Nachtschicht: Das tote Mädchen (D 2010, R.: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Ein russisches Callgirl wird ermordet und in der Elbe versenkt. Das Nachtschicht-Team sucht den Mörder und landet schnell bei einem Privatbankier, der behauptet die Tote nicht zu kennen.
Nix neues von der “Nachtschicht”: Dutzende bekannter Gesichter, die endlich (?) mal wieder (?) zeigen, was sie können, gutes Buch, gute Regie, gute Unterhaltung.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Pierre Semmler, Dietmar Bär, Kai Wiesinger, Jürgen Prochnow, Lisa Maia Potthoff
Grenzen, auch wenn sie nötig sind, haben immer etwas irrationales und wenn sich in einem Grenzgebiet zwei Gruppen treffen, die seit Jahrzehnten spinnefeind sind und ihre Feindschaft mit ihrer jahrhundertealten Tradition begründen, dann ist das Leben dort, zwischen verschiedenen Befindlichkeiten, ausgesprochenen und unausgesprochenen Regeln, ziemlich anstrengend und das Potential für eine Komödie ist definitiv vorhanden. Sylvain Estibal hat mit „Das Schwein von Gaza“ eine solche Komödie gedreht.
Im Mittelpunkt seiner Geschichte steht Jafaar (Sasson Gabay), ein herzensguter, aber vom Pech verfolgter Fischer. Er lebt mit seiner Frau Fatima (Baya Belal) in einem Haus, das von israelischen Soldaten zum Wachposten erklärt wurde und damit ein dankbares Ziel für Gespött und Anschläge ist. Immerhin versuchen Jafaar und Fatima möglichst viel Abstand zu wahren und die ungebetenen Gäste nach Kräften zu ignorieren, was natürlich schwer fällt, wenn die Soldaten das Bad benutzen dürfen und die gleichen Telenovelas ansehen.
Sein Kutter ist ein kaum noch seetüchtiger, verrosteter Kahn und sein Fang so bescheiden, dass er von dem Fischkäufer nur mit einem mitleidigem Lächeln bedacht wird.
Jafaar ist schon ziemlich weit unten, als er den Fang seines Lebens macht: er angelt ein lebendes Schwein aus dem Meer. Als gläubiger Moslem darf er das Schwein nicht töten. Sowieso sind für ihn alle Kontakte zu einem so unreinen Geschöpf verboten. Aber die schlauen Juden, so hört er, würden seinen Fang kaufen.
Jafaar will es an die jüdische Gemeinde verkaufen, was gar nicht so einfach ist. Denn auch nach dem jüdischen Glauben sind Schweine keine besonders erwünschten Tiere.
Und so nimmt, weil niemand etwas von Jafaars Fang erfahren darf, das Verhängnis seinen Lauf.
In seinem gelungenem Debütfilm formuliert Sylvain Estibal einen herzergreifenden Aufruf zur Toleranz, der dank seiner schnörkellos-unpathetischen Erzählweise und dem trockenen Humor glänzend unterhält. Denn Jafaar steht ziemlich hilflos zwischen den Israelis und den Palästinensern. Er versucht sich bauernschlau aus seiner Malaise herauszuschlawinern und richtet, eher unschuldig (Er hätte das Schwein ja gleich wieder ins Meer werfen können. Das wäre, im Vergleich zu seinen späteren Sünden eine kleine Sünde gewesen.) einen ziemlichen Schlamassel an. Dabei hat Estibal einen feinen Blick für die Absurditäten des israel-palästinenischen Alltags.
Das ziemlich plötzlich, aus heiterem Himmel, kommende, märchenhafte, aber auch ziemlich offene Ende gibt dann keine Antwort auf die Frage, wie die miteinander verfeindeten Völker friedlich miteinander leben können. Aber das ist vielleicht auch zu viel verlangt von einem Film. Immerhin haben die Israelis und Palästinenser es in den vergangenen Jahrzehnten auch nicht geschafft.
Aber der vom Schicksal geknechtete Fischer Jafaar hat am Ende wirklich etwas Glück verdient. Und ein Schwein als Glücksbringer ist ja auch nicht so schlecht.
Das Schwein von Gaza (Le Cochon de Gaza, Frankreich/Deutschland/Belgien 2011)
Der Sohn des britischen Geheimagenten Tarrant wird entführt. Tarrants Vorgesetzten scheinen kein Interesse an einer Befreiung zu haben. Also kämpft Tarrant allein um das Leben seines Sohnes.
Ein Spätwerk von Don Siegel: ein harter, eiskalter Agententhriller, der seine Story konzentriert und ohne Mätzchen geradlinig erzählt.
