LV: John Reese: The Looters, 1968 (später wegen des Films “Charley Varrick”)
Zufällig klaut Charley Varrick bei einem Überfall auf eine Provinzbank eine dreiviertel Million Dollar. Dummerweise gehört das Geld der Mafia – und die versteht keinen Spaß.
Herrlich amoralischer Gangsterfilm, bei dem ein Einzelner einen scheinbar hoffnungslosen Kampf gegen eine große, skrupellose Organisation aufnimmt.
„In diesem besten von Siegels späten Filmen wird nicht nur mit dem Genre gespielt, bis ein Westernmuster in einem Mafiafilm aufscheint, sondern sein Drehbuch ist auch derart ausgefeilt, dass es seine Wahrheit erst im letzten Moment offenbart.“ (Kevin Gough-Yates, in Frank Arnold/Michael Esser [Hrsg.]: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme)
John Reese schrieb in erster Linie Western.
Mit Walter Matthau, Joe Don Baker, John Vernon, Felicia Farr, Don Siegel (als Tischtennisspieler)
Das Ende – Assault on Precinct 13 (USA/F 2005, R.: Jean-François Richet
Drehbuch: James DeMonaco (nach dem Drehbuch von John Carpenter)
Jahreswende in Detroit: In einem abgelegenem Polizeirevier, das demnächst aufgelöst werden soll, muss wegen eines Schneesturms über die Nacht ein berüchtigter Gangster untergebracht werden. Einige korrupte Polizisten, die verhindern wollen, dass der Gangster redet, wollen ihn umbringen. Sie belagern das Revier. Der Revierleiter nimmt den Kampf auf – und muss dabei auch dem Gefangenen vertrauen.
Drehbuch: Kario Salem, Lem Dobbs, Scott Marshall Smith (nach einer Geschichte von Daniel E. Taylor und Kario Salem)
Hehler Max überredet den immer allein arbeitenden Profieinbrecher Nick Wells zu einem Einbruch ins ausgezeichnet gesicherte Zolllager von Montreal. Dort ist für einige Tage ein wertvolles Königszepter. Die Pläne erhält Nick dank eines Insiders. Dummerweise will der Insider bei dem Coup nicht nur helfende Hand sein.
Drei Schauspielgiganten in einem amüsanten Caper. Was will man mehr an einem matschigen Novemberabend?
“The Score” ist der letzte Film von Marlon Brando. Nach mehreren, sehr höflich formuliert, schlechten Werken, gelang ihm mit dem elegant, altmodischen “The Score” ein würdevoller Abschied.
Mit Robert De Niro, Edward Norton, Marlon Brando, Angela Bassett, Gary Farmer, Paul Soles
Drei „Deutsche Filmpreise“, „Prädikat: besonders wertvoll“, Kritikerlob bis zum Abwinken: David Wnendt hat mit seinem Debütfilm „Kriegerin“, der auch seine Abschlussarbeit an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf war, der im Januar im Kino anlief und jetzt auf DVD erschien, einen Nerv getroffen.
Er erzählt die Geschichte von Marisa. Die Zwanzigjährige ist eine ständig genervte, hochaggressive Nazibraut in einer ostdeutschen Kleinstadt. In diesem Sommer liegt ihr über alles geliebter Großvater im Sterben, die fünfzehnjährige Svenja ist von der Nazi-Clique fasziniert und der junge Asylbewerber Rasul scheint in ihr eine Ansprechpartnerin zu sehen. Eher widerwillig hilft sie ihm – und wir bekommen wenigstens einen Hauch von Story in diesem so schrecklich ausgewogenem Film, der neben Marisas Geschichte fast gleichbedeutend die Geschichten von Svenja und Rasul erzählt, und der kaum etwas über die Hintergründe der Naziszene und ihrer Faszination für Jugendliche verrät. Denn sie erscheint als eine leicht anpolitisierte Sauf- und Prolkultur. Implizit bestätigt der Film sogar die Nazi-Ideologie von den faulen Asylbewerbern. Denn der Afghanistan-Flüchtling Rasul nutzt Marisas Vorurteile schamlos aus, wenn er Marisa immer wieder moralisch erpresst: zuerst indem sie ihn Lebensmittel klauen lässt, ihn dann zu seinem Ziel fährt, ihm später Unterschlupf gewährt und ihn sogar aus Deutschland herausschmuggeln will, indem sie ihm die Schiffspassage bezahlt.
So bleibt „Kriegerin“ als Charakterstudie an der Oberfläche. Denn immer dann, wenn es interessant wird, schweigt Wnendt.
Er erzählt nicht, wie eine rechtsextreme Jugendsubkultur sich in einem Gebiet verfestigen konnte. Er bietet keine Erklärung dafür an, dass sich gerade in Ostdeutschland eine breite rechtsextreme Szene, teils mit sehr gefestigten Strukturen, etablierte, Nazis in Parlamente einziehen und ein Nazi-Terror-Trio entstehen konnte. Denn beim Kinostart im Januar war der Kurzschluss von NSU zur „Kriegerin“ und damit dem Loben von „Kriegerin“ als Film zu den aktuellen Ereignissen einfach zu naheliegend.
Er schweigt auch – und das ist das größte Problem des Films -, wenn es darum geht, zu erklären, warum Nazis für Jugendliche attraktiv sind.
So ist „Kriegerin“ nur ein das Fremde hervorhebender Einblick in eine Sauf- und Proll-Jugendkultur, garniert mit einigen Nazi-Symbolen und etwas mehr Gewalt als es in einem handelsüblichen deutschen Problemfilm üblich ist.
Denn mehr ist „Kriegerin“ nicht: ein typisch deutsches Sozialdrama, das beim Zuschauer einfach nur eine sedativ wirkendes Unwohlsein hervorruft. So wie der „Tatort“, der uns am Sonntag einen esoterischen Blick in die Hartz-IV-Haushalte gibt, damit wir am Montag beruhigt zur Arbeit gehen können.
Besser noch einmal „This is England“ ansehen. Da erfährt man mehr über Jugendkulturen, vor allem die Skin-Kultur, die Verbindungen zu Alt-Nazis und eben die Faszination von Cliquen.
Für die deutschen Besonderheiten muss man dann halt ein Buch lesen.
Das Bonusmaterial
Für deutsche Verhältnisse ist die DVD mit gut vierzig Minuten Bonusmaterial sehr gut ausgestattet. Das elfminütige „Making of“ wirkt zwar wie eine TV-Reportage, bietet aber einige gute Einblicke in den Film. Die Interviews mit Hauptdarstellerin Alina Levshin und Regisseur David Wnendt, insgesamt sechzehn Minuten, die teilweise im „Making of“ verwendet wurden, geben weitere Einblicke in den Film. Die „Behind the Scenes“-Bilder sind so überflüssig, wie meistens. Dafür gibt es ein 19-seitiges Filmheft, das die Themen des Films vor allem für den Schulunterricht vertieft.
Kriegerin (D 2011, R.: David Wnendt)
Drehbuch: David Wnendt
mit Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad Wasil Mrowat, Gerdy Zint, Lukas Steltner, Uwe Preuß, Winnie Böwe, Rosa Enskat, Haymon Maria Buttinger, Klaus Manchen
–
DVD
Ascot Elite
Bild: 16:9 (1:2,35)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Interviews, Behind the Scenes, Unterrichtsmaterial (pdf-Dokument), Originaltrailer, Wendecover
Columbo: Undercover (USA 1994, R.: Vincent McEveety)
Drehbuch: Gerry Day
LV: Ed McBain: Jigsaw, 1970 (Schnapp-Schuß)
Zwei Männer bringen sich während eines Einbruches gegenseitig um. Während der Chef den Fall zu den Akten legen will, ist Columbos Neugier geweckt. Denn was suchte der Einbrecher in dieser Absteige? Und weshalb hielt er den ausgeschnittenen Teil eines Fotos in der Hand?
Ein untypischer Columbo-Fall. Denn Columbo muss undercover gehen und wir dürfen mitraten. Denn in „Undercover“ ist der Mörder nicht allgemein bekannt (obwohl ziemlich offensichtlich ist, wer der Mörder ist).
Unterhaltsamer, altmodischer Krimi (wegen Erzählweise, wegen Autos, wegen Einrichtung), dessen Plot auch schon 1994 ziemlich veraltet war (ein Foto als Schatzkarte; alle suchen die Schnipsel – hey, das ist nicht 1994, sondern eher 1954).
Mit Peter Falk, Ed Begley Jr., Burt Young
Auch bekannt als “Zwei Leichen und Columbo in der Lederjacke“
Zwei Rettungssanitäter rasen in Hamburg von einem Notfall zum nächsten. Bis ihnen ein angeschossener Generalstaatsanwalt vor seinem Tod einen Schlüssel gibt, der sie auf die Abschussliste von Waffenhändlern und korrupten Beamten setzt.
Ein neuer Film von Lars Becker ist immer ein Lichtblick und die Garantie für neunzig spannend-unterhaltsame Minuten, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Humor.
mit Tobias Moretti, Fahri Yardim, Uwe Ochsenknecht, Julia Dietze, Sophie von Kessel, Misel Maticevic, Fritz Karl, Martin Brambach, Armin Rohde
In „Wag the Dog“ (USA 1997) war es einfach nur die Idee in einer Komödie: wir inszenieren im Fernsehen einen Krieg, um von einem Seitensprung des US-Präsidenten abzulenken und dessen Wiederwahl zu sichern.
In Larry Beinharts Polit-Thriller war diese Idee Teil eines größeren Bildes und weil Beinhart zu den US-Autoren zählt, die auch die Realität in ihren Krimis reflektieren, konnte man vermuten, dass es so etwas schon einmal gegeben hat.
In „Argo“ erfahren wir jetzt, dass Hollywood und Washington schon einmal prächtig zusammen arbeiteten. Mindestens.
