ARD, 23.35 Sturm (Deutschland/Dänemark/Niederland 2009, R.: Hans-Christian Schmid)
Buch: Bernd Lange, Hans-Christian Schmid
Hannah Maynard führt vor dem Tribunal in Den Haag die Anklage gegen den bosnischen Serben und Kriegsverbrecher Duric. Als ihr Hauptzeuge sich in Widersprüche verwickelt, beginnt sie im ehemaligen Kriegsgebiet nach neuen Beweisen zu suchen. Verdammt guter Politthriller
mit Kerry Fox, Anamaria Marinca, Stephen Dillane, Rolf Lassgård, Alexander Fehling, Tarik Filipovic, Jesper Christensen
Biotechniker und Topmanager Mark Whitacre steckt dem FBI, dass sein Arbeitgeber, der Agrarkonzern Archer Daniels Midland, mit den Japanern illegale Preisabsprachen tätigt. Das FBI ist begeistert und lässt Whitacre als Maulwurf arbeiten. Allerdings ist Whitacre nicht so unschuldig-doof, wie er auf den ersten Blick erscheint.
Die Big-Business-Posse basiert auf einem wahren Fall aus den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
New-York-Times-Finanzreporter Kurt Eichenwald schrieb auch die Enron-Geschichte „Conspiracy of Fools“ (Verschwörung der Narren).
mit Matt Damon, Scott Bakula, Joel McHale, Melanie Lynskey, Ludger Pistor, Clancy Brown
Dr. Richard Kimble wird verdächtigt, seine Frau ermordet zu haben. Er flüchtet. US Marshal Sam Gerard verfolgt ihn.
Die Kinoversion der erfolgreichen TV-Serie von Roy Huggins. Dr. Richard Kimble, gespielt von David Jansen, war vier Jahre in 120 Folgen auf der Flucht und die Welt schaute gebannt zu. Harrison Ford beweist in zwei spannenden Kinostunden seine Unschuld.
„Die Inszenierung setzt, perfekt und effizient, auf Thrill und Action. Was sie über gleichartige Produkte hinaushebt, ist ihre gelungene Bemühung um Atmosphäre und Lokalkolorit, der Verzicht auf den üblichen Waffenfetischismus und auf das gewohnte Eskalieren spektakulärer Gewalttätigkeit sowie das gepflegte Handwerk bis hin zu den Kleinigkeiten.“ (Fischer Film Almanach 1994)
Der Film war ein Kassenknüller und erhielt für einen Thriller ungewöhnlich viele Preise und Nominierungen. Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. Tommy Lee Jones erhielt einen Oscar als bester Nebendarsteller.
Fünf Jahre später spielte Tommy Lee Jones in „Auf der Jagd“ (U. S. Marshals) wieder den unerbittlichen Jäger Sam Gerard.
mit Harrison Ford, Tommy Lee Jones, Sela Ward, Joe Pantoliano, Julianne Moore, Jeroen Krabbé
Die ersten drei Jason-Bourne-Filme „Die Bourne-Identität“, „Die Bourne-Verschwörung“ und „Das Bourne-Ultimatum“ mit Matt Damon in der Hauptrolle waren tolle Agententhriller, die einige Dinge etablierten, die heute zum Standard jedes Actionfilms gehören und die, weil Jason Bourne ein auf sich allein gestellter Mann auf der Flucht war, angenehm bodenständig waren. Seine Gegner konnten auf alle verfügbare Überwachungstechnik zugreifen. Bourne hatte nur seinen Grips und seine Muskeln. Außerdem ging es im Endeffekt nur um einen Mann, der herausfinden wollte, wer er ist.
Für den vierten Bourne-Film wurde einiges geändert. Matt Damon und der zweifache Bourne-Regisseur Paul Greengrass sind nicht mehr dabei. Aber Drehbuchautor Tony Gilroy blieb an Bord blieb und dieses Mal übernahm er sogar, nach „Michael Clayton“ und „Duplicity“, die Regie.
Mit Jeremy Renner wurde auch ein Hauptdarsteller engagiert, der durchaus als zweiter Jason Bourne durchgeht. Er ist Aaron Cross, ein Agent, der in Outcome ist, einem aus sechs Agenten bestehendem Parallelprogramm zu Treadstone, dem Programm, in dem Jason Bourne war. Als Jason Bourne in London nach Hinweisen auf seine Identität sucht, beschließt Eric Byer (Edward Norton, blass), Direktor der „National Research Assay Group“ (halt einem ultrageheimen Regierungsprogramm), alle Programme, in denen die Geheimdienste mit der Industrie an genetisch verbesserten Soldaten forschen, zu schließen und alle, die ihm gefährlich werden könnten, zu töten. Er benutzt dafür das schöne Bild vom Krebs, der entfernt werden muss.
Auch Cross ist ein Teil des infizierten Gewebes, das entfernt werden soll. Aber er überlebt den Mordanschlag – und dann entspinnt sich eine Geschichte, die durchaus viele Gemeinsamkeiten mit der Geschichte von Jason Bourne aufweist, außer dass Cross nichts vergessen hat und er unbedingt seine Medizin will, die ihm in der Vergangenheit von Dr. Shearing in einem Forschungslabor verabreicht wurde.
Es gibt, wie in den vorherigen Bourne-Filmen, eine wackelige Handkamera, es gibt atemlose Schnitte zwischen den verschiedenen Handlungsorten, es gibt Satelittenüberwachung, es gibt eine Liebesgeschichte zwischen Cross und Dr. Marta Shearing (Rachel Weisz), es gibt einige Kämpfe auf engstem Raum, es gibt, in Manila, eine Verfolgungsjagd über Häuserdächer, die dann auf den engen, überfüllten Straßen mit Autos und Motorrädern fortgesetzt wird – und in diesen Minuten wird Bourne, äh, Cross von einem skrupellosen Killer verfolgt, der, wie der Professor (Clive Owen) in dem ersten Bourne-Film „Die Bourne-Identität“, fast keine Dialogzeile hat. Aber während Owen wirklich bedrohlich war, ist LARX #3 (Louis Ozawa Changchien) einfach nur ein Asiate mit Sonnenbrille, der seiner Beute hinterherhechelt. Weil er auch erst am Ende, so als Überraschungsjoker, ins Spiel gebracht wird, bleibt er ein eindimensional-austauschbarer Gegner.
Davor gibt es zu viele, zu lange, zu umständliche und oft im Nichts endende Erklärungen. Es wird erklärt bis zum Gehtnichtmehr und so gut wie nichts davon ist wirklich interessant oder bringt die Handlung erkennbar voran. So vergeht ungefähr eine halbe Stunde, bis der erste Anschlag auf Cross verübt wird. Davor sehen wir ihn durch den Schnee gehen, dürfen uns mit der Frage beschäftigen, was er in dieser Einöde will, erfahren, was Jason Bourne gerade tut und dürfen uns am Anblick von einigen Schauspielern, die bereits in den vorherigen Bourne-Filmen dabei waren, erfreuen. Dummerweise haben sie nur Kurzauftritte.
Und während die eigentliche Geschichte immer noch nicht beginnt, verheddert sich Gilroy zwischen seinen verschiedenen Subplots.
Deshalb ist der vierte Bourne-Film mit 135 Minuten auch der längste. Die anderen waren zwanzig bis dreißig Minuten kürzer und hatten, gefühlt, mehr Action. Doug Liman und Paul Greengrass bauten die Spannung vor den Actionszenen immer gut auf und es gelang ihnen sogar, eigentlich langweilige Gespräche und Blicke in die Kommandozentrale der CIA hochspannend und wie eine Action-Szene zu inszenieren. Außerdem setzten sie die vielen Schnitte so klug, dass man nie den Überblick verlor. Ihre unzähligen Nachahmer gehen da meistens wesentlich ungeschickter vor.
Wenn es in „Das Bourne-Vermächtnis“ dann endlich zur Action kommt, ist diese oft ziemlich schnell vorbei und meistens so zerschnipselt, dass es wahrlich keine Freude bereitet. Denn es bringt nichts, wenn man als Zuschauer keinen Überblick über das Geschehen mehr hat oder, wie während der Verfolgungsjagd in Manila die exzellente Arbeit der Stuntmänner und Schauspieler, die teilweise die Stunts selbst ausführten, nicht mehr würdigen kann, weil alles so furchtbar hektisch ist und der Blickwinkel sich ständig und eher willkürlich ändert.
Gerade die finale Verfolgungsjagd in Manila über die Dächer und durch die Straßen erinnert an ähnliche, weitaus gelungener inszenierte Szenen aus dem fünften „The Fast and the Furios“-Film. Außerdem ist „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011) ein sehr gutes Beispiel für den gelungenen Neustart einer Filmserie. Es ist sogar der beste Film der Serie.
Dagegen bleibt „Das Bourne-Vermächtnis“ unentschlossen zwischen Neubeginn und Wiederholung der ersten Bourne-Filme stecken. So bleibt das Gefühl, dass man das alles schon einmal, dummerweise besser, gesehen hat – und Manila ist wirklich nicht die große Veränderung zu Europa.
Das Bourne-Vermächtnis (The Bourne Legacy, USA 2012)
Regie: Tony Gilroy
Drehbuch: Tony Gilroy, Dan Gilroy
LV: Charakter von Robert Ludlum
mit Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton, Stacy Keach, Dennis Boutsikaris, Oscar Isaac, Zeljko Ivanek, Louis Ozawa Changchien, Joan Allen, Albert Finney, David Strathairn, Scott Glenn
Beide verraten einen wichtigen Plottwist, der, wenn man ihn nicht kennt, wirklich überraschend kommt.
Denn „Das verborgene Gesicht“ von Andrés Baiz ist ein schöner Psychothriller, der mich an ähnlich gelagerte, hauptsächlich französische Filme aus den siebziger Jahren erinnerte und je weniger Sie über „Das verborgene Gesicht“ wissen, desto überraschender ist beim ersten Sehen, wie in „Die üblichen Verdächtigen“ oder „The sixth Sense“, die Auflösung.
Adrian ist ein junger, gutaussehender Orchesterdirigent in Bogotá, der gerade, vollkommen überraschend und grundlos von seiner Freundin Belén verlassen wurde. Sie hat ihm nur eine dürftige Videobotschaft hinterlassen, in der sie sagt, er solle nicht nach ihr suchen. Der Frauenschwarm ertränkt seinen Kummer im Alkohol und findet in einer Bedienung auch gleich eine neue Freundin, die seiner Verflossenen sehr ähnlich sieht. Fabiana zieht in seine abgelegen liegende Villa, die anscheinend ein Eigenleben führt. Denn sie hört Geräusche, beim Duschen wird sie verbrüht und der deutsche Schäferhund scheint sie als Eindringling wahrzunehmen. Sie fragt sich, ob das Haus verhext ist. Adrian glaubt ihr nicht.
Zur gleichen Zeit suchen zwei Polizisten nach Belén. Denn sie ist spurlos verschwunden – und natürlich ist Adrian der Hauptverdächtige.
Und der jüngere Polizist ist der frühere Liebhaber von Fabiana. Er glaubt, dass sie nur wegen des Geldes mit Adrian zusammen ist.
„Das verborgene Gesicht“ ist ein ruhig erzählter Psychothriller mit wohldosierten Spannungsmomenten, vor allem in der ersten Hälfte des Films, wenn Regisseur Andrés Baiz sehr schön jeden verdächtig macht, indem die Schauspieler immer wieder in Spiegel blicken oder sie immer wieder in die falsche Richtung blicken. Jeder scheint immer noch eine zweite Agenda zu verfolgen. Adrian könnte Belén ermordet haben. Aber auch Fabiana könnte es getan haben. Und während wir noch überlegen, was mit Belén geschehen ist, gibt es in der zweiten Hälfte einen gewagten Plottwist, der einerseits vollkommen überraschend kommt, andererseits in der ersten Stunde mit vielen Hinweisen angedeutet wurde. Diese erste Stunde mit den vielen kleinen Irritationen in dem noblen Anwesen und dem seltsamen Verhalten der Protagonisten steht ganz in der Tradition der Geisterhaushorrorfilme, in denen unklar ist, ob Fabiana sich das alles nur einbildet oder ob es wirklich spukt.
Und es gibt zwei, herrlich nebenbei platzierte Lacher. Der eine hat mit dem Hund zu tun, der andere mit dem Inhalt eines Schrankes.
Die Erklärung ist, rückblickend, etwas unlogisch und der Film endet für meinen Geschmack etwas zu abrupt. Ich hätte mir noch ein, zwei Bilder gewünscht. So bricht der Film, wie ein Musikstück, bei dem die letzte Note fehlt, arg abrupt ab.
Das verborgene Gesicht (La Cara Oculta, Kolumbien/Spanien 2011)
Lord of War – Händler des Todes (USA 2005, R.: Andrew Niccol)
Drehbuch: Andrew Niccol
There are over 550 million firearms in worldwide circulation. That’s one firearm for every twelve people on the planet. The only question is: How do we arm the other 11? (Yuri Orlov)
Einer der wenigen ansehbaren Nicolas-Cage-Filme, die der Schauspieler in diesem Jahrzehnt drehte. Dafür sammelte er in den vergangenen Jahren Razzie-Nominierungen.
In der knalligen Satire „Lord of War – Händler des Todes“ spielt er Yuri Orlov, einen Waffenhändler, der ungefähr jeden Potentaten der Nach-Kalter-Kriegs-Welt mit Waffen beliefert. Der Film erzählt in kurzen Episoden die Geschichte seines märchenhaften Aufstiegs von den Hinterhöfen Little Odessas in die Hinterhöfe der Weltpolitik. Denn mit dem illegalen Waffenhandel kann viel Geld verdient werden.
That was intentional, just to be a little subversive and make almost like a ‘how-to’ film – how to be an arms dealer – and I thought that would be a more interesting way into it than a typical story structure. (Andrew Niccol)
Mit Nicholas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan, Ian Holm, Ethan Hawke
Wiederholung: Freitag, 14. September, 00.45 Uhr (Taggenau! – wegen der FSK-16-Freigabe dürfte dann die Kinoversion laufen)
Als „Die Truman-Show“ im Kino lief, war es Science-Fiction. Aber das war auch, bevor es die TV-Show „Big Brother“ gab und danach erschien „Die Truman Show“ nicht mehr soo abwegig. Denn der titelgebende Truman Burbank wird ständig von Kameras überwacht. Sein Leben ist eine Reality Show mit einem Millionenpublikum. Dummerweise hat Truman davon keine Ahnung. Als eines Tages ein Scheinwerfer vom Himmel fällt, beginnt der Dreißigjährige Fragen zu stellen.
Die grandiose Mediensatire gewann unter anderem einen Hugo.
„ein modernes Märchen mit existentieller Tiefenschärfe (…) ein Filmereignis“ (Fischer Film Almanach 1999)
Die Musik ist von Philip Glass.
mit Jim Carrey, Laura Linney, Noah Emmerich, Natascha McElhone, Peter Krause, Paul Giamatti
Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003, R.: Joel Coen, Ethan Coen)
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Robert Ramsey, Matthew Stone (nach einer Geschichte von Robert Ramsey, Matthew Stone und John Romano)
Ein skrupelloser und erfolgreicher Scheidungsanwalt verliebt sich in eine Heiratsschwindlerin.