„‘The black Windmill’ ist kein bedeutendes Werk in Siegel Karriere, aber etwas, das es heute kaum noch gibt: ein mit Konzentration und Originalität erzählter Genrefilm.“ (Marcus Stiglegger in Frank Arnold/Michael Esser, Hrsg.: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme, 2003)
Mit Michael Caine, Donald Pleasence, John Vernon, Delphine Seyrig
ZDF, 01.15 Rächer der Unterwelt (USA 1946, R.: Robert Siodmak)
Drehbuch: Anthony Veiller
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Kurzgeschichte)
Ex-Boxer Pete, genannt „Der Schwede“ (bzw. Swede) wartet tatenlos in einem schäbigen Zimmer auf zwei Auftragskiller, die ihn umbringen sollen. Nach seinem Tod fragt sich ein Versicherungsdetektiv, warum sich jemand einfach so erschießen lässt. Er beginnt zu recherchieren.
„Eine Figur des Film noir, die noch resignierter ist als sonst bereits üblich: Swede weiß, dass die Vergangenheit ihn einholen wird, wenn nicht heute, dann morgen – wozu also davonlaufen? Der Versicherungsagent Riordan, der (in ausgefuchsten Rückblenden) der Vergangenheit Swedes nachforscht, erhält auch keine befriedigende Antwort, und seine Jagd auf die Killer scheint absurd und purer Selbstzweck.“ (Paul Werner: Film noir, 1985, mehrere erweiterte Neuauflagen)
„Noch heute ist dieser Film (…) der radikalste Anschlag auf den Mythos des Hollywood Helden.“ (Norbert Grob, Die Zeit, 6. Juli 1990)
John Huston, der die erste Drehbuchversion schrieb, übernahm von Ernest Hemingway nur die Grundidee und am Ende entstand ein Noir-Klassiker, der auch einen Edgar erhielt und für vier Oscars nominiert war.
1964 ging Don Siegel mit der Kurzgeschichte ähnlich rabiat um und er erzählte eine ganz andere Geschichte.
mit Edmond O’Brien, Ava Gardner, Albert Dekker, Sam Levene, Burt Lancaster, William Conrad
auch bekannt als „Die Killer“
– Hinweise
Wikipedia über „The Killers“ (deutsch, englisch)
Juliens Frau Lisa wird, obwohl unschuldig, zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Der Biedermann, Lehrer und Vater Julien entwickelt, um sie aus dem Gefängnis zu befreien, überraschende kriminelle Energien.
Spannender Thriller, dessen hochkarätig besetztes US-Remake „72 Stunden -The next three days“ über eine halbe Stunde länger braucht, um die Story zu erzählen, – ohne ihr etwas wesentliches hinzuzufügen. Da bleibt man doch besser bei dem französischen Original.
mit Vincent Lindon, Diane Kruger, Lancelot Roch, Olivier Marchal
Nicht der Plot (eigentlich ein 08/15-Liebedrama: Leonard lebt, nach mehreren Selbstmordversuchen, wieder in seinem Jugendzimmer. Seine Eltern wollen ihn mit Sandra verkuppeln. Aber er ist in Michelle verliebt.), sondern die Machart ist entscheidend. Und die stimmt bei „Two Lovers“.
Denn „Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme „Little Odessa“, The Yards – Im Hinterhof der Macht“ und „Helden der Nacht“ hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton. Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.
mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas
Eine Gruppe von Bikern besucht eine kalifornische Kleinstadt. Das gibt natürlich Ärger mit den gesetzestreuen Einheimischen, die ganz andere Vorstellungen vom guten Benehmen haben.
Heute wirkt „Der Wilde“ schon etwas harmlos und ungewollt witzig, aber das ändert nichts daran, dass Benedeks Film der Vater aller Motorradfilme ist. Ein Klassiker eben, der damals für Kontroversen sorgte.
mit Marlon Brando, Mary Murphy, Robert Keith, Lee Marvin, Jay C. Flippen
LV: Mark Millar/John S. Romita, jr.: Kick-Ass, 2008 – 2010 (Comic)
Dave, ein Junge ohne besondere Fähigkeiten, will zu einem Superhelden werden. Seine ersten Taten sorgen auf YouTube für grandiose Klickzahlen und noch mehr Gelächter. Da trifft er Hit Girl und Big Daddy – und er ist in einem veritablen Kampf zwischen Gut und Böse verwickelt.
Köstliche, ziemlich brutale und vollkommen respektlose Parodie auf das Superheldentum in Comics und Filmen.
mit Aaron Johnson, Chloe Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Mark Strong, Nicholas Cage
Ein Thriller nach einem Drehbuch von Hubert Selby jr.. Muss ich noch mehr über die Qualitäten von „Fear X“ sagen? Vielleicht noch, dass Nicolas Winding Refn, der Regisseur der „Pusher“-Trilogie und der James-Sallis-Verfilmung „Drive“, Regie führte.
Hubert Selby jr., für alle, die sich jetzt gerade fragen, woher sie den Namen kennen, schrieb unter anderem das Kultbuch „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ (Last Exit to Brooklyn, 1964) und, zusammen mit Darren Aronofsky, das Drehbuch für dessen Film „Requiem for a dream“ und er wird zu den Größen der US-amerikanischen Literatur gezählt. Das alles empfiehlt ihn nicht gerade als Autor für einen Thriller.
Aber Nicolas Winding Refn wollte auch keinen 08/15-Thriller inszenieren. Sein chronologisch gedrehtes US-Debüt (obwohl es genaugenommen hauptsächlich in Kanada gedreht wurde) erzählt die Geschichte von Harry Caine (John Turturro), der als Sicherheitsbeamter in einer Shopping Mall in Wisconsin arbeitet. Vor Monaten wurde seine Frau Claire in der dortigen Tiefgarage erschossen. Er sucht noch immer ihren Mörder. Dafür studiert er abends die unscharfen SW-Videoaufzeichnungen der Mall und notiert sich verdächtige Personen. Wie David Hemmings in Michelangelo Antonionis „Blow Up“ (GB 1966) in seine Fotos oder John Travolta in Brian De Palmas „Blow Out“ (USA 1981) in eine Tonbandaufnahme, zoomt Harry sich immer weiter in die Bilder hinein. Für ihn ist alles eine Spur, ein Hinweis, hat eine Bedeutung für den Mord.
Als er im gegenüberliegenden Haus einige Negative findet, entdeckt er in den Bildern eine Hinweis auf Morriston, Montana. Er glaubt, dass der Mörder von dort kommt. Außerdem verbrachte er dort mit seiner Frau einige glückliche Tage – und es ist unklar, ob er mehr von dem Wunsch nach Rache an dem Mörder oder von dem Wunsch nach einer Rückkehr in die glückliche Vergangenheit getrieben wird, als er nach Morriston fährt.
Aber, Oh Wunder!, dort trifft er auf den Mörder. Einen Polizisten – und während wir Zuschauer die Hintergründe für die Tat erfahren, erfährt Harry sie nicht.
Sowieso driftet der Film spätestens wenn Harry seinen Wohnort verlässt, vollkommen ins Surreale ab.
Aber gerade diese Vermischung von Realität und Traum, von Wahn und Wirklichkeit, macht „Fear X“ zu einem ungewöhnlichen Thriller. Die beiden Hauptdarsteller John Turturro und James Remar, der als Mörder in der zweiten Hälfte des Films mit seiner Tat kämpft (Ihn ereilt ein wenig das Tim-Roth-Schicksal, über den es immer heißt, er sei der Mann, der in „Reservoir Dogs“ blutend auf dem Lagerhausboden liegt und dabei gibt es eine lange Rückblende, in der Tim Roth sein ganzes Talent zeigt) überzeugen mit ihrem introvertiertem Spiel in diesem meditativen Thriller.
Die Musik schrieb Brian Eno. Die Kamera bediente „Shining“-Kameramann Larry Smith.
Als Bonusmaterial gibt es ein gut halbstündiges, informatives „Making of“ und einen sehr interessanten, nicht untertitelten Audiokommentar von Nicolas Winding Refn, der die kluge Entscheidung getroffen hat, sich den britischen Journalisten Alan Jones zu schnappen, der ihm die richtigen Fragen stellte, während im Hintergrund der Film läuft.
Anmerkung: Beim Ansehen fiel mir auf, wie sehr sich in den vergangenen Jahren die Überwachungstechnik veränderte und auch verbesserte. Denn Harry sieht sich noch die Augen an grieseligen Videoaufzeichnungen wund und er muss in mühevoller Kleinarbeit Personen vom Bildschirm abfotografieren (was, wie Fotografen wissen, gar nicht so einfach ist). Heute würde er an einem Computer sitzen und mit einem Klick einen Screenshot machen.
Fear X – Im Angesicht der Angst (Fear X, USA 2003)
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Hubert Selby jr.
mit John Turturro, Deborah Kara Unger, James Remar, Stephen McIntyre
–
DVD
Sunfilm
Bild: 2.35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar, Making of, Trailer (deutsch, englisch)
Wer die Olympia-Eröffnung (obwohl die, dank Danny Boyle [Trainspotting], wohl ziemlich abgefahren ist) überstanden hat:
ZDF, 01.35
Im Zeichen des Bösen (USA 1958, R.: Orson Welles)
Drehbuch: Orson Welles
LV: Whit Masterson: Badge of Evil, 1956 (Unfehlbarkeit kann tödlich sein)
In einer schäbigen Grenzstadt versuchen ein korrupter US-Polizist und ein mexikanischer Drogenfahnder (in den Flitterwochen) einen Mord aufzuklären.
Noir-Klassiker, bei dem sich eine deutsche DVD-Ausgabe mit den verschiedenen Fassungen, einem Making-of und einem guten Audiokommentar lohnen würde. In den USA erschien am 8. Oktober 2008 eine entsprechende Edition.
„Einer der schönsten und intelligentesten Polizeifilme der Kinogeschichte.“ (Seesslen: Copland)
Mit Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich, Joseph Cotten, Zsa Zsa Gabor, Dennis Weaver
Mr. Brooks – Der Mörder in dir (USA 2007, R.: Bruce A. Evans)
Drehbuch: Bruce A. Evans, Raynold Gideon
Mr. Brooks ist ein geachteter Unternehmer mit einem dunklen Geheimnis: er ist auch ein Serienkiller. Als er bei seiner letzten Tat von Mr. Smith beobachtet wird, erpresst dieser ihn. Er wird schweigen, wenn Mr. Brooks ihn in die Kunst des perfekten Mords einweiht. Und dann ist da noch eine hartnäckige Polizistin.
Köstlich-schwarzhumoriger Krimi, der etwas unter seinen vielen Subplots leidet, aber das Zusammenspiel von Kevin Costner (als Mr. Brooks) und William Hurt (als sein mordgieriges Alter Ego) macht das mehr als wett.
„Raffiniert konstruierter Neo-Noir-Thriller“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Kevin Costner, Demi Moore, Dane Cook, William Hurt, Marg Helgenberger, Danielle Panabaker, Ruben Santiago-Hudson, Lindsay Crouse, Reiko Aylesworth
Über „Texas Killing Fields – Schreiendes Land“ muss ich wirklich nicht viel sagen. Ami Canaan Manns Cop-Thriller sieht wie ein bislang unverfilmtes James-Lee-Burke-Buch, bei dem man auf die von Burke so beliebten Geister verzichtet hat, aus.
Denn der Krimiplot, in dem zwei Polizisten einen Frauenserienmörder jagen, ist in „Texas Killing Fields“ fast schon eine gut gepflegte Nebensache. Im Mittelpunkt stehen die beiden Polizisten Brian Heigh (Jeffrey Dean Morgan), der von New York City nach Texas City, in die Provinz, versetzt wurde, gläubig ist und seinen Job als halber Sozialarbeiter versteht, und Mike Souder (Sam Worthington), sein jüngerer, aus der Gegend kommender, weniger sozialarbeiterisch veranlagter Kollege, ihre vertrauensvolle, aber nicht konfliktfreie Arbeitsbeziehung zueinander, zu Souders Ex-Frau Pam Stall (Jessica Chastain), die im benachbarten Clark County Polizistin ist, und zu den Menschen, mit denen sie es während ihrer alltäglichen Arbeit zu tun haben und die zur Unterschicht von Texas City und dem angrenzenden Clark County, wo in der Vergangenheit in den Sümpfen mehrere Frauenleichen gefunden wurden, gehören. Dorthin führt die Polizisten auch eine vielversprechende Spur.
Ami Canaan Mann, die Tochter von Michael Mann, präsentiert diese Geschichte mit einem für so einen kleinen Genrefilm inzwischen überraschend hochkarätigem Cast. Jessica Chastain ist nach „The Tree of Life“, „Eine offene Rechnung“ (mit Sam Worthington) und „The Help“ die Entdeckung des letzten Kinojahres, Chloë Grace Moretz kennen wir aus „Kick-Ass“ und „Hugo Cabret“ und Sam Worthington darf seit „Avatar“ in fast jedem Big-Budget-Film mitspielen.
Ihr Kameramann Stuart Dryburgh, Oscar-nominiert für „Das Piano“, außerdem „Lone Star“, „Reine Nervensache“ und „Der Einsatz“, setzte die düstere Geschichte in adäquaten Bildern, die immer einen Hauch von Geheimnis bewahren und deren Südstaaten-Schwüle, wenn es nicht gerade aus Kübeln regnet, aus jedem Bild tropft, um.
Und wenn Souder und Heigh am Ende die Mörder (jedenfalls von einigen der Morde) überführen, die Verhaftung misslingt dann schon auf eine grotesk-fatale Weise, gibt es wenig Hoffnung, dass sich die Verhältnisse in den Südstaaten ändern. Nur für eine der Frauen gibt es einen Hoffnungsschimmer auf ein besseres Leben.
„Texas Killing Fields“ ist eben ein waschechter, wenn auch etwas unspektakulärer Südstaaten-Noir, der eher der Logik eines Fiebertraums gehorcht.
Texas Killing Fields – Schreiendes Land (Texas Killing Fields, USA 2011)
Regie: Ami Canaan Mann
Drehbuch: Donald F. Ferrarone
mit Sam Worthington, Jeffrey Dean Morgan, Jessica Chastain, Chloë Grace Moretz, Sheryl Lee, Tony Bentley, Stephen Graham, Jason Clarke
Kommissarin Lucas: German Angst (D 2007, R.: Thomas Berger)
Drehbuch: Thomas Berger
LV: Friedrich Ani: German Angst, 2000
Nazis entführen die deutsche Frau eines Nigerianers. Sie fordern die Abschiebung seiner Tochter. Kommissarin Lucas ermittelt und gerät zwischen dabei zwischen die politischen Fronten.
Klingt ziemlich konstruiert-didaktisch. Aber die „Südthüringer Zeitung“ sieht es anders: „Ein starker, ein relevanter Film also, der seine Schwächen allenfalls gegen Ende hat, als der Entführungsfall zu einem ebenso überstürzten wie überzogenen Ende geführt wird. Dennoch ist “German Angst” ein beachtenswerter Krimi, der auf mutige Weise den Unterhaltungsanspruch mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag eint.“
Mit Ulrike Kriener, Thure Riefenstahl, Michale Roll, Monica Bleibtreu, Tilo Prückner, Anke Engelke
München 1972 – 8 Regisseure sehen die Olympischen Spiele (USA/D 1972, R.: Juri Oserow [Frankreich], Mai Zetterling [Schweden], Arthur Penn [USA], Michael Pfleghar [Deutschland], Kon Ichikawa [Japan], Milos Forman [Tscheslowakei], Claude Lelouch [Frankreich], John Schlesinger [Großbritannien])
Drehbuch: Deliara Ozerowa, David Hughes, Arthur Penn, Michael Pfleghar, Shuntara Tanikawa, John Schlesinger
Doku, die 1974 den Golden Globe als bester Dokumentarfilm erhielt, und die vor allem wegen der Regisseure bemerkenswert ist. Denn sie inszenierten nicht die normale 08/15-Sportreportage, sondern Kurzfilme, die sich um einen bestimmten Aspekt der Spiele drehen. Nämlich: The Beginning, The Strongest, The Highest, The Women, The Fastest, The Decathlon, The Losers, The Longest; – so die Titel der einzelnen Filme, von höchst unterschiedlicher Qualität.
„‚Visions of Eight‘ (Originaltitel) hingegen hinterlässt eher ein Gefühl der Ratlosigkeit, denn er befriedigt mit Ausnahme weniger Episoden weder die Bedürfnisse der Sportinteressierten noch die des Cinephilen.“ (Klaus-Peter Koch: Visions of Eight, in Lars-Olav Beier/Robert Müller, Hrsg.: Arthur Penn, 1998)
Koch empfiehlt vor allem die Filme von Milos Forman und John Schlesinger.
Die Musik ist von Henry Mancini.
Laut Wikipeida (und der erste YouTube-Clip bestärkt das) lief die Doku zuletzt vor zehn Jahren auf Arte. Für „TV Spielfilm“ ist sie sogar eine TV-Premiere.
auch bekannt als „München 1972 – Acht berühmte Regisseure sehen die Spiele der XX. Olympiade“
Wiederholungen
BR, Donnerstag, 26. Juli, 01.15 Uhr (Taggenau!)
RBB, Donnerstag, 2. August, 23.00 Uhr
NDR, Mittwoch, 8. August, 00.00 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Wikipedia über „München 1972 – 8 Regisseure sehen die Olympischen Spiele“ (deutsch,englisch)
Die Assistenten von DCI Tom Barnaby wechseln. Aber die Grundpfeiler der britischen Krimiserie „Inspector Barnaby“, die im Original, nach dem Handlungsort, „Midsomer Murders“ heißt und von 1997 bis 2011 von ITV ausgestrahlt wurde, bleiben gleich.
Tom Barnaby ist glücklich verheiratet mit Joyce und ihre Tochter Cully wird zwar älter, aber sie bereitet den Eltern keine Probleme. Sogar ihre gut erzogenen Freunde sind unter den strengen Augen des Vaters akzeptabel. Die Barnabys sind das Vorbild für eine glückliche Mittelstandsfamilie.
Auch die Grafschaft Midsomer, in der sie leben, erfüllt jedes Klischees des ländlichen Englands, in dem die Welt noch heil ist. Es gibt keine Drogen. Außer Alkohol. Aber keine Alkoholiker. In Midsomer gibt es nur Genusstrinker. Es gibt keine Hippies oder Punks. Sogar die Jugendlichen freuen sich über einen schönen, altmodischen Bauerntanz. Es gibt auch keine Ausländer oder Neger. Auch Lesben und Homosexuelle scheinen diesen englischen Landstrich zu meiden. All diese Schrecknisse der Moderne und der Großstadt sind in Midsomer bislang nicht angekommen.
Eigentlich ist Midsomer sogar so friedlich, dass die Einwohner ihre Fahrräder und Wohnungen nicht abschließen. Es gibt nur eine Mordrate, die sogar für eine Großstadt beeindruckend ist. Und vielleicht gerade deswegen kriegen die Bewohner der Grafschaft Midsomer keine Schrei- und Panikattacken, wenn sie mal wieder eine Leiche entdecken. Immerhin werden in den 81 Folgen der Krimiserie zweihundert Menschen ermordet.
Auch bei den Barnabys wird sich über Tom Barnabys neuesten Mordfall beim Frühstück unterhalten, als ob es um die gemeinsame Abendplanung ginge. Und wenn die Familie Barnaby mal gemeinsam, wie in „Nass und Tod“ (Dead in the Water, GB 2004), zu einer Regatta geht, packt Joyce anschließend schulterzuckend den Picknickkorb zusammen. Es war ja klar, dass ihr Mann auch hier in einen Mordfall stolpert. So ist das Leben in der Grafschaft Midsomer.
Die zuletzt erschienenen DVD-Boxen „Volume 14“ und „Volume 15“ mit jeweils vier „Inspector Barnaby“-Fällen bieten einen Querschnitt durch die Fälle. Denn, wie auch in den vorherigen „Inspector Barnaby“-Boxen, sind die Fälle bunt aus verschiedenen Jahren und mit verschiedenen Assistenten zusammengewürfelt. Nur an den wechselnden Assistenten, an Cullys Alter und den im Polizeirevier stehenden Computern kann erahnt werden, wann der Krimi entstand.
Dabei sind die besseren Fälle von „Inspector Barnaby“ präzise Milieustudien der englischen Upper-Class, der Lords und der Neureichen, die sich teilweise seit Jahrzehnten, manchmal auch nur seit einigen Jahren, auf das innigste hassen und bekämpfen. Es gibt auch den verarmten Adel. Neid und Missgunst sind daher probate Mordmotive.
In den schlechteren Fällen (die sich eher auf „Volume 14“ befinden) wird dieser Kampf zwischen Reich und Arm dann zu einem possenhaftem Bauerntheater, das überdeutlich auf die Absurdität der Grundkonstellation der Serie hinweist.
Aber diese Cozy-Grundkonstellation bietet auch einen höchst beunruhigenden Blick in die menschliche Psyche. Denn auch wenn der Mord als eine schöne Kunst betrachtet wird, bei dem die Lösung vor allem ein intellektuelles Ratespiel ist und wenn der Mörder überführt wird, die Welt wieder in Ordnung ist, kann die absurd hohe Midsomer-Mordrate und der britische unterkühlte Umgang mit den Toten nicht darüber hinwegtäuschen, dass in jeder Folge, in der es normalerweise mehrere Morde gibt, auch immer gesagt wird: „Wir brauchen keine Ausländer und keine renitenten Jugendliche, um uns gegenseitig umzubringen. Ein gut gepflegter Nachbarschafts- oder Familienstreit tut es auch. Und wenn man mit einem Mord seine Probleme lösen kann, dann tu es ruhig. Wissen Sie, das Böse ist schon lange ein akzeptierter Teil unserer Gemeinschaft.“
So gesehen sind die „Midsomer Murders“ viel beunruhigender als sich in schrecklichen Bildern und nihilistischen Tiraden badende, sich realistisch und düster nennende Krimis, in denen die Welt anscheinend aus, teils geistig minderbemittelten, Berufsverbrechern besteht und man sich immer sagen kann, dass das einen nicht betrifft, weil man ja ein ehrlicher, gesetztestreuer Bürger ist. Wie die Bewohner der Grafschaft Midsomer, die keine Probleme haben einen Malkurs oder eine Blumenschau mit einem Mord zu verbinden.
Manchmal, wie in „Die Blumen des Bösen“ (Orchis Fatalis), sind die Motive für die Mordserie sogar für die Bewohner von Midsomer ziemlich abstrus. In dem Fall wird sogar eine Frage nicht geklärt: Wie kommt ein China-Restaurant nach Midsomer?
Postskriptum: Nachdem John Nettles als Inspector Tom Barnaby 2011 den Dienst in Midsomer quittierte, haben die Macher sich entschlossen, die Serie von „Midsomer Murders“ in „Barnaby“ umzubenennen (die internationalen Verkäufe könnten eine Rolle gespielt haben) und mit Barnabys jüngerem Cousin John Barnaby (gespielt von Neil Dugeon) fortzuführen. Seinen ersten eigenen Fall „Death in the slow lane“ löste er am 23. März 2011.
Also ändert sich sogar der Ermittler, aber ‚Merry Old England‘ bleibt ‚Merry Old England‘.
mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), , Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy, 1997 – 2003), John Hopkins (Sergeant Dan Scott, 2004 – 2005), Jason Hughes (DS Ben Jones, 2005 – 2011), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)
Inspector Barnaby – Vol. 14
Edel
Bild: 16:9 (PAL)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 389 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre (wegen der Hochzeitsepisode „Bloody Wedding“)
–
Die bunt-gemischten Ermittlungen
Ganz in Rot (Blood Weeding, GB 2008, Staffel 11, Folge 2)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: David Lawrence
–
Mord mit Rendite (Market for Murder, GB 2002, Staffel 5, Folge 1)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: Andrew Payne
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Der Tod und die Lady (A Talent for Life, GB 2003, Staffel 6, Folge 1)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: David Hoskins
mit Honor Blackman
–
Der Tod malt mit (Painted in Blood,GB 2003 Staffel 6, Folge 3)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: Andrew Payne
Inspector Barnaby – Vol. 15
Edel
Bild: 16:9 (PAL)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 384 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
–
Die etwas weniger bunt gemischten Ermittlungen
Unglücksvögel (Birds of Prey, GB 2003, Staffel 6, Folge 5)
Regie: Jeremy Silberston
Drehbuch: Michael Russell
–
Immer wenn der Scherenschleifer… (Bad Tidings, GB 2004, Staffel 7, Folge 2)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: Peter J. Hammond
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Grab des Grauens (The Fisher King, GB 2004, Staffel 7, Folge 3)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Isabelle Grey
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Die Blumen des Bösen (Orchis Fatalis, GB 2005, Staffel 8, Folge 3)
Terroristen entführen ein US-Passagierflugzeug. Die Delta Force rückt aus, um den Entführern Manieren beizubringen.
Obwohl „Delta Force“ auf der Entführung des TWA Flug 847 am 14. Juni 1985 basiert, ist Menahem Golans Werk „ein weiteres Monument der Ramb-Ideologie“ (Fischer Film Almanach 1987) und wäre nicht besonders bemerkenswert, wenn die Produzenten Menahem Golan und Yoram Globus, die Cannon-Chefs, die damals als B-Actionfilmschmiede das Bild das Actionkinos bestimmte („Missing in Action“, „Invasion U. S. A.“, „Die City-Cobra“ und viele mehr), nicht so viele Stars für ihren Film verpflichtet hätten. Der Film selbst zerfällt in zwei Hälften: in der ersten wird ziemlich realistisch die Entführung und die Reaktionen der Passagiere gezeigt; in der zweiten entwickelt sich eine abstruse Befreiungsorgie, die komplett auf jegliche Logik verzichtet. Immerhin lernen wir die Chuck-Norris-Methode des effizienten Umbringen des Bösewichts kennen.
Der Rest sind Hurra-Patriotismus für die USA (typisch für Golan/Globus-Filme) und Israel (sehr untypisch), arabische Klischee-Bösewichter und viel Action.
Der Film war bis Juli 2011 indiziert. Nachdem er vom Index genommen und neu geprüft wurde, erhielt er eine „FSK ab 16 Jahre“-Freigabe. Deshalb müsste er heute ungeschnitten im TV laufen.
„Delta Force“ ist auch der letzte Film von Lee Marvin.
mit Chuck Norris, Lee Marvin, Martin Balsam, Joey Bishop, Hanna Schygulla, Robert Forter, Lainie Kazan, George Kennedy, Susan Strasberg, Bo Svenson, Robert Vaughn, Shelley Winters, Kim Delaney, Liam Neeson (ungenannt, als Delta-Force-Mitglied)
Kein Koks für Sherlock Holmes (USA/GB 1976, R.: Herbert Ross)
Drehbuch: Nicholas Meyer
LV: Nicholas Meyer: The Seven-per-cent Solution, 1975
Dr. Watson bugsiert Sherlock Holmes nach Wien zu einer Therapie bei Dr. Sigmund Freud. Als sie in einen mysteriösen Kriminalfall stolpern erwachen die kleinen grauen Zellen des Meisterdetektivs.
Vergnügliche Liebeserklärung an Holmes und Watson und eine vergangene Zeit.
Mit Alan Arkin, Nicol Williamson. Robert Duvall, Laurence Olivier, Vanessa Redgrave, Samantha Eggar, Charles Gray
Der angesehene Kinderpsychologe Carter Nix hat Probleme mit seinen verschiedenen Persönlichkeiten. Besonders Kain löst Probleme mit anderen Menschen gerne final.
Unterschätzter De-Palma-Film. Denn: “Raising Cain is (…) one of De Palma’s most challenging, elliptical and darkly comic films. Because of its refusal to ‘make it easy’ for the audience, it is also the least understood and appreciated film from his ‘red phase’.” (Senses of Cinema)
Mit John Lithgow, Lolita Davidovich, Steven Bauer, Frances Sternhagen, Gregg Henry
Einige nichtsnutzige Jugendliche, die in einem heruntergekommenen Gemeinschaftszentrum (Gibt es auch andere?) ihre Sozialstunden ableisten müssen, werden während eines Gewitters von einem Blitz getroffen und entwickeln Superkräfte.
Klingt doch gut?
Aber nach der ersten Folge der BBC-Serie „Misfits“ wollte ich mir die restlichen fünf Folgen der ersten Staffel nicht mehr ansehen. Denn die deutsche Synchronisation, so ein pseudo-hipper Pseudo-Nord-Neukölln-Assi-Slang, vergällte mir jede Lust.
Dann sah ich mir die zweite Folge im Original an und es war besser. Jedenfalls klang der Slang natürlicher und es entwickelt sich auch der Beginn einer folgenübergreifenden Geschichte. Denn nicht nur die fünf Straftäter, sondern auch andere Menschen hatten neue Kräfte bekommen.
Aber gerade dieser Strang wird von Autor Howard Overmann, der die Serie erfand und alle Drehbücher schrieb, nicht weiterverfolgt. Die Superkräfte, – die da wären: eine kann Gedanken lesen, eine kann durch Berührung Männer in sie begehrende Sexbestien verwandeln, einer kann in die Zukunft sehen und sie verändern, einer kann sich unsichtbar machen und das Plappermaul der Gruppe weiß bis zum Ende der ersten Staffel nicht, was für eine Superkraft er hat -, spielen in den meisten Folgen keine oder nur eine marginale Rolle. Ein Gimmick eben.
Stattdessen entwickelt sich ein halbgarer Krimi. Denn in der ersten Folge wird der Bewährungshelfer der Jugendlichen durch das Gewitter zu einer von einem Wut-Virus infizierten Bestie, die die Jugendlichen umbringen will. Sie sind schneller und vergraben die Leiche unter einer Autobrücke. In der zweiten Folge taucht die Freundin des Toten als ihre neue Betreuerin auf. Sie will herausfinden, was mit ihrem Freund geschah und sie glaubt, dass die Jugendlichen etwas damit zu tun haben.
Neben dem Krimiplot erfahren wir in den einzelnen Folgen etwas über die Wünsche und Sehnsüchte unserer jugendlichen Outcasts. Aber das alles könnte auch gut, wahrscheinlich sogar besser, ohne das Superkräfte-Gedöns gezeigt werden. Denn meistens spielen ihre neuen Kräfte keine entscheidende Rolle für die Geschichte. Auch die potentiellen Konflikten zwischen den Wünschen der Jugendlichen, die nur ihr Vergnügen wollen, und dem allseits bekanntem Superheldenethos, der aufgrund seiner Kräfte die Welt zu einem besseren Ort machen muss (Spider-Man!), werden höchstens gestreift. Es gibt daher auch keine Kämpfe gegen andere Superhelden. Sogar in der letzten Episode, in der eine Sekte Jugendliche zu einem tugendhaftem Leben verführt (naja, genaugenommen manipuliert deren Anführerin mit ihrer gedankenverhexenden Superkraft die Menschen dazu), könnte locker ohne die Superkräfte der „Misfits“ auskommen.
Insofern war ich, trotz einiger Lacher, schwer enttäuscht von den „Misfits“.
P. S.: Die Freigabe der FSK „ab 18 Jahre“ bezieht sich nur auf die zweite Folge. In der hat einer der Jugendlichen Sex mit einer Frau, deren Superkraft ist, dass sie sich wieder in eine junge Schönheit verwandeln kann. Das führt beim Sex zu einem für den Jungen schockierendem Erlebnis. Aber ob wirklich etwas nackte Haut der Grund für die FSK-18 war, weiß ich nicht.
Jedenfalls wurde so eine Serie für Jugendliche zu einer Serie gemacht, die von Jugendlichen nicht gesehen werden kann, und im Fernsehen erst nach 22.00 Uhr (die FSK-18-Folge noch später) gezeigt werden kann.
Misfits – Staffel 1 (Misfits, GB 2009)
Regie: Tom Green (Episode 1, 2,4), Tom Harper (Episode 3, 5, 6)
Drehbuch: Howard Overman
Erfinder: Howard Overman
mit Antonia Thomas (Alisha Bailey), Robert Sheehan (Nathan Young), Lauren Socha (Kelly Bailey), Iwan Rheon (Simon Bellamy), Nathan Stewart-Jarrett (Curtis Donovan), Alex Reid (Sally)
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DVD
Polyband
Bild:16:9
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Behind the Scenes, Simon’s Films, The Making of Misfits, Wendecover
Bankräuber Bill Cox nimmt die Familie von Jack Stanfield, Sicherheitschef bei einer Bank, gefangen. Er verlangt von Stanfield, dass dieser ihm bei dem Bankraub hilft. Stanfield versucht den Bankraub zu verhindern und seine Familie zu retten.
Gut, die Story ist mit etwas Hightech-Voodoo aufgebretzelte Dutzendware, aber die Riege der altbekannten Gesichter und die Schlägerei am Ende (sie war auch für den World Stunt Award/Taurus-Award als bester Kampf) entschädigt dafür.
„Firewall“ ist ein B-Picture mit Starpower.
mit Harrison Ford, Virginia Madsen, Paul Bettany, Carly Schroeder, Jimmy Bennett, Mary Lynn Rajskub, Robert Forster, Robert Patrick, Alan Arkin