Die Bourne-Verschwörung (USA/D 2004, R.: Paul Greengrass)
Drehbuch: Tony Gilroy
LV: Robert Ludlum: The Bourne Supremacy, 1986 (Die Borowski-Herrschaft, Das Bourne Imperium)
Jason Bourne ist in Goa untergetaucht. Als ein Anschlag auf ihn verübt wird und er in Berlin ein Attentat verübt haben soll, beginnt Bourne den wirklichen Täter zu jagen.
Überaus erfolgreiche und auch bei der Kritik beliebte Fortsetzung von “Die Bourne-Identität”. Wieder, bis auf die Regie, mit dem bewährten Team und einigen halsbrecherischen Autoverfolungsjagden. Die Story ist ein Aufguss von „Die Bourne Identität“ (Am Anfang kämpft Bourne mit seiner Amnesie. In der Mitte erinnert er sich an seine Vergangenheit. Am Ende kämpft er gegen einen anderen Profikiller. Oh, und etliche Autos werden geschrottet.). Die vielen Berlin-Bilder sind dagegen für Berlin-Freunde ein Fest.
Gilroys Drehbuch war für den Edgar Allen Poe-Preis nominiert.
Mit Matt Damon, Franka Potente, Brian Cox, Julia Stiles, Karl Urban, Joan Allen, Michelle Monaghan
Ein Juraprofessor und einige seiner Studenten helfen unschuldig Verurteilten. Das klingt doch sehr amerikanisch und einige US-Professoren machen auch solche Seminare, um ihren Studenten die spätere Praxis nahezubringen. Außerdem ist das amerikanische Justizsystem für seine Fehlurteile bekannt. Besonders wenn es um die Todesstrafe geht.
Aber „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“ ist, trotz des englischen Titels keine Hollywood-Serie, sondern eine schwedische Serie mit Mikael Persbrandt (Gunvald Larsson in den „Kommissar Beck“-Filmen, „In einer besseren Welt“, „Gangster“ und, demnächst, „Der Hobbit“) als Markus Haglund, einem Ex-Anwalt und brillantem Hochschulprofessor, der an der Universität in Uppsala seine Uni-Anstellung vor allem benutzt, um sich hemmungslos zu betrinken und in bequemen Klamotten durch seine von der Uni gestellte Villa zu schlurfen. Das könnte ewig so weitergehen, wenn er nicht jetzt, um weiterhin Professor zu bleiben, einen Kurs machen müsste.
Zähneknirschend erklärt er sich bereit, der Studentin Fia Jönsson (Sofia Ledarp), die einer Freundin helfen möchte, zu helfen. Denn diese glaubt, dass ihr Stiefvater unschuldig als Mörder ihrer Mutter verurteilt wurde. Haglund erklärt die Recherchen zum Unikurs – und entlastet sich so von weiteren Lehrverpflichtungen. Mit zunächst zwei weiteren Studenten, Anna Sjöstedt (Helena af Sandeberg) und Belal Al-Mukhtar (Fransisco Sobrado), beginnen sie mit ihren Recherchen und stoßen auf eine Spezialeinheit der Polizei, die etwas vertuschen möchte. Am Ende der Auftaktepisode „Mauer des Schweigens“ wechselt der Polizist Roger Anderson (Leonard Terfelt) die Seiten und das hübsch ausquotierte „Verdict Revised“-Team (zwei Frauen, zwei Männer, eine Blondine, eine Dunkelhaarige, ein Migrant) ist komplett.
In den folgenden elf Episoden der ersten „Verdict Revised“-Staffel gehen sie zwar immer von der Prämisse aus, dass ihr Mandant (lose gesprochen, denn das Team erhält kein Geld für seine Arbeit und nicht jeder möchte, dass sein Fall wieder aufgerollt wird) unschuldig verurteilt wurde.
So glauben sie nicht, dass ein Migrant einen anderen auf einer belebten U-Bahnstation tötete, eine junge Frau Drogen einschmuggelte, ein Mann Fahrerflucht beging, ein Verbrecher einen Polizisten erschoss, dass Fias Vater einen Mord beging, dass ein Drogenabhängiger in seiner Wohnung jemand ermordet hat, dass eine Frau ihren Mann und dessen Geliebte in ihrem Wochenendhaus verbrannte, dass eine Prostituierte ihren Zuhälter ermordete, dass ein Exil-Iraner einen anderen Mann vor einem Schwulen-Club zusammenschlug, dass eine Mutter ihr Kind umbringen wollte und dass, in der letzten Folge der ersten Staffel „Roger unter Mordverdacht“, ihr Kommilitone Annas Vater ermorden wollte.
Schon allein aufgrund seiner Prämisse ist „Verdict Revised“ staatskritisch und in einzelnen Fällen wächst die latente Kritik am Justizsystem, das Unschuldige verurteilt, zu einer veritablen Systemkritik aus. Denn die Staatsanwälte, Polizisten und manchmal auch Richter manipulieren hemmungslos Beweise und sind nicht immer unbedingt an der Wahrheitsfindung interessiert. Sie behindern dann auch mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Arbeit von Haglund und seinen Studenten.
„Verdict Revised“ ist eine spannende Krimiserie, die sich vor ähnlichen US-Serien nicht verstecken muss (wozu auch gehört, dass Haglund als Mentor immer weniger Bildschirmzeit eingeräumt wird und die persönlichen Probleme der Studenten immer mehr Zeit einnehmen) mit einer schwachen Auftaktepisode (vor allem die Dialoge sind arg papiernen) und einem Staffelfinale, das den Fehler begeht, eine der Hauptcharaktere unter Mordanklage zu stellen. Denn selbstverständlich hat Roger nicht auf Annas Vater eingestochen und die Lösung ist, im Gegensatz zu den anderen Fällen, so offensichtlich, dass nur Menschen, die noch nie einen Krimi gesehen haben, sie nicht schon nach den ersten fünf Minuten erahnen.
Die zweite und letzte Staffel läuft im Moment montags um 23.25 Uhr auf ZDFneo und die DVD-Box erscheint am 2. Dezember.
mit Mikael Persbrandt (Markus Haglund), Sofia Ledarp (Fia Jönsson), Helena af Sandeberg (Anna Sjöstedt), Francisco Sobrado (Belal Al-Mukthar), Leonard Terfelt (Roger Andersson), Marie Richardson (Ulrika Stiegler), Anja Lundkvist (Caroline Gustavsson)
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DVD
Edel:Motion
Bild: Pal 16:9 (Widescreen)
Ton: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 540 Minuten (12 Folgen à 45 Minuten auf 4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre (wobei die meisten Folgen FSK 12 sind)
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Die ersten zwölf Fallbesprechungen in Markus Haglunds Universitätskurs „Unschuldig verurteilt“
Mauer des Schweigens (Antagen)
Regie:Molly Hartleb
Drehbuch: Inger Scharis, Johan Zollitsch
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Der Fall Serkan (Hotat vittne)
Regie:Molly Hartleb
Drehbuch: Inger Scharis, Jan Arnald, Stefan Jaworski, Karin Gidfors
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Schnee im Gepäck (Offrad Vara)
Regie:Molly Hartleb
Drehbuch: Inger Scharis, Jan Arnald, Stefan Jaworski, Kerstin Gezelius
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Ich bin schuldig! (Smitaren)
Regie: Molly Hartleb
Drehbuch: Inger Scharis, Jan Arnald, Stefan Jaworski, Dennis Magnusson
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Der lange Schatten (Polismordet)
Regie: Richard Holm
Drehbuch: Inger Scharis, Jan Arnald, Stefan Jaworski, Stefan Ahnhem
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Lebendig verbrannt? (Skyddad Identitet)
Regie:Richard Holm
Drehbuch: Inger Scharis, Jan Arnald, Stefan Jaworski, Stefahn Ahnhem
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Der Mann auf der Treppe (Oklart Motiv)
Regie:Richard Holm
Drehbuch: Inger Scharis, Johann Zollitsch, Dennis Magnusson
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Zwei Leichen, zwei Zähne (Mordbrand)
Regie: Richard Holm
Drehbuch: Inger Scharis, Johann Zollitsch, Karin Gidfors
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Zuhälterkrieg (Hallicken)
Regie: Molly Hartleb
Drehbuch: Inger Scharis, Jan Arnald, Stefan Jaworski, Dennis Magnusson
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Schwulenjagd (Club Zafir)
Regie:Molly Hartleb
Drehbuch: Inger Scharis, Jan Arnald, Stefan Jaworski, Dennis Magnusson
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Kinder lügen nicht? (Flickan pa Bron)
Regie: Molly Hartleb
Drehbuch: Inger Scharis, Jan Arnald, Stefan Jaworski, Hans Rosenfeldt
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Roger unter Mordverdacht (Anklagad)
Regie: Molly Hartleb
Drehbuch: Inger Scharis, Johann Zollitsch, Karin Gidfors
Jack Carter verdient sein Geld als Troubleshooter für ein Londoner Gangstersyndikat. Als sein Bruder umgebracht wird, kehrt Jack in seine Heimatstadt Newcastle zurück und rechnet mit dem dortigen Gangstersyndikat ab.
Klassiker des Gangsterfilms mit einem unnachahmlich coolen Michael Caine.
Mike Hodges brauchte nur 32 Wochen von der Lektüre des Romans „Jack’s Return Home“ bis zum Premierenschnitt. Hodges, der zuvor keinerlei Erfahrungen mit publikumswirksamem Star-Kino hatte, war von der Akzeptanz und dem Erfolg seines Films selbst erstaunt. Schließlich tun unsympathische Leute widerwärtige Sachen und „Get Carter“ transportiert keine positiven Werte.
Der Film ist noch heute stilbildend für britische Gangsterfilme. 2004 wählte ihn das britische Magazin „Total Film“ auf den ersten Platz einer Liste der besten britischen Filme aller Zeiten.
Zur Wiederaufführung 2000 in den deutschen Kinos ließen die Kritiker Lobeshymen ab. RU (Ralph Umard?) schrieb: „Ein packender Britploitation-Krimi aus dem Jahre 1971 mit schnörkellos vorangetriebener Handlung, assoziativen Montagen und existenzialistischem Geist. Auotrenfilmer Hodges macht Newcastle zum Schauplatz von Gewaltverbrechen, Drogensucht und Pornografie mit Minderjährigen, dabei fängt er stimmig das Zeitkolorit und die proletarische Tristesse der nordenglischen Industriestadt ein. Unbeirrbar und brutal agiert hier Michael Caine als gnadenloser Rächer.“ (tip)
Oder: „Außergewöhnlicher britischer Gangsterfilm, dessen spannungsvolle Charakterisierung der Hauptfigur zwischen äußerer Emotionslosigkeit und plötzlichen Wutausbrüchen stilbildend wirkte. In seiner Härte und Kompromisslosigkeit durchaus repräsentativ für eine bestimmte Strömung des 70er-Jahre-Kinos.“ (Lexikon des internationalen Films)
Mit Michael Caine, Britt Ekland, Ian Hendry, John Osborne
Matrix (USA 1998, R.: Andy Wachowski, Larry Wachowski)
Drehbuch: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Hacker Neo ist der nette Nerd von nebenan, bis er erfährt, dass die Wirklichkeit nicht die Wirklichkeit ist und dass er der Erlöser ist.
Kommerziell unglaublich erfolgreicher, Hugo- und Nebula-nominierter Science-Fiction-Klassiker, in dem es erstmals gelang, die Ideen der Cyberpunk überzeugend in einen Realfilm zu transportieren. Die beiden Fortsetzungen „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ sind dagegen ein Fall für die filmische Mülltonne und auch bei der „Matrix“ kann man sich an einigen groben Logikfehlern und Widersprüchen stoßen. Z. B.: Warum sollten die Maschinen uns Menschen mit einer Computersimulation betäuben? Warum sollten wir Menschen aus der Computersimulation ausbrechen wollen? Vor allem, wenn die Erde ungefähr so bewohnbar wie die dunkle Seite des Mondes ist.
Danach, um 22.55 Uhr, läuft der ziemlich grottige SF-Film „Vernetzt – Johnny Mnemomic“, ebenfalls mit Keanu Reeves in der Hauptrolle und nach einer Geschichte von Cyperpunk-Autor William Gibson.
mit Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie Anne Moss, Hugo Weaving, Gloria Foster, Joe Pantoliano
Ein Köder für die Bestie (USA 1962, R.: J. Lee Thompson)
Drehbuch: James R. Webb
LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)
Nach seinem Knastaufenthalt beginnt Max Cady Sam Bowden und dessen Familie zu terrorisieren. Immerhin brachte dessen Aussage ihn ins Gefängnis.
Spannender Psychoschocker
Mit Gregory Peck, Robert Mitchum, Martin Balsam, Telly Savalas
Das DVD-Cover von „Henry & Julie: Der Gangster und die Diva“ mit Keanu Reeves, der eine MP in seiner Hand hält, ist reiner Etikettenschwindel. Denn außer einigen Revolvern gibt es in dieser romantischen Bankräuberkomödie mit Screwball-Touch keine Schusswaffen.
Der von Keanu Reeves gespielte Henry ist ein Allerweltsjunge, der von allen herumgestoßen wird, sein Leben weitgehend passiv erleidet und der gerade von seiner Nachtschicht als Mautkassierer an einer Autobahn in der Nähe von Buffalo, New York, zurückgekommen ist und sich mit seiner Frau über ihre Babypläne unterhält, als er von seinen Freunden ohne sein Wissen in einen Banküberfall hineingezogen und als einziger verurteilt wird.
Nach seinem Gefängnisaufenthalt beschließt er, die Bank auszurauben. Immerhin wurde er bereits dafür verurteilt. Zusammen mit seinem Knastkumpel Max (James Caan) planen sie den Einbruch in die Bank – durch einen alten Tunnel, der in einem alten Theater beginnt. In ihm wird gerade eine Aufführung von Anton Tschechows letztem Theaterstück „Der Kirschgarten“ geprobt und Henry verliebt sich in die impulsive Hauptdarstellerin Julie (Vera Farmiga). Als Max herausfindet, dass der Tunnel in der Garderobe des Hauptdarstellers beginnt, verschafft er Henry die Rolle, die auch die Beziehung von Henry und Julie spiegelt.
„Henry & Julie“ ist eine angenehm altmodische Komödie, die eindeutig eine Liebeserklärung an die klassischen Screwball- und romantischen Hollywood-Gaunerkomödien, die irgendwann in den sechziger Jahren aus den Kinos verschwanden, ist und die in den letzten Jahren immer wieder von Woody Allen in seinen Krimis verklärt wurden. Entsprechen gediegen ist die Machart, die Auswahl der Schauplätze und auch die Musikauswahl erfreut das Herz des Nostalgikers. Die Schauspieler, vor allem Vera Farmiga, James Caan und Peter Stormare als Theaterregisseur, haben erkennbar ihren Spaß und liefern herrlich exzentrische Charakterstudien ab. Dagegen wirkt Keanu Reeves als Biedermann, der zum Gewalt ablehnenden Verbrecher wird, noch blasser. Insgesamt ist „Henry & Julie“ eine kurzweilige, aber auch weitgehend überraschungsfreie Unterhaltung, bei der sich für Henry und Julie das Leben und die Kunst immer mehr miteinander vermischen und das Publikum eine einmalige Tschechow-Premiere erlebt.
Henry & Julie: Der Gangster und die Diva (Henry’s Crime, USA 2010)
Regie: Malcolm Venville
Drehbuch: Sacha Gervasi, David N. White (nach einer Geschichte von Stephen Hamel und Sacha Gervasi)
mit Keanu Reeves, Vera Farmiga, James Caan, Peter Stormare, Bill Duke, Danny Hoch, Fisher Stevens
Als Ben Affleck sagte, dass er Dennis Lehanes hochgelobten Privatdetektivroman „Gone Baby Gone“ mit den Privatdetektivpaar Patrick Kenzie und Angela Gennaro verfilmen wollte, war die Skepsis groß. Gut, er hatte mit Matt Damon das Oscar-nominierte Drehbuch für „Good Will Hunting“ geschrieben, aber das war 1997. Danach spielte er in „Armageddon – Das jüngste Gericht“, „Pearl Habor“, „Der Anschlag“, „Daredevil“ und „Paycheck – Die Abrechnung“ mit, er sammelte Razzie-Nominierungen und erhielt Razzies, wie andere Rubbellose sammeln. Von einem intellektuellem Anspruch war bei diesen Filmen nichts zu spüren.
Dass er dann auch noch die Hauptrolle mit seinem jüngeren Bruder Casey Affleck besetzte, bestätigte die schlimmsten Befürchtungen. Ein Milchbubi, der bislang nur als unauffälliger Sidekick in den Ocean’s-Filmen bei denen halb Hollywood mitspielte und vernachlässigbaren Filmen wie „American Pie 2“ auftrat, sollte einen Hardboiled-Privatdetektiv spielen. Undenkbar.
Da sah man vor seinem geistigen Auge schon eine vermurkste Bestsellerverfilmung, bei der man überall erklären musste, dass das Buch viel besser sei. Dass Lehane eine tolle Geschichte geschrieben habe; eine in der es um das Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern, um Verantwortung gegenüber den eigenen und fremden Kindern, über Werte und auch um die Frage, was man, wenn Recht, die eigene Moral und das offensichtlich beste für ein Kind diametral gegenüber stehen, tun soll. Ernste Themen, die Lehane in seinem Roman in einer fein komponierten Geschichte auf über fünfhundert Seiten kurzweilig erzählte und die so dicht und detailreich ist, dass man sich schon fragte, wie der Drehbuchautor die fünfhundert Seiten in zwei Filmstunden pressen wollte. Doch auch dann würde noch ein Genrefilm entstehen, der eher an Howard Hawks‘ Raymond-Chandler-Verfilmung „Tote schlafen fest“ (mit Humphrey Bogart) als an einen Blockbuster-Actionfilm erinnern würde.
Dann kam der Film in die Kinos – und die Kritiker und Krimifans waren begeistert. Denn Ben Affleck hatte einen richtig guten Privatdetektiv-Krimi mit grandiosen Schauspielern (Morgan Freeman, Ed Harris, die Oscar-nominierte Amy Ryan; um nur die bekanntesten zu nennen) und, dank des Drehs vor Ort mit lokalen Schauspielern und Laien, einem tiefen Gefühl für Boston und die Besonderheiten der Stadt gedreht. Dass die Geschichte dafür etwas entschlackt wurde, war zu verschmerzen. Es wird zwar nicht mehr die Komplexität des Romans erreicht, aber ob Patrick Kenzie am Ende die richtige Entscheidung getroffen hat, bleibt im Film genau so offen, wie im Buch. Affleck vertraute hier, genau wie Dennis Lehane (der 2010 in „Moonlight Mile“ Patrick Kenzie und Angela Gennaro wieder mit dem Fall und den Folgen konfrontierte), auf den mündigen Zuschauer.
Die beiden Privatdetektive sollen, beauftragt von der Schwiegermutter die verschwundene vierjährige Amanda McCready suchen. Die Mutter Helene taugt nur als schlechte Beispiel und alle befürchten das Schlimmste. Denn obwohl die Polizei, unterstützt von den Medien und halb Boston Amanda sucht, gibt es keine Spur.
Im Film, wie im Buch (da noch deutlicher), begeben sich Kenzie und Gennaro in das Herz der Finsternis. Denn weil es keine Lösegeldforderung gibt, befürchten sie, dass Amanda entweder in den Händen von Kinderschändern ist und vielleicht schon tot ist.
Als sie Amanda am Ende entdecken, stehen sie vor der Frage, ob sie Amanda aus den Händen der Entführer befreien und sie, entsprechend ihrem Auftrag, zur Mutter, die sich in der Vergangenheit einen Scheiß um ihre Tochter kümmerte, zurückbringen oder sie bei der sie liebenden Familie lassen sollen.
Gennaro möchte das Kind bei der Familie lassen. Kenzie entscheidet sich dagegen. Er bringt Amanda zurück, stürzt damit mehrere Familien und Polizisten ins Verderben und im letzten Bild lässt Regisseur Affleck uns mit der Frage, ob Patrick Kenzie richtig gehandelt hat, zurück. Denn Helene kümmert sich immer noch nicht um ihre Tochter.
„Gone Baby Gone“ ist ein klassischer Privatdetektiv-Krimi, der fest in der Tradition verwurzelt ist, sich deutlich am New-Hollywood-Kino der siebziger Jahre orientiert und seine Geschichte als spannenden Vorwand nimmt, um moralische Fragen vielschichtig zu behandeln und den Zuschauer am Ende ohne eine einfache Antwort zurücklässt. Da ähnelt er sehr Clint Eastwoods ebenso gelungener Dennis-Lehane-Verfilmung „Mystic River“. Gleichzeitig fällt auf, wie sehr Ben Affleck auch mit vielen Außenaufnahmen, einheimischen Schauspielern und Laien, ein Bild von seiner Heimatstadt zeichnet.
Und Casey Affleck erscheint jetzt als die einzig mögliche Besetzung für Patrick Kenzie, den er als einen jugendlichen (31 Jahre!), von der Aufgabe scheinbar überforderten (normalerweise sucht er mit seiner Partnerin untergetauchte Erwachsene), bauernschlauen, furchtlosen und auch hartnäckig-starrköpfigen Mann spielt, dessen resignierte Traurigkeit schon von der ersten Minute erahnen lässt, wie schlecht die Geschichte ausgeht. Nach „Gone Baby Gone“ spielte Casey Affleck in „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ den Bösewicht und er war das Beste an diesem bedeutungsschwanger-langatmigen Western. In der zu texttreuen und daher durchwachsenen Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“ war er der Antiheld Lou Ford und gerade sein harmloses Aussehen machte Lou Ford noch bedrohlicher. Beide Male zeigte Casey Affleck was er kann und auch in der jetzt im Kino laufenden Einbrecherkomödie „Aushilfsgangster“ spielt er wieder einen Charakter, der sich, aufgrund seiner Wertvorstellungen, gegen seine Freunde stellen muss.
„Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ ist, auch beim wiederholten Sehen, ein guter Film, der mit der Zeit sogar besser wird. 2007 war er, als er im Kino lief, einer meiner Lieblingsfilme – und vier Jahre später hat sich an meiner Meinung nichts geändert. Im Gegenteil.
Und wenn ich irgendwann eigene Kinder habe…
Das Bonusmaterial
Das Bonusmaterial ist auf den ersten Blick nicht besonders umfangreich, aber sehenswert. Besonders die informativen Audiokommentare zum Film und den „Geschnittenen Szenen“ (wobei sie hier wenig sagen) von Regisseur und Drehbuchautor Ben Affleck und Drehbuchautor Aaron Stockard beeindrucken durch ihre nüchterne, analytische Schärfe, die man eher bei einem Audiokommentar, der Jahre nach der Fertigstellung des Films aufgenommen wurde, vermutet hätte. Bei den „Geschnittenen Szenen“ nimmt der anders geschnittene Anfang, in dem Patrick Kenzie und Angela Gennaro bei der Arbeit und in ihrer Wohnung gezeigt werden, die Hälfte der 17 Minuten in Anspruch. Affleck hatte die Szenen dann aus Zeitgründen weggelassen.
Die beiden Featurettes sind okay, aber etwas kurz und arg hektisch geschnitten.
Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (Gone Baby Gone, USA 2007)
Regie: Ben Affleck
Drehbuch: Ben Affleck, Aaron Stockard
LV: Dennis Lehane: Gone, Baby, Gone, 1998 (Kein Kinderspiel; später, aufgrund des Films „Gone Baby Gone“)
mit Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris, John Ashton, Amy Ryan
–
DVD
Studio Canal
Bild: 1,85:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (5.1 DD)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: 6 zusätzliche Szenen und alternatives Ende; Audiokommentar von Autor und Regisseur Ben Affleck und Co-Autor Aaron Stockard; Authentizität einfangen: Die Besetzung von „Gone Baby Gone“; Heimkehr: Hinter den Kulissen mit Ben Affleck; Trailer; Wendecover
In Texas wird in der Wüste ein Skelett mit einem Sheriffstern gefunden. Sheriff Sam Deeds (Chris Cooper) versucht den vierzig Jahre alten Mordfall zu klären und schnell fragt er sich, was sein verstorbener Vater, der ungekrönte und immer noch geachtete Herrscher der Stadt, mit dem Mord zu tun hat und ob er sein Andenken beschmutzen soll.
„Sayles ist ein Meisterwerk mehrschichtigen Erzählens gelungen: mit knapp einem Dutzend wichtigen Rollen, mit überlegter Koppelung von Gegenwart und Vergangenheit, lakonisch-doppelsinnigen Dialogen, ausgefeilter Kameraarbeit, Musik, die drei Kulturen einfängt, und atemberaubenden Zeitübergängen.“ (Fischer Film Almanach 1998)
Bei dem Lob vergisst man fast, dass „Lone Star“ auch ein verdammt unterhaltsamer Krimi ist.
Das Drehbuch war für einen Oscar („Fargo“ gewann), einen Golden Globe, den BAFTA, den Independent Spirit Award und den Preis der Writers Guild of America (wieder gewann „Fargo“) nominiert.
mit Chris Cooper, Elisabeth Pena, Kris Kristofferson, Miriam Colon, Matthew McConaughey, Frances McDormand
Der im Ruhestand lebende Gangster Noel nimmt den jungen, heißblütigen Junggangster Mickey bei sich auf. Durch ihn wird er wieder in sein altes Leben zurückgezogen.
Aus heutiger Sicht beendete Alain Corneau mit dem leicht melancholischem Noir „Wahl der Waffen“ die Ära des klassischen französischen Gangsterfilms indem er noch einmal alle Themen bündelte, neu betrachtete und sie endgültig beantwortete. Nach „Wahl der Waffen“ war die Zeit des Nachkriegsgangsters endgültig vorbei.
Einen schöneren Abgesang hätte er nicht bekommen können.
mit Yves Montand, Gérard Depardieu, Catherine Deneuve, Michel Galabru, Gerard Lanvin, Marc Chapiteau
JAMES BOND: 007 jagt Dr. No (GB 1962, R.: Terence Young)
Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood, Berkely Mather
LV: Ian Fleming: Dr. No, 1958 (007 James Bond jagt Dr. No)
Auf Jamaica soll James Bond herausfinden, wer zwei Mitarbeiter des Secret Service umbrachte. Er stößt schnell auf Dr. No.
Der allererste Bond, mit Sean Connery, Ursula „Bikini“ Andress, Joseph Wiseman – damals noch nah am Buch und ziemlich hart. „Dr. No“ ist nicht nur aus nostalgischen Gründen sehenswert.
Hinweise
Wikipedia über „James Bond: 007 jagt Dr. No“ (deutsch, englisch)
Brett Ratner drehte zwar auch die Thomas-Harris-Verfilmung „Roter Drache“, aber am bekanntesten dürfte er für seine „Rush Hour“-Filme mit Jackie Chan und Chris Tucker sein, in denen Action und Lacher sich abwechselten. Auch sein neuester Film „Aushilfsgangster“ scheint eine in dieser Tradition stehende actionhaltige Komödie über einen Einbruch zu sein. Immerhin spielen Ben Stiller und Eddie Murphy mit. Auch der Trailer schlägt in diese Kerbe – und führt auf die falsche Fährte. Denn „Aushilfsgangster“ ist ein ziemlich ernster Film mit komischen Momenten, die sich vor allem aus der Situation ergeben und die Macher den Eindruck erwecken, wirklich Donald E. Westlakes John-Dortmunder-Romane, in denen ein glückloser Einbrecher und seine Kumpels Reiche ausrauben wollen und immer alles schiefgeht, studiert haben.
Josh Kovacs (Ben Stiller) ist der Manager von einem Hochhaus in Manhattan, in dem die Superreichen leben. Daher ist es auch ein Skandal, dass Wall-Street-Banker Arthur Shaw (Alan Alda) als Millionenbetrüger verhaftet und unter Hausarrest gestellt. Shaw hat auch den Pensionsfond der Angestellten des Hochhauses verwaltet und dieses Geld ist jetzt futsch.
Als Kovacs erkennen muss, dass er mit legalen Mitteln nicht wieder an das Geld seiner Untergebenen kommt, entschließt er sich zur Selbsthilfe. Zusammen mit einigen ebenfalls im Tower Beschäftigten will er Shaws eiserne Reserve, die irgendwo in dessen Apartment gebunkert ist, klauen. Dummerweise sind sie keine Einbrecher, Shaw darf seine ganz oben im Tower liegende Wohnung nicht verlassen und diese ist auch extrem gut bewacht und gesichert.
„Aushilfsgangster“, die proletarische Version von „Ocean’s Eleven“, ist natürlich leichtgewichtige Unterhaltung, die nie vorgibt mehr als zwei Stunden niveauvoll mit einer klassenkämpferischen Davide-gegen-Goliath-Geschichte zu unterhalten. Dabei wird sich vor allem auf die Geschichte, das Ensemble und die sich daraus ergebenden Konflikte konzentriert. Auch der Humor und die Action-Szenen ergeben sich daraus und sind, gemessen an dem, was einem sonst in Action-Filmen so geboten wird, gar nicht so übertrieben. Aber besonders wenn die von Kovacs angeführte Gang während des Coups, bei dem natürlich alles schief geht, was schief gehen kann, während der Thanksgiving Day Parade die Beute aus Shaws Wohnung bewegen, gibt es einige atemberaubende Action-Szenen, die in der Wirklichkeit sicher anders ausgegangen wären.
Nur Eddie Murphy, der seine großmäulige Standardnummer abzieht, fügt sich nie in die aus Casey Affleck, Matthew Broderick, Michael Peña, Gabourey Sidibe und Stephen Henderson bestehende, auf den ersten Blick harmlos-nett-biedere Einbrechergang ein. Er ist und bleibt ein störender Fremdkörper unter all den lakonischen New Yorkern.
Aushilfsgangster (Tower Heist, USA 2011)
Regie: Brett Ratner
Drehbuch: Ted Griffin, Jeff Nathanson (nach einer Geschichte von Adam Cooper, Bill Collage und Ted Griffin)
mit Ben Stiller, Eddie Murphy, Casey Affleck, Alan Alda, Matthew Broderick, Stephen Henderson, Judd Hirsch, Téa Leoni, Michael Peña, Gabourey Sidibe, Nina Arianda, Zeljko Ivanek
Der aus dem Regen kam (F/I 1969, R.: René Clement)
Drehbuch: Sébastien Japrisot, Lorenzo Ventavoli
Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Le passager de la pluie, 1992
Mellie erschießt in Notwehr einen Fremden und lässt die Leiche verschwinden. Eines Tages taucht ein geheimnisvoller Amerikaner auf und erpresst sie.
Spannender Psycho-Thriller: „La mise en scène est irréprochable, l’interprétation excellente et le film distille un charme doux-amer plein de suspense. Mais trop de froideur et une intrigue confuse finissent par lasser. Il n’est pas certain que ce film résiste à des diffusions répétées tant ses limites finissent par devenir évidentes.“ (Dictionnaire du cinéma, Robert Laffont)
„Geschickt ausgetüftelter Psycho-Thriller.“ (Lexikon des internationalen Films) „Eine ironische Annäherung an das Genre.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuauflage)
Der Film war für den Edgar nominiert und gewann den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film
„Das war jetzt genau der richtige Film für meine Stimmung“, meinte ich nachdem ich „Real Steel“ gesehen hatte. Das sagt allerdings mehr über meine Stimmung, als über die Qualitäten des Films aus, der als zitatenreicher Mix aus Underdog- und Vater-Sohn-Geschichte wahrlich keine Preise für innovatives Geschichten erzählen verdient und auf einer ziemlich bescheuerten Prämisse basiert, die auch nach dem Genuss etlicher „Transformers“-Filme und B-Movie-Gurken wie „Robo Warriors“ nicht glaubwürdiger wirkt. Denn in naher Zukunft gibt es keine Boxkämpfe mehr. Also: keine Boxkämpfe mehr, in denen Menschen sich die Birne einhauen. Jetzt gibt es Roboterkämpfe, in denen Roboter, die in den Kämpfen mehr oder weniger von Menschen gesteuert werden, sich die Schutzbleche abkloppen, Gliedmaße abschlagen (da fliegt dann schon einmal ein Arm oder ein Bein in die johlende Masse) und spätestens wenn der Kopf weggeschlagen wird, ist der Kampf zu Ende und ein Roboter reif für eine ordentliche Generalüberholung.
Der Ex-Profiboxer Charlie Kenton (Hugh Jackman) reist durch das amerikanische Hinterland und kommt mehr schlecht als recht über die Runden. Er hat einige Freunde und viele Schulden und er ist ein Posterboy für den „Sympathischen Loser des Jahres“. Als er erfährt, dass seine Ex-Frau gestorben ist und er jetzt das Sorgerecht für ihren elfjährigen Sohn Max (Dakota Goyo), den er bislang nicht gesehen hat (soviel zu „Vater des Jahres“), will er im Gericht nur kurz auftauchen und, mit einem Hinweis auf seinen Lebenswandel, das Sorgerecht ablehnen. Aber als er sieht, dass seine Schwester Debra (Hope Davis), die Max adoptieren möchte, den vermögenden Marvin Barnes (James Rebhorn) geheiratet hat, wittert er die Chance auf einen Batzen Geld. Charlie sagt Barnes, dass er das Sorgerecht gegen eine ordentliche Menge Geld nach dem Sommer, den er gemeinsam mit seinem Sohn verbringen will, abtreten werde.
Charlie will Max bei seiner ihn loyal unterstützenden Freundin Bailey (Evangeline Lilly), deren Vater sein Trainer war und die jetzt eine Boxroboterreparaturwerkstatt hat, abgeben und sich auf den Weg zum nächsten Roboterkampf machen. Aber Max hat seinen eigenen Kopf, ist ein Fan der Roboterkämpfe und schon hat der Kindskopf Charlie ein gewaltiges Problem. Vor allem, nachdem Max, der viel erwachsener als sein Vater ist, auf einem Schrottplatz einen alten Trainingsroboter entdeckt (der so menschlich wie E. T. wirkt [Hm, Steven Spielberg ist Executive Producer von „Real Steel“.]) und ihn auf Kämpfe schicken will. Auch gegen den scheinbar übermächtigen Zeus, den Champion der Roboterkämpfe.
Bei „Real Steel“, der keinen Hehl aus seinen Vorbildern macht, erstaunt immer wieder, wie gut es Shawn Levy gelingt, scheinbar disparate Plotelemente und Stile in einen typischen Boxerfilm à la „Rocky“ zu integrieren. Die Reise durch das Hinterland und die Vater-Sohn-Geschichte in „Real Steel“ imitiert durchaus gekonnt die Beziehung zwischen Ryan O’Neal und seiner Tochter Tatum O’Neal in „Paper Moon“. „The Wrestler“ und die Endzeit-Filme in der „Mad Max“-Tradition (mit der üblichen Portion Heavy Metal als Hintergrundgeräusch) haben unbestreitbar für die Nicht-Liga-Roboterkämpfe als Vorbild gedient, die Verteilung von Gut und Böse (Zeus wird von einem Japaner gesteuert und einer Russin finanziert) ist arg klischeehaft, die Botschaft erwartbar platt und bei den brutalen Roboterkämpfen möchte man, obwohl „Real Steel“ doch als Familienfilm gedacht war, kein Kind in den Film schicken.
Aber dennoch macht „Real Steel“, dank der Schauspieler, dem angenehm altmodischem Americana-Feeling (etwas mehr entsprechende Musik hätte mir gefallen) und dem straffen Erzähltempo, wirklich Spaß und die Effekte dienen, wie es sein sollte, der Geschichte. Daher fiebert man dann bei den Kämpfen auch mit.
Und warum ist so ein Film für die „Kriminalakte“ interessant?
Nun, die Vorlage stammt von Richard Matheson, einem Pulp-Autor (Horror, Krimi und Science-Fiction), der auch in Hollywood als Lieferant von Geschichten – Romane und Kurzgeschichten – und Drehbuchautor seine Spuren hinterließ. Sein bekanntestes Werk ist der Science-Fiction-Roman „I am Legend“ (einmal verfilmt mit Vincent Price, einmal mit Charlton Heston, einmal mit Will Smith). Aber auch bei Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Verfilmung „Der grauenvolle Mr. X“, Steven Spielbergs „Duell“, Terence Youngs „Kalter Schweiß“ und und zahlreichen Episoden der „Unglaubliche Geschichten“ (The Twilight Zone) steht sein Name im Vorspann.
Auch „Steel“, so der Titel von Mathesons Kurzgeschichte, von der für „Real Steel“ nur die Prämisse und einige Storyelemente sehr frei übernommen wurden, wurde für die „Twilight Zone“ verfilmt.
Real Steel (Real Steel, USA 2011)
Regie: Shawn Levy
Drehbuch: John Gatins (nach einer Geschichte von Dan Gilroy und Jeremy Leven)
LV: Richard Matheson: Steel, 1956 (Kurzgeschichte, zuerst publiziert in Fantasy & Science Fiction, Mai 1956)
mit Hugh Jackman, Dakota Goyo, Evangeline Lilly, Anthony Mackie, Kevin Durant, Hope Davis, James Rebhorn
Drehbuch: Michael Kozoll, William Sackheim, Sylvester Stallone
LV: David Morell: First Blood, 1972 (Rambo)
Vietnam-Veteran John Rambo wird in einem Provinzkaff der Landstreicherei verdächtigt und von der Polizei gedemütigt. Er bricht aus und flüchtet in den Wald – verfolgt von einem riesigen Polizeiaufgebot. Rambo beginnt sich zu verteidigen. Und davon versteht der ehemalige Elitesoldat und Dschungelkämpfer etwas.
Das auch heute noch sehenswerte, harte Actiondrama mit gesellschaftskritischen Tendenzen machte Sylvester Stallone endgültig zum Star, sorgte in den Achzigern für zwei überflüssige Fortsetzungen und eine Welle von inzwischen – glücklicherweise – fast vollständig vergessenen Vietnam-Filmen. 2008 folgte dann, nach einer zwanzigjährigen Pause, der vierte Rambo-Film, der vor allem als kurzer, altmodischer Brutalo-Film für Aufsehen sorgte.
Für den ersten Rambo-Film wurde das Buchende geändert.
Mit Sylvester Stallone, Richard Crenna, Brian Dennehy, David Caruso
Yuppie Jack findet das Leben unglaublich öde. Kurzzeitige Kicks verschafft er sich mit dem Besuch von x-beliebigen Selbsthilfegruppen. Da trifft er Tyler Durden, der seinem Leben mit der Idee des „Fight Club“ (in dem Männer sich die Fresse polieren) den nötigen Kick verschafft. Bald nimmt der „Fight Club“ größere Dimensionen an.
Inzwischen: Klassiker, der mich schon damals im Kino verdammt gut gefiel. Naja, das Ende fand ich etwas schwach. Aber die zwei Stunden davor: Wow!
In seinem Roman enthüllt Palahniuk die Pointe früher.
„Handwerklich lässt Fincher keine Wünsche offen: Er hält ein rasantes Tempo, setzt virtuos visuelle Effekte ein und schafft so einen atemberaubenden Alptraum der ausklingenden 90er. Gewiss kann über dieses bemerkenswerte Werk trefflich gestritten werden, doch eines muss ihm jeder attestieren: ‘Fight Club’ ist keine lauwarme Kommerzproduktion, sondern einer der mutigsten, irritierendsten, gleichzeitig aber auch interessantesten Filme der letzten Jahre.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 11. November 1999)
Die andere Meinung: „Denn im Grunde ist diese manieristisch heruntergefilmte Möchtegern-Satire von Regisseur David Fincher (‘Sieben’) nicht mehr als grober Unfug: eine große, in die Länge gezogene Luftblase.“ (Albert Baer, Rheinische Post, 12. November 1999)
Mit Brad Pitt, Edward Norton, Helen Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto, George Maguire
Irgendetwas macht Liam Neeson im Moment richtig. Denn obwohl ich kein Die-hard-Liam-Neeson-Fan bin, habe ich fast alle seine neuen Filme, wie „96 Hours“, „The A-Team“, „72 Stunden – The next three days“ (gut, das war nur ein Kurzauftritt), „Unknown Identity“, „Five Minutes of Heaven“ und jetzt „After.Life“, das Spielfilmdebüt von Agnieszka Wojtowicz-Vosloo, gesehen und wirklich schlecht war keiner.
In „After.Life“ spielt Liam Neeson den Bestatter Eliot Deacon, der mit den Toten mitfühlt und die Trauerfeier so gestaltet, als ob die Toten ihm ihre Geheimnisse anvertraut hätten. Schon in den ersten Filmminuten umgibt ihm eine geheimnisvolle Aura.
Jetzt soll er Anna Taylor (Christina Ricci) für die Trauerfeier präparieren. Sie war eine junge, unsichere Schullehrerin, die gerade mit ihrem Freund Paul Coleman (Justin Long), weil er ein lukratives Jobangebot in einer anderen Stadt erhalten hat, Schluss gemacht hat. Kurz darauf starb sie bei einem Autounfall und sie wird in der Leichenhalle von Deacons Bestattungsunternehmen, das er anscheinend ohne Angestellte führt in einem alten Anwesen auf einem Friedhof führt, wach.
Das dürfte, ohne eine Tropfen Blut, die gruseligste Szene des ganzen Films sein und einen der vorderen Plätze in einer Liste der gruseligsten Filmszenen des Jahres einnehmen: Taylor blickt zu Deacon auf, der ihr höflich, aber gelangweilt erklärt, dass sie Tod sei, dass es immer wieder Tote gebe, die das nicht akzeptieren wollten und er sie für die Trauerfeier präparieren müsse. Zum Beweis zeigt er ihr ihre Sterbeurkunde.
Und nicht nur Anna fragt sich in dem Moment, ob Deacon komplett durchgeknallt ist, ober ob sie wirklich tot ist. Wojtowicz-Vosloo hält diese Frage ziemlich lange offen und damit bleibt in „After.Life“ auch lange unklar, wie real die Ereignisse sind.
„After.Life“ ist ein spannender, kleiner Horrorthriller, der mit spürbarer Lust seine schwarzhumorige Geschichte ohne größere Moral erzählt. Es ist eine dieser hundsgemeinen Geschichten, die früher als Kurzgeschichte in „Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine“ oder „Ellery Queen’s Mystery Magazine“ erschienen oder im Fernsehen bei „Amazing Stories“ oder „Alfred Hitchcock presents“ gezeigt wurden. Die TV-Filme basierten oft auf Kurzgeschichten, die teils bereits in einem Mystery Magazine erschienen waren. Und wie damals ist auch in „After.Life“ die Pointe unvorhersehbar und so richtig gemein.
Das Bonusmaterial besteht aus einem kurzem „Making of“, in dem die Regisseurin bereits auf wichtige Handlungsdetails und Wendungen eingeht (deshalb sollte es erst nach dem Film angesehen werden) und einem Audiokommentar. Beides ist informativ, aber eher Graubrot.
After.Life (After.Life, USA 2009)
Regie: Agnieszka Wojtowicz-Vosloo
Drehbuch: Agnieszka Wojtowicz-Vosloo, Paul Vosloo, Jakub Korolczuk
mit Liam Neeson, Christina Ricca, Justin Long, Chandler Canterbury, Celia Weston, Luz Ramos, Josh Charles
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DVD
Koch Media
Bild: 2.35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar von Agnieszka Wojtowicz-Vosloo, Making of (7:30 Minuten), Deutscher und Originaltrailer, Wendecover
JAMES BOND: Feuerball (GB 1965, R.: Terence Young)
Drehbuch: Richard Maibaum, John Hopkins, Jack Whittingham
LV: Ian Fleming: Thunderball, 1961 (Feuerball)
Largo erpresst die britische Regierung mit der Drohung zwei Atomraketen auf westliche Großstädte abzufeuern. Anstatt zu bezahlen schickt die Regierung James Bond los – die Welt zu retten.
Bond auf den Bahamas und mit gaaaanz vielen Tauchern. Die Story zu „Feuerball“ basierte auf einem zusammen mit Kevin McClory entworfenem Filmtreatment. Nach einem Rechtsstreit durfte McClory ein Remake machen. Es hieß „Sag niemals nie“ (ebenfalls mit Connery und am Ende wieder mit gaaaanz vielen Taucher, – wegen des Copyrights)
In der ersten Folge von „Hotel Bela“ trifft „Die Ärzte“-Schlagzeuger Bela B. Zombie-Urvater George A. Romero („Die Nacht der lebenden Toten“ undsoweiter) im Hotel in Lissabon. Romero will dort seinen neuen Film vorstellen. Bela B…
LV/Buch zum Film: Graham Greene: The third man, 1950 (Der dritte Mann)
Wien, kurz nach dem Krieg: Holly Martins kann es nicht glauben. Sein toter Freund Harry Lime soll ein skrupelloser Geschäftemacher sein. Holly will Harrys Unschuld beweisen.
Na, den Film kennen wir – das kaputte Wien, die grandiosen Leistungen der Schauspieler, die Verfolgung durch die Wiener Kanalisation, die Zither-Melodie von Anton Karas – und sehen ihn immer wieder gern.
Mit Joseph Cotten, Orson Welles, Alida Valli, Trevor Howard, Bernard Lee, Erich Ponto, Paul Hörbiger
Ein Freund gewisser Damen – The Walker (USA 2007, R.: Paul Schrader)
Drehbuch: Paul Schrader
Carter Page III ist ein schwuler Südstaatenschönling und Begleiter der Damen der politischen High Society von Washington, D. C.. Er hält sich aus allem heraus, bis er seiner besten Freundin, der Senatorengattin Lynn Lockner ein Alibi gibt. Denn sie ist gerade über die Leiche ihres ermordeten Geliebten gestolpert.
In der grandiosen Charakterstudie „The Walker“ spielt Woody Harrelson den Charakter, den Schrader-Fans bereits aus „Taxi Driver“ (damals Robert De Niro), „American Gigolo – Ein Mann für gewisse Stunden“ (Richard Gere) und „Light Sleeper“ (Willem Dafoe) kennen: der Drifter, der die Gesellschaft von außen betrachtet und wegen einer für ihn unerreichbaren Frau seine Position als Beobachter aufgibt. Wie diese Filme ist „The Walker“ auch eine Analyse einer bestimmten Gesellschaftsschicht: hier der politischen Kaste in Washington, D. C., die sich in Räumen bewegt und verhält, als ob die Zeit kurz nach dem Bürgerkrieg stehen geblieben wäre.
Ein toller altmodischer Film, der seine deutsche Premiere auf der Berlinale erlebte, später, trotz der namhaften Besetzung, nur auf DVD veröffentlicht wurde und seine TV-Premiere im Ersten zur Geisterstunde (senderinterne Sprachregel: Prime-Time für gute Filme) erlitt.
Mit Woody Harrelson, Kristin Scott Thomas, Lauren Bacall, Ned Beatty, Moritz Bleibtreu, Mary Beth Hurt, Lily Tomlin, Willem Dafoe