gebürtigen Berliner brauchen das Buch nicht, weil sie nie ihren Kiez verlassen.

Lucia Jay von Seldeneck/Carolin Huder/Verena Eidel: 111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss – Band 2

Emons, 2013

240 Seiten

14,95 Euro

Paul Kohl: 111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazi-Zeit

Emons, 2013

240 Seiten

14,95 Euro

Seesslen - Filmwissen Thriller - 2

Georg Seeßlen schreibt weiter an der Neuveröffentlichung seiner „Grundlagen des populären Films“. Erstmals erschienen die Filmbücher, die sich kundig und chronologisch mit verschiedenen Filmgenres beschäftigen, in den Siebzigern bei rororo. Seitdem gab es erweiterte Neuauflagen, zuletzt in den Neunzigern.

Damals in den Siebzigern waren die Bücher, die sich kundig mit den Filmgenres beschäftigten, für die Filmfans eine rettende Oase. Heute ist es, nach einer Blüte, wieder ähnlich. Denn Bücher, die sich kundig und analytisch mit dem Film beschäftigen, werden eigentlich nur noch von Kleinverlagen verlegt. Bei den großen Verlagen gibt es ab und an eine Starbiographie.

Als vierten Band der „Grundlagen des populären Films“-Neuveröffentlichung erschien jetzt „Filmwissen: Thriller“ und, im Vergleich zur vorherigen Ausgabe von 1995, hat sich der Umfang ungefähr verdoppelt. Das neue Kapitel „1995 – 2013: Globalisierte Stätten der Angst“ umfasst die Seiten 275 bis 508, in der er sich, weitgehend chronologisch und thematisch leicht sortiert, mit dem Thriller-Geschehen der letzten gut zwanzig Jahre beschäftigt.

Der Vorteil der von Georg Seeßlen gewählten Struktur ist, dass sie – nach dem thematischen Eingangskapitel über die mythologischen Grundlagen des Kinos der Angst – leicht erweitert werden kann. Der Nachteil ist, dass sich die chronologische Abhandlung der einzelnen Filme schnell lexikalisch liest und ein Lexikon lädt nun einmal mehr zum herumblättern als zum chronologischen Durchlesen an. Davon abgesehen: beeindruckend, welche Filmmenge der gute Mann sich ansieht.

Georg Seeßlen: Filmwissen: Thriller

Schüren, 2013

536 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (2009)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „George A. Romero und seine Filme“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Detektive (Grundlagen des populären Films)“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Western (Grundlagen des populären Films)“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Abenteuer (Grundlagen des populären Films)“ (2011)

Keazor HRSG - Hitchcock und die Künste - 2

Der König des Thrillers war Alfred Hitchcock. In „Hitchcock und die Künste“ sind die während der gleichnamigen Ringvorlesung in Saarbrücken 2011/2012 gehaltenen Vorträge und ein weiterer Text, reichhaltig illustriert, erschienen.

Es geht um Hitchcocks Literaturverfilmungen, das Londoner Theater der zwanziger und dreißiger Jahre, die Architektur in seinen Filmen, die Musik und den Zusammenhang zwischen Essen, Sexualität und Tod in seinen Filmen und aktuelle Auseinandersetzungen von Künstlern mit seinem Werk.

Das ist natürlich etwas speziell und eher für die Hitchcock-Fans, die sich in bestimmte Aspekte von seinem Werk vertiefen wollen. Wie mich, der die fünfte Hitchcock-Biographie nicht so reizvoll findet.

Henry Keazor (Hrsg.): Hitchcock und die Künste

Schüren, 2013

224 Seiten

19,90 Euro

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Flintrop-Stiglegger HRSG - Dario Argento - 2

Irgendwo zwischen Thriller und Horror steht Dario Argento, der „Profondo Rosso“, „Susperia“, „Tenebrae“ und „Opera – Terror in der Oper“ inszenierte, dessen Werke in Deutschland allerdings kaum im Kino liefen und insgesamt, bis auf sein Debüt „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ (einer Pseudo-Bryan-Edgar-Wallace-Verfilmung, die öfters im TV läuft), eine beeindruckende Zensurgeschichte hinter sich haben. Einen ersten Eindruck von dieser Geschichte bieten die Fassungsinformationen in Argentos Filmographie am Ende des von Michael Flintrop und Marcus Stiglegger herausgegebenen Buches „Dario Argento – Anatomie der Angst“. Es ist die erste ausführliche Auseinandersetzung mit dem Werk des Giallo- und Gothic-Horror-Regisseurs, der immer wieder ein Händchen für beeindruckende und einprägsame Bilder hatte.

In dem Buch wird, von verschiedenen Autoren (unter anderem Ivo Ritzer, Dominik Graf, Thomas Groh und Oliver Nöding) jeder Argento-Film besprochen. Es gibt vertiefende Artikel zu bestimmten Aspekten von Argentos Werk, wie Argentos Werk im Spiegel des Grand Guignol, die Musik, seine Räume, Genre und Gender, einen Vergleich zwischen Dario Argentos und Brian De Palmas Werk und natürlich sein Werk im Spiegel der deutschen Justiz.

Michael Flintrop/Marcus Stiglegger (Hrsg.): Dario Argento – Anatomie der Angst

Bertz + Fischer, 2013 (Deep Focus 16)

304 Seiten

25 Euro

Hinweise

Wikipedia über Dario Argento (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Brunow - Scenario 7

Von dem jährlichen Drehbuchalmanach „Scenario“ gibt es inzwischen die siebte Ausgabe und bislang wurde am bewährten Aufbau nichts geändert. Für die nächste Ausgabe verspricht Herausgeber Jochen Brunow einige Neuerungen.

In dem aktuellen Band gibt es, wie immer, ein ausführliches Interview mit einem Drehbuchautor (dieses Jahr Stefan Kolditz [„Dresden – Das Inferno“, Unsere Mütter, unsere Väter“], in „Scenario 5“ war es Dominik-Graf-Autor Rolf Basedow [„Hotte im Paradies“, „Im Angesicht des Verbrechens“]), Essays, Blicke in die Geschichte des Films unter besonderer Berücksichtigung des Drehbuchs (dieses Jahr unter anderem über Tonino Guerra), einige Rezensionen und das Drehbuch des Jahres: „Freistatt – Drehbuch für ein historisches Drama“, von Nicole Armbruster und Marc Brummond.

Insgesamt eine feine Lektüre, auch wenn der Fokus auf deutschsprachigen Autoren liegt und oft Neulinge über ihre ersten Werke berichten; – was nicht uninteressant ist, aber ich würde auch gerne die Gedanken von langjährigen Autoren über ihre Arbeit und vielleicht einigen Einblicken in das Leben eines Serien-TV-Autors irgendwo zwischen „Soko“, „Traumschiff“ und „Tatort“ und einem Blick auf die ökonomischen Bedingungen des Schreibens und Produzierens von Filmen und vielleicht auch einmal ein Artikel, über die Qualitäten des deutschen Fernsehens freuen. Immerhin feiert Jochen Brunow die HBO-Serie „Treme“ ab, die bislang bei uns nicht auf DVD veröffentlicht oder im TV ausgestrahlt wurde.

Jochen Brunow (Herausgeber): Scenario 7 – Film- und Drehbuchalmanach

Bertz + Fischer, 2013

336 Seiten

24 Euro

Hinweise

Homepage von Jochen Brunow

Meine Besprechung von Jochen Brunows „Scenario 3 – Film und Drehbuchalmanach“

Meine Besprechung von Jochen Brunows „Scenario 4 – Film und Drehbuchalmanach“


Klauen wir „Die große Odaliske“

Dezember 30, 2013

 

Vives - Die grosse Odaliske

Carole und Alex sind zwei Schönheiten, die ihr Geld mit Kunstdiebstählen verdienen und dabei in einer Mischung aus Planung, Kaltschnäuzigkeit und Improvisation vorgehen, die Lara Croft gefallen könnte. Wobei Alex schon einmal während des Diebstahls abgelenkt ist, weil sie sich gerade per SMS und Handy mit ihrem Freund unterhält.

Ihr neuester Auftrag ist der Diebstahl von Ingres Meisterwerk „Die große Odaliske“ aus dem Louvre. Als Verstärkung holen sie sich die Motorradakrobatin Sam ins Team. Die Waffen besorgen sie von dem Diplomatensohn Clarence, der sie in der Gepäck seines Vaters ins Land schmuggelt.

Die große Odaliske“ von Bastien Vivès und Ruppert & Mulot liest sich wie die Vorlage für eine Krimikomödie mit viel Action. Dank der Kürze und der wenigen Dialoge und oft angenehm skizzenhaft wirkenden Panels ist es ein flotter Krimi mit Retro-Feeling.

Allerdings ist die Geschichte auch ziemlich brutal, wenn die zuerst zwei, später drei Frauen bei ihren Einbrüchen ziemlich bedenkenlos eine Spur der Verwüstung, von Betäubten und Toten hinterlassen. Auch das Louvre, das sie bei ihren Planungen heil lassen wollten, dürfte nach ihrem Diebstahl, inclusive exzessivem Polizeieinsatz, ziemlich renovierungsbedürftig sein. Und ihre Pläne sind, nun, ziemlich gewagt. Einem Parker oder einem Wyatt wäre ein solcher Schlamassel, der halt entsteht, wenn man seine Pläne mit heißer Nadel strickt, nicht passiert.

Die Story bewegt sich teilweise sprunghaft voran und bricht ziemlich abrupt ab. Auch der Ausflug nach Mexiko, um Clarence aus den Händen der Drogenbosse zu retten, ist eigentlich verzichtbar, wartet aber mit einer kleinen „The Losers“-Reminiszenz auf.

Letztendlich steht „Die große Odaliske“ in der Tradition der eskapistischen französischen Krimikomödien à la „Le magnifique“, „Der Unverbesserliche“ oder „Der Puppenspieler“, die früher im Kino liefen, gerne mit Jean-Paul Belmondo, der mit einem breiten Grinsen alle Bedenken, vor allem die nach einer glaubwürdigen Geschichte, wegwischte. Moralische Bedenken waren sowieso nie ein Thema.

Bastien Vivès/Ruppert & Mulot: Die große Odaliske

(übersetzt von Mireille Onon)

Reprodukt, 2013

124 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

La grande Odalisque

Dupuis 2012

Hinweis

Homepage von Bastien Vivès

Homepage von Ruppert & Mulot

 

 


„Stitched“ geht mit „Das schwarze Fass“ in die zweite Runde

Dezember 30, 2013

Wolfer-Furukawa - Stitched Band 2

Der erste „Stitched“-Sammelband „Die lebenden Toten“, geschrieben und gezeichnet von Mike Wolfer nach einer Geschichte von Garth Ennis, der die Geschichte ursprünglich verfilmen wollte, war eine in sich abgeschlossene Geschichte über einige Soldaten, die in den afghanischen Bergen gegen die „Stitched“, eine Spezies Untoter, und Sklavenhändler kämpften.

Am Ende, nach einer blutigen Schlacht, waren die Stitched tot. Aber wie wir inzwischen aus zahllosen Büchern, Comics und Filmen wissen, ist auch der Tod nicht mehr endgültig. Jedenfalls wenn die Kasse stimmt und so wurde aus der abgeschlossenen „Stitched“-Geschichte „Die lebenden Toten“ der Auftakt für eine Serie. Mit „Das schwarze Fass“ liegen jetzt die ersten sechs Hefte der Serie, geschrieben von Mike Wolfer und gezeichnet von Fernando Furukawa, vor. Sie sind eine Mischung aus weiteren Geschichten aus dem „Stitched“-Universum und der Auftakt für eine größere Geschichte, die sich nur rudimentär, eigentlich nur als Cliffhanger am Ende des Buches, abzeichnet.

Denn natürlich wurden am Ende von „Stitched: Die lebenden Toten“ nicht alles Untoten getötet. Rashid Salib konnte mit sechs Stitched und dem titelgebendem Fass entkommen. In den ersten beiden Heften versucht eine Spezialeinheit auf einem Frachtschiff Rashid Salib zu überwältigen. Die Aktion geht schief und in den restlichen Heften lesen wir, wie Rashid Salib auf Sri Lanka in einem abgelegenem Landstrich versucht, dem reichen Sammler Philip Strathmore seine Beute zu verkaufen. Das Verkaufsgespräch gerät etwas außer Kontrolle…

Das schwarze Fass“ ist spannende, actionreiche Horrorunterhaltung, die durchaus Spaß macht und auch gut ohne Kenntnis der ersten „Stitched“-Geschichte funktioniert.

Mike Wolfer/Fernando Furukawa: Stitched: Das schwarze Fass (Band 2)

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini Comics, 2013

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Stitched # 8 – 13

Avatar Press, 2013

Hinweise

Homepage zu „Stitched“

Homepage von Mike Wolfer

Meine Besprechung von Garth Ennis und Mike Wolfers „Stitched: Die lebenden Toten“ (Band 1) (Stitched # 1 – 7, 2011/2012)


John le Carré verkündet eine „Empfindliche Wahrheit“

Dezember 18, 2013

le Carre - Empfindliche Wahrheit - 2

In der aktuellen KrimiZeit-Bestenliste, einer Empfehlungsliste von Kritikern, ist John le Carrés neuer Spionageroman „Empfindliche Wahrheit“ auf Platz drei. Ganz schlecht kann der Roman also nicht sein, aber wie schon bei den vorherigen Romanen von John le Carré fragte ich mich beim Lesen der teils überschwänglichen Besprechungen, ob nicht der Ruf le Carrés als Großmeister des Spionagethrillers den Blick auf das aktuelle Werk vernebelt. Denn so ehrenwert le Carrés Anliegen in dem Roman ist, so lausig ist er leider auch in großen Teilen. Das beginnt mit der seltsamen Entscheidung von le Carré, immer wieder, teilweise innerhalb einer Szene, vom Präsens zum Präteritum zu wechseln und einen dadurch immer wieder aus dem Lesefluss herauszureißen.

Außerdem wechselt er, vor allem am Anfang, immer wieder zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, ohne dass dadurch ein erzählerischer Mehrwert entsteht. So erzählt le Carré im ersten Kapitel von einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf Gibraltar ganz traditionell im Präterium. Dazwischen schneidet er ständig Szenen, die früher stattfanden und wechselt in ihnen grundlos ins Präsens. Dass das alles ziemlich schlecht geschrieben ist, hilft auch nicht. Zum Beispiel auf Seite 12: „’Und wie geht’s Ihrer armen lieben Gattin?‘, fragt die hart an der Pensionsgrenze dahinschrammende Eisprinzessin aus der Personalabteilung (oder Human Resources, wie das neuerdings aus unerfindlichen Gründen heißt), nachdem sie ihn ohne ein Wort der Erklärung am Freitagabend, während alle braven Bürger heimwärts eilen, in ihre Gemächer zitiert hat.“

Oder auf Seite 27: „Ungläubig blieb er am Fenster stehen. Es ist der fette bärtige Grieche nebenan, der unter der Dusche singt. Es ist dieses sexbesessene Pärchen von oben drüber, er grunzend, sie winselnd. Ich leide an Halluzinationen.“

Die Geschichte selbst entfaltet sich sehr langsam und sehr umständlich. So könnte die erste Hälfte des Romans, in der le Carré uns mit belanglosen biographischen Informationen über die beiden Hauptcharaktere langweilt, locker auf wenige Seiten gekürzt werden. In ihr erfahren wir etwas über eine seltsame Aktion auf Gibraltar, bei der Paul Anderson (so der Tarnname des Diplomaten Christopher ‚Kit‘ Probyn) als Beobachter dabei ist und bei der in einer Gemeinschaftsaktion Soldaten und Söldner einen gewissenlosen Waffenhändler verhaften sollen und vielleicht etwas schief geht. Jedenfalls heißt es am Ende der Aktion, dass die Aktion erfolgreich war und es keine Verletzten gab, aber ersten haben wir den Klappentext gelesen und zweitens hätte le Carré nicht gut sechzig Seiten für eine perfekt verlaufene Aktion geopfert.

Im zweiten Kapitel lesen wir, wie Toby Bell als Diplomat um die halbe Welt reist, im Dienst aufsteigt, seinen Chef bei einer geheimen Besprechung belauscht und dass diese Besprechung (die vor der Gibraltar-Aktion stattfand) wahrscheinlich etwas mit der Gibraltar-Aktion zu tun hat.

Danach springt le Carré, wir sind inzwischen auf Seite 163 angelangt, drei Jahre nach vorne. Kit ist inzwischen pensioniert. Nach einer Fastnachtsveranstaltung, die wir in epischer Länge lesen dürfen, trifft er zufällig einen der damals beteiligten Soldaten und so langsam kommen die Dinge in Schwung. Denn, wiederum viele Seiten später, wir haben inzwischen Seite 224 erreicht, treffen sich Probyn und Bell und sie wollen herausfinden, was damals geschah. Das erfahren wir zwanzig Seite später – und eigentlich hätten wir das schon viel früher erfahren müssen. Denn bislang inszenierte le Carré nur viel Lärm um Nichts und auf den restlichen Seiten, wenn die Geschichte ihrem Ende entgegen taumelt, wird es nicht viel besser.

Le Carré spricht in „Empfindliche Wahrheit“ wichtige Themen an, die den langjährigen John-le-Carré-Lesern, teils mit anderen Schwerpunkten, in den vergangenen Jahren zu oft in einem schrill moralisierendem Ton, durchaus vertraut sind: die zunehmende Verknüpfung von staatlichem Handeln und privaten Firmen, der Privatisierung von Kriegen, dem Kampf gegen den Terror nach 9/11, den damit verbundenen moralischen Bedenken und, wenn auch nur am Ende und ungefähr so tiefgehend wie eine Kurzmeldung, dem Umgang mit Whistleblowern und der zunehmenden Überwachung. Daraus hätte man, nah an der Realität, eine mitreisende Geschichte erfinden können. Siehe „24“ oder „Green Zone“ oder „Der Ghostwriter“ oder „Inside Wikileaks“. Aber le Carré begräbt in „Empfindliche Wahrheit“ alle Themen unter einer Geschichte, die sich nie wie eine Geschichte, sondern wie ein Griff in den Zettelkasten liest, mit entsprechend blassen Charakteren, deren Motivation nie glaubhaft ist. Denn warum sollten zwei Diplomaten, die bislang nie an ihrem Arbeitgeber zweifelten, plötzlich Fragen stellen und ihre gesicherte Pension aufs Spiel setzen? Und warum verhalten sie sich so naiv? Haben sie nicht ihren le Carré gelesen?

John le Carré: Empfindliche Wahrheit

(übersetzt von Sabine Roth)

Ullstein, 2013

400 Seiten

24,99 Euro

Originalausgabe

A delicate Truth

Viking, London, 2013

Hinweise

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

John le Carré in der Kriminalakte


Friedrich Ani, Tabor Süden, „M“ und die Detektei Liebergesell

Dezember 11, 2013

 

Ani - M - 2

Inzwischen arbeitet Tabor Süden, der lange Jahre im Vermisstendezernat der Polizei arbeitete, bei der Detektei Liebergesell und er sucht immer noch vermisste Personen. Dieses Mal den Taxifahrer Siegfried Denning, von dem seine Freundin Mia Bischof kein Bild hat, fast nichts weiß und die daher den Ermittlern kaum helfen kann.

Noch rätselhafter wird der Auftrag, nachdem Süden herausfindet, dass sie – obwohl sie das ihm gegenüber behauptete – bei der Polizei keine Vermisstenanzeige aufgab und die Polizei ein seltsames Interesse an dem Taxifahrer hat. Süden vermutet, dass Denning ein verdeckter Ermittler ist und dass er in rechtsradikalen Kreisen ermittelte. Nur was Bischof, die geachtete „Tagesanzeiger“-Lokalredakteurin und die sich, obwohl kinderlos, in der Nachbarschaft in einer Krabbelgruppe und als ehrenamtliche Schwimmtrainerin engagiert, mit den Rechtsradikalen zu tun hat, bleibt rätselhaft. Jedenfalls bis Süden gegen Ende des Romans, in ihre Wohnung einbricht.

Davor wird Süden von seinen ehemaligen Kollegen emsig behindert und eine Spur führt ihn zum Starnberger See in das Hotel von Bischofs Vater, in dem sich früher einmal rechte Organisationen trafen. Aber das war vor langer Zeit.

Außerdem verüben Unbekannte Anschläge auf die Mitarbeiter der Detektei – und wir erfahren jetzt auch endlich mehr über Edith Liebergesell, Leonhard Kreutzer und Patricia Ross, die Kollegen von Tabor Süden.

Darunter leidet in „M“ allerdings – wobei bei Ani der Krimiplot traditioneller Machart nie im Mittelpunkt steht – der Kriminalfall. Denn die rechtsradikalen Verstrickungen von Mia Bischof, Siegfried Denning, dem Landeskriminalamt und, als Randfigur, des Verfassungsschutzes, ergänzt um etwas NSU-Folklore, werden auf einer klischeehaften Ebene ziemlich schnell deutlich, ohne tiefer zu gehen. Die Nazis bleiben letztendlich einfach nur böse Bösewichter, die ein funktionierendes Untergrundnetzwerk aufgebaut haben. Dabei wäre gerade eine Analyse der Verbindungen zwischen rechtsradikalen Denken und dem Denken der kleinen Leute, den typischen Ani-Charakteren, spannend gewesen.

Also die Frage des alltäglichen Faschismus und des Extremismus der Mitte.

Auch die Verknüpfung von Edith Liebergesells Trauer über den Verlust ihres vor zehn Jahren verstorbenen Sohnes mit dem Fall ist, in der Auflösung (die sehr plötzlich kommt und weit hergeholt ist) nicht befriedigend.

M“ ist getragen von einer gerechten Empörung um die Umtriebe von Rechtsradikalen, dem Wunsch nach mehreren Romanen, in denen Südens neue Kollegen austauschbare Arbeitskollegen ohne psychologische Vertiefungen waren, diesen Kollegen ein Gesicht zu verleihen. Aber darunter leidet die Erkundung des liebgewonnenen Ani-Eckkneipen-Milieus.

Ach ja: warum der Roman „M“ heißt und damit sofort an Fritz Langs Klassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ erinnert, weiß ich auch nach der Lektüre nicht.

Friedrich Ani: M – Ein Tabor-Süden-Roman

Droemer, 2013

368 Seiten

19,99 Euro

Hinweise

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Friedrich Ani in der Kriminalakte

 


Verfilmte Bücher: „Dampfnudelblues“ ist „Dampfnudelblues“

Dezember 5, 2013

Achtung: es wird gespoilert.

Falk - Dampfnudelblues

Die Bücher von Rita Falk mit dem bei seinen Eltern lebendem Provinzpolizisten Franz Eberhofer verkaufen sich wie geschnitten Brot. Da ist eine Verfilmung nicht wirklich überraschend und die kam vor einigen Monaten in Bayern in die Kinos. Immerhin spielen die Eberhofer-Geschichten in Bayern in dem erfundenem Dorf Niederkaltenkirchen. Mit einer halben Million Zuschauer war „Dampfnudelblues“ auch ein echter Hit. Am Donnerstag, den 5. Dezember läuft er jetzt um 20.15 Uhr (Wiederholung um 00.20 Uhr) deutschlandweit im TV.

Aber wie ist die Vorlage für den Film „Dampfnudelblues“?

Dampfnudelblues“ ist der zweite Eberhofer-Roman. Er hat ein heimeliges Cover (das mir signalisiert „kein Buch für mich“) und er wird als „Provinzkrimi“ beworben. Nun, „Provinzkrimi“ spricht mich noch weniger als „Regiokrimi“ oder „Regionalkrimi“ an und wenn ich die letzten „Provinzkrimis“, die ich gelesen habe, Revue passieren lasse, fallen mir einige Gemeinsamkeiten auf: sie spielen nicht in der Großstadt (gut, das ist jetzt nicht besonders überraschend), sie sind sprachlich nicht bemerkenswert (höflich formuliert) und der Krimianteil, also die zielgerichtete Aufklärung des Verbrechens oder das Verbrechen als wichtigster Bestandteil der Geschichte, ist ein vernachlässigbarer Nebenaspekt. Das Verbrechen, ein Mord oder gleich eine ganze Mordserie, kann man, wie einen vernachlässigbaren Subplot, aus der Geschichte entfernen, ohne dass sich etwas ändern würde. Es sind Geschichten für Menschen, die keine Kriminalromane lesen.

Außerdem haben sie eine oft zweifelhafte Moral (dazu später mehr) und können, wie Uta-Maria Heim vor kurzem schön ausführte, als „fantastische Geschichten“ gelesen werden. Denn das Bild, das sie von der Provinz zeichnen, hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Damit stehen sie dann in der Tradition des deutschen Heimatfilms, der ein von Sehnsucht und Verklärung gezeichnetes Bild von Heimat zeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war diese Flucht aus der Wirklichkeit verständlich. Aber heute?

Dampfnudelblues“ steht als „Provinzkrimi“ knietief in dieser Tradition.

Dabei beginnt es sportlich: An die Hauswand von Realschuldirektor Höpfls Anwesen wurde mit roter Farbe „Stirb, du Sau!“ geschrieben. Franz Eberhofer stürzt sich – weil sonst nichts los ist – in den Fall. Kurz darauf ist Höpfl verschwunden, taucht pudelmunter wieder auf und wird von einem Zug überfahren. Eberhofer vermutet, auch ohne einen Beweis zu haben, dass Höpfl ermordet wurde. Die folgenden Ermittlungen gestalten sich äußerst zäh, weil einfach nichts für den Fall entscheidendes passiert. Denn obwohl Höpfl allgemein verhasst war und er damit unzählige Verdächtige hat, kommt er keinen Schritt voran. Noch nicht einmal ein Schrittchen. Die Schmiererei wird aufgeklärt, indem der Täter sich stellt – und ihm nichts passiert. Naja: jugendlicher Unfug eben und der Geschädigte ist tot.

Den Mörder überführt Eberhofer mit einer dreisten Lüge und bei dem Motiv kommen wir auf die „zweifelhafte Moral“ zurück.

Vielleicht hat Rita Falk einfach nach einem Opfer und einem Mordmotiv gesucht, das möglichst weit von der Realität des Eberhoferschen Familienlebens (mit einer ständig kochenden, schnäppchenjagenden Oma und einem kiffendem, „Beatles“-hörendem Vater [der Kiffer-Gag ist natürlich dreist aus dem Münsteraner-“Tatort“ geklaut]) und dem Dorfleben entfernt sind. Aber das ändert nichts daran, dass der „Dampfnudelblues“ bei der Auflösung zutiefst reaktionär wird. Denn Höpfl ist nicht nur ein allgemein verhasster Single, sondern auch Homosexuell. Er frönt seine sexuelle Neigung, gut versteckt hinter einer Geheimtür, in seinem ausgebauten Keller oder indem er sich nach Mitternacht von einem Taxi zu bestimmten Orten fahren lässt. Höpfls Freund ist ein deutlich jüngerer, drogenabhängiger Stricher, der auch in der Gerichtsmedizin landet. Der Mörder ist der Vater des Strichers, der noch vor seiner Geburt in die Fremdenlegion flüchtete und erst jetzt zurückkehrte, was aber beides kein Problem ist. Und nach seiner Verhaftung wird in kumpelhafter Vertrautheit beschlossen, die Sache nicht an die große Glocke zu hängen. Man besorgt dem Mörder auch gleich einen guten Anwalt.

Das hat dann einen, höflich formuliert, sehr unangenehmen Beigeschmack. Vor allem weil das alles im witzig gemeintem Tonfall des verschwörerischen Einverständnisses mit dem Mörder und des gesunden Volksempfindens gegen die abartigen sexuellen Neigungen, denen man nur im Dunkeln nachgeht, daherkommt.

Da fallen dann die faden Witze über das neue Mitglied der örtlichen Fußballmannschaft, ein Schwarzer!, und die Verballhornung des Namens von Eberhofers Nichte nicht mehr auf: „Sie heißt Uschi, nach ihrer Großmutter. Weil das aber der Name von meiner verstorbenen Mama ist, nenn ich sie lieber Sushi. Sushi passt ganz einwandfrei, weil es sich hierbei auch um ein kleines, asiatisches Röllchen handelt.“

Luschtig ist was anderes.

Rita Falk: Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi

dtv, 2012

256 Seiten

8,95 Euro

Der Roman erschien 2011 als „dtv premium“-Buch.

Die Verfilmung

Dampfnudelblues (D 2013)

Regie: Ed Herzog

Drehbuch: Christian Zübert

mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Ilse Neubauer, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Chi Le, Lisa Maria Pottoff, Nadeshda Brennicke, Nina Proll

Länge: 87 Minuten

Hinweise

Homepage von Franz Eberhofer

Homepage zum Film


Verfilmte Bücher: „Chiemsee Blues“ ist „Hattinger und die kalte Hand“

November 24, 2013

Bogenberger - Chiemsee Blues - 2

Gar unchristlich beginnen die Ostertage mit einer abgetrennten Frauenhand, die am Karfreitag in einem Aussichtspavillon mit Blick auf den See und das Schloss Herrenchiemsee von zwei Urlaubern aus dem Ruhrgebiet gefunden wird. Kommissar Alfons Hattinger, der aber von allen nur Hattinger genannt wird, beginnt zu ermitteln, geplagt von periodischen Eifersuchtsschüben, weil er seine Freundin mit einem Ex-Freund in einem viel zu freundschaftlichem Umgang miteinander entdeckt und sie nicht mit ihm reden will (es ist ja auch eine dumme Sache, dass die Kollegen gerade dann anrufen, wenn er gerade mit ihr auf ihrem Sofa ihren Geburtstag feiern will), und dem Besuch seiner minderjährigen, aber sehr selbstständigen Tochter, die nichts anbrennen lässt.

Kurz darauf werden weitere Leichenteile gefunden. Immer an fotogenen Orten, die Presse belagert die Polizei – und Hattinger und seine Kollegen haben keinen blassen Schimmer, wer die Tote ist, bis sie – eher zufällig – den Kopf der schon vor einiger Zeit Ermordeten in ihrer Wohnung finden: es ist Annette Kauffmann, die als Elvira Marschall belanglose, aber sehr erfolgreiche Herz-Schmerz-Schmonzetten schrieb, die, wie wir noch später erfahren, vor zwanzig Jahren als Assistenzärztin in der Frauenklinik Dr. Marius, geführt von Dr. Schanderl (ja, die Bazis haben aber auch dusselige Namen), arbeitete und – hach, jetzt habe ich ein Problem. Im Roman wird das alles ziemlich spät aufgelöst, aber schon in der Filmsynopse wird der Täter und sein Motiv verraten.

Also für alle, die den Roman unbeschwert lesen wollen, breche ich jetzt ab.

Chiemsee Blues“ ist der erste Roman von Thomas Bogenberger und er liest sich, auch aufgrund der angenehmen Länge, wie die Vorlage für den Fernsehfilm der Woche: ein sympathischer, geschiedener Ermittler, eine leicht renitente Freundin, eine ebenfalls leicht renitente Tochter, etwas Lokalkolorit, hier sogar ergänzt um viel bayerischen Dialekt (Hochdeutsch wird nur im Notfall gesprochen.), vielen Erklärungen der Polizisten untereinander, die sich erzählen, was sie gerade ermittelt haben, und einem überschaubar-durchschaubar, weit hergeholtem, weitgehend unplausiblen Fall. Denn warum sollte ein Mörder, indem er ohne eine Botschaft Leichenteile wild an Touristenplätzen verteilt, seine Entdeckung riskieren? Entweder durch die Polizei oder, in diesem Fall, weiteren potentiellen Opfern, die in ihrer Panik, wenn sie nach der Lektüre der Tageszeitung Eins und Eins zusammenzählen, bestimmt nicht ruhig auf ihren Mörder warten.

Aber so ist das halt in der Provinz…

Für den Frühling ist „Hattinger und der Nebel“ angekündigt, der zweite Krimi mit dem rundum sympathischen Ermittler.

Die Verfilmung „Hattinger und die kalte Hand“, die am Montag, den 25. November, um 20.15 Uhr im ZDF läuft, nimmt sich, wie ein Blick in die Filmsynopse verrät, bei den Morden und der Enthüllung des Täters, den wir im Film von Anfang an, im Buch erst am Ende namentlich und mit seinem Motiv kennen, einige Freiheiten. Es werden teils andere Menschen umgebracht, das geschmacklose Leichenstücke-in-der-Ferienlandschaft-verteilen-Spiel gibt es so nicht, dafür ist Hattingers Tochter irgendwann in Gefahr und die Geschichte spielt nicht während der für den Roman unwichtigen Ostertage, sondern im Sommer.

Aber weil Hans Steinbichler („Winterreise“, „Polizeiruf 110: Denn sie wissen nicht, was sie tun“) inszenierte, Bogenbergers Frau Ariela das Drehbuch schrieb und der mit ihr verwandte Hattinger-Darsteller Michael Fitz, der in den Münchner „Tatorten“ die gesamte Laufarbeit machen durfte und damit eigentlich der Chefermittler war, ein grundsympathischer Schauspieler ist, dürfte die Verfilmung gelungen sein. Tendenz netter Heimatkrimi ohne weitergehende Ambitionen.

Thomas Bogenberger: Chiemsee Blues – Chiemgau-Krimi

Pendragon, 2011

272 Seiten

10,95 Euro

Verfilmung

Hattinger und die kalte Hand – Ein Chiemseekrimi (Deutschland 2013)

Regie: Hans Steinbichler

Drehbuch: Ariela Bogenberger

mit Michael Fitz, Edgar Selge, Bettina Mittendorfer, Golo Euler, Gerhard Wittmann, Hanna Plaß, Michael Fuith, Ursula Karven

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Thomas Bogenberger

Wochenblatt: Interview mit Thomas Bogenberger über den Roman und die Verfilmung (20. November 2013)

ZDF über „Hattinger und die kalte Hand“


Kurzkritik: Maximo Duncker: Mord allein macht auch nicht glücklich

November 24, 2013

 

Duncker - Mord allein macht auch nicht glücklich - 2

Beginnen wir mit dem Positiven: der zweite Roman „Mord allein macht auch nicht glücklich“ von Maximo Duncker liest sich flott weg. Wieder ist der schnöselige Ex-Journalist Kai van Harm der Irgendwie-Protagonist und wieder ist Bruno Zabel dabei. Zabel ist ein Ex-NVA-Soldat, der jetzt in dem Dörfchen Altwassmuth von Hartz IV lebt, ordentlich trinkt, nie sein Dorf verlassen will und sich verdammt gut mit Computern auskennt. Das liest sich jetzt so ausgedacht, dass im Brandenburgischen bestimmt tausender solcher Typen leben. Als aktiver Teil des „Provinzkrimis“, der hauptsächlich (gut zweihundert von zweihundertachtzig Seiten) in Berlin spielt, ist Bruno dann auch die treibende Kraft der Aufklärung. Er wird von Kai van Harm, der die Erlebnisse in Altwassmuth zu einem Roman verarbeitete (siehe, wem’s gefällt, „Wer hier stirbt, ist wirklich tot“), zu einer Lesung inclusive einwöchigem Berlin-Aufenthalt in einem Hotel eingeladen. In dem Hotel wird ein Anschlag auf Bruno verübt: ein falscher Elvis sticht ihm ins Bein. Kurz darauf wird van Harms Wohnung mit einem Elvis-Presley-Songzitat verschönert und ein Stein in die Wohnung von van Harms Ex-Frau geworfen. Bruno ruft seine Ex-NVA-Freunde an. Sie rüsten van Harms Wohnung in eine Gefechtszentrale, inclusive Feldbett, Computern und Kaffeemaschine, um.

Dennoch kommen sie in Berlin nicht voran. Erst als van Harm zu einer Lesung in der Kulturscheune Wiepershof, Landkreis Teltow-Fläming, eingeladen wird, kommt es quasi zu einer Selbstenttarnung des Täters und in einem nachgeschobenem dreiseitigem „offenem Brief“ enthüllt van Harm die Identität des Täters und sein Gaga-Motiv.

Aber Duncker geht es in seinem Werk auch nicht um den Krimiplot, den er in höchstens homöopathischen Dosen eher lustlos einflechtet und der auch komplett unlogisch ist, sondern einfach nur um das spannungslose vor sich hin plappern. Denn skurril, witzig oder auch nur irgendwie pointiert ist nichts in „Mord allein macht auch nicht glücklich“.

Maximo Duncker: Mord allein macht auch nicht glücklich

Blanvalet, 2013

288 Seiten

8,99 Euro


William Boyd schickt James Bond „Solo“ los

November 20, 2013

 

Boyd - Solo - 2

Der dritte Versuch der Erben von Ian Fleming James Bond als Romancharakter in das neue Jahrhundert zu bringen schließt sich nahtlos an die beiden vorherigen Romane an. William Faulks, ein Romanautor, knüpfte an Ian Flemings Romane an und ließ in „Der Tod ist nur der Anfang“ James Bond in den Sechzigern ein Abenteuer erleben. Letztendlich scheiterte der Versuch.

Jeffery Deaver, ein für seine Plot-Twists bekannter Thriller-Autor, dessen Romane eigentlich Rätselkrimis sind, versetzte James Bond in die Gegenwart und lieferte mit „Carte Blanche“ einen ordentlichen Thriller ab, der aber als Deaver-Werk enttäuschte, weil er die ganze Zeit mit dem globalen Fokus und dem Milieu fremdelte. Seine derzeit laufenden Serien mit Lincoln Rhyme und Kathryn Dance spielen ja in den USA, normalerweise innerhalb eines Bundesstaates oder einer Stadt. Außerdem hatte sein James Bond auch nicht den Glamour eines Jet-settenden Lebemanns mit der Lizenz zum Töten, sondern das Charisma einer effizienten Tötungsmaschine, eines Spezialagenten, der hinter den Kulissen die Schmutzarbeit erledigt. Das war mehr Jack Bauer als James Bond.

Der 1952 in Ghana geborene William Boyd ist wieder ein Romanautor. Oft spielen seine Romane in Afrika, behandeln die Kolonisation und deren Auswirkungen, die er teilweise auch selbst erlebte, gehen auch immer wieder in Richtung Polit-Thriller und handeln von falschen Identitäten. Er erhielt, teilweise mehrmals, zahlreiche renommierte Preise, wie den Somerset Maugham Award, den Mail on Sunday/John Llewellyn Rhys Prize, den McVitie’s Prize for Scottish Writer of the Year, den Sunday Express Book of the Year Award, den Los Angeles Times Book Prize und den International IMPAC Dublin Literary Award, und seit 2005 ist er Commander of the British Empire. Für die mehr als durchwachsene Verfilmung seines Romans „A good Man in Africa“ (mit Sean Connery) schrieb er das Drehbuch.

Auch sein James-Bond-Roman „Solo“ spielt in Afrika. Jedenfalls ein guter Teil der ersten Romanhälfte, in der James Bond 1969 in den Fantasiestaat Zanzarim geschickt wird. In ihm wird gerade zwischen zwei verfeindeten Stämmen ein veritabler Bürgerkrieg um die jüngst entdeckten, riesigen Ölreserven ausgefochten. Bond soll den einen Anführer umbringen und den Krieg beenden. Warum, also welche spezifischen Interessen das Empire daran hat, außer dass Zanzarim eine ehemalige Kolonie ist (was realpolitisch betrachtet kein Grund ist), bekommt er nicht gesagt. Wir können es uns trotzdem denken und sind am Ende dann doch etwas überrascht, dass genau das der profane Grund war.

Aber bis dahin müssen viele Seiten umgeblättert werden, Bond wird ungefähr in der Buchmitte schwer verletzt, fliegt dann während seines Erholungsurlaubs unter falschem Namen nach Washington, D. C., enttarnt einen Drogenschmugglerring und reimt sich in einem langen Gespräch mit seinem Freund Felix Leiter, inzwischen Ex-CIA, die Hintergründe für seinen Auftrag zusammen.

Bis dahin liest sich „Solo“ wie die misslungene Parodie eines schundigen Agententhrillers. Denn die Handlung stolpert unlogisch vor sich hin, sogar die Handlungen des Helden als Mann ohne Eigenschaften sind kaum motiviert. Er will sich rächen, weil er angeschossen wurde? Come on, das ist Berufsrisiko.

Das größte Problem des Romans ist allerdings der fehlende Bond-Gegner. Es muss ja kein Hugo Drax sein, der London mit Atomraketen zerstören will („Moonraker“), kein Goldfinger, der Fort Knox ausrauben will oder ein Blofeld, der in mehreren Bond-Romanen fiese Pläne gegen Großbritannien schmiedete. Es könnte auch eine Nummer kleiner sein, aber in „Solo“ gibt es überhaupt keinen auch nur halbwegs ernstzunehmenden Antagonisten für James Bond. Letztendlich gibt es höchstens einen austauschbaren, sadistischen Söldner, der mit viel gutem Willen als Bond-Gegenspieler betrachtet werden kann. Aber in jedem anderen Bond-Roman würde er zum Fußvolk gehören. Sogar der Profikiller Sacramanga in Ian Flemings posthum erschienenem „Der Mann mit dem goldenen Colt“ hatte mehr Charisma.

Auch der arg rudimentär gezeichnete politische Hintergrund enttäuscht. Sowieso ist dieser 1969, während der Flower-Power-Bewegung spielende Roman, seltsam apolitisch und zeitlos geraten. Er könnte, mit minimalen Änderungen, genausogut Jahrzehnte früher oder in der Gegenwart spielen.

Nach drei mehr oder weniger veritablen Fehlschlägen – jedenfalls als James-Bond-Agententhriller – und nachdem der Film-James-Bond mit Daniel Craig eine ziemlich umfassende Back-to-Basics-Fit-für-die-Zukunft-Entwicklung hinter sich hat, die vom Publikum und der Kritik euphorisch aufgenommen wurde, sollten die Fleming-Erben sich für die kommenden Bond-Romane eine längerfristige Strategie überlegen. Große Namen und literarische Autoren sind es nicht. Aber ein talentierter Thriller-Autor, der längerfristig Bond-Romane schreiben möchte, wäre eine Möglichkeit. In den USA gelingt das ja, indem Krimi-Autoren Bücher zu TV-Serien schreiben, die im Stil der Serie sind (z. B. die Bücher zu „Monk“, „Burn Notice“ und zum „CSI“-Franchise), oder indem sie Romanserien fortführen. Vor allem James Patterson, aber auch Robert Ludlum und Tom Clancy, haben da ja ein entsprechendes Imperium aufgebaut. Auch Robert B. Parkers Privatdetektiv Spenser darf, geschrieben von Ace Atkins, weiterleben und Max Allan Collins vollendet, ebenfalls höchst erfolgreich, Manuskripte von Mickey Spillane. Etliche mit Privatdetektiv Mike Hammer.

Eine solche Strategie würde auch an die James-Bond-Vergangenheit anknüpfen. Denn John Gardner und Raymond Benson schrieben in den achtziger und neunziger Jahren bis zum 2002er-“Roman zum Film“ „Stirb an einem anderen Tag“ zahlreiche James-Bond-Romane, die derzeit nur noch antiquarisch erhältlich sind, während Cross Cult die James-Bond-Romane von Ian Fleming in neuen, ungekürzten Übersetzungen veröffentlicht.

William Boyd: Solo – Ein James-Bond-Roman

(übersetzt von Patricia Klobusiczky)

Berlin Verlag, 2013

368 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Solo

Jonathan Cape, London, 2013

Hinweise

Homepage von William Boyd

Homepage von Ian Fleming

Wikipedia über James Bond

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Und was sagt der Autor?


Neu im Kino/Filmkritik: „Captain Phillips“ – das Bonusmaterial

November 14, 2013

 

Meine ausführliche Besprechung gibt es an einem anderen Ort.

Daher die Ein-Wort-Kritk: Sehenswert!

Und jetzt einige Worte zur Vorlage: In „Höllentage auf See“ erzählt Captain Richard Phillips seine Version der Entführung. Wir erfahren auch viel über ihn, – seine wilden Jugendjahre, wie er seine spätere Frau Andrea kennenlernte, die Ausbildung bei der Massachussetts Maritime Academy und seine Jahre auf See -, und wie Andrea sich während der Entführung fühlte. Das lässt sich, obwohl nicht besonders elegant geschrieben, flott runterlesen, hat aber – wie eigentlich alle Erlebnisberichte – den Nachteil, dass halt nur die Version des Ich-Erzählers erzählt wird, während ein Reporter auch andere Sichtweisen und Beurteilungen heranziehen würde. Wir erfahren daher fast nichts über die Hintergründe der Piraterie, die Entführer, die US-amerikanische Rettungsaktion und was sich nach der Rettung von Richard Phillips veränderte.

Insofern vermittelt der Film ein reichhaltigeres und detaillierteres Bild der Entführung.

Captain Phillips - Plakat

Captain Phillips (Captain Phillips, USA 2013)

Regie: Paul Greengrass

Drehbuch: Billy Ray

Vorlage: Captain Richard Phillips/Stephan Talty: A Captain’s Duty: Somali Pirates, Navy SEALS, and Dangerous Days at Sea, 2010 (Höllentage auf See – In den Händen von somalischen Piraten – gerettet von Navy Seals)

mit Tom Hanks, Catherine Keener, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman, Faysal Ahmed, Mahat M. Ali, Michael Chernus, David Warshofsky, Corey Johnson, Max Martini

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Phillips - Höllentage auf See - 4

Captain Richard Phillips (mit Stephan Talty): Höllentage auf See – In den Händen von somalischen Piraten – gerettet von Navy Seals

Heyne, 2013

336 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

A Captain’s Duty – Somali Pirates, Navy SEALs, and Dangerous Days at Sea

Hyperion Books, 2010

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Captain Phillips“

Moviepilot über „Captain Phillips“

Metacritic über „Captain Phillips“

Rotten Tomatoes über „Captain Phillips“

Wikipedia über „Captain Phllips“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Captain Phillips“


„Grenzen“ in der „The Walking Dead“-Welt?

November 13, 2013

Kirkman - The Walking Dead 18

Während in der TV-Serie „The Walking Dead“ Rick Grimes und seine Gefährten noch im Gefängnis sitzen und sich mit dem Gouverneur, einem despotischen Stadtoberhaupt, herumschlagen, ist die von Robert Kirkman erfundene und geschriebene Comicserie unaufhaltsam fortgeschritten. In ihr mussten Grimes und seine Gefährten (die sich teilweise von den TV-Charakteren unterscheiden, weshalb die TV-Serie und die ihr zugrunde liegende Comicserie in einem sehr interessanten Spannungsverhältnis stehen) schon vor langer Zeit das Gefängnis, das für sie die erste, für eine längere Zeit sichere Zuflucht vor den umherstreunenden Zombies war, verlassen.

Inzwischen sind sie in Alexandria, einer fast typischen US-amerikanischen Vorstadt, angekommen und fühlen sich dort auch sehr wohl. Rick beginnt sogar wieder Pläne für die Zukunft zu machen. Er will nicht mehr nur an das Überleben, sondern an den Aufbau einer Zivilisation denken. Dass sie dann ein Angebot von einer anderen, auf einer Anhöhe liegenden Siedlung bekommen, miteinander Handel zu treiben, stimmt sie noch optimistischer.

Es gibt nur einen Wermutstropfen: Negan. Er ist der Anführer der Erlöser, einer irgendwie religiös erleuchteten Verbrecherbande, die die gesamte Gegend terrorisiert. Er ist sogar so schlimm, dass Rick am Ende des siebzehnten „The Walking Dead“-Bandes „Fürchte dich nicht“ sagte, sie müssten sich den Forderungen von Negan beugen.

In „Grenzen“ tun sie es. Negan und seine Männer bedienen sich großzügig an den in Alexandria gelagerten Vorräten. Die Bewohner fügen sich notgedrungen und mürrisch. Sie wissen aber nicht, dass Rick bereits sein Vorgehen gegen Negan plant und den Einzelkämpfer ‚Jesus‘ Monroe als Kundschafter losgeschickt hat.

Aber dann versteckt Ricks Sohn Carl sich in einem von Negans Lastern und erschießt in Negans Lager, bevor er geschnappt wird, mehrere von Negans Männern.

Inzwischen, immerhin ist „The Walking Dead“ so erfolgreich, dass kein Ende absehbar ist, legt Robert Kirkman ein durchaus gemächliches Erzähltempo vor. Denn auch „Grenzen“ widmet sich immer noch dem Set-Up für den Kampf von Rick Grimes gegen Negan, über den wir immer noch ziemlich wenig wissen. Außer dass er Lucille, einen stacheldrahtumwickelten Baseballschläger als Waffe benutzt, eine Lederjacke trägt, eine große Armee an ihm treu ergebenen Überlebenden befehligt und er schlau ist.

Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead: Grenzen (Band 18)

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Cross Cult, 2013

152 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

The Walking Dead, Vol. 18: What comes after

Image Comics, 2013

enthält

The Walking Dead # 103 – 108

Hinweise

Offizielle „The Walking Dead“-Seite

Wikipedia über „The Walking Dead“ (deutsch, englisch)

AMC-Blog zu „The Walking Dead“

„The Walking Dead“-Fanseite

„The Walking Dead“-Wiki

Spiegel Online: Interview mit Charlie Adlard (21. Oktober 2011)

Kriminalakte: Meine Gesamtbesprechung der ersten zehn „The Walking Dead“-Bände

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 11: Jäger und Gejagte“ (The Walking Dead Vol. 11: Fear the hunters)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 12: Schöne neue Welt“ (The Walking Dead Vol. 12: Life among them)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 13: Kein Zurück“ (The Walking Dead Vol. 13: Too far gone, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 14: In der Falle“ (The Walking Dead Vol. 14: No way out, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns “The Walking Dead 15: Dein Wille geschehe” (The Walking Dead Vol. 15: We find ourselves, 2012)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Eine größere Welt (Band 16)“ (The Walking Dead, Vol. 16: A larger world, 2012)

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Fürchte dich nicht (Band 17)“ (The Walking Dead, Vol. 17: Something to Fear, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Tony Moore/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead – Die Cover, Volume 1“ (The Walking Dead: The Covers, Vol. 1, 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 1“ (USA 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 2“ (USA 2011/2012)

Kriminalakte: das Comic-Con-Panel zur TV-Serie

“The Walking Dead” in der Kriminalakte 

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Ryan Ottley (Zeichner)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 1“ (Haunt, Vol 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 2“ (Haunt, Vol. 6 – 12, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) “Haunt – Band 3″ (Haunt, Vol. 13 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Nick Spencer (Autoren)/Shawn Martinbroughs (Zeichner) „Dieb der Diebe: „Ich steige aus“ (Band 1)“ (Thief of Thieves # 1 – 7, 2012)

Der Tipp für Neueinsteiger

In „The Walking Dead – Kompendium 1“ sind die ersten acht „The Walking Dead“-Bände versammelt.

Kirkman - The Walking Dead - Kompendium 1

Robert Kirkman/Charlie Adlard: The Walking Dead – Kompendium 1

Cross Cult, 2013

1050 Seiten

50 Euro