Sin City (USA 2005, R.: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino [special guest director])
Drehbuch: Frank Miller
LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])
Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt.
Heute läuft nicht die Kinofassung, sondern die etwas längere „Recut & Extended“-Version, mit einer Betonung auf „Recut“.
Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood
Die erste Überraschung erleben die Menschen, die bislang noch keinen von Lee Childs Jack-Reacher-Romanen gelesen haben, nach ungefähr zehn Minuten. Denn bis dahin baute Drehbuchautor und Regisseur Christoper McQuarrie in seiner Verfilmung von „Sniper“ (One Shot) die Spannung auf die Ankunft des edlen Retters kontinuierlich auf.
In Pittsburgh, Pennsylvania, erschießt ein Sniper am helllichten Tag fünf Menschen. Detective Emerson (David Oyelowo) sichert die Beweise und schnell hat er einen wasserdichten Fall gegen James Barr (Joseph Sikora). Dieser verlangt nur, dass Jack Reacher geholt werden soll. Aber dieser Reacher ist ein Geist. Er war Militärpolizist, jetzt reist er ohne Gepäck durch die USA und als er in den Nachrichten von der Anklage gegen Barr hört, macht er sich auf den Weg nach Pittsburgh.
Aber er reitet in das Büro des zuständigen Staatsanwalts Rodin (Richard Jenkins) nicht als der große Retter Shane ein, sondern er ist ein Racheengel der nur aus einem Grund nach Pittsburgh gekommen ist: er will sich vergewissern, dass Barr auch wirklich für diese Tat verurteilt wird. Während des Golfkriegs ermordete der Army-Scharfschütze mehrere US-Soldaten aus dem Hinterhalt. Aufgrund höherer politischer Erwägungen und zu Jack Reachers Ärger entging Barr damals seiner Bestrafung.
Das scheint jetzt nicht wieder zu passieren und Reacher will die Stadt wieder verlassen. Aber da bittet Barrs Verteidigerin Helen Rodin (Rosamund Pike) ihn, in dem Ort zu bleiben und sich als ihr Ermittler die Beweise noch einmal anzusehen. Immerhin hat Barr, bevor er ins Koma geprügelt wurde, ausdrücklich darum gebeten, Jack Reacher zu rufen.
Reacher sieht sich die Beweise an und, weil sie zu gut sind, um wahr zu sein, beginnt er nach dem wahren Mörder und den Hintergründen für die Tat zu suchen. Das ist jetzt auch für die Menschen, die noch keinen Jack-Reacher-Roman gelesen haben (es aber unbedingt nach dem Filmbesuch tun sollten) keine Überraschung. Ebenso, dass Jack Reacher eine Menge Ärger bekommt und letztendlich in der Stadt kräftig aufräumt.
Dabei verlässt Jack Reacher sich weniger auf seine Kampfkünste, als auf seinen Verstand und seine Beobachtungsgabe. So scheint er bereits schnell das halbe Komplott durchschaut zu haben.
Drehbuchautor und Regisseur Christopher McQuarry („Die üblichen Verdächtigen“, „Operation Walküre“) bemüht sich kräftig, Jack Reacher in möglichst jeder Szene als den großen mythologischen Helden zu inszenieren und er plündert dabei fast jedes Western-Topoi, das irgendwie in den Film hineinpasst und gibt ihm in jeder Szene mindestens einen Oneliner. Dabei ist „Jack Reacher“, wie Lee Childs grandioser Roman „Sniper“, an den der Film sich weitgehend hält, in erster Linie ein Rätselkrimi, in dem ein smarter Ermittler den Mörder (dessen Identität uns Zuschauern von Anfang an bekannt ist) und dessen Auftraggeber sucht. Denn er glaubt nicht, dass die Opfer zufällig ausgewählt wurden.
Der Auftraggeber für die Morde, The Zec, ist ein grandioser Besetzungscoup. Denn er wird von Werner Herzog gespielt, der in den Siebzigern einer der wichtigsten Regisseure des Neuen Deutschen Films war, in den Neunzigern bei uns in Vergessenheit geriet, während er in den USA als Regisseur von Spiel- und Dokumentarfilmen bekannt wurde und dort schon fast kultisch verehrt wird; was sicher auch an seinem Humor liegt. Jedenfalls darf er als Zec, mit ausdruckloser Mine und in der Originalfassung seinem wunderschönem Akzent, einige so tiefsinnige, absurde und böse Sätze sagen, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft. Wahrscheinlich haben McQuarrie und Cruise (der den Film auch produzierte) als sie Herzog engagierten, einfach ihrem Fantum nachgegeben. Jedenfalls war das eine kluge Entscheidung.
„Jack Reacher“ ist ein guter, wenn auch unspektakulärer Thriller mit einem in jeder Beziehung angenehmen Retro-Touch, bei dem die Schauspieler, die Dialoge und altmodische Erzähltugenden im Vordergrund stehen. Entsprechend unaufgeregt inszenierte McQuarrie den Film und Tom Cruise gibt – nachdem die Fans der Romane Cruise lautstark wegen seiner Körpergröße ablehnten (immerhin ist Reacher in den Romanen fast zwei Meter und Tom Cruise ist nur 1,70 Meter) – einen überzeugenden Jack Reacher. Denn er ist im Film genausowenig zu stoppen wie in den Romanen. Außerdem sind die wenigen Action-Szenen, die angenehm altmodisch ohne Wackelkamera, Schnittgewitter und „Mission Impossible“-Overkill inszeniert wurden, so auch viel glaubwürdiger. Denn welche Bande von Kleinstadtmachos fängt eine Schlägerei mit einem Zwei-Meter-Muskelprotz an? In „Jack Reacher“ versuchen sie es. Kurz darauf sind liegen sie krankenhausreif auf dem Boden.
Und was hätten die Die-Hard-Fans der Romane zu Brad Pitt, Hugh Jackman, Jamie Foxx, Vince Vaughn und Will Smith, die alle vor Tom Cruise für die Rolle im Gespräch waren, gesagt?
mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)
Pee-wee’s irre Abenteuer (USA 1985, R.: Tim Burton)
Drehbuch: Phil Hartman, Paul Reubens, Michael Varhol
Musik: Danny Elfman
Anscheinend lief Tim Burtons Spielfilmdebüt „Pee-wee’s irre Abenteuer“, eine Auftragsarbeit von und für den damals populärem Paul Reubens, schon einmal im Fernsehen: 1995 auf Sat.1. Jetzt zeigt Arte die Komödie im Rahmen seiner Tim-Burton-Reihe und als Vorbereitung für seinen neuen, empfehlenswerten Film „Frankenweenie“ (Kinostart: 24. Januar).
Pee-wee Herman „wandelt wie ein Idiot durch einen idiotischen Film, immer auf der Suche nach seinem geklauten Fahrrad. Er findet es in einem Filmstudio, wo verschiedene – wohlbekannte – Filme in Arbeit sind, in die er hineinstolpert. Sinnfälliger kann man nicht machen, dass das gute alte Hollywood zum Selbstbedienungsladen für erbärmliche Epigonen verkommen ist.“ (Fischer Film Almanach 1987) Ähem.
Burtons zweiter Film „Beetlejuice“ läuft bereits um 20.15 Uhr.
Mit Paul Reubens (aka Pee-wee Herman), Elizabeth Daily, Mark Holton, Diane Salinger, Mark Landis, James Brolin, Morgan Fairchild
In Frankreich wird eine junge Frau in einem Gebirgsfluss wach. Sie hat, wie wir, keine Ahnung, wie sie dorthin gelangte und, als sie kurz darauf in einem Dorfhotel eincheckt, hat sie auch keine Ahnung, wie sie heißt und wo sie herkommt. Aber sie hat einen Seesack voller 100-Euro-Geldbündel und eine Pistole. In den Nachrichten hört sie Meldungen über die in der Nähe stattgefundenen Morde an einem Politiker und zwei weiteren, noch unbekannten Toten. Hat sie etwas damit zu tun?
Nun, selbstverständlich. Aber bis wir erfahren, was sie mit den Morden zu tun hat, erleben wir hundert spannende Minuten, die man besser nicht zu sehr auf Wahrscheinlichkeit überprüft und die politische Ebene nimmt man besser als MacGuffin; also als Element, das die Handlung in Gang setzt und vorantreibt, ohne das es genauer erklärt wird.
Denn die schöne Unbekannte scheint aus Dänemark zu kommen und ein Musikstück löst bei ihr Erinnerungen aus. Als sie in Kopenhagen ankommt, erfährt sie, dass sie Ida heißt, die Frau des Opernsängers Just Ore ist und er, ihr Bruder und ihre Freunde als Studenten Mitglieder einer radikalen politischen Gruppe waren.
Während sie noch versucht, ihr Gedächtnis wieder zu erlangen, wird sie von von zwei Männern verfolgt, die sie bereits in Frankreich verfolgten. Die beiden Männern kennen sie von früher. Denn sie waren, als sie sie auf einem Überwachungsvideo erkannten, über ihr Auftauchen in Frankreich sehr erstaunt und auch ihr Mann Just Ore scheint etwas mit den seltsamen Ereignissen und ihren Verfolgern zu tun zu haben.
„ID:A – Identität Anonym“, ist ein feiner, kleiner Thriller, der seine Geheimnisse, als die Heldin Ida während eines weiteren traumatischen Ereignisses ihr Gedächtnis wiedererlangt, in einer für meinen Geschmack zu langen Rückblende enthüllt.
Davon abgesehen erinnert Christiansens Film an die paranoiden französischen Polit- und Psycho-Thriller der sechziger und siebziger Jahre, in denen eine Gesellschaft gezeichnet wird, in der es mafiöse Verbindungen zwischen Verbrechern und Politikern, oft auch Geheimdienstlern, Polizisten und hochrangigen Beamten, gibt, die einen Staat im Staat bilden. Der Held wird von ihnen und ihrer allumfassenden Macht bedroht und er kann nie seiner Wahrnehmung und seinem Gedächtnis trauen; vor allem, weil alle anderen mehr über ihn wissen und er nie weiß, ob oder wie sehr er belogen wird. In „ID:A – Identität anonym“ lebt diese paranoide Stimmung wieder auf.
P. S.: Für die deutsche Fassung wurde die Tonspur komplett synchronisiert. In der Originalfassung wird in den ersten gut zwanzig Minuten, solange Ida in Frankreich ist, französisch gesprochen.
ID:A – Identität anonym (ID:A, Dänemark 2011)
Regie: Christian E. Christiansen
Autor : Tine Krull Petersen
LV: Anne Chaplin Hansen: På knivens æg, 2000
mit Tuva Novotny, Flemming Enevold, Carsten Bjørnlund, Arnaud Binard, John Buijsman, Rogier Philipoom, Jens Jørn Spottag
–
DVD
Ascot-Elite
Bild: 2,35:1 (16:9 PAL)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Dänisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Deutscher und Originaltrailer, Wendecover
Auf einem Laster, der Schrott nach Polen transportieren soll, wird die Leiche eines Tischlers gefunden, der im Scheunenviertel lebte. Das Wohn- und Gewerbegebiet in Berlin-Mitte soll luxussaniert werden. Deshalb wollen der Besitzer des Hauses und ein Makler die alten Mieter aus dem Wohnblock vertreiben. Kommissar Markowitz glaubt, dass der Tote etwas gegen sie in der Hand hatte.
Dichte Milieustudie, die die Veränderungen im Nachwendeberlin reflektiert. Denn schon damals wurde gnadenlos gentrifiziert.
Zuletzt lief „Berlin – Beste Lage“ vor 22. September 2004 im Fernsehen. Auch die anderen Markowitz-“Tatorte“ werden selten gezeigt.
Die acht Markowitz-“Tatorte“ sind immer noch ein Rätsel. Denn der SFB (heute RBB) produzierte von 1991 bis 1995 eine Reihe hochkarätiger „Tatorte“, die die damaligen Veränderungen in Berlin reflektierten. Und das in einer Qualität, die davor und danach nicht erreicht wurde. Denn davor ermittelte Heinz Drache als Kommissar Bülow (Gähn!), danach Winfried Glatzeder als Kommissar Roiter (Grusel! Zwei Giftschrankfolgen und „Ein Hauch von Hollywood“, der so schlecht war, dass er an einem Montag um 23.00 Uhr versendet wurde).
mit Günther Lamprecht, Hans Nitschke, Claudia Balko, Thomas Schendel, Renate Küster
Es hilft wirklich, vor dem „Genuss“ des Films die offizielle Inhaltsangabe zu lesen. Die verrät zwar fast den gesamten Thriller, aber so ist man beim Sehen von „Priest of Evil – Satans dunkle Wege“ nicht ganz so verloren in dem Chaos verschiedener Handlungsstränge, die sich erst langsam entwirren. Dabei verwechseln die Macher Komplexität und Rätsel einfach nur mit Schlamperei beim Konstruieren der Geschichte.
Denn diese ist letztendlich ziemlich einfach: da gibt es einmal einen durchgeknallten, religiösen Mörder. Als er eines seiner Opfer vor die U-Bahn schubst, beginnt Kommissar Timo Harjunpää zu ermitteln. Er ist – klar – ein Superbulle, der allerdings seit zwei Jahren kaum noch arbeitsfähig ist, weil ein Jugendlicher seine Tochter nach einem Discobesuch ermordete. Als der Täter jetzt entlassen wird, will Harjunpää irgendwie seine Tochter rächen. Der Handlungsstrang endet aber ziemlich schnell im Nirgendwo. Seine Frau hat einen eher milden religiösen Rappel und macht ihn immer noch für den Tod ihrer Tochter verantwortlich. Immerhin ist ihre zweite Tochter normal.
Und – Überraschung! – der U-Bahn-Mörder, der gleichzeitig ein Serienmörder mit einer Mission ist, nähert sich Harjunpääs Frau.
So weit, so konventionell. Aber Drehbuchautor Leo Viirret rückt diese Informationen nur bruchstückhaft heraus und überlässt uns so lange die Denkarbeit, bis wir uns nicht mehr darüber freuen, dass wir einige Sachen herausgefunden haben, ohne dass die Charaktere sie ausgesprochen haben oder sie uns gezeigt werden, sondern dass wir uns darüber ärgern, dass der Autor seine Arbeit, nämlich eine Geschichte zu schreiben, bei der wir mit den Charakteren, weil wir ihre Motive verstehen, mitfiebern, nicht getan hat. Die Charaktere sind uns nämlich alle herzlich egal.
Regisseur Olli Saarela inszenierte das dann zwar optisch ansprechend wie einen überlangen Videoclip, aber ohne Gespür für Dramaturgie an austauschbaren Orten. Sowieso könnte die Geschichte genausogut in irgendeiner anderen Großstadt spielen. Die Schauspieler, vor allem die Polizisten, sehen wie eine Abteilung der Hells Angels aus. Die halbe Zeit benehmen sie sich auch so.
Immerhin ist der vermurkste Film schnell vergessen.
Priest of Evil – Satans Dunkle Wege (Harjunpää ja pahan pappi, Finnland 2010)
Regie: Olli Saarela
Drehbuch: Leo Viirret
LV: Matti Yrjänä Joensuu: Harjunpää ja pahan pappi, 2003 (Das Taubenritual)
mit Peter Franzén, Irina Björklund, Sampo Sarkola, Rosa Salomaa, Tommi Korpela, Ville Virtanen, Jenni Banerjee, Maria Järvenhelmi
–
DVD
Ascot-Elite
Bild: 2,35:1 (16:) PAL)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Finnisch (Dolby Digital 5.1)
Little Miss Sunshine (USA 2006, R.: Jonathan Dayton, Valerie Faris)
Drehbuch: Michael Arndt
Die siebenjährige Olive Hoover will an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen. Also macht sich die Familie (eine sympathische Ansammlung gescheiterter Existenzen) in einem klapprigen VW-Bus auf den Weg quer durch die USA.
„Sehenswert.“ (Lexikon des internationalen Films)
Ein Feelgood-Independent-Movie, das unter anderem zwei Oscars erhielt (Drehbuch und beste Nebenrolle, es war auch als bester Film des Jahres nominiert) und ein Kritiker- und Publikumserfolg war.
Mit Abigail Breslin, Greg Kinnear, Paul Dano, Alan Arkin, Toni Collette, Steve Carell
Wie in den vergangenen Jahren präsentiert 3sat am letzten Tag des Jahres mehr als 25 Stunden lang Konzerte von bekannten Musikern und Bands. Die meisten Mitschnitte dürften erstmals im Fernsehen gezeigt werden und die Höhepunkte sind etwas ungleich verteilt. Es geht los mit Bluesrocker Joe Bonamasa.
Um 07.00 Uhr bluest Gary Moore („Blues for Jimi“), um 08.00 Uhr Muddy Waters & The Rolling Stones, um 08.45 Uhr The Doors“, um 09.30 die Doobie Brothers und danach wird es uninteressanter. Denn es folgen unter anderem Sade (um 13.45 Uhr), Simon & Garfunkel (um 15.45 Uhr, das 2003er Madison-Square-Garden-Konzert und nach meiner Meinung der letzte Höhepunkt des Tages), Queen (um 17.15 Uhr [die sind ja immer dabei]), a-ha (um 20.00 Uhr, das Abschiedskonzert), Coldplay (um 22.00 Uhr), Die Fantastischen Vier (um 02.00 Uhr) und, als Abschluss, Iron Maiden (um 05.45 Uhr).
Na, da ist es doch gut, dass der Originaltitel „Grabbers“ nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Denn dann stünde da „Grabscher“ und ob das so verkaufsfördernd wäre, wage ich zu bezweifeln.
Denn „Grabbers“ ist eine in Irland spielende Alien-Invasionskomödie und schon das Zusammentreffen von irisch-kernigen Inselbewohnern, die jedes Irlandklischee bestätigen, und Aliens, die in dem Film in zwei Varianten vorkommen, – die eine Variante der Grabscher sieht wie ein abgeschnittener, beißwütiger Penis, die andere wie ein Octopus mit zu vielen Tentakeln aus -, sorgt für Lacher.
Bevor die Stadtpolizistin Lisa Nolan (Ruth Bradley) für einige Tage als Urlaubsvertretung nach Erin Island kommt, landen die Außerirdischen im Wasser, bringen gleich eine Bootsbesatzung und Dutzende Wale um und verstecken sich in einer Höhle. Lisa Nolan ist jung, hübsch, diensteifrig und so ziemlich das Gegenteil des Inselpolizisten Ciarán O’Shea (Richard Coyle), der ein irisch-trinkfester Säufer ist, mit einer entsprechend entspannten Arbeitsmoral und langen Aufenthaltszeiten im örtlichen Pub; dem einzigen auf der Insel. Seine Arbeitsmoral ist okay, weil auf Erin Island nie etwas passiert.
Doch jetzt geschehen ungewöhnliche Dinge. An den Strand wurde eine Herde toter Wale angeschwemmt, Menschen verschwinden und Paddy Barrett (Lalor Roddy), ein trinkfester Seemann, hat ein seltsames Wesen gefangen, das ihn in der Nacht umbringen will. Er überlebt – und die beiden Garda-Polizisten Ciarán O’Shea und Lisa Nolan und der Meeresbiologe Dr. Adam Smith (Russell Tovey, den wir noch aus „Sherlock: Die Hunde von Baskerville“ kennen), der von der noch unbekannten Spezis als Forschungsobjekt fasziniert ist, beginnen die Sache zu untersuchen. Dabei stellen sie schnell zwei Dinge fest: die Grabscher, wie sie sie, weil die Wesen ihre Opfer ergrabschen, nennen, brauchen zur Fortpflanzung Wasser und sie reagieren allergisch auf Alkohol.
Als für die Nacht ein Sturm angekündigt wird, gibt es nur eine Möglichkeit, den Aliens zu entkommen: unsere Helden verschanzen sich mit allen Inselbewohnern im Pub und sie sorgen dafür, dass ihr Alkoholpegel auf einer alienfeindlichen Höhe bleibt.
Bis auf die Idee, dass die Aliens am Besten mit Alkohol bekämpft werden, der ordentlichen Portion irischen Humors und einem leicht ausuferndem Erzählgestus, der eher an eine launige Erzählung in einem Pub erinnert, unterscheidet sich „Grabbers“ nicht sonderlich von den aus den vergangenen Jahrzehnten bekannten und beliebten Alien-Invasionsfilmen und natürlich ist „Grabbers“ auch eine gelungene Liebeserklärung an die B-Pictures der fünfziger Jahre, als die Aliens immer wieder Kleinstädte in den USA besuchten.
Gleichzeitig steht „Grabbers“ in der Tradition englischer Komödien wie „Shaun of the Dead“, in denen landestypische Besonderheiten liebevoll gepflegt werden und die Helden auf einen ungewöhnlichen Gegner stoßen. Der ganze Schmäh wird in „Grabbers“ mit einer Liebesgeschichte zwischen den beiden Polizisten garniert und fertig ist der vergnügliche Kinoabend mit einigen Pint Bier.
Grabbers (Grabbers, UK/Irland 2012)
Regie: Jon Wright
Drehbuch: Kevin Lehane
mit Richard Coyle, Ruth Bradley, Russell Tovey, Lalor Roddy, David Pearse, Bronagh Gallagher, Pascal Scott, Ned Dennehy
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DVD
Ascot-Elite
Bild: 1:2,35 (16:9 Widescreen)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Behind the Scenes, Outtakes, Originaltrailer, 12-seitiges Booklet
Auf der Amundsen-Scott-Forschungsstation in der Antarktis sucht US-Marshal Carrie Stetko einen Mörder.
„Whiteout“ von Autor Greg Rucka (da sollte ein deutscher Verlag mal einige seiner Romane übersetzen) und Zeichner Steve Lieber ist eine tolle Graphic Novel, die ihren größten Reiz aus dem Handlungsort (Hey, wer von uns war schon einmal in der Antarktis?) bezieht. Auf der Kinoleinwand ist der Rätselkrimi dann allerdings, trotz toller Bilder, nur begrenzt interessant. Vielleicht hätten die Macher doch zuerst den zweiten „Whiteout“-Band „Melt“, der ein actionhaltiger Thriller mit Polit-Touch ist, verfilmen sollen.
mit Kate Beckinsale , Gabriel Macht, Tom Skerritt, Columbus Short, Alex O’Loughlin, Shawn Doyle , Joel Keller
Blood Simple – Director’s Cut (USA 1984/2000, R.: Joel Coen)
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Texas: Privatdetektiv Visser findet heraus, dass Abby ihren Mann, den Barbesitzer Marty, mit einem seiner Angestellten betrügt. Marty beauftragt Visser, seine Frau und den Nebenbuhler umzubringen. Der Plan geht – selbstverständlich – gründlich schief.
Ein feiner Noir, der keine Rücksicht auf seine Charaktere nimmt.
Das Kinodebüt der Brüder Coen. Heute im vier Minuten kürzeren „Director’s Cut“. In jeder Fassung ist schon der typische Coen-Humor vorhanden.
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.
mit John Gertz, Frances McDormand, Dan Hedaya, M. Emmet Walsh, Samm-Art Williams
auch bekannt als „Blood Simple – Eine mörderische Nacht“ (Kinotitel 1985), „Blood Simple – Blut für Blut“ (Videotitel)
Der Western „Reiter ohne Gnade“ ist zwar nicht der erste Filmauftritt von Bernard Herschel Schwartz, aber der erste, in dem er nicht mehr Anthony Curtis sondern nur noch Tony Curtis hieß. Er spielt Kid Dalton (in der deutschen Synchronisation Ken Norton). Eine Nebenrolle. Die Hauptrolle hat Audie Murphy als Jesse James (in der deutschen Synchronisation Johnny Camps), der mit seinen Bruder, den Younger-Brüdern und Kid Dalton, die später als James-Younger-Gang bekannt wurden, bei dem gefürchtetem Südstaaten-Guerillaführer William Clark Quantrill (gespielt von Brian Donlevy und auch in der deutschen Synchronisation Quantrill) anheuern wollen. Denn ihr Elternhaus wurde von Nordstaatlern, die noch nicht einmal das Gewissen von Strauchdieben haben, abgebrannt und ihre Eltern getötet. Quantrill führt eine ziemlich skrupellose Ansammlung marodierender Banditen an.
Tja, und damit dürften dann auch die historischen Tatsachen schon erschöpft sein; wobei die Originalfassung deutlich näher an der historischen Wirklichkeit als die deutsche Synchronisation ist.
Jedenfalls ist Jesse James in der Originalfassung von „Reiter ohne Gnade“ noch ein Jungspund, der Quantrill hemmungslos bewundert und überhaupt nicht auf die Warnungen von Quantrills Frau hören will. Weil er ein guter Kämpfer ist, steigt er rasend schnell auf. Er tötet Quantrills rechte Hand in einem Messerkampf, ist während eines lauschigen Abends Quantrills Saufkumpan und schon darf er bei dem nächsten Überfall auf eine Stadt Verantwortung übernehmen und ist ziemlich schockiert, dass Quantrill und seine Männer skrupellos die Bewohner umbringen. Er überzeugt Quantrill, dass er sich bei den Kämpfen an Regeln halten muss. Quantrill verspricht ihm das. Als er bei einem weiteren Überfall wieder skrupellos mordet, gibt es einen Bruch in der bis dahin straff erzählten Geschichte.
Denn anstatt jetzt abzuhauen oder gegen Quantrill, der sein Wort gebrochen hat, zu kämpfen, bleiben Jesse James und seine Freunde, weil sie eh von den Nordstaatlern gehängt würden, bei Quantrill und er steht Quantrill sogar in den letzten Stunden bei. Quantrill der bis dahin als skrupellos-egomanischer Opportunist gezeichnet wurde, geht tapfer in den Tod – und Jesse James kann zum Banditen werden.
„Reiter ohne Gnade“ ist ein weitgehend schmissiger Routine-Western, der im letzten Drittel hoffnungslos den Faden verliert und sich davor auch nicht so richtig entscheiden kann, wie er Jesse James porträtieren soll. Denn dummerweise wissen wir, dass er und seine Freunde später zu gefürchteten Banditen werden. Da sind die Jahre bei Quantrill nur die Lehrjahre, in denen aus einem jungen Burschen ein Verbrecher wird. Wobei Historiker davon ausgehen, dass der damals Sechzehnjährige Jesse James, im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Frank, nicht bei Quantrill, sondern bei dem ehemaligen Quantrill-Mann William T. „Bloody Bill“ Anderson war und er die moralischen Skrupel, die er in „Reiter ohne Gnade“ hat, in Wirklichkeit nicht hatte.
Weil Ray Enright, ein vielbeschäftigter Routinier, diese Geschichte so nicht erzählen wollte, hängt „Reiter ohne Gnade“ auch mit seiner Aussage eigentümlich in der Luft.
Wenn man „Reiter ohne Gnade“ allerdings, vollkommen herausgelöst aus seinem historischen Kontext, einfach als Entwicklungsgeschichte betrachtet, in der der Held am Ende vielleicht doch ein ehrliches Leben beginnt, dann ist der B-Western kurzweilige Unterhaltung.
Das Bonusmaterial besteht aus dem Trailer, einer Bildergalerie und einem vernachlässigbarem, weil viel zu unkritischem, mit vielen Trailern verlängertem Featurette über Audie Murphy.
Zum Abschluss noch zwei Meinungen, die sich auf die deutsche Fassung beziehen:
„Handlungsreicher Audie-Murphy-Western mit atmosphärisch treffendem Zeitkolorit.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Kein bisschen historische Wahrheit in der Geschichte und den Figuren, aber viel Flair und authentisches Kolorit.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)
Und ein Wort zur Bild- und Tonqualität der DVD, die viel, viel besser als in der YouTube-Clip ist, der nur einen sehr ungefähren Eindruck von der Bildpracht des Films vermittelt.
Reiter ohne Gnade (Kansas Raiders, USA 1950)
Regie: Ray Enright
Drehbuch: Robert L. Richards
mit Audie Murphy, Brian Donlevy, Marguerite Chapman, Scott Brady, Tony Curtis, James Best, Richard Long
Drehbuch: Earl W. Wallace, William Kelley (nach einer Geschichte von William Kelley, Pamela Wallace und Earl W. Wallace)
In Philadelphia beobachtet ein achtjähriger Amish-Junge einen Polizistenmord. Auf dem Polizeirevier kann der Junge die Mörder identifizieren: es sind Kollegen des ermittelnden Detective John Book. Book muss mit dem Zeugen und seiner Mutter bei den Amish untertauchen. Dort entdeckt er eine Welt, die das Gegenteil seiner Eigenen ist.
Polizeifilmklassiker, der im Genrekostüm die Geschichte eines Culture Clash erzählt.
„Weir hat einen überaus spannenden (Kriminal-)Film geschaffen, der auf Action – mit Ausnahme der gewalttätigen Schlusssequenz, die sich aber aus der Fabel völlig motiviert – weitgehend verzichten kann, weil er von Menschen handelt, die von sich aus faszinierend genug sind.“ (Fischer Film Almanach 1986)
Das Drehbuch erhielt den Edgar Allan Poe Award, den Writers Guild of America Award (WGA Award) und den Drehbuchoscar. Peter Weir und Harrison Ford waren für Oscars nominiert und als bester Film war „Der einzige Zeuge“ ebenfalls nominiert. Die Schmonzette „Jenseits von Afrika“ erhielt dann den Oscar als bester Film.
mit Harrison Ford, Kelly McGillis, Jan Rubes, Josef Sommer, Lukas Haas, Alexander Godunov, Danny Glover, Viggo Mortensen (Debüt)
Wie sich die Zeiten ändern sieht man an „Die rote Flut“ (Red Dawn, USA 1984) und dem heute im Kino startendem Remake „Red Dawn“.
1984 war „Die rote Flut“ ein Skandalfilm, gegen den die Menschen auf die Straße gingen und Vorführungen blockierten. Regisseur und Autor John Milius („Apocalypse Now“, „Conan, der Barbar“) erzählte von einer Invasion der Russen in die USA und dem Kampf einer Gruppe Jugendlicher gegen sie. Ideologisch reflektierte der konservative Waffennarr, vollkommen ironiefrei, das damalige Klima in den USA unter Präsident Ronald Reagan und der allgemeinen Angst vor dem Weltuntergang. Neben den ganzen rechtslastigen „Rambo“- und „Missing in Action“-Filmen wurde hier am deutlichsten politische Propaganda betrieben.
Daher ist „Die rote Flut“ auch heute noch als zeithistorisches Dokument interessant. Filmisch ist die Wehrertüchtigung dagegen banal, aber mit einem aufsehenerregendem Cast. Denn die damals angesagten und kommenden Jungstars spielten mit: Patrick Swayze, C. Thomas Howell, Lea Thompson, Charlie Sheen, Darren Dalton, Jennifer Grey, Brad Savage und Doug Toby. Einige wurden danach vergessen oder zogen sich vom Filmgeschäft zurück. Die anderen kennen wir noch heute.
Ergänzt wurde der Cast um einige bewährte Schauspieler, wie Ben Johnson, Harry Dean Stanton, Ron O’Neal, William Smith, Vladek Sheybal und Powers Boothe.
2009 wurde dann ein Remake des Kalter-Kriegs-Paranoia-Werkes „Die rote Flut“ gedreht, das sich weitgehend an das Original hält und, wenn schon damals die Grundidee ziemlich idiotisch war, ist heute die Idee einer Invasion einer fremden Macht in die USA (trotz Afghanistan und Irak) vollkommen bescheuert. Und dabei ist es egal, ob die Invasoren Chinesen (wie ursprünglich geplant) oder Nordkoreaner (wie jetzt, aufgrund der – höhö – geänderten weltpolitischen Lage) sind. Die würden in der Realität die USA ganz anders in die Kniee zwingen.
Aber um Politik, verstanden als auch nur halbwegs nachvollziehbare Analyse einer realen Bedrohung, geht es in „Red Dawn“, das genauso ironiefrei und witzlos wie das Original ist, auch nicht.
„Red Dawn“ ist der feuchte Traum der Tea Party – und als solcher wirklich nur von begrenztem Interesse.
Immerhin zeigt das überflüssige Remake, was passiert, wenn man aus einem ideologischem Bollwerk eben jene ideologische Komponente entfernt und den Rest (okay, der Schlusskampf findet in „Red Dawn“ im Hauptquartier des erstaunlich blassen Bösewichts statt und es geht um einen Koffer, der einen Superdupercode enthält) beibehält: aus einem politischen Ärgernis wird ein Ärgernis.
Denn „Red Dawn“ ist absurd unpolitisches, sich manchmal politisch gebendes Actionkino, das außer den doch eher durchschnittlichen Actionszenen nichts zu bieten hat. Nie hat man den Eindruck, einen Post-9/11-Film zu sehen. Stattdessen glaubt man, in jeder Beziehung, einen dreißig Jahre alten Film, den man damals im Kino verpasst hat, zu sehen. Das führt immerhin dazu, dass die Actionszenen nicht in einem Schnittgewitter untergehen.
P. S.: Tony Gilroy, die Bourne-Filme, „Michael Clayton“ und „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“, wurde 2009, kurz vor dem Beginn des Drehs, für ein Rewrite engagiert und anscheinend änderte er nicht viel an dem Buch. In den Credits taucht er jedenfalls nicht auf und die Nationalität des Bösewichts wurde erst nachträglich geändert.
Red Dawn (Red Dawn, USA 2012)
Regie: Dan Bradley
Drehbuch: Carl Ellsworth, Jeremy Passmore, Tony Gilroy (ungenannt) (nach dem Drehbuch „Red Dawn“ von Kevin Reynolds und John Milius)
mit Chris Helmsworth, Josh Peck, Adrianne Palicki, Josh Hutcherson, Connor Cruise, Will Yun Lee, Jeffrey Dean Morgan, Brett Cullen, Isabel Lucas, Edwin Hodge, Alyssa Diaz, Julian Alcaraz, Michael Beach, Fernando Funan Chien
LV: Robert Daley: Tainted Evidence, 1993 (Nacht über Manhattan)
Der junge Staatsanwalt Casey möchte seinen Vater verteidigen. Nur ist der Vater nicht so unschuldig, wie sein Sohn annimmt.
Lumet inszenierte eine makellose Mischung aus Polizeifilm, Gerichtsdrama und Thriller.
Der Fischer Film Almanach schrieb zutreffend: „Großes Kino alter Schule: Perfekte Inszenierung, psychologisch ausgefeilte Szenen, die das Ringen der Personen transparent machen, eine adäquat karge Ausstattung, exzellente Darsteller und die Musik von Mark Isham fesseln bis zur letzten Minute.“
Mit Andy Garcia, Richard Dreyfuss, Lena Olin, Ian Holm, Ron Leibman, James Gandolfini
Männer, die auf Ziegen starren (USA 2009, R.: Grant Heslov)
Drehbuch: Peter Straughan
LV: The men who stare at goats, 2004 (Durch die Wand; Männer, die auf Ziegen starren)
Ein Journalist hört von einer Armeeeinheit, die ihre Gegner mit gewaltfreien, teils übersinnlichen Methoden bekämpft. Er macht sich auf die Suche nach ihr.
Die Story von „Männer, die auf Ziegen starren“ klingt erfunden, ist aber wahr und der Film folgt dem Sachbuch erstaunlich genau.
LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)
Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?
Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.
Nun, entgegen der allgemeinen Euphorie fand ich „Shutter Island“ todsterbenslangweilig und ungefähr so subtil wie Scorseses John-D.-MacDonald-Verfilmung „Kap der Angst“ (Cape Fear, USA 1991). Lehanes Roman ist dagegen grandios.
Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas
Ist das Leben nicht schön? (USA 1946, R.: Frank Capra)
Drehbuch: Frances Goodrich, Albert Hackett, Frank Capra, Jo Swerling (zusätzliche Szenen), Michael Wilson (ungenannt) (nach einer Geschichte von Philip Van Doren Stern)
Am Heiligabend (also heute, vor langer Zeit in einer anderen Welt) will sich der hochverschuldete Familienvater George Bailey (James Stewart) umbringen. Bevor er zur Tat schreitet, taucht Engel Clarence auf und schildert ihm, wie es ohne ihn in dem lauschigen Städtchen Bedford Falls aussähe.
Im Kino war der Film kein Erfolg, dann lief er im Fernsehen so lange an den Weihnachtstagen bis er zu dem Weihnachtsfilm wurde. Regisseur Capra und Hauptdarsteller Stewart nannten den Film ihren Lieblingsfilm – und inzwischen ist er auch der Lieblingsfilm von vielen, vielen Menschen. So steht er in der IMDB-Top-250-Liste auf dem 30. Platz und alle vorher platzierten Filme sind, bis auf „Casablanca“, deutlich jünger; sowieso stehen wenige Filme, die über sechzig Jahre alt sind, auf dieser Liste.
Mit James Stewart, Donna Reed, Lionel Barrymore, Henry Travers, Thomas Mitchell, Beulah Bondi, Ward Bond
Unstoppable – Außer Kontrolle ( USA 2010, R.: Tony Scott)
Drehbuch: Mark Bomback
Zugfahren mit „Last Boy Scout“ Tony Scott: nach „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ lässt Tony Scott in seinem letzten Spielfilm den feuchten Traum jedes Trassenküssers wahr werden: ein Zug mit sehr gefährlicher Ladung donnert im Affentempo auf sein Ziel zu. Nur zwei Männer wissen, wie man die Superduperkatastrophe verhindern kann. Sie besteigen den fahrenden Zug.
„Unstoppable“ basiert auf wahren Ereignissen. Aber die Macher haben sich einige spannungsfördernde Freiheiten genommen.
LV: A. J. Quinnell: Man on Fire, 1980 (Der Söldner, Mann unter Feuer)
Ex-CIA-Agent John Creasy ist in Mexiko City der Leibwächter einer siebenjährigen Millionärstochter. Als sie von Gangstern entführt wird, startet er einen blutigen Rachefeldzug.
Scotts formale Brillanz bei der Bild- und Tongestaltung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Mann unter Feuer“ ein viel zu lang geratenes, eindimensionales Rachedrama ist.
Mit Denzel Washington, Dakota Fanning, Christopher Walken, Giancarlo Giannini, Mickey Rourke