Die Coen-Version einer Screwball-Comedy. Dank Clooney, Zeta-Jones und Thornton durchaus okay, aber nicht ihr bestes Werk. Danach drehten sie ein überflüssiges Remake von „The Ladykillers“.
Mit George Clooney, Chatherine Zeta-Jones, Geoffrey Rush, Cedric the Entertainer, Edward Herrmann, Paul Adelstein, Richard Jenkins, Billy Bob Thornton
Wer gestern „Burn after reading“ verpasste, kann die durchgeknallte Agentenkomödie der Coen-Brüder mit Brad Pitt, George Clooney, John Malkovich, Frances McDormand, Tilda Swinton undundund am kommenden Freitag, den 14. September um 20.15 Uhr auf Eins Festival sehen. Die Nachtwiederholung ist um 01.50 Uhr.
Nosferatu – Phantom der Nacht (D/Fr 1979, R.: Werner Herzog)
Drehbuch: Werner Herzog (nach Motiven des Films „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von Friedrich Wilhelm Murnau und des Romans „Dracula“ von Bram Stoker)
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
Werner Herzogs Remake von Murnaus Dracula-Version, die damals als langweilige 1-zu-1-Verfilmung des Stummfilm-Klassikers gedisst wurde.
Inzwischen hat sich der Wind gedreht: „Auch wenn er sich an sein großes Vorbild anlehnt, setzt Herzog doch etliche eigene Akzente, besonders in der Szene, in der Wismar von den Ratten überrannt wird oder wenn die heimgesuchte Stadtbevölkerung tanzt, als die Pestleichen durch die Straßen getragen werden. Mit seinem ausgezeichneten Soundtrack (Wagner, Gounod und Popol Vuh), seinen symbolistischen Strandstücken und Gebirgszügen wie von Cspar David Friedrich ist Herzogs Nosferatu weniger eine Kopie von Murnau als ei Rückgriff auf die deutsche romantische Tradition, durch und durch deutsch und (backstein-)gotisch im besten Sinne.“ (James Marriott/Kim Newman: Horror)
mit Klaus Kinski, Isabelle Adjani, Bruno Ganz, Jacques Dufilho, Roland Topor, Walter Ladengast, Clemens Scheitz
Straßenmusiker Bruno Stroszek will nach einem Gefängnisaufenthalt ein ehrliches Leben beginnen, nimmt eine Prostituierte bei sich auf und freundet sich mit einem Nachbarn an. Gemeinsam wollen sie in den USA ihr Glück versuchen.
Stroszek ist „eine Lockerungsübung, ein befreiendes Atemholen. In einfachen Bildern, in denen keinerlei Kunstanstrengung den Blick auf Gezeigte verstellt, entfaltet sich eine Ballade vom verlorenen Glück, in der sich Herzogs zu abstrakten Totalisierungen neigender Kulturpessimismus als beobachtende, entwickelnde Kritik sozialer Verhältnisse konkretisiert. Es sollen ganz und gar gegenwärtige, reale Figuren sein, deren bescheidene Sehnsüchte und deren jämmerliches Scheitern hier geschildert werden.“ (Kraft Wetzel, in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte: Werner Herzog, Hanser Reihe Film Band 22, 1979)
mit Bruno S., Eva Mattes, Clemens Scheitz, Wilhelm von Homburg, Burkhard Driest, Pitt Bedewitz
Nachdem letzten Sonntag die TV-Premiere deutlich nach Mitternacht (also eigentlich am Montag) war, läuft der Avantgarde-Krimi jetzt, auf einem Nischensender, zur besten Sendezeit und weil mir die Borowski-Tatorte normalerweise nicht gefallen, kann es nur einen Tagestipp geben
Eins Festival, 20.15
Ein fürsorglicher Sohn (USA/D 2009, R.: Werner Herzog)
Drehbuch: Herbert Golder, Werner Herzog
In einem Vorort von San Diego soll ein junger Mann seine Mutter ermordet und Geiseln genommen haben. Zwei Polizisten sollen ihn zur Aufgabe bewegen.
„Werner Herzog durchsetzt den Thriller mit sardonisch-absurden und philosophisch-surrealen Spitzen und löst die Handlung mittels Rückblenden in eine bezugsreiche Bricolage auf.“ (Lexikon des internationalen Films)
Avantgarde-Jazzer Ernst Reijseger schrieb die Musik für den von einem wahren Fall inspirierten Krimi und David Lynch gehört zu den Produzenten.
mit Willem Dafoe, Chloë Sevigny, Michael Shannon, Brad Dourif, Loretta Devine, Udo Kier, Michael Peña, Grace Zabriskie
auch bekannt als „My Son, My Son, What have ye done?“ (Original- und deutscher DVD-Titel)
Das Osterman-Weekend (USA 1983, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Alan Sharp, Ian Masters
LV: Robert Ludlum: The Osterman-Weekend, 1972 (Das Osterman-Wochende)
Der CIA nimmt an, dass die Freunde von Journalist John Tanner KGB-Spione sind. Mit Tanners Hilfe verwanzen sie für ein Wochenende sein ganzes Haus. Ab da geht alles schief. Seine Freunde wollen ihre Geheimnisse schützen, Tanner will die Wahrheit wissen und CIA-Agent Fassett spielt ein ganz eigenes Spiel.
