LV: Sherman Alexie: The Lone Ranger and Tonto Fistfight in Heaven, 1993 (Regenmacher, Smoke Signals)
Extrem selten gezeigtes, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnetes, absolut sehenswertes Roadmovie über zwei junge Indianer, die die Asche von Victors Vater in das Reservat bringen wollen.
„Ein Film, der lange weitergeht im Kopf und Lust aufs Leben macht.“ (Frauke Hanck, AZ, 3. Dezember 1998)
„I’d give it a B- in artistic terms and an A+ in political terms.“ (Sherman Alexie)
mit Adam Beach, Evan Adams, Irene Bedard, Gary Farmer
Das hat aber lange gedauert. Denn die zweite Staffel der sehr vergnüglichen Crime-Comedy-Serie „Leverage“ lief bereits vor einem Jahr im Fernsehen. Aber jetzt ist sie, nicht mehr, wie die erste Staffel, bei Universum, sondern bei Edel erschienen und die dritte Staffel erscheint, ebenfalls bei Edel, am 7. Dezember. Im Fernsehen läuft Montags auf Vox derzeit die vierte Staffel und in den USA läuft schon die fünfte Staffel. Für Nachschub ist gesorgt.
Das liegt auch daran, dass das „Leverage“-Team gegen Bösewichter kämpft, die die Lücken des Gesetzes ausnutzen und die kleine Leute skrupellos um ihr Vermögen bringen. Von diesen Verbrechern im Nadelstreifenanzug, die fast nie von einem Gericht bestraft werden, gibt es viel zu viele.
Aber manchmal betritt das aus Nathan Ford (Timothy Hutton), einem ehemaligen Versicherungsdetektiv, der seiner Versicherung Millionenzahlungen ersparte, bis sein Sohn todkrank wurde und die Versicherung die Behandlung nicht bezahlte, Sophie Deveraux (Gina Bellman), einer begnadeten Trickbetrügerin, Eliot Spencer (Christian Kane), ein Söldner, der sich anscheinend schon durch jede Gangsterhöhle schlug, Alex Hardison (Aldis Hodge), einem Computergenie, das sich in jedes System hacken kann, und Parker (Beth Riesgraf), einer Einbrecherin und Fassadenkletterin (und sie könnte wirklich Parkers Tochter sein), bestehende „Leverage“-Team die Bühne. Bei einigen Jobs in der zweiten Staffel hilft ihnen Tara Cole (Jery Ryan), eine Freundin von Sophie Deveraux.
Ford, der lange Zeit mit seinem Alkoholismus kämpft, ist der Kopf der Gruppe und er konnte in der ersten „Leverage“-Staffel diese Verbrecher überzeugen, dass es wirklich Spaß macht und das Gewissen (sofern sie überhaupt eins hatten) beruhigt, die großen, skrupellosen Bösewichter, die sich auf Kosten der Armen und Machtlosen bereichern, zu betrügen.
Deshalb war am Ende der ersten Staffel die Rückkehr der Verbrecher in ihr altes Leben nur von kurzer Dauer (Okay, die guten Quoten waren auch hilfreich.) und in der zweiten Staffel, die aus 15 Episoden besteht (zwei mehr als Staffel 1), kämpfen sie gegen betrügerische Banker, einen betrügerischen Mixed Martials Promoter, eine skrupellose Sensationsjournalistin, einen skrupellosen Lebensmittelhersteller (hier darf Nathan Ford als Magier das Publikum verzaubern), einen halbseidenen Diamantenhändler, einen zwielichtigen Anwalt, einen gierigen Geldeintreiber (der die Stammkneipe des „Leverage“-Teams übernehmen will und der nicht mit der Bande ehrbarer Diebe und den anderen Stammgästen des Pubs rechnete) und im neunzigminütigem Staffelfinale kämpfen sie gegen einen korrupten Bürgermeister.
Es gibt einen Ausflug in die Modewelt und einmal dürfen sie sich auch mit einer anderen Diebesbande um ein Gemälde kloppen.
„Leverage“ ist eine leichtgewichtige, aber gut gemachte Krimikomödie, die durchaus ernste Themen anspricht und als Robin-Hood-Variante implizit in jeder Episode zum Klassenkampf aufruft.
Die Schauspieler haben ihren Spaß in den verschiedenen Rollen, die sie für ihre Betrügereien einnehmen müssen. Die Dialoge sind flott. Und die Geschichten voller gelungener Überraschungen.
Die englischen Episodentitel, die immer mit „Job“ enden, zeugen in ihrem Anspielungsreichtum, wie „The Three Day of the Hunter Job“ und „The Maltese Falcon Job“, dass hier einige Krimifans arbeiten.
Das ist kurzweilige Unterhaltung, die niveauvoll unterhält, dabei auf Grips und nicht auf Gewalt setzt und bei der wir die Helden nicht zu irgendwelchen Obduktionen begleiten müssen.
Das Bonusmaterial
Das Kernstück des Bonusmaterials ist ein gut zwanzigminütiges Interview mit den „Leverage“-Machern Dean Devlin, John Rogers und Chris Downey. Der Rest bewegt sich im üblichen Rahmen und bietet einige spezielle Einblicke in die Serie.
Leverage – Staffel 2 (Leverage, USA 2009/2010)
Erfinder: John Rogers, Chris Downey
mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Devereaux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardison), Jeri Ryan (Tara Cole)
–
DVD
Edel
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial (50 Minuten):Interview mit den Machern von Leverage (Dean Devlin, John Rogers, Chris Downey), Aldis Holdis: Der Hand-Job-Schwindel, Imagefilm über den Musiker Andy Lange, Hinter den Kulissen: Special Effects, Outtakes, Filmsetführung mit „Leverage“-Produzent John Rogers
Länge: 622 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
Die Jobs des zweiten „Leverage“-Jahrgangs
Ausgebremst (The Beantown Bailout Job, US-Erstausstrahlung: 15. Juli 2009)
Regie: Dean Devlin
Drehbuch: John Rogers
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Ring Frei (The Tap Out Job, US-Erstausstrahlung: 22. Juli 2009)
Regie: Marc Roskin
Drehbuch: Albert Kim
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Quarantäne ( The Order 23 Job, US-Erstausstrahlung: 29. Juli 2009)
Regie: Rod Hardy
Drehbuch: Chris Downey
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Hausarrest (The Fairy Godparents Job, US-Erstausstrahlung: 5. August 2009)
Regie: Jonathan Frakes
Drehbuch: Amy Berg
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Rufmord (The Three Days of the Hunter Job, US-Erstausstrahlung: 12. August 2009)
Regie: Marc Roskin
Drehbuch: Melissa Glenn, Jessica Rieder
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Verseucht (The Top Hat Job, US-Erstausstrahlung: 19. August 2009)
Regie: Peter O’Fallon
Drehbuch: M. Scott Veach, Christine Boylan
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Scheintot (The Two Live Crew Job, US-Erstausstrahlung: 26. August 2009)
Regie: Dean Devlin
Drehbuch: Amy Berg, John Rogers
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Diamantenfieber (The Ice Man Job, US-Erstausstrahlung: 2. September 2009)
Regie: Jeremiah Chechik
Drehbuch: Christine Boylan
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Erbschleicher (The Lost Heir Job, US-Erstausstrahlung: 9. September 2009)
Regie: Peter Winther
Drehbuch: Christ Downey
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Modepiraten (The Runway Job, US-Erstausstrahlung: 13. Januar 2010)
Regie: Mark Roskin
Drehbuch: Albert Kim
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Schuldschein (The Bottle Job, US-Erstausstrahlung: 20. Januar 2010)
Regie: Jonathan Frakes
Drehbuch: Christine Boylan
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Eierdiebe (The Zanzibar Marketplace Job, US-Erstausstrahlung: 27. Januar 2010)
Regie: Jeremiah Chechik
Drehbuch: Melissa Glenn Jessica Rieder
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Scharlatan (The Future Job, US-Erstausstrahlung: 3. Februar 2010)
Regie: Mark Roskin
Drehbuch: Amy Berg, Chris Downey
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Schlagabtausch (The Three Strikes Job, US-Erstausstrahlung: 10. Februar 2010)
Regie: Dean Devlin
Drehbuch: John Rogers
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Höhle des Löwen (The Maltese Falcon Job, US-Erstausstrahlung: 17. Februar 2010)
Buch: William Monahan, Andrew Bovell (nach dem Drehbuch von Troy Kennedy Martin)
Vor der Haustür des Polizisten Thomas Craven erschießen Unbekannte seine Tochter. Craven glaubt, dass der Anschlag ihm gegolten hat. Er beginnt ihren Mörder zu jagen.
Nachdem Mel Gibson in den vergangenen Jahren vor allem als Regisseur und wegen anderer Dinge von sich reden machte (Hey, wir haben doch alle kopfschüttelnd die Meldungen auf den Bunten Seiten gelesen.), übernahm nach einer siebenjährigen Schauspielpause für diesen leicht noirischen Politthriller endlich wieder einmal die Hauptrolle und es wurde eine veritable Soloshow.
„Auftrag Rache“ ist das Remake der hochgelobten, sechsstündigen BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“ (Edge of Darkness) von 1985, die ebenfalls von Martin Campbell inszeniert wurde und ein mit mehreren BAFTAs (unter anderem „Beste TV-Serie“) ausgezeichneter „Meilenstein der Fernsehgeschichte“ (Martin Compart: Crime TV) ist. Dagegen ist das Remake nur austauschbare 08/15-Kost.
„Simpler Thriller, der das Spannungspotential seiner Actionszenen inszenatorisch nicht sonderlich ausschöpft und dessen politische Hintergründe eher konfus gezeichnet sind.“ (Lexikon des internationalen Films)
Departed – Unter Feinden (USA 2006, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: William Monahan
Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.
„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.
Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.
Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres
Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser).
Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und, umpf, Keira Knightley) ab.
Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alex Baldwin
James Bond: In tödlicher Mission (GB 1981, R.: John Glen)
Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson
LV: Ian Fleming: For you eyes only, 1960 (Für Sie persönlich, Kurzgeschichte), Risico, 1960 (Riskante Geschäfte, Kurzgeschichte)
James Bond sucht im Mittelmeer ein verschwundenes Gerät zur Steuerung der U-Boot-Flotte, das ATAC. Es wurde von dem griechischen Millionär Kristatos geklaut, der es an die Sowjets verkaufen will.
Einer der besseren Roger-Moore-Bonds. „Variety“ hielt „In tödlicher Mission“ sogar für einen der durchgehend erfreulichsten aller bis dahin gedrehten zwölf Bond-Filme. Andere Kritiker meinten, es sei ein Remake von „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (Hm.) und eine einzige Verfolgungsjagd (Gut!) mit viel Werbung (Schlecht!). Jedenfalls kam diese Mischung dem Talent von John Glen entgegen und Roger Moore bewältigte seine Arbeit mit der Hilfe von fast fünfzig Stuntmännern.
Mit Roger Moore, Carole Bouquet, Julian Glover, Chaim Topol, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn
Der Überfall auf das Casino ging glatt über die Bühne und auch die Flucht in Richtung Kanada gelang, bis die drei Verbrecher auf der einsamen Landstraße einen Unfall bauen und Addison (Eric Bana) einen zufällig vorbeikommenden Polizisten erschießt. Addison sagt seiner Schwester Liza (Olivia Wilde), dass sie sich trennen müssen. Ihr dritter Mann starb bei dem Unfall.
Während sie sich zu Fuß, auf getrennten Wegen, durch das winterliche Michigan auf den Weg zur Grenze machen, erschlägt der gerade aus dem Gefängnis entlassene Ex-Boxer Jay Mills (Charlie Hunnam) seinen Ex-Manager während eines Streits. Er macht sich auf den Weg zu seinen Eltern Chet (Kris Kristofferson) und June (Sissy Spacek) und dem Thanksgiving-Dinner. Auf dem Weg zu ihnen gabelt er Liza auf. Er verliebt sich in die geheimnisvolle Schönheit.
Ihr Bruder schlägt sich währenddessen skrupellos durch die einsame Landschaft und hinterlässt, verfolgt von der Polizei, eine Spur von Leichen. Da schickt ihm Liza eine SMS, in dem sie ihn in das Haus der Mills einlädt.
Diese Gangstergeschichte erzählt Stefan Ruzowitzky („Anatomie“, „Die Fälscher“) in seinem gelungenem US-Debüt nach einem Drehbuch des Debütanten Zach Dean, geradlinig und ohne große Erklärungen. So dürfen wir uns die Hintergründe der seltsamen Abhängigkeit zwischen Addison und Liza, die Gründe für die große Enttäuschung von Chet über seinen Sohn Jay und, als dritte Familiengeschichte, die übergroße Besorgnis von Sheriff Marshall Becker (Treat Williams) über seine ebenfalls als Polizistin arbeitende Tochter Hanna (Kate Mara) aus Halbsätzen und Gesten zusammenreimen. Sowieso wird in „Cold Blood“ die alte Weisheit, dass sich in ihren Taten der Charakter eines Menschen zeigt, eisern befolgt.
„Cold Blood“ (doofer deutscher Titel) ist ein gut gespielter, flott erzählter, traditionsbewusster Gangsterthriller mit glaubwürdigen Charakteren und auch glaubwürdiger Action, der einfach nur neunzig Minuten, ohne aufgesetzten Humor und Hypergewalt, aber dafür mit der Lakonie eines Western oder alten Gangsterfilms (wie „Entscheidung in der Sierra“/“High Sierra“), gut unterhalten will und dabei auch einiges über die Beziehungen von Kindern zu ihren Eltern, vor allem Väter, und Werte sagt.
Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade (Deadfall, USA/Frankreich 2012)
Regie: Stefan Ruzowitzky
Drehbuch: Zach Dean
mit Eric Bana, Olivia Wilde, Charlie Hunnam, Kate Mara, Kris Kristofferson, Sissy Spacek, Treat Williams
LV: Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“, in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“, verlegt)
Porter will seine 70 Riesen zurückhaben. Nur sein Kumpel Val, der ihn einige Kugeln in den Rücken verpasste und mit Porters Frau verschwand, und die Mafia haben etwas dagegen.
Ziemlich missratene, zwischen allen Stühlen sitzende, brutale Neuverfilmung von Richard Starks (ein Pseudonym von Donald Westlake) erstem Parker-Roman, die nie auch nur annähernd die Qualität von John Boormans „Point Blank“ (mit Lee Marvin) erreicht. Die Gründe sind u. a. verschiedene Auffassungen über die Hauptrolle zwischen Helgeland und Gibson (der deshalb Teile neu drehen lies), die Scherze sind nicht witzig und der Action-Overkill ist für einen einen kleinen, düsteren Gangsterfilm zu viel, aber für einen Action-Film zu wenig.
Kommissar X – In den Klauen des goldenen Drachen (A/I 1966, R.: Frank Kramer)
Drehbuch: Stefan Gommermann, Frank Kramer
LV: Bert F. Island: In den Klauen des goldenen Drachen („Kommissar X“-Heft 216)
Dritter Kino-Einsatz von Kommissar X: in Singapur treibt eine Erpresserbande ihr schändliches Spiel. Jo Walker und Tom Rowland lassen ihre Fäuste sprechen.
Sixties-Trash: Prügeleien, dumme Sprüche, Touristenaufnahmen – basierend auf der erfolgreichen Romanheftserie „Kommissar X“ über den New Yorker Privatdetektiv Jo Walker.
Mit Tony Kendall, Brad Harris, Barbara Frey, Luisa Rivelli, E.F. Fürbringer. Gisela Hahn
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (USA 1989, R.: Steven Spielberg)
Drehbuch: Jeffrey Boam, George Lucas, Menno Meyjes
Dritter Auftritt von Indiana Jones. Dieses Mal sucht der Archäologe mit der Peitsche den Heiligen Gral, tut alles, damit er nicht den Nazis in die Hände fällt (das ist der leichte Teil) und er begegnet seinem Vater.
Und weil dieser von ‚James Bond‘ Sean Connery gespielt wird, der wenig von seinem Sohn hält, ist für Spaß gesorgt. Und es gibt, selbstverständlich, Action satt.
mit Harrison Ford, Sean Connery, River Phoenix, Denholm Elliott, John Rhys-Davies, Julian Glover, Michael Byrne
Mutter Krausens Fahrt ins Glück (D 1929, R.: Phil Jutzi)
Drehbuch: Willi Döll, Johannes Fethke
Berlin, Wedding: Während der goldenen Zwanziger versucht die Witwe Mutter Krause in einer kleinen Arbeiterwohnung, die sie mit ihren beiden erwachsenen Kindern und einem Untermieter, samt Anhang, teilt, anständig über die Runden zu kommen. Doch die Umstände sind nicht so.
Arte präsentiert die restaurierte, 133-minütige Fassung des Stummfilm-Klassikers (d. h. das Bild ist besser als in der YouTube-Version, Musik und mehr Bilder gibt es auch).
„Der durchweg mit Laien besetzte Film, in seiner Machart eng am Dokumentarfilm angelehnt, ist ein wichtiges Zeitdokument der zu Ende gehenden 1920er Jahre. Kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurden sämtliche Kopien des Werks beschlagnahmt.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)
mit Alexandra Schmitt, Holmes Zimmerman, Ilse Trautschold
Als Foley nach einem Vierteljahrhundert aus dem Gefängnis entlassen wird, will der Trickbetrüger nur ein ruhiges, ehrliches Leben führen. Aber Ethan, der Sohn seines früheren Partners, den er nach einem missglückten Coup umbringen musste, will mehr über den Tod seines Vaters wissen und er plant auch einen todsicheren Coup, bei dem Foley unbedingt mitmachen muss. Sozusagen als Wiedergutmachung.
Foley will nicht, aber Ethan hat schon ein Netz von Intrigen ausgeworfen, die Foley schließlich zur Mitarbeit bei dem Coup bringen sollen. Eine besondere Rolle spielt dabei eine drogenabhängige Prostituierte.
Gut, das Rad erfinden Regisseur David Weaver, der bislang vor allem für das Fernsehen arbeitete, und Autor Elan Mastai, dessen bekannteste Arbeit Uwe Bolls „Alone in the Dark“ ist, mit „The Samaritan“ nicht neu. Vieles wirkt auch, wie aus einem alten Noir geklaut und der Coup am Ende dürfte auf der Unglaubwürdigkeitsskala eine extrem hohe Punktzahl erreichen.
Aber im Mittelpunkt steht – zum Glück – auch nicht dieser Coup, sondern der von Samuel L. Jackson gespielte Foley, der versucht, ein ehrliches Leben zu führen, aber von den Umständen, Intrigen und der Liebe gezwungen wird, wieder in sein altes Leben zurückzukehren und das ist, zwar unspektakulär, aber gar nicht so schlecht erzählt.
„The Samaritan“ ist ein okayes Drama mit Noir-Anklängen und mit Verbrechern, die sich noch richtig anziehen können und ihre Gegner nicht mit Gewalt, sondern mit ihrer Intelligenz überzeugen wollen. Jedenfalls zuerst. Das ist nach dem letzten Action-Schnittgewitter mit prolligen Ghettoganstern schon einiges, aber „The Samaritan“ ist auch immer ein Film, der weit unter seinen Möglichkeiten bleibt und in erster Linie die bekannten Klischees bedient.
The Samaritan (The Samaritan, Kanada 2012)
Regie: David Weaver
Drehbuch: Elan Mastai, David Weaver
mit Samuel L. Jackson, Luke Kirby, Ruth Negga, A.C. Peterson, Gil Bellows, Deborah Kara Unger, Tom Wilkinson
The Town – Stadt ohne Gnade (USA 2010, R.: Ben Affleck)
Drehbuch: Ben Affleck, Peter Craig, Aaron Stockard
LV: Chuck Hogan: Prince of Thieves, 2004 (Endspiel)
Bankräuber Doug MacRay überfällt mit drei Freunden eine Bank und verliebt sich anschließend in die Filialleiterin, die sie auf der Flucht als Geisel mitgenommen hatten. Jetzt will er aussteigen. Davor muss er allerdings noch seinen letzten Coup durchführen.
Nach der tollen Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“ blieb Ben Affleck in seiner zweiten Regiearbeit dem Genre und Boston treu. „The Town“ ist gutes altmodisches Erzählkino, bei dem die Story, die Charaktere und ihr Umfeld im Vordergrund stehen. In seinen wenigen Actionszenen und in der Struktur erinnert „The Town“ teilweise an Michael Manns „Heat“ – und das ist durchaus anerkennend gemeint. Ein feiner Gangsterfilm.
Da ist es auch egal, dass die Zahl der Banküberfälle in Boston viel geringer ist, als im Film behauptet wird und dass das Viertel Charlestown in den vergangenen fünfzehn Jahren gentrifiziert wurde. Jetzt sitzen da die anderen Bankräuber.
Chuck Hogan erhielt für seinen Roman „Endspiel“, der Vorlage für „The Town“, den Hammett-Preis und auch Stephen King (ein passionierter Blurber) war begeistert.
Im Kino läuft gerade Ben Afflecks dritter Spielfilm „Argo“. Der auf Tatsachen beruhende Spionagethriller setzt Afflecks Serie toller Filme nahtlos fort.
mit Ben Affleck, Rebecca Hall, Jon Hamm, Jeremy Renner, Pete Postlethwaite, Chris Cooper
Zünftige Truckeraction von Sam Peckinpah mit einer hauchdünnen Story (Sheriff Wallace verfolgt Trucker Rubber Duck nach einer Kneipenschlägerei quer durch das Land. Immer mehr Trucker schließen sich Rubber Duck an. Die Polizei rüstet hemmungslos gegen die Gesetzlosen auf.) und vielen Autostunts.
Die Dreharbeiten waren ziemlich chaotisch, die alten Peckinpah-Fans enttäuscht, viele Jüngere (auch ich) wurden durch „Convoy“ zum Peckinpah-Fan und an der Kinokasse war der Film auch erfolgreich.
„Fraglos ist dies Peckinpahs lässigster, nettester und harmlosester Film.“ (Ulrich von Berg: Sam Peckinpah – Ein Outlaw in Hollywood, 1987)
„ action-betontes Popcornkino (…) ein weniger bedeutender Film Peckinpahs“ (Mike Siegel: Passion & Poetry – Sam Peckinpah in Pictures, 2003)
mit Kris Kristofferson, Ali MacGraw, Ernest Borgnine, Burt Young, Madge Sinclair, Seymour Cassel
Drehbuch: Alan Ormsby, Paul Schrader (ungenannt) (nach dem Drehbuch zu ‚Cat People‘ von DeWitt Bodeen)
Buch zum Film: Gary Brandner: Cat People, 1982 (Katzenmenschen)
Irena ist ein Katzenmensch. Das heißt: sie verwandelt sich, wenn sie sexuell erregt ist, in eine reißende Bestie. Ihr Bruder versucht sie vor ihrem Schicksal zu bewahren. Aber sie verliebt sich in einen Zoodirektor.
„Paul Schrader hat sich dagegen in der Neuverfilmung diese Details nicht entgehen lassen, so dass seine Version – trotz einer im ganzen strengen, stilisierten Inszenierung – spekulativer Elemente nicht entbehrt. Dazu passt auch eine teils latente, teils offensichtliche Frauenfeindlichkeit, die in der Schlussszene kulminiert.“ (Fischer Film Almanach 1983)
„Katzenmenschen ist sehenswert, vorausgesetzt, man ist nicht prüde oder überempfindlich.“ (Phil Edwards, Starbust)
Giorgio Moroder schrieb die Musik und David Bowie sang das Titellied „Cat People (Putting out Fire)“.
mit Nastassja Kinski, Malcolm McDowel, John Heard, Annette O’Toole, Ruby Dee, Ed Begley Jr., John Larroquette, Ray Wise
Ihr kennt das ja schon von den vorherigen Jahren: Ende November findet das „One World Berlin“-Fimfestival statt und ich darf da auch einige Male in die Bütt steigen, denn die Humanistische Union präsentiert auch dieses Jahr mehrere Dokumentarfilme auf dem „One-World-Berlin-Filmfestival für Menschenrechte und Medien“. Auf dem Filmfestival werden wichtige Dokumentarfilme, oft in deutscher Erstaufführung, mit anschließender Diskussion mit den Machern und Experten, gezeigt. Es ist vom 22. – 28. November im Kino Arsenal und Tschechischen Zentrum Berlin.
Die HU-Präsentationen sind alle im Kino Arsenal (S/U-Bahnhof Potsdamer Platz):
Dokumentarfilm | Italien, Belgien, Frankreich 2012 | Regie: Yolande Zauberman | 81 min | Hebräisch/Arabisch mit engl. Untertiteln
Yolande Zauberman und ihr Ko-Autor, der libanesische Schriftsteller Selim Nassib, stellen jüdischen und arabischen Tel Avivern – von Clubkids bis 90jährigen Urgroßmüttern – diese provokante Eingangsfrage. „Das Palästinaproblem kann nicht im Bett gelöst werden,“ stellt ein jüdischer Interviewpartner fest. Aber Zaubermans und Nassibs Herangehensweise, über das Private und Intime, baut Berührungsängste ab und eröffnet Gedankenräume.
Berlin-Premiere
Moderation: Werner Koep-Kerstin (Humanistische Union)
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Freitag, 23. November, 19.00 Uhr
Der verlorene Sohn: Uwe Böhnhardt- Der Weg in den Untergrund
Dokumentarfilm | Deutschland 2012 | Regie: Andreas Kuno Richter, Erzählerin: Katharina Thalbach | 44 min | DF
Ein Jahr nach dem Selbstmord der NSU-Anführer Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos und der Verhaftung von Beate Zschäpe bleiben viele Fragen ungeklärt. „Der verlorene Sohn“ von Andreas Kuno Richter begleitet eine 11. Klasse der Schule in Jena-Lobeda, die Böhnhardt besucht hatte, bei ihrer Auseinandersetzung in einem Videoworkshop mit dem Rechtsradikalismus. Die SchülerInnen interviewten Böhnhardts Elten und entdeckten bisher unveröffentlichtes Archivmaterial aus 1991, auf dem Zschäpe zu sehen ist. Wie kam es dazu, dass Jugendliche wie seinerzeit Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe von Hass und Menschenverachtung ergriffen wurden und bereit waren, ihre Überzeugungen mit Gewalt durchzusetzen?
Mit freundlicher Unterstützung von EIKON-NORD.
Zu Gast: Wolfgang Wieland (MdB Die Grünen, Mitglied des NSU-Untersuchungsausschusses), Dr. Bilgin Ayata (Freie Universität Berlin), Prof Dr. Rosemarie Will (Humboldt-Universität zu Berlin), Moderation: Werner Koep-Kerstin (Humanistische Union)
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Freitag, 23. November, 21.15 Uhr
„Wunder gibt es nicht…“ – Die Verschwundenen von Mercedes Benz
Dokumentarfilm | Argentinien 2003 | Regie: Gaby Weber | 83 min | Spanisch. mit dt. Untertiteln
Bis heute unzureichend aufgearbeitete Verstrickungen von Alt-Nazis mit den Geheimdiensten und wirtschaftlichen Eliten der (Nachkriegs-)Bundesrepublik (oft über Umwegen in Lateinamerika) deckte Gaby Weber im Zuge ihrer Korrespondententätigkeit dort auf. Anhand von Webers in Deutschland kaum gezeigtem Film „Wunder gibt es nicht…“ – Die Verschwundenen von Mercedes Benz über ungerechte Arbeitsverhältnisse in Argentinien werden wir über ihre investigative Arbeit und deren Behinderung sprechen.
Zu Gast: Gaby Weber (Skype), Ria Reich (Arbeitskreis Internationalismus IG Metall Berlin); Moderation: Werner Koep-Kerstin (Humanistische Union)
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Dienstag, 27. November, 19.00 Uhr
Die Protestmacher
Dokumentarfilm | Deutschland 2012 | Regie: Dieter Rucht | 80 min | DF
Der Film porträtiert vier politische „Vollzeitaktivist_innen“. Sie sind im Rahmen unterschiedlicher Protestbewegungen in Deutschland engagiert: zu den Themenbereichen Atomenergie, Gentechnik und Bankenregulierung. Die vier – Cécile Lecomte, Dieter Lehmkuhl, Jochen Stay und Jutta Sundermann – wurden mit der Kamera über rund zwei Jahre hinweg begleitet. Sie erzählen über ihre Aktionen, Erfolge und Misserfolge und ihrem Alltag.
Zu Gast: Prof. Dr. Dieter Rucht (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung); Moderation: Axel Bussmer (Humanistische Union)
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Dienstag, 27. November, 21.15 Uhr
systemfrage 2011+
Die Berliner Künstlergruppe videoatonale arbeitet seit Ende August 2011 fortlaufend an einem neuen Projekt: systemfrage 2011+. videoatonale läßt in systemfrage 2011+ Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedenen Alters sowie Aktivisten in bewusst ungeschnittenen Videointerviews und -statements zu Wort kommen, die sich für politische, menschliche und soziale Veränderungen einsetzen und engagieren. Sie kommen teilweise aus Bewegungen wie z.B. Occupy oder sind Einzelkämpfer, die sich ein Spezialgebiet gesellschaftlicher Relevanz erarbeitet haben.
Gerade wegen des unverfälschten, vermeintlich einfachen Herangehens werden die Videos authentisch und besonders sehenswert. Die Interviewten mit ihren selbst gewählten Themen und ihren Gedanken sind das Zentrum. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. videoatonale gibt mit systemfrage 2011+ denen ein Forum, die im Fernsehen nicht oder nur für wenige Sekunden zu Wort kommen, die aber viel mehr und womöglich viel Essentielleres zu sagen haben, als allgemein gedacht wird. Ist es vielleicht ein Fehler, tendenziell nur Prominente zu Wort kommen zu lassen? systemfrage 2011+ ist ein zeitgenössisches Dokument mit vielen Facetten und ein Abbild dessen, was momentan kollektiv gedacht und erlebt wird. (videoatonale)
Eine Auswahl der Interviews und das Projekt insgesamt wird bei One World Berlin präsentiert.
Zu Gast: Thomas Scheffer und Karina Lejeune (videoatonale), Moderation: Axel Bussmer (Humanistische Union)
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Mittwoch, 28. November, 20.00 Uhr
The Perlin Papers
Filmzyklus | USA 2010 | Regie: Jenny Perlin | 53 min | Englische Originalfassung
Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, der Galerie M+R Fricke Berlin der Simon Preston Gallery, New York
Agenten und Akten stehen im Zentrum von „The Perlin Papers“ von Jenny Perlin. Die Arbeit ist ein Zyklus von acht Filmen, die die Materialität der zusammengetragenen Informationen, aber auch Absurdität des Datenverarbeitungsprozesses inszenieren. Inspiration von „The Perlin Papers“ war eine Klage des entfernt verwandten Anwalts Marshall Perlin zur Freigabe von FBI-Akten über Ethel und Julius Rosenberg, die einzigen Zivilisten, die in den USA wegen Spionage hingerichtet wurden. Die erfolgreiche Klage war ein Meilenstein der Informationsfreiheit.
Sechs der Filme arbeiten mit den Dokumenten selbst, die Beschaffenheit der Wörter, Linienführung der Handschrift, die Textur des Papiers. Ein weiterer Film ist beobachtender Natur, der letzte setzt Elemente der Erzählung ein.
Zu Gast: Jenny Perlin; Moderation: Axel Bussmer (Humanistische Union)
Auf den ersten Blick sieht „Cloud Atlas“ vielversprechend aus: ein Bestseller, natürlich „unverfilmbar“, ein deutscher Regisseur mit Hollywood-Affinität, ein Hollywood-Blockbuster-Regioduo, mit philosphischen Ambitionen, ein hochkarätiges Ensemble von Hollywood-Stars.
Und der entstandene Film ist dann auch Blockbuster-Kino, das auch den Kopf beansprucht.
Aber trotzdem ist diese Verfilmung von David Mitchells Bestseller „Der Wolkenatlas“, die von Tom Tykwer („Lola rennt“, „The International“) und Lana (früher Larry) und Andy Wachowski (aka den Wachowski-Brüdern, „Matrix“) mit Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Ben Whishaw, James D’Arcy, Susan Sarandon und Hugh Grant, oft in mehreren Rollen, inszeniert wurde, irgendwie ein seelenloses Konstrukt, das formal begeistert, einen aber auch ratlos wegen des betriebenen Aufwands zurück lässt.
Denn, wie schon in dem Roman, werden mehrere Geschichten erzählt, die zu verschiedenen Zeiten spielen und dennoch miteinander verknüpft sind. So als ob wir Seelen durch die Jahrhunderte bei ihren Aufenthalten in verschiedenen Körpern verfolgen. Da wird dann ein Gespräch in der Vergangenheit begonnen und in der Zukunft fortgeführt. Verschiedene Charaktere machen ähnliche Erfahrungen und am Ende fasst ein alter Mann am Lagerfeuer die Botschaft zusammen.
Das ist zwar formal gut gelöst und, trotz der fast dreistündigen Laufzeit, auch enorm kurzweilig. Aber der philosophische Überbau, nämlich der der permanenten Inkarnation der Seelen, die sich immer wieder begegnen und vor existentiellen Entscheidungen stehen, wirkt dann doch eher bemüht. Denn er dient hier nur dazu, zu verschiedenen Zeiten leicht verschiedene Geschichten über die Freiheit des Individuums, über Werte und des Verhältnisses zwischen Individuum und Gesellschaft, in verschiedenen Genres zu erzählen. Dabei sind diese sechs miteinander verknüpften Geschichten eher Kurzfilme, die ohne große Überraschungen vertrauten Genremuster folgen.
Es geht um einen Anwalt, der 1849 die Auswirkungen der Sklaverei kennenlernt, sich dagegen ausspricht und auf seiner Heimfahrt auf dem Schiff vergiftet werden soll.
Es geht 1936 um einen jungen, homosexuellen Komponisten, der sich bei einem alterndem, genialischen Komponisten einschleimt und der das „Wolkenatlas-Sextett“ (das musikalische Motiv des Films) schreibt.
1973 kommt eine junge Journalistin hinter die unlauteren Geschäfte eines Atomkonzerns und wir bewegen uns gelungen auf den Spuren von „Das China-Syndrom“ und zahlreichen Siebziger-Jahre-Paranoia-Thriller.
2012 will ein halbseidener und hochverschuldeter Verleger ein Buch veröffentlichen. Sein Bruder will ihm helfen und schickt ihn in ein Hotel, das sich als geschlossene Anstalt im Geist von „Einer flog übers Kuckucksnest“ entpuppt.
2144 gerät eine geklonte Kellnerin zwischen die Fronten. Denn auch Klone haben Gefühle und sie beginnt, angestiftet von einem Revolutionär und einem alten Film, darüber zu reden.
2346 soll in einer postapokalyptischen Welt (wir Erdlinge haben wohl wieder einmal unseren Planeten in die Steinzeit zurückgebombt) ein Einheimischer eine aus einer anderen Gesellschaft kommende Frau auf einen heiligen Berg führen.
Durch das nahtlose hin- und hergleiten zwischen den Geschichten befruchten sie sich gegenseitig und, obwohl hier von Musikerdrama über Polit-Thriller und Komödie bis hin zu Science-Fiction, immer wieder mit satirischen Anklängen, die unterschiedlichsten Genres und Stile bedient werden, zerfällt der Film nicht, sondern er wahrt immer ein Bild der Geschlossenheit.
Allerdings bleibt man auch immer ein Beobachter, der zuerst versucht die einzelnen Geschichten auseinanderzuhalten und später nur noch die Gestaltung bewundert. „Cloud Atlas“ erinnert dann eher an die Tradition der Qualität, in der formal alles richtig ist, der Film aber dennoch leblos, wie ein Museumsstück, ist. Das kann auch daran liegen, dass die Verbindung zwischen den einzelnen Geschichten sich nicht aus ihnen heraus, sondern nur aus dem Willen der Macher, sie miteinander zu verknüpfen, ergibt und sie uns dann stolz ihre filmische Landkarte, auf der alles miteinander verknüpft ist, präsentieren. Aber jede Verknüpfung könnte auch anders sein.
Im Abspann werden dann die Schauspieler in ihren verschiedenen Rollen gezeigt. Dabei spielen sie alte und junge Menschen, Männer und Frauen, teilweise sogar mit einer anderen Hautfarbe. Es ist also ziemlich schwer, sie in den verschiedenen Geschichten zu erkennen. Es ist aber auch ein großer Spaß, wenn man mit seinem Nebenmann versucht, die Schauspieler zu erraten.
Cloud Atlas (Cloud Atlas, USA/D 2012)
Regie: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer
Drehbuch: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer
LV: David Mitchell: Cloud Atlas, 2004 (Der Wolkenatlas)
mit Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, James D’Arcy, Zhou Xun, Keith David, Susan Sarandon, Hugh Grant, David Gyasi, Martin Wuttke, Götz Otto, David Mitchell (Cameo als Spion)
Die Verachtung (Frankreich/Italien 1963, R.: Jean-Luc Godard)
Drehbuch: Jean-Luc Godard
LV: Alberto Morovia: Il Desprezzo, 1954 (Die Verachtung)
Drehbuchautor Paul soll das Drehbuch für einen Film über die Abenteuer von Odysseus auf der Insel Capri schreiben. Dort sind, neben ihm, seine Frau, der Produzent, der ein Auge auf Pauls Frau Camille geworfen hat, und der Regisseur. Camille, die an Pauls Liebe zweifelt, beginnt ihn zunehmend zu verachten.
Godards anspielungs- und zitatenreiche Satire auf das Filmbusiness, gedreht mit viel Geld, Brigitte Bardot und Fritz Lang als Regisseur.
mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll, Jean-Luc Godard, Raoul Coutard
In Mega City One, einer gigantischen Metropole, sorgen die Judges für Recht und Ordnung. Dabei sind sie oft Polizist, Ankläger, Richter und Vollstrecker in Personalunion. An einem normalen Arbeitstag soll Judge Dredd (Karl Urban) Cassandra Anderson (Olivia Thirlby), eine neue Rekrutin, die einerseits die Eingangsprüfung knapp nicht bestanden hat, aber andererseits ein Medium ist (sie kann Gedanken lesen), auf ihre Tauglichkeit im Einsatz prüfen.
Als in dem zweihundert Stockwerke hohem Wohnblock Peach Trees (eigentlich eine kleine, in die falsche Richtung gebaute Stadt) mehrere Menschen zu Tote stürzen, fahren sie zum Tatort und nehmen einen Verdächtigen fest. Als Ma-Ma (Lena Headey), die Herrscherin über den Komplex, Drogenbaronin und Herstellerin der neuen Droge Slo-Mo, davon erfährt, sperrt sie den gesamten Komplex ab und eröffnet die Jagd auf die beiden Judges.
Judge Dredd ist in britischer Comicklassiker, der von John Wagner und Carlos Ezquerra erfunden wurde. Seit seinen ersten Auftritt 1977 in „2000 AD“ sorgt Judge Dredd in einer Dystopie als Über-Law-and-Order-Mann brutalstmöglich für Recht und Ordnung – und dabei wird er von den Machern immer so überspitzt, dass es eine Satire auf dieses rechtskonservative Law-and-Ordertum ist.
1995 entstand dann unter der Regie von Danny Cannon (der damals mit dem Noir-Thriller „Young Americans“ ein aufstrebendes Talent war und heute vor allem für „CSI“ bekannt ist) die Hollywood-Verfilmung „Judge Dredd“ mit einer ziemlich beeindruckenden Besetzung (Armand Assante, Rob Schneider, Jürgen Prochnow, Max von Sydow, Diane Lane, Joan Chen) und Sylvester Stallone als Judge Dredd, der in Interviews eben jene faschistoiden Ansichten von Judge Dredd gänzlich ironiefrei herunterbetete. Die Story selbst war ein als ausuferndes Big-Budget-Science-Fiction-Kino getarntes Starvehikel, das bei Fans der Vorlage abgrundtief gehasst wurde.
Jetzt also der neue Versuch. Die Regie übernahm Pete Travis, der mit dem Action-Thriller „8 Blickwinkel“ begeisterte. Das Drehbuch ist von Romanautor Alex Garland, der auch schon die Bücher für „The Beach“, „28 Days later“ und „Sunshine“ schrieb. Für „Dredd 3D“ schrieb er eine schnörkellose Geschichte, die keine Zeit mit Subplots, familiären Befindlichkeiten und Sozialkritik verschwendet. Die Welt ist schlecht und gegen Gewalt hilft nur Gewalt. Dabei wird, nachdem die beiden Judges und ihr Gefangener zum Abschuss freigegeben werden, aus einer Westernsituation ein brutaler Action-Thriller, in dem die Gangster wie Fliegen sterben. Denn Judge Dredd denkt keine Zehntelsekunde ans Aufgeben. Er will einfach nur Ma-Mas Verbrecherbande aus dem Wohnblock herauswerfen – und wenn er es allein tun muss, dann tut er es eben allein.
Der 3D-Effekt ist gerade in den Szenen, in denen die Wirkung der Droge Slo-Mo gezeigt wird (sie führt dazu, dass die Konsumenten alles in Super-Zeitlupe wahrnehmen), ein Ärgernis, weil sie wie allerbilligste Computertricks aussehen. Auch dass in ruhigen Szenen öfters Gegenstände unvorteilhaft in den Vordergrund geschoben werden, reißt immer wieder aus der Filmrealität heraus.
Dredd (Dredd, Großbritannien 2012)
Regie: Pete Travis
Drehbuch: Alex Garland
LV: Charakter von John Wagner und Carlos Ezquerra
mit Karl Urban, Lena Headey, Olivia Thirlby, Wood Harris, Domhnall Gleeson
Eine Stadt wird erpresst (D 2006, R.: Dominik Graf)
Drehbuch: Dominik Graf, Rolf Basedow
Eigentlich sagt der Titel schon alles: Unbekannte erpressen Leipzig. Die einzige Spur führt Kommissar Kalinke und sein Team in ein Dorf, das dem Tagebau geopfert werden soll.
Auch diese Zusammenarbeit des Teams Basedow/Graf war ein Höhepunkt des TV-Jahres: gute Geschichte, gute Inszenierung und Schauspieler, die endlich zeigen dürfen, dass sie mehr als sprechende Kleiderständer sind.
„Es ist ein guter, alter Polizeifilm, ein Thriller, modern inszeniert. Und wie jeder gute Krimi ist es auch ein Sozialdrama.“ (Björn Wirth,Berliner Zeitung, 23. Februar 2007)
Mit Uwe Kockisch, Misel Maticevic, Julia Blankenburg