DVD-Kritik: Die unbekannte Noir-Perle „Der Mann mit der Narbe“

Februar 17, 2012

„Der Mann mit der Narbe“ ist eine echte Entdeckung. Denn der unbekannte Noir hat eigentlich alles, was das Herz des Noir-Fans begehrt: eine düstere, kafkaeske Geschichte, eine noir-typisch expressionistische Kamera von John Alton und mit Paul Henreid („Casablanca“, „Geheimaktion Crossbow“, „Exorzist II“) und Joan Bennett („Die Frau im Fenster“/“Gefährliche Begegnung“, „Straße der Versuchung“, „Affäre Macomber“, „Wir sind keine Engel“) auch zwei bekannte Namen.

Henreid spielt John Muller, einen Ganoven, der sofort nachdem er aus der Haft entlassen wird, seinen nächsten Coup plant: einen Überfall auf ein Casino. Der Überfall geht schief und er muss, gejagt von dem äußerst rachsüchtigem Casino-Besitzer, flüchten. Muller taucht unter in das von ihm verhasste bürgerliche Leben, bis er zufällig erfährt, dass er, bis auf eine Narbe im Gesicht, wie der Zwillingsbruder von Dr. Bartok aussieht. Muller beschließt, zu Dr. Bartok zu werden.

Dieses Doppelgänger-Motiv und der anschließende Identitätstausch wird schön ausgearbeitet. Das geht sogar so weit, dass Niemand den Tod von Dr. Bartok bemerkt und alle sofort Muller als Bartok akzeptieren, obwohl sie, bis auf das Aussehen zwei gänzlich gegensätzlicher Charaktere sind.

Dass der Plan von Muller dann doch nicht aufgeht, ist natürlich auch Noir-typisch. Denn in einem Noir entgeht niemand seinem Schicksal. Egal, wie sehr er sich auch anstrengt.

Allerdings krankt „Der Mann mit der Narbe“ an einigen ziemlich großen Plotlöchern. Das eine hat mit dem Ende zu tun: denn Dr. Bartok hatte auch Probleme mit Verbrechern. Muller hätte das bei seinen Recherchen über Bartok eigentlich herausbekommen müssen. Auch dass Bartok verheiratet ist. So haben wir immerhin die witzige Szene, in der Muller seine Frau erkennen muss, obwohl er keine Ahnung hat, wie sie aussieht.

Das größte Loch im Plot ist allerdings die Narbe von Bartok: wir sollen glauben, dass Muller, der Bartok beobachtete, sich nicht merkte, auf welcher Wange die Narbe ist und er sich dann die falsche Wange aufschlitzt.

Das nimmt dem Film einiges von seiner Kraft. Aber das Erzähltempo stimmt, die Geschichte ist, auch für einen Noir, sehr düster und hoffnungslos und die Kamera von John Alton, der etliche Noirs drehte (zu seinen Filmen gehören: „Geheimagent T“, „Schritte in der Nacht“, „Tödliche Grenze“, „Der Richter bin ich“, „Geheimring 99“, „Elmer Gantry“, und, obwohl nicht genannt, „Der Gefangene von Alcatraz“), ist sehr einfallsreich. Es vergeht kaum eine Minute ohne eine ungewöhnliche Perspektive, eine interessante Szenenauflösung und ein expressionistisches Bild, das man sich am liebsten als Plakat an die Zimmerwand heften würde. Auf optischer Ebene ist „Der Mann mit der Narbe“ ein kleines Film-Noir-Lexikon.

Das macht, trotz Story-Schwächen, den „Mann mit der Narbe“ zu einer kleinen Noir-Perle, die in der schön ausgestatteten „Film Noir Collection“ (es gibt eine Bildergalerie und ein informatives Booklet) veröffentlicht wurde und eindeutig zu den besseren Filmen der in jeder Hinsicht überzeugenden Collection gehört.

Andere Meinungen

„Kolportagehafter Krimi.“ (Lexikon des internationalen Films)

„An extraordinarily bleak film. Alton’s touches of genius include camera tracks round a table of Muller and his cronies; the tension-filled casino hold-up, and the archetypically noir image of Muller silently awaiting his fate in his squalid hotel room, intermittently lit by a flashing neon sign.“ (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir)

„In the world of noir, fate plays a pivotal role, and that is never clearer than in the surprisingly good noir film The Scar (AKA Hollow Triumph).“ (Guy Savage, Noir of the Week)

„Quickly paced, the dense narrative and an almost documentary-like cinematography make Hollow Triumph although not a major, but certainly an unjustly overlooked, film noir. Best of all is the film’s Macbethian-ending, reminiscent of Quai des brumes (Marcel Carne, 1939).“ (Martin S., Film Talk)

Der Mann mit der Narbe (Hollow Triumph, USA 1948)

Regie: Steve Sekely
Drehbuch: Daniel Fuchs
LV: Murray Forbes: Hollow Tr
iumph, 1946

mit Paul Henreid, Joan Bennett, Eduard Franz, Leslie Brooks, John Qualen, Mabel Paige, Herbert Rudley, Charles Arnt, George Chandler, Jack Webb (der Erfinder von „Dragnet“/“Polizeibericht Los Angeles“)

alternativer Titel in England „The Scar“

–

DVD

Koch Media (Film Noir Collection 8)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet von Thomas Willmann, Bildergalerie

Länge: 80 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über „Der Mann mit der Narbe“

Turner Classic Movies über „Der Mann mit der Narbe“

Noir of the Week: Guy Savage über „Der Mann mit der Narbe“

Film Noir: Tony D’Ambra über „Der Mann mit der Narbe“

Film Talk über „Der Mann mit der Narbe“

Mordlust über „Der Mann mit der Narbe“

Internet Archive: der komplette Film (Public Domain; zur Bildqualität kann ich im Moment nichts sagen)


TV-Tipp für den 17. Februar: Tatort: Platt gemacht

Februar 17, 2012

ARD, 21.45

Tatort: Platt gemacht (D 2009, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Stefan Cantz, Jan Hinter

In Köln wird ein Obdachloser mit Frostschutzmittel vergiftet. Die Kommissare Ballauf und Schenk ermitteln im Milieu.

Sehr unterhaltsamer Kölner-Tatort, der erfrischend undidaktisch (Wir reden vom Kölner Tatort) daherkommt und Udo Kier als Penner ist auch die halbe Miete.

Bei pulp master sind jüngst Buddy Giovinazzos neuester Roman “Piss in den Wind” und die Wiederveröffentlichung von “Cracktown” erschienen. Das sind wirklich gute Nachrichten für die Noir-Fans.
mit Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Joe Bausch, Udo Kier, Christian M. Goebel, Michael Schenk, Catherine Flemming, Peter Millowitsch

Hinweise

Wikipedia über Buddy Giovinazzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Buddy Giovinazzo

One Road.Endless Possibilities: Interview mit Buddy Giovinazzo (21. Februar 2011, deutsch)

Meine Besprechung von Buddy Giovinazzos “Cracktown” (Life is hot in Cracktown, 1993)

Buddy Giovinazzo in der Kriminalakte

Tatort-Fundus über das Team Ballauf/Schenk


Neu im Kino/Filmkritik: „Gefährten“ oder Ein Pferd stolpert durch den Ersten Weltkrieg

Februar 16, 2012

Im Gegensatz zu Martin Scorsese, der erst jetzt mit „Hugo Cabret“ seinen ersten Kinderfilm drehte, hat Steven Spielberg in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Filme gedreht, die sich explizit auch an ein jüngeres Publikum richteten. „E. T.“, „Hook“ (Hat den jemand gesehen?) und, zuletzt „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ wären zu nennen. Auch „Gefährten“ ist ein Kinderfilm für die schon etwas älteren Kinder mit einigen unpassenden Kriegsszenen, die eher an Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ erinnern.