Der grandiose Polit-Thriller „Argo“ erzählt nämlich die wahre Geschichte einer CIA-Operation. Im November 1979 konnten in Teheran, Iran, während der Kämpfe, die auch zur Geiselnahme von 52 US-Botschaftsangehörigen führten, sechs US-Botschaftsangehörige von der US-Botschaft in die kanadische Botschaft flüchten. Dort waren sie sicher, aber gefangen. Denn die Machthaber hätten ihnen niemals erlaubt, das Land zu verlassen.
Aus verschiedenen Gründen schieden alle Fluchtmöglichkeiten aus. Die beste Idee war: wir inszenieren als Ablenkungsmanöver einen SF-Fantasy-Spielfilm und holen die Leute so raus.
Das klingt so fantastisch, dass es wahr sein muss. Die Idee stammte von CIA-Agent Tony Mendez (Ben Affleck).
Der Film hieß „Argo“ und Hollywood spielte mit.
Ben Affleck, der als Schauspieler irgendwo zwischen den hirnlosen Blockbustern „Armageddon“ (USA 1998) und „Pearl Habor“ (USA 2001) zum Lieblingswatschenmann der Presse und Filmfans wurde, hat diese Geschichte verfilmt und, nach der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“ (USA 2007) und der Chuck-Hogan-Verfilmung „The Town“ (USA 2010), hat er einen weiteren grandiosen Film inszeniert. Dieses Mal sogar mit einigen Seitenhieben auf Hollywood und den Starkult. Produzent John Chambers (John Goodman), eigentlich Maskenbildern, unter anderem für „Planet der Affen“ und „Raumschiff Enterprise“ (die Ohren von Spock), und Regisseur Lester Siegel (Alan Arkin) sind echte Hollywood-Haifische, die auch gut in der Elmore-Leonard-Verfilmung „Schnappt Shorty“ (Get Shorty, USA 1995) aufgehoben wären. Denn bevor Mendez nach Teheran fliegen kann, muss das Filmprojekt „Argo“ in der Öffentlichkeit als ‚das nächste große Ding‘, das legitime Folgeprojekt von „Krieg der Sterne“, bei dem alle Hollywood-Stars mitspielen wollen, lanciert werden. Wenn dann Hollywood an das Projekt glaubt und sich die Stars um Rollen streiten (so fragt ein Mann, der eine verdächtige Ähnlichkeit zu dem Hauptdarsteller von „Shining“ hat, nach einer Rolle in „Argo“), werden auch die Revolutionäre im Iran an das Filmprojekt glauben.
In Teheran muss Mendez in wenigen Tagen die Botschaftsangehörigen auf ihre Rolle als Filmschaffende vorbereiten und das Projekt der dortigen Regierung verkaufen. Denn wenn sie entdeckt werden, werden sie umgebracht.
Stilistisch (allein schon die Verwendung das alten Warner-Logos gibt die Richtung an) und erzählerisch orientiert Affleck sich am New-Hollywood-Kino der siebziger Jahre und den damaligen Polit-Thrillern. Das passt gut, auch weil der Film um 1980 spielt. Und dass die Geschichte und die Charaktere im Mittelpunkt stehen, ist ja wirklich kein Nachteil.
Der Polit-Thrillern „Argo“ ist angenehm altmodisches Erzählkino, das auch von Clint Eastwood sein könnte, wenn er beim Drehbuch oft nicht oft so nachlässig wäre.
mit Ben Affleck, Bryan Cranston, Alan Arkin, John Goodman, Victor Garber, Tate Donovan, Clea DuVall, Scoot McNairy. Rory Cochrane, Christopher Denham, Kerry Bishé, Kyle Chandler, Chris Messina, Zeljko Ivanek
Lazarus Fell, totgeglaubter Navy Seal und Spezialist für verdeckte Operationen, ist am Ziel seiner jahrelangen Suche: vor ihm sitzt in einem Raum unterhalb der Wiener U-Bahn der Terrorist, der für den Tod seines Vaters, den hochrangigen Geheimdienst-Mitarbeiter Solomon Fell, während des Anschlags auf das World Trade Center verantwortlich ist. Bevor Lazarus Fell ihn umbringt, will er ein Geständnis von ihm. Und der Terrorist (der im Film zwar keinen Namen hat, aber verdächtig an Osama Bin Laden mit besserer Frisur erinnert) beginnt zu erzählen. Danach waren die amerikanischen Geheimdienste in den Anschlag involviert.
Lazarus fragt sich, ob er nur eine erfundene Geschichte hört oder ob der Terrorist (sehr einnehmend von Michael Desante gespielt) ihm die Wahrheit sagt.
Regisseur Paul Finelli unterlegt das Verhör und vor allem die Enthüllungen des Terroristen mit Nachrichtenbildern und Fotografien, die dem gesagten eine zusätzliche Dimension verleihen. So muss der Terrorist, wenn man die Zeichen deuten kann, keine Namen nennen, um seine bis weit in die Vergangenheit zurückreichende Verschwörungstheorie zu belegen.
Aber seine Erzählung, die später von einem Kronzeugen („Easy Rider“ Peter Fonda) um ein, zwei Drehungen ergänzt wird, läuft von der ersten Sekunde an auf die altbekannte Verschwörungstheorie hinaus, dass sowieso alles von geheimen Mächten im Hintergrund (den, wie ein Blick auf einen Dollar-Schein verrät, Illuminaten) gesteuert wird und hier wird das neunzigminütige Kammerspiel mit drei Personen schnell langweilig. Denn als der Terrorist mit seinem Geständnis beginnt, ist die Pointe unangenehm offensichtlich und Regisseur Paul Finelli bemüht sich über den gesamten Film, dies möglichst oft zu sagen.
Harodim – Nichts als die Wahrheit? (Österreich 2012)
In London verfolgt der Schriftsteller Bill Passanten. Einer von ihnen ist der Einbrecher Cobb, der ihn entdeckt und zum Komplizen macht.
Überzeugendes, für sehr wenig Geld gedrehtes Neo-Noir-Regiedebüt von Nolan, der danach „Memonto“, „Insomnia“, „Prestige“, „Inception“ und die letzten drei Batman-Filme drehte.
„In den Thriller-Elementen etwas überzogen, kündigt sich in dem Debütfilm eindrucksvoll das Talent des Regisseurs zu komplexen Verwirrspielen an.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Jeremy Theobald, Alex Haw, Lucy Russell, John Nolan
Lorna (Gina Gershon) glaubt, dass ihr Mann Dale (Val Kilmer) eine Bank ausgeraubt hat. Er beteuert zwar seine Unschuld, aber das tut der notorische Lügner sowieso immer. Mitten im Wortgefecht löst sich ein Schuss (Val Kilmers Auftritt ist nach wenigen Minuten beendet) und Lorna will zusammen mit ihrer besten Freundin Tiny (Kelli Giddish) die Leiche in der Wüste zu vergraben und mit der Beute Texas verlassen. Doch dann klopft Sheriff Cooley (Ray Liotta), der ebenfalls Dale als Bankräuber verdächtigt, an die Tür des riesigen Trailers, der in einem einsamen Tal zu einem Wohnhaus umfunktioniert wurde. Lorna kann ihn abwimmeln, aber jetzt müssen die beiden Südstaaten-Schönheiten Dales Leiche in der Wohnung zerstückeln.
Währenddessen beobachtet Cooley von einem Hügel aus Dales Haus.
„Breathless – Immer Ärger mit Dale“ ist eine Schwarze Komödie, die in der Tradition der Coen-Brüder und Quentin Tarantinos stehen will, aber „Breathless“ ist, trotz einiger gelungener Momente, einfach nicht witzig. Die Geschichte ist weniger schwarzhumorig, als geschmacklos-abgeschmackt. Die unsympathisch-dummen Charaktere sind uns herzlich egal. Dafür ist die Geschichte einfach zu unlogisch (Herrje, es hätte ein kleiner, guter schwarzhumoriger Noir werden können, aber in „Breathless“ gibt es einfach zu viele Zufälle und Twists, die sich im Nachhinein als Bullshit herausstellen.) und die Charaktere sind zu sprunghaft. Besonders die beiden Hauptdarstellerinnen Gina Gershon und Kelli Giddish nerven mit ihrem exaltiertem Gehabe. So muss Gina Gershon, die hier endlich mal wieder eine Hauptrolle hat und sich überzeugend in eine dieser aufgetakelten Südstaaten-Schönheiten verwandelte, von Szene zu Szene ihren Charakter vollkommen anders anlegen. Fast so, als habe man zwei, drei Filme von ihr zusammengeschnitten.
Kelli Giddish hinterlässt als hysterische Blondine, die dann aber doch Dale mit einem elektrischem Küchenmesser zerstückelt, keinen tieferen Eindruck.
Wayne Duvall hat einen kurzen, herrlich grotesken Auftritt, der aber auch eine „geschnittene Szene“ aus dem Debütfilm „Blood Simple“ der Coen-Brüder sein könnte.
Also: besser noch einmal „Blood Simple“ oder „Bound“ (mit Gina Gershon und Jennifer Tilly) ansehen und auf den nächsten Gina-Gershon-Film warten.
Breathless – Immer Ärger mit Dale (Breahtless, USA 2012)
Regie: Jesse Baget
Drehbuch: Jesse Baget, Stefania Moscato
mit Gina Gershon, Kelli Giddish, Wayne Duvall, Val Kilmer, Ray Liotta
–
DVD
Ascot Elite
Bild: 2.35:1/16:9
Ton: Deutsch (DTS 5.1/Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Originaltrailer, Wendecover
Warren Schmidt ist ein verwitweter Pensionär, der sich jetzt in seinem Wohnmobil, quer durch die USA, auf den Weg zu seiner Tochter und ihrer Hochzeit macht. Denn ihm gefällt ihr Künftiger nicht.
Schönes, melancholisches Roadmovie, das natürlich ein Jack-Nicholson-Starvehikel ist, der hier einen absoluten Biedermann (Angestellter einer Versicherungsgesellschaft!) spielt.
mit Jack Nicholson, Kathy Bates, Hope Davis, Dermot Mulroney
Sons of Anarchy: Sam Crow/Krematorium (USA 2008, R.: Allen Coulter, Michael Dinner [Episode 1], Charles Haid [Episode 2])
Drehbuch/Erfinder: Kurt Sutter
Es hat verdammt lange gedauert, bis die in den USA überraschend erfolgreiche TV-Serie „Sons of Anarchy“ ihren Weg ins deutsche TV gefunden hat. Dass in den vergangenen Monaten bei MyVideo eine Million User die erste Staffel ansahen und damit die Serie zu einem Hit auf der Plattform machten, half sicher auch. Denn für die deutschen Zuschauer dürfte „Sons of Anarchy“ irgendwo zwischen den „Sopranos“, „Breaking Bad“, „Justified“, „24“, „The Shield“, „Blue Bloods“ und „True Blood“ liegen: also im Bermuda-Dreieck der hochgelobten Serien, die hier nicht ihr Publikum finden. Denn während diese Serien in den USA erfolgreich und entsprechend langlebig sind, wird bei uns teilweise schon nach wenigen Folgen (zuletzt „Blue Bloods“) die Ausstrahlung eingestellt oder die Serie wandert auf einen extrem publikumsunfreundlichen Sendeplatz.
Auch „Sons of Anarchy“ könnte es, obwohl Kabel 1 jetzt die erste Staffel in Doppelfolgen ausstrahlt, so ergehen.
In den USA läuft schon die fünfte Staffel der von Kurt Sutter („The Shield“) erfundenen Serie über die Outlaw-Bikergang „Sons of Anarchy“, die die kalifornische Kleinstadt Charming beherrschen. Während Clarence ‚Clay‘ Morrow und Gemma Teller Morrow (ein wahres Muttertier) die Bikergang mit eiserner Hand steuern, fragt ihr Sohn Jackson ‚Jax‘ Teller sich, ob die „Sons of Anarchy“ noch dem Ethos des Gründers folgen.
Und wir erhalten einen ziemlich tiefen Einblick in die Welt der Outlaw Biker.
mit Charlie Hunnam (Jackson ‚Jax‘ Teller), Ron Perlman (Clarence ‚Clay‘ Morrow), Katey Sagal (Gemma Teller Morrow), Mark Boone Junior (Robert Munson), Kim Coates (Alex ‚Tig‘ Trager), Tommy Flanagan (Filip ‚Chibs‘ Telford), Maggie Siff (Tara Knowles), Theo Rossi (Juan Carlos ‚Juice‘ Ortiz), Dayton Callie (Chief Wayne Unser), Ryan Hurst (Harry ‚Opie‘ Winston), William Lucking (Piermont ‚Piney‘ Winston)
Ich würde diese Besprechung gerne mit dem Satz „’Romanzo Criminale‘ ist die beste italienische Serie seit…“ beginnen, aber die einzige italienische Serie, die mir jetzt einfällt, ist „Allein gegen die Mafia“ und meine Erinnerung daran ist sehr schwammig.
Wobei der Vergleich mit „Allein gegen die Mafia“ gar nicht so schlecht ist. Denn in „Romanzo Criminale“ geht es um die drei römischen Kleingangster Pietro, der „Libanese“ (Francesco Montanari), Freddo (Vinicio Marchioni) und Dandi (Alessandro Roja), die 1977 beschließen, zusammen zu arbeiten. Damals gab es in Rom viele kleine Gangsterbanden, die sich mit kleinen Coups über Wasser hielten. Die Mafia und andere OK-Gruppen ließen Rom links liegen.
Der Libanese, so etwas wie der Kopf der entstehenden Bande, kann die anderen Verbrecher überzeugen, bei der Entführung eines Barons zusammen zu arbeiten. Die Kooperation zwischen den auf ihrer Autonomie bedachten Bandenmitgliedern, gestaltet sich schwierig. Aber als sie das Lösegeld vor sich haben, sind sie begeistert. So viel Geld haben sie noch nie gesehen. Der Libanese schlägt ihnen vor, die Beute nicht auszugeben, sondern in künftige gemeinsame Coups zu investieren. Sie stimmen zu und in den nächsten Folgen der brutalen TV-Serie „Romanzo Criminale“ erleben wir ihren Aufstieg und auch die ersten Zerfallserscheinungen.
Kommissar Scialoja (Marco Bocci) ist ihnen dabei von Anfang an auf der Spur. Denn zufällig sah er bei einer Observation, dass die eigentlich verfeindeten Bandenführer Pietro und Freddo anscheinend gemeinsam einen Coup durchziehen. Scialoja glaubt, dass er den Beginn einer neuen Form von Gangstertum für Rom sieht. Er verfolgt sie so unerbittlich, wie es ihm innerhalb einer korrupten Polizei und eines Staates, der auch mit Verbrechern zusammen arbeitet, möglich ist. Denn seine Vorgesetzten glauben ihm zunächst nicht.
Das ist großes Kino, das das Herz des Genrejunkies erfreut und, wie schon die Hollywood-Gangsterfilme aus den dreißiger Jahren und die italienischen Polit-Thriller der siebziger Jahre basiert die Geschichte von „Romanzo Criminale“ auf Tatsachen. Im Pressetext steht dazu:
„Romanzo Criminale“ rekapituliert den Aufstieg und Fall einer römischen Verbrecherbande namens „Banda Della Magliana“. Die Gang existierte tatsächlich und war vor allem zwischen 1977 und 1983 aktiv. Sie zeichnete sich verantwortlich für zahlreiche Banküberfälle, Überfälle auf Geldtransporter, Drogen- und Waffenhandel, Glücksspiel und Prostitution, später auch Entführungen, Bombenanschläge. Operationsgebiet war zunächst Rom, dann das gesamte italienische Territorium. Aus den Anfängen einer Bande von Kleinkriminellen entwickelte sich mit der Zeit eine der einflussreichsten und gefährlichsten Gruppierungen Organisierter Kriminalität Italiens, mit Querverbindungen zur Mafia, zur Camorra, aber auch zum italienischen Geheimdienst und diversen Geheimlogen.
Den Sprung von Kleinkriminellen zu Gangstern großen Kalibers leistete die „Banda“ mit der Entführung eines Grafen Ende der 70er-Jahre – gleichzeitig auch der Beginn einer Reihe lukrativer Entführungsfälle für die Verbrecherbande. Anfang der 80er-Jahre war die „Banda“ auch in politisch motivierten, kriminellen Taten verwickelt und erhielt damit eine neue Dimension. Zu den spektakulärsten Aktionen gehörte die versuchte Erpressung der Bank des Vatikans!
Der Niedergang der „Banda Della Magliana“ wurde eingeleitet mit den ersten Geständnissen eines Bandenmitgliedes 1983. In der Folge kam es zu Rachefeldzügen innerhalb der Gang, die Mitglieder bekämpften sich gegenseitig. Der letzte Boss der Bande wurde 1992 im südamerikanischen Caracas festgenommen. Dank seiner Geständnisse konnten die „Banda Della Magliana“ schließlich endgültig bekämpft und insgesamt 55 Bandenmitglieder hinter Gitter gebracht werden.
„Romanzo Criminale“ basiert auf dem gleichnamigem Roman von Giancarlo De Cataldo, der bereits 2005 von Michele Placido („Allein gegen die Mafia“) verfilmt wurde. Drei Jahre später folgte die deutliche längere TV-Version und die erste „Romanzo Criminale“-Staffel (von zwei) zeichnet über elf Stunden ein reichhaltiges und stimmiges Bild der damaligen Zeit und der damaligen Probleme der italienischen Gesellschaft und des Staates, wie der auch in der Serie angesprochenen Entführung von Aldo Moro, und der Verflechtungen zwischen Staat, Geheimdiensten und Verbrechern, die sich fröhlich und ohne erkennbare Skrupel gegen linke Bewegungen und linke Terroristen vereinigten. So wird die Verbrecherbande vom Geheimdienst um Hilfe bei der Suche nach Aldo Moro gebeten. Für sie wird ihre Hilfe auch das Ticket zum Schutz des Staates vor polizeilichen Ermittlungen, die ihre Geschäfte stören könnten. Das ist so zynisch, wie wahr.
Auch in der Ausstattung, der Kleidung, den Frisuren, den Autos, der Bildgestaltung und den Farben werden die siebziger Jahre und der Stil der damaligen Filme heraufbeschworen. Allerdings – und das fällt immer dann auf, wenn man sich wieder einen der damaligen Filme ansieht – ist die Kameraarbeit mit dem derzeit trendigen Dokumentarfilmstil, die oft gewählten Bildausschnitte und, vor allem die Schnittfrequenz up to date.
Am Ende der ersten Staffel, die mit dem Tod von einem der Verbrecher endet, ist die Neugier auf die zweite und auch letzte Staffel von „Romanzo Criminale“ geweckt. Sie erscheint Anfang Dezember.
Romanzo Criminale (Romanzo Criminale, Italien 2008)
Regie: Stefano Sollima
Drehbuch: Daniele Cesarano, Barbara Petronio, Leonardo Vaelnti, Paolo Marchesini
LV: Giancarlo De Cataldo: Romanzo Criminale, 2002 (Romanzo Criminale)
mit Francesco Montanari, Vinicio Marchioni, Alessandro Roja, Marco Bocci, Daniela Virgilio, Andrea Sartoretti, Mauro Meconi, Riccardo De Filippis, Lorenzo Renzi
–
DVD
Edel
Bild: 19:9 (PAL)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit (USA 2003, R.: Carl Franklin)
Drehbuch: David Collard
Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.
Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.
Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.
Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Salma Latham, Dean Cain, John Billingsley
Buch zum Film: Lee Hays: Once Upon a Time in America, 1984 (Es war einmal in Amerika)
Kamera: Tonino Delli Colli
Musik: Ennio Morricone
Ein grandioses Gangsterdrama: die Geschichte von Freundschaft und Verrat – erzählt in wunderschönen Bildern und in einer komplexen Struktur, die lose auf dem autobiographischen Buch von Harry Grey basiert. Leone meinte, im Drehbuch seien nur zehn bis zwanzig Prozent des Buches geblieben.
Mit Robert de Niro, James Woods, Joe Pesci, Treat Williams, Burt Young, Elizabeth McGovern
Antiquarischer Buchtipp: Zum Filmstart erschien im Bastei-Lübbe-Verlag das Buch zum Film mit Hays’ Roman, vielen Filmbildern (SW und Farbe), einem Sergio-Leone-Porträt von Andreas Kern und einem Text von Leone über den Film. So machen „Bücher zum Film“ Spaß.
Hostage – Entführt (USA 2005, R.: Florent Emilio Siri)
Drehbuch: Doug Richardson
LV: Robert Crais: Hostage, 2001 (Hostage – Entführt)
LAPD-Verhandlungsexperte Jeff Talley schiebt in einer Kleinstadt eine ruhige Kugel. Da nehmen drei Jugendliche einen Mafia-Buchhalter und dessen Kinder als Geisel. Talley muss, nachdem die Mafia seine Frau und Tochter entführt, wieder verhandeln.
Okayer Geiselnahmethriller mit einem irgendwo zwischen Italo-Western und Horrorfilm oszillierendem Look und einigen hübschen Twists, wie der doppelten Geiselnahme und den sich verändernden Loyalitäten. Allerdings ist das Buch gerade bei dem Mafia-Plot glaubwürdiger. Und wer wissen will, wie die Polizei verhandelt, sollte auch zu dem Buch greifen.
Der Film ist nur die bleihaltige Action-Variante davon.
Mit Bruce Willis, Kevin Pollak, Jimmy Bennett, Michelle Horn, Ben Foster, Jonathan Tucker, Marshall Allman, Serena Scott Thomas, Rumer Willis (Tochter von Bruce Willis), Kim Coates, Robert Knepper
Drehbuch „Hostage“ von Robert Crais (29. März 2002, early draft – Crais schrieb nach seinem Roman ein Drehbuch, das später von anderen Autoren umgearbeitet wurde.)
LV: Peter Robinson: Aftermath, 2001 (Wenn die Dunkelheit fällt)
East Yorkshire: Bei einem Routineeinsatz stirbt ein Polizist, ein Mann wird ins Koma geprügelt und seine schwerverletzte Frau landet im Krankenhaus. Im Keller des Einfamilienhauses entdecken die Polizisten vier Mädchenleichen – und DCI Alan Banks will von dem im Koma liegendem Mann (einem Lehrer) erfahren, wo ein fünftes verschwundenes Mädchen und wer sein Helfer ist.
In „Aftermath“ (so der Originaltitel) hat der von Peter Robinson erfundene DCI Banks seinen ersten Filmauftritt. Inzwischen ist „DCI Banks“ (so der Serientitel) in England in Serie gegangen. Ob diese Folgen, die alle auf Romanen von Peter Robinson basieren, auch bei gezeigt werden, ist noch unklar.
Der erste Fall, der bei uns unter dem dümmlichen Titel „Banks – Der Solist“ läuft, ist ein spannend-düsterer Polizeithriller, der Genrejunkies gefallen wird: komplexe Charaktere, gute Wendungen und ein zwiespältiges Ende. Die Lösung ist allerdings ziemlich vorhersehbar und im zweiten Teil wird es, wegen der vielen Plotlinien, etwas hektisch. „DCI Banks: Aftermath“ hat nicht die Qualität von „Luther“ (die sich von Folge zu Folge steigerte) oder „Sherlock“ (von der ersten Sekunde an grandios), aber besser als unsere handelsüblichen „Tatorte“ ist „DCI Banks“ allemal.
mit Stephen Tompkinson, Andrea Lowe, Charlotte Riley, Sian Breckin, Monica Dolan, Lorraine Bourroughs, Colin Tierney
Als Teil des heutigen 3 Sat-Thementages „Undercover“ (gezeigt werden in einem bunten Mix aus Dokumentationen und Spielfilmen unter anderem „Spion zwischen zwei Fronten“, „Der gefährlichste Mann der Welt“ und „Gladio – Geheimarmee in Europa“)
3 Sat, 20.15
Topas (GB 1969, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Samuel Taylor
LV: Leon Uris: Topaz, 1967 (Topas)
Kalter Krieg, Kuba, Castro, CIA, KGB und die Frage: Wer ist der Verräter?
Schwacher Agententhriller von Hitchcock.
Mit Frederick Stafford, Karin Dor, Michel Piccoli, Philippe Noiret
„Skyfall“, der neue James-Bond-Film mit Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät, ist nach dem Desaster „Ein Quantum Trost“ (A Quantum Solace) nicht nur eine Rückkehr zur alten Stärke, sondern „Skyfall“ ist auch der beste Craig-Bond und er steht definitiv im oberen Drittel der James-Bond-Filme.
Allerdings ist er mit 143 Minuten etwas zu lang geraten. Neben „Casino Royale“ (144 Minuten) und „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (On her Majesty’s Secret Service, 142 Minuten) gehört er zu den längsten Bond-Filmen.
Und, was für Bond-Fans schlimmer ist: es gibt letztendlich keine Bondine. Es gibt zwar zwei junge, gutaussehende Frauen, aber deren Rollen sind arg kurz geraten und zur Handlung tragen sie auch wenig bei; – wobei Eve (Naomi Harris), eine MI6-Kollegin von James Bond, ihren großen Auftritt am Filmanfang hat, wenn sie Bond erschießt. Es war zwar ein bedauerlicher Fehler, aber M (Judi Dench) muss in London betrübt den Nachruf auf ihren besten Agenten schreiben und um ihren Job als Geheimdienstchefin kämpfen.
Denn in Istanbul sollten Bond und Eve verhindern, dass eine Datei mit den Namen aller Undercover-Agenten, die in Terrororganisationen sind, in die falschen Hände fällt. Sie versagen – und wir können einen grandiosen zwölfminütigen Actionauftakt, der mit dem Tod von James Bond endet, erleben.
Danach wird es ruhiger, bis Terroristen die Computer von MI6 infiltrieren und in Ms Büro eine Bombe zünden.
Als Bond davon hört, meldet er sich zurück zum Dienst und er hat auch gleich eine heiße Spur zu einem der Killer, der ihn in Istanbul mit einer speziellen Munition angeschossen hat. Der eiskalter Killer hat in Shanghai einen neuen Auftrag – und mehr soll hier von der Handlung nicht verraten werden.
Jedenfalls gibt es wieder prächtige Schauplätze, auch wenn sich nicht alle als Urlaubsort eignen, angenehm altmodisch gefilmte Action und mit Javier Bardem einen herrlich exaltierten Bösewicht, der wirklich ‚larger than life‘ ist und als ehemaliger MI6-Agent eine persönliche Rechnung mit M begleichen will. Es gibt einige Diskussionen über das Wesen und die Zukunft der Geheimdienste und eine bislang ungeahnte psychologische, fast schon psychopathologische Grundierung der Geschichte. Denn vor allem James Bond nennt seine Vorgesetzte fast immer „Ma’am“ und es hört sich, in der Originalversion, durchaus gewollt, wie „Mutter“ an. Regisseur Sam Mendes („American Beauty“, „Road to Perdition“) ist der richtige Mann, um dem Charakter James Bond eine bislang nicht vermisste Tiefe zu verleihen und trotzdem der Action genug Raum zu geben.
Es gibt einen Schlusskampf im malerischen Schottland, der wirklich so auch schon zu Sean Connerys Zeiten hätte stattfinden können und ein Filmende, das ein Ende der psychologischen Phase andeutet. Denn bei aller Liebe zu psychologischen Vertiefungen ist der Film-James-Bond doch immer ein jetsettender Playboy, der das Leben genießt und der während seiner Arbeit eine eskapistische Spur der Verwüstung hinterlässt. Vor allem, wenn in den letzten Filmminuten die riesige Zentrale des größenwahnsinnigen Bösewichts zerstört wird.
Der nächste James-Bond-Film könnte wirklich wieder ein altmodischer Kampf gegen einen Superschurken sein. Mir würde das jedenfalls gefallen.
Skyfall (Skyfall, GB/USA 2012)
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan
LV: Charakter von Ian Fleming
mit Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénce Marlohe, Ben Whishaw, Albert Finney,Rory Kinnear, Ola Rapace
Drehbuch: Lenny Ripps (nach einer Idee von Tim Burton)
Der Junge Victor Frankenstein (der Name verpflichtet!) will seinen toten Hund Sparky wieder ins Leben zurückholen.
Es dauert zwar noch einige Tage, bis Tim Burtons grandioser Spielfilm „Frankenweenie“ am 24. Januar 2013 in unseren Kinos anläuft, aber bis dahin können wir den Original-“Frankenweenie“, einen halbstündigen Kurzfilm, den er vor seinen Spielfilmen inszenierte, ansehen.
„Frankenweenie“ ist eine Liebeserklärung an die klassischen SW-Horrorfilme.
Ende Dezember/Anfang Januar zeigt Arte noch einige weitere Filme von Tim Burton.
mit Shelly Duvall, Daniel Stern, Barret Oliver, Joseph Maher, Paul Bartel