Eine schwüle Sommernacht in Brooklyn – und alle Treffen sich in Sal’s Pizzeria.
Spike Lees dritter Spielfilm und inzwischen ein Klassiker.
„Lee macht im Grunde etwas sehr Mutiges. Er hält seinen eigenen Leuten ihren eigenen Rassismus vor. Erst wenn sie dies erkennen, sind sie in der Lage, anders mit dem Rassismus der Weißen umzugehen, als es das Ende des Films zeigt.“ (Fischer Film Almanach 1990)
„Das Richtige getan hat Lee, indem er einen Film gedreht hat, der seine Dringlichkeit in keinem Augenblick vermeint, ohne deshalb Lösungen mit auf den Weg geben zu wollen. Statt die eine richtige Position zu behaupten, orchestriert Lee virtuos eine Vielzahl von Positionen.“ (Cristina Nord, in Gunnar Landsgesell/Andreas Ungerböck, Hrsg.: Spike Lee, 2006)
mit Danny Aiello, Ossie Davis, Ruby Dee, Richard Edson, Spike Lee, Giancarlo Esposito, Bill Nunn, John Turturro, John Savage, Samuel L. Jackson, Rosie Perez, Martin Lawrence
Blutrot (USA 2008, R.: Lucky McKee, Trgve Allister Diesen)
Drehbuch: Stephen Susco
LV: Jack Ketchum: Red, 1995 (Blutrot)
Drei Jugendliche bringen den Hund von Avery Ludlow um. Ludlow will, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen. Dafür legt er sich mit dem neureichen Daddy von zwei der Jugendlichen.
Grandioses Drama, das hemmungslos Western-Topoi plündert, und ernsthaft Fragen über Verantwortung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit behandelt.
Oder: der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood.
Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams
Johnny zieht in den Krieg (USA 1971, R.: Dalton Trumbo)
Drehbuch: Dalton Trumbo, Luis Buñuel (ungenannt)
LV: Dalton Trumbo: Johnny got his gun, 1939 (Süß und ehrenvoll; Johnny zieht in den Krieg)
Im Ersten Weltkrieg wird der junge Johnny schwer verletzt. Ohne Arme und Beine, blind, taub und stumm wird er im Krankenhaus zum Versuchtstier von Ärzten und Johnny versucht sein Leiden zu begreifen.
Sehr selten gezeigter Antikriegsklassiker, der damals bei der europäischen Kritik (unter anderem Spezialpreis der Jury und Großer Preis der Kritik in Cannes) gut ankam. In den USA nicht so. .
mit Timothy Bottoms, Kathy Fields, Marsha Hunt, Jason Robards, Donald Sutherland
Drehbuch: Alain Delon, Jean Curtelin, Jacques Deray
LV: Gilles Perrault: Le dérapage, 1987 (Doppelmord in der Avenue Victor Hugo)
Nachdem Anwalt Durand einen Freispruch für seinen Mandanten, der seine Eltern bestialisch ermordet haben soll, kommen ihm Zweifel an dessen Unschuld. Während eines nächtlichen Gesprächs will Durand die Wahrheit herausfinden.
Spannendes Psychoduell, das zwar mit einer arg hypothetischen Prämisse (Warum sollte sich der Anwalt darum kümmern, ob sein Mandant schuldig oder unschuldig ist?) beginnt und ein starkes 80er-Jahre Flair hat, aber mit Manuel Blanc eine echte Entdeckung liefert.
Endlich, der %&##§$% Wahlkampf ist vorbei und Deutschlands bester Hauptstadtsender liefert die Wahlergebnisse. Bis 21.00 Uhr ohne große Unterbrechungen (Abendschau und Tagesschau zählen nicht wirklich), danach gibt’s eine kurze Pause und ab 23.30 Uhr werden weitere Ergebnisse geliefert.
Wetten, dass alle Politiker erklären, dass sie gewonnen haben?
Wetten, dass die Piraten nicht wissen, was sie sagen sollen?
Frank James, der inzwischen ganz friedliebender Farmer ist, erfährt, dass Bob Ford, der Mörder seines Bruders Jesse, freigesprochen wurde. Er beschließt, Jesses Mörders zu töten.
Fritz Langs erster Farbfilm und Western, der mit der historischen Wirklichkeit nicht allzuviel zu tun hat. Danach drehte er noch zwei weitere Western: „Western Union“ (Überfall der Ogalalla) und „Rancho Notorious“ (Engel der Gejagten).
Eine feine Räuberpistole
mit Henry Fonda, Gene Tierney, Jackie Cooper, Henry Hull, John Carradine
Beginnen wir mit der guten Nachricht: Sie müssen sich keine Sorge um ihre Rente machen. Auch nicht, ob Sie im Alter gut gepflegt werden.
Und nun die schlechte: Wie eine Texttafel am Anfang des deutsch-schweizerischen Science-Fiction-Films „Hell“ (schön doppeldeutiger Titel) informiert, geht 2016 sowieso alles den Bach runter, die Sonne verwandelt Europa in eine Steppenlandschaft, die die Sahara wie das blühende Leben aussehen lässt, die meisten Menschen sind tot und an die Sozialsysteme denkt sowieso niemand mehr. Bankenkrise und Griechenland-Rettung sind auch Schnee von gestern. Schließlich ist unsere heißgeliebte Zivilisation zusammengebrochen und es herrscht das Recht des Stärkeren.
Im Mittelpunkt des Films steht eine Gruppe von jungen Menschen: Marie (Hannah Herzsprung), die ihre zwölfjährige Schwester Leonie (Lisa Vicari) beschützt, deren Fahrer Phillip (Lars Eidinger) und Tom (Stipe Erceg), den sie an einer verlassenen Tankstelle treffen.
Gemeinsam wollen sie in die Berge. Denn dort soll es Wasser geben.
Auf ihrem Weg treffen sie eine Bäuerin (Angela Winkler). Die nimmt Marie, die nach einem Zusammenstoß mit einer Verbrecherbande, allein ist, auf. Die große Bauernfamilie auf dem einsam gelegenen Hof gibt sich betont freundlich, bis Marie das Geheimnis des Clans entdeckt und sie sich gegen die ihr zugedachte Rolle wehrt.
Tim Fehlbaum hat in seinem Debütfilm so vieles richtig gemacht, dass man eigentlich nur noch an einigen Kleinigkeiten, wie der arg knappen Charakterisierung der Protagonisten, dem manchmal nicht stringentem Verhalten der Protagonisten gegenüber den Sonnenstrahlen und dem letzten Drittel, das tief, aber spannend, in die Kiste des Backwood- und Survival-Horrors greift, herummäkeln kann.
Dagegen steht Fehlbaums kluge Entscheidung, sich wirklich auf das Genre einzulassen und, wenn auch wenig überraschend entlang den Konventionen des postapocalyptischen Science-Fiction-Films, eine stringente Geschichte über eine Gruppe von Menschen in einer Extremsituation zu erzählen.
Er hat ein Gespür für Stimmungen. Der Bildaufbau überzeugt. Die Vision der heißen Zukunft, in der in Europa alles verdorrt ist, wird mit bedrückend-eindrücklichen, meist überbelichteten Bildern (ein einfacher, aber effektvoller Trick) gezeichnet. Die wenigen Dialoge sind nicht zum Weglaufen. Sowieso erzählt Fehlbaum seine Geschichte, wie es sich für einen Kinofilm gehört, in erster Linie über die Bilder.
So wirkt „Hell“ öfters wie der Bastard-Bruder des in philosophischer Sicht beeindruckenderen SF-Films „The Road“. Aber John Hillcoat hatte für seinen Film auch eine Vorlage von Cormac McCarthy.
Dafür hat Fehlbaum Angela Winkler, die als tiefgläubige Bäuerin wie die Wiedergeburt von Hannibal Lecter im Rock erscheint.
Insgesamt ist „Hell“ ein beeindruckendes Debüt, das zeigt, dass auch in Deutschland Science-Fiction-Filme gedreht werden können, die ihr schmales Budget (im Vergleich zu einer Hollywood-Produktion) mit guten Ideen ausgleichen. Nach Südafrika („District 9“) und England („Moon“) zeigt jetzt Deutschland, dass im Moment die interessantesten Science-Fiction-Filme von den Rändern kommen und, wenn es für uns dumm läuft, dreht Fehlbaum, wie einige andere hoffnungsvolle deutsche Nachwuchsregisseure, die hier kein Geld für ihre Filme erhielten, seinen nächsten Film in Hollywood.
Kurz gesagt: „Hell“ ist ein absolut sehenswerter Science-Fiction-Film. Auch ohne den patriotischen Bonus.
Hell (Deutschland/Schweiz 2011)
Regie: Tim Fehlbaum
Drehbuch: Tim Fehlbaum, Oliver Kahl, Thomas Woebke
Bretagne: Ein zehnjähriges Mädchen wird erdrosselt und vergewaltigt gefunden. Für die Kommissarin Lesage ist der Hauptverdächtige der erfolglose Zeichenlehrer der Ermordeten. Während sich der Verdächtige immer mehr zurückzieht, beginnt seine Frau für ihn zu kämpfen.
Eine weitere gelungene Zusammenarbeit des Teams Barski/Chabrol. In diesem ruhigen Provinzkrimi geht es um die verschiedenen Formen von Lüge.
Mit Sandrine Bonnaire, Jacques Gamblin, Antoine de Caunes, Valeria Bruni Tedeschi, Bernard Verley, Bulle Ogier
Ein beliebter Sportlehrer in einem Nobelort in Florida weist die sexuellen Avancen einer reichen Schülerin zurück. Danach behauptet sie, er habe sie vergewaltigt. Die Polizei glaubt ihr nicht, bis eine zweite Schülerin den gleichen Vorwurf erhebt.
Und das ist nur eine der ersten überraschenden Wendungen in diesem kleinen Thriller, bei dem die Stars lustvoll ihr Image ausfüllen, gegen es anspielen und sich (und uns) letztendlich fast ständig belügen. Denn in „Wild Things“ ist, unter der Sonne Floridas, nichts so wie es scheint. Eine schöne „Sommernachtsfantasie“.
Mit Kevin Bacon, Matt Dillon, Neve Campbell, Theresa Russell, Denise Richards, Robert Wagner, Bill Murray
Polizeiruf 110: Er sollte tot (D 2006, R.: Dominik Graf)
Drehbuch: Rolf Basedow
Die junge Prostituierte Maria ermordet den Rentner Waller. In dem Verhör will Kommissar Tauber herausfinden, warum sie das tat.
Für sein Drehbuch stützte Rolf Basedow sich auf die Protokolle eines wahren Falles aus Schleswig-Holstein. Und Dominik Graf inszenierte das Zusammentreffen zwischen dem ruppigen, einarmigen Kommissar Tauber und der jungen Mörderin mit seiner gewohnten Meisterschaft.
Dominik Graf und Rolf Basedow sind nach „Sperling und das Loch in der Wand“, „Sperling und der brennende Arm“ und „Hotte im Paradies“ ein erprobtes Team für erstklassige Unterhaltung. Zuletzt arbeiteten sie bei der TV-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ zusammen.
Fegefeuer der Eitelkeiten (USA 1990, R.: Brian De Palma)
Drehbuch: Michael Cristofer
LV: Tom Wolfe: The Bonfire of the Vanities, 1987 (Fegefeuer der Eitelkeiten)
Ein Yuppie überfährt nachts einen Afroamerikaner und alle haben endlich die Story ihres Lebens.
Damals zu Unrecht verrissene und geflopte eigenständige Verfilmung eines grandiosen Buches über New York, die Achtziger, Ehrgeiz, Yuppies, Schwarze, Bürgermeister und – in diesem Sumpf niederer Gelüste – ein Richter als moralische Instanz. Noir im Gewand von Satire, Sittenbild und hoher Literatur.
Michael Cristofer schrieb auch das Drehbuch zu „Die Hexen von Eastwick“, zur vor Ewigkeiten geplanten und inzwischen auf unbekannte Zeiten verschobenen Michael Connelly-Verfilmung „Im Schatten des Mondes“ (Void Moon) und zum in Planung befindlichen „The Thomas Crown Affair II“ (wieder mit Pierce Brosnan und basierend auf Eric Amblers „Topkapi“). Außerdem drehte er die Cornell Woolrich-Verfilmung „Original Sin“.
Mit Bruce Willis, Tom Hanks, Melanie Griffith, Kim Cattrall, Morgan Freeman, F. Murray Abraham
Die BBC-Dokumentation „The Ascent of Money“ des Harvard Professors Niall Ferguson erhielt 2009 den International Emmy Award als beste Dokumentation. Nach dem Ansehen der dreistündigen deutschen Fassung „Der Aufstieg des Geldes“ erschließt sich mir nicht die Preisvergabe nicht.
Das kann daran liegen, dass die deutsche Fassung aus vier 45-minütigen Episoden besteht. Die ursprüngliche Fassung bestand aus sechs jeweils gut 50-minütigen Episoden; also gute fünf Stunden. Eine neuere, anders geschnittene Fassung besteht aus vier einstündigen Episoden. Tja, und dann gibt es noch von BBC Germany und DCTP erstellte deutsche Fassung, die auf den vier einstündigen Episoden basiert und diese um ein Viertel kürzte.
In dieser Version ist die Argumentation des Wirtschaftshistorikers Ferguson, ohne solides wirtschaftswissenschaftliches Wissen, ziemlich unverständlich und eher verwirrend als erhellend. Denn ein roter Faden ist kaum auszumachen. Ferguson springt von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück, quer über den gesamten Globus; weshalb er ständig und ohne erkennbaren Mehrwert vor exotischer Kulisse steht. Denn bis auf ganz wenige Ausnahme wurde auf Interviews verzichtet. Stattdessen erzählt der Historiker Anekdoten aus der Geschichte des Geldes und der Börse. Mehr der Börse. Er erzählt von den Rothschilds und wie sie Geld verdienten. Er erzählt von der US-Immobilienkrise, dem Niedergang Argentiniens durch Staatsanleihen, der ökonomischen Verbindung zwischen China und den USA (die er „Chimerica“ nennt) und dem Sinn von Versicherungen.
Aber es bleiben Anekdoten, die einerseits viel Wissen voraussetzen (Wer weiß schon, was Derivate sind? Was Anleihen sind?), andererseits dürften sie alle, die das ökonomische Wissen haben und sich etwas für Wirtschaftsgeschichte interessieren, altbekannt sein.
So verschenkt die deutsche, extrem spartanisch ausgestattete Fassung von „Der Aufstieg des Geldes“ die Möglichkeit, einem breiten Publikum unterhaltsam ökonomische Zusammenhänge zu erklären.
Der Aufstieg des Geldes (The Ascent of Money, GB 2009)
Regie: Adrian Penninck
Drehbuch: Niall Ferguson
LV (wenn man so will): Niall Ferguson: The Ascent of Money, 2008 (Der Aufstieg des Geldes)
Castle: Johanna Beckett/Todsicheres Glück (USA 2010, R.: Tom Wright [Johanna Beckett], Emile Levisetti [Todsicheres Glück])
Drehbuch: Will Beall, Shalisha Francis (beide „Johanna Beckett“), Alexi Hawley, Shalisha Francis (beide „Todsicheres Glück“)
Erfinder: Andrew W. Marlowe
Heute gibt’s endlich neue Folgen mit dem sympathisch-egozentrisch-kindsköpfigem Bestsellerautor Richard Castle, der zusammen mit seiner zwangsverpflichteten Muse, Detective Kate Beckett, die ihm das nötige Hintergrundwissen für seine Krimis liefern soll, Mordfälle in New York aufklärt.
Kabel 1 zeigt die neuen Folgen „Johanna Beckett“ und „Todsicheres Glück“ und, direkt im Anschluss ab 22.10 Uhr, die alten Folgen „Gefrorenes Blut“ und „Voodoo“ – und dann, um 00.05 Uhr, als Wiederholung wieder „Johanna Beckett“ und „Todsicheres Glück“ (um 01.00 Uhr).
Das wird ein kurzweiliger Abend. Kabel 1 will in den kommenden Wochen die letzten zwölf Folgen der dritten „Castle“-Staffel zeigen. In den USA startet demnächst die vierte Staffel der erfolgreichen Crimi-Comedy.
In Deutschland erscheint der erste Nikki-Heat-Roman „Heat Wave“ von Richard Castle im März 2012 bei Cross Cult. Für den Mai ist „Naked Heat“ angekündigt. Wie Richard Castle in Interviews zugibt, ist Nikki Heat die fiktionalisierte Version von Kate Beckett.
mit Nathan Fillion (Richard Castle), Stana Katic (Kate Beckett), Susan Sullivan (Martha Rodgers), Molly C. Quinn (Alexis Castle), Jon Huertas (Javier Esposito), Seamus Dever (Kevin Ryan), Ruben Santiago-Hudson (Captain Roy Montgomery), Tamala Jones (Lanie Parish)
Ich kann es kurz machen: Aki Kaurismäkis neuer Film „Le Havre“ ist nach den etwas enttäuschenden „Lichter der Vorstadt“ (zu knappe Dialoge, zu viel ‚going through the motions‘) wieder ein richtig guter Kaurismäki-Film, der in vielem an den „Mann ohne Vergangenheit“ erinnert.
Die in Le Havre spielende Geschichte ist einfach (ein Schuhputzer hilft einem schwarzen Flüchtlingskind – und bald hilft das ganze Viertel den beiden). Die Dialoge und die Inszenierung sind gewohnt knapp. Die Ausstattung erinnert an französische Filme aus den dreißiger, vierziger und fünfziger Jahre und eigentlich fehlt nur noch, dass Jean Gabin um die Ecke schlendert.
Aber Gabin starb bereits 1976. Dafür ist der Francois-Truffaut-Darsteller Jean-Pierre Léaud als Denunziant dabei.
Und wer will, kann sich an den vielen Querverweisen und Zitaten delektieren. Aber man kann „Le Havre“ auch einfach als in einer Gegenwart, die wie die Vergangenheit aussieht, spielendes Märchen sehen. Immerhin hat Aki Kaurismäki dieses Mal, so hat er mir gegenüber in einem Gespräch betont, gleich drei Happy Ends.
Le Havre (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011)
Regie: Aki Kaurismäki
Drehbuch: Aki Kaurismäki
mit André Wilms, Kati Outinen, jean-Pierre Darroussin, Blondin Miguel, Elina Salo, Evelyne Didi, Quoc-Dung Nguyen, Roberto Piazza (aka Little Bob; Denn was wäre ein Kaurismäki-Film ohne Musik?), Jean-Pierre Léaud
Länge: 93 Minuten (Ein Epos! Jedenfalls für Kaurismäki.)
Lord of War – Händler des Todes (USA 2005, R.: Andrew Niccol)
Drehbuch: Andrew Niccol
There are over 550 million firearms in worldwide circulation. That’s one firearm for every twelve people on the planet. The only question is: How do we arm the other 11? (Yuri Orlov)
Einer der wenigen ansehbaren Nicolas-Cage-Filme, die der Schauspieler in diesem Jahrzehnt drehte. Dafür sammelte er in den vergangenen Jahren Razzie-Nominierungen.
In der knalligen Satire „Lord of War – Händler des Todes“ spielt er Yuri Orlov, einen Waffenhändler, der ungefähr jeden Potentaten der Nach-Kalter-Kriegs-Welt mit Waffen beliefert. Der Film erzählt in kurzen Episoden die Geschichte seines märchenhaften Aufstiegs von den Hinterhöfen Little Odessas in die Hinterhöfe der Weltpolitik. Denn mit dem illegalen Waffenhandel kann viel Geld verdient werden.
That was intentional, just to be a little subversive and make almost like a ‘how-to’ film – how to be an arms dealer – and I thought that would be a more interesting way into it than a typical story structure. (Andrew Niccol)
Mit Nicholas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan, Ian Holm, Ethan Hawke
Wiederholung: Freitag, 9. September, 00.35 Uhr (Taggenau! – wegen der FSK-16-Freigabe dürfte dann die Kinoversion laufen)
„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“ steht auf dem DVD-Cover und man möchte hinzufügen, dass es nach dem Krieg nicht besser wird. Denn „5 Days of War“ ist ein Spielfilm, der großzügig von Georgien gefördert wurde. Das legt, unabhängig von der historischen Wahrheit über den georgischen Fünftagekrieg im August 2008, eine bestimmte Sichtweise nahe und wenn dann nach achtzehn Minuten der Journalist Thomas Anders (Rupert Friend) und sein Kameramann Sebastian Ganz (Richard Coyle) erleben müssen, wie russische Jets eine friedliche und betont folkloristische georgische Hochzeitsfeier zerbomben, muss über die Verteilung der Sympathien kein weiteres Wort mehr verloren werden. Dagegen ist die historische Wahrheit; – nun, deutlich komplexer.
Die Bemühungen von Anders, die Bilder von dem Massaker auf der Hochzeit an einen amerikanischen TV-Sender zu verkaufen, scheitern. Zusammen mit Tatia (Emanuelle Chriqui), die in den USA studierte und seit dem Anschlag ihre Eltern vermisst, machen die beiden Reporter sich mit ihr auf die Suche nach ihrer Familie. Denn eine solche Human-Touch-Geschichte ist verkäuflich. Während ihrer Suche begegnen sie dann mehrfach den russischen Soldaten, besonders der von Colonel Demidov (Rade Serbedzija) geleiteten Einheit, und dokumentieren auch die Hinrichtung einer älteren Frau an einem Flussufer. Die Soldaten entdecken sie und wollen die Aufnahme haben. Anders und Ganz gelingt, mit der Hilfe einer georgischen Spezialeinheit, die Flucht. Aber noch sind sie nicht in Sicherheit – und gerade gegen Ende hat man den Eindruck, dass es den Russen nicht mehr um die Besetzung des Landes, sondern um die Tötung der Journalisten geht.
1986 betrat der finnische Regisseur Renny Harlin mit seinem Debütfilm „Born American“ die internationale Bühne. Der Kalte-Kriegs-Actionfilm, wie ihn Hollywood zu dieser Zeit, zwischen „Die rote Flut“ und „Invasion U. S. A.“ auch nicht anders produzierte, wurde in Finnland wegen hetzerischer Tendenzen verboten. Seitdem dreht Harlin, mit wechselndem kommerziellem Erfolg, in Hollywood Action-Filmen der Prä-Michael-Bay-Schule.
Auch „5 Days of War“ funktioniert in erster Linie als weitgehend austauschbarer Kriegsfilm mit einer sanften Liebesgeschichte. Denn in welchem Land gerade Soldaten, Söldner, Freischärler oder Rebellen Zivilisten ermorden ist für die Filmgeschichte ziemlich egal. In „5 Days of War“ sind es, wie in „Born American“, die Russen – und der georgische Präsident (Andy Garcia) präsentiert sich als eine Art Über-Ghandi.
Der Konflikt zwischen Russland und Georgien, über den wir im Film fast nichts erfahren, ist nur der Hintergrund für die eigentliche, fast schon nebenbei gezeigte Botschaft, dass in einem Krieg immer zuerst die Zivilbevölkerung leidet und dass heute die Medien (was vor allem für das Fernsehen gilt) nur noch an Entertainment interessiert sind. Gerade die Medienkritik ist so unterschwellig, dass sie zuerst kaum auffällt und einigen, wenn Anders und Ganz ihre Bilder am Filmende veröffentlichen, die Pointe entgehen könnte.
Eher schon fällt die zwiespältige Rolle von Kriegsreportern auf. Sie sind am Ort der Katastrophe, aber anstatt zu helfen, filmen sie. Und sie wollen einfach nur, mit möglichst spektakulären Bildern, dokumentieren, ohne Partei zu ergreifen. Inwiefern diese Position überhaupt machbar ist, wird in „5 Days of War“ nicht thematisiert. Denn in dem Film ist allen Kriegsreportern die Politik, verstanden als Verhandlungen zwischen Staatsoberhäuptern, herzlich egal. Ihnen geht es einfach nur um möglichst spektakuläre Bilder.
Und da ist Renny Harlin ihr bester Verbündeter. Denn die Bilder sind für eine nach Hollywood-Maßstäben kleine Produktion beeindruckend. Harlin drehte vor Ort in Georgien, teils in Gebieten, in denen die Gefechte stattgefunden hatten, und, dank der Unterstützung des Militärs, konnte er auf eine beeindruckende Menge an Hubschraubern, Panzern und Statisten zurückgreifen. Entsprechend groß sind die zahlreichen Kriegsszenen geraten und, wenn nicht die vielen schlechten CGI-Effekte wären, müssten sie sich auch nicht vor einer Big-Budget-Produktion verstecken.
„5 Days of War“ ist als Kriegsfilm mit humanistischer Botschaft, sanfter Medienkritik und Hohegesang auf die tapferen Kriegsreporter durchaus gelungen. Als Polit-Thriller ist er dagegen ein ziemliches antikommunistisches Desaster. Und insgesamt ist „5 Days of War“ einer von Renny Harlins besten Filmen. Aber was heißt das schon, bei einem Mann, der mit „Stirb langsam 2“ (guter zweiter Teil), „Cliffhanger“ (mit seinem Freund Sylvester Stallone), „Deep Blue Sea“, „Die Piratenbraut“, „Tödliche Weihnachten“ (beide mit seiner damaligen Frau Geena Davis) und „Mindhunters“ (ebenfalls mit Val Kilmer) vor allem als mehr oder wenig glückloser Zweitverwerter mit Hang zu lärmiger Action aufgefallen ist und der in den vergangenen Jahren insgesamt fünf Razzie-Nominierungen erhielt.
Die DVD
Das Bonusmaterial ist quantitativ mit knapp 45 Minuten überzeugend, qualitativ aber bis auf das gut fünfzehnminütige Interview mit Renny Harlin vernachlässigbar. Emmanuelle Chriqui und Johnathon Schaech geben eher belangloses von sich; Val Kilmer (ich schätze mal zwei bis drei Drehtage) läuft einmal kurz ins Bild. Es gibt fünfzehn Minuten unkommentierte „Behind the Scenes“ und den deutschen Trailer.
5 Days of War (5 Days of War, USA 2010)
Regie: Renny Harlin
Drehbuch: Mikko Alanne (nach einem Drehbuch von David Battle)
mit Rupert Friend, Emmanuelle Chriqui, Richard Coyle, Andy Garcia, Val Kilmer, Dean Cain, Johnathon Schaech, Heather Graham, Rade Serbedzija, Antje Traue
–
DVD
Entertainment One
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Englisch, Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch
Bonusmaterial: Cast & Crew Interviews, Behind the Scenes, Trailer
Tatort: Endstation (D 1995, R.: Hagen Mueller-Stahl)
Drehbuch: Günter Lamprecht, Matti Geschonneck
Kommissar Markowitz will sich, auf Bitten eines Anwalts, mit Harald Schäfer unterhalten. Schäfer ist arbeitslos und seine Frau will sich von ihm trennen und das gemeinsame Kind mitnehmen. Als Markowitz mit ihm reden will, dreht er durch und nimmt Markowitz als Geisel.
Das führt dazu, das Markowitz fast während des gesamten Films an eine Heizung gefesselt ist und die Geschichte in einem Zimmer spielt. Trotzdem ist der letzte Markowitz-“Tatort“ ein feiner „Tatort“.
Matti Geschonneck, der die vorherigen Markowitz-“Tatorte“ inszenierte, schrieb dieses Mal nur das Drehbuch.
Tja, damals waren die Berlin-“Tatorte“ wirklich sehenswert und heute sind die acht zwischen 1991 und 1995 entstandenen, selten gezeigten Markowitz-“Tatorte“ eine Chronik Berlin in den Nachwendejahren.
„Endstation“ lief zuletzt vor acht Jahren im TV. Da lohnt sich das Aufnehmen.
mit Günter Lamprecht, Hans Nitschke,Folkert Milster, Hartmut Schreier, Horst Bollmann