Im Mittelpunkt seines neuesten Films steht das Pferd Joey. Bei einer Pferdeauktion wird der Hengst von Ted Narracott (Peter Mullan) ersteigert. Seine Frau (Emily Watson, hauptsächlich still leidend und überaus verständnisvoll) ist entsetzt über den hoffnungslos überteuerten Kauf eines für die Landarbeit vollkommen untaugliches Pferdes, das sie in den Ruin stürzen kann. Ihr Sohn Albert (Jeremy Irvine in seinem Spielfilmdebüt), der von Pferden ungefähr soviel Ahnung hat wie ich (nämlich keine), will Joey erziehen und bis zum Beginn des ersten Weltkriegs gelingt ihm das auch prächtig. Dann, nachdem der Film schon ungefähr eine Stunde läuft, erlebt Joey auf dem Kontinent zwischen den Fronten viele Abenteuer, die strikt chronologisch erzählt werden und zwischen Kriegsgräuel und Kitschmelodram pendeln. Spielberg hatte hier wahrscheinlich eine modernisierte Variante von Anthony Manns Western-Klassiker „Winchester 73“, über ein Gewehr, das mehrmals seinen Besitzer wechselt, im Sinn. Aber bestenfalls ist eine im Krieg spielende Variante von „Lassie“ herausgekommen, in dem anstelle eines Hundes ein Pferd versucht wieder nach Hause zu kommen.

Auch Albert hat sich freiwillig verpflichtet und er erlebt die Schrecken des Ersten Weltkriegs als Kanonenfutter in den Gräben des Stellungskrieges.

Dagegen trifft Joey überall auf Pferdeliebhaber und die Absurdität der Geschichte, in der ein Pferd wichtiger als einige Kompanien toter, sterbender oder schwer verletzter Soldaten sind, erreicht ihren Höhepunkt, als Joey sich zwischen den Fronten im Stacheldraht verfängt, extra für die Befreiung des Pferdes eine Kampfpause eingelegt wird und, als der deutsche und der englische Soldat mit ihrer Befreiungsaktion nicht weiterkommen, fliegen ihnen die Bolzenschneider zum Durchschneiden des Drahtes gleich im Dutzend zu. Dass daneben vielleicht noch einige Kameraden im Matsch verrecken, interessiert die Macher nicht. In diesen Momenten will man nicht glauben, dass Spielberg auch „Schindlers Liste“ inszenierte.

Doch schon vor dem Krieg gibt es Szenen von so überirdischer Absurdität, dass man ziemlich fassungslos das Geschehen beobachtet. Denn Joey ist nicht einfach nur ein Pferd, sondern überall das beste Pferd, das sogar einen steinigen Acker in ein fruchtbares Felder verwandeln kann, indem es die Steine unterpflügt und mit dem Pflug einfach in der Mitte zerschneidet. Das ist dann doch etwas zu viel kreative Freiheit.

Und, im Gegensatz zu Martin Scorsese, der nie in Kitsch-Verdacht gerät, hat Steven Spielberg immer auch einen Hang zum süßlichen Kitsch und dem glorifizieren von Familienwerten, die er in „Gefährten“ hemmungslos austobt. Ohne den Hauch einer ironischen Brechung liefert er, so sehr auch einzelne Szenen in sich funktionieren und gelungen sind, letztendlich, abgesehen von den nicht in den Film passenden Kriegsszenen, ziemlich ungenießbaren und überlangen Over-the-Top-Disney-Kitsch, garniert mit fotogenen Sonnenuntergängen, ab.

Gerade im direkten Vergleich zu „Hugo Cabret“ ist „Gefährten“ ein erschreckend schlechter Film.

Gefährten (War Horse, USA 2011)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Lee Hall, Richard Curtis

LV: Michael Morpurgo: War Horse, 1982 (Schicksalsgefährten; Roman und Theaterstück [2007])

mit Peter Mullan, Emily Watson, David Thewlis, Niels Arestrup, Tom Hiddleston, Jeremy Irvine, Benedict Cumberbatch, Toby Kebbell, Celine Buckens, Rainer Bock, David Kross, Eddie Marsan, Hinnerk Schönemann

Länge: 146 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Gefährten“

Rotten-Tomatoes über „Gefährten“

Wikipedia über „Gefährten“ (deutsch, englisch)

Homepage von Michael Morpurgo

 


TV-Tipp für den 16. Februar: The Good German – In den Ruinen von Berlin

Februar 16, 2012

ZDF, 01.00

The Good German – In den Ruinen von Berlin (USA 2006, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Paul Attanasio

LV: Joseph Kanon: The Good German, 2001 (In den Ruinen von Berlin)

Als der in Schwarzmarktgeschäfte verwickelte Fahrer des US-JOurnalisten Jake Geismar umgebracht wird und die Alliierten den Mord nicht aufklären wollen, beginnt er auf eigene Faust den Mörder zu suchen.

Soderbergh verfilmte den Roman im Noir-Stil der vierziger Jahre. “The Good German” unterscheidet sich dann auch nicht von einem damaligen Hollywood-Film. Nur wer braucht das heute?

Mit George Clooney, Tobey Maguire, Cate Blanchett, Beau Bridges

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Good German“

Wikipedia über Joseph Kanon (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)


TV-Tipp für den 15. Februar: Bienzle und das Narrenspiel

Februar 15, 2012

WDR, 22.55

TATORT: Bienzle und das Narrenspiel (D 1994, R.: Hartmut Griesmayr)

Drehbuch: Felix Huby

LV: Felix Huby: Bienzle und das Narrenspiel, 1988

Bienzle möchte seiner Hannelore die Ravensburger Fastnacht zeigen. Als ein Mord geschieht und der nach Bienzles Meinung unschuldige Behle inhaftiert wird, muss er den wahren Täter suchen.

Der dritte Bienzle-Tatort ist ein, mit viel Lokalkolorit gewürzter, spannender Fall. Ein großer Teil der Dreharbeiten fand in Ravensburg während der Fastnachts-Tage statt.

Unverständlich, dass dieser Fastnachtskrimi zuletzt vor fünf Jahren im TV lief.

Mit Dietz Werner Steck, Rita Russek, Robert Atzorn, Ulrich Matschoss

Hinweise

Homepage von Felix Huby

Meine Besprechung von Felix Hubys „Fast wie von selbst – Ein Gespräch mit Dieter de Lazzer“ (2008)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Null Chance” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Bienzle und das ewige Kind” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys „Adieu, Bienzle“ (2011)


TV-Tipp für den 14. Februar: Im Schatten

Februar 14, 2012

3sat, 20.15

Im Schatten (D 2010, R.: Thomas Arslan)

Drehbuch: Thomas Arslan

Profigangster Trojan, gerade aus dem Knast entlassen, plant gleich seinen nächsten Coup: einen Überfall auf einen Geldtransporter.

Ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.

Ein erfrischend undeutscher Kriminalfilm, den sich auch Genrejunkies ohne Fremdschäm-Anfälle ansehen können.

mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Petr Kurth, David Scheller

Wiederholung: Mittwoch, 15. Februar, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Schatten“

taz: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten” (6. Oktober 2010)

Film-Dienst: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten”

Meine Besprechung von Thomas Arslans „Im Schatten“


TV-Tipp für den 13. Februar: Geraubte Küsse

Februar 13, 2012

Arte, 22.10

Geraubte Küsse (F 1968, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut, Claude de Givray, Bernard Revon

Nachdem Antoine Doinel unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde, umwirbt er seine Freundin Christine und versucht sich in verschiedenen Berufen. Er ist Portier, Detektiv, Schuhverkäufer und immer ein Träumer und Frauenliebhaber.

In seinem Debütfilm „Sie küssten und sie schlugen ihn“ erzählte Truffaut von den Jugendjahren Antoine Doinels. In „Antoine und Colette“ von seiner ersten Liebe. In „Geraubte Küsse“ von der Suche nach seiner ersten Frau. In „Tisch und Bett“ von seinen ersten Ehejahren. Und in „Liebe auf der Flucht“ von seiner Scheidung.

Alle Doinel-Filme leben von Jean-Pierre Léauds Darstellung, den wiederkehrenden Gaststars, die so die über zwei Jahrzehnte erzählte fiktiven Biographie glaubwürdig machten.

mit Jean-Pierre Léaud, Claude Jade, Michel Lonsdale, Delphine Seyring

Wiederholung: Freitag, 17. Februar, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Arte über Francois Truffaut

Kriminalakte über Francois Truffaut

–

Bonushinweis

Bei Studiocanal/Arthaus erschien die DVD mit dem Antoine-Doinel-Kurzfilm „Antoine und Colette“ aus dem Jahr 1962. In dem Film, der zu dem Gruppenfilm „Liebe mit Zwanzig“ gehört (das war damals eine beliebte, künstlerisch meistens enttäuschende Idee, bei der mehrere Kurzfilme von bekannten Regisseuren zu einem Film zusammengefügt und dann als Kinofilm ausgewertet wurden), erzählt Truffaut von Antoine Doinels erster Liebe, die er 1979 in dem letzten Antoine-Doinel-Film „Liebe auf der Flucht“ wieder trifft.

Zu beiden Filmen gibt es kurze Einführungen von Truffaut-Biograf Serge Toubiana. Der Unterstützungsspot von Francois Truffaut und Jean-Luc Godard für Henri Langlois, den für viele Regisseure der Nouvelle Vague wichtigen Leiter der Cinémathèque, der während der Dreharbeiten für „Geraubte Küsse“ entlassen wurde, ist ebenfalls vorhanden.


TV-Tipp für den 12. Februar: Surrogates – Mein zweites Ich

Februar 12, 2012

Pro 7, 20.15

Surrogates – Mein zweites Ich (USA 2009, R.: Jonathan Mostow)

Drehbuch: Michael Ferris, John Brancato

LV: Robert Venditti/Brett Weldele: The Surrogates, 2006/2009 (The Surrogates)

In naher Zukunft: Surrogate übernehmen die Drecksarbeit, während sie von Menschen, die nicht mehr ihre Wohnungen verlassen, gesteuert werden. Als bei einem Attentat auch der Mensch, der das Surrogat steuerte, stirbt, beginnt Agent Greer in einer Welt, in der es keine Morde (und auch keine anderen Verbrechen) mehr gibt und man nicht unterscheiden kann, ob man mit einem Menschen oder einem Surrogat redet, mit der Mördersuche.

Unter dem Deckmantel einer actionhaltigen Whodunit-Geschichte behandelt die tolle Graphic Novel „The Surrogates“ von Robert Venditti und Brett Weldele auch philosophische Fragen, wie was das Menschsein ausmacht und welche Realität wir wollen: die geschönte aus der Werbung oder die ungeschönte.

Die mit knapp neunzig Minuten (mit Abspann!) ungewöhnlich kurze Verfilmung (Hach, man möchte schon wissen, was da los war.) ist nur noch die Bruce-Willis-Version der freien Isaac-Asimov-Verfilmung „I, Robot“ aus. Also „Stirb langsam, Roboter“.

Da wäre mehr drin gewesen.

mit Bruce Willis, Radha Mitchell, Rosamund Pike, James Cromwell, Ving Rhames

Wiederholung um 23.45 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Surrogates“

Rotten Tomatoes über „Surrogates“

Wikipedia über „Surrogates“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Jonathan Mostow zu „Surrogates“

Meine Besprechung von Robert Venditti/Brett Weldeles „The Surrogates“


TV-Tipp für den 11. Februar: Der blaue Engel

Februar 11, 2012

3sat, 20.15

Der blaue Engel (D 1930, R.: Josef von Sternberg)

Drehbuch: Robert Liebmann, Carl Zuckmayer, Karl Vollmöller

LV: Heinrich Mann: Professor Unrat, 1905

Lehrer Rath verliebt sich in die Nachtclubsängerin Lola Lola. Schnell darauf beginnt sein gesellschaftlicher Abstieg.

Ein UFA-Klassiker aus der Zeit, als Babelsberg das Zentrum des deutschen Films war. „Der blaue Engel“ war ein Kassenschlager und gilt heute als einer der Klassiker des Films. Marlene Dietrich setzte danach ihrer Karriere in Hollywood fort.

„Der von [Produzent Erich] Pommer lancierte Film entstand übrigens sozusagen hinter dem Rücken der UFA-Gewaltigen, für die Heinrich Mann natürlich ein suspekter Autor war. Dieser fand nach einer ersten Voraufführung den Film durchaus akzeptabel. ‚Gerade ein wirklicher Roman ist nicht ohne weiteres verfilmbar. Er hat viele Seiten, und nur eine ist dem Film zugewendet. Er muss richtig gedreht werden. Das ist hier meines Erachtens auch geschehen’, schrieb er 1930 an K. Lemke.“ (Barbara Rogall, Film-Blätter 1974)

Die Musik ist von Friedrich Holländer. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wurde ein Gassenhauer; „Nimm dich in acht vor blonden Frauen“, „Ich bin die fesche Lola“ und „Kinder, heut abend, such ich mir was aus“ sind nicht so bekannt.

Und die Vorlage, Heinrich Manns grandiose Satire auf den Wilhelminismus und die spießbürgerliche Doppelmoral, ist ein Klassiker der deutschen Literatur. Die Geschichte ist heute (im Gegensatz zu “Der Untertan”) etwas veraltet, aber dank der Sprache fesselt sie heute immer noch. Hier sind die ersten Zeilen des lesenswerten Romans:

„Da er Raat hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat. Nichts konnte einfacher und natürlicher sein. Der und jener Professor wechselten zuweilen ihr Pseudonym. Ein neuer Schub Schüler gelangte in die Klasse, legte mordgierig eine vom vorigen Jahrgang noch nicht genug gewürdigte Komik an dem Lehrer bloß und nannte sie schonungslos beim Namen. Unrat aber trug den seinigen seit vielen Generationen, der ganzen Stadt war er geläufig, seine Kollegen benutzten ihn außerhalb des Gymnasiums und auch drinnen, sobald er den Rücken drehte.“

Mit Emil Jannings, Marlene Dietrich, Kurt Gerron, Rosa Valetti, Hans Albers

Hinweise

Wikipedia über “Der blaue Engel”

Die Zeit: Volker Schlöndorff über “Der blaue Engel”

Deutsche Marlene-Dietrich-Seite über “Der blaue Engel”

Englische Marlene-Dietrich-Seite über “Der blaue Engel”

Filmstarts über “Der blaue Engel”

Kindlers Neues Literaturlexikon über Heinrich Manns “Professor Unrat”


Neu im Kino/Filmkritik: Wüste, Wüste, Wüste, viele Statisten, einige Stars und irgendwo ist das „Black Gold“ versteckt

Februar 9, 2012

Wüste, verfeindete Beduinenstämme, der beginnende Ölboom, tapfere Krieger, schöne Frauen, Kämpfe und Intrigen. Das klingt doch nach einem zünftigem Abenteuerfilm, den man sich wegen der Schauwerte im Kino ansehen sollte. So wie sich unsere Eltern (oder Großeltern) vor fünfzig Jahren David Leans „Lawrence von Arabien“ angesehen haben.

Jean-Jacques Annauds „Black Gold“ spielt allerdings in einer anderen Liga. Er erzählt, hm, die Geschichte von Prinz Auda (Tahar Rahim), der als Kind von Nesib, dem Emir von Hobeika (Antonio Banderas), als Faustpfand in Pflege genommen wurde. Denn Nesib hat sich mit Amar, dem Sultan von Salmaah (Mark Strong), auf einen fragilen Frieden geeinigt. Zwischen den beiden Stämmen soll ein Stück Wüste zum Niemandsland, das keinem Stamm gehört, werden. Damit Amar sich auch wirklich an den Friedensvertrag hält, nimmt Nesib dessen Söhne mit und würde sie, bei einer Vertragsverletzung, töten.

Als zwölf Jahre später eine texanische Ölfirma in genau diesem Niemandsland Öl entdeckt und es fördern will, gestattet Nesib, der viel Geld und damit in jeder Beziehung einen Fortschritt für sich und seinen Stamm wittert, die Förderung. Amar will dagegen das Niemandsland, entsprechend ihrem Friedensvertrag, als unberührtes Niemandsland belassen.

Nesib, der intrigant und bauernschlau ist (und sich damit für die Rolle des Bösewichts qualifiziert), verheiratet zuerst Auda mit seiner Tochter, Prinzessin Leyla (Freida Pinto), und schickt ihn anschließend zu Amar. Er soll seinen Vater überzeugen, die Ölforderung zuzulassen.

Allerdings hat Nesib nicht bemerkt, dass der Bücherwurm Auda ein eigenständiger Denker ist, der schon Pläne für die Zukunft des Landes entwickelt (auch er will, wie wir im Lauf des Films erfahren, dass die Beduinen die westlichen Errungenschaften bekommen), ein großer Krieger ist (er weiß, wie man Panzer in der Wüste besiegt) und seit Kindheitstagen in Leyla verliebt ist. Also eigentlich will Auda genau das tun, wozu Nesib ihn zwingen will. Außer natürlich, dass er dafür gegen Nesib kämpfen muss, weil dieser glaubt, dass Auda sich auf die Seite seines Vaters Amar geschlagen hat.

Und so entfaltet sich in der Wüste ein längliches Drama, das über weite Teile einfach nur Dummheit bei der Arbeit beobachtet und einen schon peinlichen Fortschrittsoptimismus huldigt, der, als Hans Ruesch seinen Roman „Der schwarze Durst“ in den Fünfzigern veröffentlichte, noch die Mehrheitsmeinung wiedergab. Heute hätte man auch wenigstens andeuten müssen, wohin die arabische Ölförderung führte.

Aber dann hätte man auch ein komplexeres Drehbuch haben müssen, das die Rollen von Gut (unser jugendlicher Held Auda), Böse (der intrigante Nesib) und konservativer Vergangenheitsglorifizierung (der Fortschrittsverweigerer Amar) nicht so plakativ verteilt und andere Finanziers gebraucht.

So sieht der von Tarak Ben Ammar und dem Emirat Katar (genaugenommen dem Doha Film Institute) finanzierte Film wie eine arabische Auftragsproduktion aus, die primär an einer Verklärung der Vergangenheit und, damit verbunden, einer Lobhuddelei auf die aktuellen Machthaber interessiert ist.

1975 produzierte Tarak Ben Ammar Claude Chabrols in Deutschland nicht verliehenen „Die Schuldigen mit den sauberen Händen“ (Les Magiciens) mit Franco Nero, Gert Fröbe, Jean Rochefort, Stefania Sandrelli, Gila von Weitershausen und dem Touristenhotel „Dar Djerba“. Chabrol sagte, er halte das Werk für einen seiner schlechtesten Filme und er habe ihn nur wegen der besonders günstigen Finanzierungsbedingungen gedreht.

Bei „Black Gold“ könnte es ähnlich sein. Denn eigentlich müssten Jean-Jacques Annaud („Am Anfang war das Feuer“, „Im Namen der Rose“, „Sieben Jahre im Tibet“), Antonio Banderas (zuletzt „Die Haut in der ich wohne“) und Mark Strong (tief Luft holen: „Dame, König, As, Spion“, „The Guard“, „The Way Back“, „Sherlock Holmes“, „Kick-Ass“, „Der Mann, der niemals lebte“, „RocknRolla“ und, uh, auch „Green Lantern“) sich nicht für so ein Werk hergeben.

Black Gold (Black Gold, Frankreich/Katar 2011)

Regie: Jean-Jacques Annaud

Drehbuch: Menno Meyjes, Jean-Jacques Annaud (Adaption), Alain Godard (Adaption)

LV: Hans Ruesch: The Great Thirst, 1957 (anscheinend auch als „South of the heart“ und „The Arab“ veröffentlicht. Deutscher Titel „Der schwarze Durst“)

mit Tahar Rahim, Freida Pinto, Antonio Banderas, Mark Strong, Riz Ahmed, Jamal Awar, Lotfi Dziri, Eriq Ebouaney, Mostafa Gaafar, Akin Gazi, Ziad Ghaoui , Corey Johnson, Liya Kebede

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Black Gold“

Rotten Tomatoes über „Black Gold“

Wikipedia über „Black Gold“

 


TV-Tipp für den 10. Februar: Paul is dead

Februar 9, 2012

ZDF Kultur, 20.15

Paul is dead (D 2000, R.: Hendrik Handloegten)

Drehbuch: Hendrik Handloegten

Während des Sommers 1980 in der bundesdeutschen Provinz glaubt der 13-jährige Beatles-Fan Tobias, dass der Mörder von Paul McCartney (denn McCartney starb 1966 und wurde durch einen Doppelgänger ersetzt) bei ihnen aufgetaucht ist.

Ein wunderschöner Coming-of-Age-Film, der einige populäre Verschwörungstheorien zitiert und ein halbes Beatles-Lexikon ersetzt.

Weil für den Film die originalen Beatles-Lieder benutzt werden mussten (Hey, ein Film über fanatische Beatles-Fans und dann werden im Film die Beatles-Songs von einer x-beliebigen Cover-Band gespielt oder es wird eine spätere oder eine alternative Aufnahme verwendet; – das würde nur zu berechtigten Wutanfällen der Beatles-Fans führen) und der deshalb auch nie im Kino lief und nicht auf DVD erscheinen wird. Denn die TV-Sender haben mit der Gema einen Vertrag, der es ihnen für TV-Filme gestattet, auf Musikstücke zurückzugreifen. Für jede andere Verwendung müssten die Musikrechte eingekauft werden.

Auf dem Symposium „Verbotene Filme“ der Deutschen Kinemathek erzählte Handloegten noch einige weitere Hintergründe, warum der dann auf Festivals gelobte Debütspielfilm so wenige Preise erhielt und wie sie beim Sundance-Festival eine kostenlose Vorführung machen mussten, um den Film zeigen zu können. Es ging natürlich um die Musikrechte.

Mit Sebastian Schmidtke (Pseudonym von Sebastian Urzendowsky), Martin Reinhold, Vasko Scholz, Myriam Abeillon, Ian T. Dickinson, Rainer Egger, Astrid Pochmann, Hans-Joachim Heist, Axel Milberg, Ingrid Steeger – und die Stimme von Alan Bangs

Wiederholung: Samstag, 11. Februar, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Wikipedia über „Paul is dead“


Neu im Kino/Filmkritik: Martin Scorsese, „Hugo Cabret“ und das KINO

Februar 9, 2012

Die Meldung für den für elf Oscars nominierten Film „Hugo Cabret“, unter anderem als bester Film, ist nicht, dass Martin Scorsese seinen ersten Film in 3D drehte, sondern dass er seinen ersten Kinderfilm drehte. Denn das ist nicht der „Hexenkessel“-„Taxi Driver“-„Wie ein wilder Stier“-„Casino“-„GoodFellas“-„Gangs of New York“-“Departed“-Scorsese, sondern höchstens, wenn wir den Film nach der ersten Hälfte stoppen, der „Aviator“-Scorsese. „Hugo Cabret“ erinnert da schon mehr an „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Auch „Hugo Cabret“ spielt in Paris. 1931 im riesigen Gare Montparnasse.

Dort lebt der zwölfjährige Hugo Cabret, der sich, nach dem Tod von seinem geliebten Vater und dem Verschwinden des ungeliebten, trunksüchtigen Onkels, der ihn in seine Obhut nahm, in den für die Besucher unzugänglichen Gängen des Bahnhofs versteckt und heimlich die Uhren wartet. Mit kleinen Diebstählen hält er sich über Wasser. Hier und da etwas zu essen und aus dem Laden des Spielzeughändlers Georges mechanisch betriebenes, oft auch kaputtes Spielzeug. Das braucht er, um einen mechanischen Automaten, der wie ein menschlicher Roboter aussieht, zu reparieren.

Als der verbitterte Spielzeughändler Georges ihm eines Tages ein Skizzenbuch seines Vaters abnimmt, will Hugo das Buch unbedingt wieder haben. Er verfolgt den Händler, verbündet sich mit dessen Tochter und wir erfahren, dass der Spielzeughändler Georges Méliès heißt und, was wir Filmfans natürlich wissen, einer der Begründer des Kinos ist. Méliès inszenierte „Die Reise zum Mond“ und unzählige weitere, inzwischen oft verschollene Filme, die damals, vor über hundert Jahren, sehr erfolgreich waren.

In diesem Moment wird „Hugo Cabret“ zu einer Liebeserklärung an das Kino, das in seiner modernsten Form, zeigt, dass die alten Stummfilme immer noch faszinierend sind und einen handgemachten Reiz haben, der heutigen 3D-Kreationen abgeht. Obwohl Scorsese auch einige Bilder zaubert, die nur so ihre volle Wirkung entfalten. Wenn Hugo Cabret und seine Isabelle im Haus von Georges Méliès von einem Schrank eine Kiste holen, sie ihnen entgleitet, sich öffnet und der Inhalt, eine Sammlung von Zeichnungen langsam durch den das Zimmer schwebt, dann wird der Moment durch den 3D-Effekt noch größer. Obwohl, wie der Clip zeigt, er auch in 2D beeindruckend ist.

Ebenso wenn der Stationsvorsteher, der Hugo im Bahnhof schnappen will, sich über Hugo beugt, immer größer und furchteinflößend wird, fast als ob er das Bild sprengen würde, dann merkt man, was mit 3D möglich ist.

Die anfängliche Kamerafahrt durch den Bahnhof ist aber das Pixelgewitter, das mich bei 3D immer wieder abschreckt und aus der Wirklichkeit des Film reißt. Auch atmosphärische Bilder mit Schnee, Rauch und Sonnenstrahlen sehen in 3D immer wieder, auch in einem Film der sich mit seiner Farbgebung betont künstlich und damit märchenhaft gibt, wie schlechte Computergrafiken aus.

Gleichzeitig, und das ist die große Ironie von „Hugo Cabret“, der die neuesten Filmtechniken benutzt, um den Traum vom Kino zu zeigen, sind gerade die ältesten Bilder aus den Stummfilmen, wie die legendäre „Ankunft eines Zuges in La Ciotat“, die längeren Ausschnitte aus Méliès „Die Reise zum Mond“ und „Das Königreich der Feen“ und Harold Lloyds legendäre Kraxelei an einem Hochhaus in „Ausgerechnet Wolkenkratzer“, die wirklich faszinierenden Bilder, in denen sich auch die kindliche Lust am Film, die Entdeckerfreude und Experimentierlust der Filmpioniere zeigt. Und wahrscheinlich hat Martin Scorsese genau das in seiner Liebeserklärung an das Kino gewollt: die Menschen mit dem Versprechen der neuesten Technik in das Kino zu locken, um ihnen zu zeigen, dass die alten Techniken, die Stummfilme und mechanischen Geräte, immer noch ihren Reiz haben.

„Hugo Cabret“ ist ein wunderschöner Film für Kinder und Jugendliche, der sie als Publikum mit seiner schmalzfrei erzählten Geschichte ernst nimmt und er ist, inszeniert von einem Filmfanatiker, der bereits mehrere Dokumentarfilme über die Geschichte des Kinos, in denen er schwärmerisch von seinen Lieblingsfilmen erzählte, machte, eine Liebeserklärung an das Kino, die die Zuschauer für den Film als Kunstform und die Geschichte des Films begeistern soll.

Und die Erwachsenen haben auch ihren Spaß. Jedenfalls wenn sie nicht die französische Ausgabe von „GoodFellas“ erwarten.

Hugo Cabret (Hugo, USA 2011)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: John Logan

LV: Brian Selznick: The Invention of Hugo Cabret, 2007 (Die Entdeckung des Hugo Cabret)

mit Asa Butterfield, Sacha Baron Cohen, Ben Kingsley, Jude Law, Chloe Maretz, Christopher Lee, Emily Mortimer, Ray Winstone, Helen McCrory, Martin Scorsese (Cameo als Fotograf), Brian Selznick (Cameo als Student)

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hugo Cabret“

Rotten Tomatoes über „Hugo Cabret“

Wikipedia über „Hugo Cabret“ (deutsch, englisch)

Homepage von Brian Selznick

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Martin Scorsese in der Kriminalakte

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Bonusmaterial

Natürlich war es schon ein Ereignis, die Stummfilme, die ich nur vom Fernsehen kannte, auf einer großen Leinwand in einer brillanten Bildqualität zu sehen, aber einen Eindruck kann man sich mit diesen Clips verschaffen.

Die Ankunft eines Zuges in La Ciotat (1895, von Auguste und Louis Lumière)

Die Reise zum Mond (1902, von Georges Méliès)

Das Königreich der Feen (1903, von Georges Méliès)

Ausgerechnet Wolkenkratzer (1923, von Harold Lloyd)

Wer nur die bekannte Szene sehen will

 


TV-Tipp für den 9. Februar: Berlinale 2012 – Die Eröffnung

Februar 9, 2012

3sat, 19.20

Berlinale 2012 – Die Eröffnung

Soll ein wichtiges Festival sein. Echt. Steht in meiner in der Hauptstadt gedruckten Tageszeitung.

Danach gibt es um 21.00 Uhr „Metropolis“ (D 1927, Regie: Fritz Lang).

Im RBB gibt es um 22.15 Uhr Gespräche und Infos aus dem „Berlinale Studio“, um 22.45 Uhr „Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte“ (D 2008, R.: Michael Althen/Hans Helmut Prinzler) und ab 00.30 Uhr fünf Stunden lang die Pressekonferenzen vom Tag, die einen ganz eigenen Charme haben.


DVD-Kritk: Bertolt Brecht und Fritz Lang machen Politik in „Auch Henker sterben“

Februar 8, 2012

„Der Film war ein Erfolg. Wieviel er eingespielt hat, ist mir völlig unbekannt. Er ist später sehr oft im Fernsehen gelaufen. Ich halte ‚Hangman Also Die‘ für meinen wichtigsten anti-nationalsozialistischen Film.“ schrieb Fritz Lang 1971 an James K. Lyon.

In Deutschland ist „Auch Henker sterben“, so der deutsche Titel von „Hangman Also Die“, der Zusammenarbeit von Bertolt Brecht und Fritz Lang, fast unbekannt. Die deutsche Premiere erlebte der Film im April 1958 in der Originalfassung, einen Kinoverleih fand er nicht und ab 1974 wurde „Auch Henker sterben“, anscheinend in einer gekürzten Fassung, einige Male im Fernsehen gezeigt.

Jedenfalls sind die damals nicht synchronisierten Szenen jetzt, untertitelt, in der in der „filmedition suhrkamp“ erschienen vollständigen Fassung des Propagandafilms enthalten.

Der Film spielt im Juni 1942 und beginnt mit der Ermordung von Reinhard Heydrich, dem „Henker von Prag“ und Organisator der Judenvernichtung. Der Attentäter (Brian Donlevy), ein Mitglied der tschechischen Widerstandsbewegung, muss bei seiner Flucht improvisieren und er zieht damit Mascha Novotny (Anna Lee) und ihre Familie, bei der er mit einer erfundenen Geschichte Unterschlupf findet, mit ins Unglück. Ihr Vater, der angesehene Gelehrte Professor Stephan Novotny (Walter Brennan), durchschaut schnell die Lügen des Überraschungsgastes. Aber er schweigt.

Kurz darauf wird, obwohl die Familie Novotny nichts mit der Widerstandsbewegung zu tun hat, Professor Novotny verhaftet.

Denn die Nazis bauen ihr Terrorregime aus, verhaften wahllos Tschechen, diese leisten Widerstand, die Widerstandskämpfer versuchen dem staatlichen Zugriff zu entgehen, es gibt Verräter unter ihnen, der Attentäter fragt sich, ob er das Richtige getan hat und Mascha fordert ihn auf, sich zu stellen.

„Auch Henker sterben“ gehört zu den Anti-Nazi-Propagandafilme; was seine schlechte Aufnahme in Deutschland und, weil Lang wirklich nicht besonders feinfühlig vorgeht, seinen Erfolg in den USA erklärt. Denn Lang „arbeitet von innen heraus. Er weiß, was er porträtiert, und er hat ein starkes Gefühl des Hasses. Deshalb gleitet dieser Film kaum ins Melodram ab, auch in Szenen, wo dies sehr leicht möglich wäre. Statt dessen entsteht ein Manifest des Hasses, wie das auch einige russische Filme auf ihre Weise geleistet haben. Aber Langs Hass verrät genauere Kenntnis des Gegenstandes.“ (New York Post, 16. April 1943)

Dieser Hass trägt dazu bei, dass alle Deutschen (die von deutschen Emigranten gespielt wurden) nur noch als Karikaturen durch den doch ernst gemeinten Film laufen und der Hauptplot, die Flucht des Attentäters, immer wieder ins Stocken gerät. Denn es muss auch, eher länglich, vom Schicksal der Inhaftierten und den internen Streitigkeiten der Widerstandsbewegung erzählt und das Hohelied auf den unbeugsamen Widerstandswillen der Bevölkerung gesungen werden.

Bertolt Brecht, Fritz Lang und John Wexley (dessen Anteil an der Geschichte wohl eher vernachlässigbar ist) hatten einfach zu viel zu sagen. Deshalb dauert der Film auch 130 Minuten. Das ist, auch gemessen an der damaligen Standardlänge von neunzig Minuten für einen Film, arg lang. Auch Fritz Langs andere Hollywood-Filme sind selten länger als hundert Minuten.

Und so gelungen „Auch Henker sterben“ als Propagandafilm ist, der die Amerikaner zum Kampf gegen Nazi-Deutschland mobilisieren soll, so gescheitert ist er als Film, der eine spannende Geschichte erzählt. Er ist mit über zwei Stunden einfach zu lang. Es gibt zu viele verzichtbare Subplots und Genrewechsel zwischen Mann-auf-der-Flucht-Thriller, Liebesgeschichte und Widerstandsdrama, mit zu viel Parodie. Denn heute – und wahrscheinlich auch schon damals – wirken die Nazis in „Auch Henker sterben“ wie Knallchargen. Auch die anderen Schauspieler haben einen unguten Hang zum Over-Acting, den es in diesem Ausmaß in den anderen damals von Fritz Lang inszenierten Filmen nicht gab. Und in vielen Szenen zitiert Fritz Lang sich arg plakativ selbst. Wer die Mabuse-Filme, „M“ und auch seine ersten US-Filme kennt, wird viele vertraute Motive, Bilder und Szenen, vor allem wenn der Mob agiert, wiederfinden. Entweder als direktes Zitat oder als konsequente Umkehrung einer früheren Szene.

Als Bonusmaterial gibt es ein sehr informatives und – wir reden von der „filmedition suhrkamp“ – angenehm textlastiges 44-seitiges Booklet, aus dem auch die hier verwendeten Zitate sind. Neben zeitgenössischen US-Filmkritiken (deutsche Rezensionen wurden leider nicht abgedruckt) gibt es Auszüge aus der FBI-Akte und dem Arbeitsjournal von Bertolt Brecht und Gesprächsausschnitte mit Fritz Lang und Hanns Eisler, der die Musik für „Auch Henker sterben“ schrieb.

Auch Henker sterben (Hangman also die, USA 1943)

Regie: Fritz Lang

Drehbuch: John Wexley (nach einer Geschichte von Bertolt Brecht und Fritz Lang)

mit Brian Donlevy, Walter Brennan, Anna Lee, Margaret Wycherly, Nana Bryant, Billy Roy, Gene Lockhart, Hans Heinrich von Twardkowsky, Alexander Granach, Reinhold Schünzel, Lionel Stander

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DVD

filmedition suhrkamp/Absolut Medien

Bild: PAL, 4:3 (Schwarzweiß)

Ton: Deutsch, Englisch (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: 44-seitiges Booklet

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

19,90 Euro (unverbindliche Preisempfehlung, aber weil sie ein halbes Buch ist…)

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Hinweise

Wikipedia über „Auch Henker sterben“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Auch Henker sterben“

Wikipedia über Fritz Lang (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs „Du und ich“ (You and me, USA 1938)

Fritz Lang in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Februar: Nouvelle Vague – Außenansichten

Februar 8, 2012

Arte, 22.05

Nouvelle Vague – Außenansichten (Fr 2008, R.: Luc Lagier)

Drehbuch: Luc Lagier

Fast einstündige Doku über den Einfluss der Nouvelle Vague auf andere Filmemacher:

Die Dokumentation wirft zahlreiche Fragen auf, unter anderem auch über den internationalen Einfluss der Nouvelle Vague. Hat sich diese Art Filme zu machen international durchsetzen können? Wie hat sie das amerikanische Kino von den 70er Jahren bis heute beeinflusst? Wie haben amerikanische Regisseure die Nouvelle Vague rezipiert? Und warum haben französische Regisseure wie Truffaut, Godard und Resnais letztlich nie in den USA gedreht? Antworten auf diese Fragen soll ein Blick über den Ozean geben. In New York und Los Angeles kommen dazu Filmgrößen wie Sidney Lumet, Arthur Penn, Monte Hellman, William Friedkin, Paul Schrader, Robert Benton, DA Pennebaker, Jerry Schatzberg, Brian De Palma, James Gray und Wes Anderson zu Wort. (Arte über die Doku)

Von Luc Lagier ist auch die sehenswerte Doku „Godard: Made in USA“, die auf der Blu-Cinemathek-Ausgabe von „Außer Atem“ (Studiocanal) drauf ist.

Hinweise

Wikipedia über „Nouvelle Vague“

Movie College über „Nouvelle Vague“


DVD-Kritik: Eine Wiederbegegnung mit dem „Geheimbund der Rose“

Februar 7, 2012

Als der „Geheimbund der Rose“ vor über zwanzig Jahren im Fernsehen lief, war ich mächtig begeistert von dem Zweiteiler. Über drei Stunden gab es Action im Geheimagentenmilieu, einen ausgewachsenen Vater-Sohn-Konflikt und Robert Mitchum als Rosenzüchter. Seitdem wollte ich den Film immer mal wieder sehen, aber im Fernsehen lief er seitdem nicht mehr. Doch jetzt veröffentlichte Koch Media den Film auf einer sehr sparsam ausgestattete Doppel-DVD. Es ist nur der Film in der deutschen und englischen Fassung drauf. Jedenfalls konnte ich meinen damaligen Eindruck überprüfen und, soviel kann schon verraten werden, die David-Morrell-Verfilmung Film von 1988 hat sich gut gehalten.

CIA-Vizechef John Elliot (Robert Mitchum) hat für besondere Aufgaben einige Spezialagenten, die nur seinen Befehlen gehorchen. Seine beiden besten Männer sind „Romulus“ und „Remus“. Waisenkinder, die sich schon im Waisenhaus verbrüderten, von Elliot adoptiert und zu Profikillern ausgebildet wurden. Chris ‚Remus‘ Kilmoonie (David Morse) hat dann irgendwann den Moralischen bekommen und sich sechs Jahre in ein Trappistenkloster zurückgezogen. Jetzt soll er in Bangkok einen KGB-Agenten umbringen. Er kann es nicht. Als er ihn in einem Abelard-Haus (Vor dem zweiten Weltkrieg haben die Geheimdienste den geheimen Abelard-Vertrag geschlossen, nach dem bestimmte Orte Schutzzonen für alle Agenten sind und sie so die Integrität der Dienste gegenüber der Politik aufrecht erhalten können), wieder trifft, bringt ein chinesischer Agent den KGB-Mann um. Remus kann flüchten. Aber alle glauben, dass er gegen den Abelard-Vertrag verstieß. Die Strafe für einen solchen Verstoß ist der Tod. Jeder Geheimagent jagt ihn.

Zur gleichen Zeit soll Saul ‚Romulus‘ Grisman (Peter Strauss) im Auftrag von Elliot ein Attentat verüben. Es gelingt, aber danach fragt Romulus sich, warum er fünf wichtige US-Wirtschaftsbosse publikumswirksam umbringen sollte. Als kurz darauf an einem, ihm von Elliot genannten, Treffpunkt ein Anschlag auf ihn verübt wird, weiß er, dass Elliot ihn umbringen will. Er weiß nur nicht, warum sein Vater, den er bewundert und bedingungslos gehorcht, ihn töten will.

Als Romulus und Remus sich treffen, beschließen sie, die Wahrheit herauszufinden.

Selbstverständlich ist „Geheimbund der Rose“ kein realistischer Blick in die Welt der Agenten. Die dürfte in der jüngsten John-le-Carré-Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ akkurater porträtiert werden. Der Film ist ein unterhaltsames Action-Märchen über das Erwachsenwerden von zwei Brüdern, mit leicht zynischer, realpolitischer Grundierung. Denn dass die Geheimdienste gerne ihre eigenen Geschäfte machen und sich ungern von der Politik kontrollieren lassen, wurde jetzt – auf ungleich kleinerem Niveau – bei uns mit der Beobachtung der halben Linksfraktion im Bundestag und dem jahrelangen Nicht-Wahrnehmen einer rechten Terrorgruppe wieder offensichtlich. Ältere können sich gerne auch an länger zurückliegende Geheimdienstskandale, wie das „Celler Loch“, den Mordfall Ulrich Schmücker und die jahrelange Beobachtung des Bürgerrechtlers Rolf Gössner, erinnern.

Und Robert Mitchum als Rosen züchtenden Ziehvater, der skrupellos seine Söhne für seine Interessen ausnutzt und, als sie sich gegen ihn wenden, ihre Aktionen als intellektuelles Spiel auffasst, bei dem er als ihr Lehrer gespannt ihre Züge mitverfolgt und Gegenstrategien entwirft, ist natürlich mehr als die halbe Miete.

Den Rest besorgen die anderen Schauspieler, die guten Action-Szenen (wir reden von einer 80er-Jahre-TV-Produktion) und die ruhig, aber straff erzählte Geschichte.

Insgesamt ist „Geheimbund der Rose“ ein ziemlich gelungener NBC-Zweiteiler, der es schafft, als noch während des Kalten Kriegs entstandener Agentenfilm alle Kalter-Kriegs-Klischees zu vermeiden und die Geheimagenten als eine sich über allen Gesetzen stehende Kaste zeigt, die im Zweifelsfall das Gesetz selbst in die Hand nehmen.

Der „Geheimbund der Rose“ ist ein sehr unterhaltsamer TV-Film, der aufgrund seiner guten Schauspieler besser als vergleichbare B-Pictures ist und allemal einen Blick wert ist.

In Hollywood ist seit Jahren ein Remake des Bestseller-Romans von David Morrell, dem Erfinder von „Rambo“, im Gespräch.

Geheimbund der Rose (Brotherhood ot the Rose, USA 1988)

Regie: Marvin J. Chomsky

Drehbuch: Gy Waldron

LV: David Morrell: The Brotherhood of the Rose, 1984 (Der Geheimbund der Rose)

mit Peter Strauss, Robert Mitchum, David Morse, Connie Sellecca, James B. Sikking, M. Emmet Walsh, James Hong

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DVD

Koch Media

Bild: 1.33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 181 Minuten (2 DVD)

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Wikipedia über „Geheimbund der Rose“

Homepage von David Morell

Meine Besprechung von David Morrell „Level 9“ (Scavenger, 2007)

Meine Besprechung von David Morrells „Creepers“ (Creepers, 2005)

Meine Besprechung von David Morrells „Captain America: Der Auserwählte“ (Captain America: The Chosen, 2007/2008)

David Morrell in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. Februar: Auf Liebe und Tod/Schießen Sie auf den Pianisten

Februar 6, 2012

Der runde Geburtstag von Francois Truffaut (6. Februar 1932 – 21. Oktober 1984) ist für Arte die Gelegenheit, ihn mit einer kleinen Filmreihe zu ehren und an ihn zu erinnern. Denn so bedeutend Truffaut zu Lebzeiten war, so selten liefen seine Filme in den vergangenen Jahren im Fernsehen und auch auf die DVD wurden erst jüngst von Arthaus/Studiocanal mit einer umfangreichen Veröffentlichung die größten Lücken geschlossen. Obwohl einige Filme noch fehlen (wie „Das grüne Zimmer“), nicht mehr erhältlich sind (wie „Die amerikanische Nacht“) oder eine bessere Ausgabe (Mehr Bonusmaterial!) verdient hätten.

Mit Truffauts letztem Film „Auf Liebe und Tod“ (der anscheinend zuletzt vor über zehn Jahren im Fernsehen lief) und seinem zweiten Film „Schießen Sie auf den Pianisten“ wird auch zugleich die Entwicklung von Francois Truffaut von einem der Begründer der Nouvelle Vague zu einem etablierten Regisseur, der auch Starkino machte, gezeigt. Während er in „Schießen Sie auf den Pianisten“ noch hemmungslos mit der Form des Kriminalfilms, des Film Noirs und den Konventionen des Kinos spielte, weshalb sein Film auch gar nicht so fern von Jean-Luc Godards Kriminalfilmen „Außer Atem“ und „Die Außenseiterbande“ ist, und ihm die Geschichte herzlich egal war, liefert er in „Auf Liebe und Tod“ mit Fanny Ardant und Jean-Louis Trintignant in den Hauptrollen einen klassischen Rätselkrimi mit Noir-Touch, Starbesetzung und französischem Flair. Das ist durchaus unterhaltsam aus der Zeit gefallen.

Arte, 20.15

Auf Liebe und Tod (F 1983, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut, Suzanne Schiffman, Jean Aurel

LV: Charles Williams: The long saturday night, 1962 (Die lange Samstagnacht, Auf Liebe und Tod)

Sekretärin Barbara versucht zu beweisen, dass ihr Chef nicht den Liebhaber seiner Frau und anschließend sie umgebracht hat. Aber die Beweise sprechen eine andere Sprache.

„Kriminalkomödie, die darüber hinaus formal und inhaltlich wie eine Anthologie eines Vierteljahrhunderts Truffaut wirkt, und das ohne Staubwolken und Nostalgie. ‚Auf Liebe und Tod‘ ist ein frischer kleiner Spaß, den der Regisseur sich (um sich von ‚La femme d’à côte‘ zu erholen) und den Samstagabendzuschauern gönnt, die sich unterhalten lassen sollen, ohne sich hinterher schämen zu müssen.“ (Fischer Film Almanach 1985)

„Auf Liebe und Tod“ „ist eine Rückbesinnung auf seine Kino-Vorlieben der Zeit, in der er mit dem Filmemachen begann, es ist eine Hommage an den ‚Film Noir‘. Allerdings eine, die sich vor allem auf die ästhetischen Muster bezieht und weniger die Figuren und Geschichten umschließt.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

mit Fanny Ardant, Jean-Lous Trintignant, Philippe Laudenbach, Caroline Sihol, Philippe Morier-Genoud

Wiederholungen

Dienstag, 7. Februar, 14.30 Uhr

Mittwoch 15. Februar, 14.35 Uhr

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Arte, 22.00

Schießen Sie auf den Pianisten (F 1960, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: François Truffaut, Marcel Moussy

LV: David Goodis: Down there, 1956 (Schüsse auf den Pianisten)

Nach dem Selbstmord seiner Frau hat sich der berühmte Konzertpianist Edouard zurückgezogen und fristet sein Dasein in einer Kaschemme als Barpianist. Als sein Bruder ihn um Hilfe bittet, gerät er in die Schusslinie von Gangstern.

Nach dem Erfolg seines Erstlings „Sie küssten und sie schlugen ihn“ drehte der 27-jährige Francois Truffaut ein stimmungsvolles Kriminalmelodrama, das in jeder Einstellung das Werk eines begeisterten Cineasten ist.

„Auf den ersten Blick kann man der gebrochenen Handlung kaum folgen, versteht kaum, um was es eigentlich geht. Sieht man den Film aber öfter, wird man weniger auf die Gangster- und Liebesgeschichte achten als vielmehr auf die Machart, auf das Strickmuster dieses Films über das Filmemachen und –anschauen. Truffaut, damals nun wahrlich ein junges Genie, das sich das Filmemachen fast ausschließlich theoretisch angeeignet hat, spielt mit dem Zuschauer nach allen Regeln der Filmkunst.“ (Willi Winkler: Die Filme von Francois Truffaut)

Mit Charles Aznavour, Marie Dubois, Nicole Berger

Wiederholung: Donnerstag, 16. Februar, 03.40 Uhr (Taggenau!)

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Hinweise

Wikipedia über Charles Williams, David Goodis (deutsch, englisch) und Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Arte über Francois Truffaut

Kriminalakte über Francois Truffaut

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Bei Arthaus/Studiocanal erschienen „Schießen Sie auf den Pianisten“ und „Auf Liebe und Tod“ (beide mit Einführungen des Truffaut-Biografen Serge Toubiana) als Einzel-DVDs und in der „Francois Truffaut Edition“


TV-Tipp für den 5. Februar: Goldenes Gift

Februar 5, 2012

BR, 23.45

Goldenes Gift (USA 1947, R.: Jacques Tourneur)

Drehbuch: Geoffrey Homes (Pseudonym von Daniel Mainwaring), James M. Cain (ungenannt), Frank Fenton (ungenannt)

LV: Geoffrey Homes: Build my gallows high, 1946 (Goldenes Gift)

Privatdetektiv Jeff Bailey soll für den Gangster Whit Sterling dessen mit einer Tasche Geld durchgebrannte Freundin suchen. Dummerweise verliebt Jeff sich in das titelgebende „Goldene Gift“.

Jacques Tourneur, dessen bekannteste Werke die Horrorfilmklassiker „Katzenmenschen“ und „Ich folgte einem Zombie“ sind, inszenierte diesen Noir, der inzwischen zu den Klassikern des Genres gehört, nach einem Roman von Geoffrey Homes, der auch das Drehbuch schrieb und geschickt mit der Noir-typischen Rückblendenstruktur und den Noir-Archetypen (die heute sattsam bekannte Klischees sind) spielt. Tourneur zeigte sich wieder einmal als Meister der Licht- und Schattenspiele und Robert Mitchum demonstriert, wieviel Schauspiel in einem Nicht-Schauspiel sein kann.

Mit Robert Mitchum, Jane Greer, Kirk Douglas, Rhonda Fleming, Richard Webb, Steve Brodie, Virginia Huston, Paul Valentine, Dickie Moore

Auch bekannt als „Out of the past“

Hinweise

Wikipedia über “Goldenes Gift” (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “Out of the past”

Roger Ebert über “Out of the past”

Meine Besprechung von „Goldenes Gift“ (Out of the past, USA 1947)


TV-Tipp für den 4. Februar: Agenten-Poker

Februar 4, 2012

MDR, 00.35

Agenten-Poker (USA 1980, R.: Ronald Neame)

Drehbuch: Brian Garfield, Bryan Forbes

LV: Brian Garfield: Hopscotch, 1975

Ein geschasster CIA-Agent will seine Memoiren veröffentlichen. Sie stoßen vor allem in Agentenkreisen auf großes Interesse.

Nette Agentenkomödie, die in Deutschland nur eine Videopremiere erlebte.

„Witzige und größtenteils schwungvolle Agenten-Komödie.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Film war für einen Edgar nominiert, das Drehbuch für den Preis der Writers Guild of America , der Roman erhielt den Edgar als bester Krimi des Jahres und auch Brian Garfield ist mit dieser Verfilmung sehr zufrieden.

mit Walter Matthau, Glenda Jackson, Sam Waterston, Herbert Lom, Ned Beatty, David Matthau, George Baker

Auch bekannt als „Bluff Poker – Ein Schlitzohr packt aus“ (Videotitel)

Hinweise

Wikipedia über „Hopscotch“

Themroc über „Agenten-Poker“

DVD Savant über „Hopscotch“

New York Times: Vincent Canby über „Hopscotch“ (26. September 1980)

Homepage von Brian Garfield

Meine Besprechung von „The Stepfather“ (nach einer Geschichte von Brian Garfield)

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P. S.: Der Trailer ist „bäh“, aber es gelingt ihm verdammt gut, den Film nicht zu verkaufen.


TV-Tipp für den 3. Februar: Nachtschicht: Das tote Mädchen

Februar 3, 2012

ZDFneo, 21.50

Nachtschicht: Das tote Mädchen (D 2010, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Ein russisches Callgirl wird ermordet und in der Elbe versenkt. Das Nachtschicht-Team sucht den Mörder und landet schnell bei einem Privatbankier, der behauptet die Tote nicht zu kennen.

Nix neues von der “Nachtschicht”: Dutzende bekannter Gesichter, die endlich (?) mal wieder (?) zeigen, was sie können, gutes Buch, gute Regie, gute Unterhaltung.

mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Pierre Semmler, Dietmar Bär, Kai Wiesinger, Jürgen Prochnow, Lisa Maia Potthoff

Wiederholung: Samstag, 4. Februar, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker