Neu im Kino/Filmkritik: „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ in der Michael-Bay-Schule des Filmemachens

Februar 14, 2013

Nachdem der New Yorker Polizist John McClane in der Vergangenheit mehrmals zur falschen Zeit am falschen Ort war und er dann innerhalb weniger Stunden seine Frau (in „Stirb langsam“ und „Stirb langsam 2“) oder seine Tochter (in „Stirb langsam 4.0“) retten musste und dabei die Pläne von Terroristen und Gangstern gründlich vermasselte, ist er jetzt, im fünften „Stirb langsam“-Film, der fast schon banal „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ (A good day to die hard) heißt, der Mann, der wirklich den Ärger sucht und dafür um die halbe Welt von New York nach Moskau reist. Dort ist sein Sohn Jack (Jai Courtney) gerade als Verbrecher angeklagt und John McClane (Bruce Willis fast im Autopilot-Modus) will ihm, nachdem er ihn seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, helfen.

Kaum ist McClane in Moskau angekommen, mischt er sich unter die Masse, die vor dem Gericht auf die Verhandlung gegen Komarov (Sebastian Koch) wartet. Komarov soll in einem Schauprozess verurteilt werden und er hat ein superwichtiges Dossier (aka der MacGuffin) irgendwo versteckt. Bevor die Gerichtsverhandlung beginnt, überfallen Verbrecher das Gericht und in dem Kuddelmuddel können Jack McClane und Komarov entkommen. Auf ihrer Flucht treffen sie auf John McClane. Die folgende atemberaubende Autoverfolgungsjagd quer durch Moskau, gedreht an 82 Tagen mit einem 190-köpfigem Stuntteam und, unter anderem, einer großzügigen Fahrzeugspende von Mercedes Benz im Wert von mehreren Millionen Dollar, hat sich schon jetzt einen Platz in den Analen der großen Autoverfolgungsjagden gesichert.

Danach erfahren wir, dass Jack McClane ein CIA-Agent ist und er Komarov befreien sollte. Das sichert dem „007 aus Plainfield, New Jersey“ (Daddy McClane über seinen Sohn) immerhin einen Platz bei den Guten. Aber in der atemlosen Abfolge von einem Action-Set-Piece zum nächsten wurde dann sowieso auf jegliches Drehbuch und eine auch nur irgendwie nachvollziehbare Geschichte (das ist der Teil eines Films, der die Action-Szenen in eine sinnvolle Reihenfolge bringt und für Spannung sorgt) verzichtet. Auf einen Bösewicht mit einem nachvollziehbarem Motiv und einem auch nur irgendwie logischem Plan, wie er sein Ziel erreicht, ebenso.

Stattdessen gibt es eine Schießerei in einem CIA-Versteck mit Flucht, eine Schießerei in einem verlassenen Ballsaal mit Flucht und in Tschernobyl einen epischen Kampf, bei dem sozialistische Betonbauten ihre Widerstandsfähigkeit gegen alle möglichen Waffen beweisen können. Außerdem erfahren wir dann, dass Komarov doch ein Bösewicht ist. Aber so überraschend kommt das nicht. Denn in „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ sind alle Russen schrecklich böse und schießwütig.

Es wurde auch auf alles verzichtet, was zur „Stirb langsam“-Formel gehört. Außer natürlich der Action. Aber alles andere fehlt in diesem spannungs- und ironiefreiem Murks. John McClane ist nicht mehr der Mann, der zufällig in ein Verbrechen hineinstolpert. Jetzt sucht er den Ärger. Er ist nicht mehr der Normalo, der über sich hinauswächst. Jetzt ist er eine unkaputtbare Kampfmaschine, die Charme durch dicke Wummen und Blei ersetzt. Er ist nicht mehr der Mann, der den Menschen, die er liebt, helfen muss. Jetzt hat er einen Sohn, der ganz gut allein zurecht kommt und die Beziehung zu ihm ist mehr behauptet als nachvollziehbar. Vor allem in den ersten beiden „Stirb langsam“-Filmen gab es eine spannungsfördernde Einheit von Ort (einmal ein Hochhaus, einmal ein Flugplatz) und Zeit. Schon im dritten, deutlich schwächeren Teil „Stirb langsam: Jetzt erst recht“, der auch im Sommer spielte, spielte die Action im gesamten Staat New York. Das war ein guter Action-Film. Aber ein „Stirb langsam“-Film? In „Stirb langsam 4.0“ spielte die Geschichte an der halben Ostküste und der Gegner schien aus einem James-Bond-Film gefallen zu sein. Jetzt spielt die „Geschichte“ in Moskau und im gut tausend Kilometer entferntem Tschernobyl. Aber die McClanes legen die Entfernung in wenigen Stunden im Auto zurück. Und Drehbuchautor Skip Woods (Passwort: Swordfisch; Hitman – Jeder stirbt alleine; Das A-Team – Der Film) und Regisseur John Moore, im gruseligen „Max Payne“-Modus, versuchen sich an einer Spionagegeschichte, die etwas bei James Bond und Jason Bourne abschauen möchte, aber noch nicht einmal ein auch nur halbwegs ordentliches B-Picture-Niveau erreicht.

Da ist es fast schon erfreulich, dass „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ mit 97 Minuten über eine gute halbe Stunde kürzer als die anderen „Stirb langsam“-Filme ist.

Und genau wie „Ein Quantum Trost“ der kürzeste und schlechteste James-Bond-Film aller Zeiten war, ist „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ definitiv der schlechteste „Stirb langsam“-Film und auch als Action-Film eine riesige Enttäuschung. Jedenfalls wenn man von einem Action-Film mehr als eine sinnlos-ohrenbetäubende Abfolge von Action-Set-Pieces erwartet, in denen mit Autos und großkalibrigen Waffen möglichst viel zerstört wird.

Stirb langsam 5 - Plakat

Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (A good day to die hard, USA 2012)

Regie: John Moore

Drehbuch: Skip Woods

mit Bruce Willis, Jai Courtney, Sebastian Koch, Yulia Snigier, Rasha Bukvic, Cole Hauser, Amaury Nolasco, Sergey Kolesnikov, Mary Elizabeth Winstead

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“

Metacritic über „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“

Rotten Tomatoes über „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“

Wikipedia über „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Howard Chaykin (Autor)/Stephen Thompson/Gabriel Andrade jr. (Zeichner): Die Hard – Das erste Jahr (Die Hard: Year One 1 – 8 2009)

Meine Besprechung von “Set Up” (Setup, USA 2011, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “The cold Light of the Day” (The cold Light of the Day, USA 2011, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “Lady Vegas” (Lay the Favorite, USA/GB 2012, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “The Expendables 2” (The Expendables 2, USA 2012, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “Looper” (Looper, USA 2012, mit Bruce Willis)

Bruce Willis in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Februar: Psycho

Februar 14, 2013

Als Vorbereitung für „Hitchcock“

ARD, 02.55

Psycho (USA 1960, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Joseph Stefano

LV: Robert Bloch: Psycho, 1959 (Psycho)

Ein immer wieder gern gesehener Schocker von Alfred Hitchcock und das beste Argument gegen Duschen.

Mit Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles, John Gavin

Hinweise

Wikipedia über „Psycho“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos „Hitchcock und die Geschichte von ‚Psycho'“ (Alfred Hitchcock and the Making of ‚Psycho‘, 1990)


DVD-Kritik: Raserei auf dem „Motorway“

Februar 13, 2013

Lo (Anthony Wong Chau-Sang) und sein jüngerer, entsprechend heißblütiger und autovernarrter Partner Cheung (Shawn Yue) jagen in Hongkong Verkehrssünder. Das klingt jetzt nicht sonderlich aufregend. Immerhin ist Hongkong eine Metropole und die Orte, an denen man das Gaspedal so richtig durchtreten kann, dürften überschaubar sein. Auch auf den Autobahnen.

Aber weil sie die Helden in „Motorway“, einem von Gangsterfilm-Guru Johnnie To produziertem Film, sind, gibt es etliche Verfolgungsjagden in einer arg überschaubaren Geschichte, die auch gut in einem der „The Fast and the Furious“-Filme aufgehoben wäre. Denn die beiden Verkehrspolizisten verfolgen einen Fluchtwagenfahrer, der vor Jahren schon einmal von Lo gejagt wurde (seitdem lässt er das Autofahren sein) und der jetzt einen Freund aus dem Gefängnis befreite und mit ihm einen neuen Coup, den Diebstahl eines riesigen Diamanten, plant.

Die dünne, meistens nachts spielende, eher chaotisch erzählte Geschichte erinnert von seiner Konstellation an Walter Hills Klassiker „Driver“. In dem Film verfolgte ein Polizist einen Fluchtwagenfahrer. Aber während Hill Archetypen in einer ebenso archetypischen Geschichte, die er mythisch überhöht, aufeinanderprallen lässt, bleibt bei Pou-Soi Cheangs „Motorway“ nur der schale Nachgeschmack einer Geschichte von Freundschaft, Feindschaft, dem Kampf von Gut gegen Böse, in dem die Raser sich als gleichberechtigte Gegner respektieren und die Verbrechen, angefangen bei einer profanen Geschwindigkeitsübertretung bis hin zu einem Diebstahl, nur die Auslöser für epische Autoverfolgungsjagden sind.

Daher führt „Motorway“ nicht die Ideen von „Driver“ oder den von Johnnie To inszenierten Hongkong-Actionfilmklassikern fort, sondern begibt sich, allerdings mit deutlich weniger Frauen, auf das Niveau von „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“. Sogar die Hügel, in denen es in „Motorway“ eine ziemlich spektakuläre Verfolgungsjagd gibt, erinnern an die Hügel in Tokio, in denen die Geschwindigkeitsfanatiker mit quietschenden Reifen durch die Serpentinen jagten.

Das hätten die Jungs von „Alarm für Cobra 11“ auch nicht schlechter hingekriegt.

Als Bonusmaterial gibt es ein aus mehreren Teilen bestehendes, zwölfminütiges „Making of“, das vor allem den Film über den grünen Klee lobt und einen kleinen Einblick in die Actionszenen gibt.

Motorway - DVD-Cover

Motorway (Che sau, Hongkong 2012)

Regie: Pou-Soi Cheang

Drehbuch: Joey O’Bryan (auch Originalstory), Kam-Yuen Szeto

mit Anthony Wong Chau-Sang, Shawn Yue, Xiaodong Guo, Barbie Hsu, Josie Ho

–

DVD

Senator Home Entertainment/Universum Film

Bild: 16:9 (1.77:1)

Ton: Deutsch, Chinesisich (Kantonesisch) (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Filmtrailer

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Motorway“

Wikipedia über „Motorway“


TV-Tipp für den 13. Februar: Männer, die auf Ziegen starren

Februar 13, 2013

HR, 23.15

Männer, die auf Ziegen starren (USA 2009, R.: Grant Heslov)

Drehbuch: Peter Straughan

LV: The men who stare at goats, 2004 (Durch die Wand; Männer, die auf Ziegen starren)

Ein Journalist hört von einer Armeeeinheit, die ihre Gegner mit gewaltfreien, teils übersinnlichen Methoden bekämpft. Er macht sich auf die Suche nach ihr.

Die Story von „Männer, die auf Ziegen starren“ klingt erfunden, ist aber wahr und der Film folgt dem Sachbuch erstaunlich genau.

Köstlich durchgeknallte Militärsatire (alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung von Buch und Film).

mit George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick, Waleed Zuaiter, Stephen Root, Glenn Morshower

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Männer, die auf Ziegen starren“

Metacritic über “Männer, die auf Ziegen starren”

Rotten Tomatoes über “Männer, die auf Ziegen starren”

Wikipedia über “Männer, die auf Ziegen starren” (deutsch, englisch)

Homepage von Jon Ronson

Den of Geek: Interview mit Jon Ronson (5. November 2009)

UGO: Interview mit Jon Jonson (6. November 2009)

Homepage des 1st Earth Battalion

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Männer, die auf Ziegen starren” (The men who stare at Goats, 2004)

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Die Psychopathen sind unter uns – Eine Reise zu den Schaltstellen der Macht” (The Psychopath Test – A Journey through the Madness Industry, 2011)


TV-Tipp für den 12. Februar: Im Schatten

Februar 12, 2013

3sat, 20.15

Im Schatten (D 2010, R.: Thomas Arslan)

Drehbuch: Thomas Arslan

Profigangster Trojan, gerade aus dem Knast entlassen, plant gleich seinen nächsten Coup: einen Überfall auf einen Geldtransporter.

Ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.

Ein erfrischend undeutscher Kriminalfilm, den sich auch Genrejunkies ohne Fremdschäm-Anfälle ansehen können.

mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Petr Kurth, David Scheller

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Schatten“

taz: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten” (6. Oktober 2010)

Film-Dienst: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten”

Meine Besprechung von Thomas Arslans “Im Schatten”


TV-Tipp für den 11. Februar: Kein Sterbenswort

Februar 11, 2013

ZDF, 22.15

Kein Sterbenswort (F 2006, R.: Guillaume Canet)

Drehbuch: Guillaume Canet, Philippe Lefebvre

LV: Harlan Coben: Tell no one, 2001 (Kein Sterbenswort)

Acht Jahre nach dem Tod seiner Frau erhält der Arzt Alexandre Beck eine Nachricht von ihr. Er will herausfinden, ob sie noch lebt. Dabei gerät er in eine Intrige und unter Mordverdacht.

Spannender, wendungsreicher Thriller, der überall abgefeiert wurde und die deutsche Premiere auf DVD erlebte.

Das Drehbuch war für den Edgar nominiert. Der Film war für neun Césars nominiert und erhielt vier. Unter anderem für die beste Regie und beste Hauptrolle.

mit Francois Cluzet, Kristin Scott Thomas, André Dussolier, Nathalie Baye, Jean Rochefort, Harlan Coben (Cameo als Mann auf dem Bahnhof)

Wiederholung: Mittwoch, 13. Februar, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Harlan Coben in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Februar: A Serious Man

Februar 10, 2013

ARD, 23.35

A Serious Man (USA 2009, R.: Joel Coen, Ethan Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

USA, Mittlerer Westen, 1967: Über einen biederen, jüdischen Physikprofessor bricht das Unheil herein und er fragt sich „Warum ich?“.

Zu einer ziemlich unmöglichen Zeit gibt es die TV-Premiere eines von der Kritik hochgelobten Films der Coen-Brüder, den ich etwas zäh fand. Aber bibelfeste Zuschauer können einiges entdecken.

mit Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolf, Jessica McManus

Wiederholung: WDR, Dienstag, 19. Februar, 23.15 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „A Serious Man“

Metacritic über „A Serious Man“

Rotten Tomatoes über „A Serious Man“

Wikipedia über die Coen-Brüder (deutsch, englisch)

Drehbuch “Blood Simple” von Joel und Ethan Coen

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Februar: Berlin – Die Sinfonie der Großstadt

Februar 9, 2013

3sat, 20.15

Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (D 1927, R.: Walter Ruttmann)

Drehbuch: Walter Ruttmann, Karl Freund

Dokufilmklassiker, der einen Tag in Berlin und den Rhythmus der pulsierenden Großstadt dokumentiert.

„Ein ungemein eindringlicher und informativer Stummfilm von großem zeitdokumentarischem Wert.“ (Lexikon des internationalen Films)

3sat zeigt eine restaurierte Fassung, für die auch die Originalmusik von Edmund Meisel neu orchestriert wurde.

Im YouTube-Clip ist die Musik von The Somnambulist (laut.de), live eingespielt 10. Mai 2011 in Bordeaux.

Hinweise

Wikipedia über „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“(deutsch, englisch)

Filmportal über “Berlin – Die Sinfonie der Großstadt” (umfangreich)

Arte über „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“

3sat über „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“

Archive.org: 61-minütige Version des 65-minütigen Films „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (derzeit, bei mir, ohne Musik. Also ein echter Stummfilm.)

Veoh: 75-minütige Version des Films (hmhm; außerdem muss ein Player installiert werden)


TV-Tipp für den 8. Februar: Miami Blues

Februar 8, 2013

ARD, 01.50

Miami Blues (USA 1990, R.: George Armitage)

Drehbuch: George Armitage

LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)

Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.

Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Fred Ward, Alec Baldwin, Jennifer Jason Leigh

Hinweise

Wikipedia über Charles Willeford (deutsch, englisch)

Charles Willeford Paperback Covers

Meine Besprechung von Charles Willefords „Die schwarze Messe“ (Honey Gal, 1958; The Black Mass of Brother Springer)

Meine Besprechung von Charles Willefords „Ketzerei in Orange“ (The burnt-orange heresy, 1971)


Neu im Kino/Filmkritik: Richard Starks Parker heißt jetzt auch im Kino „Parker“

Februar 7, 2013

Parker war Lee Marvin, Anna Karina, Michel Constantine, Jim Brown, Robert Duvall, Peter Coyote und, zuletzt, Mel Gibson, aber er hieß, obwohl die Filme auf den grandiosen Hardboiled-Gangsterthrillern von Richard Stark basierten, niemals Parker. Richard Stark (also eigentlich Donald E. Westlake) meinte, dass Parker erst dann in einem Film Parker heißen dürfe, wenn die Produzenten mehrere Parker-Filme machen wollten.

Keine Ahnung ob Dortmunder-Erfinder Donald E. Westlake das wirklich so meinte oder er nur witzelte. Jedenfalls darf in einem Film Parker jetzt zum ersten Mal Parker heißen und die Macher freuten sich so sehr darüber, dass sie den Film gleich „Parker“ nannten. Naja, warum auch nicht.

Und mit Jason Statham als Parker wurde eine gute Wahl getroffen. Denn er kann einen so rücksichtslosen Charakter glaubhaft verkörpern.

Dafür wurden dann einige, hm, Details an der Vorlage, dem Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire) geändert. Aber die große Story bleibt erhalten: nach einem Diebeszug wird Parker von Melanders Gang um seinen Anteil betrogen. Melander und sein Team benötigen das Geld als Startkapital für einen größeren Coup in Palm Beach. Parker lässt diesen Betrug nicht auf sich sitzen. Er macht sich auf den Weg nach Palm Beach.

Außerdem nahmen die früheren Parker-Verfilmungen sich auch, mit unterschiedlichen Ergebnissen, Freiheiten bei der Geschichte.

Insofern ist „Parker“ eine mit Action aufgepumpte Variante der Vorlage, bei der es sogar einen Fenstersturz aus einem Hotelzimmer gibt (Erinnert ihr euch an „Sie nannten ihn Stick“?). Parker ist, was vor allem am Ende des Films auffällt, etwas weicher als in den Büchern gezeichnet. Und, das wird langjährige Parker-Fans am meisten nerven: Parker betont und rezitiert immer wieder seine Regeln. Das hatte der Buch-Parker nicht nötig. Er tat einfach, was getan werden musste.

Im Film sind Parkers Betonungen seiner Regeln und dass Regeln ein Abgleiten in das Chaos verhindern ein Gegenentwurf zum derzeitigen US-Kapitalismus, den Zockereien von Bankern die zu einer Wirtschaftskrise führten, und, wenn wir den Blick etwas weiten, dem „War on Terror“. Auch dass die US-Flagge öfter im Bild ist und der Film auf der Ohio State Fair, dem größten Jahrmarkt der USA, beginnt, tragen zu dieser kritischen Lesart bei, in der traditionelle amerikanische Werte konträr zur aktuellen Realität positioniert werden. Taylor Hackford, der ja in den Achtzigern mit Filmen wie „Ein Offizier und Gentleman“, „Gegen jede Chance“ und „White Nights“, immer inszeniert in einer gelackten Werbeästhetik, bekannt wurde, drehte seinen neuesten Film vor Ort und er zeigt durchgehend ein ungeschöntes Bild der USA und ihrer Verwerfungen.

Eine solche Allegorie im Gewand des Gangsterfilms wollte vor kurzem auch Andrew Dominik in seiner gründlich missglückten George-V.-Higgins-Verfilmung „Killing them Softly“ zeichnen. Weil Dominik während des gesamten Films einem seine Botschaft aber so penetrant und entsprechend einfältig um die Ohren schlug, langweilt sein Gangsterthriller schnell.

Hackford geht, unterstützt von einem klugen Drehbuch von „Black Swan„- und „Hitchcock“-Autor John McLaughlin, bei seiner Systemkritik viel subtiler vor und bei ihnen treiben die Dialoge die Handlung voran. Denn der gnadenlos effektive, auf sein Ziel fokussierte Profi Parker ist kein Mensch für Small-Talk.

Abgesehen von diesem politischen Hintergrund ist „Parker“ ein angenehm altmodischer, schnörkelloser, hochkarätig besetzter Gangsterthriller mit einer ordentlichen Portion bodenständiger Action. Im Zentrum stehen allerdings die Charaktere, wie sie versuchen, sich gegenseitig übers Ohr zu hauen und die Atmosphäre des amerikanischen Hinterlandes und von Palm Beach.

Taylor Hackfords „Parker“ gehört defintiv zu den gelungenen Parker-Verfilmungen. Er muss sich wahrlich nicht vor „Point Blank“ (mit Lee Marvin) und „Revolte in der Unterwelt“ (The Outfit, mit Robert Duvall) verstecken.

Parker - Plakat

Parker (Parker, USA 2013)

Regie: Taylor Hackford

Drehbuch: John J. McLaughlin

LV: Richard Stark: Flashfire, 2000 (Irgendwann gibt jeder auf)

mit Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis, Wendell Pierce, Clifton Collins Jr., Bobby Cannavale, Emma Booth, Nick Nolte, Patti LuPone

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Die Vorlage

Stark - Irgendwann gibt jeder auf2

Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

(übersetzt von Rudolf Hermstein)

dtv, 2013

272 Seiten

9,95 Euro

–

Deutsche Erstausgabe

Paul Zsolnay Verlag, 2010

–

Originalausgabe

Flashfire

Mysterious Press, 2000

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Parker“

Metacritic über „Parker“

Rotten Tomatoes über „Parker“

Wikipedia über „Parker“

Meine Besprechung des Jason-Statham-Films „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)

Meine Besprechung des Jason-Statham-Films „Safe“ (Safe, USA 2012) (Kino, DVD)

Meine Besprechung des Jason-Statham-Films „The Expendables 2″ (The Expendables 2, USA 2012)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)

–

Und noch ein Interview mit Taylor Hackford


TV-Tipp für den 7. Februar: Berlinale 2013 – Die Eröffnung

Februar 7, 2013

3sat, 19.20

Berlinale 2013 – Die Eröffnung

Anke Engelke eröffnet die diesjährige Berlinale, die Stars schlendern über den Teppich und täglich, so ab Mitternacht präsentiert 3sat das „Berlinale-Studio“ und ab so um 02.10 Uhr zeigt RBB die Berlinale-Pressekonferenzen. Die gibt es auch hier.


TV-Tipp für den 6. Februar: Milk

Februar 6, 2013

Sixx, 20.15

Milk (USA 2008, R.: Gus Van Sant)

Drehbuch: Dustin Lance Black

Biopic über Harvey Milk, der in den siebziger Jahren in San Francisco politisch aktiv und bekannt wurde als erster offen homosexueller Stadtverordneter in den USA. Am 27. November 1978 wurde er in San Francisco von dem Ex-Cop und Ex-Stadtrat Dan White erschossen.

Für das Drehbuch und den Hauptdarsteller gab es einen Oscar. Sowieso erhielt „Milk“ noch etliche weitere Preise, noch mehr Nominierungen – und er läuft heute zum ersten Mal im TV. Auf einem Nischensender.

mit Sean Penn, James Franco, Emile Hirsch, Josh Brolin, Lucas Grabeel, Victor Garber

Wiederholung: Donnerstag, 7. November, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Milk“

Metacritic über „Milk“

Rotten Tomatoes über „Milk“

Wikipedia über „Milk“ (deutsch, englisch)

–

Die spielfilmlange Doku „The Times of Harvey Milk“ (USA 1984, Regie: Rob Epstein), die damals den Dokumentarfilmoscar erhielt.


TV-Tipp für den 5. Februar: My Blueberry Nights

Februar 4, 2013

3sat, 20.15

My Blueberry Nights (China/USA 2007, R.: Wong Kar-wai)

Drehbuch: Wong Kar-wai, Lawrence Block (nach einer Geschichte von Wong Kar-wai)

Elizabeth hat Liebeskummer. In einem kleinen New Yorker Café schüttet sie dem Kellner ihr Herz aus. Der verliebt sich in sie, aber sie macht sich auf eine Reise durch die USA. Auf ihrem Selbstfindungstrip begegnet sie anderen einsamen Seelen.

Lawrence Block war zwar irgendwie am Drehbuch beteiligt, aber letztendlich ist es ein Wong-Kar-wai-Film geworden.

Mit Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, David Strathairn, Natalie Portman

Wiederholung: Mittwoch, 6. Februar, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Lawrence Block

Unbedingt kaufen müssen Sie das von mir herausgegebene Buch „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ (KrimiKritik 5, Nordpark-Verlag)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Telling Lies for Fun and Profit – A Manual for Fiction Writers” (1994)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Spider, spin me a web – A Handbook for Fiction Writers” (1995)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks: “All the flowers are dying” (2005)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Lucky at Cards” (2007)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Abzocker“ (Grifter’s Game, 2004; frühere Ausgaben: Mona, 1961; Sweet slow death, 1986)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Verluste” (Everybody dies, 1998)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Killing Castro“ (Originalausgabe unter dem Pseudonym Duncan Lee als „Fidel Castro Assassinated“, 1961)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Falsches Herz“ (The Girl with the long green Heart, 1965)

Lawrence Block in der Kriminalakte

Wikipedia über „My Blueberry Nights“ (deutsch, englisch)

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film (nicht so umfangreich)

Film-Zeit über „My Blueberry Nights“

Rotten Tomatoes über „My Blueberry Nights“


Ein Doku-Tipp: „Italian Noir“

Februar 4, 2013

Eine einstündige, 2010 ausgestrahlte BBC-Four-Doku über „Italian Noir: The Story of Italian Crime Fiction“ mit Interviews mit Andrea Camilleri, Giancarlo De Cataldo, Massimo Carlotto, Carlo Lucarelli und anderen. Es gibt auch Archivaufnahmen aus dem italienischem Fernsehen, die wir wahrscheinlich noch nie gesehen haben.

 


TV-Tipp für den 4. Februar: Vengeance – Killer unter sich

Februar 4, 2013

Arte, 23.10

Vengeance – Killer unter sich (Hongkong/Frankreich 2009, R.: Johnny To)

Drehbuch: Ka-Fai Wai

In Macao wird die Tochter des französischen Restaurantbesitzers Francis Costello in ihrer Wohnung schwer verletzt. Ihre Familie wird ermordet. Costello beschließt, die Täter zu stellen. Dabei helfen dem ehemaligen Profikiller einige Kollegen, die er zufällig im Hotel trifft.

Mit dem Neo-Noir „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor über zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.

mit Johnny Hallyday, Sylivie Testud, Anthony Wong, Simon Yam

Wiederholung: Mittwoch, 6. Februar, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Meine ausführliche Besprechung von „Vengeance“


TV-Tipp für den 3. Februar: Der Blade Runner

Februar 3, 2013

RTL II, 22.25

Der Blade Runner (USA 1982, R.: Ridley Scott)

Drehbuch: Hampton Fancher, David Peoples

LV: Philip K. Dick: Do Androids dream of Electric Sheep?; Blade Runner, 1968 (Träumen Roboter von elektrischen Schafen; Blade Runner)

LA, 2019: Rick Deckard soll vier Replikanten finden.

Damals kam er bei der Kritik solala an und im Kino lief er auch nicht so toll. Aber seitdem entwickelte „Blade Runner“ sich zu einem der stilbildenden Science-Fiction-Filme und Lieblingsobjekte von Wissenschaftlern für Interpretationen.

„Der Final Cut“ ist die von Ridley Scott ursprünglich geplante Version, die sich nur in Details von früheren Versionen (Off-Sprecher, Ende, einige Effekte und minimal andere Schnittfolgen) unterscheidet.

Eine zeitgenössische Kritik: „’Blade Runner’ ist ein Film des Dekors (…) Technische Phantasie und die Story, soweit sie erkennbar wird, liegen weit über dem Standard heutiger Science-fiction-Filme. Dennoch ist auch ‘Blade Runner’ ein eher unerfreulicher Film: Er kokettiert nicht nur mit der Gewalt, er schlachtet sie genussvoll aus, menschliche Werte behauptet er nur zu retten, tatsächlich aber versenkt er sie in einem Meer von Zynismus.“ (Fischer Film Almanach 1983)

Ähnlich Ronald M. Hahn/Volker Jansen in „Lexikon des Science Fiction Films“ (1983): „Mehr jedoch als die zum großen Teil unbekannten Schauspieler sind die Trickspezialisten die wahren Stars dieses Films.“

Heute wird’s anders gesehen: „Der Film, der auf der Handlungsebene einem eher einfachen und klar strukturierten Muster folgt (…), eröffnet bei genauerer Betrachtung vielschichtige Bedeutungsebenen, die vor allem zahlreiche Reflexionen über die neuzeitliche Realitätsauffassung und den damit verbundenen Humanitätsbegriff zulassen.“ (Fabienne Will in Thomas Koebner, Hrsg.: Filmgenres Science Fiction, 2003)

„Twenty-five years after its first release Blade Runner is still the benchmark film in tech noir or future noir – a bleak fusion of sci-fi and noir.“ (Alexander Ballinger, Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

Mit Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, Joanna Cassidy

Wiederholung: Montag, 4. Februar, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich Director’s Cut – Final Cut

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Prometheus“ (Prometheus, USA 2012)

Ridley Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Februar: Kap der Angst

Februar 2, 2013

RTL II, 00.30

Kap der Angst (USA 1991, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Wesley Strick, James R. Webb

LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)

Cady will sich nach 14 Jahren Haft an seinem Pflichtverteidiger Bowden rächen. Dieser unterschlug damals entlastende Beweise.

Das Remake von „Ein Köder für die Bestie“ ist als Scorsese-Film enttäuschend, als – auch brutales – Psycho-Duell zwischen Nick Nolte und Robert de Niro hochspannend. Und wenn Robert de Niro Juliette Lewis im Märchenwald verführt, gefriert einem das Blut.

Mit Nick Nolte, Robert de Niro, Jessica Lange, Juliette Lewis, Joe Don Baker, Martin Balsam, Gregory Peck, Robert Mitchum

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Kap der Angst“

Wikipedia über „Kap der Angst“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über John D. MacDonald (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über John D. MacDonald

Krimi-Couch über John D. MacDonald

Umfangreiche amerikanische John D. MacDonald-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“

Februar 1, 2013

Kathryn Bigelow sagt in „Zero Dark Thirty“ nicht, dass Folter zur Ergreifung des Terroristen Osama bin Laden führte. Das war kleinteilige und entsprechend langweilige Geheimdienstarbeit, in der Informationen gesammelt, geprüft und nochmal geprüft werden und am Ende hat man, wie eine Besprechung der Geheimdienstler und hochrangiger Beamter vor der Entscheidung, ob sie ein Navy-SEALS-Team nach Abbottabad schicken sollen, nur eine Gewissheit von sechzig Prozent. Nach all der monatelangen Beobachtung des Hauses hätte man genausogut eine Münze werfen können.

Aber dieser Punkt kann leicht übersehen werden und Bigelow hat die Geschichte der Jagd der CIA nach Osama bin Laden von dem Anschlag auf das World Trade Center bis zu seinem Tod in einer bestimmten Art und Weise angeordnet, die mindestens den Schluss nahelegt, dass Folter ein probates Mittel sei, um an valide Informationen zu kommen und dass Folter deshalb ein unverzichtbarer Teil bei dem erfolgreichen Kampf gegen al Qaida war. Was diese These für künftige Kriege bedeutet, können wir uns denken.

Denn diese Behauptung ist mindestens umstritten. Ich würde sogar sagen Quatsch. In jedem Fall – weil sie die Jagd ausschließlich aus der Binnenperspektive der CIA erzählt – verliert sie kein Wort über die nationale und internationale Diskussion über Folter und zu welchem Ansehensverlust der USA diese Verletzung elementarer Menschenrechte führte. Sie sagt auch nichts über die vielen Unschuldigen, die gefoltert wurden, und die vielen unnützen Informationen, die die Gefolterten den Folterern gaben.

Diese Der-Zweck-heiligt-die-Mittel-Legitimation war ihr, auch wenn sie die Folterungen am Filmanfang quasi dokumentarisch zeigt, sehr wichtig. Immerhin ist „Zero Dark Thirty“ mit gut drei Stunden Laufzeit überlang geraten und man hätte durchaus über Kürzungen nachdenken können.

Ungefähr die erste Stunde der Filmgeschichte, die unmittelbar nach dem 11. September 2011 beginnt, vergeht mit episch gezeigten Folterungen, einem Bombenattentat auf ein Hotel, in dem Westler speisen, und einem Selbstmordattentat in einer US-Militärbasis, bei dem viele US-Soldaten und auch eine CIA-Agentin sterben. Sie war eine ältere Kollegin von Maya Lambert (Jessica Chastain), einer jungen CIA-Agentin, die sich gerade die ersten Sporen verdient und die so etwas wie die Protagonistin des Films ist.

Im zweiten Teil werden dann die kleinteiligen Recherchen von Maya über viele Jahre und ihr zunehmender, nie erklärter Fanatismus bei der Jagd nach bin Laden, gezeigt. Da wird sie fast zu einer Erin Brokovich, die einen aussichtslosen Kampf aufnimmt. Sie hat recht. Aber all die CIA-Männer glauben ihr nicht.

Im dritten Teil, der mit den direkten Vorbereitungen wieder ungefähr eine Stunde dauert, wird dann der Einsatz des Navy SEALS Team Six auf das Anwesen in Abbottabad in der Nacht vom 1. zum 2. Mai 2011 gezeigt. Ungefähr in Echtzeit. Jedenfalls gibt es so um die fünfundvierzig Minuten dunkle, verwackelte Bilder, teilweise auch grünstichige Aufnahmen durch die Nachtsichtgeräte der Soldaten, keine Musik und nur wenige, kaum verständliche Dialoge, meistens über Funk. Maya bleibt bei diesem Einsatz außen vor – und weil die Soldaten, die Terroristen und die Bewohner des Hauses alle austauschbar bleiben, langweilt diese Szene auch zunehmend. Fast so, als ob man sich ein Fußballspiel ansieht, bei dem die Spieler gesichtslos bleiben und das Ergebnis auch schon bekannt ist.

Bigelow erzählt diese Geschichte chronologisch, aber eher fragmentarisch. Fast so, als habe man ausgewählte Tonbandmitschnitte aneinander geklebt. Das soll das Authentische betonen. Allerdings ist davon, im Gegensatz zu einer Reportage, nur wenig überprüfbar. „Zero Dark Thirty“ ist, weil die Macher in Interviews immer wieder das Dokumentarische, die große Faktentreue, die vielen Interviews, die sie mit Insidern führten, betonen und den Film einen „Reportagefilm“ nennen, der vom New Journalism (also Autoren wie Tom Wolfe, Gay Talese, Hunter S. Thompson, Truman Capote und Norman Mailer) beeinflusst sei, nicht das von ihnen behauptete filmische Äquivalent zu einer Reportage, sondern zu einem Kommentar. Sie erzählen nur eine dramatisierte Version der Wirklichkeit.

Nach dem gelungenen „The Hurt Locker“, der ersten Zusammenarbeit von Mark Boal und Kathryn Bigelow, ist „Zero Dark Thirty“ eine ziemlich herbe Enttäuschung, die unter einem unfokussiertem Drehbuch und der Absicht, den Menschen im Schatten, die Osama bin Laden jagten und töteten ein Denkmal zu setzen, leidet. Für ein solches Heldenporträt muss man nicht gleich den gesamten Film ausschließlich und ohne jegliche Distanz aus der Perspektive der CIA-Agenten und Soldaten erzählen.

Zero DarkThirty - Plakat

Zero Dark Thirty (Zero Dark Thirty, USA 2012)

Regie: Kathryn Bigelow

Drehbuch: Mark Boal

mit Jessica Chastain, Jason Clarke, Jennifer Ehle, Fares Fares, James Gandolfini, Kyle Chandler, Harold Perrineau, Reda Kateb, Mark Strong, Edgar Ramirez, Frank Grillo, Mark Valley

Länge: 157 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zero Dark Thirty“

Metacritic über „Zero Dark Thirty“

Rotten Tomatoes über „Zero Dark Thirty“

Wikipedia über „Zero Dark Thirty“ (deutsch, englisch)

 

 


TV-Tipp für den 1. Februar: Castle: Nach dem Sturm

Februar 1, 2013

Kabel Eins, 20.15

Castle: Nach dem Sturm (USA 2012, R.: Rob Bowman)

Drehbuch: David Amann

LV: Andrew W. Marlowe

Heute startet die fünfte Staffel von „Castle“, die am Morgen nach dem Ende der vierten Staffel (als NYPD-Detective Kate Beckett, die gerade ihren Job quittiert hatte, verzweifelt an die Tür des Thrillerautors Richard Castle anklopfte) beginnt. Kate will immer noch herausfinden, wer ihre Mutter vor Jahren ermordete. Ihre Kollegen und Richard helfen ihr bei der Suche nach den mächtigen Hintermännern des Mordes.

Die Auftaktfolge der neuen Staffel der Crime-Comedy ist, weil ein persönlicher Fall im Mittelpunkt steht, eher enttäuschend. Aber immerhin gibt es ein gewisses Ende von Kates Jagd nach dem Mörder ihrer Mutter und ab nächster Woche wird wieder Dienst nach Vorschrift geleistet.

mit Nathan Fillion, Stana Katic, Susan Sullivan, Jon Huertas , Seamus Dever, Molly Quinn, Penny Johnson Jerald, Jack Coleman, Geoff Pierson, Tahmoh Penikett

Hinweise

Homepage von Richard Castle

Wikipedia über Richad Castle

ABC-Seite über „Castle“

Kabel-1-Seite über “Castle”

Wikipedia über „Castle“ (deutsch, englisch)

The Futon Critic interviewt Andrew W. Marlowe (21. November 2009)

„Castle“-Fanseite

Richard Castle in der Kriminalakte (eins, zwei, drei , vier und beim Paley Fest)

Meine Besprechung von Richard Castles „Heat Wave – Hitzewelle“ (Heat Wave, 2009)

–

Bonushinweis

„Heat Rises – Kaltgestellt“, der dritte Nikki-Heat-Roman von Richard Castle ist bei Cross Cult erschienen. Kate Beckett ist das Vorbild für Nikki Heat.

Castle - Heat Rises

Richard Castle: Heat Rises – Kaltgestellt

(übersetzt von Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

400 Seiten

12,80 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: „The Last Stand“ ist nicht Arnold Schwarzeneggers letztes Gefecht

Januar 31, 2013

Vor zehn Jahren räumte Arnold Schwarzenegger in „Terminator 3“ noch einmal kräftig auf. Danach war Dienst an der Gemeinschaft angesagt. Als Gouverneur von Kalifornien. Seine Freizeit reichte gerade für einige Cameos.

Jetzt ist er wieder zurück und „The Last Stand“ soll vor allem zeigen, dass er mit 65 Jahren noch nicht zum alten Eisen gehört. Dass er noch Action machen kann. Und das gelingt dem Quasi-Western, der durchaus sympathisch an ältere Action-Filme anknüpft, in denen eine Geschichte, die geradlinig auf den finalen Showdown hinausläuft, mit einigen kleinen, präzisen Charakterskizzen und Einzeilern aufgepeppt und unaufgeregt in knapp zwei Stunden erzählt wird. Gleichzeitig gibt es genug neue Ideen, um Genrejunkies gut zu unterhalten.

Als der südamerikanische Drogenbaron Gabriel Cortez (Eduardo Noriega) vom FBI in ein anderes Gefängnis überstellt werden soll, wird er in Las Vegas von seinen Handlangern in einer James-Bond-würdigen Aktion befreit. Mit einer FBI-Polizistin als Geisel rast er in einem gestohlenen Prototyp, einer Corvette ZR1, die über 400 km/h fahren kann und damit schneller als alle Autos und Flugzeuge ist, die das FBI zur Hand hat, in einem Affentempo auf die Grenze nach Mexiko zu.

Währenddessen haben andere Handlanger von Cortez, die von Burrell (Peter Stormare, der mal wieder seine Rolle als Bösewicht genießt) angeführt werden, in der Nähe des kleinen Städtchens Sommerton eine Behelfsbrücke installiert, auf der Cortez die Grenze ohne lästige Grenzkontrolle überqueren soll.

Allerdings haben sie nicht mit dem Ortssheriff gerechnet. Ray Owens (Arnold Schwarzenegger) will dort, nachdem er von den Los-Angeles-Blutbädern genug hatte, nur noch eine ruhige Kugel schieben und den Einheimischen bei ihren banal-alltäglichen Problemen helfen.

Als er erfährt, dass Cortez seine Stadt zum Grenzübertritt benutzen will, nimmt er mit seinen drei Deputies, – ein Jüngling, der sich nach Los Angeles versetzen lassen will (Zach Gilford), einem älteren Mexikaner, der treu, aber auch etwas feige ist (Luis Guzmán, gewohnt zuverlässig) und einer Frau (Jaimie Alexander) -, und zwei ad hoc vereidigten Hilfssheriffs, – einem jungen Kriegsveteranen, der in die Polizistin verliebt ist und, als notorischer Randalierer, mal wieder inhaftiert wurde (Rodrigo Santoro), und einem durchgeknalltem Waffenfanatiker (Johnny Knoxville) -, den Kampf auf.

Regisseur Kim Jee-Woon (A bittersweet Life; The Good, the Bad, the Weird) inszenierte sein US-Debüt mit viel Wucht, Witz und, angenehm unironisch, aber mit dem augenzwinkerndem Einverständnis, dass wir alle wissen, wie die Geschichte ausgeht. Denn in „The Last Stand“ wird eine typische Western-Situation, die natürlich an die alten Howard-Hawks-Western wie „Rio Bravo“ und „El Dorado“, beide mit John Wayne, erinnert, in die Gegenwart verlagert.

Da kann auch verziehen werden, dass gerade bei der sehr bleihaltigen Schlacht in Sommerton, der modernen Variante eines typischen Wild-West-Kaffs mit einer Hauptstraße, zwei Nebenstraßen und einem Saloon, der heute ein Diner ist, das Schlachtfeld etwas unklar gezeichnet wird und die Action-Szenen etwas zu trendy zerschnippelt werden.

„The Last Stand“ macht Spaß als grundsolider, moderner Action-Western.

Daher: Welcome back, Arnie!

The Last Stand - Plakat

The Last Stand (The Last Stand, USA 2013)

Regie: Kim Jee-Woon

Drehbuch: Andrew Knauer, Jeffrey Nachmanoff (Rewrite), George Nolfi (Writing Supervisor) (nach einer Geschichte von Andrew Knauer

mit Arnold Schwarzenegger, Forest Whitaker, Johnny Knoxville, Radrigo Santoro, Jaimie Alexander, Louis Guzmán, Eduardo Nriega, Peter Stormare, Zach Gilford, Genesis Rodriguez, Harry Dean Stanton (kurz, aber gut)

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Last Stand“

Metacritic über „The Last Stand“

Rotten Tomatoes über „The Last Stand“

Wikipedia über „The Last Stand“ (deutsch, englisch)