TV-Tipp für den 29. Juli: Der Wilde

Juli 29, 2012

Arte, 20.15

Der Wilde (USA 1953, R.: Laslo Benedek)

Drehbuch: John Paxton

Eine Gruppe von Bikern besucht eine kalifornische Kleinstadt. Das gibt natürlich Ärger mit den gesetzestreuen Einheimischen, die ganz andere Vorstellungen vom guten Benehmen haben.

Heute wirkt „Der Wilde“ schon etwas harmlos und ungewollt witzig, aber das ändert nichts daran, dass Benedeks Film der Vater aller Motorradfilme ist. Ein Klassiker eben, der damals für Kontroversen sorgte.

mit Marlon Brando, Mary Murphy, Robert Keith, Lee Marvin, Jay C. Flippen

Wiederholung: Freitag, 10. August, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Wilde“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Der Wilde“

Rotten Tomatoes über „Der Wilde“

Arte über „Der Wilde“

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ (mit Marlon Brando)

Marlon Brando in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 28. Juli: Kick-Ass

Juli 27, 2012

RTL, 22.00

Kick-Ass (USA 2010, R.: Matthew Vaughn)

Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn

LV: Mark Millar/John S. Romita, jr.: Kick-Ass, 2008 – 2010 (Comic)

Dave, ein Junge ohne besondere Fähigkeiten, will zu einem Superhelden werden. Seine ersten Taten sorgen auf YouTube für grandiose Klickzahlen und noch mehr Gelächter. Da trifft er Hit Girl und Big Daddy – und er ist in einem veritablen Kampf zwischen Gut und Böse verwickelt.

Köstliche, ziemlich brutale und vollkommen respektlose Parodie auf das Superheldentum in Comics und Filmen.

mit Aaron Johnson, Chloe Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Mark Strong, Nicholas Cage

Wiederholung: Sonntag, 29. Juli, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Kick-Ass“

Rotten Tomatoes über „Kick-Ass“

Wikipedia über „Kick-Ass“ (deutsch, englisch

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)


DVD-Kritik: Kein gewöhnlicher Thriller: „Fear X“ von Nicolas Winding Refn

Juli 27, 2012

Ein Thriller nach einem Drehbuch von Hubert Selby jr.. Muss ich noch mehr über die Qualitäten von „Fear X“ sagen? Vielleicht noch, dass Nicolas Winding Refn, der Regisseur der „Pusher“-Trilogie und der James-Sallis-Verfilmung „Drive“, Regie führte.

Hubert Selby jr., für alle, die sich jetzt gerade fragen, woher sie den Namen kennen, schrieb unter anderem das Kultbuch „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ (Last Exit to Brooklyn, 1964) und, zusammen mit Darren Aronofsky, das Drehbuch für dessen Film „Requiem for a dream“ und er wird zu den Größen der US-amerikanischen Literatur gezählt. Das alles empfiehlt ihn nicht gerade als Autor für einen Thriller.

Aber Nicolas Winding Refn wollte auch keinen 08/15-Thriller inszenieren. Sein chronologisch gedrehtes US-Debüt (obwohl es genaugenommen hauptsächlich in Kanada gedreht wurde) erzählt die Geschichte von Harry Caine (John Turturro), der als Sicherheitsbeamter in einer Shopping Mall in Wisconsin arbeitet. Vor Monaten wurde seine Frau Claire in der dortigen Tiefgarage erschossen. Er sucht noch immer ihren Mörder. Dafür studiert er abends die unscharfen SW-Videoaufzeichnungen der Mall und notiert sich verdächtige Personen. Wie David Hemmings in Michelangelo Antonionis „Blow Up“ (GB 1966) in seine Fotos oder John Travolta in Brian De Palmas „Blow Out“ (USA 1981) in eine Tonbandaufnahme, zoomt Harry sich immer weiter in die Bilder hinein. Für ihn ist alles eine Spur, ein Hinweis, hat eine Bedeutung für den Mord.

Als er im gegenüberliegenden Haus einige Negative findet, entdeckt er in den Bildern eine Hinweis auf Morriston, Montana. Er glaubt, dass der Mörder von dort kommt. Außerdem verbrachte er dort mit seiner Frau einige glückliche Tage – und es ist unklar, ob er mehr von dem Wunsch nach Rache an dem Mörder oder von dem Wunsch nach einer Rückkehr in die glückliche Vergangenheit getrieben wird, als er nach Morriston fährt.

Aber, Oh Wunder!, dort trifft er auf den Mörder. Einen Polizisten – und während wir Zuschauer die Hintergründe für die Tat erfahren, erfährt Harry sie nicht.

Sowieso driftet der Film spätestens wenn Harry seinen Wohnort verlässt, vollkommen ins Surreale ab.

Aber gerade diese Vermischung von Realität und Traum, von Wahn und Wirklichkeit, macht „Fear X“ zu einem ungewöhnlichen Thriller. Die beiden Hauptdarsteller John Turturro und James Remar, der als Mörder in der zweiten Hälfte des Films mit seiner Tat kämpft (Ihn ereilt ein wenig das Tim-Roth-Schicksal, über den es immer heißt, er sei der Mann, der in „Reservoir Dogs“ blutend auf dem Lagerhausboden liegt und dabei gibt es eine lange Rückblende, in der Tim Roth sein ganzes Talent zeigt) überzeugen mit ihrem introvertiertem Spiel in diesem meditativen Thriller.

Die Musik schrieb Brian Eno. Die Kamera bediente „Shining“-Kameramann Larry Smith.

Als Bonusmaterial gibt es ein gut halbstündiges, informatives „Making of“ und einen sehr interessanten, nicht untertitelten Audiokommentar von Nicolas Winding Refn, der die kluge Entscheidung getroffen hat, sich den britischen Journalisten Alan Jones zu schnappen, der ihm die richtigen Fragen stellte, während im Hintergrund der Film läuft.