Peckinpahs letzter Film ist ein kühler Spionagethriller, ein Verwirrspiel (deshalb kann der Film immer wieder angesehen werden. Nach einem Jahr haben Sie die konfuse Handlung schon wieder vergessen.) und eine Studie über den Verfall von Freundschaft und Vertrauen. “Das Osterman-Weekend” ist einer der schwachen Peckinpah-Filme mit einer deprimierenden Aussage.
Ulrich von Berg schrieb in “Sam Peckinpah – Ein Outlaw in Hollywood” (1987): “The Osterman Weekend ist von der ersten bis zur letzten Einstellung ein monströses Vexierspiel, in dem jeder jeden täuscht und betrügt. Keine der Figuren ist zur Identifikation tauglich, alle sind nichts als abhängige Marionetten….Die Menschen in diesem Film sind flach und eindimensional, keiner von ihnen macht eine innere Entwicklung durch, ihre Handlungsmotive sind ohne Ausnahme von Eigennutz bestimmt (Macht, Rache, Prestige, materielle Vorteile). Peckinpah interessiert sich für keinen einzigen von ihnen besonders – und das ist gut angesichts des abstrusen Drehbuchs – sondern allein für das alles Vertrauen zerfressende und alle zwischenmenschliche Beziehungen infiltrierende Geflecht aus Intrigen und Gegenintrigen. Die Atmosphäre von Hilflosigkeit und Abhängigkeit ist wichtig, nicht die Plausibilität des Plots…In Peckinpahs letztem Film unterliegen sie (die eigenen vier Wände, AdV) der totalen Kontrolle eines offensichtlich wahnsinnigen CIA-Agenten. Die stoischen Einzelgänger, die sich in allen seinen anderen Filmen gegen Reglementierung und Anpassung zur Wehr setzen, gib es hier nicht mehr. Das Bild, das Peckinpah in The Osterman Weekend von Amerika entwarf, ist die konsequente Weiterentwicklung der düsteren Zukunftsvision seiner Western, das Versprechen einer freien Gesellschaft wird als Lüge entlarvt. Ein Arrangement mit dieser Gesellschaft ist den höchst unterschiedlichen Männern in Peckinpahs zeitgenössischen Filmen unmöglich”.
Mit Rutger Hauer, John Hurt, Craig T. Nelson, Dennis Hopper, Burt Lancaster, Chris Sarandon, Meg Fosters, Helen Shaver
Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, R.: Jonathan Demme)
Drehbuch: Ted Tally
LV: Thomas Harris: The Silence of the Lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)
FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.
Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zu viel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.
Hitchcock hätte der Film gefallen.
Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine
Die Hoffnung einen guten Film zu sehen, stirbt in „The Watch – Nachbarn der 3. Art“ erschreckend schnell. Und sogar mit reduzierten Erwartungen lässt sich wenig Gutes über diese Aliens-landen-in-der-Vorstadt-Variante sagen. Immerhin ist das hundertminütige Desaster, das gefühlt mindestens doppelt so lang ist, kompetent gefilmt und die Besetzung mit Ben Stiller, Vince Vaughn, Jonah Hill, Richard Ayoade und Rosemarie DeWitt namhaft, aber auch vollkommen verschenkt in einem Film, der sich höchst unglücklich zwischen die Genres „Drama“ und „Komödie“ setzt und das Schlechteste von beiden Welten vereinigt. Eine Satire will „The Watch“ eh nicht sein und als Alien-Invasionsfilm mit einem leichten „Super 8“-Touch (Sehbefehl!) überzeugt er nie. Auch nicht in den letzten Filmminuten, wenn die vier Jungs von der Nachbarschaftswache gegen die Invasoren kämpfen.
Doch beginnen wir am Anfang: Ben Stiller spielt Evan, den Manager des lokalen Einkaufzentrum Costco in Glenview, Ohio. Er ist glücklich verheiratet. In seiner Freizeit initiiert er die verschiedensten Nachbarschaftsgruppen. Eines Tages wird sein Nachtwächter bestialisch ermordet. Evan beschließt, die Nachbarschaft vor weiteren Morden zu schützen und den Mörder zu finden. Dafür gründet er eine Bürgerwehr mit Bob (Vince Vaughn), einem Proleten, der seine pubertierende Tochter über alles liebt, Franklin (Jonah Hill), einem bei der Aufnahmeprüfung der Polizei gescheiterten Waffennarr, der noch bei seiner Mutter lebt, und Jamarcus (Richard Ayoade), der als Zugezogener in der Vorstadtgemeinde Anschluss an das gesellschaftliche Leben sucht. Diese drei Männer interessieren sich, wie Pubertierende, in erster Linie für Drogen und Sex.
Ihr selbsternannter Anführer Evan, der personifizierte Biedermann mit einer Mission, die er ohne Rücksicht zu nehmen verfolgt (so wird er uns jedenfalls in den ersten Filmminuten präsentiert), lässt sich schnell von den anderen überzeugen, bei deren infantilen Spielen (vulgo Alkohol, Sex und arg pubertäre Witze) mitzumachen.
Doch dann geschehen unheimliche Dinge und die Vier glauben, dass Aliens eine Invasion vorbereiten. Selbstverständlich sind sie dazu auserwählt, sie zu verhindern – und die tödliche Schwachstelle der Aliens reflektiert treffend den infantil-pubertärem Humor des gesamten Films.
Wer sich also darüber amüsieren kann, wenn Vierzigjährige sich wie grenzdebile Teenager benehmen und wem es vollkommen egal ist, dass die Story wirkt, als ob sie an einem langen Suff-Abend, ohne einen Blick auf Logik und innere Kohärenz zu werfen, mit vielen alten bis uralten Zoten zusammenfantasiert wurde, wird vielleicht irgendetwas in „The Watch“ finden.
Alle anderen werden die vielen verpassten Chancen, einen auch nur minimal intellektuell befriedigenden Film zu machen, bedauern.
The Watch – Nachbarn der 3. Art (The Watch, USA 2012)
Regie: Akiva Schaffer
Drehbuch: Jared Stern, Seth Rogen & Evan Goldberg
mit Ben Stiller, Vince Vaughn, Jonah Hill, Richard Ayoade, Rosemarie DeWitt, Will Forte, Doug Jones, R. Lee Ermey, Nicholas Braun
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (in den USA „Rated R for some strong sexual content including references, pervasive language and violent images“ – und das ist wirklich der beste Witz über dem Film)
Sein Leben in meiner Gewalt (GB 1973, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: John Hopkins
LV: John Hopkins: This story of yours, 1968 (Theaterstück)
Der desillusionierte und fanatische Detektiv Johnson hält den Verdächtigen für einen Kinderschänder. Während des Verhörs stirbt der Verdächtige und Johnson wird angeklagt.
Intensiv gespieltes, düsteres Drama. Allerdings wollte damals niemand Connery als einen fanatischen Polizisten sehen. „Sein Leben in meiner Gewalt“ war der erste Film, den Sean Connery mit seiner Produktionsfirma Tantallon Films und United Artists drehte. Ein zweites, geplantes Projekt mit United Artists kam nie zustande. Das sagt einiges über den finanziellen Erfolg von „Sein Leben in meiner Gewalt aus“. Denn es dauerte zehn Jahre, bis der Film seine Kosten eingespielt hatte.
John Huston meinte, für ihn gehöre das letzte Drittel des Films zum Besten, was er jemals auf der Leinwand gesehen habe.
Mit Sean Connery, Trevor Howard, Vivian Merchant, Ian Bannen
Hinweise
Wikipedia über “Sein Leben in meiner Gewalt” (deutsch, englisch)
Ich habe keine Ahnung, ob mir die dritte oder vierte Staffel von „Death in Paradise“ noch gefallen werden, denn die Serie folgt schon in der ersten Staffel ziemlich sklavisch der bekannten Krimiformel, in der ein genialer Ermittler herausfinden muss, wer von den vielen Verdächtigen, die alle ein bombenfestes Alibi haben, den Mord in einem mehr oder weniger geschlossenem Raum verübt hat, und am Ende enthüllt der Ermittler vor den in einem Raum versammelten Verdächtigen, deren Alibis alle falsch waren, wer der Mörder ist.
Dieses Rezept hat sich seit den seligen Tagen von Agatha Christie kaum verändert und geübte Krimiseher werden auch in „Death in Paradise“ ziemlich schnell den Mörder, der immer der Unverdächtigste ist, erraten.
Aber gerade in den ersten acht Fällen, die jetzt als „Death in Paradise – Staffel 1“ erschienen sind, stimmt alles: die Fälle sind gut geplottet, der Humor stimmt, die Schauspieler sind gut und das Setting erfreut das Auge. Denn, wir ahnen es bei dem Titel „Death in Paradise“: die Krimiserie spielt nicht im kalten England, sondern auf der sonnigen Karibik-Insel Saint-Marie und der stocksteife Londoner Detective Inspector Richard Poole, der immer korrekt gekleidet mit Anzug, Schlips und Aktentasche die Wohnung verlässt, muss mit der lässigen südländischen Arbeitsauffassung seiner Untergebenen und den mangelhaften Arbeitsmitteln zurechtkommen. Während in London die Spurensicherung in kürzester Zeit Ergebnisse liefert, dauert hier alles etwas länger und niemand scheint das wirklich zu stören.
Ach, und das Essen ist auch nicht nach seinem Geschmack. Genaugenommen ist es ungenießbar. Immerhin findet er manchmal einen guten Tee – und erstaunlich viele Morde im Paradies, das für ihn die Hölle ist. Er möchte nur, so schnell es geht, zurück in sein heimatlich kühles, nebliges London und in einen urigen Pub.
DI Richard Poole wurde nach Saint-Marie geschickt, weil sein Vorgänger ermordet wurde im verschlossenen Panikraum in der Villa eines wohlhabenden Engländers. Während der Ermittlungen muss Poole sich, wie auch in den folgenden Fällen, weitgehend auf seinen Verstand verlassen. Zum Glück funktionieren seine kleinen grauen Zellen, trotz der tropischen Temperaturen, ähnlich gut wie die von Hercule Poirot.
Am Ende löst er den Fall, bekommt eine neue Kollegin, die Undercover-Polizistin Camille Bordey, und erfährt, dass er länger auf der Insel bleiben muss. Denn der örtliche Polizeichef ist hoch zufrieden mit seiner Arbeit und er wird auf seine sympathisch-bauernschlaue Art alles tun, um einen so guten Ermittler, auch gegen dessen Willen, auf seiner Insel zu halten.
In den nächsten sieben Fällen der ersten „Death in Paradise“-Staffel (keine Panik, eine zweite Staffel wird gedreht) muss Poole mit Bordey, die sich auf der Insel pudelwohl fühlt, und seinen Untergebenen Dwayne Myers, ein altgedienter Streifenpolizist, der Gott und die Welt auf der Insel kennt, und Fidel Best, der Jüngste im Team, weitere Mordfälle lösen, die weitgehend der Locked-Room-Formel folgen. So wird eine Braut an ihrem Hochzeitstag ermordet und ihre Familie ist hochgradig verdächtig.
Eine Einheimische sieht ihren Tod voraus und weil diese Prophezeiung auch eintrifft, wird Poole misstrauisch. Denn er glaubt nicht an übersinnlichen Hokuspokus.
Eine Frau behauptet, dass sie ihren Mann ermordet hat. Allerdings ist seine Leiche verschwunden und Poole glaubt, dass an dem Fall etwas nicht stimmt.
Auf der voll besetzten Fähre zur Insel wird ein Betrüger erstochen und weil der Betrüger an Poole angekettet war, hat er dieses Mal sogar ein persönliches Motiv für die Mörderjagd. Dummerweise hat er dieses Mal, weil der Betrüger die halbe Inselbevölkerung betrog, auch mehr Verdächtige als üblich.
Ein Sänger wird vor dem Reunion-Konzert seiner Band ermordet und seine Leiche wird während des Konzerts in dem Sarg entdeckt, aus dem er eigentlich entsteigen sollte. Verdächtig sind natürlich die Bandmitglieder und seine Entourage. Dummerweise haben alle ein bombenfestes Alibi.
Im letzten Fall der ersten „Death in Paradise“-Staffel wird eine Frau ermordet in ihrem Bett, mit dreißig Münzen im Mund, gefunden. Sie lebte dort unter falschem Namen und ihr echter Name steht auf der Fahndungsliste der Londoner Polizeieinheit für Organisiertes Verbrechen.
Und einen Fall müssen die Streifenpolizisten Myers und Best fast im Alleingang lösen. Denn Bordey ist auf einer Fortbildung und Poole liegt mit Fieber im Bett. Vor den Augen von Myers starb ein Taucher in einer Bucht und selbstverständlich haben die üblichen Verdächtigen ein bombensicheres Alibi. Und mit DS Angela Young erhalten sie eine hoffnungslos überdrehte, zur Hysterie neigende Hilfe, die ihnen überhaupt nicht gefällt.
Auf der DVD ist die internationale Fassung. D. h. die einstündigen Folgen wurden schon vom BBC auf jeweils 50 Minuten gekürzt. Bonusmaterial fehlt auch; aber das kann daran liegen, dass die deutsche DVD-Veröffentlichung vor der englischen DVD-Veröffentlichung war.
Death in Paradise – Staffel 1 (Death in Paradise, GB/Fr 2011)
Idee: George Thorogood
mit Ben Miller (DI Richard Poole), Sara Martins (DS Camille Bordey), Danny John-Jules (Dwayne Myers), Gary Carr (Fidel Best), Don Warrington (Commisioner Selwyn Patterson), Elizabeth Bourgine (Catherine Bordey)
Gaststars: Rupert Graves (Folge1), Colin Salmon (Folge 5), Shirley Henderson (Folge 6), Adrian Dunbar (Folge 7 & 8), David Sterne (Folge 7)
–
DVD
Edel
Bild: Dolby, PAL
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 400 Minuten (8 Folgen à 50 Minuten auf 4 DVDs)
Elite-Cop Drieu wird in ein kleines Revier bei Marseille, das demnächst geschlossen wird und dessen Polizist vollkommen demotiviert sind, versetzt. Aber Drieu akzeptiert die laxe Arbeitshaltung seiner Kollegen nicht. Außerdem entdeckt er Verbindungen zwischen einigen Verbrechen, die auf den ersten Blick nicht miteinander zu tun haben.
Der Quasi-Western „Unter Beschuss“ (DVD-Titel: Crossfire) reiht sich gelungen in die aktuelle Reihe französischer Kriminalfilme ein, die zeitgemäß aufbereitet, die einheimische Kriminalfilmtradition pflegen und sich an Hollywood-Vorbildern bedienen.
Drehbuch: Paul Haggis (nach einer Geschichte von Mark Boal und Paul Haggis)
Ex-Militärpolizist und Vietnamveteran Hank Deerfield erfährt, dass sein Sohn Mike sich nach seiner Rückkehr aus dem Irak fahnenflüchtig ist. Kurz darauf wird seine verbrannte Leiche gefunden. Deerfield beginnt mit einer Polizistin Mikes Mörder zu suchen. Dabei werden sie vom Militär behindert.
Haggis benutzt in seinem feinen Thriller das Genre, um auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen. Denn der auf einem wahren Fall basierende, hochgelobte Thriller beschäftigt sich mit den seelischen Kosten von Kriegseinsätzen für den Einzelnen und die Gesellschaft.
Der Titel spielt auf die David-und-Goliath-Geschichte in der Bibel an. Deren Kampf fand im Valley of Elah, bei uns je nach Bibelübersetzung bekannt als Eichgrund, Elberfelder oder Terebinthental, statt.
Mit Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarandon, Jason Patric, James Franco, Josh Brolin, Jonathan Tucker
Drehbuch: Oliver Stone, Richard Rutowski, David Veloz (nach einer Idee von Quentin Tarantino)
Mickey und Mallory morden sich als Killerpärchen durch die USA – und Oliver Stone feuert ein beeindruckendes, aber auch betäubendes Schnitt- und Soundgewitter, garniert mit ätzender Medienkritik, ab.
„2540 Schnitte und 75 Soundtrack-Titel in zwei Stunden: keine formale Innovation, sondern Delirium eines vom Thema faszinierten anstatt es beherrschenden Regisseurs, der auch keine echte Satire schafft, weil diese Distanz, Coolness (…) und Treffsicherheit verlangt, wo Stone zum Vollstrecker der Killer-Ideologie mit kinetischen Mitteln wird.“ (Fischer Film Almanach 1995)
Ein typischer Oliver-Stone-Film mit Botschaft eben.
Quentin Tarantino war von der Verfilmung, die mit seinem Drehbuch fast nichts mehr gemein hat, nicht begeistert.
mit Woody Harrelson, Juliette Lewis, Robert Downey jr., Tommy Lee Jones, Tom Sizemore, Rodney Dangerfield, Pruitt Taylor Vince, Balthazar Getty, Jared Harris
Dass die ARD „Bad Lieutenant“ und „Ein fürsorglicher Sohn“ (My Son, my Son, what have ye done, USA/D 2009) um 00.30 Uhr und 00.50 Uhr als TV-Premieren zeigt und das ganze halbwegs pompös Festakt für den siebzigsten Geburtstag von Werner Herzog, betitelt, ist wahrscheinlich eine wenig subtile Aussage zur Wertschätzung des Regisseurs in den ARD-Gremien.
Arte macht es – mal wieder – besser und zeigt zu den besten Sendezeiten am Mittwoch, den 5. September, zu Werner Herzogs Geburtstag, „Aguirre, der Zorn Gottes“ um 20.15 Uhr, „Begegnungen am Ende der Welt“ um 21.45 Uhr und die Pseudodoku „Zwischenfall am Loch Ness“ (über die Dreharbeiten zu einer Werner-Herzog-Doku) um 23.15 Uhr und am Montag, den 10. September, „Nosferatu – Phantom der Nacht“ um 21.00 Uhr und „Stroszek“ um 22.45 Uhr. Ist ja auch ein echter Kultursender, während im Ersten wohl „Schlaflos in Schwabing“ und „Mord in bester Gesellschaft“ Kultur ist.
ARD, 00.30
Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (USA 2009, R.: Werner Herzog)
Drehbuch: William Finkelstein (nach dem Drehbuch von Victor Argo, Paul Calderon, Zoë Lund und Abel Ferrara)
Werner Herzogs Comeback. Jedenfalls in Deutschland. Denn hier verschwand er nach seinen großen Erfolgen in den Siebzigern (Aguirre, der Zorn Gottes; Jeder für sich und Gott gegen alle; Herz aus Glas; Stroszek; Nosferatu; Woyzek) und frühen Achtzigern (Fitzcarraldo; Wo die grünen Ameisen träumen; Cobra Verde [sein Abschied vom Kino]) von der Bildfläche und man hörte nur noch, dass er jetzt vor allem Dokumentarfilme mache. Einige liefen auch auf den üblichen weltabgewandten Plätzen im TV.
Aber in den USA wurde er zu dem Mann. Einem der wenigen Deutschen, die auch in Hollywood anerkannt sind. Neben den vielen Dokus drehte er auch einige Spielfilme, die bei uns – falls überhaupt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen.
Doch 2009, mit dem grandiosen Remake eines Genrefilms, das sich kaum an die Vorlage hält, und mit der Präsidentschaft der Berlinale-Jury kehrte er zurück in die deutschen Kinosäle.
Die Story, für alle die Abel Ferraras grandiosen „Bad Lieutenant“ (mit Harvey Keitel) nicht kennen: Nach dem Hurrikan Katrina muss ein drogensüchtiger Cop den Mord an einer schwarzen Familie aufklären.
Mit Nicholas Cage, Val Kilmer, Eva Mendes, Xzibit, Vondie Curtis Hall, Brad Dourif