Das Netz der 1000 Augen (Le Secret, F/I 1974, R.: Robert Enrico)
Drehbuch: Robert Enrico, Pascal Jardin (Dialoge)
LV: Francis Ryck: Le Compagnon indésirable, 1973 (Flieh nicht mit Fremden)
Musik: Ennio Morricone (Wer sonst?)
David flüchtet aus einer Irrenanstalt und findet Unterschlupf bei einem Schriftsteller-Ehepaar. Er sagt ihnen, dass er, weil er etwas Wichtiges weiß, verfolgt und aus dem Weg geschafft werden soll. Das Ehepaar beschließt, ihm zu helfen. Aber wird David wirklich verfolgt?
Extrem selten gezeigter französischer Paranoia-Thriller, der extrem spannend unterhält.
„Obwohl es bis auf die Szenen am Anfang und am Ende des Films keinerlei Gewalt, Verfolgungsjagden oder sonstige der üblicherweise spannungssteigernden Elemente zu sehen gibt, versteht es Enrico geschickt, eine konstante Atmosphäre der Bedrohung zu schaffen.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)
Von Francis Ryck wurden in den Siebzigern und Achtzigern etliche Krimis erfolgreich verfilmt.
Im Anschluss läuft, um 21.55 Uhr, eine spielfilmlange Doku über den Hauptdarsteller „Jean-Louis Trintignant“ (Frankreich 2012, R.: Serge Korber).
mit Jean-Louis Trintignant, Marlène Jobert, Philippe Noiret
LV: Joseph D. Pistone, Richard Woodley: Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia, 1990
FBI-Agent Joe Pistone arbeitete von 1975 bis 1981 als Undercover-Agent in New York gegen den Bonanno Clan. Dabei befreundete er sich mit dem Kleingangster Lefty Ruggiero.
Intensives Porträt über Mafiosi am unteren Ende der Futterleiter, den persönlichen Folgen gefährlicher Einsätze, über Beziehungen, Freundschaft und Verrat.
Mit Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, James Russo, Anne Heche
„Liebe oder Freundschaft? Oder beides“ steht auf dem Plakat und wenn ein französischer Film versucht, diese Frage zu beantworten, dann erwartet man doch einige überraschende Einsichten in einem kurzweiligen, vielleicht sogar frivolen Werk. Gut, das sind jetzt Klischees und Vorurteile über die französische Lebensart, die dennoch in Filmen ziemlich oft und gern zelebriert werden.
Emmanuel Mouret („Tapetenwechsel“, „Küss mich bitte!“) hat sich in seinem neuesten Film „Die Kunst zu lieben“ dafür entschieden, zunächst vollkommen unverbunden und mit verschiedenen Charakteren einen Kurzfilm an den nächsten zu reihen. In jedem Film geht es im heutigen Paris des Bildungsbürgertums um Fragen von Liebe und Freundschaft, von Begehren und amourösen Abenteuern. Mal mehr, mal weniger in der Fantasie der Charaktere und der Zuschauer. Aber vor allem wird viel geredet. Fast wie in einem Film von Eric Rohmer.
Weil es Kurzfilme sind, sind die Einsichten dann auch eher banal und plakativ. Erst mit der Zeit tauchen einige Charaktere, die immer theaterhaft-künstlich in ebenso künstlichen Räumen spielen, öfters auf und diese Kurzfilme hängen dann auch etwas mehr miteinander zusammen. Trotzdem überwiegt immer das episodenhafte und man wird nie das Gefühl los, dass die Reihenfolge der einzelnen Geschichten weitgehend austauschbar ist.
„Die Kunst zu lieben“ ist eine Sammlung von Notizen und Gedanken zu Liebe und Freundschaft, die nur eine zunehmend enttäuschende Kurzfilmrolle ist.
Die Kunst zu lieben (L’art d’aimer, Frankreich 2011)
Regie: Emmanuel Mouret
Drehbuch: Emmanuel Mouret
mit François Cluzet, Frédérique Bel, Julie Depardieu, Emmanuel Mouret, Laurent Stocker, Gaspard Ulliel, Pascale Arbillot, Ariane Ascaride, Judith Godrèche, Louis-Do de Lencquesaing, Philippe Magnan, Stanislas Merhar, Élodie Navarre
LV: Robert Ludlum: The Bourne Identity, 1980 (Der Borowski-Betrug, Die Bourne-Identität)
CIA-Agent und Killer Jason Bourne hat sein Gedächtnis verloren. Schlimme Sache. Aber schlimmer ist, dass seine ehemaligen Arbeitgeber ihn umbringen wollen.
Die eher werkferne, kommerziell erfolgreiche Verfilmung des ersten Borowski-Buches. Für die Verfilmung des damals über zwanzig Jahre alten Buches wurde nur das Skelett der Handlung übernommen, der Rest aktualisiert und ein unterhaltsamer Action-Thriller gedreht, der sogar angenehm altmodisch ist. Nur Matt Damon wirkt einfach fünf Jahre zu jung für den eiskalten Profikiller. Aber das Problem hatte er in den spannenden Fortsetzungen nicht mehr.
Mit Matt Damon, Franka Potente, Chris Cooper, Clive Owen, Brian Cox, Walton Goggins
Wiederholung: Samstag, 19. Mai, 00.50 Uhr (Taggenau!)
Es gibt einen terroristischen Anschlag und einige Tote, aber „Lachsfischen im Jemen“ ist kein Krimi und auch kein Thriller, sondern eine Romantic Comedy mit einem ordentlich Schuss politischer Satire. Vor allem Kristin Scott Thomas darf hier als absolut ich- und problemzentrierte Pressesprecherin des englischen Premierministers brillieren („Sie ist verbal aggressiv und im Grunde einfach unangenehm. Sie besitzt keinerlei ausgleichende, versöhnliche Qualitäten“, sagt Kristin Scott Thomas, der die Rolle sichtbar gefiel.) und sie würde, wenn sie öfters im Bild wäre, Ewan McGregor locker den Film stehlen. Denn Ewan McGregor spielt den im Fischereiministerium angestellten Wissenschaftler und internationalen Lachsexperten Dr. Alfred Jones, dessen höchstes Glück im Angeln besteht. Nicht das gefährliche Hochseeangeln, sondern das Angeln in ruhig vor sich hin plätschernden englischen Bächen und, seltener, Flüssen.
Als Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt) ihm vorschlägt, dass er auf Wunsch von Scheich Muhammed ibn Zaidi bani Tihama (Amr Waked) im Jemen das Fischen von Lachs ermöglichen soll, hält er es, aus streng wissenschaftlicher Sicht, für eine vollkommen hirnverbrannte Idee und erklärt Mrs. Chetwode-Talbot mit einer schnell hingekritzelten Skizze, dass der an kalte Gewässer gewöhnte nordeuropäische Lachs niemals im heißen Jemen überleben kann. Für sie ist die Skizze allerdings eine Machbarkeitsstudie. Denn der Scheich hat genug Geld, um es in dieses Projekt zu stecken.
Mit sanfter Gewalt, wozu der nimmermüde Optimismus von Miss Chetwode-Talbot, das gewinnende Charisma des Scheichs und, vor allem, die Pressesprecherin Patricia Maxwell, die das Projekt fördert, weil sie eine positiven Schlagzeile aus dem arabischen Raum will und dies in der Verwaltung mit dem nötigen Druck rücksichtslos durchsetzt, wird Dr. Alfred Jones zuerst in das Projekt gedrängt und dann, als er es schließlich durchführen will, wegen der geänderten politischen Großwetterlage, aus seinem Job gedrängt. Aber das geschieht erst viel später.
Lasse Hallström („Gilbert Grape“, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, „Chocolat“) erzählt diese Geschichte nach einem Drehbuch von Simon Beaufoy („Ganz oder gar nicht“, „Slumdog Millionär“, „127 Hours“) als herzige RomCom, die nie überbordend schmalzig wird, einige herrliche politische Spitzen hat und gut unterhält.
Das „Lachsfischen im Jemen“ wird die Welt nicht verändern, aber es ist ein schönes, kurzweiliges Feelgood-Movie, das, gut besetzt, bestes englisches Unterhaltungskino der gehobenen Klasse ist.
Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Simon Beaufoy
LV: Paul Torday: Salmon Fishing in the Yemen, 2006 (Lachsfischen im Jemen)
mit Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, Amr Waked, Catherine Steadman, Tom Mison, Rachael Stirling, Tom Beard
Sherlock: Ein Skandal in Belgravia (GB 2011, R.: Paul McGuigan)
Drehbuch: Steven Moffat
Erfinder: Mark Gattiss, Steven Moffat
LV: Charakter und die Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle
Sherlock Holmes soll wichtige Informationen von Irene Adlers (die einzige Frau, die Holmes jemals liebte) Smartphone sicher stellen.
Furioser Auftakt der zweiten, wieder aus drei spielfilmlangen Episoden bestehenden Staffel von „Sherlock“, in der Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch, Grandios!) und Dr. John Watson (Martin Freeman, Grandios!) in der Gegenwart ermitteln. Dieses Mal haben die beiden Serienerfinder Mark Gattiss und Moffat für ihre Geschichten sogar originale Holmes-Geschichten als Vorlage genommen. Jedenfalls teilweise.
Am Pfingstsonntag, den 27. Mai, läuft um 21.45 Uhr „Die Hunde von Baskerville“ und am Pfingstmontag, den 28. Mai, läuft ebenfalls um 21.45 Uhr „Der Reichenbachfall“. Damit wäre dann die grandiose zweite Staffel von „Sherlock“ gezeigt und das warten auf die nächsten Fälle von Sherlock Holmes und Dr. Watson beginnt.
mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Rupert Graves, Mark Gattiss, Lara Pulver
Wiederholung: Samstag, 19. Mai, 01.20 Uhr (Taggenau!)
FBI-Agentin Audrey Parker wird von ihrem Chef in die idyllische, am Meer gelegene Maine-Kleinstadt Haven geschickt. Dort entdeckt sie ein Bild von einem fast dreißig Jahre zurückliegendem Vorfall mit dem „Colorado Kid“. Auf dem Bild ist eine Frau zu sehen, die ihr wie eine Zwillingsschwester gleicht. Die Waise Audrey will herausfinden, wer diese Frau ist. Außerdem glaubt sie, dass sie aus einem bestimmten Grund nach Haven geschickt wurde.
Am Ende der ersten Staffel steht sie einer Frau gegenüber, die behauptet, die echte FBI-Agentin Audrey Parker zu sein und unsere etwa dreißigjährige Heldin erfährt, dass sie Lucy Ripley, die Frau auf dem „Colorado Kid“-Zeitungsfoto ist und die letzten Jahre verschwunden war. Aber anscheinend kann sich niemand, der damals bei dem Ereignis dabei war, daran erinnern. Die beiden „Haven“-Journalisten, die anscheinend jedes Dorfgeheimnis kennen, schweigen eisern. Und das ist nicht das einzige Geheimnis, das Haven vor Fremden verbirgt.
Denn Haven ist keine normale Kleinstadt. In ihr haben viele Leute Probleme, die sich bei ihnen in übernatürlichen Fähigkeiten manifestieren.
Zusammen mit dem Kleinstadtpolizisten Nathan Wournos, der keine Schmerzen empfindet, und Duke Crocker, einem Schmuggler und Restaurantbesitzer mit einer Easy-Going-Lebenseinstellung, bis er erfährt, dass er von einer Person mit einer Tätowierung ermordet wird, versucht Audrey das Geheimnis ihre Vergangenheit zu ergründen und den Menschen in „Haven“ zu helfen.
Denn „die Probleme“ sind wieder zurück in Haven.
„Haven“ ist eine Syfy-Serie, die sehr lose auf dem Kurzroman „The Colorado Kid“ von Stephen King basiert. Eigentlich haben die Macher von Kings Buch nur die beiden hinterfotzigen Kleinstadtjournalisten und die Stimmung des Ortes übernommen. Die von King erzählte Geschichte des Colorado Kids, einer Leiche, die in den frühen achtziger Jahren aus immer noch ungeklärten Gründen und physikalisch nicht nachvollziehbaren Wegen nach Moose-Lookit Island, Maine, kam, diente den Serienerfindern Sam Ernst und Jim Dunn nur als Startpunkt für ihre grandiose Serie. Denn in den ersten beiden „Haven“-Staffeln verraten sie, außer einigen sehr kryptischen Andeutungen, nichts über das „Colorado Kid“ und die damaligen Ereignisse. Das ist Insider-Wissen für die Leser des Romans; – falls Sam Ernst und Jim Dunn sich am Ende überhaupt auf diese Geschichte beziehen. Stattdessen haben sie in den bisherigen „Haven“-Folgen ihre eigene Mythologie von Haven und den Problemen entworfen. Eine Mythologie, die tief im Werk von Stephen King verwurzelt ist.
So wird „Haven“ schnell zu der archetypischen Stephen-King-Stadt, voller Stephen-King-Charaktere und Anspielungen und Querverweise auf sein Werk. Und, wie bei einem Stephen-King-Roman, ist man schnell von der liebevoll-heimelig-vertrauten Stimmung der Stadt und ihren Bewohnern, mit denen man gerne einige Stunden verbring, gefangen.
Vor allem weil man die Stadt und ihre Bewohner immer besser kennen lernt und schnell von ihren seltsamen, aber sympathischen Bewohnern verführt wird. Auch wenn sie, in der letzten Folge der zweiten Staffel, Weihnachten im Sommer feiern, nur Audrey auf ein traditionelles Weihnachtsfest besteht und immer mehr Bewohner spurlos aus Haven verschwinden.
Die DVDs platzen vor Bonusmaterial. Für beide Staffeln wurden mehrere hochinteressante Featurettes und Making-ofs produziert, die vor allem einen Blick hinter die Kulissen werfen. Auf der DVD-Box mit der zweiten Staffel gibt es auch das nicht so informative „Haven“-Panel von der New York Comic Con 2011. Und dann gibt es noch, verteilt auf beide Staffeln, 22 Audiokommentare; also, statistisch gesehen, zu fast jeder Folge ein Audiokommentar.
Haven (Haven, USA 2010 [Staffel 1]/2011 [Staffel 2])
mit Emily Rose (Audrey Parker), Lucas Bryant (Nathan Wuornos), Eric Balfour (Duke Crocker), Richard Donat (Vince Teagues), John Dunsworth (Dave Teagues), Nicholas Campbell (Chief of Police Wuornos), Stephen McHattie (Reverend Ed Driscoll), Vinessa Antoine (Evidence ‚Evi‘ Ryan), Mary-Colin Chisholm (Eleanor Carr), Glen Lefchak (Stan the Cop), Michelle Monteith (Julia Carr)
Haven – Staffel 1
DVD
Entertainment One
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Englisch, Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch
Bonusmaterial: Making-of Featurettes (Welcome to Haven, VFX of Heaven, Mythology of Haven), Behind-the-Scenes Video Blogs (What is Haven to You?, Let the Good Times Roll…, Locaction, Location, Location, Emily Rose Q & A, Stephen King References in Spira, SCI FI Wire Interview with Emily Rose), Cast Interviews (Emily Rose, Lucas Bryant, Eric Balfour), Season Two Sneak Peek: Inside the Writers‘ Room, Audiokommentare von Schauspielern und Produzenten (so das halbe Team) (Willkommen in Haven), Adam Kane (Willkommen in Haven), Sam Ernst (Executive Producer) und Jim Dunn (Executive Producer) (Schmetterlinge), Sam Ernst (Executive Producer), Jim Dunn (Executive Producer) und Jose Molina (Co-Executive Producer) (Einklang), Sam Ernst (Executive Producer/Writer) und Jose Molina (Co-Executive Producer (Verdorben), Schauspielern und Produzenten (Eine Frage des Alters), Sam Ernst (Executive Producer) und Jim Dunn (Executive Producer) (Eine Frage des Alters), Jim Dunn (Executive Producer/Writer) (Jäger und Gejagte), Sam Ernst (Executive Producer/Writer) und Jim Dunn (Executive Producer) (Tödlicher Schatten), Schauspielern und Produzenten (SOS), Charles Ardai (Consulting Producer/Writer) (So nah und doch so fern), Schauspielern und Produzenten (Zerrissen)
FSK: ab 16 Jahre
Länge: 535 Minuten (4 DVDs)
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Die Probleme sind zurück in „Haven“
Willkommen in Haven (Welcome to Haven)
Regie: Adam Kane
Drehbuch: Sam Ernst, Jim Dunn
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Schmetterlinge (Butterfly)
Regie: Tim Southam
Drehbuch: Ann Hamilton
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Einklang (Harmony)
Regie: Rachel Talalay
Drehbuch: Matt McGuiness
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Verdorben (Consumed)
Regie: Rachel Talalay
Drehbuch: Ann Hamilton
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Eine Frage des Alters (Ball and Chain)
Regie: Tim Southam
Drehbuch: Nikki Toscano
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Jäger und Gejagte (Fur)
Regie: Keith Samples
Drehbuch: Jim Dunn
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Die Zeichnung (Sketchy)
Regie: T. W. Peacocke
Drehbuch: Matt McGuiness
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Tödlicher Schatten (Ain’t no Sunshine)
Regie: Ken Girotti
Drehbuch: Sam Ernst
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Das Chamäleon (As you were)
Regie: Rob Lieberman
Drehbuch: Jose Molina
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Der Feuerteufel (The hand you dealt)
Regie: Rick Rosenthal
Drehbuch: Jim Dunn
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SOS (The Trial of Audrey Parker)
Regie: Lee Rose
Drehbuch: Sam Ernst, Jose Molina (nach einer Geschichte von Charles Ardai)
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So nah und doch so fern (Resurfacing)
Regie: Mike Rohl
Drehbuch: Charles Ardai
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Zerrissen (Spiral)
Regie: Fred Gerber
Drehbuch: Sam Ernst, Jim Dunn
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Haven – Staffel 2
DVD
Entertainment One
Bild: 16:9
Ton: Deutsch (DD 2.0), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Französisch
Bonusmaterial: Hinter den Kulissen: Drehbuch; Produktions-Design; Kostüme; Locations; Produktions-Meeting; Regie, Kamera & Schauspieler, Interview mit Gast-Star Adam Copeland (WWE-Superstar „Edge“), Frage und Antwort: das Haven-Team auf der New York Comic Con 2011, Audiokommentare von Sam Ernst und Jim Dunn (Die doppelte Audrey), Emily Rose und Lloyd Segan (Déjà-vu), Lilla und Nora Zuckerman (Déjà-vu), Lilla und Nora Zuckerman (Abgeriegelt), Jonathan Abrahams und Brian Millikin (Die Wendigo-Schwestern), Shawn Piller und Brian Millikin (Enthüllungen), Lloyd Segan und Adam Copeland (Enthüllungen), Sam Ernst und Jim Dunn (Offene Rechnungen), Emily Rose, Lucas Bryant und Eric Balfour (Offene Rechnungen)
Länge: 526 Minuten & 94 Minuten Bonus (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Die Probleme bleiben in „Haven“
Die doppelte Audrey (A Tale of two Audreys)
Regie: T. W. Peacocke
Drehbuch: Sam Ernst, Jim Dunn
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Das Puzzle (Fear & Loathing)
Regie: Rob Lieberman
Drehbuch: Gabrielle Stanton
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Mensch gegen Maschine (Love Machine)
Regie: T. W. Peacocke
Drehbuch: Matt McGuiness, Nora Zuckerman, Lilla Zuckerman (nach einer Geschichte von Matt McGuiness)
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Unter Strom (Sparks and Recreation)
Regie: Lynne Stopkewich
Drehbuch: Jonathan Abrahams (Nora Zuckerman, Annmarie Morais, Story Editor)
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Zurück zu den Wurzeln (Roots)
Regie: Tim Southam
Drehbuch: Jim Dunn
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Déjà-vu (Audrey Parker’s Day Off)
Regie: Fred Gerber
Drehbuch: Nora Zuckerman, Lilla Zuckerman
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Blut und Wasser (The Tides that bind)
Regie: Paolo Barzman
Drehbuch: Gabrille Stanton
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Die Kopie (Friend or Faux)
Regie: Stephen Reynolds
Drehbuch: Sam Ernst
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Abgeriegelt (Lockdown)
Regie: Jason Priestley
Drehbuch: Nora Zuckerman, Lilla Zuckerman
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Die Wendigo-Schwestern (Who, What, Where, Wendigo?)
Den Film würde ich gerne im Kino sehen. Nicht weil „Special Forces“ so gut ist. Der französische Thriller erzählt, wie eine französische Eliteeinheit eine Journalistin aus den Händen eines Taliban-Führers befreit und mit ihr aus Pakistan, wo sie versteckt wurde, über den verschneiten Khaiberpass zur sicheren Militärbasis flüchtet. Das ist eine klassische Geschichte, die von den Machern straff und mit der richtigen Mischung aus Action und Drama erzählt wird. Denn selbstverständlich sind die Special Forces tapfere Männer, die sich auch die Zeit nehmen, einige Einheimische vor ihren mordgierigen Verfolgern zu schützen. Erstaunlich ist in diesen Momenten, wie freiwillig sie sich der Gefahr stellen und, ohne zu zögern und Wehklagen, in den teilweise sicheren Tod gehen.
In diesen Momenten wird „Special Forces“ zu einem Hohelied auf diese staatlichen, im geheimen arbeitenden Mörder. Dass sich der Film nicht groß um kritische Distanz bemüht, ist, wenn von einer Rettungsmission erzählt wird und der Film keine Satire ist, ein integraler Teil der Geschichte. Auch die Journalistin, die vor ihrer Entführung kritische Artikel über die Spezialeinheiten schrieb, ändert während des langen Marsches ihre Einstellung.
Auf dieser Ebene ist „Special Forces“ einfach gutes, verdammt unterhaltsames Handwerk, das kurzweilig eine Geschichte über Tapferkeit und den Überlebenswillen von mehreren Menschen in einer extremen Situation erzählt. Dabei ist für sie letztendlich die Natur ein viel schlimmerer Gegner als ihre Verfolger.
So weit, so konventionell und auch befriedigend für die Freunde eines guten Abenteuerfilms.
Aber die grandiosen Landschaftsaufnahmen schreien förmlich nach einer großen Leinwand. Der Film wurde in Frankreich, Dschibuti und Tadschikistan gedreht und Kameramann David Jankowski fing die verschneiten Berge und die trockenen Wüsten und Gebirgslandschaften bildschirmfüllend ein.
Im Gegensatz zu „Act of Valor“ (Kinostart: 24. Mai 2012), bei dem echte Special-Forces-Soldaten die Hauptrollen in einer ähnlichen Geschichte übernahmen und kläglich scheiterten (das Drehbuch ist nicht ganz unschuldig), ist „Special Forces“ der deutlich bessere Film. Er regt auch zum Nachdenken darüber an, was für Männer das sind. Denn sie sterben während dieser Mission wie die Fliegen – und empfinden das als Teil ihres Jobs.
Das Bonusmaterial ist mit einem neunzigminütigen „Making of“ auf den ersten Blick sehr üppig geraten. Auf den zweiten Blick ist es, wenn man (wie ich) Französisch nicht sehr gut versteht, ausgesprochen dünn geraten. Denn es wurde auf eine deutsche Tonspur und sogar auf Untertitel verzichtet. Dafür gibt es ein dickes „Pfui!“.
Special Forces (Forces spéciales, Frankreich 2011)
Regie: Stéphane Rybojad
Drehbuch: Michael Cooper, Stéphane Rybojad
mit Diane Kruger, Djimon Hounsou, Benoît Magimel, Denis Menochet, Raphaël Personnaz, Alain Figlarz, Alain Alivon, Mehdi Nebbou, Raz Degan, Tchéky Karyo
The Limits of Control – Der geheimnisvolle Killer (USA/Spanien 2009, R.: Jim Jarmusch)
Drehbuch: Jim Jarmusch
In Spanien soll ein schweigsamer Mann einen Auftrag ausführen. Auf seiner Reise trifft er mehrere Personen, die ihm weitere Hinweise über seinen Auftrag verraten.
„The Limits of Control“ ist sicher nicht der beste Film von Jim Jarmusch und definitiv ist er keine Wiederholung von seinem vorherigen Film „Broken Flowers“, aber nachdem die TV-Premiere zu einer unmöglichen Zeit war (dafür von mir mit einem ausführlichen Gespräch verschönert), läuft der “Actionfilm ohne Action” (Jarmusch) jetzt zu einer besseren Zeit.
mit Isaach De Bankolé, Alex Descas, Jean-François Stévenin, Paz de la Huerta, Tilda Swinton, John Hurt, Gael García Bernal, Bill Murray
Volver – Zurückkehren (Spanien 2006, R.: Pedro Almodovar)
Drehbuch: Pedro Almodovar
Eigentlich kann man einen Almodovar-Film nicht in wenigen Worten nacherzählen – und das ist gut so. Jedenfalls geht es hier um Frauen aus drei Generationen einer Familie, es gibt einen ermordeten Stiefvater (er hatte es verdient) und eine tote Mutter, deren Geist zurückkehrt.
„Die Hommage an die pragmatische Lebensweisheit der Frauen überzeugt durch die souveräne Kombination widersprüchlicher Elemente, wobei vor allem der gelassene Umgang mit dem Tod angenehm überrascht.“ (Lexikon des internationalen Films)
Und danach gibt es „Das Gesetz der Begierde“, mit Antonio Banderas.
mit Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Duenas, Blanca Portillo, Chus Lampreave
Wiederholung: Donnerstag, 17. Mai, 00.45 Uhr (Taggenau!)
Der Schatz der Sierra Madre (USA 1948, R.: John Huston)
Drehbuch: John Huston
LV: B. Traven: Der Schatz der Sierra Madre, 1927
Drei Männer suchen in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Mexiko Gold. Aber das Gold bringt ihnen kein Glück.
„Der Malteser-Falke“ war die erste Zusammenarbeit von John Huston und Humphrey Bogart. Es entstand ein Klassiker. Auch ihre nächste Zusammenarbeit, „Der Schatz der Sierra Madre“, ist ein Klassiker. Auch wenn er „wahrscheinlich der am meisten überschätzte Film Bogarts“ (Hans C. Blumenberg) ist und „So beliebt dieser Film auch heute ist, so sicher er Bestandteil des Bogart-Kults ist, so wenig lassen sich seine Mängel übersehen.“ (Clifford McCarty: Humphrey Bogart und seine Filme). Denn die Botschaft des Films wird schon am Anfang des Films von Walter Huston verkündet und in den folgenden beiden Stunden bestätigt.
Danach drehten Humphrey Bogart und John Huston die Klassiker „Hafen der Laster“/“Key Largo“ und „The African Queen“.
mit Humphrey Bogart, Walter Huston, Tim Holt, Bruce Bennett, Barton MacLane
Wiederholung: Montag, 14. Mai, 14.10 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „Der Schatz der Sierra Madre“ (deutsch, englisch)
Carmen und Wayne Colson beobachten den indianischstämmigen Auftragskiller Armand bei einem Verbrechen. Sie werden in des Zeugenschutzprogramm des FBI gesteckt. Aber Armand sucht sie weiter.
Ein interessanter Torso, der den Ton von Elmore Leonard ziemlich gut trifft und der nach dem Dreh so heftig umgeschnitten wurde, dass unklar ist, ob die Fehler des Films schon in der ersten Fassung vorhanden waren oder erst später hinzu kamen. Jedenfalls würde ich von diesem Film gerne einen Director’s Cut sehen.
mit Mickey Rourke, Diane Lane, Thomas Jane, Joseph Gordon-Levitt, Hal Holbrook, Rosario Dawson
Durch den Kurzfilm „Prey Alone“ wurde Luc Besson auf das Team Saint & Mather (aka Stephen St. Leger und James Mather) aufmerksam und er vertraute ihnen dann auch den gestern in den Kinos gestarteten Science-Fiction-Thriller „Lockout“ (eine ziemlich schamlose „Die Klapperschlange“-Kopie) an.
Nun, wer sich „Prey Alone“ ansieht, versteht sofort, warum Luc Besson sich mit Saint & Mather treffen wollte. Mit wenig Geld schufen sie einen optisch ziemlich beeindruckenden Film. Die Story ist spannend und die Pointe ist auch gelungen.
The Walking Dead: Gute alte Zeit/Gefangene der Toten (USA 2010, R.: Frank Darabont, Michelle MacLaren)
Drehbuch/Erfinder: Frank Darabont
LV: Comicserie von Robert Kirkman
Endlich läuft die grandiose Zombie-TV-Serie über eine Gruppe Überlebender in einer von Zombies beherrschten Welt auch im Free-TV. Und, weil RTL II die aus sechs Folgen bestehende erste Staffel von „The Walking Dead“ an drei aufeinanderfolgenden Abenden in Doppelfolgen ausstrahlt, wird sie auch definitiv nicht wegen schlechter Quoten abgesetzt werden.
mit Andrew Lincoln (Rick Grimes), Jon Bernthal (Shane Walsh), Sarah Wayne Callies (Lori Grimes), Laurie Holden (Andrea), Jeffrey DeMunn (Dale Horvath), Steven Yeun (Glenn), Chandler Riggs (Carl Grimes), IronE Singleton (T-Dog), Norman Reedus (Daryl Dixon), Melissa Suzanne McBride (Carol Peletier), Michael Rooker (Merle Dixon)
Wiederholung, direkt im Anschluss: Samstag, 12. Mai, 01.10 Uhr (Taggenau!)
Wer in einen Film aus der Fabrik von Luc Besson geht, weiß, was er für sein Geld bekommt. Auch „Lockout“ ist, wie das Plakat verrät, „Von den Machern von ‚Transporter’“ und da steht Action, verbunden mit einem gut abgehangenem Plot, im Mittelpunkt.
In dem Science-Fiction-Thriller „Lockout“ werden die besonders schlimmen Schwerverbrecher in ein sich im Orbit befindendes und entsprechend ausbruchsicheres Gefängnis gesteckt. Die Tochter des Präsidenten will herausfinden, ob sie dort gut behandelt werden. Bei einem Gespräch mit einem Häftling kann dieser sich eine Pistole schnappen und schon startet die lustige Knastrevolte. Während die Häftlinge mit den Verhandlungen beginnen, wird Snow als Ein-Mann-Rettungsmission für die Präsidententochter losgeschickt. Er wurde gerade als Landesverräter (zu Unrecht) zu einer unglaublich langen Haftstrafe verurteilt. Wenn er die Präsidententochter rettet, winkt ihm die Freiheit.
Diese Geschichte ist natürlich schamlos von John Carpenters „Die Klapperschlange“ und seinem wesentlich schlechteren Remake „Flucht aus L. A.“, das auch Fortsetzung genannt wurde, geklaut. Die „Lockout“-Macher verlegten Carpenters Geschichte in den Weltraum, nahmen den Humor und die subkulturellen Anspielungen raus, und sie lassen eine Armada von durchgeknallten Schwerverbrechern auftreten, die auch in der „Con Air“ hätten mitfliegen können, Entsprechend unbekümmert wird in der Raumstation gemordet und geschossen. Guy Pearce spielt Snow, mit etlichen Einzeilern, auch als eine deutliche Hommage an Snake Plissken, der in Carpenters Filmen als stoischer Held wider Willen die USA retten musste.
Das Ergebnis ist; – nun, genau das was man bei den von Luc Besson produzierten Filmen erwartet: ein krachiges B-Picture, das für neunzig kurzweilige Minuten sorgt. Jedenfalls wenn man auf diese Art von Filmen steht und mit seiner Old-School-Attitüde gehört es sogar zu den besseren Actionfilmen der Besson-Schmiede.
Lockout (Lockout, Frankreich 2012)
Regie: Stephen St. Leger, James Mather (Saint & Mather)
Drehbuch: Luc Besson, Stephen St. Leger, James Mather (nach einer Idee von Luc Besson)
mit Guy Pearce, Maggie Grace, Vincent Regan, Joseph Gilgun, Lennie James, Peter Stormare, Jacky Ido, Tim Plester, Mark Tankersley, Anne-Solenne Hatte, Peter Hudson
Zerrissene Umarmungen (Spanien 2009, R.: Pedro Almodovar)
Drehbuch: Pedro Almodovar
Die Erinnerungen eines erblindeten Drehbuchautoren an eine nicht fertig gestellte Komödie, seine große Liebe und einen für sie tödlichen Autounfall dienen Almodovar als Ausgangspunkt für einen Film im Film im Film – und wir Zuschauer sind nie verwirrt, sondern verzaubert, wenn flugs und zitatreich die Zeitebenen und Genres gewechselt werden.
Für das „Lexikon des internationalen Films“ gehört „Zerrissene Umarmungen“ „zum Anrührendsten und Schönsten, was das europäische Kino aktuell zu bieten hat“.
mit Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez, Rubén Ochandiano, Tamar Novas
Wiederholung: Freitag, 11. Mai, 01.00 Uhr (Taggenau!)
Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).
Mit ihrem Edgar-nominierten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.
Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.
Und nach dem „Bank Job“ gibt es, um 22.00 Uhr, „Go Fast“.
Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David