Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.
Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen. Inzwischen ist er wieder bei „Rocky“ und „Rambo“ angekommen und drehte zuletzt mit einer Action-All-Star-Besetzung im Dschungel „The Expendables“ (über Söldner, die tun, was Söldner tun).
Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich
Flüstern und Schreien – Ein Rockreport (DDR 1988, R.: Dieter Schumann)
Drehbuch: Dieter Schumann, Jochen Wisotzki
DEFA-Doku über die DDR-Rockszene, die es im Februar 1989 auf die Berlinale und im August 1989 sogar in die westdeutschen Kinos schaffte.
Im Mittelpunkt stehen die Bands „Feeling B.“ (mit Flake Lorenz und Paul Landers, später „Rammstein“), „Chicoree“ (mit Dirk Zöllner), „Sandow“ und, als bekannteste Band, „Silly“ (mit Tamara Danz). Es gibt Konzertausschnitte, Interviews mit den Musikern (auch über ihre politischen Ansichten) und den Fans.
„ein authentisches Filmpuzzle über das Lebensgefühl der heutigen DDR-Jugend“ meinte der Fischer Film Almanach, eher er die geringe Distanz des Regisseurs bemängelte. Nun, gerade das ist, rückblickend, ein Vorteil und die Musik ist auch nicht schlecht.
Seit Jahren stand „Die Seven-Ups“, der einzige Film von „Bullitt“- und „The French Connection“-Produzent Philip D’Antoni, mit Roy Scheider in der Hauptrolle, auf meiner Wunschliste. Aber im Fernsehen lief der Film nie und auch auf DVD machte er sich rar.
Sollte also, abgesehen von der legendären zehnminütigen Autoverfolgungsjagd, der Film einfach schlecht sein?
Nun, sagen wir es mal so: ein vergessenes Meisterwerk ist „Die Seven-Ups“ nicht. Dafür liefert der Film dann doch zu sehr die heute sattsam bekannten Polizeifilmklischees ab. Dabei hätte der Film, mit einem besseren Drehbuch, durchaus ein Klassiker werden können.
Denn die Geschichte, die heute wahrscheinlich in einer TV-Folge erzählt würde, ist nicht uninteressant. Buddy Manucci (Roy Scheider) ist der Chef der Spezialeinheit „Seven-Ups“, die, im Gegensatz zu normalen Polizisten, bei ihrer Arbeit große Freiheiten genießen. Immerhin erwarten die von den „Seven-Ups“ gejagten Verbrecher mindestens sieben Jahre Gefängnis. Wohin diese Freiheiten, die damals auch in der Realität einige Polizeieinheiten hatten, führten, kann man in „Prince of the City“ (das Sachbuch und die Verfilmung erzählen, was nach „The French Connection“ geschah) sehen.
Viele Tipps erhält Buddy von dem seinem Jugendfreund, dem Gangster Victo Lucia (Tony Lo Bianco), der in der Mafia-Hierarchie schon ziemlich mächtig ist. Lucia hat jetzt auch eine Methode gefunden, nebenher viel Geld zu machen: er lässt Gangsterbosse von falschen Polizisten entführen und lässt sie gegen ein erkleckliches Lösegeld wieder frei.
Die Gangster glauben, dass die falschen Polizisten echte Polizisten sind und auch in der Polizei werden die „Seven-Ups“ für die Drahtzieher gehalten. Als die Verbrecher einen von Buddys Kollegen deswegen umbringen, jagen die restlichen „Seven-Ups“ gnadenlos die Gangster.
Allerdings vertieft D’Antoni den zwischen Buddy und Lucia liegenden Konflikt zwischen Loyalität und Freundschaft nicht weiter. Er fragt auch nicht nach der Legitimität der Methoden. Effizienz genügt Buddys Vorgesetzten.
Damit gehört „Die Seven-Ups“ zu den damals erfolgreichen Thrillern, die nach der Legitimität des staatlichen Gewaltmonopols fragten und Großstädte als Dschungel begriffen, in dem die letzten Stellungskämpfe gegen ein überbordendes Verbrechen geführt wurden. Georg Seeßlen spricht in „Copland“ von „Polizisten im kontrollierten Bürgerkrieg“. Die „Dirty Harry“-Filme mit Clint Eastwood und „Ein Mann sieht rot“ mit Charles Bronson (der als Liberaler, während die Polizei wegsieht, zur Waffe greift) sind die auch heute noch bekannten Genrevertreter.
Auch stilistisch ist „Die Seven-Ups“ ein Kind der siebziger Jahre. Die vielen Außenaufnahmen von New York, Lagerhallen und Industriebrachen, die langen Einstellungen, die Ruhe, mit der die Kamera den Charakteren folgt, die wenigen Dialoge und die nur sparsam eingesetzte Musik von Jazzer und „The French Connection“-Komponist Don Ellis. Sogar, oder gerade, bei der zehnminütigen Autoverfolgungsjagd gibt es keine Musik, sondern nur die Fahrgeräusche der Autos und schreiend weglaufende Kinder. Diese Szene ist zwar nicht so spektakulär wie in „French Connection“ , aber immer noch mitreisend.
Und, auch das spricht für den Film, wir erfahren außerhalb ihrer Arbeit nichts von den Charakteren. Es gibt keine langen, gefühligen Familienszenen, keine privaten Subplots und auch keine Liebesgeschichte. „Die Seven-Ups“ ist ein reiner Männerfilm.
Roy Scheider, damals ein aufstrebender Star nach seinem „The French Connection“- und vor seinem „Der weiße Hai“-Ruhm, spielt Buddy Manucci, den Chef der Seven-Ups, als einen kühlen, äußerlich immer beherrschten Chef. Er würde niemals, wie Popeye Doyle in „The French Connection“, ausrasten. Stattdessen erinnert Buddy Manucci an Buddy Russo, Doyles, ebenfalls von Scheider gespielten, Partner in „The French Connection“ und dieser basiert auf dem echten Sonny Grosso, der in beide Filme involviert war.
Auch die anderen Schauspieler gefallen sich im Unterspielen – und verkörpern damit den Geist der Professionalität. Sie sind, egal ob Gangster oder Polizisten – und auf den ersten Blick ist auch nicht zu erkennen, auf welcher Seite die unauffällig gekleideten Männer stehen -, Profis, die ihr Handwerk beherrschen und ihre Moralkodex folgen. Probleme gibt es letztendlich nur durch die im falschen Moment unbesonnen reagierenden Entführer. Dass sie Probleme verursachen werden, verrät schon ihre, nach dem Standard des Films, viel zu auffällige Kleidung.
„Die Seven-Ups“ ist für Fans von Siebziger-Jahre-Filmen und düsteren Copthrillern ein Pflichttermin.
Denn, wenn ich es recht überlege, spricht gegen den Film nur das Drehbuch, das halt nur okay ist. Immerhin gab es seit „Die Seven-Ups“ unter anderem „Leben und Sterben in L. A.“ (noch düsterer und mit einer wiederum Maßstäbe setzenden Autoverfolgungsjagd), die TV-Serie „The Shield“ (die Macher haben definitiv „The Seven-Ups“ gesehen), „Training Day“, „Dark Blue“ und „Street Kings“ (eine quasi Los-Angeles-Polizeitrilogie von David Ayer, mit heftigem James-Ellroy-Einfluss) . Wobei diese Polizeigeschichten, bis auf „Leben und Sterben in L. A.“, keine Autoverfolgungsjagd haben.
Die Seven-Ups (The Seven-Ups, USA 1973)
Regie: Philip D’Antoni
Drehbuch: Albert Ruben, Alexander Jacobs (nach einer Geschichte von Sonny Grosso)
mit Roy Scheider, Victor Arnold, Jerry Leon, Ken Kercheval, Tony Lo Bianco, Larry Haines, Richard Lynch
Wer die Strecke der Autoverfolgungsjagd, natürlich unter strikter Beachtung der Geschwindigkeitsbegrenzungen, nachfahren will, sollte sich dieses Video ansehen
Für „Bullitt“ gibt es eine ähnliche Analyse, die ich im Moment nicht finde.
Angst über der Stadt (F/I 1974, R.: Henri Verneuil)
Drehbuch: Jean Laborde, Henri Verneuil, Francis Veber
Actionhaltiger, harter Polizeithriller in dem ein Pariser Kommissar, Typ „Dirty Harry“, einen Serienmörder jagt.
Nach dem Genuss von „Matrix“ und „Spider-Man“ wirken die Action-Szenen in „Angst über der Stadt“ zwar bedächtlich, aber Jean-Paul Belmondo ließ sich bei den zahlreichen Verfolgungsjagden, dem Abseilen von einem Hubschrauber und der Kletterei über die Dächer von Paris nicht doubeln. Bei den Schlägereien natürlich auch nicht. Die Story folgt den bekannten Genrekonventionen und Belmondo hatte in seiner ersten Polizistenrolle einen Kassenschlager.
„Angst über der Stadt“ ist „die mythische Dokumentation seiner Konversion von der Seite der Rebellen auf die Seite der Gesetz- und Ordnungsvertreter.“ (Georg Seesslen: Copland)
Anscheinend läuft heute zum ersten Mal die ungekürzte Fassung im TV. Denn für den deutschen Kinostart wurde der Film etwas gekürzt
Mit Jean-Paul Belmondo, Charles Denner, Catherine Morin, Berto Maria Merli, Lea Massari
Bretagne: Ein zehnjähriges Mädchen wird erdrosselt und vergewaltigt gefunden. Für die Kommissarin Lesage ist der Hauptverdächtige der erfolglose Zeichenlehrer der Ermordeten. Während sich der Verdächtige immer mehr zurückzieht, beginnt seine Frau für ihn zu kämpfen.
Eine weitere gelungene Zusammenarbeit des Teams Barski/Chabrol. In diesem ruhigen Provinzkrimi geht es um die verschiedenen Formen von Lüge.
Mit Sandrine Bonnaire, Jacques Gamblin, Antoine de Caunes, Valeria Bruni Tedeschi, Bernard Verley, Bulle Ogier
Für die Jüngeren gibt es ab 13.55 Uhr Klänge vom „Hurricane 2012“-Festival. Unter anderem Die Ärzte, The Cure, Blink 182, The Stone Roses, New Order und Sportfreunde Stiller.
Für die Älteren gibt es ab 20.15 Uhr Konzerte vom diesjährigen „Isle of Wight“-Festival. Dabei sind Bruce Springsteen, Tom Petty, Pearl Jam, Noel Gallagher’s High Flying Birds, Feeder, Ash, Primal Scream und den Stranglers.
Hausfrau Thelma und ihre Freundin, die Kellnerin Louise, brechen zu einem Wochenende ohne Männer auf. In einer Bar wird ein Mann zudringlich. In Notwehr erschießt Louise ihn. Weil ihnen das aber niemand glaubt, fliehen Thelma und Louise nach Mexiko. Verfolgt von der Polizei.
Ein feministisches Roadmovie, ein Kassen- und Kritikererfolg und inzwischen ein Klassiker.
Callie Khouri erhielt für ihr Drehbuch unter anderem den Oscar, einen Golden Globe und den Preis der Writers Guild of America. In ihren späteren Werken konnte sie an diesen Erfolg nicht anknüpfen.
mit Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt
„Small Town Murder Songs“ ist ein sperriger Film. Ein Film, der seinen Charakteren ihre Geheimnisse lässt, der vieles nur andeutet und keine Identifikationsfigur hat. Der Kleinstadtpolizist Walter (Peter Stormare) erscheint auf den ersten Blick wie der etwas hinterwäldlerisch-gutmütige Onkel, der allerdings in der Gemeinde misstrauisch beäugt wird. Denn hinter der Fassade brodelt es. Vor kurzem verprügelte er einen Mann. Seitdem versucht er noch drängender, im Glauben Halt zu finden. Oder sind für ihn die Gebete und die Gespräche, die fast schon penetrant vor sich her getragene Gläubigkeit, nicht die Suche nach Erlösung, sondern nur eine Möglichkeit, bei seiner jetzigen Frau zu bleiben und wieder ein respektiertes Mitglied der Mennoniten-Gemeinde zu werden?
Dieses geregelte Leben, in dem Feindschaften liebevoll gepflegt werden, nicht viele Worte gemacht werden (Man kennt sich ja seit Ewigkeiten) und Walter hilflos mitansehen muss, wie die eigene Verwandtschaft mit halbseidenen Geschäften Geld verdient, wird von einem Mordfall unterbrochen. Dem ersten seit Ewigkeiten. Am See wird, nach einem anonymen Telefonanruf, die nackte Leiche einer jungen, unbekannten Frau gefunden.
Walter verdächtigt schnell Steve (Stephen Eric McIntyre, „The Lookout“ [Die Regeln der Gewalt], „High Life“) als Mörder. Steve spannte Walter vor einem halben Jahr seine Freundin Rita (Jill Hennessy, „Law & Order“, „Crossing Jordan“) aus. Deshalb ist auch unklar, ob Steve, ein in kriminelle Aktivitäten verwickelter Posterboy für die White-Trash-Galerie, der Walter betont respektlos behandelt, wirklich etwas mit dem Mord zu tun hat oder Walter ihn nur verdächtigt, um sich so ein bisschen zu rächen.
Die Macher nennen „Small Town Murder Songs“, vollkommen zutreffend ein „gothic tale of crime and redemption“, das von „No Country for Old Men“ und „In Cold Blood“ (Kaltblütig) beeinflusst ist. Aber während in der Truman-Capote-Verfilmung „In Cold Blood“ das Böse von Außen in die friedliche Gemeinde kam, ist es in „Small Town Murder Songs“ ein integraler Bestandteil der Gemeinschaft und es gibt für Walter und die anderen Männer keine Erlösung.
Daran ändern auch die als strukturierendes Element eingestreuten religiösen Sprüche, die noch an Gass-Donnellys erste Idee, den Film als eine Abfolge von unverbundenen Szenen zu erzählen, die Roots-Rock-Musik der Indieband Bruce Peninsula und die streng durchkomponierten, atmosphärischen Landschaftsaufnahmen von Brendan Steacy nichts.
Obwohl Ed Gass-Donnellys Charakterstudie in Kanada spielt, reiht er sich in die düsteren US-amerikanischen Heimatfilme der letzten Jahre, wie der in Missouri spielenden Daniel-Woodrell-Verfilmung „Winter’s Bone“, die die Verwüstungen des Kapitalismus und der Bush-Ära im Hinterland, in dem die Moderne anscheinend nie angekommen und jede Hoffnung auf ein besseres Leben, den amerikanischen Traum, verloren ist, ein.
Small Town Murder Songs (Small Town Murder Songs, Kanada 2010)
Regie: Ed Gass-Donnelly
Drehbuch: Ed Gass-Donnelly
mit Peter Stormare, Aaron Poole, Martha Plimpton, Jill Hennessy, Stephen Eric McIntire, Ari Cohen, Jackie Burroughs
Van der Valk und die Reichen (D/F 1973, R.: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Robert Muller
LV: Nicholas Freeling: King of the rain country, 1966 (Bluthund)
Der niederländische Kommissar Van der Valk sucht im Milieu der Reichen den verschwundenen Juniorchef eines Konzerns im Milieu. Besonders fasziniert ist er von der Frau des Verschwundenen.
Der zweite von drei „Van der Valk“-Film mit Frank Finlay ist ein extrem selten gezeigtes Frühwerk von Wolfgang Petersen,
Freelings Roman wurde mit dem Edgar ausgezeichnet.
mit Frank Finlay, Judy Winter, Helmut Käutner, Hans H. Dickow
Es soll ja Menschen geben, die die letzten zehn Jahre in einem Paralleluniversum lebten und daher noch nie einen Superheldenfilm gesehen oder davon gehört haben. Für die ist die Geschichte von „The Amazing Spider-Man“ sicher absolut neu, fantastisch und faszinierend.
Die anderen haben in den vergangenen Jahren schon gefühlte tausendmal gesehen, wie ein Normalo zum Superhelden wird, am Ende des Films dann auch tapfer sein Schicksal schultert und, wenn die Kasse stimmte, weitere Abenteuer erleben durfte.
Sie haben auch Sam Raimis fantastischen „Spider-Man“ gesehen – und gegen diese Comicverfilmung hat Marc Webb Version der Origin-Story von Spider-Man, die er in „The Amazing Spider-Man“ erzählt, schlechte Karten. Immerhin reden wir nicht von „Hulk“.
Webb bemühte sich, der sattsam bekannten Geschichte neue Facetten abzugewinnen und eine Mischung aus eigenständiger Geschichte, Referenzen an die „Spider-Man“-Comics und Hommagen an Sam Raimis „Spider-Man“-Film zu kreieren. Doch gerade wenn er von Raimis Version abweicht, entscheidet er sich meist für die dramaturgisch schwächere Option, also die mit dem geringeren Konfliktpotential, oder er löst den Konflikt schnell in Wohlgefallen auf.
So ist Peter Parker in dem neuen „Spider-Man“-Film ein Schüler, der, nachdem sein Vater, ein Wissenschaftler, mit seiner Mutter spurlos verschwunden ist, bei seinen Großeltern aufwächst. Er ist irgendwie der Nerd der Schule. Als er im Keller eine Aktentasche seine Vaters mit einem Forschungsbericht findet, wird er neugierig. Er sucht den Kontakt zu Dr. Curt Connors (Rhys Ifans), dem Forschungskollegen seines Vaters, der bei OsCorp, mitten in Manhattan, in einem Hochsicherheitsforschungslabor arbeitet.
In dem Labor entdeckt Parker an einer Tür das Symbol, das auch auf der Akte stand. Er betritt das schlampig gesicherte Labor (er sieht, wie ein Mitarbeiter eine Kombination auf einen Touchscreen tippt und das ist die einzige Sicherung. Keine Codekarten. Keine Fingerabdrücke. Kein Irisscan. Nur gute alte Technik im neuen Design [wobei das vielleicht auch Absicht war und wir im zweiten Teil erfahren, warum das so gemacht wurde]) und er wird von einer Spinne gebissen.
Die Umwandlung von Parker zu Spider-Man geschieht atemberaubend schnell und Parker hat auch keine Probleme mit dem Akzeptieren seiner neuen Fähigkeiten.
Nachdem er indirekt für den Tod seines Onkels verantwortlich ist, beginnt er den Mörder zu suchen. Dabei räumt er, im „Kick-Ass“-Modus, auch unter den New Yorker Verbrechern auf.
Er verliebt sich in Gwen Stacy (Emma Stone), der Tochter des Polizeichefs (Denis Leary), der ihn gnadenlos jagt. Parker gesteht ihr nach dem ersten gemeinsamen Abendessen, dass er Spider-Man ist.
Und irgendwann probiert Connors die Wunderformel an sich aus und mutiert, ratzfatz, zur Eidechse, die sich in der Kanalisation versteckt und blindwütig durch Manhattan tobt.
Und wem das jetzt zu episodisch klingt, dem muss ich sagen, dass der Film genauso episodisch ist und viel zu viele Aktionen keine Folgen haben. Fast, als habe man einfach die besten Szenen aus mehreren Drehbüchern von James Vanderbilt („Zodiac“, „The Losers“), Alvin Sargent („Paper Moon“, „Nuts“,„Spider-Man 2“, „Spider-Man 3“) und Steve Kloves (fast alle „Harry Potter“-Drehbücher, „Wonder Boys“ und, auch als Regisseur, „The Fabulous Baker Boys“) zusammengeklebt und dann schnell die gröbsten Unstimmigkeiten ausgebügelt.
Denn dass Parker in das Labor eingebrochen ist, wird später nicht mehr thematisiert. Auch nicht, warum es dieses große Spinnenlabor gibt. In Raimis Film geschah es bei einem Schulausflug und gehörte in die Kategorie „Shit happens“.
Der Bösewicht des Films, der Wissenschaftler Curt Connors, wird erst sehr spät zum Bösewicht, der als Mad Scientist austauschbar bis zur letzten Minute bleibt.
In Raimis „Spider-Man“-Film war der Bösewicht der Vater seines besten Freundes. In dem neuen „Spider-Man“-Film hat Parker keine Freunde und der Konflikt zwischen seiner Freundin und ihrem Vater ist eher behauptet als real.
Und dass er seiner Freundin gleich seine Identität als Spider-Man verrät und sie es umstandslos akzeptiert, ist, nun, nicht gerade spannungsfördernd.
Sowieso zieht er bei jeder sich passenden Gelegenheit, möglichst vor viel Publikum, seine Maske so oft ab, dass man irgendwann das Gefühl hat, dass er sie gar nicht mehr anziehen muss.
Ach ja, den Mörder seines Onkels findet er nicht. Irgendwann hat er dann ja auch, dank des durch New York tobenden The Lizard, etwas anderes zu tun.
Und so plätschert der Film zwischen den einzelnen Set-Pieces weitgehend spannungsfrei bis zum Ende vor sich hin – und während des Abspanns gibt es dann noch einen Hinweis auf den zweiten Teil, der so sicher wie das Amen in der Kirche kommt, aber erschreckend lieblos präsentiert wird.
Das „Real 3D“ hätte man sich sparen könne. Die meiste Zeit ist der 3D-Effekt überflüssig und stört nicht sonderlich, aber meistens sieht’s einfach falsch aus.
Insgesamt erinnert „The Amazing Spider-Man“ eher an „Spider-Man 3“, als an „Spider-Man 1“. Immerhin ist er deutlich besser als „Green Lantern“.
Denn, das muss ich auch zugegen, so schlecht, wie ich den Film jetzt gemacht habe, ist er auch nicht. Aber Raimis Version ist, jedenfalls in der Erinnerung, einfach viel besser.
In der Fortsetzung von „The Amazing Spider-Man“ erfahren wir dann auch vielleicht, warum Peter Parkers Vaters spurlos verschwunden ist. Dann würden die Macher wirklich neue Wege beschreiten.
The Amazing Spider-Man (The Amazing Spider-Man, USA 2012)
Regie: Marc Webb
Drehbuch: James Vanderbilt, Alvin Sargent, Steve Kloves (nach einer Geschichte von James Vanderbilt)
LV: Charakter von Stan Lee und Steve Ditko
mit Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Campbell Scott, Irrfan Khan, Martin Sheen, Sally Field, C. Thomas Howell, Stan Lee (Schulbibliothekar)
Hallam Foe – Aus dem Leben eines Außenseiters (GB 2007, R.: David Mackenzie)
Drehbuch: David Mackenzie, Ed Whitmore
LV: Peter Jinks: Hallam Foe, 2001 (Über roten Dächern)
Der 17-jährige Außenseiter Hallam Foe glaubt, dass seine Stiefmutter seine Mutter ermordet hat. Da trifft er die Hotelpersonalchefin Kate. Sie ist das Ebenbild seiner Mutter.
„Einfach mitreisend ist dieser Abenteuertrip eines jungen Ausreißers, faszinierend mühelos changiert das freche Szenario zwischen Murder Mystery mit Gothic Touch und moderner Lovestory. Ein Film, der ganz tief im Zuschauer seinen Widerhall findet.“ (Programm Fantasy Filmfest 2007)
„A viewing delight.“ (Variety)
Mit Jamie Bell, Sophia Myles, Ciarán Hinds, Claire Forlani
Drehbuch: Bruno Tardon, Patrick Dewolf, Patrice Leconte, Michel Blanc
Zwei flüchtige Verbrecher wollen ein Kasino ausrauben.
Damals gefiel mir im Kino der französische Kassenhit, der auch in Deuschland im Kino von fast 350.000 Leuten gesehen wurde (Platz 48 der 1985er Besucherstatistik).
Heute immer noch? Ich denke schon, denn: „Ein originelles Drehbuch, flotte Regie und gute Darsteller heben diesen Film über das Mittelmaß der meisten Actionstreifen hinaus.“ (Fischer Film Almanach 1986)
Leconte drehte später die Georges-Simenon-Verfilmung „Die Verlobung des Monsieur Hire“, „Der Mann der Friseuse“, „Die Frau auf der Brücke“ und „Die Witwe von Saint-Pierre“.
mit Bernard Giradeau, Gérard Lanvin, Christiane Jean, Maurice Barrier, Bertie Cortez
Wenn zwei junge Menschen in die Einöde fahren und irgendwann ihr Auto liegen bleibt, dann muss man kein Genrejunkie sein, um sich auszurechnen, was passieren wird. Denn in der Einöde gibt es immer mindestens einen Einsiedler, der die Eindringlinge als Beute betrachtet und sie vor der rituellen Verspeisung noch ordentlich quälen will.
Allerdings hat Wolfgang Weigl in seinem Spielfilmdebüt gar keinen Survival-Horrorthriller, sondern einen Liebesfilm gedreht. Das Spiel mit den Thriller-Erwartungen sollte die Zuschauer nur auf eine falsche Fährte locken.
Das ist ihm gelungen.
Allerdings stehen sich in dem optisch beeindruckendem „Blindlings“ der Liebesfilm und der Horrorfilm im Weg. Die Horrorfilm-Elemente sind letztendlich nur falsche Fährten, der Liebesfilm plätschert vor sich hin, weil das frühere Liebespaar Max und Eva meistens getrennt durch den winterlichen Wald stolpert. Immerhin taucht sie, knapp bekleidet, in seinen Fantasien auf und redet mit ihm.
So ist „Blindlings“, das eine Metapher über vereiste Gefühle, Sprachlosigkeit und Irrtümer sein will, eine zähe Liebesgeschichte über das Ende einer Liebe, in der Max, Eva und der Einsiedler sich möglichst bescheuert benehmen. Der Einsiedler huscht durch den Wald und, vor allem nachdem deutlich wird, dass er sie nicht zum Abendessen verspeisen will, ist sein Verhalten nur noch seltsam. Max und Eva stolpern die meiste Zeit getrennt durch den Wald und rufen den Namen des anderen. Warum sie nicht gemeinsam loslaufen, warum sie nicht am Auto aufeinander warten und Hupsignale geben, warum sie stattdessen den Namen des anderen in den Wald rufen, bleibt nebulös. Das Ende des Films funktioniert sogar nur, weil er, gegen jede Vernunft, nichts sagt.
Das Bonusmaterial ist definitiv einen Blick wert und auch der Audiokommentar von Wolfgang Weigl ist sehr informativ.
Blindlings (D 2009)
Regie: Wolfgang Weigl
Drehbuch: Wolfgang Böhm, Florian Puchert, Wolfgang Weigl
mit Mirkus Hahn, Barbara Romaner, Klaus Stiglmeier
Mit knapp achtzig Minuten (ohne Abspann) ist „Point Blank – Aus kurzer Distanz“ das filmische Äquivalent zu einem Punk-Song. Und vielleicht gibt es, wie bei Fred Cavayés erstem Film „Ohne Schuld“ (Pour elle, Fr 2008), wieder ein Hollywood-Remake, das dann gute vierzig Minuten mehr Zeit zum Erzählen der Geschichte braucht. Denn das „Ohne Schuld“-Remake „72 Stunden – The next three Days“ (USA 2010) über einen Lehrer, der seine unschuldig im Gefängnis sitzende Frau befreit, dauert über 130 Minuten, ohne dem Original irgendetwas wesentliches beizufügen.
Auch in „Point Blank“ muss ein Normalo eine Entscheidung treffen, die sein gesamtes Leben beeinflusst. Wobei; – die Bösewichter für ihn die Entscheidung getroffen haben, nachdem der Krankenpfleger Samuel Pierret (Gilles Lellouche) während der Nachtwache einen Besucher, der den schwerverletzten Hugo Sartet (Roschdy Zem) umbringen wollte, verscheucht.
Als Pierret von der Nachtschicht nach Hause kommt, haben die Verbrecher seine hochschwangere Frau als Geisel genommen. Sie wollen, dass er Sartet aus dem Krankenhaus schmuggelt.
In letzter Sekunde patzt er und die Beiden befinden sich auf der Flucht. Dabei muss Pierret, dessen größtes Verbrechen bisher wahrscheinlich ein Bei-rot-über-die-Ampel-gehen war, feststellen, dass der Einbrecher Sartet von korrupten Polizisten, die über Leichen gehen, gejagt wird. Diese Zögern auch nicht, Pierret im Fernsehen als kaltblütigen Polizistenkiller hinzustellen.
„Point Blank – Aus kurzer Distanz“ beeindruckt mit knackigen, altmodisch-realistischen Actionszenen, überraschenden Wendungen und einer hinterfotzigen Geschichte mit einem ordentlichem Schuss Hitchcock.
Als Bonusmaterial gibt es ein fünfzigminütiges „Making of“, das als Drehbericht einige interessante Einblick in den Film und die Dreharbeiten vermittelt. Aber im Vergleich zum Film ist dieser Blick hinter die Kulissen eindeutig zu lang geraten ist.
Point Blank – Aus kurzer Distanz (À bout portant, Frankreich 2010)
Regie: Fred Cavayé
Drehbuch: Fred Cavayé, Guillaume Lemans
mit Gilles Lellouche, Roschdy Zem, Elena Anaya, Gérard Lanvin, Mireille Perrier, Claire Pérot, Moussa Maaskri, Pierre Benoist, Valérie Dashwood
Gut, davor gibt es um 20.15 Uhr Rainer Werner Fassbinders „Fontane – Effi Briest“ (D 1974) und danach, um 23.55 Uhr, sein Regiedebüt, den Kurzfilm „Der Stadtstreicher“ (D 1965), aber für Krimifans ist natürlich erster Spielfilm „Liebe ist kälter als der Tod“ (D 1969) viel wichtiger.
Arte, 22.30
Liebe ist kälter als der Tod (D 1969, R.: Rainer Werner Fassbinder)
Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder
Zuhälter Franz will nicht für das Syndikat (aka die US-Mafia) arbeiten. Zusammen mit dem Killer Bruno und der Hure Joanna plant er einen Bankraub. Aber zwei von den dreien spielen falsch.
Ein Gangsterdrama, das ein anderes Bild vom Verbrechen zeichnet als die Edgar-Wallace- und Stahlnetz-Filme und deutlich seine Vorbilder zitiert.
„Aus all diesen Versatzstücken und Zitaten wurde indes ein persönlicher Film, der sich auch von vergleichbaren Arbeiten anderer junger Regisseure der Zeit unterscheidet, von Lemkes ’48 Stunden bis Acapulco‘ und Thomes ‚Detektive‘: er ist schäbiger, trostloser und noch hollywoodferner als diese beiden anderen Münchner Kriminalfilme.“ (Wilhelm Roth, in Rainer Werner Fassbinder, Reihe Film 2, Carl Hanser Verlag, 1985)
mit Ulli Lommel, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder, Hans Hirschmüller, Ingrid Caven, Irm Hermann, Yaak Karsunke (als Kommissar)
Die Astronauten Bower (Ben Foster) und Payton (Dennis Quaid) erwachen auf dem Raumschiff „Elysium“ ziemlich unsanft aus dem Kälteschlaf. Schnell bemerken sie, dass das Raumschiff sich in einem desaströsem Zustand befindet und sie nicht allein an Bord sind.
Optisch beeindruckendes, durchaus kurzweiliges Science-Fiction-B-Picture, bei dem die Story letztendlich eher abstrus als logisch ist. Aber Alvart hatte damals weitere Teile geplant.
Alvart drehte vorher den Thriller „Antikörper“.
mit Dennis Quaid, Ben Foster, Antje Traue, Cam Gigandet, Cung Le, Wotan Wilke Möhring
Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.
Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.
Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen
In seinem Audiokommentar betont John Carpenter immer wieder, dass „Assault – Anschlag bei Nacht“ aus heutiger Sicht zu langsam erzählt sei und es ist beim Wiedersehen mit diesem Klassiker auch auffällig, wie viel Zeit er sich für das Set-Up nimmt. Immerhin dauert es eine halbe Stunde, bis es zu dem legendären Mord am Eiscremewagen kommt und erst nach vierzig Filmminuten beginnt die Belagerung des Polizeireviers von sich im Dunkeln versteckenden und aus dem Hinterhalt schießenden Straßengangmitgliedern.
Carpenters filmisches Vorbild für diese Belagerung, und daraus machte er nie einen Hehl und auch in seinem Audiokommentar betont er es mehrmals, ist Howard Hawks Western „Rio Bravo“, den er in die Gegenwart und nach Los Angeles verlegte, wo er lange nach Orten suchte, die bedrohlich genug für seinen Film aussahen.
Dabei ist diese erste Hälfte nicht langweilig. In ihr werden die einzelnen Charaktere (die sich aus verschiedenen Ethnien zusammensetzenden Gangmitglieder, der afroamerikanische Revierchef für eine Nacht, die junge Sekretärin des Reviers, der psychopathische Häftling, das kleine Mädchen, das am Eiscremewagen kaltblütig erschossen wird und ihr rachedurstiger Vater, der vor den Verbrechern in das Polizeirevier flüchtet) und das eigentlich schon geschlossene und deshalb nicht mehr arbeitsfähige Polizeirevier (das deshalb auch in der Großstadt von der Welt so abgeschnitten ist wie Rio Bravo) vorgestellt. Hier, in seinem ersten echten Spielfilm (immerhin drehte er sein Regiedebüt „Dark Star“ über mehrere Jahre; in „Assault“ hatte er dagegen ein Low-Budget-Budget, einen straffen Drehplan und richtige Schauspieler), zeigt er sich schon als ein Meister der Suspense.
Denn vom ersten Bild an liegt die bedrohliche Stimmung von nahendem Unglück, wie ein herannahendes Gewitter an einem schwülen Sommertag, über dem Film. Dass am Anfang von „Assault“ Polizisten in einen Hinterhalt Mitglieder einer Straßengang kaltblütig erschießen, hilft beim Kreieren dieser Stimmung. Und natürlich der von John Carpenter eingespielte, hypnotische Soundtrack. Als John T. Chance (so hießt John Wayne in „Rio Bravo“) übernahm Carpenter auch den Schnitt.
Das Breitwandbild verschafft dem Film auch optisch eine Western-Atmosphäre. Die Charaktere sind typische Western-Charaktere, die letztendlich ihrem Moralkodex folgen: der Polizist, der ohne zu klagen die Station verteidigt und schon vom ersten Bild an larger than life ist; der Verbrecher, der sich nichts gefallen lässt und dann doch, natürlich auch getrieben vom Überlebenswillen, ohne zu zögern sein Leben für die anderen Geisel einsetzt; die Frau, die auch mit der Waffe umgehen kann und keinen Beschützer braucht.
Und die Gewaltausbrüche sind plötzlich, heftig und auch mit einer Portion Zynismus inszeniert.
Nach „Assault“ inszenierte John Carpenter den unterschätzten und ziemlich unbekannten TV-Thriller „Das unsichtbare Auge“, die Horrorfilmklassiker „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (der weitere Nächte, von anderen Regisseuren inszeniert, folgten), „The Fog – Nebel des Grauens“ und die SF-Klassiker „Die Klapperschlange“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“, das zunächst an der Kinokasse floppte und inzwischen kultig verehrt wird. In Deutschland war der Film bis August 2009 indiziert.
Mit der Stephen-King-Verfilmung „Christine“, der herzigen „E. T.“-Variante für Erwachsene „Starman“ und der durchgeknallten Action-Comedy „Big Trouble in Little China“ (die inzwischen im allgemein Ansehen gestiegen ist) setzte er seine Serie von bemerkenswerten Filmen fort. Seine späteren Filme „Die Fürsten der Dunkelheit“, „Sie leben!“, „Jagd auf einen Unsichtbaren“, „Die Mächte des Wahnsinns“, „Das Dorf der Verdammten“, sein grottiges „Die Klapperschlange“-Remake „Flucht aus L. A.“, sein indizierter Vampirwestern „Vampire“ (der mir gefiel), sein lärmiger Zombies-auf-dem-Mars-Western „Ghosts of Mars“ und, zuletzt, „The Ward“ konnten dann, trotz interessanter Aspekte, nicht mehr an die Erfolge seines Frühwerks anknüpfen.
„Assault“ war bis zum 31. März 2005 in Deutschland indiziert. Jetzt ist er ab 16 Jahre freigegeben und, auch wenn weniger Blut fließt als in einem neuen Actionfilm, verfehlt er nicht seine Wirkung als spannender, harter Thriller mit zahlreichen filmischen Referenzen. Neben „Rio Bravo“ sind die deutlichsten Referenzen an George A. Romeros Zombie-Klassiker „Die Nacht der lebenden Toten“, in dem Zombies ein abgelegenes Haus über eine Nacht belagern und ein Afroamerikaner der Held ist.
Die Qualitäten des Thrillers wurden, wie auch Carpenter in seinem informativen und selbstkritischen Audiokommentar und dem auf der Blu-ray und DVD enthaltenem Publikumsgespräch sagt, in Europa von den Filmkritikern sofort erkannt. In den USA waren die Kritiken solala und auch an der Kinokasse lief der Film solala. Heute ist er ein Klassiker, der in keiner Liste der besten Actionfilme der siebziger Jahre fehlt und auch in vielen Listen der besten Actionfilme aller Zeiten vertreten ist.
Ein Wiedersehen mit dem Film zeigt auch warum: „Assault – Anschlag bei Nacht“ ist ein ökonomisch erzählter, harter, zynisch-illusionsloser Thriller, der intelligent und überraschend bekannte Western-Muster in die Gegenwart transferiert.
Die Limited Collector’s Edition von Capelight
Wow! Das beginnt schon mit dem schicken Retro-Cover (Tausendmal besser als das alte, doch ziemlich billig aussehende Cover) und der Verpackung. Drin sind neben einem Booklet der Film auf Blu-Ray (fantastisches Bild!) und DVD und eine weitere DVD mit der gut einstündigen Dokumentation „Do you remember Laurie Zimmer?“, in der Charlotte Szlovak vor zehn Jahren die Hauptdarstellerin von „Assault“ suchte. Denn kurz nach dem Film verschwand Laurie Zimmer aus Hollywood. Szlovak, die damals mit Laurie Zimmer einige Aufnahmen für ein Filmprojekt machte, fragte sich, was mit ihr geschah.
Assault – Anschlag bei Nacht (Assault on Precinct 13, USA 1976)
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter
mit Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, Tony Burton, Charles Cyphers, Nancy Loomis, Peter Bruni
auch bekannt als „Das Ende“ und „Anschlag bei Nacht“
Ton: DD 2.0 (mono, remastered), Deutsch und Englisch & DD 5.1 Deutsch und Englisch (DVD), DTS-HD Master Audio 2.0 (mono, remastered) Deutsch und Englisch & DTS-HD Master Audio 5.1 Deutsch und Englisch (Blu-Ray)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Audiokommentar von John Carpenter (deutsch untertitelt), Interview mit John Carpenter und Austin Stoker, Original Kinotrailer, 2 Radio-Spots, Dokumentation „Do You Remember Laurie Zimmer?“ (deutsch untertitelt), Booklet
Matrix (USA 1998, R.: Andy Wachowski, Larry Wachowski)
Drehbuch: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Hacker Neo ist der nette Nerd von nebenan, bis er erfährt, dass die Wirklichkeit nicht die Wirklichkeit ist und dass er der Erlöser ist.
Kommerziell unglaublich erfolgreicher, Hugo- und Nebula-nominierter Science-Fiction-Klassiker, in dem es erstmals gelang, die Ideen der Cyberpunk überzeugend in einen Realfilm zu transportieren. Die beiden Fortsetzungen „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ sind dagegen ein Fall für die filmische Mülltonne und auch bei der „Matrix“ kann man sich an einigen groben Logikfehlern und Widersprüchen stoßen. Z. B.: Warum sollten die Maschinen uns Menschen mit einer Computersimulation betäuben? Warum sollten wir Menschen aus der Computersimulation ausbrechen wollen? Vor allem, wenn die Erde ungefähr so bewohnbar wie die dunkle Seite des Mondes ist.
Danach, um 22.45 Uhr, läuft „Matrix Revolutions“.
mit Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie Anne Moss, Hugo Weaving, Gloria Foster, Joe Pantoliano
Wenn einige junge Amerikaner eine Rucksacktour durch Europa machen, besuchen sie die üblichen Touristenattraktionen.
Wenn die jungen Amerikaner nach Osteuropa gehen, weichen sie immer noch nicht von ihrem geplanten Touristenprogramm ab.
Aber selbstverständlich lassen sie sich einen Ausflug nach Tschernobyl nicht entgehen. Genaugenommen Pripyat, das einen Steinwurf weit weg von den zerstörten Reaktoren ist. Und zu Hause können sie dann mit einem besonderen „Mein Besuch in der Todeszone“-Erlebnis protzen.
Wenn diese Rucksacktouristen die Protagonisten eines Films sind, dann ist dieser Ausflug keine lauschige Landpartei mit, wenn der Geigerzähler etwas ausschlägt, mildem Gänsehautfaktor.
Nein. Dann ist Tschernobyl keine vor einem viertel Jahrhundert verlassene, menschenleere Gegend, sondern irgendwelche mutierten Tiere und andere Wesen sind immer noch da und die Überlebensaussichten der Touristen tendieren gegen Null.
Das haben wir schon oft gesehen und „Chernobyl Diaries“ hält sich auch brav an die Genrekonventionen. Aber trotzdem ist der von Regiedebütant Brad Parker, nach einer Geschichte von Oren Peli (der auch diesen Film und „Paranormal Activity“ produzierte), Carey van Dyke und Shane van Dyke, inszenierte Film einen Blick wert. Denn sie erzählen die Geschichte fast schon altmodisch gemütlich. Sie lassen sich, bis zum ersten Angriff, viel Zeit. Vieles bleibt im Dunklen – und damit der Fantasie des Zuschauers überlassen, der im Zweifelsfall viel schlimmere Bilder imaginiert, als die Macher zeigen können. Sowieso konzentriert Parker sich mehr auf das Schaffen von Suspensemomenten als auf Schocks und Blut. Die Schauspieler und die improvisierten Dialoge sind okay. Oscar-verdächtige Leistungen erwartet in so einem Film sowieso niemand.
Das größte Plus des in Belgrad und der Umgebung von Budapest gedrehten Film (immerhin ist bei diesem Film verständlich, warum nicht vor Ort gedreht wurde) sind die Locations: die herbstliche Landschaft (gedreht wurde im November) und die verlassene Trabantenstadt, die von den Jugendlichen erkundet wird. Diese Bilder einer von Menschen verlassenen und jetzt verfallenden Stadt beklemmen – und sind der Grund, den 08/15-Horrorfilm anzusehen.
Ach ja, und wer Pripyat besuchen will, kann das ganz legal tun. Denn es gibt inzwischen Touren in das verseuchte Gebiet.
Chernobyl Diaries (Chernobyl Diaries, USA 2012)
Regie: Brad Parker
Drehbuch: Oren Peli, Carey van Dyke, Shane van Dyke (nach einer Geschichte von Oren Peli)
mit Devin Kelley, Jonathan Sadowski, Ingrid Bolsø Berdal, Olivia Taylor Dudley, Jesse McCartney, Nathan Phillips, Dimitri Diatchenko