Anmerkung: Beim Ansehen fiel mir auf, wie sehr sich in den vergangenen Jahren die Überwachungstechnik veränderte und auch verbesserte. Denn Harry sieht sich noch die Augen an grieseligen Videoaufzeichnungen wund und er muss in mühevoller Kleinarbeit Personen vom Bildschirm abfotografieren (was, wie Fotografen wissen, gar nicht so einfach ist). Heute würde er an einem Computer sitzen und mit einem Klick einen Screenshot machen.

Fear X – Im Angesicht der Angst (Fear X, USA 2003)

Regie: Nicolas Winding Refn

Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Hubert Selby jr.

mit John Turturro, Deborah Kara Unger, James Remar, Stephen McIntyre

DVD

Sunfilm

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar, Making of, Trailer (deutsch, englisch)

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fear X“

Wikipedia über „Fear X“

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns James-Sallis-Verfilmung „Drive“ (USA 2011)


TV-Tipp für den 27. Juli: Im Zeichen des Bösen

Juli 27, 2012

Wer die Olympia-Eröffnung (obwohl die, dank Danny Boyle [Trainspotting], wohl ziemlich abgefahren ist) überstanden hat:

ZDF, 01.35

Im Zeichen des Bösen (USA 1958, R.: Orson Welles)

Drehbuch: Orson Welles

LV: Whit Masterson: Badge of Evil, 1956 (Unfehlbarkeit kann tödlich sein)

In einer schäbigen Grenzstadt versuchen ein korrupter US-Polizist und ein mexikanischer Drogenfahnder (in den Flitterwochen) einen Mord aufzuklären.

Noir-Klassiker, bei dem sich eine deutsche DVD-Ausgabe mit den verschiedenen Fassungen, einem Making-of und einem guten Audiokommentar lohnen würde. In den USA erschien am 8. Oktober 2008 eine entsprechende Edition.

„Einer der schönsten und intelligentesten Polizeifilme der Kinogeschichte.“ (Seesslen: Copland)

Mit Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich, Joseph Cotten, Zsa Zsa Gabor, Dennis Weaver

Hinweise

Wikipedia über „Im Zeichen des Bösen“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Touch of Evil“

TCM: Frank Miller über “Touch of Evil”

AMC Filmsite (Tim Dirks) über “Touch of Evil”

Noir of the Week über „Touch of Evil“

Script Secrets (William C. Martell) über “Touch of Evil”

Wellesnet: Das Memo von Orson Welles zum Film

Mystery File über Whit Masterson

Wikipedia über Whit Masterson

Mordlust über Whit Masterson


TV-Tipp für den 26. Juli: Mr. Brooks – Der Mörder in dir

Juli 26, 2012

Vox, 22.15

Mr. Brooks – Der Mörder in dir (USA 2007, R.: Bruce A. Evans)

Drehbuch: Bruce A. Evans, Raynold Gideon

Mr. Brooks ist ein geachteter Unternehmer mit einem dunklen Geheimnis: er ist auch ein Serienkiller. Als er bei seiner letzten Tat von Mr. Smith beobachtet wird, erpresst dieser ihn. Er wird schweigen, wenn Mr. Brooks ihn in die Kunst des perfekten Mords einweiht. Und dann ist da noch eine hartnäckige Polizistin.

Köstlich-schwarzhumoriger Krimi, der etwas unter seinen vielen Subplots leidet, aber das Zusammenspiel von Kevin Costner (als Mr. Brooks) und William Hurt (als sein mordgieriges Alter Ego) macht das mehr als wett.

„Raffiniert konstruierter Neo-Noir-Thriller“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Kevin Costner, Demi Moore, Dane Cook, William Hurt, Marg Helgenberger, Danielle Panabaker, Ruben Santiago-Hudson, Lindsay Crouse, Reiko Aylesworth

Wiederholung: Freitag, 27. Juli, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Drehbuch „Mr. Brooks“ von Bruce A. Evans und Raynold Gideon

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mr. Brooks“

„Mr. Brooks“ in der Kriminalakte (zum Kinostart)


In den sumpfigen „Texas Killing Fields“

Juli 25, 2012

Über „Texas Killing Fields – Schreiendes Land“ muss ich wirklich nicht viel sagen. Ami Canaan Manns Cop-Thriller sieht wie ein bislang unverfilmtes James-Lee-Burke-Buch, bei dem man auf die von Burke so beliebten Geister verzichtet hat, aus.

Denn der Krimiplot, in dem zwei Polizisten einen Frauenserienmörder jagen, ist in „Texas Killing Fields“ fast schon eine gut gepflegte Nebensache. Im Mittelpunkt stehen die beiden Polizisten Brian Heigh (Jeffrey Dean Morgan), der von New York City nach Texas City, in die Provinz, versetzt wurde, gläubig ist und seinen Job als halber Sozialarbeiter versteht, und Mike Souder (Sam Worthington), sein jüngerer, aus der Gegend kommender, weniger sozialarbeiterisch veranlagter Kollege, ihre vertrauensvolle, aber nicht konfliktfreie Arbeitsbeziehung zueinander, zu Souders Ex-Frau Pam Stall (Jessica Chastain), die im benachbarten Clark County Polizistin ist, und zu den Menschen, mit denen sie es während ihrer alltäglichen Arbeit zu tun haben und die zur Unterschicht von Texas City und dem angrenzenden Clark County, wo in der Vergangenheit in den Sümpfen mehrere Frauenleichen gefunden wurden, gehören. Dorthin führt die Polizisten auch eine vielversprechende Spur.

Ami Canaan Mann, die Tochter von Michael Mann, präsentiert diese Geschichte mit einem für so einen kleinen Genrefilm inzwischen überraschend hochkarätigem Cast. Jessica Chastain ist nach „The Tree of Life“, „Eine offene Rechnung“ (mit Sam Worthington) und „The Help“ die Entdeckung des letzten Kinojahres, Chloë Grace Moretz kennen wir aus „Kick-Ass“ und „Hugo Cabret“ und Sam Worthington darf seit „Avatar“ in fast jedem Big-Budget-Film mitspielen.

Ihr Kameramann Stuart Dryburgh, Oscar-nominiert für „Das Piano“, außerdem „Lone Star“, „Reine Nervensache“ und „Der Einsatz“, setzte die düstere Geschichte in adäquaten Bildern, die immer einen Hauch von Geheimnis bewahren und deren Südstaaten-Schwüle, wenn es nicht gerade aus Kübeln regnet, aus jedem Bild tropft, um.

Zu diesem gelungenen Eindruck trägt die Musik von Dickon Hinchliffe nicht unerheblich bei. Er ist Gründungsmitglied der „Tindersticks“ und schrieb auch die Musik für die David-Peace-Verfilmung „Red Riding: In the Year of Our Lord 1980“, die Daniel-Woodrell-Verfilmung „Winter’s Bone“ und die James-Ellroy-Verfilmung „Rampart“ (Besprechung demnächst).

Und wenn Souder und Heigh am Ende die Mörder (jedenfalls von einigen der Morde) überführen, die Verhaftung misslingt dann schon auf eine grotesk-fatale Weise, gibt es wenig Hoffnung, dass sich die Verhältnisse in den Südstaaten ändern. Nur für eine der Frauen gibt es einen Hoffnungsschimmer auf ein besseres Leben.

Texas Killing Fields“ ist eben ein waschechter, wenn auch etwas unspektakulärer Südstaaten-Noir, der eher der Logik eines Fiebertraums gehorcht.

Texas Killing Fields – Schreiendes Land (Texas Killing Fields, USA 2011)

Regie: Ami Canaan Mann

Drehbuch: Donald F. Ferrarone

mit Sam Worthington, Jeffrey Dean Morgan, Jessica Chastain, Chloë Grace Moretz, Sheryl Lee, Tony Bentley, Stephen Graham, Jason Clarke

DVD

Ascot Elite

Bild: 1:2,35 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Wendecover

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Metacritic über „Texas Killing Fields“

Rotten Tomatoes über „Texas Killing Fields“

Wikipedia über „Texas Killing Fields“

Daily Mail über die wahren Hintergründe (8. Juli 2012)


TV-Tipp für den 25. Juli: Kommissarin Lucas: German Angst

Juli 25, 2012

ZDFneo, 20.15

Kommissarin Lucas: German Angst (D 2007, R.: Thomas Berger)

Drehbuch: Thomas Berger

LV: Friedrich Ani: German Angst, 2000

Nazis entführen die deutsche Frau eines Nigerianers. Sie fordern die Abschiebung seiner Tochter. Kommissarin Lucas ermittelt und gerät zwischen dabei zwischen die politischen Fronten.

Klingt ziemlich konstruiert-didaktisch. Aber die „Südthüringer Zeitung“ sieht es anders: „Ein starker, ein relevanter Film also, der seine Schwächen allenfalls gegen Ende hat, als der Entführungsfall zu einem ebenso überstürzten wie überzogenen Ende geführt wird. Dennoch ist “German Angst” ein beachtenswerter Krimi, der auf mutige Weise den Unterhaltungsanspruch mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag eint.“

Mit Ulrike Kriener, Thure Riefenstahl, Michale Roll, Monica Bleibtreu, Tilo Prückner, Anke Engelke

Hinweise

ZDF über Kommisarin Lucas (im Moment Optik über Inhalt)

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Juli: München 1972 – 8 Regisseure sehen die Olympischen Spiele

Juli 24, 2012

BR, 23.25

München 1972 – 8 Regisseure sehen die Olympischen Spiele (USA/D 1972, R.: Juri Oserow [Frankreich], Mai Zetterling [Schweden], Arthur Penn [USA], Michael Pfleghar [Deutschland], Kon Ichikawa [Japan], Milos Forman [Tscheslowakei], Claude Lelouch [Frankreich], John Schlesinger [Großbritannien])

Drehbuch: Deliara Ozerowa, David Hughes, Arthur Penn, Michael Pfleghar, Shuntara Tanikawa, John Schlesinger

Doku, die 1974 den Golden Globe als bester Dokumentarfilm erhielt, und die vor allem wegen der Regisseure bemerkenswert ist. Denn sie inszenierten nicht die normale 08/15-Sportreportage, sondern Kurzfilme, die sich um einen bestimmten Aspekt der Spiele drehen. Nämlich: The Beginning, The Strongest, The Highest, The Women, The Fastest, The Decathlon, The Losers, The Longest; – so die Titel der einzelnen Filme, von höchst unterschiedlicher Qualität.

‚Visions of Eight‘ (Originaltitel) hingegen hinterlässt eher ein Gefühl der Ratlosigkeit, denn er befriedigt mit Ausnahme weniger Episoden weder die Bedürfnisse der Sportinteressierten noch die des Cinephilen.“ (Klaus-Peter Koch: Visions of Eight, in Lars-Olav Beier/Robert Müller, Hrsg.: Arthur Penn, 1998)

Koch empfiehlt vor allem die Filme von Milos Forman und John Schlesinger.

Die Musik ist von Henry Mancini.

Laut Wikipeida (und der erste YouTube-Clip bestärkt das) lief die Doku zuletzt vor zehn Jahren auf Arte. Für „TV Spielfilm“ ist sie sogar eine TV-Premiere.

auch bekannt als „München 1972 – Acht berühmte Regisseure sehen die Spiele der XX. Olympiade“

Wiederholungen

BR, Donnerstag, 26. Juli, 01.15 Uhr (Taggenau!)

RBB, Donnerstag, 2. August, 23.00 Uhr

NDR, Mittwoch, 8. August, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „München 1972 – 8 Regisseure sehen die Olympischen Spiele“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Visions of Eight“

Rotten Tomatoes über „Visions of Eight“

DVD Talk über „Visions of Eight“

DVD Beaver über „Visions of Eight“ (viele Bilder und Kommentare der Regisseure)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Arthur Penn

Arthur Penn in der Kriminalakte

 

 


„Inspector Barnaby“ und das gar nicht so beschauliche Landleben

Juli 23, 2012

Die Assistenten von DCI Tom Barnaby wechseln. Aber die Grundpfeiler der britischen Krimiserie „Inspector Barnaby“, die im Original, nach dem Handlungsort, „Midsomer Murders“ heißt und von 1997 bis 2011 von ITV ausgestrahlt wurde, bleiben gleich.

Tom Barnaby ist glücklich verheiratet mit Joyce und ihre Tochter Cully wird zwar älter, aber sie bereitet den Eltern keine Probleme. Sogar ihre gut erzogenen Freunde sind unter den strengen Augen des Vaters akzeptabel. Die Barnabys sind das Vorbild für eine glückliche Mittelstandsfamilie.

Auch die Grafschaft Midsomer, in der sie leben, erfüllt jedes Klischees des ländlichen Englands, in dem die Welt noch heil ist. Es gibt keine Drogen. Außer Alkohol. Aber keine Alkoholiker. In Midsomer gibt es nur Genusstrinker. Es gibt keine Hippies oder Punks. Sogar die Jugendlichen freuen sich über einen schönen, altmodischen Bauerntanz. Es gibt auch keine Ausländer oder Neger. Auch Lesben und Homosexuelle scheinen diesen englischen Landstrich zu meiden. All diese Schrecknisse der Moderne und der Großstadt sind in Midsomer bislang nicht angekommen.

Eigentlich ist Midsomer sogar so friedlich, dass die Einwohner ihre Fahrräder und Wohnungen nicht abschließen. Es gibt nur eine Mordrate, die sogar für eine Großstadt beeindruckend ist. Und vielleicht gerade deswegen kriegen die Bewohner der Grafschaft Midsomer keine Schrei- und Panikattacken, wenn sie mal wieder eine Leiche entdecken. Immerhin werden in den 81 Folgen der Krimiserie zweihundert Menschen ermordet.

Auch bei den Barnabys wird sich über Tom Barnabys neuesten Mordfall beim Frühstück unterhalten, als ob es um die gemeinsame Abendplanung ginge. Und wenn die Familie Barnaby mal gemeinsam, wie in „Nass und Tod“ (Dead in the Water, GB 2004), zu einer Regatta geht, packt Joyce anschließend schulterzuckend den Picknickkorb zusammen. Es war ja klar, dass ihr Mann auch hier in einen Mordfall stolpert. So ist das Leben in der Grafschaft Midsomer.

Die zuletzt erschienenen DVD-Boxen „Volume 14“ und „Volume 15“ mit jeweils vier „Inspector Barnaby“-Fällen bieten einen Querschnitt durch die Fälle. Denn, wie auch in den vorherigen „Inspector Barnaby“-Boxen, sind die Fälle bunt aus verschiedenen Jahren und mit verschiedenen Assistenten zusammengewürfelt. Nur an den wechselnden Assistenten, an Cullys Alter und den im Polizeirevier stehenden Computern kann erahnt werden, wann der Krimi entstand.

Dabei sind die besseren Fälle von „Inspector Barnaby“ präzise Milieustudien der englischen Upper-Class, der Lords und der Neureichen, die sich teilweise seit Jahrzehnten, manchmal auch nur seit einigen Jahren, auf das innigste hassen und bekämpfen. Es gibt auch den verarmten Adel. Neid und Missgunst sind daher probate Mordmotive.

In den schlechteren Fällen (die sich eher auf „Volume 14“ befinden) wird dieser Kampf zwischen Reich und Arm dann zu einem possenhaftem Bauerntheater, das überdeutlich auf die Absurdität der Grundkonstellation der Serie hinweist.

Aber diese Cozy-Grundkonstellation bietet auch einen höchst beunruhigenden Blick in die menschliche Psyche. Denn auch wenn der Mord als eine schöne Kunst betrachtet wird, bei dem die Lösung vor allem ein intellektuelles Ratespiel ist und wenn der Mörder überführt wird, die Welt wieder in Ordnung ist, kann die absurd hohe Midsomer-Mordrate und der britische unterkühlte Umgang mit den Toten nicht darüber hinwegtäuschen, dass in jeder Folge, in der es normalerweise mehrere Morde gibt, auch immer gesagt wird: „Wir brauchen keine Ausländer und keine renitenten Jugendliche, um uns gegenseitig umzubringen. Ein gut gepflegter Nachbarschafts- oder Familienstreit tut es auch. Und wenn man mit einem Mord seine Probleme lösen kann, dann tu es ruhig. Wissen Sie, das Böse ist schon lange ein akzeptierter Teil unserer Gemeinschaft.“

So gesehen sind die „Midsomer Murders“ viel beunruhigender als sich in schrecklichen Bildern und nihilistischen Tiraden badende, sich realistisch und düster nennende Krimis, in denen die Welt anscheinend aus, teils geistig minderbemittelten, Berufsverbrechern besteht und man sich immer sagen kann, dass das einen nicht betrifft, weil man ja ein ehrlicher, gesetztestreuer Bürger ist. Wie die Bewohner der Grafschaft Midsomer, die keine Probleme haben einen Malkurs oder eine Blumenschau mit einem Mord zu verbinden.

Manchmal, wie in „Die Blumen des Bösen“ (Orchis Fatalis), sind die Motive für die Mordserie sogar für die Bewohner von Midsomer ziemlich abstrus. In dem Fall wird sogar eine Frage nicht geklärt: Wie kommt ein China-Restaurant nach Midsomer?

Postskriptum: Nachdem John Nettles als Inspector Tom Barnaby 2011 den Dienst in Midsomer quittierte, haben die Macher sich entschlossen, die Serie von „Midsomer Murders“ in „Barnaby“ umzubenennen (die internationalen Verkäufe könnten eine Rolle gespielt haben) und mit Barnabys jüngerem Cousin John Barnaby (gespielt von Neil Dugeon) fortzuführen. Seinen ersten eigenen Fall „Death in the slow lane“ löste er am 23. März 2011.

Also ändert sich sogar der Ermittler, aber ‚Merry Old England‘ bleibt ‚Merry Old England‘.

Inspector Barnaby (Midsomer Murders, GB 1997 – 2011)

LV: Charaktere von Caroline Graham

mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), , Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy, 1997 – 2003), John Hopkins (Sergeant Dan Scott, 2004 – 2005), Jason Hughes (DS Ben Jones, 2005 – 2011), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)

Inspector Barnaby – Vol. 14

Edel

Bild: 16:9 (PAL)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 389 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre (wegen der Hochzeitsepisode „Bloody Wedding“)

Die bunt-gemischten Ermittlungen

Ganz in Rot (Blood Weeding, GB 2008, Staffel 11, Folge 2)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: David Lawrence

Mord mit Rendite (Market for Murder, GB 2002, Staffel 5, Folge 1)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: Andrew Payne

Der Tod und die Lady (A Talent for Life, GB 2003, Staffel 6, Folge 1)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: David Hoskins

mit Honor Blackman

Der Tod malt mit (Painted in Blood,GB 2003 Staffel 6, Folge 3)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: Andrew Payne

 

Inspector Barnaby – Vol. 15

Edel

Bild: 16:9 (PAL)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 384 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die etwas weniger bunt gemischten Ermittlungen

Unglücksvögel (Birds of Prey, GB 2003, Staffel 6, Folge 5)

Regie: Jeremy Silberston

Drehbuch: Michael Russell

Immer wenn der Scherenschleifer… (Bad Tidings, GB 2004, Staffel 7, Folge 2)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Peter J. Hammond

Grab des Grauens (The Fisher King, GB 2004, Staffel 7, Folge 3)

Regie: Richard Holthouse

Drehbuch: Isabelle Grey

Die Blumen des Bösen (Orchis Fatalis, GB 2005, Staffel 8, Folge 3)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Terry Hodgkinson

Hinweise

ITV über Inspector Barnaby

ZDF über „Inspector Barnaby“

Wikipedia über „Inspector Barnaby“ (deutsch, englisch)

FAZ: Nina Belz trifft John Nettles (6. März 2011)

Krimi-Couch über Caroline Graham

Kaliber.38 über Caroline Graham

 Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 12“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 13“


TV-Tipp für den 23. Juli: Delta Force

Juli 23, 2012

Kabel 1, 22.40

Delta Force (USA 1986, R.: Menahem Golan)

Drehbuch: James Bruner, Menahem Golan

Musik: Alan Silvestri

Terroristen entführen ein US-Passagierflugzeug. Die Delta Force rückt aus, um den Entführern Manieren beizubringen.

Obwohl „Delta Force“ auf der Entführung des TWA Flug 847 am 14. Juni 1985 basiert, ist Menahem Golans Werk „ein weiteres Monument der Ramb-Ideologie“ (Fischer Film Almanach 1987) und wäre nicht besonders bemerkenswert, wenn die Produzenten Menahem Golan und Yoram Globus, die Cannon-Chefs, die damals als B-Actionfilmschmiede das Bild das Actionkinos bestimmte („Missing in Action“, „Invasion U. S. A.“, „Die City-Cobra“ und viele mehr), nicht so viele Stars für ihren Film verpflichtet hätten. Der Film selbst zerfällt in zwei Hälften: in der ersten wird ziemlich realistisch die Entführung und die Reaktionen der Passagiere gezeigt; in der zweiten entwickelt sich eine abstruse Befreiungsorgie, die komplett auf jegliche Logik verzichtet. Immerhin lernen wir die Chuck-Norris-Methode des effizienten Umbringen des Bösewichts kennen.

Der Rest sind Hurra-Patriotismus für die USA (typisch für Golan/Globus-Filme) und Israel (sehr untypisch), arabische Klischee-Bösewichter und viel Action.

Der Film war bis Juli 2011 indiziert. Nachdem er vom Index genommen und neu geprüft wurde, erhielt er eine „FSK ab 16 Jahre“-Freigabe. Deshalb müsste er heute ungeschnitten im TV laufen.

Delta Force“ ist auch der letzte Film von Lee Marvin.

mit Chuck Norris, Lee Marvin, Martin Balsam, Joey Bishop, Hanna Schygulla, Robert Forter, Lainie Kazan, George Kennedy, Susan Strasberg, Bo Svenson, Robert Vaughn, Shelley Winters, Kim Delaney, Liam Neeson (ungenannt, als Delta-Force-Mitglied)

Wiederholung: Dienstag, 24. Juli, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Delta Force“ (deutsch, englisch)

Film Monthly über „Delta Force“ (28. Juni 2012)

Etwas Fortbildung

 


TV-Tipp für den 22. Juli: Kein Koks für Sherlock Holmes

Juli 22, 2012

RBB, 22.00

Kein Koks für Sherlock Holmes (USA/GB 1976, R.: Herbert Ross)

Drehbuch: Nicholas Meyer

LV: Nicholas Meyer: The Seven-per-cent Solution, 1975

Dr. Watson bugsiert Sherlock Holmes nach Wien zu einer Therapie bei Dr. Sigmund Freud. Als sie in einen mysteriösen Kriminalfall stolpern erwachen die kleinen grauen Zellen des Meisterdetektivs.

Vergnügliche Liebeserklärung an Holmes und Watson und eine vergangene Zeit.

Mit Alan Arkin, Nicol Williamson. Robert Duvall, Laurence Olivier, Vanessa Redgrave, Samantha Eggar, Charles Gray

Hinweise

Wikipedia über „Kein Koks für Sherlock Holmes“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Kein Koks für Sherlock Holmes“

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitzs „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Skandal in Belgravia“ (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 21. Juli: Mein Bruder Kain

Juli 21, 2012

ZDFneo, 22.30

Mein Bruder Kain (USA 1992, R.: Brian De Palma)

Drehbuch: Brian De Palma

Der angesehene Kinderpsychologe Carter Nix hat Probleme mit seinen verschiedenen Persönlichkeiten. Besonders Kain löst Probleme mit anderen Menschen gerne final.

Unterschätzter De-Palma-Film. Denn: “Raising Cain is (…) one of De Palma’s most challenging, elliptical and darkly comic films. Because of its refusal to ‘make it easy’ for the audience, it is also the least understood and appreciated film from his ‘red phase’.” (Senses of Cinema)

Mit John Lithgow, Lolita Davidovich, Steven Bauer, Frances Sternhagen, Gregg Henry

Hinweise

Senses of Cinema über „Mein Bruder Kain“ (Raising Cain)

Slant Magazine über “Mein Bruder Kain”

Senses of Cinema über Brian De Palma (2003)


DVD-Kritik: Die „Misfits“ wollen nur ihren Spaß haben

Juli 20, 2012

Einige nichtsnutzige Jugendliche, die in einem heruntergekommenen Gemeinschaftszentrum (Gibt es auch andere?) ihre Sozialstunden ableisten müssen, werden während eines Gewitters von einem Blitz getroffen und entwickeln Superkräfte.

Klingt doch gut?

Aber nach der ersten Folge der BBC-Serie „Misfits“ wollte ich mir die restlichen fünf Folgen der ersten Staffel nicht mehr ansehen. Denn die deutsche Synchronisation, so ein pseudo-hipper Pseudo-Nord-Neukölln-Assi-Slang, vergällte mir jede Lust.

Dann sah ich mir die zweite Folge im Original an und es war besser. Jedenfalls klang der Slang natürlicher und es entwickelt sich auch der Beginn einer folgenübergreifenden Geschichte. Denn nicht nur die fünf Straftäter, sondern auch andere Menschen hatten neue Kräfte bekommen.

Aber gerade dieser Strang wird von Autor Howard Overmann, der die Serie erfand und alle Drehbücher schrieb, nicht weiterverfolgt. Die Superkräfte, – die da wären: eine kann Gedanken lesen, eine kann durch Berührung Männer in sie begehrende Sexbestien verwandeln, einer kann in die Zukunft sehen und sie verändern, einer kann sich unsichtbar machen und das Plappermaul der Gruppe weiß bis zum Ende der ersten Staffel nicht, was für eine Superkraft er hat -, spielen in den meisten Folgen keine oder nur eine marginale Rolle. Ein Gimmick eben.

Stattdessen entwickelt sich ein halbgarer Krimi. Denn in der ersten Folge wird der Bewährungshelfer der Jugendlichen durch das Gewitter zu einer von einem Wut-Virus infizierten Bestie, die die Jugendlichen umbringen will. Sie sind schneller und vergraben die Leiche unter einer Autobrücke. In der zweiten Folge taucht die Freundin des Toten als ihre neue Betreuerin auf. Sie will herausfinden, was mit ihrem Freund geschah und sie glaubt, dass die Jugendlichen etwas damit zu tun haben.

Neben dem Krimiplot erfahren wir in den einzelnen Folgen etwas über die Wünsche und Sehnsüchte unserer jugendlichen Outcasts. Aber das alles könnte auch gut, wahrscheinlich sogar besser, ohne das Superkräfte-Gedöns gezeigt werden. Denn meistens spielen ihre neuen Kräfte keine entscheidende Rolle für die Geschichte. Auch die potentiellen Konflikten zwischen den Wünschen der Jugendlichen, die nur ihr Vergnügen wollen, und dem allseits bekanntem Superheldenethos, der aufgrund seiner Kräfte die Welt zu einem besseren Ort machen muss (Spider-Man!), werden höchstens gestreift. Es gibt daher auch keine Kämpfe gegen andere Superhelden. Sogar in der letzten Episode, in der eine Sekte Jugendliche zu einem tugendhaftem Leben verführt (naja, genaugenommen manipuliert deren Anführerin mit ihrer gedankenverhexenden Superkraft die Menschen dazu), könnte locker ohne die Superkräfte der „Misfits“ auskommen.

Insofern war ich, trotz einiger Lacher, schwer enttäuscht von den „Misfits“.

P. S.: Die Freigabe der FSK „ab 18 Jahre“ bezieht sich nur auf die zweite Folge. In der hat einer der Jugendlichen Sex mit einer Frau, deren Superkraft ist, dass sie sich wieder in eine junge Schönheit verwandeln kann. Das führt beim Sex zu einem für den Jungen schockierendem Erlebnis. Aber ob wirklich etwas nackte Haut der Grund für die FSK-18 war, weiß ich nicht.

Jedenfalls wurde so eine Serie für Jugendliche zu einer Serie gemacht, die von Jugendlichen nicht gesehen werden kann, und im Fernsehen erst nach 22.00 Uhr (die FSK-18-Folge noch später) gezeigt werden kann.

Misfits – Staffel 1 (Misfits, GB 2009)

Regie: Tom Green (Episode 1, 2,4), Tom Harper (Episode 3, 5, 6)

Drehbuch: Howard Overman

Erfinder: Howard Overman

mit Antonia Thomas (Alisha Bailey), Robert Sheehan (Nathan Young), Lauren Socha (Kelly Bailey), Iwan Rheon (Simon Bellamy), Nathan Stewart-Jarrett (Curtis Donovan), Alex Reid (Sally)

DVD

Polyband

Bild:16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Behind the Scenes, Simon’s Films, The Making of Misfits, Wendecover

Länge: 270 Minuten (6 x 45 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

BBC/E4 über „Misfits“

BBC Germany über „Misfits“

Wikipedia über „Misfits“ (deutsch, englisch)

Film ABC: Unterrichtsmaterialien zur Serie

 


TV-Tipp für den 20. Juli: Firewall

Juli 20, 2012

RBB, 00.00

Firewall (USA 2006, R.: Richard Loncraine)

Drehbuch: Joe Forte

Bankräuber Bill Cox nimmt die Familie von Jack Stanfield, Sicherheitschef bei einer Bank, gefangen. Er verlangt von Stanfield, dass dieser ihm bei dem Bankraub hilft. Stanfield versucht den Bankraub zu verhindern und seine Familie zu retten.

Gut, die Story ist mit etwas Hightech-Voodoo aufgebretzelte Dutzendware, aber die Riege der altbekannten Gesichter und die Schlägerei am Ende (sie war auch für den World Stunt Award/Taurus-Award als bester Kampf) entschädigt dafür.

„Firewall“ ist ein B-Picture mit Starpower.

mit Harrison Ford, Virginia Madsen, Paul Bettany, Carly Schroeder, Jimmy Bennett, Mary Lynn Rajskub, Robert Forster, Robert Patrick, Alan Arkin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Firewall“

Wikipedia über „Firewall“ (deutsch, englisch)

The Writing Studio: Interview mit Joe Forte über „Firewall“

Mein Geburtstagsgruß an Harrison Ford (mit weiteren Links)


Neu im Kino/Filmkritik: „Lady Vegas“ verzockt sich

Juli 19, 2012

Lady Vegas“ basiert auf der ‚Biographie‘ „Lay the Favorite: A Memoir of Gamblin“ von Beth Raymer und die Geschichte hat auch etwas: da macht sich eine Kleinstadtstripperin (Rebecca Hall) aus Florida auf nach Las Vegas, um dort als Kellnerin in einer Cocktailbar ihr Glück zu versuchen. Von dem Job hat sie keine Ahnung; was auch egal ist, weil diese Jobs in Las Vegas nur an Gewerkschaftsmitglieder vergeben werden und sie daher keine Chance hat. Über eine Empfehlung stolpert sie in das Büro von Dink Heimowitz (Bruce Willis) und er ist begeistert von ihrem Talent für Zahlen. Denn Dink verdient mit Wetten sein Geld.

Beth wird, unter den fürsorglichen Händen der Zockerlegende, zu, so der Werbetext, „einer der besten Buchmacherinnen der Wettbranche“.

Das ist doch ein gut abgehangener Plot, der in einem faszinierendem Milieu vor einer prächtigen Kulisse erzählt wird.

Was kann da schief gehen?

Nun, schon während der ersten Begegnung von Beth (Rebecca Hall) und Dink (Bruce Willis), sagt Dink, dass er zufrieden sei, wenn er mehr gewinne als verliere. Damit ist das hier betriebene professionelle Glücksspiel ein Job, der zwar mit großen Emotionen (wenn sie in Dinks Büro ein im Fernsehen laufendes Pferd anfeuern als ginge es um das Abwenden des Weltuntergangs) einhergeht, aber auch nicht sonderlich riskant ist. Immerhin gewinnt Dink auf lange Sicht genug, um sich, seinen beiden Mitarbeitern (die er ungefähr im Wochentakt feuert und wieder einstellt) und seiner Frau Tulip (Catherine Zeta-Jones, die als Hausdrache eifersüchtig über Dink wacht) ein luxuriöses Leben zu sichern.

Es geht also um nichts. Es gibt keine existentielle Bedrohung für die Charaktere. Sie lassen sich alle von der einen Wette zur nächsten treiben. Sie ergreifen eine Chance, wenn sie sich bietet und sie dafür kein allzu großes Risiko, hm, ein überschaubares Risiko, ach, eigentlich überhaupt kein Risiko, eingehen müssen.

Und auch wenn Beth gegen Ende in New York bei Rosie (Vince Vaughn), dem sehr großmäuligem und aus dramaturgischen Gründen von Drehbuchautor D. V. DeVincentis (auch Autor des Frears-Films „High Fidelity“) erfundenem Gegenstück zu Dink, ihr Glück versucht und in einen ziemlichen Schlamassel gerät, aus dem sie dann doch arg einfach und mit der bereitwillig und selbstlos gewährten Hilfe von Dink, seiner Frau und seinen Angestellten (also Beths neuer Familie) herauskommt, dient der Lärm, die fast immer hoffnungslos übertriebenen Emotionen der Schauspieler, nur dazu, die Leere des Drehbuchs zu übertünchen. Aber das gelingt nicht.

Vor allem die ständige Überdrehtheit von Rebecca Hall nervt. Sie kreischt und quieckt sich durch den Film, als würde sie nach Lautstärke bezahlt werden. Mich nervte dieses Gehabe schon nach fünf Minuten und in einem Lokal würde ich möglichst schnell vor so einer Person flüchten.

Dass „Lady Vegas“ sich dann auch nie entscheiden kann, ob es ein Drama, eine Komödie oder eine Milieustudie sein will, führt dazu, dass die Genres und Stile sich gegenseitig im Weg stehen und so eine undramatisch-unwitzige vor sich hin plätschernde Dramedy entstand, die definitiv nicht zu Stephen Frears besten Arbeiten, wie „Mein wunderbarer Waschsalon“, „Gefährliche Liebschaften“, „The Grifters“ (nach einem Roman von Jim Thompson und einem Drehbuch von Donald E. Westlake) und „Die Queen“, gehört.

Lady Vegas (Lay the Favorite, USA/GB 2012)

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: D. V. DeVincentis

LV: Beth Raymer: Lay the Favorite: A Memoir of Gambling, 2010

mit Rebecca Hall, Bruce Willis, Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn, Joshua Jackson, Laura Prepon, Frank Grillo, Wayne Pére, John Carroll Lynch, Corbin Bernsen

Länge: 94 Minuten

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lady Vegas“

Rotten Tomatoes über „Lady Vegas“

Wikipedia über „Lady Vegas“

 


TV-Tipp für den 19. Juli: Die Verachtung

Juli 19, 2012

3sat, 22.25

Die Verachtung (Frankreich/Italien 1963, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Alberto Morovia: Il Desprezzo, 1954 (Die Verachtung)

Drehbuchautor Paul soll das Drehbuch für einen Film über die Abenteuer von Odysseus auf der Insel Capri schreiben. Dort sind, neben ihm, seine Frau, der Produzent, der ein Auge auf Pauls Frau Camille geworfen hat, und der Regisseur. Camille, die an Pauls Liebe zweifelt, beginnt ihn zunehmend zu verachten.

Godards anspielungs- und zitatenreiche Satire auf das Filmbusiness, gedreht mit viel Geld, Brigitte Bardot und Fritz Lang als Regisseur.

mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll, Jean-Luc Godard, Raoul Coutard

Hinweise

Wikipedia über „Die Verachtung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“

Jean-Luc Godard und Fritz Lang in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Juli: Belle de jour

Juli 18, 2012

3sat, 23.10

Belle de jour – Schöne des Tages (F/I 1967, R.: Luis Buñuel)

Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière

LV: Joseph Kessel: Belle de jour, 1928 (Belladonna; La belle de jour- Die Schöne des Tages)

Arztgattin Séverine langweilt sich. Als Lebemann Husson sie mit Madame Anais und ihrem Etablissement für erotische Wünsche und Fantasien bekannt macht, beginnt Séverine ein Doppelleben.

Einer von Buñuels zugänglichsten Filmen über die Doppelmoral des Großbürgertums. Er erhielt den Goldenen Löwen in Venedig und war bei Kritik und Zuschauern ein Erfolg. Deneuve war danach auf die Rolle der kühlen Blondine festgelegt.

Mit Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli, Geneviève Page

Hinweise

Wikipedia über “Belle de jour”

3sat über “Belle de jour”


TV-Tipp für den 17. Juli: Quartett im Bett

Juli 17, 2012

RBB, 22.45

Quartett im Bett (D 1968, R.: Ulrich Schamoni)

Drehbuch: Ulrich Schamoni

Die Jacob Sisters und Insterburg & Co. machen Kreuzberg unsicher.

Extrem selten gezeigter Szeneklamauk des Berliners Ulrich Schamoni (9. November 1939 – 9. März 1998), der auch „Es“, einen der Klassiker des Neuen Deutschen Films, drehte.

Schamoni zeigt das Berlin unserer Tage und beschwört dabei das Bild einer heimeligen friedlichen Stadt. Politischer Zündstoff wird mühelos in dieses Bild integriert. Das gelingt Schamoni, indem er gesellschaftliche Tatbestände ihrer Zusammenhänge beraubt, sie zu bloßen Phänomenen reduziert.“ (Klaus Bädekerl, Filmkritik, 1969)

Eine peinliche Aneinanderreihung flauer, kabarettistisch gemeinter Gags mit der damals populären Band ‚Insterburg & Co.‘ – einer Komiker-Truppe, die aus de rebellischen 68er-Stimmung kräftig Kapital schlug und als Trittbrettfahrer bei der Studentenbewegung mitfuhr.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Film erhielt den Ernst-Lubitsch-Preis – und Karl Dall machte später jeden Scheiß mit.

mit Ingo Insterburg, Karl Dall, Jürgen Barz, Peter Ehlebracht, Johanna Jacob, Eva Jacob, Hannelore Jacob, Rosi Jacob, Rainer Basedow

Hinweise

RBB über „Quartett im Bett“

Filmportal über „Quartett im Bett“

Schamoni Film und Medien GmbH über „Quartett im Bett“

Wikipedia über Ulrich Schamoni

Insterburg und Co. (Fanseite) über „Quartett im Bett“ (viele Filmbilder)


TV-Tipp für den 16. Juli: Der Tod kennt keine Wiederkehr

Juli 15, 2012

Arte, 20.15

Der Tod kennt keine Wiederkehr (USA 1973, R.: Robert Altman)

Drehbuch: Leigh Brackett

LV: Raymond Chandler: The long goodbye, 1953 (Der lange Abschied)

Philip Marlowe hilft seinen Freund Terry Lennox aus der Klemme. Er soll seine Frau umgebracht haben.

Bitterböse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum und einem Marlowe (Elliot Gould), der als Relikt durch die Story gestossen wird. – Eine der besten Chandler-Verfilmungen!

Leigh Brackett (1915 – 1978, Schriftstellerin, außerdem schrieb sie die Drehbücher zu „Tote schlafen fest“, „Rio Bravo“, „El Dorado“, „Krieg der Sterne: Das Imperium schlägt zurück“) sagte zu ihrer und Altmans Vorstellung von der Figur Marlowe: „Ich sehe Marlowe so, wie Chandler ihn sah, als Verlierer. Aber ein wirklicher Verlierer, nicht der falsche Gewinner, den Chandler aus ihm machte. Ein Verlierer auf der ganzen Linie….Goulds Marlowe ist ein Mann von simpler Redlichkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen und vollständiger Integrität. Alles, was wir machten, war, ihn von den Attributen eines falschen Helden zu befreien. Chandler Marlowe wusste immer mehr als die Polizei. Er konnte zu Brei geschlagen werden, aber er kam immer irgendwie ungeschoren davon. Nur aufgrund bloßer Kraft der Persönlichkeit, professioneller Sachkenntnis und Frechheit war er im Vorteil. Wir meinten ´Solch ein Mann besitzt keinen Vorteil. Er wird rumgestoßen. Die Leute nehmen ihn nicht ernst. Sie wissen nicht, was mit ihm los ist, und es kümmert sie auch nicht´. Also wurde aus dem harten Typ Marlowe ein Gefoppter.“ (Take One)

Pflaum dazu: „Altmann hat Marlowe so gründlich demystifiziert, dass dem Zuschauer in jedem Moment bewußt ist: dieser Mann übernimmt sich, und es ist allein eine Frage der Zeit, bis sich das rächt. Der Held Raymond Chandlers ist nie gefährdeter, nie sterblicher gewesen als in The long goodbye; Altman hat dem Roman auf seine Weise die realistische Dimension zurückgegeben, die er, unter anderen Vorzeichen, einmal hatte“ (Hans Günther Pflaum in Robert Altmann, Hanser Reihe Film 25)

Mit Elliott Gould, Nina van Pallandt, Sterling Hayden, Mark Rydell, Henry Gibson, David Carradine (Cameo), Arnold Schwarzenegger (eigentlich auch ein Cameo-Auftritt)

Wiederholung: Freitag, 27. Juli, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. Juli: Familiengrab

Juli 15, 2012

RBB, 22.00

Familiengrab (USA 1976, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Ernest Lehman

LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)

Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.

Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.

Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.

Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt

Hinweise

Wikipedia über Victor Canning

Kaliber .38 über Victor Canning

Fanseite über Victor Canning

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte