Ausgewählte Frühjahrsmorde 2008: dtv

April 15, 2008

Ohne große Worte: die demnächst im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) erscheinenden Krimis:

Mai

Friedrich Ani: Wer tötet, handelt (der zweite Fall des Sehers: der blinde Kommissar Jonas Vogel bietet sich als Geisel an. Der erste Fall, „Wer lebt, stirbt“, hat mir nicht gefallen.)

T. C. Boyle: Talk Talk (Der Thriller von T. C. Boyle als Taschenbuch: Ein Betrüger hat gefälschte Schecks auf ihren Namen ausgestellt und ihre Identität geklaut. Jetzt schlägt sie zurück.)

Jonathan Harr: Der verschollene Caravaggio (The lost painting, 2005 – Zwei Studentinnen suchen das seit Jahrhunderten verschwundenes Caravaggio-Gemälde „Gefangennahme Christi“. Harr schrieb auch das erfolgreiche, mit John Travolta verfilmte Sachbuch „Zivilprozess“ und „Der verschollene Caravaggio“ erzählt ebenfalls eine wahre Geschichte.)

Gabriela Jaskulla: Die Geliebte des Trompeters (kein Krimi, sondern eine im Nachkriegsberlin spielende Liebesgeschichte zwischen einem Berliner Mädchen und einem amerikanischen Soldaten. Er heißt Chet Baker und wurde später als Jazzmusiker weltberühmt. – Die ersten Seiten haben mir nicht so gefallen, aber als Jazzfan gebe ich dem Buch eine zweite Chance. Oh, auch als Berliner.)

Cornelia Read: Schneeweißchen und Rosentot (A field of darkness, 2006 – Das Debüt war unter anderem für den Edgar, Gumshoe, Macavity und Barry nominiert. Also nicht von dem etwas nichtssagenden Titel und Cover irritieren lassen. – Besprechung demnächst.)

Ilka Remes: Das Erbe des Bösen (Pahan Perimä, 2007 – Als Biotechniker Erik Narva sich auf die Suche nach seinem verschwundenen Vater macht, findet er heraus, dass dieser als Physiker für die Nazis arbeitete. Bei seiner Suche bringt er auch das Leben seiner Familie in Gefahr. – Thriller über die Verantwortung von Wissenschaftlern für ihre Handlungen.)

Juni

John Harvey: Schlaf nicht zu lange (Darkness and Light, 2006 – Der dritte Frank-Elder-Roman: eine Freundin von Elders Exfrau ist verschwunden. – dtv wird danach die Resnick-Krimis veröffentlichen. Schön, dass Harvey endlich wieder einen deutschen Verlag gefunden hat. Und schön, dass jetzt auch hier die Leser John Harvey entdecken.)

Peter Oberdorfer: Kreuzigers Tod (Ein Debüt: eine mörderische Groteske aus einem österreichischen Bergdorf.)

Juli

Klaus Luttringer: Der Skorpion (Debüt: Tsilihin soll in Arkadien ein Verbrechen der Wehrmacht aufdecken.)

Henning Mankell: Das Auge des Leoparden (einer von Mankells Afrika-Romane)

Iain McDowall: Der perfekte Mord (das müsste „Percetly Dead“, 2003, der dritte Jacobson/Kerr-Roman sein. Dieses Mal müssen die beiden Polizisten den Mörder eines Dealers suchen. Kurz darauf bringt ein Mann in einem gediegenen Vorort seine Familie und dann sich um. – In jedem Fall spannende Krimiunterhaltung von der Insel.)

August

Umberto Eco: Der Namen der Rose (Vor über zwanzig Jahren hat mir das Buch gerade wegen der langen Diskurse über Gott, die Welt, die Ketzer und das Lachen viel besser als der Film gefallen.)

Cynthia Harrod-Eagles: Der Tote auf der Schaukel (ein neuer Fall für DI Bill Slider: auf einem Spielplatz bei einer Sozialwohnungssiedlung wird die Leiche eines muskulösen, gut gekleideten Mannes gefunden.)

September

Horst Bosetzky: Quetschkartoffeln und Karriere (der Abschluss der großen Familiensage von –ky lässt die siebziger Jahre wieder aufleben)

Kjell Eriksson: Nachtschwalbe (In einer Buchhandlung wird die Leiche eines jungen Schweden gefunden. Kommissarin Ann Lindell sucht den Mörder. Die Presse hält Einwanderer für die Täter. – Wird als „erstklassiger schwedischer Kriminalroman in bester Mankell-Tradition“ beworben.)

Paul Grote: Der Pottwein-Erbe (Zielgebiet der weinseligen Ermittlungen: Portugal. Auf den Erben eines Weingutes werden Anschläge verübt. Dieser sucht die Täter und erfährt dabei einiges über den portugiesischen Wein.)

Oktober

Leif Davidsen: Der Feind im Spiegel (Taschenbuch-Ausgabe eines Thrillers über die Jagd nach einem Dschihad-Kämpfer. Seine Jäger: ein ehemaliger serbischer Auftragskiller und ein dänischer Polizist.)

Anne George: Mörderische Aussichten (George erhielt für ihre Southern-Sisters-Serie nicht umsonst den Debüt-Agatha-Award, der Krimis im Stil von Agatha Christie auszeichnet. Dieses Mal wird die Hochzeit von Mary Alices Sohn durch einen Mord gestört. Gut, dass Patricia Anne ihr bei der Mördersuche helfen kann.)

Henning Mankell: Der Mann am Strand (Zwei Geschichten aus „Wallanders erster Fall“.)

Agustín Sánchez Vidal: Krytum (noch eine Dan-Brown-Variation. Dieses Mal ist ein geheimnisvolles Pergament der Auslöser für Mord und Totschlag.)

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Fett Kursiv sind die Titel gedruckt, auf die ich mich besonders freue.

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Und hier geht’s zu den vorherigen Teilen:

Knaur Taschenbuch, Droemer Hardcover, List Taschenbuch, Ullstein Taschenbuch

Heyne Taschenbuch

Blanvalet Hardcover, Heyne Hardcover, Manhattan, Page & Turner, Rotbuch

Blanvalet, Goldmann Taschenbuch

Alexander Verlag, Edition Nautilus, Pendragon, Unionsverlag, Pulp Master, vgs

Emons, Gmeiner, Grafit


Stubenhocker zocken Las Vegas ab

April 11, 2008

„Für mich jedoch war die Realität selten interessant genug, um an die Stelle der Fiktion zu treten.

Aber als Kevin zu erzählen begann, konnte ich fühlen, wie sich mir die Haare im Nacken aufstellten. (…) Kevins Geschichte [besaß] sämtliche Elemente eines Bestsellers und Kinothrillers – und sie war wahr. Er hatte alles selbst erlebt, jede Minute davon, und er war bereit, mich all das aufs Papier bringen zu lassen.“

Ben Mezrich in „21“

„Die schlauen Kinder zog es zur Wall Street, zum Jurastudium, oder sonst was. Noch schlauere Kinder dachten, sie könnten in Vegas weit mehr absahnen.“

Damon Zimonowski in „21“

Ben Mezrich hatte bereits einige Thriller geschrieben, als er Kevin Lewis traf und er ihm sagte, sein Leben gäbe ein gutes Buch ab. Beide hatten sich in den Neunzigern ab und zu getroffen. Doch während Mezrich sich in eine Fantasiewelt flüchtete, studierte Kevin Medizin. An einem Juniabend 1994 luden ihn seine Kumpels Jason Fisher und Andre Martinez zu einem Ausflug nach Atlantic City ein. Fisher und Martinez sind, wie alle MIT-Studenten, hochintelligent. Aber sie haben ihr Studium geschmissen und Geld wie Heu. In Atlantic City beginnen die beiden Kevin in die Welt der professionellen Kartenspieler einzuführen. Denn alle drei sind Mathegenies und Blackjack (bei uns bekannt als „Siebzehn und Vier“) ist ein Kartenspiel, bei dem, im Gegensatz zu anderen Spielen, mit dem richtigen System gewonnen werden kann.

Kevin ist fasziniert von der fremden Welt. Er wird in den geheimen Zirkel des geschassten MIT-Professors Micky Rosa, der inzwischen sein Leben dem Blackjack gewidmet hat, aufgenommen. Rosa leitet eine Gruppe von Studierenden, die unter verschiedenen falschen Identitäten in den Kasinos spielen und hohe Gewinne für eine unbekannte Gruppe von Geldgebern machen. Kevin wird der neue Star in dem Team und innerhalb weniger Monate erleichtern sie die Kasinos, vor allem in Las Vegas, um Millionen. Die Kasinos wollen sich das nicht gefallen lassen – obwohl das von Kevin und seinen Freunden angewandte Kartenzählen nicht illegal ist.

Jahre später traf Kevin Lewis (der Name ist das Pseudonym von Jeff Ma) Ben Mezrich und erzählte ihm seine Geschichte. Denn, so vermutet Mezrich, Lewis wollte endlich die Geschichte von seinem Doppelleben erzählen. Einem Doppelleben, bei dem die MIT-Studenten mit falschen Pässen, Verkleidungen und Dollarmillionen (Bargeld natürlich) wie Verbrecher agierten, ohne jemals gegen Strafgesetze zu verstoßen.

Außerdem ist die Geschichte von Kevin Lewis die klassische Geschichte vom Kampf eines Davids gegen Goliath, ein Entwicklungsdrama und ein faszinierender Einblick in die Welt professioneller Glücksspieler.

Mezrich schrieb diese Geschichte in einem flott zu lesenden Buch nieder, das sich etliche Freiheiten bei Namen, Orten und Ereignissen nimmt. Die Originalausgabe enthält deshalb den Hinweis, den wir im Abspann von jedem Biopic lesen und somit ist „21“, wie auch Drake Bennett im „Boston Globe“ schreibt, ein von wahren Ereignissen inspirierter Roman.

Dennoch stürmte „Bringing down the house“ als Sachbuch die New-York-Times-Bestsellerliste und wurde jetzt, natürlich noch freier, als „21“ verfilmt. In den USA führt das hochkarätig besetzte Spielerdrama derzeit die Kinocharts an.

Drei Jahre nach „21“ erzählte Mezrich in „Breaking Vegas: The Sequel to Bringing Down the House“ die Geschichte eines anderen MIT-Studenten, der die Kasinos mit einem besseren Kartenzählsystem um noch mehr Geld erleichterte. Dieses Sequel soll näher an der Wirklichkeit sein.

„Merken Sie sich, dass Kartenzählen nichts mit Glücksspiel zu tun hat. (…) In meinen fünf Jahren des Blackjack-Spielens hatte unser Team kein einziges Jahr mit Verlust gearbeitet. Tatsache ist, dass wir kein einziges Jahr hatten, in dem wir für unsere Investoren weniger als 30 Prozent Rendite erwirtschafteten.

Finden Sie mal einen Börsenmakler, der das von sich behaupten kann!“

Kevin Lewis in „21“

Ben Mezrich: 21

(übersetzt von Danine-Isabelle Garbs, Markus Montz, Jörg Lüdemann)

Heyne, 2008

352 Seiten

7,95 Euro

Originaltitel

Bringing down the house – The Inside Story of Six M.I.T. Students Who Took Vegas for Millions

Arrow Books, 2002

Neuauflage unter dem Filmtitel “21”

Hinweise

Homepage von Ben Mezrich

Jeff Ma’s World of Gambling

Drake Bennett: House of Cards (The Boston Globe, 6. April 2008; eine lesenswerte Reportage über “Bringing down the house” und die von Mezrich vorgenommenen Fiktionalisierungen)

Kriminalakte über die Verfilmung „21“ (mit filmspezifischen Links)


Da wäre mehr drin gewesen

April 9, 2008

Paul Lascaux hat unter seinem richtigen Namen Paul Ott den umfassenden Überblick „Mord im Alpenglühen“ über den Schweizer Kriminalroman geschrieben. Mit „Salztränen“ legt er einen in einem Schweizer Alpental spielenden Privatdetektivkrimi vor, der gerade als Kriminalroman enttäuscht. Dabei beginnt die Geschichte vielversprechend: Im Emmental stirbt bei einem Autounfall der Käseeinkäufer einer Großhandelsfirma. Die Versicherung beauftragt Privatdetektiv Heinrich Müller die näheren Umstände des Todes zu untersuchen. Müller mietet sich in dem Dorfgasthof ein und beginnt sich unter den Einheimischen umzuhören, die halt so sind, wie Einheimische in Schweizer Kriminalromanen immer sind. Etwas verstockt, etwas hinterwäldlerisch und doch ganz nett, wenn sie nicht gerade einen auswärtigen Schnüffler verkloppen. Müller tut sich mit der Ethnologiestudentin Lucy Himmel zusammen. Sie jobbt in dem Gasthof, verfügt über das gutaussehende Aussehen jeder Detektivassistentin, schreibt an einer wissenschaftlichen Arbeit über die Bewohner des Emmentals und kann ihm daher viel über die Bewohner des Tales verraten.

Es gibt dann einige Verwicklungen, Detektiv, Leser und Autor verlieren den Überblick über die vielen Straftaten damals und heute, einen weiteren Toten, und die kurze Geschichte nähert sich bedrohlich schnell einem ziemlich enttäuschenden Ende.

Sagen wir’s mal so: „Salztränen“ ist eine nette Lektüre für Zwischendurch. Es gibt einige wohlbekannte Klischees, die Lascaux – bei seinem Wissen über die Kriminalliteratur – sicher bewusst zitiert, einige Informationen über das Herstellen von Käse und einige, ins räsonierende gehende, Betrachtungen über die Schweizer Seele. Insgesamt ist „Salztränen“ das literarische Äquivalent zum „Bullen von Tölz“.

Paul Lascaux: Salztränen

Gmeiner, 2008

240 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Homepage von Paul Lascaux (Pseudonym von Paul Ott)

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Paul Lascaux

Alligatorpapiere: Befragung von Paul Lascaux


Ausgewählte Frühjahrsmorde 2008: Knaur, Droemer, List und Ullstein

April 2, 2008

Was bieten Droemer Hardcover, Knaur Taschenbuch, List Taschenbuch und Ullstein Taschenbuch dem hungrigen Krimifan in den kommenden Monaten? Das:

 

Knaur Taschenbuch

April

Ariana Franklin: Die Totenleserin (Eine Pathologin ermittelt im Mittelalter in Cambridge)

Thomas Thiemeyer: Magma (ein Wissenschaftsthriller mit etwas Mystik)

 

Mai

Beverly Barton: Killing time (erhielt 2006 den Romance Writers of America Award)

Stefanie Baumm: Unsterblich wie der Tod (oder ein Serienmörder mordet sich durch die norddeutsche Population junger Mädchen)

Walt Becker: Missing Link (Heftige Kloppereien um einen archäologischen Fund, der das Geheimnis um die Entstehung der Menschheit verraten kann.)

Luc Deflo: Totenspur (Zweiter Krimi des belgischen Bestsellerautors)

Elizabeth Eyre: Das Geständnis des Dogen (Historischer Krimi: im 15. Jahrhundert wird in Venedig ein reicher Edelmann ermordet und der Sohn des Dogen gesteht die Tat. Aber ist er auch der Mörder?)

Bernd Harder: Der Bond-Appeal (und noch ein Buch über James Bond. Aktueller Anlass ist der hundertste Geburtstag von Ian Fleming am 28. Mai.)

Patrícia Melo: Schwarzer Walzer (Psychothriller: ein krankhaft eifersüchtiger Dirigent verliebt sich in eine junge Violinistin.)

Craig Smith: Das Jesusporträt (Mysterythriller)

 

Juni

Michael Marschall: Engel des Todes (oder Die Jagd nach dem „zweiten Schöpfer“ geht weiter)

Iain Pears: Das Porträt (Ein berühmter Maler und ein scharfzüngiger Kunstkritiker haben ein dunkles Geheimnis.)

Markus Stromiedel: Zwillingsspiel (Stromiedel schrieb einige gute Krimidrehbücher. Sein Debütroman klingt allerdings sehr nach der Vorlage für den „TV-Film der Woche“, gekreuzt mit den depressiven, skandinavischen Bestsellern. In diesem Fall bin ich trotzdem gespannt.)

Außerdem: „Tödliches Vergnügen“ (9 Krimis mit neuem Umschlag für jeweils 6 Euro):

Michael Böckler: Vino Criminale

Simon Brett: Mord im Museum

Peter James: Ein guter Sohn

P. D. James: Im Saal der Mörder

Sabine Kornbichler: Nur ein Gerücht

Alexandra Kui: Tod an der Schleuse

Val McDermid: Ein Ort für die Ewigkeit

Zane Radcliffe: Todesgruß

Julia Spencer-Fleming: Die rote Spur des Zorns

 

Juli

Friedrich Ani: Süden und das Geheimnis der Königin

Friedrich Ani: Süden und der Luftgitarrist (pünktlich zur geplanten Ausstrahlung der Süden-Krimis als ZDF-Samstagkrimi werden zwei der Süden-Krimis wieder aufgelegt)

Kate Atkinson: Liebesdienste (Privatdetektiv Jackson Brodie sucht den Mörder einer während des Edinburgher Theaterfestivals ermordeten Frau.)

Beverly Connor: Das Gesetz der Knochen (Dritter Fall der Pathologin Diane Fallon, die dieses Mal eine Leiche in einer teilweise unerforschten Höhle entdeckt.)

John Katzenbach: Das Opfer (Für sie ist es ein One-Night-Stand. Für ihn die große Liebe. Er beginnt sie und ihre Familie zu verfolgen.)

Michael Prescott: Mörderisches Spiel (Tess McCallum und Abby Sinclair, zwei aus früheren Prescott-Romanen bekannte Charaktere, jagen einen Mörder, der Frauen entführt und in der Kanalisation von Los Angeles angekettet ertrinken lässt.)

Joel Ross: Der Überläufer (Während des zweiten Weltkriegs spielender Spionagethriller)

Martyn Waites. Der Gnadenthron (der Auftakt der Joe-Donovan-Serie war für den Gold Dagger nominiert)

 

August

Glenn Chandler: Die Todeskarte (in England ist Chandler als Erfinder und Autor der langlebigen, nie in Deutschland ausgestrahlten Taggard-Polizeiserie bekannt. Dies ist sein erster von bislang zwei Krimis mit DI Steve Madden.)

Jonathan Hayes: Martyrium (Tja: ein Pathologe, ein Serienkiller, gekreuzigte Frauen, ein religiöser Spleen, die Freundin des Pathologen als nächstes Opfer des Killers. Das klingt alles nach Standard-Thriller. Oh, halt, der Held hat – das gab’s vor zehn Jahren noch nicht – ein 9/11-Trauma.)

Reginald Hill: Ins Leben zurückgerufen (DSI Andrew Dalziel auf Mörderjagd.)

Brenda Joyce: Fallen der Liebe (ein 1902 in New York spielender Ladythriller)

Kate Morgenroth: Töte mich zuerst (Neuauflage: ein Terrorist bringt in einem Sanatorium die Patienten vor laufender Kamera um. Eine Patientin wird seine Komplizin.)

Mary Stanley: Vermisst (Dublin in den 70er Jahren: ein Mädchen verschwindet. Ihre jüngere Schwester sucht sie.)

 

September

Pamela Clare: Kalt wie der Tod (ein Ladythriller)

Donn Cortez: Closer (Cortez schrieb auch einige „CSI Miami“-Romane. In „Closer“ bringt der Held Mörder um. Eines Tages stößt er auf eine Serienmörder-Community im Internet und den Mörder seiner Familie.)

Nicole Drawer: Das Messer in der Hand (Polizeipsychologin Johanna Jensen glaubt nicht, dass die blutüberströmte Frau mit dem Messer in der Hand ihren Mann umgebracht hat.)

Susan Hill: Des Abends eisige Stille (Ein Junge verschwindet in dem beschaulichen Lafferton. DCI Simon Serrailler sucht ihn.)

Lisa Jackson: Shiver – Meine Rache wird euch treffen (jetzt im Taschenbuch)

David Lawrence: Tödliches Dunkel (Detective Stella Mooney jagt einen Frauenmörder, der auf den Leichen geheimnisvolle Botschaften hinterlässt.)

Matthew Pearl: Die Stunde des Raben (oder Wie war das noch mal mit dem Tod von Edgar Allan Poe?)

David Skibbins: Der Tod ist eine Frau („Ein charmantes Schlitzohr, ein verzwickter Fall und ein ungewöhnliches Geheimnis“ dichtet der Verlag.)

 

Oktober

Christian von Ditfurth: Das Luxemburg-Komplott (Historischer Thriller über einen Mordanschlag auf Rosa Luxemburg.)

Sebastian Fitzek: Der Seelenbrecher (In seinem vierten Thriller treibt ein Psychopath unerkannt in einer von der Außenwelt abgeschnittenen Luxuspsychiatrie sein Unwesen.)

Colin Harrison: Afterburn – Tödliche Verstrickung (Ein Millionär verknallt sich in eine junge Schönheit, die gerade der Mafia fünf Millionen Dollar stibitzt hat. Selbstverständlich will die Mafia ihr Geld zurückhaben.)

Shaun Hutson: Scharfe Klauen („Spannend wie ein Thriller, blutig wie ein Steak“ textet der Verlag über diesen Horrorthriller, in dem ein geheimnisvoller Mörder am liebsten Literaturkritiker und Verlagsmitarbeiter zerfetzt. Der knallharte Inspector Birch zieht seinen Trenchcoat an. Könnte ein unterhaltsamer Schmöker sein.)

Chris Kuzneski: Arcanum – Im Zeichen des Kreuzes (finden Kuzneskis Helden die Spuren von Dan Brown. Allerdings scheint die Angelegenheit, immerhin geht es um das größte Geheimnis des Christentums, hier etwas weniger jugendfrei zu sein.)

Julia Spencer-Fleming: Das dunkle Netz der Rache (Vierter Krimi mit Pastorin Clare Fergusson und Sheriff Russ Van Alstyne. Dieses Mal wird die Erbin eines Großgrundbesitzers entführt.)

Marcos M. Villatoro: Mania (FBI-Agentin Romilia Chacón jagt die Mörder eines Kollegen. Die Spur führt zu einem südamerikanischen Drogenkartell.)

 

 

Droemer – Hardcover

12. April

Simone Buchholz: Revolverherz (Staatsanwältin Chastity Riley jagt den Mörder der St.-Pauli-Tänzerinnen. – Irgendwie klingt die ganze Beschreibung nach einem dieser superhippen, superwitzigen Bücher, die absolut nicht mein Geschmack sind.)

14. Juni

Douglas Preston: Credo – Das letzte Geheimnis (Blasphemy, 2008 – In einem abgelegenen Labor erforschen Wissenschaftler eine neue Energiequelle. Da behauptet eine Stimme, sie sei der Schöpfer des Universums. Ihre Forderung: die Naturwissenschaften als einzige Religion anerkennen. – Puh.)

8. August

Kate Atkinson: Lebenslügen (When will there be good news, 2008 – Privatdetektiv Jackson Brodie versucht einen lange zurückliegenden Mord aufzuklären.)

 

 

List Taschenbücher

April

William Brodrick: Die Gärten der Toten (Pater Anselm will den Mord an einer früheren Strafverteidiger-Kollegin aufklären. Seine Ermittlungen führen ihn zu einem alten Prostitutionsfall.)

Ake Edwardson: Das vertauschte Gesicht/In alle Ewigkeit (Zwei Erik-Winter-Krimis für zehn Euro)

Mai

Leif Davidsen: Der Augenblick der Wahrheit (Fotograf Peter Lime verliert bei einem Anschlag seine Familie. Blind vor Hass beginnt er die Täter zu jagen. – Neuauflage)

Juni

Ronnith Neuman: Tod auf Korfu (Ein Polizist versucht auf Korfu eine Mordserie aufzuklären. Seine Ermittlungen führen ihn zu einer lange zurückliegenden deutsch-griechischen Tragödie.)

Barbar Pope: Im hellen Licht des Todes (Aix-en-Provence, 1885: Ein Richter fragt sich, ob Paul Cézanne eine Frau ermordet hat.)

Juli

Mila Lippke: Der Puppensammler (Mörderjagd im Berlin der Jahrhundertwende)

Dominique Sylvain: Letzte Show (Das Stardouble von Britney Spears stürzt aus dem 34. Stock. Eine Ex-Kommissarin und eine Stripperin beginnen mit der Mördersuche. – Das könnte mir gefallen.)

August

Marcello Fois: Sardische Vendetta (die Gesichte des sardischen Banditen Samuele Stocchino erhielt den Premio Grinzane Cavour)

September

Marianne Macdonald: Tod zwischen den Zeilen (Buchhändlerin Dido Hoare freut sich über ein billig erstandenes Pergament. Da wird der Verkäufer ermordet und Dido fragt sich, ob das Pergament der Grund für den Mord war.)

Jo Nesbo: Rotkehlchen (Neuausgabe zum Sonderpreis)

Michael Theurillat: Eistod (der zweite Fall für Kommissar Eschenbach jetzt als Taschenbuch)

 

 

Ullstein – Taschenbuch

April

Lori Andrews: Bis auf die Knochen (Haben ein lange zurückliegendes Massaker und der Mord eines Händlers etwas miteinander zu tun? Molekularbiologin Blake fliegt nach Saigon.)

Peter Brendt: Deep Hunters (ein U-Boot-Thriller)

John Connolly: Die weiße Straße (Privatdetektiv Charlie Parker will die Unschuld eines Afroamerikaners, der für den Mord an der Tochter eines Millionärs in der Todeszelle sitzt, beweisen.)

Oliver Pötzsch: Die Tochter des Henkers (sucht kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg einen Mörder)

 

Mai

Bernard Cornwell: Schnee in der Karibik (Ein Skipper gerät in einen Drogenkrieg.)

Esteban Martin/Andreu Carranza: Die dritte Pforte (Ein in Spanien spielender Mystery-Thriller über eine angeblich auserwählte junge Frau, verschlüsselte Hinweise in alten Bauwerken und einer satanischen Sekte.)

Matthew Reilly: Auf Crashkurs („Es scheppert herrlich“, meint BamS [nicht Bumms] über diesen Action-Thriller über lebensgefährliche Hovercar-Rennen in der nahen Zukunft.)

Inger Wolf: Spätsommermord (2007 als bestes dänisches Krimidebüt ausgezeichnet)

 

Juni

Marc Van Allen: Arcanum (Der Ordo Invisibilium will die totale Kontrolle über die Menschheit erlangen. Aber einige Menschen wehren sich.)

Rita Mae Brown: Die Sandburg (eine Sommergeschichte, kein Krimi)

Julie Garwood: Mord nach Liste (Die als therapeutische Übung aufgeschriebene Todesliste einer Hotelerbin gerät in die Hände eines Killers, der sie abarbeitet.)

 

Juli

Blake Crouch: Bruderherz (Neuauflage: Ein Krimiautor wird in ein mörderisches Spiel verwickelt)

Christian Moerk: Eminenza (Ein Wissenschaftler findet einen Weg, den Hunger in der Welt zu beenden. Damit gerät er in das Visier einer alten venezianischen Loge.)

Peter Robinson: Eine respektable Leiche (der zweite Inspector-Banks-Krimi)

 

August

Carol Higgins Clark: Nacht in Las Vegas (Siebter Einsatz für Privatdetektivn Regan Reilly: Sie soll herausfinden, wer die Dreharbeiten für eine Show sabotiert.)

John S. Marr/John Baldwin: Die elfte Plage (Ein Psychopath erfreut die Amerikaner mit an die zehn biblischen Plagen angelehnten Viruserkrankungen. Ein Virologe jagt ihn.)

Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes (Und wieder wird ein Serienmörder gejagt)

 

September

Rita Mae Brown/Sneaky Pie Brown: Die kluge Katze baut vor (Miau. Ein Fall für Mrs. Murphy.)

Iris Johansen: Gnadenlose Jagd (Jemand will die Talente einer ehemaligen CIA-Agentin für seine Zwecke nutzen. Er entführt ihre Tochter.)

Inge Löhning: Der Sünde Sold (In einem bayerischen Dorf wütet ein sadistischer Mörder. Kommissar Konstantin Dühnfort jagt ihn.)

Aline Templeton: Wenn es ans Sterben geht (Wer ermordete drei ehrenamtliche Helfer? Die Polizeichefin von Galloway ermittelt.)

 

Fett Kursiv sind die Titel gedruckt, auf die ich mich besonders freue. Neuausgaben und Taschenbuchausgaben natürlich ausgenommen.

 

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Ein Geschenk für „24“-Fans

März 26, 2008

goldman-24.jpg

„24: Staffel 1 – 6 – Wettlauf gegen die Zeit“ von Michael Goldman richtet sich vor allem an Fans der bahnbrechenden TV-Serie mit Kiefer Sutherland als Jack Bauer. In jeder der bislang sechs Staffeln hat er 24 Stunden Zeit eine terroristische Bedrohung abzuwenden.

Das Innovative der von Joel Surnow und Robert Cochran erfundenen Serie bezieht sich auf zwei wichtige Elemente. Jede Folge dauert im US-amerikanischen Fernsehen mit Werbung genau eine Stunde. Jede Staffel hat 24 Folgen. Damit geschehen die Ereignisse in der Serie (mit gewissen Zugeständnissen) in Echtzeit. Besonders in der ersten Staffel verwandten die Macher viel Zeit darauf, die Fahrtzeiten möglichst genau zu berechnen – und Gespräche wurden deshalb bevorzugt über Handys geführt. Später wurde mit dieser Prämisse laxer umgegangen. Aber sie bleibt immer noch eine Herausforderung für das Schreiben der einzelnen Geschichten.

Während sich die Macher mit dieser Prämisse im Gegensatz zu anderen Serien sehr enge Fesseln anlegten, befreiten sie sich auf einer anderen Ebene von den traditionellen Fesseln. Denn in „24“ ist kein Charakter vor Schicksalsschlägen und dem Tod gefeit. So wissen die Zuschauer niemals, ob nicht ein sympathischer Charakter doch ein Bösewicht ist, und ob er die Folge überlebt. Im Gegenteil: die Macher scheinen nach dem Prinzip ‚Weil sie glauben, wir können das nicht tun, tun wir es’ vorzugehen.

So versucht Jack Bauer (die einzige Ausnahme von diesem Prinzip) in der ersten Staffel alles, um seine Familie zu retten. In den letzten Minuten des ersten Tages bringt Bauers Ex-Geliebte, Arbeitskollegin und Landesverräterin Nina Myers Bauers Frau Teri kaltblütig um. In den folgenden Staffeln – und Goldmans Buch zeigt dies eindrucksvoll – pflastern Leichen den Weg von Jack Bauer. In einer späteren Staffel brachten die „24“-Macher in den ersten Minuten der Auftaktfolge fast alle aus den vorherigen Tagen beliebten Charaktere um. Deshalb lesen sich die Charakterskizzen der CTU- und Regierungsmitglieder wie eine Ansammlung von Nachrufen, die viele der großen „24“-Momente wieder aufleben lassen: Tony Almeidas Liebe zu Michelle Dessler mit all ihren Höhen und Tiefen, seine fast tödliche Schussverletzung am dritten Tag, seine Geiselnahme am vierten Tag und Michelle Desslers Tod am fünften Tag; David Palmers Aufstieg zum Präsidenten der USA und sein anschließender Rückzug nach einer Wahlperiode; und sein wesentlich glückloserer Nachfolger Charles Logan, der noch während seiner Präsidentschaft als Verbrecher angeklagt wurde.

Auf mehrere Seiten werden in Goldmans Buch die CTU-Zentrale in Los Angeles, die CTU-Ausrüstung, die verschiedenen Aufenthaltsorte der Präsidenten und ihre Autos und Flugzeuge vorgestellt.

Fast die Hälfte des großzügig gelayouteten Buches wird für die kurze Vorstellung der bisherigen Staffeln verwendet. Jeder Tag wird auf jeweils zehn Seiten abgehandelt. Die zahlreichen Bilder aus der Serie wecken dabei Erinnerungen an die einzelnen Episoden.

Michael Goldmans reichhaltig illustriertes Werk ist mit den kurzen, prägnanten Texten eine wahre Fundgrube für „24“-Fans. Bis Pro Sieben im Frühsommer endlich den sechsten „24“-Tag zeigt, können „24“-Fans mit diesem Buch in Erinnerungen schwelgen und ihr möglichstes tun, nicht die Texte über den sechsten Tag zu lesen.  Wer dagegen die Serie noch nicht kennt, dürfte mit „24: Staffel 1 – 6 – Wettlauf gegen die Zeit“ ein großes Problem haben: das Buch enthält zahlreiche Spoiler – und ein großer Teil des Vergnügens beim ersten Sehen von „24“ ist, dass man nicht erahnt, was in den nächsten Minuten, geschweige denn Stunden, geschieht. Oder hätte irgendjemand geahnt, wie der erste Tag endet?

 

 

Michael Goldman: 24: Staffel 1 – 6 – Wettlauf gegen die Zeit

(übersetzt von Sebastian Pirling)

Panini Books, 2008

144 Seiten

29,95 Euro

 

Originalausgabe

24 – The ultimative guide

DK Publishing, 2007

 

Hinweise

DK Publishing über “24 – The ultimative guide” (mit einem Blick in das Buch)

Fox über „24“

Fox TV über „24“ (deutsche Seite, ziemlich umfangreich) 

„24“-Wiki (englisch) 

Fernsehserien über „24“

Deutsche „24“-Fanpage


Ed Brubaker mit „Criminal“ in Parkers Welt

März 19, 2008

brubaker-criminal-1-feigling.jpg

„Feigling“ ist ein Comic, der nicht in die Hände von Kindern gehört. Brubaker erzählt in dem fulminanten Auftakt seiner neuen Serie „Criminal“, für die er 2007 mit dem renommierten Eisner-Award ausgezeichnet wurde, eine blutige Geschichte aus der düsteren Hardboiled-Welt der Profigangster.

Bereits der Prolog mit seinem meisterhaften Zusammenspiel von Leos illusionslosem Monolog und den dazugehörigen Bildern überzeugt. Während Leo vom Wert der Regeln erzählt, die ihm als Gangster ein Leben außerhalb des Gefängnisses ermöglichen, erzählen die Bilder von einem blutig misslingenden Überfall und der geglückten Flucht Leos.

Danach zieht Leo sich zurück. Denn während die anderen ihn wegen seinem vorsichtigen Agieren und sorgfältigen Planen der verschiedensten Varianten eines Coups und der Flucht, für einen Feigling halten, ist Leo nur vorsichtig. Lieber verschiebt er einen Überfall oder führt ihn, wenn ihm die Sache zu heiß erscheint, nicht durch, als dass er sich in einen Schusswechsel mit der Polizei verwickeln lässt. Oder mit den Worten des korrupten Cops Seymour: „Leo ist ein Feigling. Er geht dem Ärger nicht aus dem Weg, er rennt. Und so gut, wie er darin ist, Sicherheitslücken zu erkennen und Dinger zu planen, so gut ist er auch im verpissen.“

Fünf Jahre später fristet Leo ein Leben als kleiner Taschendieb. Da wird er von dem korrupten Polizisten Seymour zu einem neuen Raub erpresst. Er soll, zusammen mit anderen korrupten Cops, Diamanten im Wert von fünf Millionen Dollar aus einem Polizeitransporter stehlen. Leo macht, auch aufgrund von alten Verpflichtungen, mit. Er tüftelt einen sicheren Plan aus. Doch schon während des Überfalls versuchen die Polizisten ihn umzubringen.

Leo, der wie immer noch einen weiteren Fluchtplan gemacht hat, kann mit der Beute fliehen. Doch der Gangsterboss Roy-L.T., die korrupten Cops um Seymour und die gesamte Polizei sind ihm auf den Fersen. Denn in dem Laster waren keine Diamanten, sondern Roys Rauschgift.

Um selbst zu überleben und die Menschen zu beschützen, die ihm wichtig sind, muss Leo gegen „die Regeln, die einem Freiheit garantieren“ verstoßen.

Und wohin ein Verstoß gegen die Regeln führt, hat bereits der Prolog drastisch verdeutlicht. Gefängnis oder Tod im polizeilichen Kugelhagel. Leo, der Gewalt verabscheut, will weder das eine noch das andere. Aber nur mit einer Pistole in der Hand hat er eine Chance zu überleben.

Das von Ed Brubaker in „Criminal“ entworfene Universum erinnert Genrefans zuerst an die kalte Welt des von Donald E. Westlake unter dem Pseudonym Richard Stark erfundenen Profigangsters Parker. Denn alles, was über Leo gesagt wird, kann auch über Parker gesagt werden. Bis auf zwei Punkte: Parker hat absolut keine freundschaftlichen Gefühle und Parker wendet Gewalt an, wenn er so seine Ziele besser erreichen kann. Der Rest – die vollkommen korrupte Welt, der Codex der Berufsverbrecher, die fatalen Fehler der Amateure, die Dummheit vieler Verbrecher, die alltägliche Gewalt – ist aus Parkers Welt bekannt.

Auf dieser Folie entwirft Ed Brubaker eine Geschichte, die einerseits die Genrekonventionen befolgt, andererseits bereits mit kleinen Änderungen für willkommene Überraschungen sorgt. Denn Leo ist viel menschlicher als Parker. Er

pflegt seinen an Demenz erkrankten Vaterersatz. Er hilft einer Freundin. Er hat sogar ziemlich gute Kontakte zu einer Polizistin, mit der er gemeinsam die Schule besuchte. Und weil er ihnen helfen will, bricht er seine Regeln.

 

„Feigling“ ist nach der „Sleeper“-Serie eine weitere Zusammenarbeit von Ed Brubaker und Sean Phillips. Brubaker gewann 2007 den Eisner und Harvey Award als bester Autor. In den vergangenen Jahren schrieb er für DC/Vertigo das Sandman-Spezial „Prez“ und die „Gotham City“-Serie aus dem Batman-Kosmos. Bei Marvel übernahm er die Serien „Captain America“ und „Daredevil“.

Der britische Zeichner Sean Phillips begann seine Karriere bei dem Magazin „2000AD“ und der Serie „Judge Dredd“. In den USA zeichnete er für DC/Vertigo „Hellblazer“, für DC/WildStorm „Sleeper“ und für Marvel „Marvel Zombies“.

Der zweite Criminal-Band „Lawless“ ist in den USA bereits veröffentlicht. In Deutschland kündigt Panini Comics für Juli „Das Schaf im Wolfspelz“, den ersten Band der „Sleeper“-Serie von Ed Brubaker und Sean Phillips, an.

 

 

Ed Brubaker/Sean Phillips: Criminal 1 – Feigling

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Books, 2008

128 Seiten

14,95 Euro

 

Originaltitel

Criminal 1: Coward

Marvel Comics, 2007

 

Hinweise

A Criminal Blog (von Ed Brubaker und Sean Phillips) 

Homepage von Ed Brubaker

Homepage von Sean Phillips 

Blog von Sean Phillips 

Bill Hader interviewt Ed Brubaker (mit Ausschnitten aus den Criminal-Comics)

Comic Book Resources: Interview mit Ed Brubaker

Newsarema: Interview mit Ed Brubaker 

Mein Artikel über Richard Starks Parker-Romane


Ausgewählte Frühjahrsmorde 2008: Hardcovers und Hard Case Crime

März 7, 2008

Im vierten Teil der kleinen Vorschau auf demnächst erscheinende Kriminalromane werfen wir einen Blick auf die Hardcover-Programme (für die älteren Semester: Bücher im festen Einband) der großen Verlage und loben Rotbuch für seine neue Reihe

 

Blanvalet Hardcover

Mai

Caro Ramsay: Ich habe gesündigt (Absolution – Debüt: in Glasgow jagt DCI Alan McAlpine den Kruzifikiller)

 

Heyne Hardcover

März

Dean Koontz: Seelenlos (Forever Odd – Odd Thomas sucht einen entführten, kranken Freund. In einem ausgebrannten Indianercasino trifft er auf die Verkörperung des Bösen: eine Schamanin. Mystery-Thriller)

Stieg Larsson: Vergebung (Luftslottet som sprängdes – gewohnt seitenstarkter Abschluss der Trilogie um deas Ermittlerduo Blomkvist/Salander)

Mai

Sebastian Faulks (schreibt als Ian Fleming): Der Tod ist nur der Anfang (Devil May Care – Zeitgleich erscheint der neue James-Bond-Roman. Das wird einen großen Pressebohei geben, der durch den 100. Geburtstag von Ian Fleming am 28. Mai noch beflügelt wird. Abgeschlossen wird das Jahr mit dem neuen Bond-Film)

Patrick Robinson: Codename Viper (Ghost Force – Politthriller mit Admiral Morgan als Helden um den Kampf um die letzten Rohstoffreserven)

 

Manhattan

März

Stuart Archer Cohen: Der siebzehnte Engel (The Stone Angels – ein Polizist und eine Menschenrechtsexpertin suchen in Buenos Aires den Mörder eines Schriftstellers. – Zweiter Roman von Cohen; sein Debüt „Unsichtbare Welt“ erschien 2000)

Janet Evanovich: Kalt erwischt (Twelve Sharp – der neue Stephanie-Plum-Krimi)

 

Page & Turner

Februar

Lisa Unger: Der Fluch der Wahrheit (Die Abenteuer von Ridley Jones gehen weiter. Nachdem sie in „Das Gift der Lüge“ erfuhr, dass ihre Eltern nicht ihre Eltern sind, entdeckt sie jetzt auf alten Familienfotos einen seltsamen Mann. Sie will wissen, wer das ist. – Ohne mich. Denn das erste Ridley-Jones-Abenteuer gefiel mir überhaupt nicht.)

Juni

John Twelve Hawks: Dark River – Das Duell der Traveler (Fortsetzung von „Traveler“)

 

Rotbuch

März

Rob Alef: Das magische Jahr („Ein Schlüsselkrimi zu den 68ern“ meint der Verlag)

Lawrence Block: Abzocker

Ken Bruen/Jason Starr: Flop

Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse (Hard Case Crime auf Deutsch. Sogar mit den Originalcovers. Da jubelt mein Noir-gestähltes Herz. Außerdem sind diese drei Krimis einfach spannend. Im „Krimijahrbuch 2006“ habe ich die Reihe bereits abgefeiert.)

April

Jürgen Ebertowski: Hungerkralle (Karl Meunier, der ehemalige Hotel-Adlon-Hausdetektiv, ermittelt im Nachkriegsberlin)

 

 

Fett Kursiv sind die Titel gedruckt, auf die ich mich besonders freue.

 

Und hier geht’s zu den vorherigen Teilen:

Blanvalet, Goldmann Taschenbuch

Alexander Verlag, Edition Nautilus, Pendragon, Unionsverlag, Pulp Master, vgs

Emons, Gmeiner, Grafit


Gute Idee, schlechte Ausführung

März 5, 2008

 patterson-im-affekt.jpg

1977 erhielt James Patterson für sein Debüt „The Thomas Berryman Number“ (Die Toten aber wissen gar nichts) einen Edgar. Seinen Durchbruch hatte er in den Neunzigern mit der auch verfilmten Alex-Cross-Reihe. Inzwischen gehört er zu den Autoren, die fast jeden Monat ein Buch veröffentlichen. Viele Bücher schreibt er zusammen mit anderen Autoren. In den USA stehen, im Gegensatz zu Deutschland, beide Namen auf dem Cover und sein Name steht ständig in den Bestsellerlisten. Er gehört, für England wurden kürzlich die Zahlen veröffentlicht, aber in den USA und Deutschland dürfte es ähnlich aussehen, zu den meistverkauften und ausgeliehenen Autoren.

Deshalb wollte ich jetzt herausfinden, warum James Patterson so populär ist und, direkt damit verbunden, warum sein Name das Markenzeichen für eine bestimmte Art von Spannungsromanen ist. Das Einzelwerk „Im Affekt“ (The Quickie, 2007) schien mir ein guter Startpunkt zu sein. Denn die Grundidee klingt vielversprechend.

NYPD-Detective Lauren Stillwell beobachtet während der Mittagspause ihren Mann Paul mit einer fremden Frau ein Hotel betreten. Als sie ihn abends nach seiner Mittagspause befragt, belügt er sie. Sie beschließt ihren Mann mit dem gutaussehenden Kollegen Scott Thayer zu betrügen. Nach dem Sex in seiner Wohnung beobachtet sie, wie Scott auf offener Straße zusammengeschlagen wird. Von ihrem Ehemann.

Kurz darauf steht sie vor Scott Thayers Leiche. Sie soll, schließlich ist sie die beste Ermittlerin im Dezernat, die Ermittlungen leiten.  Um ihren Mann zu beschützen, riskiert sie ihre Karriere. Sie legt falsche Spuren, manipuliert Beweise und lässt Beweise verschwinden. Das gelingt ihr so gut, dass sie ungefähr in der Buchmitte ihrem Chef einen allgemein akzeptierten und toten Polizistenmörder präsentieren kann.

Doch so einfach lässt sich ein Mord nicht aus der Welt schaffen. Die Gangsterfreunde des falschen Polizistenmörders wollen Gerechtigkeit und sie muss unangenehme Tatsachen über Scott Thayer und ihren Ehemann Paul erfahren. Denn beide sind nicht so edel, wie sie geglaubt hat.

„Im Affekt“ könnte ein Noir mit starken Thrillerelementen sein. Aber James Patterson und Michael Ledwidge verlieren sich vor allem in der zweiten Hälfte in zahllose, kaum miteinander zusammenhängende Episoden, die immer zufälliger wirken und die Charaktere immer wieder entgegen ihrer Persönlichkeit handeln lassen. Außerdem ist „Im Affekt“ kein harter Thriller, sondern ein geschwätziger Romantic-Thriller, mit einer Ich-Erzählerin, die vor allem als durchaus patent-liebenswerte Frau an sich und ihrem Leben zweifelt. Sie agiert oft nicht wie ein guter Detective der New Yorker Polizei, sondern wie eine Hausfrau. So versucht sie nichts über die Affäre ihres Mannes (den sie immer noch wie am ersten Tag liebt) herauszufinden, sondern stürzt sich gleich in eine Affäre mit einem Kollegen. Nachdem sie beobachtet hat, wie ihr Mann ihren One-Night-Stand umbrachte, beginnt sie sofort Spuren zu vernichten und bringt so ihre Karriere in Gefahr. Dabei versucht sie überhaupt nicht herauszufinden, wie ihr Mann etwas von ihrer Affäre erfahren hat. Die erfahrene Polizistin und ehemalige Jurastudentin denkt auch nicht daran, dass mit einem guten Anwalt die schlimmsten Folgen für ihren Mann abgewendet werden könnten. Undsoweiter. Undsofort.

Das klingt jetzt genau nach dem langweilig-unlogischen Desaster, das keinem echten Krimifan gefallen kann.

Aber einige Punkte können den Erfolg von „Im Affekt“ und, damit verbunden, den der anderen Werken von James Patterson erklären. Die Prämisse ist stark. Man will wissen, ob Lauren Stillwell ihre Karriere und ihre Ehe retten kann. Man verspricht sich eine aufregende Lektüre.

Die Kapitel sind kurz. Meistens zwei bis drei, selten mehr, Seiten. Oft wird eine Szene, wie die erste Besichtigung des Tatortes, in mehrere Kapitel unterteilt. Diese kurzen Kapitel, die vielen Absätze und Dialoge suggerieren ein hohes Erzähltempo. Beim Lesen werden die Seiten – die Originalausgabe ist noch großzügiger als die deutsche Ausgabe gelayoutet – in einem atemberaubenden Tempo umgeblättert.

Vor allem in der zweiten Hälfte treiben Patterson und Ledwidge die Geschichte in kurzen Episoden, die vorherige Gewissheiten immer wieder in Frage stellen, voran. Diese dramaturgisch gut aufgebauten Episoden sind nicht besonders lang. Sie können immer wieder zwischendurch, zum Beispiel in der U-Bahn, auf der Toilette, während des Kochens, gelesen werden. So nach der Methode: Pizza in den Backofen geschoben, zwei Kapitel gelesen, Pizza fertig. Dass dabei die Ich-Erzählerin immer wieder widersprüchlich handelt, kann zwischen der Hin- und Heimfahrt in der U-Bahn vergessen werden.

Letztendlich ist „Im Affekt“ eskapistisches Thriller-Fastfood, das vertraute Handlungsmuster teilweise geschickt und mainstreamkompatibel ausfüllt. Es gibt den anspruchslosen Lesern etwas Spannung, etwas Gefühl, etwas Sex und lenkt von den alltäglichen Problemen ab.

 

Anmerkung: Das Titelbild hat nichts mit dem der Geschichte zu tun. „Im Affekt“ spielt in New York.

 

James Patterson/Michael Ledwidge: Im Affekt

(übersetzt von Helmut Splinter)

Goldmann, 2008

336 Seiten

8,95 Euro

 

Original
The Quickie

Little, Brown and Company, New York, 2007

 

Hinweise

Homepage von James Patterson

The Rap Sheet über James Patterson

Fantastic Fiction über James Patterson 

James Patterson auf der Krimi-Couch


Familienprobleme für Handyman Jack

Februar 27, 2008

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Das neunte Handyman-Jack-Roman „Das Höllenwrack“ von F. Paul Wilson ist ein eher untypisches Abenteuer für den Mann, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, nicht auf dem staatlichen Radar zu erscheinen. Das ist in Zeiten des Antiterrorkampfes natürlich schwieriger denn je. Aber bis jetzt ist es ihm gelungen.

Doch nachdem sein Vater und zahlreiche weitere Passagiere auf dem La-Guardia-Flughafen von Terroristen mit vergifteten Patronen erschossen werden, hat Jack ein Problem. Weil er keinen Pass auf seinen Namen hat, kann er die Leiche seines Vaters nicht aus dem Leichenschauhaus abholen. Er muss seinen größeren Bruder Tom, den er aus tiefstem Herzen hasst, darum bitten. Tom ist inzwischen Richter in Philadelphia und, wie Jack schnell feststellt, Trinker und Verbrecher. Gegen Tom wird ermittelt und er hätte den Bundesstaat überhaupt nicht verlassen dürfen.

Tom erfährt schnell, dass Jack in der Illegalität lebt, gute Kontakte zu Verbrechern hat und in bestimmten Kreisen hoch angesehen ist. Außerdem hatte ihm sein Vater gesagt, wenn er wirkliche Probleme habe, solle er sich an Jack wenden. Er könne dann helfen. Und Tom, der unter keinen Umständen ins Gefängnis gehen will, hat Probleme die mit Geld und einem neuen Pass aus der Welt geschafft werden können.

Mit einer kleinen Erpressung und einem Appell an die familiären Gefühle überzeugt er Jack, ihn auf die Bermudas zu begleiten. Er will sein dort gebunkertes Vermögen abholen. Aber die Steuerfahndung war schneller. Jetzt hat er nur noch eine Hoffnung: die Lilitonga von Gefreda. Dieser Schatz soll vor über vierhundert Jahren vor den Bermudas untergegangen sein. Anhand der Schatzkarte finden sie die Lilitonga von Gefreda und erwecken sie in New York zum Leben.

Jetzt haben die beiden verfeindeten Brüder ein wirkliches Problem. Denn die katholische Kirche versenkte damals das Schiff, damit niemand mit dem teuflischen Ding, das Menschen vom Erdboden verschwinden lassen kann und alles Leben in ihrer näheren Umgebung vernichtet, in Berührung gerät.

„Das Höllenwrack“ ist eine unterhaltsame Abenteuergeschichte. Ein richtiger Schmöker eben, bei dem in der ersten Hälfte viel passiert und in der zweiten Hälfte das Ende – besonders wenn man weiß, dass F. Paul Wilson weitere Handyman-Jack-Romane geschrieben hat – doch sehr absehbar ist. Aber in „Das Höllenwrack“ geht es ihm weniger um thrillertypische Spannung und überraschende Plottwists, sondern um moralische Fragen.

F. Paul Wilson fragt sich, wie sehr Väter als Vorbild dienen können. Wie wirkt sich die Erziehung auf verschiedene Menschen aus? Dabei hat er mit Jack und Tom zwei gegensätzliche Charaktere entworfen, die beide von dem gleichen Mann erzogen wurden und dann ganz verschiedene Lebenswege einschlugen. Hier der nach außen hin respektierte Richter, der in dreifacher Scheidung lebt, korrupt, drogensüchtig, verantwortungslos und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Dort die nach außen hin gescheiterte Existenz ohne einen Beruf, die unter dem Radar des Staates als Berufsverbrecher lebt, aber dafür eine ihn liebende, schwangere Freundin, Freunde und moralische Standards hat. Er ist, wie ein Bluessänger singt:

“He went and fixed that problem, and now I sleep so good at night (…)

Yeah, Jack might be an angel, or he could be the devil too

Only thing I know is, you don’t want him mad at you.”

Diese beiden unterschiedlichen Charaktere prallen in „Das Höllenwrack“ immer wieder aufeinander. Dabei bestimmt der böse Bruder Tom weite Teile das Geschehens. Denn er muss sich in dieser Geschichte mit seinem eigenen verpfuschten Leben auseinandersetzen und sich fragen, welche zweite Chance er gerne hätte.

Auch Serienheld Jack steht vor schwierigen Fragen. Die wichtigste ist, wie sehr er seine Handlungen von dem Gefühl der Rache leiten lassen will. Denn natürlich sucht Jack die Mörder seines Vaters. Und dann ist da noch die Lilitonga von Gefreda, die seine Freundin Gia und ihre Tochter Vicky bedroht, während Tom am Liebsten nichts mit den von ihm in Gang gesetzten Ereignissen zu tun hätte.

 

 

 

F. Paul Wilson: Das Höllenwrack

(übersetzt von Michael Kubiak)

Blanvalet, 2007

512 Seiten

8,95 Euro

 

Originalausgabe

Infernal (A Repairman Jack novel 09)

Forge, New York 2005

 

Hinweise 

Homepage von F. Paul Wilson

Evolver: Martin Compart über F. Paul Wilson

Phantastik-Couch über F. Paul Wilson

Krimi-Couch über F. Paul Wilson


Ausgewählte Frühjahrsmorde 2008: Mörderisches von Blanvalet und Goldmann

Februar 20, 2008

Heute kommen wir zu zwei großen Verlagen, die einerseits viel für die Hardcorekrimifans uninteressante Bestsellerware verlegen, die andererseits aber auch einige gute Autoren in ihrem Programm haben. Ich sage nur Lynda La Plante, Ian Rankin, Mark Billingham, Jeffery Deaver, Peter Temple und Norbert Horst. Ja, der Polizist hat seine Schreibmaschine endlich wieder zum Krimischreiben benutzt.

Blanvalet

März

Margie Orford: Blutsbräute (Deutsche Erstveröffentlichung eines heftig beworbenen Krimidebüts aus Südafrika. Ich bin deshalb entsprechend misstrauisch.)

April

Clive Cussler: Cyclop (Sonderausgabe zum Welttag des Buches)

Mai

Susan Andersen: Todesspirale (Deutsche Erstveröffentlichung eines Lady-Thrillers)

Steve Berry: Patria (Deutsche Erstveröffentlichung: Cotton Malone soll Erpressern den Zugang zur Bibliothek von Alexandria verschaffen. Sonst stirbt sein Sohn.)

Jeffery Deaver: Gezinkt (Deutsche Erstveröffentlichung von sechzehn Kurzgeschichten)

Kathy Reichs: Hals über Kopf (mit einer großen Werbekampagne garnierte Taschenbuch-Veröffentlichung eines Tempe-Brennan-Romans)

Juni

Jenna C. Black: Der Seelensammler (zweiter Thriller mit der Polizistin Laura Cardinal)

Sandra Brown: Weißglut (Taschenbuchausgabe: Sayre Hoyle vermutet den Mörder ihres jüngeren Bruders im Kreis der Familie.)

Rachel Butler: Blutbild (Deutsche Erstveröffentlichung: eine Malerin und Killerin soll im Auftrag des FBI eine kriminelle Organisation unterwandern. Klingt ziemlich ausgedacht; könnte aber ein netter Schmöker sein.)

Clive Cussler/Paul Kemprecos: Höllenschlund (diese Deutsche Erstveröffentlichung ist der siebte Kurt-Austin-Roman und wurde den NUMA-Akten entnommen)

Jerome Delafosse: Im Blutkreis (Mystery-Thriller über eine Verschwörung, die die Welt an den Rand des…)

Andy McNab: Die Abrechnung (Deutsche Erstveröffentlichung eines Nick-Stone-Agententhriller)

Juli

Suzanne Brockmann: Feuerkuss (Deutsche Erstveröffentlichung)

Robin Cook: Crisis (Medizin-Thriller)

Iris Johansen: Melodie der Angst (Ein Lady-Thriller)

James Patterson: Die 5. Plage (ein „Women’s Murder Club“-Roman in der Taschenbuchausgabe)

Helena Reich: Nasses Grab (Originalausgabe; geplant als Start einer in Prag spielenden Serie mit einem sympathischen Ermittlertrio aus Kommissar, Pathologin und Reporterin. Hm.)

Andreas Wilhelm: Projekt Sakkara (Ein Mystery-Thriller)

August

Commander James Barrington: Die Virus-Waffe („Die britische Antwort auf Tom Clancy!“ – Sie sind gewarnt.)

Janet Evanovich: Tiefer gelegt (Krimikomödie ohne Stephanie Plum)

David Gibbins: Mission: Atlantis (oder: Viele Menschen suchen die untergegangene Stadt Atlantis und es geht rund.)

Tami Hoag: Kaltherzig (Deutsche Erstveröffentlichung: Eine Ex-Polizistin muss sich auf der Jagd nach einem Mörder den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen. Tja, nun.)

Linda Howard: Mordgeflüster (Deutsche Erstveröffentlichung eines Lady-Thrillers: ein Unbekannter scheint noch eine Rechnung mit Blair Mallory offen zu haben.)

Mike Lawson: Der Luchs (Thrillerdebüt über einen Anschlag auf den amerikanischen Präsidenten. Die Kritiken versprechen eine spannenden, leicht unrealistischen Verschwörungsthriller.)

Lisa Scott: Die Richterin (Deutsche Erstveröffentlichung, Thriller über eine Richterin auf Mördersuche)

Debra Webb: Wie ein böser Traum (Deutsche Erstveröffentlichung)

September

Dale Brown: Erstschlag (Deutsche Erstveröffentlichung: Major Jason Richter und seine Hightech-Eingreiftruppe zeigen einem Drogenbaron wo der Hammer hängt.)

Gilles Del Pappas: Der Kuss der Muräne (Deutsche Erstveröffentlichung; Marseille-Krimi für die Camilleri-Fans)

Cindy Gerard: Riskant (Deutsche Erstveröffentlichung; nach einer längeren Pause erscheint jetzt der vierte Bodyguard-Roman. Bis jetzt gefiel mir der erste Bodyguard-Roman „Wer den Tod begrüßt“ am besten.)

Brad Thor: Overkill (Deutsche Erstveröffentlichung eines Agententhrillers)

Oktober

Chelsea Cain: Furie (Ihr Debüt als Taschenbuch: ein Polizist in den Händen einer Serienmörderin. Die Fortsetzung erscheint die Tage als Hardcover.)

Lynda La Plante: Die blutrote Dahlie (Deutsche Erstveröffentlichung eines Polizeithrillers von der in Großbritannien erfolgreichen TV-Produzentin.)

Giuseppe Pederiali: Die Todesshow (Deutsche Erstveröffentlichung eines in Italien spielenden Krimis)

Vanda Symon: Ein harmloser Mord (Deutsche Erstveröffentlichung; Eine Polizistin ermittelt in Neuseeland)

Goldmann – Taschenbuch

März

Jonathan Burnham Schwartz: Eine Sekunde nur (Buch zum Film mit Joaquin Phoenix und Jennifer Connelly)

Janet Evanovich & Charlotte Hughes: Jeder Kuss ein Treffer (Deutsche Erstveröffentlichung, Komödie)

April

Deborah Crombie: Der Rache kaltes Schwert (limitierte Auflage zum Sonderpreis zum Welttag des Buches)

Nicci French: Der Feind in deiner Nähe (Taschenbuch-Ausgabe)

Frank Schätzing: Mordshunder (Taschenbuchausgabe mit Rezepten von 15 Kölner Küchenchefs; die Verfilmung läuft im Frühjahr bei RTL)

Minette Walters: Der Schrei des Hahns (Deutsche Erstveröffentlichung: kurzer Psychothriller über einen historischen Kriminalfall)

Mai

Jennifer Apodaca: Ladykiller (Deutsche Erstveröffentlichung, der Romance Readers Connection ist begeistert von dieser „Romantischen Komödie des Monats“)

Giorgio Faletti: Im Namen des Mörders (Deutsche Erstveröffentlichung: ein Halbindianer muss sich seinen und den Dämonen seines Stammes stellen.)

Frederick Forsyth: Der Afghane (heftig beworbene Taschenbuch-Ausgabe des Spiegel-Jahresbestsellers 2006: SIS-Agent Mike Martin soll einen Al-Kaida-Anschlag verhindern.)

Martha Grimes: Inspektor Jury geht übers Moor (Neuauflage des Rowohlt-Titels)

Ruth Rendell: Alles Liebe vom Tod/Mord ist ein schweres Erbe (die Wexford-Krimis erscheinen jetzt wieder monatlich in chronologischer Reihenfolge in Doppelbänden)

Michael Robotham: Todeskampf (Deutsche Erstveröffentlichung, ist der Krimi des Monats des Verlages)

Andrew Taylor: Im Zeichen des Raben (Deutsche Erstveröffentlichung: ein Kinderspiel wird zum Alptraum.)

Juni

Jonathan Kellerman: Narben – Ein Alex-Delaware-Roman (Muss noch mehr gesagt werden?)

John Matthews: Die letzte Stunde (Deutsche Erstveröffentlichung: Thriller über einen Anwalt der seinen Mandanten vor der Todesstrafe bewahren will. Dummerweise hat dieser alles gestanden und will sterben. – Hübsche Prämisse. Mal lesen, wie’s ausgeht.)

Ian Rankin: Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus (Kurzgeschichten in Deutscher Erstveröffentlichung)

Patrick Redmond: Die Gottesanbeterin (Deutsche Erstveröffentlichung eines psychologischen Thrillers)

Ruth Rendell: Schweiß der Angst/Mord am Polterabend

Daniel Scholten: Der kopflose Engel (dritter Fall für Kommissar Cederström)

Peter Temple: Kalter August (hab ich bereits abgefeiert)

Grazia Verasani: Briefe einer Toten (Deutsche Erstveröffentlichung: eine Privatdetektivin ermittelt in Bologna.)

Juli

Maxime Chattam: Das Pentagramm (ein Mystery-Thriller)

Patricia Cornwell: Gefahr – Ein Win-Garano-Roman

Robert Ellis: Todesqual (Deutsche Erstveröffentlichung – Michael Connelly blurbt diesen Polizistin-jagt-Serienkiller-Krimi)

Martha Grimes: Karneval der Toten – Ein Inspector-Jury-Roman

Marcel Feige: Gier (Deutsche Erstausgabe – Kommissar Kalkbrenner ermittelt wieder in meiner Stadt. Aber dieses Mal ohne mich.)

G. M. Ford: Die Spur des Blutes (Blown Away, 2006 – sechster und vorläufig letzter Corso-Roman)

Ruth Rendell: Der Liebe böser Engel/Schuld verjährt nicht

John Searles: Kind der Lüge (Deutsche Erstveröffentlichung; ist wohl eher eine Familientragödie)

Dimitri Stachow: Der Retuscheur (Deutsche Erstveröffentlichung eines russischen Mystery-Thrillers: ein Fotograf retuschiert Menschen aus Bildern. Kurz darauf verschwinden diese Menschen.)

Michelle Wan: Wer Lügen sät – Ein Krimi aus der Dordogne (Deutsche Erstveröffentlichung)

August

Mark Billingham: Das Blut des Opfers – Ein Inspector-Thorne-Roman (Deutsche Erstveröffentlichung: Thorne jagt einen Killer, der nichts mehr zu verlieren hat)

Gianrico Carofiglio: In freiem Fall (habe ich bereits abgefeiert)

Michael Crichton: Next (oder Crichton und die bösen Umtriebe der Biogenetiker.)

Janet Evanovich: Liebe über Bord (eine romantische Screwball-Komödie ohne Stephanie Plum)

Eugenio Fuents: Das Herz des Mörders – Ein Fall für Ricardo Cupido (der in Spanien einen Mörder jagt)

Gerald Hagemann: Mord bei Pooh Corner (Originalausgabe; könnte ziemlich cozy sein)

Thomas O’Callaghan: Blutrituale (nach „Der Knochendieb“ jagen die Polizisten Driscoll und Aligante wieder einen Serienkiller. Oder zwei?)

Anne Perry: Gefährliche Trauer/Eine Spur von Verrat (zwei im viktorianischen England spielende Privatdetektiv-William-Monk-Romane)

Ruth Rendell: Die Tote im falschen Grab/Phantom in Rot

Sabine Rückert: Unrecht im Namen des Volkes – Ein Justizirrtum und seine Folgen (Sachbuch über zwei zu Unrecht als Vergewaltiger verurteilte Männer)

September

Jefferson Bass: Bis auf die Knochen (Forensiker Bill Brockton will wissen, warum der Mann in Frauenkleidern sterben musste.)

Stephen Booth: Todesnacht (750 Seiten – Soll das noch ein Krimi sein?)

Jan Burke: Blutsverwandte (Deutsche Erstveröffentlichung – müsste das für den Anthony- und Nero-nominierte „Kidnapped“ sein. Dieses Mal hat Journalistin Irene Kelly Trouble, nachdem sie eine Geschichte über misshandelte und vermisste Kinder veröffentlicht.)

Norbert Horst: Sterbezeit (Endlich erscheint sein vierter Krimi)

Jonathan Kellerman: Schwere Schuld/Faye Kellerman: Der Wächter meiner Schwester (Deutsche Erstveröffentlichung zweier für Kellermansche Verhältnisse kurzer Romane in einem Band)

Frank Littek: Alle Achtung! – Sich erfolgreich schützen und zur Wehr setzen bei Überfällen, Einbrüchen, Taschendiebstählen, etc. (Sachbuch, Originalausgabe)

Andy McDermott: Die Jagd nach Atlantis (Deutsche Erstveröffentlichung. „Für alle Leser von Clive Cussler“ schreibt Goldmann sicher ziemlich treffend.)

James Patterson: Totenmesse (Deutsche Erstveröffentlichung: Start der Serie mit dem polizeilichen Deeskalationsexperten Mike Bennett. Die Trauergäste bei der Beerdigung der First Lady werden als Geisel genommen und Bennett beginnt mit den Verhandlungen.)

Ruth Rendell: Der Kuss der Schlange/Leben mit doppeltem Boden

Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden – Al-Qaida und der Weg zum 11. September (Taschenbuchausgabe des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Sachbuchs)

Oktober

Maxime Chattam: Bestie (Deutsche Erstveröffentlichung eines französischen Bestsellers. Eine Bestie dezimiert eine Schiffsbesatzung. Aber sie hat nicht mit Leutnant Craig Ferwin gerechnet.)

Michael Chrichton: The Lost World – Vergessene Welt (Arbeitstitel war wohl „Jurassic Park II“)

Barbara Krohn: Die achte Todsünde – Ein Neapel-Krimi

Natasha Mostert: Der Fluch der Schwestern (Mystery-Thriller in Deutscher Erstveröffentlichung)

Anne Perry: Das dunkle Labyrinth (William Monk ermittelt in den Abwasserkanälen Londons)

Ian Rankin: Der diskrete Mr. Flint (ein von mir bereits abgefeiertes Frühwerk von Rankin)

Ruth Rendell: Der Tod fällt aus dem Rahmen/Die Verblendeten

Frank Schätzing: Tod und Teufel – Die illustrierte Ausgabe des Weltbestsellers (Weltbestseller ist, ohne Übersetzung ins Englische, wohl etwas hoch gegriffen)

Mike Walters: Blutiger Schnee (Auch in Ulan Bator dezimiert ein Serienkiller Westler. Gut, dass Inspector Nergui ermittelt.)

Louise Welsh: Der Kugeltrick

Fett Kursiv sind die Titel gedruckt, auf die ich mich besonders freue.

Und hier geht’s zu den vorherigen Teilen:

Alexander Verlag, Edition Nautilus, Pendragon, Unionsverlag, Pulp Master, vgs

Emons, Gmeiner Grafit


Ein alltäglicher Fall, ein moralisches Dilemma

Februar 18, 2008

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Kann ein Krimi ohne einen Mord spannend sein? Auch wenn die Antwort in Zeiten einer steigenden Zahl von Leichen pro Krimi überraschen mag: Ja, natürlich. Gianrico Carofiglio bringt in seinem dritten Roman „Das Gesetz der Ehre“ niemanden um. Eigentlich geht es nur um einen kleinen Rauschgiftfall, der sogar in der Saure-Gurken-Zeit kaum Chancen hat in den Kleinmeldungen erwähnt zu werden.

Fabio Paolicelli ist bereits rechtskräftig verurteilt vierzig Kilo Rauschgift nach Italien geschmuggelt zu haben. Er wurde an der Grenze erwischt und gestand die Tat. Aber jetzt leugnet er die Tat. Er behauptet, jemand habe ihm die Drogen untergeschoben. Er behauptet, von den Beamten erpresst worden zu sein, ein Geständnis zu unterschreiben oder seine Familie werde angeklagt. Er feuert seinen unfähigen Anwalt und bittet Guido Guerrieri ihn zu verteidigen.

Denn während er seinen ersten Anwalt aufgrund einer dubiosen Empfehlung engagierte, hat Paolicelli sich dieses Mal unter den Knastkumpanen umgehört und sich dann für den Besten entschieden: „Von Ihnen wird behauptet, Sie hätten keine Angst. Es heißt, Sie würden nicht kneifen, wenn es darum geht, sich für eine gerechte Sache einzusetzen. Es heißt, Sie seien anständig. Und Sie gelten als sehr guter Anwalt“, antwortet er auf die Frage Guerrieris, warum er sich für ihn entschieden habe.

Aber Paolicelli hat bei seiner Wahl eines vergessen. Guerrieri kennt ihn von früher. Als Halbstarker war Paolicelli bei den Nazis und, zusammen mit seinen Freunden, verprügelte er vor über zwanzig Jahren Guerrieri. Damals schwor der Anwalt Rache und jetzt sitzt er vor seinem damaligen Feind: „Ich begriff, klar und deutlich, dass ich eher sein Richter – und vielleicht auch sein Henker – sein wollte als sein Anwalt. Ich wollte eine alte Rechnung begleichen.“

Damit ist der Grundkonflikt von „Das Gesetz der Ehre“ bereits umrissen. Guerrieri steht vor der Entscheidung, sich für vergangenes Unrecht zu rächen oder, indem er seine Arbeit macht, einem Angeklagten zu helfen.

Denn auch in Italien gilt, wie der Originaltitel „Ragionevoli dubbi“ verrät, das Prinzip, dass der Verteidiger für einen Freispruch berechtigte Zweifel an der Version der Anklage säen muss und der Richter im Zweifel für den Angeklagten entscheiden muss. Als Guerrieri mit seiner Arbeit beginnt, beginnt er auch schnell die Version Paolicellis für wahrscheinlich zu halten. Denn warum sonst sollte ein Unbekannter Paolicellis Frau auf offener Straße ansprechen und ihr einen Anwalt aus dem fernen Rom nennen, der dann das Mandat übernimmt, ohne jemals dafür auch nur einen Cent zu verlangen.

Doch Guerrieri fragt sich weiterhin, warum er diesem Angeklagten helfen soll. Denn neben dem alten Racheschwur ist Guerrieri einsam. Seine Freundin hat einen Job in New York angenommen und Paolicellis gutaussehende, japanische Frau lässt seine Hormone verrückt spielen. Er könnte gleichzeitig seinen alten Schwur erfüllen und einen Nebenbuhler aus dem Weg räumen.

Gianrico Carofiglios dritter Roman mit dem Anwalt und Ich-Erzähler Guido Guerrieri ist wieder einmal spannende Unterhaltung aus Italien. In „Das Gesetz der Ehre“ erzählt Carofiglio schnörkellos die Geschichte eines kleinen, alltäglichen Falles, der am Ende eine ganz neue und viel größere Dimension bekommt. Doch das ist eine andere Geschichte, mit der Guerrieri nichts mehr zu tun hat. Der in „Das Gesetz der Ehre“ erzählte Fall des verurteilten Rauschgiftschmugglers wird durch das moralische Dilemma für den Helden spannend. Ein Dilemma, das jeder kennt und auf das es keine endgültige Antwort gibt.

 

 

Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre

(übersetzt aus dem Italienischen von Claudia Schmitt)

Goldmann Verlag, 2007

272 Seiten

19,95 Euro

 

Originalausgabe

Ragionevoli dubbi

Sellerio editore Palermo, 2006

 

Lesungen

Berlin: Montag, 18. Februar, 19.00 Uhr, Italienisches Kulturinstitut

Zürich: Donnerstag, 13. März, 20.30 Uhr, Orell Füssli Buchhandlung am Bellevue

München: Freitag, 14. März, 18.00 Uhr, Landeskriminalamt

 

Goldmann über Gianrico Carofiglio

Meine Besprechung von Gianrico Carofiglios „In freiem Fall“


Ausgewählte Frühjahrsmorde 2008: Wir können auch Krimis

Februar 15, 2008

Im zweiten Teil unserer kleinen Verlagsschau sehen wir uns das Frühjahrprogramm einiger kleiner Verlage, die regelmäßig gute Krimis veröffentlichen, an. Der Alexander Verlag, die Edition Nautilus, Pendragon, der Unionsverlag, Pulp Master und vgs veröffentlichen nicht nur Kritikerlieblinge, sondern sie haben auch einige die Bestsellerlisten stürmende  Publikumslieblinge im Angebot.

 

 

Alexander Verlag

setzt seine Ross-Thomas-Neuausgabe fort:

Ross Thomas: Teufels Küche (Überarbeitete Neuausgabe von „Mördermission“ [Missionary Stew, 1983]; erhielt 1986 den Deutschen Krimi Preis und Stephen King meint: „Dieses Buch ist definitiv das beste, das ich von Ross Thomas gelesen habe.“)

David Mamet: Bambi vs. Godzilla (Arbeitstitel; David Mamet meckert über Hollywood; das ist zwar kein Krimi, aber David Mamet hat mit seinen Drehbüchern und Filmen auch im Genre seine Spuren hinterlassen.)

Die Bücher erscheinen im Frühjahr.

 

 

Edition Nautilus

setzt die „Kaliber .64“-Reihe (64 Seiten und Schluss – schöne Reihe mit inzwischen schon einigen Entdeckungen) mit drei Geschichten fort:

Bernhard Jaumann: Geiers Mahlzeit

Roman Rausch: Meet the Monster

Friedrich Ani: Der verschwundene Gast

Die Bücher erscheinen Ende Februar.

 

 

Pendragon

Herausgeber Günther Butkus verspricht mir immer wieder, dass im nächsten Programm weniger Kriminalromane seien – und bricht dieses regelmäßig dieses Versprechen. Aber bei diesen angekündigten Romanen will ich wirklich nicht böse sein:

Februar

Frank Göhre: MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser (Nachdem Göhre vor Jahren bereits die Werke von Friedrich Glauser herausgegeben hat, legt er jetzt eine literarische Annäherung an Glauser vor.)

Frank Göhre: An einem heißen Sommertag (Neuveröffentlichung von „Letzte Station vor Einbruch der Dunkelheit“, dem auch verfilmten „Schnelles Geld“ und den bislang unveröffentlichten Kurzgeschichten „Verrückte Schritte“ und „Keine Chance“)

Renate Niemann: Der Graumacher (Psychothriller über eine Journalistin, die den Graumacher jagt.)

Wolfgang Schweiger: Der höchste Preis (Nach einer langen Pause endlich wieder ein neuer Schweiger. Dieses Mal erzählt er eine Familien- und Rachegeschichte.)

Jürgen Siegmann: Am Abgrund (In Bielefeld verschwinden zwei Schülerinnen. Kommissar Lippe ermittelt.)

März

Die Schweizer gestalten den Pendragon-März

Mitra Devi: Stumme Schuld (Eine Privatdetektivin sucht einen Mörder und findet zunächst viele Verdächtige.)

Roger Graf: Die Frau am Fenster (Yep, der Mann, der uns die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney bescherte scheint dieses Mal wesentlich ernsthafter zu erzählen. Jedenfalls sucht die Polizei nach einem Mörder, der bei seinen Opfern immer eine Plastikuhr mit der Uhrzeit 11.15 Uhr zurücklässt.)

Daniel Himmelberger/Saro Marretta: Die letzte Reise nach Palermo (Ein Berner Schriftsteller wird ermordet. Seine Kollegen fragen sich, ob’s die Mafia war. Die Polizei ermittelt.)

Roger Strub: Kalter Abschied (Vor dreißig Jahren brachte eine Mutter zuerst ihre Kinder und dann sich um. Heute untersucht die Polizei den Fall wieder und fragt sich, ob die Tote wirklich die Mutter war.)

 

 

Unionsverlag

Bleiben wir in der Schweiz. Der Unionsverlag legt sein erstes Krimiprogramm nach dem Ausscheiden von Thomas Wörtche als Herausgeber vor. Aber für die meisten Bücher dürfte Wörtche noch irgendwie verantwortlich sein. Jedenfalls liest sich das Programm so:

Fester Einband

Leonardo Padura: Das Havanna-Quartett (Sammelband mit „Ein perfektes Leben“, „Handel der Gefühle“, Labyrinth der Masken“ und „Das Meer der Illusionen“)

Claudia Pineiro: Ganz die Deine (Tuya, 2003 – Inés wird von ihrem Mann betrogen. Irgendwann reicht es ihr und sie beginnt einen Rachefeldzug. Die ersten Zeilen gefallen mir sehr gut.)

Tran-Nhut: Das schwarze Pulver von Meister Hou – Ein Kriminalfall für Mandarin Tan (La pudre noire de Maitre Hou, 2002 – eine im Vietnam des 17. Jahrhunderts spielende Mischung aus historischem Roman, Spannung und Fantasy)

Taschenbuch

Februar

Friedrich Glauser: Die Wachtmeister-Studer-Romane (alle sechs Krimis in einer Kassette und damit die ideale Ergänzung zu Frank Göhres Glauser-Roman)

Celil Oker: Dunkle Geschäfte am Bosporus (Son Ceset, 2004 – Nach einer vierjährigen Pause und nachdem ich bereits die Hoffnung auf eine weitere Übersetzung eines Krimis mit Privatdetektiv Remzi Ünal aufgegeben hatte, erscheint jetzt sein vierter Fall. Guter Hardboiled aus der Türkei.)

Leonardo Padura: Adiós Hemingway (Adios Hemingway, 2006 – hab ich bereits abgefeiert)

Manfred Wieninger: Kalte Morde (Erstausgabe 2006 im Haymon-Verlag – Privatdetektiv Marek Miert glaubt nicht an die Mär von den blutrünstigen Ausländern. Er sucht den wahren Mörder.)

April

Garry Disher: Schnappschuss (Snapshot, 2005 – hab ich bereits abgefeiert)

Bill Moody: Solo Hand (Solo Hand, 1994 – Neuausgabe des ersten Evan-Horne-Krimis. Moodys Evan-Horne-Serie hab ich hier abgefeiert.)

Gabriel Trujillo Munoz: Tijuana Blus (El festín de los cuervos, 2002 – hab ich bereits abgefeiert)

 

Pulp Master

will mit zwei Werken den Sommer lebenswert gestalten:

Buddy Giovinazzo: Piss in den Wind (College-Dozent James Gianelli bringt in einem Wutanfall seine Freundin um und entsorgt die Leiche. Kurz darauf trifft er Dominique und jetzt hat er wirkliche Probleme, „denn sie ist nicht nur ultra-cool, sondern irgendwie auch ultra-tot…“ – Ah, das klingt angenehm abgedreht.)

Thor Kunkel: Kuhls Kosmos (Silvester 1979: Raubmörder Kuhl hat sich von Frankfurt nach Miami verabschiedet und, weil er gerne auf großem Fuß lebt, muss er sich schnell um neue Einkünfte kümmern. „Neo-Pulp für Fortgeschrittene“ schreibt der Verlag über dieses Comin-of-Age-Werk. Bin sehr gespannt.)

 

VGS

Die meisten VGS-Bücher sind für Krimifans nicht sonderlich interessant. Aber mit den „CSI“-Romanen gibt es spannendes Futter für die Buch-zum-Film-Fraktion (obwohl es sich hier um neue Fälle mit den bekannten Seriencharakteren handelt) und auch die Freunde einer gut geplotteten Geschichte dürfen zugreifen:

März

Max Allan Collins: CSI: Crime Scence Investigation – Die Last der Beweise (Ich bin halt ein Collins-Fan.)

April

Donn Cortez: CSI: Miami – Todsicheres Alibi

Donn Cortez: CSI: Miami – Im freien Fall

 

Fett Kursiv sind die Titel gedruckt, auf die ich mich besonders freue.

Hier geht’s zu Teil 1: Emons, Gmeiner Grafit


Ausgewählte Frühjahrsmorde 2008: Auftritt der Krimiverlage

Februar 13, 2008

Die Verlage Emons, Gmeiner und Grafit sind vor allem für ihre Kriminalromane von deutschsprachigen Autoren bekannt. Emons und Gmeiner veröffentlichen auch andere Bücher. Grafit lässt inzwischen auch übersetzten. Trotzdem liegt bei diesen Verlagen der Schwerpunkt immer noch bei Krimis von deutschsprachigen Autoren.

 

Emons

Februar

Martin Conrath: Der Schattenreiter (Saarland Krimi: Kommissar Bremer ermittelt im Reitermilieu. Ohne mich; denn „Das schwarze Grab“ gefiel mir überhaupt nicht.)

Markus Guthmann: Weinstrassen Marathon (Pfalz Krimi: Ein toter Historiker, ein fünf Jahre zurückliegender Mord und ein Keltengrab beschäftigen das Team Roöder/Hellinger.)

Ingrid Strobl: Tödliches Karma (Köln Krimi: Nele soll ihren Dealer umgebracht haben. Katja glaubt’s nicht.)

März

Peter Freudenberger: Stiller und die Tote im Bus (Main Krimi: Journalist Paul Stiller will herausfinden, wer die alte Hedda Kunkel in einem Linienbus vergiftete. – Hm, nicht gerade der Unauffällige Tatort Nr. 1.)

Alfred Hellmann: Vor den Hymnen (Erstens: der Krimi spielt in Berlin. Zweitens: ich kenne den Autor. Drittens: ich bin gespannt.)

Hannsdieter Loy: Rosen für eine Leiche (Oberbayern Krimi: Kriminalrat a. D. Joe Ottakring will den Mörder der in einem Ausflugschiff ermordeten Menschen finden.)

Barbara Meyer: Im Schatten des Doms (Historischer Kriminalroman: Paderborn um 1600)

Antonia Pauly: Der Büttel zu Köln (Historischer Kriminalroman: Köln, 1271)

April:

Hannes Nygaard: Todesküste (Hinterm Deich Krimi: Haben Terroristen auf dem Heider Marktfrieden einen Mord verübt? Lüder Lüders und Große Jäger – die Namen sind kein Scherz – ermitteln.)

Rainer Martin Mittl: Der Fröhlichmann (Der Badische Krimi: in dem Psychothriller müssen sich die Kommissare Kindlein und Morgenthaler mit zwei Männern herumschlagen, die die gleichen Frauen umgebracht haben wollen.)

Britt Reissmann: Der Traum vom Tod (Stuttgart Krimi: Kommissarin Thea Engel ermittelt in der Szene der Fantasy-Rollenspiele.)

Jobst Schlennstedt: Tödliche Stimmen (Küsten Krimi: Kommissar Birger Andresens dritter Fall: Ein Serienmörder in Lübeck?)

Mai

Oliver Buslau: Neandermord (Der Bergische Krimi: Privatdetektiv Remigius Rott wird Zeuge eines Mordes und Gejagter. Das könnte ein spannender Thriller sein.)

Edgar Noske: Himmel über Köln (allerdings nicht heute, sondern 1968)

 

 

Gmeiner

Der Verlag aus Meßkirch feiert das zehnjährige Bestehen seiner Krimireihe. Dafür schon einmal Herzlichen Glückwunsch. Der erste Teil des Jubiläumsprogramms enthält:

Hermann Bauer: Fernwehrträume (Ein Wiener Kaffehauskrimi mit einem Amateurdetektiv auf Mörderjagd.)

Sinje Beck: Totenklang (Anscheinend der dritte und letzte Heiner-Himmel-Krimi.)

Ulrike Blatter: Vogelfrau (Kommissar Erich Bloch sucht den Mörder eines Archäologieprofessors, der standesgemäß mit einer Steinzeitaxt erschlagen wurde.)

Manfred Bomm: Notbremse (Kommissar Häberles achter Fall: dieses Mal führen ihn die Morde zu Pharmakonzernen und zur Spielautomatenmafia. Da fragen wir uns doch, wer von beiden der größere Schurke ist.)

Ella Danz: Nebelschleier (Kommissar Angermüller muss auch im Urlaub Mörder jagen. Ein Großgrundbesitzer, der seine Felder einem Gentechnikkonzern verkaufen wollte, wurde erwürgt.)

Sandra Dünschede: Solomord (Kommissar Hagen Brandt sucht den Mörder eines entführten Mädchens. Die Spur führt – Überraschung! – ins Kinderpornomilieu.)

Pierre Emme: Ballsaison (Krimi zur Fußball-EM)

Christian Gude: Binärcode (Ein ermordeter Italiener und geheimnisvolle Signale aus dem All beschäftigen Kommissar Karl Rünz.)

Uwe Gardein: Die letzte Hexe – Maria Anna Schwegelin (Historischer Kriminalroman: Kempten, 1775)

Uta-Maria Heim: Das Rattenprinzip (Neuauflage; Deutscher Krimi Preis 1992)

Erwin Kohl: Willenlos (Ein Polizist wird ermordet. Der Täter ist auch schnell gefunden. Aber Kommissar Joshua Trempe glaubt nicht an diese einfache Lösung.)

Paul Lascaux: Salztränen (Privatdetektiv Heinrich Müller soll herausfinden, ob der Autounfall eines Käseeinkäufers wirklich nur ein Unfall war. Lascaux hat unter seinem bürgerlichen Namen Paul Ott das sehr lesenswerte Sachbuch „Mord im Alpenglühen: Der Schweizer Kriminalroman“ veröffentlicht)

Claudia Puhlfürst/Petra Steps (Hrsg.): Mordssachsen 2 (Zwanzig Kurzgeschichten von –ky, Jan Flieger, Franziska Steinhauer und anderen)

Jochen Senf: Knochenspiel (Fritz Neuhaus schlägt sich dieses Mal mit der Organmafia herum.)

Friederike Schmöe: Pfeilgift (Ein Ehemann wird mit einem mit Curare vergifteten Pfeil umgebracht. Privatdetektivin Katinka Palfy ermittelt.)

Harald Schneider: Ernteopfer (Kommissar Reiner Palzki jagt den Mörder eines polnischen Erntehelfers und stochert unter Gemüsebauern herum.)

Franziska Steinhauer: Menschenfänger (Kommissar Peter Nachtigall jagt einen mehrfachen Frauenmörder. Außerdem sucht die Polizei einen flüchtigen Vergewaltiger und Mehrfachmörder. Nach dem Krimilehrbuch gehören beide Fälle zusammen.)

Günther Thömmes: Der Bierzauberer (Historischer Kriminalroman: Mittelalter)

Verena Wyss: Todesformel (das Manuskript erhielt 2004 den Frauen-Krimi-Preis „Agathe“)

Wolfgang Zander: Hundeleben (Privatdetektiv Siegfried Gass muss sich mit zwei Millionen Euro, einer verlassenen Frau, sexlüsternen Buchhändlerinnen und feuerfesten Kinoleinwänden herumschlagen.)

 

 

Grafit

Februar

Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz (Taschenbuch-Ausgabe)

Ingo Gach: Freyas Fluch (Historischer Kriminalroman; spielt im von Römern besetzten Köln)

Pentti Kirstilä: Schwarzer Frühling – Ein Fall für Lauri Hanhivaara (Taschenbuch-Ausgabe)

Ernst Solèr: Staub im Schnee (Dritter Kommissar-Staub-Krimi: ein bekannter TV-Moderator wird ermordet.)

April

Angela Esser (Hrsg.): Schöne Leich’  in Wien (Kurzgeschichten zur Criminale von Heinrich Steinfest, Jürgen Kehrer, Burkhard Driest, Nessa Altura, Leo P. Ard, Andrea Maria Schenkel und anderen)

Peter Godazgar: Unter schrägen Vögeln (Privatdetektiv Markus Waldo zweifelt an seinem Job. Er soll den Entführer von Kaninchen finden.)

Matti Rönkä: Bruderland (Der zweite Viktor-Kärppä-Krimi oder guter Hardboiled aus Finnland.)

Mai

Lucie Klassen: Der 13. Brief (Debüt: eine Ausreißerin drückt wieder die Schulbank. Sie will herausfinden, warum die 16-jährige Eva sich umbrachte.)

Jaroslav Kutak: Tod unter Par (Ein Schulfreund von Privatdetektiv Karel Schwarz stirbt auf dem Golfplatz. Der Detektiv sucht unter den Vereinsmitgliedern den Mörder. Das klingt nicht besonders aufregend, aber Kutak wurde für „Strafe muss sein“ mit dem tschechischen Krimipreis ausgezeichnet und mit 192 Seiten ist „Tod unter Par“ angenehm kurz.)

Gabriella Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld (Historischer Kriminalroman aus dem Vormärz)

 

Fett Kursiv sind die Titel gedruckt, auf die ich mich besonders freue.


Ein Schmöker aus Berlin

Februar 11, 2008

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Nach mehreren schlechten deutschsprachigen Krimis, war das neue Buch von Sebastian Fitzek eine willkommene Entspannung. „Das Kind“ ist ein Thriller für einen verregneten Nachmittag, bei dem man die Gehirnzellen nicht übermäßig beanspruchen will. Die Geschichte beginnt mit einer Kette rätselhafter Ereignisse.

Eine Freundin bittet den erfolgreichen Strafverteidiger Robert Stern zu einem Treffen. Auf einem abgelegenen Industriegelände trifft er den zehnjährigen, todkranken Simon Sachs. Der Junge behauptet, vor fünfzehn Jahren hier einen Menschen umgebracht zu haben. Stern hält das selbstverständlich für einen schlechten Scherz; – bis er wenig später zusammen mit Simon die Leiche entdeckt. Kurz darauf erhält Stern eine DVD, auf der er eine Stimme ihm sagt, er habe fünf Tage Zeit den Mörder zu finden. Dann werde er erfahren, wo sein vor zehn Jahren verstorbener Sohn lebt. Als Beweis für diese abenteuerliche Behauptung einer Wiedergeburt sieht Stern seinen damals verstorbenen Sohn im Krankenhaus und heute bei einem Kindergeburtstag.

Am nächsten Tag erzählt Simon dem Anwalt, dass er in seinem früheren Leben mehrere Menschen umgebracht habe. Stern hält Simons Geschichte mit der Wiedergeburt immer noch für ein Hirngespinst. Aber er findet nach Simons Informationen weitere Spuren zu noch nicht entdeckten Morden. Kurz darauf beobachtet er, wie Dr. Johann Tiefensee, der Psychologe von Simon Sachs, in seiner Praxis ermordet wird. Die Polizei verdächtigt Stern. Er taucht unter und versucht mit einigen Vertrauten das Rätsel zu lösen. Dabei fragt er sich immer wieder, ob es eine Wiedergeburt gibt.

Bei der Vorstellung der Werbekampagne (Berlin Kriminell, Krimiblog und einige nicht-übliche Verdächtige machten bei dem Alternative Reality Game Marketing mit) und des Buches in Berlin sagte Sebastian Fitzek, die Idee für die Geschichte sei ihm nach einem Streit mit seiner Freundin gekommen. Sie habe gesagt, sie habe schon einmal als Johanna von Orleans gelebt. Als Siebenjährige habe sie bei einem Frankreich-Besuch einen Marktplatz wieder erkannt. Er, als vernünftiger Mensch, habe das als Quatsch bezeichnet. Die Situation eskalierte, bis sie wutentbrannt das Zimmer verließ. Dann habe er angefangen nachzudenken. Warum behaupten Wiedergeborene immer, sie hätten schon einmal als wichtige Person gelebt? Warum sagte niemand, er habe als armer Bauer gelebt? Oder als Verbrecher? Oder, noch schlimmer, als Serienmörder? Aus dieser Frage entstand dann sein dritter Roman „Das Kind“.

Der Thriller ist kein perfektes Buch. Es gibt immer wieder herbe sprachliche Schnitzer. Die Charaktere sind reine, weitgehend in den bekannten Klischees verhaftete Funktionsträger. Der erfolgreiche, geschiedene Anwalt, der nicht über den Tod seines Sohnes hinwegkommt. Die Krankenschwester mit dem goldenen Herzen. Der eiskalte Verbrecher, der Pädos hasst. Wie oft haben wir das schon gelesen?

Und dass Sterns Jagd nach dem Mörder ihn zu einem weltweit operierenden Pädophilenring führt, ist auch nicht gerade neu. Zuletzt durfte ich das in den vergangenen Wochen in Mechtild Borrmanns „Morgen ist der Tag nach gestern“ (2007) und Nick Stones „Voodoo“ (Mr. Clarinet, 2006) lesen.

Aber „Das Kind“ ist spannend. Da jagt eine überraschende Wende die nächste und für Fitzeks Helden wird es auf jeder Seite immer schlimmer. Die Settings sind plastisch beschrieben. Die Geschichte bewegt sich in vielen kurzen Kapiteln und wechselnden Perspektive schnörkellos voran. Das Ende bringt die verschiedenen Handlungsstränge zu einem schlüssigen Ende und es gibt für Simon Sachs Wissen eine vernünftige und diesseitige Erklärung.

Insgesamt ist Fitzeks dritter Thriller „Das Kind“ das literarische Äquivalent zu einer Curry-Wurst.

 

 

Sebastian Fitzek: Das Kind

Droemer, 2008

400 Seiten

16,95 Euro

 

Homepage von Sebastian Fitzek

Das Alternative Reality Game „push11“


Langweiler über die böse Nahrungsmittelindustrie

Februar 6, 2008

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Cem Melou ist Facharzt für Physiologie und Ernährungsmediziner. Das wäre nicht wichtig, wenn sein Debüt „Toxische Killer“ nicht ein verkappter Ernährungsratgeber mit einer unglaubwürdigen Story wäre.

Bei einer Lebensmittelstudie treten bei einem Patienten Nebenwirkungen auf, die eine Genehmigung des Medikaments gefährden könnte. Also bringt der Konzern, anstatt bei ihm das Medikament abzusetzen, zuerst den auffälligen Probanten um und löscht dann alle seine Daten aus der Untersuchung. Etwas später bringen die Konzern-Killer die Leiterin des Projektes, weil sie geheime Unterlagen gefunden hat (Kleiner Tipp: Legen Sie Unterlagen, die nicht innerhalb weniger Sekunden auf ihrem PC gefunden werden sollen, auf der Festplatte nicht unter offensichtlichen Namen ab.), um. Doch die beiden Killer müssen, um die Interessen des Konzerns zu schützen, noch viel mehr Menschen umbringen. Nur ein kleiner Wiener Polizist stellt sich dem Weltkonzern entgegen.

Für Melou ist dieser Plot, der sich in dieser Zusammenfassung wie eine trashig-spaßige David-gegen-Goliath-Geschichte liest, nur das Mittel seine Botschaft über die richtige Ernährung zu verkünden. Deshalb repetiert er seitenlang sein Wissen und schreibt im Stil eines Lexikonartikels über die Wirkung von verschiedenen Drogen und tödlichen Giften. Das alles bringt die Geschichte nicht voran und hat in dieser Form in einem Roman nichts zu suchen. Denn wenn ich etwas über richtige und falsche Ernährung, über Drogen und Gifte, erfahren will, dann schnappe ich mir ein Fachbuch. In einem Roman muss es ein Teil der Geschichte sein. Sonst interessiert es nicht.

Die Geschichte von „Toxische Killer“, sogar wenn wir glauben, dass Nahrungsmittelkonzerne heimlich süchtig und krank machende Substanzen in Lebensmittel mischen, funktioniert nie, weil sie einfach nicht glaubwürdig ist. Denn ein multinationaler Konzern hat elegantere Möglichkeiten ein Problem zu beseitigen, als, wie in einem drittklassigen Krimi, einige Killer loszuschicken. Und ein Polizist, der nach Dienstende zu einem Selbstmord gerufen wird und Dokumente stiehlt, ist einfach nur ein tiefer Griff in die Klischeekiste. Dass am Ende die Bösen ihre Taten freiwillig gestehen, zeigt dann wieder einmal das schlechte Plotting von „Toxische Killer“. Denn bei Melou steht immer die Botschaft an erster Stelle.


Cem Melou: Toxische Killer

Pendragon, 2007

216 Seiten

9,90 Euro

 

Homepage von Cem Melou

Interview mit Cem Melou


Die endgültige „Trias“-Teilkritik

Februar 4, 2008

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Der in der nahen Zukunft spielende Politthriller „Trias“ von Marc Kayser hat 560 Seiten. Auf Seite 171 zog ich die Reisleine. Doch schon nach den ersten Zeilen hätte ich das Buch zuklappen können: „Das Wetter war mies an diesem Novembertag. Vom nahen Grenzgebiet zu Polen zog Nebel Richtung Westen, der sich kalt und schwer auf die Straße legte.“ Das ist kein verheißungsvoller Anfang. Auf den nächsten vier Seiten wird es nicht besser. Ein Politiker lässt sich zu einem Treffen fahren. Nach vier Seiten fährt er in eine Sprengfalle und stirbt. Das ist ein Schock. Aber Schocks sind, weil sie unvermittelt kommen, nicht spannend. Spannend ist es, wenn die Explosion vorbereitet wird. Zum Beispiel indem erzählt wird, wie die Terroristen die Bombe befestigen und dann der Politiker auf die Fahrt in den Tod geschickt wird.

Doch das ist nicht ein missglückter Anfang, sondern – im gesamten ersten Teil von „Trias“ – ein durchgängiges Prinzip. Kayser hangelt sich, mit viel Leerlauf, von einer Überraschung zur nächsten, führt in epischer Breite eine Unzahl von verschiedenen Charakteren rund um den Globus ein, ohne etwas Wesentliches über sie zu verraten oder seine Geschichte zu erzählen. So hat wenige Seiten später die Bundeskanzlerin einen fast achtseitigen Auftritt, in dem einiges über die gesellschaftliche Lage (hat bis auf Seite 171 keine Bedeutung für die Handlung) und das geplante Abkommen „Trias“ (dito) verraten wird und sie am Ende vom Tod ihres Staatssekretärs erfährt. Bis Seite 171 ist diese Szene vollkommen unwichtig. Die Kanzlerin hat keinen weiteren Auftritt. Von ihren Aktionen nach dem Attentat erfahren wir nichts.

Kayser gelingt es mit den vielen, lieblos eingeführten Charakteren nur, einen spannungslosen Wust zu präsentieren, bei dem auch nach fast einem Drittel des Buches immer noch nicht deutlich wird, welche Geschichte Marc Kayser erzählen will.

Auf den ersten 170 Seiten von „Trias“ ist, auch dank des Klappentextes, nur erahnbar, dass es um ein geheimes Rohstoffabkommen geht, das in wenigen Wochen zwischen Amerika, Deutschland und Russland beschlossen werden soll. Terroristen (ob eine oder mehrere Gruppen ist unklar) haben, fast zeitgleich, den deutschen Verhandlungsführer und den stellvertretenden russischen Außenminister umgebracht. BKA-Ermittler Markus Croy glaubt, dass die Täter aus dem Osteuropäischen Raum kommen. Allerdings wollen auch – wahrscheinlich – verschiedene andere Gruppen und Staaten das Abkommen sabotieren. Da ist es gut, dass die Terroristen Croy aus nicht nachvollziehbaren Gründen in Prag umbringen wollen. Croy kann sich einen schnappen. Bei der Vernehmung hält er sich nicht lange mit Höflichkeiten auf, sondern foltert den Tschechen.

Diese vollkommen unmotivierte Folterszene zeigt wieder einmal, was Marc Kayser wahrscheinlich vorschwebt: ein deutsches „24“. Aber alles das, was in der erfolgreichen TV-Serie funktioniert, funktioniert in „Trias“ nicht.

 

Marc Kayser: Trias

Heyne, 2008

560 Seiten

9,95 Euro

 

Homepage von Marc Kayser

 

Lesung:

Dienstag, 5. Februar, 20.00 Uhr, Bertelsmann AG (Unter den Linden 1, Berlin)

Moderation: Hans-Ulrich Jörges (Stern)

Aus dem Roman liest Rainer Strecker


Kein Buch für mich

Februar 1, 2008

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Mechtild Borrmanns „Morgen ist der Tag nach gestern“ wurde von etlichen Kollegen gelobt (hier, hier, hier, hier, hier, hier). Deshalb quälte ich mich durch die ersten Seiten und hoffte, dass es besser würde. Borrmann schreibt nämlich im nicht nur von mir sehr ungeliebten Präsens. Denn es ist schwierig ist, in dieser Erzählzeit elegant und natürlich zu formulieren. Darum sind die meisten Geschichten in der Vergangenheitsform geschrieben. Sie eröffnet einen viel größeren sprachlichen Raum. Allein schon das Ankündigen von zukünftigem Unheil ist ein wirksames Mittel die Spannung zu steigern und die Lesenden emotional in die Geschichte einzubinden.  

Im weiteren Verlauf der Geschichte geht Borrmann mit dieser nicht sehr lesefreundlichen Erzählzeit ganz gut um. Aber dafür ist die aus drei Perspektiven erzählte Geschichte langweilig und immer wieder nicht besonders plausibel.

Das Ferienhaus des vermögenden Gustav Horstmann brennt ab. Als in der Brandruine nacheinander zwei Leichen gefunden werden, beginnt Kommissar Peter Böhm den Mörder zu suchen. Kurz darauf werden auf Horstmanns im Keller stehenden PC pornographische Bilder von vermissten Kindern gefunden. Zur gleichen Zeit beobachtet Nachbar Frank Zech die Aufräumarbeiten und Unternehmer Wolfgang Wessel schreibt ein Geständnis auf.

Diese drei Erzählstränge plätschern, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen, vor sich hin und treffen erst am Ende so halbwegs aufeinander. Die Lösung, also wer warum die Morde verübte und den Brand verursachte, ist letztendlich nicht sonderlich überraschend, wenn man erfährt, dass Zech das abgebrannte Haus hütete und Wessels minderjährige Tochter seit Jahren verschwunden ist. Beides verrät Borrmann schon sehr früh.

Weil ich bei einem Roman allerdings in erster Linie unterhalten werden möchte, wäre auch das nicht so schlimm, wenn die drei Handlungsstränge wenigstens ein interessantes Eigenleben hätten. Wenn also jeder einzelne Charakter ein klar erkennbares Ziel (Und wenn es nur ein Glas Wasser ist.) erreichen möchte. Doch dem ist nicht so. Sie haben keine Ziele, damit gibt es auch keine Konflikte, die die Geschichte voranbringen, und deshalb sind sie mir alle ziemlich egal.

Dafür gibt es Klischees (Warum müssen die Polizisten immer Essen, wenn eine Leiche entdeckt wird?), dramaturgischen Leerlauf (Zum Beispiel der erste Auftritt der Polizisten.) und unglaubwürdige Szenen (Wenn das Geständnis der Prostituierten nicht auf den letzten Seiten des Romans gewesen wäre, hätte ich das Buch verärgert in eine Ecke geworfen.).

„Morgen ist der Tag nach gestern“ mit seiner missglückten Mischung aus Polizei- und Psychokrimi hielt am Ende genau das, was mir die ersten Seiten signalisierten: Das ist kein Buch für mich.

 

 

Mechtild Borrmann: Morgen ist der Tag nach gestern

Pendragon, 2007

224 Seiten

9,90 Euro

 

Homepage von Mechtild Borrmann


Verkorkster „Bruderdienst“

Januar 31, 2008

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Jacques Berndorf hat mit seinen Eifelkrimis ein Millionenpublikum erobert. In den vergangenen Jahren gönnte er sich immer wieder Ausflüge in den Politthriller. Aber sein zweiter BND-Roman mit Geheimagent Karl Müller, „Bruderdienst“, ist einfach schlecht.

Die Geschichte ist nicht plausibel (Die Koreaner haben wahrscheinlich eine Atombombe verkauft. Der BND will herausfinden, ob’s stimmt.). Die Dialoge sind unterste CSI-Schublade. Im Fernsehen kann ich damit leben, dass der eine Forensiker dem anderen erklärt, was er gerade macht. Aber in einem Roman gibt es, – Berndorf als erfahrener Autor sollte das Wissen -, elegantere Möglichkeiten. Dann menschelt es ohne Pause im BND und in Gesprächen mit mehr oder weniger befreundeten Geheimdiensten. Denn bevor sich den Weltproblemen zugewandt wird (Hey, wahrscheinlich haben irgendwelche durchgeknallten Terroristen eine Atombombe.),  wird sich erst einmal in epischer Breite über die verschiedenen Zipperlein und Krankheiten der Ehefrauen ausgetauscht und die Küche nach Essbarem inspiziert. Das hat mit der Geschichte nichts zu tun und verrät uns auch nichts Wichtiges über die Charaktere. Aber das ist immer noch besser, als wenn die supertollen BND-Agenten in Aktion treten, sich dabei ziemlich hirnrissig verhalten und wieder einmal im Smalltalkmodus geheime Informationen an dubiose Charaktere ausplaudern. Der löchrige Plot liest sich dann wie eine ungewollte Parodie auf einen schlechten Agentenkrimi. Aber Berndorf meint es Ernst. In Interviews erzählt er von seinen Besuchen beim BND und den Einblicken die er in die Arbeit der Agenten erhielt. Doch in „Bruderdienst“ findet sich nichts davon in einer literarisch angemessenen Form. Das Werk ist ein unrealistischer Langweiler, der anscheinend als „Das große TV-Ereignis“ konzipiert wurde.

Nein, da ist sogar das schwächste Buch von John le Carré um Klassen besser. „Bruderdienst“ ist höchstens unterste Regionalliga.

 

Jacques Berndorf: Bruderdienst

Heyne, 2007

416 Seiten

19,95 Euro

 

Homepage von Jacques Berndorf

Interview mit Jacques Berndorf zu „Bruderdienst“, seinem Verlagswechsel und den Nicht-Verfilmungen seiner Eifel-Krimis


Zu überraschende Schlusspointe

Januar 25, 2008

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++Achtung: diese Besprechung verrät das Ende++

 

Nach dem spannenden Gerichtsthriller „Zug um Zug“ legte Andreas Hoppert jetzt mit „Menschenraub“ eine enttäuschende Kopfgeburt vor. Dabei beginnt „Menschenraub“ spannend. Drei Männer fahren mit einer betäubten Geisel auf eine Polizeisperre zu. Weil Jochen die Gegend kennt, können sie unerkannt zu ihrem Versteck fahren. Dank eines Zeugen weiß die Polizei bereits vor dem ersten Anruf der Erpresser, dass die sechzehnjährige Millionärstochter Daniela Schwalenberg entführt wurde.

Die Soko-Leiterin Helen Baum, eine nur im Studium von Statistiken erfahrene politische Beamtin, versucht ihre mangelnde Kompetenz durch die wagemutige Theorie, dass das Opfer ihre Entführung inszenierte, wettzumachen.

Zur gleichen Zeit ist Hopperts Serienheld Marc Hagen mit einem anderen Fall beschäftigt. Seine Chefin Dr. Irene von Kleist hat ihm den Mandanten Peter Schlüter überlassen. Sie muss ihrer Schwester seelischen Beistand bei der Entführung leisten. Immerhin ist die entführte Daniela ihre Nichte.

Schlüter hat auf dem Speicher des elterlichen Mietshauses eine mumifizierte Leiche entdeckt. Er bittet Hagen, herauszufinden, wer die Tote ist und wer sie vor ungefähr dreißig Jahren umbrachte. Gegen ein stattliches Honorar ist Hagen einverstanden.

Auf den ersten Blick haben beide Geschichten nichts miteinander zu tun. Aber selbstverständlich hängen die Entführung und der Mord irgendwie miteinander zusammen und Hopperts Serienheld Marc Hagen wird eine wichtige Rolle bei der Entführung spielen.

Das kann gesagt werden, ohne etwas vom Ende zu verraten. Wer „Menschenraub“ lesen will, ohne das Ende zu kennen, muss jetzt aufhören. Die anderen dürfen weiterlesen.

Die Verknüpfung der beiden Geschichten ist nämlich so überraschend, dass ich das Buch am Ende zuklappte und mich von Hoppert belogen fühlte. Für diese Besprechung habe ich mir natürlich die kritischen Stellen wieder angesehen und ich muss zugeben: Hoppert lügt nicht. Aber der Plot von „Menschenraub“ ist eine nicht funktionierende Kopfgeburt.

Denn Hoppert erzählt nicht zwei, sondern drei Geschichten, die durch abenteuerliche Zufälle über drei Jahrzehnte miteinander verknüpft werden. Er erzählt von den Ermittlungen der Polizei bei einer Entführung (heute). Er erzählt von den Ermittlungen Hagens in einem Mordfall (heute). Er erzählt von einer Entführerbande und ihre Opfer (damals).

Diese Verknüpfung von drei Erzählsträngen, die erst am Ende aufeinander stoßen, könnte funktionieren, wenn jeder Erzählstrang eine eigene Dynamik hätte und ihr Verhältnis zueinander erahnbar, oder, was noch besser wäre, wenn sie sich gegenseitig beeinflussen würden. Doch in „Menschenraub“ laufen die einzelnen Geschichten unverbunden nebeneinander her und auch ihre Verknüpfung am Ende ist gewollt.

Damit sind wir beim wichtigsten Grund für das Scheitern von „Menschenraub“. Die Hinweise auf die richtige Lösung sind so spärlich, dass man sie nur erkennt, wenn man die Lösung kennt. So erwähnt Hoppert, wenn er aus Sicht der Geisel erzählt, nie den Namen der Geisel. Doch warum sollte er? Sie ist die einzige Frau unter den Entführern und für diese tatsächlich nur ein Ding, mit dem sie Geld verdienen wollen. Es gibt keine Hinweise auf die Handlungszeit. Die Abwesenheit von Handys, Computern und iPods könnte misstrauisch machen, wenn es für Entführer nicht sehr vernünftig wäre, ihre Anrufe nicht mit ihrem Handy zu tätigen. Auch die Lebensgeschichte von Freddy, dem Planer, könnte misstrauisch machen. Er hat zuletzt drei Millionen Mark gestohlen. Aber er wurde zu D-Mark-Zeiten verhaftet und nach acht Jahren aus der Haft entlassen. Das alles lässt keine Rückschlüsse auf eine bestimmte Zeit zu. Dagegen deutet der Satz „Wenn die Bullen wussten, wer hier versteckt wurde, hätten sie doch mit Sicherheit ein Spezialeinsatzkommando vorbeigeschickt und nicht diese beiden Dorfpolizisten, oder?“ auf die Gegenwart. Denn in den Siebzigern waren SEKs noch nicht so en vogue wie heute.

Doch diese Entführung spielt in den Siebzigern. Damals entführte Freddy mit zwei Kumpels eine fünfzehnjährige Millionärstochter. Daniela Schwalenbach spielt heute diese Entführung nach. Die damalige Entführung ging schief, Die Geisel starb und wird dreißig Jahre später als mumifizierte Leiche auf dem Speicher eines Mehrfamilienmietshauses entdeckt.

Und so kommen wir zum nächsten wichtigen Grund für das Scheitern von „Menschenraub“: die zahlreichen, aberwitzigen Zufälle. Denn damit diese Konstruktion mit zwei Zeitebenen und drei Geschichten funktioniert, muss die Leiche zufällig genau an dem Tag entdeckt werden, an dem die Entführung stattfindet. Dann muss zufällig die Kanzlei von Kleist mit dem Mandat beauftragt werden und zufällig muss von Kleist mit den Schwalenbachs verwandt sein. Denn natürlich hatte Schlüter den Fund der Leiche auch der Polizei melden können.

Weil in „Menschenraub“ nicht Hopperts Seriencharakter Marc Hagen, sondern die Soko-Leiterin Helen Baum die treibende Kraft der Hauptgeschichte ist, sollte sie irgendwie sympathisch sein. Aber sie ist immer eine überforderte, unsympathisch-rechthaberische Person. Sie leiert ständig die neuesten statistischen Erkenntnisse herunter. Sie ist von Anfang an überzeugt, dass die Entführung fingiert ist und geht keiner anderen Spur nach. Sie hat zwar am Ende Recht, aber weil es keine stichhaltigen Anhaltspunkte für ihre Vermutung gibt, muss die ganze Zeit angenommen werden, dass sie in eine vollkommen falsche Richtung ermittelt.

Diese Ermittlungen laufen, wie die Entführung mit dem Spiel von Kontaktaufnahme und Lösegeldübergabe, lehrbuchhaft ohne große Überraschungen ab. Auch die Ermittlungen von Hagen in dem alten Mordfall folgen dem gewohnten Spiel von Spur A zu Spur B zu Spur C. Das erzählt Hoppert nicht schlecht, aber weil die Mordermittlung bis zum Ende des Romans keine Verbindung zur Geiselnahme-Geschichte hat, stellt sich beim Lesen immer wieder die Frage, was die beiden in der Gegenwart spielenden Geschichten miteinander zu tun haben.

Nach „Zug um Zug“ hatte ich von Andreas Hoppert einen spannenden Thriller mit überraschenden Wendungen über eine Entführung erwartet. „Menschenraub“ ist ein formelhafter Langweiler mit einer missglückten Schlusspointe.

 

 

Andreas Hoppert: Menschenraub

Grafit, 2007

256 Seiten

9,50 Euro

 

Meine Besprechung von „Zug um Zug“


Drei neue Romane mit den drei CSI-Teams

Januar 23, 2008

Die erfolgreiche Forensik-Serie „CSI“ mit ihren beiden Ablegern muss wahrscheinlich nur Menschen vorgestellt werden, die die vergangenen Jahre auf einer einsamen Insel lebten. Doch alle anderen kennen die drei Ermittlerteams und wissen, dass diese in Las Vegas, Miami und New York mit modernsten wissenschaftlichen Methoden Täter fangen. Denn, so das Motto der Serie, Beweise lügen nicht. Nach dem Erfolg der Serie wurden Computerspiele, Comics und Romane mit neuen Fällen auf den Markt geworfen.

Auch die neuesten CSI-Romane werden den Fans in gefallen. Denn besonders die Romane „CSI: Crime Scence Investiagions – In Extremis“ von Ken Goddard (weniger gelungen) und „CSI: Miami – Mörderisches Fest“ von Donn Cortez (gelungener) folgen fast schon sklavisch genau der Struktur der Filme mit mehreren parallelen Fällen und einem Verzicht auf psychologische Erklärungen. Nur „CSI: NY – Sintflut“ von Stuart M. Kaminsky geht genauer auf die Motive der Täter ein und erzählt auch aus der Perspektive von Tätern und Opfern.

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Damit ist sein dritter „CSI:NY“-Roman für normale Krimifans sicher das befriedigenste Buch. Aber mit drei parallelen Mordermittlungen ist es schwer den Überblick zwischen den Fällen und den zahlreichen Verdächtigen zu behalten. Der Hauptfall ist eine Serienkillergeschichte. In ihm will ein Killer in einer Nacht mehrere Menschen umbringen. Mac Taylor entdeckt auf dem Körper der Ermordeten eingeritzte Buchstaben. Sie scheinen ein Hinweis auf den Täter, sein Motiv und seine künftigen Morde zu sein. Taylor fragt sich, wie viele Menschen noch auf der Liste des Killers stehen.

Der zweite Fall, der bestialische Mord an dem beliebten Lehrer Alvin Havels in einer Nobelschule, ist ein klassisches Locked-Room-Mystery. Der Lehrer wurde in seinem Klassenzimmer ermordet. Der Gang vor dem Zimmer wird mit Videokameras überwacht. Der Kollege, der die Leiche entdeckte, hat niemanden gesehen. Danny Messer und Lindsay Monroe fragen sich: Wie konnte der Täter also den Tatort verlassen?

Der dritte Fall sorgt für den nötigen Humor. Eine Bombe zerstört eine Wirtschaft. Ermittler Sheldon Hawkes wird in dem einsturzgefährdeten Haus in einem Loch verschüttet. Bei ihm ist ein Mann, der sich Connor Custus nennt und wahrscheinlich für die Explosion verantwortlich ist. In jedem Fall hat er ein abenteuerliches Leben hinter sich hat und ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Von oben versuchen Stella Bonasera und die Feuerwehr die beiden Eingeschlossenen zu befreien. Wegen des sintflutartigen Regens, der auch alle Spuren vernichtet, haben sie nicht viel Zeit.

Stuart M. Kaminsky führt die Fälle zu einer befriedigenden Lösung. Außerdem gelingt es ihm, die verschiedenen Charaktere mit wenigen Worten zu skizzieren. So sind die Verhöre der Schülerinnen hübsche kleine Charakterstudien.  Und, nachdem New York in „Der Tote ohne Gesicht“ (Dead of winter, 2005) unter einer Kältewelle, in „Blutige Spur“ (Blood on the sun, 2006) unter einer Hitzewelle, litt, regnet es in „Sintflut“ bereits seit Tagen ohne Unterbrechung. Selbstverständlich beeinflusst das ungewöhnliche Wetter wie in den vorherigen „CSI:NY“-Romanen von Stuart M. Kaminsky die Ermittlungen.

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Auch Donn Cortez präsentiert in seinem CSI:Miami“-Roman „Mörderisches Fest“ drei Fälle. Aber im Gegensatz zu Stuart M. Kaminsky legt er den Schwerpunkt – wie die TV-Serie – auf eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Ermittlungsschritte.

Die Vorweihnachtstage unterscheiden sich in Miami, bis auf die Temperatur, nicht so sehr von deutschen Vorweihnachtstagen. Wildgewordene Weihnachtsmänner toben durch die Stadt, hinterlassen ihre Spuren und betrinken sich bei der Santarchy. Als einer von ihnen stirbt, müssen die CSIler ran. Schnell finden sie heraus, dass der arbeitslose Schauspieler Kingsley Patrick vergiftet wurde. Ryan Wolfe und Frank Tripp müssen als verantwortliche Ermittler herauszufinden, ob der Mörder wirklich diesen Santa umbringen wollte. Denn Patrick führte ein zurückgezogenes Leben und er hatte keine Feinde.

Der zweite Fall dreht sich um einen Mann, der in den Sümpfen gefunden wurde. Sein Kopf ist explodiert. Eine harte Nuss für Eric Delko. Denn am Tatort gibt es keine Spuren von dem Mörder. Und er muss zuerst die Identität des aus Südamerika kommenden John Doe, der wahrscheinlich Rauschgift schmuggelte, herausfinden.

Der dritte Fall ist anfangs der komödiantische Fall. Der Zauberer Abdus Sattar Pathan verprügelt einen Kioskbesitzer. Anscheinend haben ihn die Nacktaufnahmen einer Muslima in Rage versetzt. Horatio Caine wird in den Fall verwickelt, weil Pathan sich weigert, sich seine Fingerabdrücke abnehmen zu lassen. Als er später kooperiert und die Tat leugnet, glaubt Caine, dass er hereingelegt werden soll. Noch bevor Caine herausfindet, wie Pathan die Beweise manipulierte, wird Pathan entführt. Oder ist das ein weiterer Trick des Zauberers?

Im Gegensatz zu den beiden anderen Fällen wird der Pathan-Fall nicht richtig gelöst. Zwar wird Pathan am Ende verhaftet, aber Cortez erzählt nicht, wie er die Beweise so manipulierte, dass Caine es nicht herausfinden konnte. Allerdings beruht die CSI-Formel genau darauf, dass der Tathergang anhand von Spuren erklärt wird. Und weil Caine in diesem Fall ermittelte, war es der Hauptfall, der dann auch vollständig geklärt werden sollte.

Die Pathan-Gesichte ist der Cliffhanger zum nächsten CSI:Miami-Roman „Harm for the Holidays – Heart Attack“ (2007) von Donn Cortez.

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Ken Goddards erster  „CSI“-Roman „In Extremis“ mit dem Las-Vegas-Team unterscheidet sich, allerdings nicht zu seinem Vorteil, von den „CSI“-Romanen von Stuart M. Kaminsky und Donn Cortez. Bei Goddard steht ein Fall im Mittelpunkt und, ein Tabubruch im „CSI“-Universum, im ersten Kapitel schildert Goddard den Tathergang.

Der psychopathische Ex-Soldat Alek Mialkovsky soll einen Mord verüben. Mitten in der Nacht liegt er am Treffpunkt in der Wüste auf der Lauer. Zufällig trifft eine Gruppe von Bikern ein. Die sorgfältig geplante Operation läuft aus dem Ruder und die Biker erschießen einen Pick-up-Fahrer.

Kurz darauf ruft Captain Jim Brass Gil Grissom und sein gesamtes Team zum Tatort. Denn die Biker sind Undercover-Polizisten, die einen wichtigen Drogendealer auf frischer Tat verhaften wollten. Die Forensiker beginnen den Schusswechsel zu rekonstruieren. Da wird auf einer nahe gelegenen Lichtung eine weitere Leiche entdeckt. Mialkovsky beobachtet mit dem Gewehr im Anschlag die Ermittler. Und ein Sturm naht.

Gerade weil Ken Goddard penibel der kondensierten „CSI“-Formel folgt, zeigt er auch, dass das in Buchform zu wenig ist. In ihr wird, ähnlich einem Whodunit, der Ablauf eines Verbrechens rekonstruiert. Aber „In Extremis“ ist, schließlich ist der Mörder von Anfang an bekannt, kein Whodunit. Es ist nur die Rekonstruktion eines uns bekannten Tatverlaufs. Weil Goddard aber nicht erklärt, warum sich zufällig ein Dutzend Menschen mitten in der Nacht in der Wüste treffen und er auch keine Hinweise auf Mialovskys Auftraggeber und Auftrag gibt, werden die Morde immer mehr zu einem beliebigen, nicht sonderlich spannendem, forensischen Rätsel. Das Ende, in dem der Mörder ungestraft entkommen kann, beschließt einen schlechten CSI-Roman. Oder sagen wir es umgekehrt: „In Extremis“ wäre, mit einem anderen Anfang, eine okaye „CSI“-Folge.

Insgesamt hat Stuart M. Kaminsky mit „CSI:NY – Sintflut“ das für Krimifans beste CSI-Buch des Herbstes geschrieben. Donn Cortez spekuliert mit dem Ende von „CSI: Miami – Mörderisches Fest“ zu unverholen auf eine Fortsetzung. Allerdings hat er auch zwei gute Kriminalfälle geschrieben. Es ist damit ein Buch, das sich vor allem an „CSI:Miami“-Fans richtet. Ken Goddards CSI-Einstand „In Extremis“ ist als reine Tatrekonstruktion auch für CSI-Fans enttäuschend.

 

 

 

Stuart M. Kaminsky: CSI: NY – Sintflut

(übersetzt von Antje Görnig)

VGS, 2007

312 Seiten

17,95 Euro

 

Originalausgabe:

CSI: NY – Deluge

Pocket Books, 2007

 

 

Donn Cortez: CSI: Miami – Mörderisches Fest

(übersetzt von Frauke Meier)

VGS, 2007

312 Seiten

17,95 Euro

 

Originalausgabe:

CSI: Miami – Harm for the Holidays – Misgivings

Pocket Books, 2006

 

 

Ken Goddard: CSI: Crime Scence Investigations – In Extremis

(übersetzt von Frauke Meier)

VGS, 2007

280 Seiten

17,95 Euro

 

Originalausgabe:

CSI: Crime Scence Investigation – In Extremis

Pocket Books, 2007

 

Hinweise:

Homepage von Stuart M. Kaminsky

Homepage von Donn Cortez

Homepage von Ken Goddard

 

Meine Besprechung von Stuart M. Kaminsky: CSI:NY – Der Tote ohne Gesicht

Meine Besprechung von Stuart M. Kaminsky: CSI:NY – Blutige Spur

Meine Besprechung von Max Allan Collins: CSI – Im Profil des Todes

Meine Besprechung von Kris Oprisko/Jeff Mariotte: CSI:Miami (Comic)

Meine Besprechung von Kris Oprisko:  CSI – Domino (Comic)

Meine Besprechung von Steven Grant: CSI – Geheimidentität (Comic)

Meine Besprechung von Max Allan Collins: CSI:NY – Blutiger Mord (Comic)

Meine Besprechung von Max Allan Collins: CSI – Das Dämonenhaus

(weil es bei allen Besprechungen auch zahlreiche Links zu verschiedenen CSI-Seiten gibt, verzichte ich hier darauf)